Zwölftes Kapitel.

Trotz der großen Schmerzen, die es ihm verursachte, mußte der Kranke doch aufstehen, um seinen Durst zu löschen, der endlich zu einer unerträglichen Qual für ihn wurde, um so mehr, da er die Rolle des Tantalus zu spielen gezwungen war und ganz in der Nähe des köstlichsten Wassers, das er rieseln und rauschen hörte, vor Durst verschmachten sollte. Er erhob sich also; allein seine Beine versagten ihm den Dienst und er sank mehrere Male um; endlich erreichte er aber doch den Bach und trank nun mit vollen Zügen. Er konnte sich nicht wieder von dem herrlichen erquicklichen Wasser trennen und eingedenk der Mühseligkeiten und Schmerzen, die es ihm gemacht hatte, bis zu demselben zu gelangen, legte er sich ganz in der Nähe des Baches nieder.

Ein Glück war es für ihn, daß er keinen Hunger verspürte, wie man dies bei Kranken in der Regel bemerkt, denn wie hätte er, der kaum seine Hände zu rühren und keine zehn Schritte ohne die entsetzlichsten Schmerzen zu gehen vermochte, sich Nahrungsmittel suchen sollen?

Dieser schreckliche Zustand dauerte volle drei Tage und der arme William glaubte sich dem Tode nahe. Er würde in seiner völlig hülflosen Lage, verlassen von aller Kreatur, völlig haben verzweifeln müssen, wenn er nicht von seiner Mutter zur Frömmigkeit angehalten worden wäre und ein unbegrenztes Vertrauen zu seinem himmlischen Vater gehabt hätte. Dieses Vertrauen und ein inbrünstiges Gebet zu Gott erhielten seinen Muth aufrecht und wurden vielleicht seine Lebensretter; denn wie sehr würde es seinen Zustand verschlimmert haben, wenn er, statt sein Leben und Schicksal in die Hände seines himmlischen Vaters zu legen, sich einer wilden Verzweiflung überlassen hätte.

Seine größte Plage war die Schlaflosigkeit, die theils durch seine großen Schmerzen, theils dadurch herbeigeführt wurde, daß er sich gar keine Bewegung machen konnte. Da war es denn eine gute Sache für ihn, daß er sich zeitig daran gewöhnt hatte, auf Alles Achtung zu geben, was um ihn her vorging, denn sonst würde er die tödtlichste Langeweile gehabt haben. Am Tage schenkte er den ihn umstehenden Gräsern und Blumen, den schöngefärbten Schmetterlingen und Libellen, die ihn umflatterten, den Käfern und Würmchen, die sich auf den Spitzen der Grashalme wiegten, oder am Boden hinkrochen, seine Aufmerksamkeit und jeder Gegenstand gab ihm hinlänglichen Stoff, Betrachtungen anstellen zu können, da Alles hier ganz anders als in Europa war. In der Nacht beschäftigte er sich damit, die Gestirne zu beobachten und mit seinen Blicken ihren Lauf zu verfolgen, sich die Stellung zu bemerken, in der die einzelnen Gestirne gegeneinander standen. Zuweilen gewährte das Flattern oder der Ruf eines Nachtvogels ihm eine angenehme Unterhaltung; selbst das Quacken der Frösche, die am Rande des Baches ihr eintöniges Nachtlied anstimmten, war für sein Ohr jetzt kein unangenehmer Ton, so wenig er früher auch dieser Musik der Sumpf-Nachtigallen Geschmack hatte abgewinnen können: belebte es doch die sonst so schweigsame Natur!

