2. Auftritt.
[Der junge Hasselstein tritt ein.]
Alle Damen [strecken ihm lebhaft die Hände entgegen]. Ach, da kommt unser lieber, unser berühmter Südpolforscher! Willkommen, Willkommen!
Hans Georg [küßt jeder der Damen die Hand]. Ich bitte sich nicht stören zu lassen.
Krickenfeld [süß]. Lieber Herr Professor, wer kann von einer Störung sprechen – wir sind entzückt Sie wiederzusehen. [Es wird mit viel Lärm ausgezahlt.]
Holzheim. Von einer Störung kann hier gar nicht die Rede sein, wir haben uns ja schon so sehr auf das Wiedersehen gefreut.
Zungrapp [ihm mit dem Finger drohend]. Bei mir ist mein alter Freund noch nicht gewesen!
Hans Georg [während die Damen aufbrechen]. Ich werde nicht verfehlen – ich war nur so überaus in Anspruch genommen.
Zungrapp [lächelnd]. Ich kann es mir wohl denken – alle Professoren und – man hat immer auch andere Bekanntschaften –
Krickenfeld [sie beim Arm fassend]. Liebe Emilie, die Frau Oberst muß sich danach sehnen mit Ihrem gefeierten Sohne ein wenig zu plaudern. Da sind wir überflüssig. Komm!
Holzheim [während ihr Hans Georg in den Mantel hilft]. Ach so ein in Liebe pochendes Mutterherz! Aber wie hübsch er geworden ist! [Ihn von allen Seiten betrachtend, einschmeichelnd.] Darf ich Ihnen als alte, gute Freundin einen Kuß geben?
Zungrapp [ihn betrachtend, während Fr. Holzheim ihn küßt]. Und was für einen schmucken Schnurrbart er hat! Er ist nicht umsonst am Südpol gewesen! Das nächste Mal aber, beste Frau Oberst, bringe ich mein bescheidenes Abendbrot mit und werde dann Ihren hochinteressanten Sohn mit Fragen bestürmen. – Sie ahnen ja nicht, welches tiefe Interesse mich durchglüht, Sie lieber Herr Professor, von Ihnen die nähere Beschreibung der Paradiesvögel zu erhalten, die am Südpol –
Hans Georg [trocken]. Paradiesvögel gibt es leider keine in der Antarktis, meine Gnädigste!
Zungrapp [verwundert]. Nicht? Was Sie nicht sagen? Ich meine jene Vögel, die immer auf zwei Beinen gehen.
Hans Georg [leise]. Ja, auf vier können sie nicht leicht gehen. [Laut.] Gnädige Frau meinen wohl –
Krickenfeld [lebhaft]. – die antarktischen Pelikane. Von denen habe ich auch gelesen. [Sie knöpft eifrig ihre Handschuhe zu, die anderen Damen haben auch umständlich eine Menge Kleider und Pelzsachen angelegt.]
Hans Georg [lächelnd]. Gnädigste sprechen gewiß von den Pinguinen.
Krickenfeld [triumphierend]. Siehst du, liebste Emilie, ich hatte es erraten – mit »P« wenigstens fängt auch mein Wort an.
Holzheim [neugierig]. Nun behalten wir Sie wohl in in unserem schönen Kringhausen, nicht wahr, Herr Professor! Beim Mamatscherl ist's eben am besten!
Hans Georg [die Stirne runzelnd]. Ich hoffe bleibend bei Mama verweilen zu können – indessen hängt dies noch von einigen anderen Umständen ab.
Krickenfeld [mahnend]. Führen Sie nur auch bald ein nettes Frauchen heim. Ach, Sie Herzenstöter! [Sie droht ihm lächelnd mit dem Finger.] Ich kenne mehr als ein Mädchen, das nur von Ihnen träumt. Ha, ha, ha!
Hans Georg [ernst]. Gnädige Frau belieben zu scherzen – ich kenne nur eins!
Holzheim [die Hand auf seinen Arm legend]. Wählen Sie sich nur ein häusliches, wohlerzogenes –
Zungrapp [mit Nachdruck]. – ein Mädchen mit tadellosem Rufe – das ist immer Hauptbedingung, hier, wo man eben in mancher Beziehung noch so unmodern ist.
Krickenfeld [lebhaft]. Etwas Mitgift ist auch ein sehr wünschenswerter Faktor –
Zungrapp [abwehrend]. Letzteres spielt bei unserem Jungchen [schelmisch] Pardon! Pardon! so darf man eine angehende Berühmtheit wohl nicht nennen –
Hans Georg [verbeugt sich kalt]. Bitte sehr, gnädige Frau!
[Alle Damen reichen nun zuerst Frau Hasselstein und hierauf ihrem Sohne die Hand, die er küßt. Abschiedsworte fliegen durcheinander, ein großer Lärm entsteht. Mutter und Sohn begleiten die Gäste bis zur Tür zur Rechten.]
Krickenfeld [zu Hans Georg]. Stets willkommen bei mir, Herr Professor!
Zungrapp [lächelnd]. Nur auf baldige Brautschau ausgegangen! Ein junger Mann braucht ein Heim.
Holzheim [ruft von der Schwelle zurück]. Und nur die Warnungen der lieben Mama hübsch beherzigt!