Beinahe hätten sie mich gegessen

Ich hatte zwölf unterirdische Kammern und zwölf Schlüssel — man nahm sie mir weg. Ich sammelte mir im Hofe verschiedene Lumpen — man nahm sie mir auch weg. Die Schlüssel und die Lumpen trug man in die Vorratskammer und schloß sie dort ein. Und Wlassow, mit dem ich erst vor kurzem mein Zimmer geteilt hatte und ohne den ich keinen Schritt machen konnte, verließ mich.

Ich bin ganz nackt, und doch rauben sie mich noch immer aus: sie saugen mir das letzte Blut aus dem Körper. Nun hat mich auch noch eine Zitterkrankheit befallen. Mit Tränen in den Augen flehe ich sie an, mich in Ruhe zu lassen und mir nicht so furchtbar zuzusetzen. Sie will aber nicht auf mich hören.

Sie hatten mich frech beraubt, und ich wußte, daß sie mich nicht am Leben lassen würden, daß sie mich unbedingt ins Grab bringen wollten. Ich konnte es nicht länger aushalten und schickte mein Dienstmädchen auf die Ligowka zu einem mir bekannten Sargmacher, einen Sarg zu holen. — Meine Sterbestunde rückte heran, und es kam mir immer klarer zum Bewußtsein, daß sie meinen Leib schon nach wenigen Tagen mit Brot verzehren und nur meine Knochen in den Sarg legen würden.

Mit unsagbarer Mühe kroch ich die Treppe hinunter und wandte mich an den Portier mit der Bitte um Hilfe: ich flehte ihn mit den letzten Kräften, mein letztes Blut vergießend, an, die vornehmsten Bürger der Stadt auffordern zu lassen, gleich morgen zu mir zu kommen, um mich zu bestatten, solange ich noch nicht verzehrt sei.

Und während ich so den Portier anflehte und mich vor ihm bis zur Erde verneigte, sprang plötzlich das Plakat mit der Aufforderung, die Gummischuhe unten beim Portier abzugeben, ab, und an der Stelle, wo es gehangen hatte, trat aus der Wand Wlassow. Indem er seinen stechenden Feuerwehrmannschnurrbart drehte, reichte er mir die Schlüssel, die Lumpen und etwas Roggenmehl, aus dem ich einen dicken Kleister kochen sollte.