Nachdem unser William drei volle Tage und Nächte so gelegen, ohne irgend Etwas zu sich zu nehmen, als das Wasser, das er aus seinem lieben Bache schöpfte, fing er endlich an, eine leise Anwandlung von Hunger zu verspüren; dies war das erste Zeichen der wiederkehrenden Genesung und er dankte Gott dafür, obgleich er nicht wußte, wie er den erwachenden Appetit stillen solle; war er doch noch zu schwach, um mit seinem Messer sich Pataten aus der Erde graben zu können, und woher hätte er vollends die Kraft nehmen sollen, Feuer anzumachen, um sie zu braten? Er mußte sich also einer neuen Geduldsprobe und Hungerkur unterwerfen, bis er sich wieder etwas stärker fühlen würde. Dieser Mangel an Nahrung – so unglaublich diese Behauptung Euch auch klingen mag – beförderte seine Genesung bedeutend. Ein kranker Körper bedarf in der Regel gar keiner Nahrung, ja sie schadet ihm in den meisten Fällen, und vermöchten alle Kranke es über sich, die strengste Diät zu halten, so würden sie noch einmal so schnell genesen. Zu einer solchen Enthaltsamkeit sah sich aber unser William durch seine Lage gezwungen und erst am fünften Tage, als sein Appetit recht groß geworden war, zwang ihn dieser, den Versuch zum Aufstehen zu machen, und jetzt ging es.

Zwar schwankte er noch wie ein vom Winde hin und her bewegtes Rohr; zwar drehten sich scheinbar alle Gegenstände um ihn her im Kreise, wie es bei großer Schwäche der Fall zu sein pflegt; zwar mußte er sich nach zehn bis zwanzig zurückgelegten Schritten erst niedersetzen, um auszuruhen; allein es ging doch immer besser und besser und in der Zeit von einer Stunde hatte er eine gute Strecke zurückgelegt, indem er immer dem Laufe des Baches folgte.

Ein zwar niedriges, aber dem Anscheine nach dichtes Gebüsch zeigte sich in einiger Entfernung. In der Hoffnung, dort vielleicht irgend etwas Eßbares zu finden, strengte er den letzten Rest seiner Kräfte an, um es zu erreichen. Wie belohnte sich aber diese Anstrengung nicht für unsern armen Hungernden! Als er sich dem Gesträuche bis auf einige wenige Schritte genähert hatte, sah er fast jeden Zweig desselben mit schwellenden, dunkelrothen Beeren bedeckt, die traubenweise daran hingen und auf den ersten Blick von ihm für Himbeeren erkannt wurden. Seine Schwäche gänzlich vergessend, stürzte er auf diese labenden, duftigen Früchte zu und aß eine gute Menge davon. Es war ein Glück für ihn, daß er keine festere Nahrung gefunden hatte, weil er sich mit einer solchen den völlig ausgehungerten Magen gewiß gänzlich verdorben haben würde. Jetzt aber fühlte er sich nach dem Genusse der kühlenden und duftigen Frucht außerordentlich erquickt und so behaglich, wie seit längerer Zeit nicht; ja, er konnte sogar ohne allzugroße Beschwerde zu seiner geliebten Quelle zurück kehren, denn von dieser trennte er sich nur ungern.

Es ging von nun an immer besser; ja er konnte sogar seinen Appetit wieder an den nährenden Pataten stillen, die, nächst dem Wasser, die größeste Wohlthat für ihn waren.

So wie er nun seine ersten Bedürfnisse befriedigt sah, dachte er bereits auf andere. Obgleich der Himmelsstrich, unter dem er sich befand, einer der wärmsten, mildesten der Erde war, so empfand er doch oft, des stark fallenden Thaues wegen, Nachts ein heftiges Frösteln, besonders gegen Morgen, wo die Nachtkühle immer am empfindlichsten ist. Er sah sich also, so wie seine Kräfte es nur erlaubten, nach einem schützenden Obdache um, das aber nicht allzuweit von seinem geliebten Bache entfernt sein durfte.

Er hatte mehrfach gelesen und gehört, daß manche Berge Höhlen enthielten und seine Gedanken waren auf eine solche gerichtet. Er umkreißte also die nächsten Hügel und war bald so glücklich, eine geräumige Höhle zu entdecken. Der Boden derselben war zwar mit Staub und Schmutz, die Seitenwände mit Spinnenweben bedeckt; auch zeigten viele Thierspuren, sowohl von Vögeln als vierfüßigen Thieren, daß die Höhle diesen seither zum Aufenthalte gedient hatte; allein der Unrath konnte leicht beseitigt werden, und dann bot sie ihm einen willkommenen, schützenden Aufenthalt.

