Wiederholungen.
So hätten wir heute alles von der Methode jener glücklichen Spekulanten zu lernen, welche sich offenkundig als die weitaus schärfsten Psychologen erwiesen, indem sie irgend ein Präparat, eine Zahntinktur oder ein Extrakt dadurch zu allgemeinster Geltung verhelfen, dass sie deren Bezeichnungen in grellen Riesenbuchstaben an Mauern, Säulen und Schlöten anschlagen, sich gleichsam an die Fersen des Vorübergehenden heften, selbst auf Bergeshöhen sich zwischen ihm und der Aussicht schieben, ja von Felswänden herab ihm unerwartet Odol! Haarlin! oder Bovril! entgegenschreien.
Wäre heute nicht die Beachtung gewisser Zustände mit einer so vorbildlichen Hartnäckigkeit zu erzwingen? Durch ein ungeheures Preisausschreiben etwa, das an alle Maler, der ältesten wie der neuesten Schule erginge, um auf Bildern oder Plakaten, mit beliebigem Raumverbrauch die Wirklichkeit zu illustrieren und zu illuminieren; allen Brücken und Wegen entlang sie immerzu neu einer Allgemeinheit zu veranschaulichen, deren geistigen Stumpfsinn nur jene Menschenkenner von Spekulanten voll ergründeten. Dass es keine intellektuelle Notwehr, dagegen einen hemmungslosen Mangel an Logik gibt, und dass wir lieber untergehen, als dass wir dächten, hielten wir ja nicht für möglich, bevor wir es erlebten. Wie hätte sonst über unsere Köpfe hinweg jene Phalanx der Niedrigen zustande kommen können, die sich heute mit so bewundernswerter Regie über alle Grenzen hin in die Hände arbeiten? Dass sie dabei sehr ausdrücklich in Freunde und Feinde zerfallen, macht ihren stummen Pakt nur um so fester. Wir anderen aber, welche den entsetzlichen Humbug dieser „Feindschaft“ durchschauen, auf uns, die ihn gewähren lassen, auf uns fällt der Fluch dieser Zeit zurück. Nicht auf die Schlechten, deren Tun im Einklang steht mit ihrem Wollen; auf uns, nicht auf die Knechte, welche sich zu unsern Herren machten, sondern auf uns, die wir uns von ihnen knechten liessen! Sollte der Tag hereinbrechen, an dem es zu spät sein wird für unser Zusammengehen, so werden wir, die guten Willens sind, als die Schuldigen stehen, weil uns der Mut unseres besseren Wissens gebrach, dem Genius des Krieges, die Siegermaske von der gedankenlosen Stirn zu reissen. Ah! wir bedachten nicht den tiefen Sinn jener Sage, welche dem Drachentöter die Sprache der Vögel verstehen liess, als er vom Blut des erlegten Ungeheuers genoss.
So läge es in unserer Macht, das Elend des Weltkrieges zum Segen zu wenden, wenn wir aus den Trümmern, die er häufte, das Weltgericht mit letzter Anstrengung und letzter Entschlossenheit heben; mit ihm die grosse reinliche Scheidung, das Ende der Verkehrtheit, der falschen Gleichstellungen und des Gewühls; den Anfang jener neuen Hierarchie, nach der wir lechzen.
Uns aber, der kleinen, geschlagenen Avantgarde, welche der Krieg um ihre letzte Neugier brachte, wir, die seine Verwerflichkeit und Stupidität von jeher, lang bevor es ein Wort wie Defaitismus gab, kennzeichneten, uns steht heute das traurige Vorrecht zu, die neue Scheidung und den neuen Kampf hinauszurufen, bevor der Schutt der alten Zeit uns begräbt.