Unter Nackten
Ich war in eine Gesellschaft von Nackten geraten: sie laufen so ganz ohne jede Kleidung herum. ›Sie schämen sich wohl furchtbar, diese Unglücklichen‹, dachte ich mir, alle diese mageren, dicken, aufgedunsenen, knochigen, häßlichen Gestalten betrachtend.
»Nein, wir würden uns schämen, wenn wir uns plötzlich ankleideten«, sagte mir einer der Nackten, der meinen Gedanken offenbar belauscht hatte.
»Schämt man sich denn, wenn man angezogen ist?«
»Das eigentlich nicht . . .«
»Wie häßlich ihr doch alle seid!« unterbrach ich ihn.
»Wenn wir häßlich sind, so mach, daß du fortkommst, solange deine Knochen ganz sind«, sagte mir wütend ein anderer Nackter.
»Was ist eigentlich die schwerste Sünde?« fragte ich ihn.
»Einst galt es als die schwerste Sünde, ein Feuer auszulöschen. Diese Sünde haben wir nie begangen: die Feuerwehr nimmt keine Nackten auf.«
»Ich habe auch keine Lust, zur Feuerwehr zu gehen«, stimmte ich ihm zu. Dann ging ich auf die Seite und zog mir die Stiefel aus.