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Schön ist es in Batyjewo — ein lustiges Dorf ist’s! Von allem hat man genug: viel Wald ringsum, und der Fluß ist gleich in der Nähe. Im Flusse gibt’s so viel Fische, daß man sie gar nicht alle fangen kann, und im Walde Wild — alles ist da, was man nur haben will. Nur eines ist unheimlich: man kann da nicht ordentlich lustig sein. Bist du es aber doch, so darfst du hinterher niemandem Vorwürfe machen: stößt dir dabei ein Unheil zu, so bist du selbst schuld.

Solange das Dorf und die Kirche stehen, treiben hier unsaubere Mächte ihr Spiel, und es gibt gar keine Mittel, sie auszurotten: zählebig sind sie wie die Würmer. Ist man die eine Teufelei glücklich los, so taucht, eh man sich’s versieht, auch schon eine andere auf. Und wenn es mal vorkommt, daß eine Hexe abkratzt, ohne ihre Kunst einer andern vermacht zu haben, so erscheint gewiß sofort eine neue: und keine gelernte, sondern eine geborene. Eine geborene Hexe ist eine solche, die schon als Hexe auf die Welt gekommen ist. Eine Gelernte geht noch an, aber mit einer Geborenen ist nicht zu spaßen: mit

Kleinigkeiten gibt sie sich niemals ab, sondern geht gleich aufs Ganze, so daß man sich nachher sein Lebtag nicht mehr reinwaschen kann.

Es gab im Dorfe Hexen genug, gelernte wie auch geborene. Die ältesten Leute erinnerten sich nicht an eine Zeit, wo es keine Hexen gegeben hätte, und kein Mensch konnte dahinter kommen, wo die Wurzel des Übels lag.

Gar mancher Unglückliche ist schon ins Grab gestiegen, so mir nichts dir nichts elend zugrunde gegangen. Mit den Hexen lasse man sich lieber nicht ein: sie verderben den Menschen, kommen aber selbst immer mit heiler Haut davon und leben ruhig weiter, den Menschen zum Schrecken, dem Gehörnten zum Wohlgefallen — seines bösen Willens Töchter.

So ein verhexter Ort ist eben das Dorf!

Es braust und tost das Gerede in Batyjewo, die Kunde dröhnt durch die Schwarzen Wälder: vom Meere bis zum Gebirge gibt’s keine Hexe, die schrecklicher wäre als Sanofa.

Die andern Hexen sind alte Weiber gewesen: Arischka und Agapka hatten je hundert Jahre und mehr auf dem Buckel; diese aber ist jung — kaum über dreißig. Die andern richteten zwar viel Schaden an, hielten aber doch Maß und machten die Sache zuweilen wieder gut. Dieser fiel das aber niemals ein. Die schrecklichsten Zauberkünste kannte sie. Sie verstand, den Menschen so an einen Fleck zu bannen, daß er niemals

mehr aus dem Hexenringe herauskonnte, und wenn er noch sosehr mit Armen und Beinen um sich schlug; er irrte im Kreise dicht vor seinem Hause herum und konnte nicht ins Haus herein; stand dicht vor seiner Schwelle und konnte kein Glied rühren. Die andern Hexen sehen eben wie Hexen aus, und auch das kleinste Kind kann sie auf den ersten Blick erkennen: sie sind alle dürr, haben Hakennasen und Schwänze; diese aber ist hübsch — die ganze Welt kann man absuchen und keine ähnliche finden —, dabei aber eine Mißgeburt, wie man eine solche seit Erschaffung der Welt nicht gesehen hat: der Körper und alles andere ist echt wie bei jedem gesunden Weibe, aber die Beine sind wie bei einem kleinen Kinde: sie kann gar nicht gehen, nur umherkriechen. Wenn sie doch nur immer umherkriechen wollte! Aber die Leute sagten, daß sie auch fliegen konnte: wie ein Vogel konnte sie in die Luft steigen! Man bekam sie auch fast nie zu Gesicht, höchstens des Nachts. Gott möge aber einen jeden davor bewahren: besser ist’s, dreimal in die Erde zu versinken oder der heiligen Ostermesse nicht beizuwohnen, als sie zu erblicken.