Kapitel XIII.

Empfang in Tanah Putih—Verhältnisse im Dorf—Erste politische Versammlung—Freundschaftlicher Verkehr mit den Dorfbewohnern—Überblick über die geographischen und geschichtlichen Verhältnisse in Apu Kajan—Besuch aus benachbarten Dörfern—Stellung der verschiedenen Stände bei den Kĕnja—Tod und Begräbnis eines Häuptlings—Ankunft der verirrten Long-Glat-Gesellschaft—2. und 3. politische Versammlung—Anerkennung der niederländischen Herrschaft in Apu Kajan.

Ein breiter, bequemer Weg, den die Kĕnja mit Stämmen und Brettern belegt hatten, führte uns um den Fuss des Bergabhangs ins Dorf. Hier waren unterdessen zwischen den Häuserreihen einige Gruppen von Frauen und Kindern zu unserem Empfang erschienen. Bei den ersten Reihen begrüsste uns ein alter, magerer Mann, der mir als des Häuptlings Bruder Bo Anjè vorgestellt wurde; er gehörte zu denen, die Anjang Njahu mit weissem Kattun für unseren Empfang hatte gewinnen müssen. Wir reichten diesem erkauften Freunde die Hand, stiegen am Ende des längsten und mittelsten Hauses der langen Reihe die Treppe hinauf und befanden uns in Bui Djalongs Heim.

Das Haus war zwar weniger hoch über der Erde, sonst aber wie alle übrigen ganz im Stil der Bahau gebaut, nur bestanden Dach und Wände nicht aus Holz, sondern aus Matten von schweren, aneinander gereihten Baumblättern. Auch war der Fussboden der Galerie, die wir betraten, vor den Wohnungen der gewöhnlichen Kajan nicht aus Brettern gebaut, sondern aus dünnen Stämmen; erst dicht bei der ăwă des Häuptlings und in dieser selbst bedeckten schwere Bretter den Boden.

Draussen hatten uns einige Menschengruppen aus der Ferne neugierig, aber nicht ängstlich angestarrt, und sobald wir in Bui Djalongs langem Haus an einer Wohnung vorüber waren, kamen die Bewohner aus ihr zum Vorschein und begleiteten uns zur ăwă. Hier wurden einige kupferne Gonge als Sitze für uns gegen die Aussenwand niedergelegt, dicht unter einer Reihe von vielleicht 30 geräucherten Menschenschädeln, die in Büscheln von jungen Palmblättern zwischen den Hauptpfählen der Galerie hingen und durch den Rauch des Herdfeuers, das ständig unter ihnen brannte, geschwärzt worden waren. Rund um dieses Feuer, hinter dem wir sassen, befand sich der Platz für den Häuptling und die vornehmsten Ältesten, wenigstens liess sich Bui Djalong mit einigen ehrwürdigen Greisen dort nieder. Taman Ulow und die Kajan hatten uns schon am Boh auf die Neugier der Kĕnjafrauen und -Kinder vorbereitet und auch Bui Djalong hatte uns bereits dringend gebeten, nicht böse zu werden, wenn man uns lästig falle, denn der ersten Neugier müsse durchaus genügt werden. Da sie hinzugefügt hatten, dass die Kĕnja viel freier als die Bahau seien und sogar handgreiflich werden, bereiteten Demmeni und ich uns auf unseren Gongen, auf denen wir zur Schau dasassen, auf einige schwierige Augenblicke vor. Anfangs wurde es jedoch nicht so schlimm. Die den Schädeln gegenüber versammelte Menge wuchs zwar sehr an und das Gedränge war weit stärker, als ich es bei den Bahau je erlebt hatte, aber anfangs drückte sich das Erstaunen nur in den Gesichtern aus und äusserte sich nur in zahlreichen èh-èh-Rufen, die nicht aufhörten und bei jeder Bewegung, die wir machten, an Zahl und Stärke zunahmen. Augenscheinlich befriedigten wir noch nicht ganz die Neugier der Menge, obgleich wir bereits auf Verlangen einen Ärmel und ein Hosenbein hinaufgestreift hatten zum Beweis, dass unsere Haut auch unter der Kleidung weiss war. Eine freundliche, lebhafte Frau, des Häuptlings Gattin, konnte ihre Wissbegierde schliesslich nicht mehr bezwingen, packte meinen Arm, streifte den Ärmel auf und strich sacht über meine Haut, wobei sie in viele bewundernde èh-Rufe ausbrach. Von ihren, in der Kĕnjasprache gestellten Fragen verstanden wir kein Wort, aber wie Bui Djalong schmunzelnd verdolmetschte, bat sie uns, alle Kleider abzulegen. Auch die Menge rief laut “sow (ausziehen) mong (alles),” und begann sich um meine Person zu drängen; aber ich setzte meinerseits dieser Schaustellung einigen Widerstand entgegen, so dass ich die Zuschauer unbefriedigt liess. Unterdessen hatte der Häuptling den Umstehenden, hauptsächlich den alten Männern, über seine Erlebnisse mit uns ausführlich berichtet, wenigstens schloss ich das aus den immer wieder auf uns gerichteten Blicken der Zuhörer.