Ein Besen war sehr leicht gemacht, indem er eine Handvoll von den ziemlich starken Blättern des Farrenkraut-Baumes vermittelst des zähen und langen Grases zusammenband und in diesen Bündel einen starken Stock steckte, um ihn gehörig handhaben zu können. Er war so ämsig bei der Arbeit und vergaß seine gegenwärtige verlassene Lage so gänzlich, daß er sich mehrere Male auf das Verdeck des Schiffes versetzt glaubte, wo er Arbeiten der Art zu verrichten gehabt hatte und bald mit Diesem, bald mit Jenem der Mannschaft eine Unterhaltung anzuknüpfen im Begriff war. Aber ach! keine Stimme antwortete ihm, kein Auge blickte wohlwollend auf ihn: er war verlassen von aller Welt, gleichsam abgetrennt von aller menschlichen Gesellschaft, und mit einem tiefen Seufzer setzte er bei diesen niederschlagenden Gedanken sein Reinigungsgeschäft fort.

Bald jedoch kehrte, zugleich mit dem unbegrenztesten Vertrauen zu seinem himmlischen Vater, seine ihm angeborene Heiterkeit zurück und mit lauter Stimme sang er demselben ein Dank- und Loblied. Wie angenehm wurde er bei dieser Gelegenheit nicht überrascht, als eine andere Stimme der seinigen gleichsam zu antworten schien. Er stand halb erschrocken, halb erfreut, still und schaute sich nach allen Seiten um; nun aber schwieg die Stimme und ließ sich erst wieder vernehmen, als er sein Lied fortsetzte. Jetzt begriff er, was es war: er hatte das nahe Echo durch seine eigene Stimme geweckt und seine eigenen Laute waren es, die, von einer etwa 60 Schritt von ihm entfernten Felsenwand zurückgeworfen, ihm antworteten. Er lächelte, als er diese Entdeckung machte, und diese Laute in der Einöde, dieser Ton einer menschlichen Stimme, wenn gleich nur seiner eigenen, machten ihm so viele Freude, daß er mehrere Male den geliebten Namen seiner Mutter, so wie der frühern Bekannten, rief, um ihn von dem Echo wiedergegeben zu hören. Daß er keinen menschlichen Laut in dieser ganzen Zeit vernommen, dies hatte ihn besonders in seiner jetzigen Einsamkeit betrübt und so enthob die Entdeckung des Echos ihn eines beklemmenden Gefühls, indem es diese Einöde gleichsam belebte.

Endlich war unser William mit seinem Reinigungs-Geschäfte fertig und jetzt konnte er auf ein weiches, bequemes Lager für die Nacht denken. Auf die Entdeckung eines zu diesem Zwecke besonders sich eignenden Mooses glaubte er verzichten zu müssen, da er auf seiner Wanderung keine Pflanze der Art erblickt hatte; allein das hohe Gras und mehr noch die Blätter des Farrenkraut-Baumes versprachen ihm eine erwünschte Aushülfe. Zwar machte es ihm keine kleine Mühe, mit seinem Taschenmesser so viel Gras abzuschneiden, als er zu einem Lager bedurfte; zwar vergoß er Ströme von Schweiß bei dieser in der brennendsten Sonnenhitze verrichteten Arbeit; aber er ließ doch nicht davon ab: war er doch auf dem Schiffe an eine oft eben so ermüdende Thätigkeit gewöhnt worden. Auch stärkte ihn der Gedanke, wie süß es sich im kühlen Schatten der Höhle, auf dem weichen, duftigen Lager ruhen würde, bei seiner mühevollen Arbeit, und wie schmeckten ihm seine Pataten, wie der Trunk aus kühler Quelle nach derselben.

Er war jedoch so ermüdet, daß er, als er sich mit Anbruch der Nacht zur Ruhe niederlegte, keines Schlummerliedes bedurfte, um einzuschlafen. Wie lange er geschlafen haben mochte, als er sich, noch mitten in der Nacht, und in der größesten Dunkelheit, durch einen rauhen Gegenstand geweckt fühlte, der über sein Gesicht hinstrich, vermochte er nicht zu bestimmen. Er fuhr erschrocken in die Höhe und wußte sich im ersten Augenblick nicht zu besinnen, wo er sich befände, noch weniger aber sich zu sagen, was es gewesen war, das ihn so unerwartet geweckt hatte. Er rieb sich die Augen, als wenn er auch in der ihn umgebenden rabenschwarzen Finsterniß so besser sehen könne, und schaute sich nach allen Seiten mit lautpochendem Herzen um.

Lange sah er nichts; endlich aber erblickte er in einiger Entfernung vor sich zwei glänzende Punkte, die, da sie oft ihre Stelle veränderten, von einem lebenden Geschöpfe herkommen mußten. Dieser Anblick erfüllte ihn mit solcher Angst, daß ihm der Schweiß aus allen Poren seines Körpers hervorbrach und er regungslos nach dem Winkel schaute, wo er die beiden feurigen Punkte erblickte. Bald vernahm er auch ein erst leises, dann immer stärker werdendes Schnurren, wie von einer großen Katze. An eine solche dachte er in seiner Angst nicht, sondern an Löwen und Tiger, die, wie er aus der Naturgeschichte wußte, gleichfalls zum Katzengeschlechte gehörten und, wie er meinte, recht gut Bewohner dieses Landes sein könnten. Sein Wissen reichte nicht so weit, wie ohne Zweifel das eurige, meine geliebten Kinder! Ihr würdet Euch in Australien nicht vor Löwen und Tigern gefürchtet haben, weil Euch gewiß bekannt ist, daß dieser Welttheil keine Thiere der Art besitzt.

Unser William wagte nicht, sich zu bewegen, aus Furcht, die Aufmerksamkeit seines vermeintlichen Feindes und Verschlingers durch das leiseste Geräusch auf sich zu ziehen. Starr waren seine Augen auf die beiden beweglichen leuchtenden Punkte gerichtet und mit immer mehr steigendem Entsetzen erfüllte ihn das Schnurren, das aus demselben Winkel hervorkam. Jeden Augenblick glaubte er die Beute des vermeintlichen Ungeheuers zu werden und seine Angst war so groß, daß er nicht einmal Gott um die Erhaltung seines Lebens zu bitten vermochte.

Unter welchen Empfindungen er den Rest der Nacht verbrachte, vermöcht Ihr Euch nicht vorzustellen. Kein Schlaf kam mehr in seine Augen und um die eben so nöthige als ersehnte Ruhe war es geschehen; ja, er wagte nicht einmal, sich wieder niederzulegen, aus Furcht, daß er durch irgend ein Geräusch die Aufmerksamkeit seines Feindes auf sich ziehen möchte.

Endlich brach der so heiß ersehnte Tag an und zu seiner eigenen Verwunderung lebte er noch. Er sah durch die Oeffnung der Höhle einen schwachen Lichtschimmer dringen, und nicht lange dauerte es, so fiel selbst ein Sonnenstrahl auf den Vordergrund des Einganges. Dieser Anblick, den er nicht mehr zu erleben gehofft hatte, stillte sein Bangen in Etwas und er wagte es jetzt, sich zu erheben, um wo möglich die Höhle zu verlassen und auf irgend einem Baume eine Zuflucht gegen seinen vermeintlichen Feind zu suchen.

So wie er sich aber erhob – o Schrecken! erhob sich dieser auch; allein er sprang nicht auf ihn zu, um ihm seine kralligen Tatzen in den Leib zu schlagen, sondern schlüpfte, schnell und geschmeidig wie ein Aal, zur Höhle hinaus.

»Wer war denn aber dieser böse nächtliche Störenfried?« höre ich Euch neugierig fragen.

»Eine Katze.«

»Eine Katze? Du spaßest mit uns! Wie sollte die dorthin gekommen sein?«

Und doch war es eine Katze, geliebte Kinder; zwar keine gezähmte, wie die, welche wir der Mäuse und Ratten wegen in unsere Wohnungen aufgenommen haben, sondern eine wilde Katze, ähnlich der, die man auch noch in einigen Wäldern Europas antrifft. Sie sind in Australien aber kleiner, als bei uns, braun und schwarz gestreift, lang, dünn und lang geschwänzt; ihre Krallen sind sehr lang und scharf und ihre Schnauze gleicht der eines Ferkels. Sie fallen übrigens nie Menschen und größere Thiere an, sondern begnügen sich mit Vögeln, die sie in ihren Nestern auf den Bäumen im Schlafe überraschen.