Zum Glück empfand man vor unserer Erscheinung noch zu viel Scheu, um zudringlich zu werden, und nur wenige Frauen wagten dem Beispiel von Bui Djalongs Gattin zu folgen und sich von der Echtheit unserer weissen Haut selbst zu überzeugen.

So sassen wir denn etwa eine halbe Stunde da und liessen uns betrachten; glücklicherweise fanden wir unsererseits an den Menschen um uns herum ebenfalls viel Sehenswertes. Am meisten fiel uns das kräftige und gesunde Aussehen der Leute auf und das seltene Vorkommen der beiden Hautkrankheiten ki lān (Tinea imbricata) und bāk (Syphilis), welche den Anblick einer Menge von Bahau-Dajak für Europäer anfangs so abstossend macht. Dagegen waren Kröpfe hier viel allgemeiner verbreitet als am Mahakam und waren die Ohrlappen, besonders bei den Frauen, viel stärker ausgereckt, als ich es bei den Bahau je gesehen hatte. Die Ohrringe waren denn auch besonders zahlreich und schwer. Die Kleidung stimmte mit der der Bahau überein, nur bestand sie sehr einförmig aus weissem oder hellbraunem Kattun oder Baumbast, weil wegen der Trauer des Häuptlings um seine Tochter alle Bewohner der Niederlassung zum Ablegen ihrer schönen Kleider gezwungen waren.

Nach Verlauf der halben Stunde, als Bui Djalong glaubte, unsere erste Begrüssung habe lang genug gedauert, forderte er uns auf, nach unserer Wohnung zu gehen, und führte uns über eine Treppe und einen Holzsteg, die mit hübschen Geländern und Bambuszweigen sorgfältig verziert waren, an das Ufer des Djĕmhāng. Dort erhob sich eine ebenfalls verzierte Plattform und daneben ein langes, scheunenartiges Gebäude, das aus neuen Brettern und Schindeln verfertigt und 1 m über dem Boden gebaut war. Ich kam zuerst nicht auf den Gedanken, dass die Verzierungen am Wege unserem Empfange galten, weil ich eine solche Ehrung bei den Dajak noch nicht erfahren hatte, ich hielt den Schmuck vielmehr für den Überrest von irgend einem Fest. Meine Malaien erzählten jedoch, dass nicht nur die ganze Festverzierung zu unserer Ehre angebracht worden war, sondern dass man auch das Haus für unseren Empfang neu errichtet hatte. Die Höhe dieses Gebäudes schien zwar für lange Europäer nicht berechnet zu sein, aber die Grundfläche war sehr gross, so dass ich die eine Hälfte des Raumes meinem inländischen Personal, d.h. den Malaien, zum Wohnen anweisen, die andere für Demmeni und mich einrichten konnte. Wir hatten bereits eine Stelle zum Aufhängen unserer Moskitonetze ausgesucht und eine Tür erhalten, um sie als Tischbrett zu gebrauchen, als man uns aus einem unverständlichen Grunde wieder zur Häuptlingswohnung rufen kam. Bei unserer Ankunft fanden wir dort eine noch stärker angewachsene Menge und Bui Djalong erklärte, die Leute regten sich darüber auf, dass sie unsere Körper eigentlich noch nicht gesehen hätten, und so bat er uns denn im Namen aller, einen Augenblick unsere Jacken und Hemden abzulegen, damit sie wenigstens unseren Oberkörper sehen könnten. In Anbetracht der grossen Herzlichkeit, mit der man uns hier empfangen hatte, und des Gedankens, dass diese Menschen sich das Unangenehme einer derartigen Schaustellung für uns nicht vorstellen konnten und überdies von ihrer anfänglichen Forderung von sow mong bereits zu bescheideneren Wünschen übergegangen waren, gab ich ihnen nach, und da auch Demmeni einverstanden war, sassen wir bald darauf wieder auf unseren Gongen da, diesmal aber mit entblösstem Oberkörper.