Als unser William dieses winzige Thierchen erblickte, das wahrscheinlich eine noch weit größere Furcht vor ihm, als er vor dem vermeintlichen Löwen oder Tiger gehabt hatte, und zugleich seiner ausgestandenen Angst gedachte, mußte er unwillkührlich lächeln; dies war wohl das erste Lächeln, das seit seinem Schiffbruche ihm auf den Lippen schwebte.

Bald zog ihn ein leises Wimmern im Innern der Höhle wieder in diese zurück; er lauschte und vernahm fest deutlich Töne, die nur von jungen Kätzchen herkommen konnten. In dieser Voraussetzung hatte er sich nicht geirrt; schon nach kurzem Suchen entdeckte er in einer Felsenspalte ein Nest mit 7 bis 8 jungen Kätzchen, die wahrscheinlich ein solches Klaggeschrei erhoben, weil ihre Mutter und Ernährerin sie verlassen hatte. Der Anblick dieser artigen Thierchen erfreute Williams Herz: er kroch auf dem Bauche in die Felsenspalte und holte sich eins davon heraus, um es zu streicheln; aber es erhob ein noch lauteres Klaggeschrei, was vermuthlich die draußen ängstlich harrende Mutter vernahm. Mit einem Satze war diese in der Höhle, mit einem zweiten auf Williams Schulter und ehe er es sich versah, hatte sie mit ihrem Maule das schreiende Kätzchen erfaßt und sprang damit zum Neste, wo sie es zu den andern Thierchen legte; bald sogen alle begierig an ihr, sie aber sah sehr zornig aus, und sowie sich William nur der Felsenspalte näherte, erhob sie sich, sträubte das Haar empor, machte einen Katzenbuckel und schlug mit dem Schwanze um sich. Trotz ihrer Furcht vor dem ihr völlig unbekannten Geschöpfe, trotz der großen Ueberlegenheit an Größe und körperlichen Kräften, die dasselbe vor ihr hatte, bereitete sie sich doch aus mütterlicher Liebe auf einen Kampf mit unserm William vor und würde wahrscheinlich lieber ihr Leben, als eins ihrer Kätzchen in seinen Händen gelassen haben. William ehrte ihre Gefühle und erkannte ihre Rechte an. Er beschloß, die arme, so rührend zärtliche Mutter nicht ferner zu beunruhigen, sie aber wo möglich durch Wohlthaten für sich zu gewinnen. Er ließ sie daher in Ruhe; als er aber sein Mittagsessen verzehrte, warf er ihr einige von seinen gebratenen Pataten in die Felsenspalte und suchte zu beobachten, welche Wirkung diese Gabe auf seine Nachbarin hervorbringen würde. Ohne Zweifel hatte unser Freund auf einige Erkenntlichkeit gerechnet; allein er sah sich in dieser Erwartung getäuscht. Zwar beroch die Katze die Pataten, dann aber ließ sie sie unangerührt liegen und kehrte zu ihren Jungen zurück. Dies setzte ihn einigermaßen in Erstaunen: er wußte nicht, daß diese zu den Raubthieren gehörenden Geschöpfe im wilden Zustande nur animalische Nahrung zu sich nehmen und Vegetabilien oder Pflanzenkost gänzlich verschmähen.

Die Katze wollte also von ihm nichts wissen; trotz dem aber war ihm ihre Gesellschaft sehr angenehm, seit er sich nicht mehr vor ihr fürchtete, und als die Nacht heran kam, legte er sich völlig unbesorgt vor seiner Nachbarschaft zur Ruhe nieder; ja, er schlief auf seinem Lager von Gras und Blättern vollkommen so gut, wie in einem weichen Bette: gesünder, naturgemäßer aber gewiß.