Anfangs nahmen die vielen èh èh kein Ende und es entstand ein lebhaftes Gedränge, um so dicht als möglich an uns heranzukommen. Zu Handgreiflichkeiten kam es jedoch nicht; nur stellte sich Bui Djalongs Frau eine Zeitlang neben uns zum Schutz gegen die andringenden Frauen und Kinder auf, die jetzt, wie vorhin, die Hauptmenge bildeten.

Allzu lange liessen wir die Vorstellung nicht dauern, sondern begaben uns bald wieder nach unserer Wohnung, um diese völlig einzurichten. Das ging jedoch nicht schnell von statten, denn die mutigsten Dorfbewohner waren uns gefolgt und starrten uns, unsere Handlungen und Sachen unermüdlich voll Interesse und Bewunderung an. Ab und zu wagte der eine oder andere, wenn wir auf ihre immer noch wiederholte Aufforderung “sow mong” nicht eingingen, einen Ärmel oder ein Hosenbein aufzustreifen. Übrigens erregten nicht wir allein Interesse, sondern auch unsere Malaien; Midan in seiner Küche und Doris, der Jäger, der seine Waffen reinigte, lockten viele an. Da alle sehr fröhlich und lebhaft waren, gab es ein munteres Bild, das uns sehr angezogen hätte, wenn wir uns nach dem monatelangen Aufenthalt im Walde nicht so sehr nach Ruhe gesehnt hätten. Seit ich den Blu-u verlassen, waren gerade 6 Monate vergangen. Als Doris nun auch noch seine Harmonika hervorholte und deren Töne die an derartige Musik nicht gewöhnten Eingeborenen zu erregen begannen, glich es bei uns mehr einem Jahrmarkt als einer stillen Behausung ermüdeter Reisender. Zum Übermass beeilten sich auch noch die Männer und Frauen, die tagsüber auf dem Felde gearbeitet hatten und abends heimkehrten, das Schauspiel zu geniessen, so dass es sehr spät wurde, bevor es uns unsere Bewunderer zu vertreiben gelang. Wir lagen bereits hinter unseren Moskitonetzen, als man Demmeni noch um seinen Arm bat, um dessen Haut betrachten und befühlen zu können.

Bereits vor Tagesanbruch hockten Frauen und Kinder in unserer Wohnung und warteten auf unser Erwachen; sie waren unten durch das Segeltuch geschlüpft, mit dem wir den Hauseingang verschlossen hatten, daher schützten wir uns später durch eine Tür vor diesen Eindringlingen. Ein Aufstellen von Wachen nachts hielt ich der freundschaftlichen Gesinnung der Bevölkerung wegen für überflüssig; diese wurde uns auch nur durch ihre allzulebhafte Bewunderung lästig. Den ganzen Tag über strömte eine neugierige Menge zu uns, so dass Zeit und Raum zum Essen, Ankleiden und Schlafen beinahe nicht zu finden waren.

Die jungen Leute holten morgens die letzten Kisten vom Landungsplatz ab und gegen Mittag traf auch Kwing Irang mit den Seinen ein.

Nach meiner Gewohnheit liess ich auch hier die Besucher nicht ohne ein kleines Geschenk weggehen und begann daher, sobald wir uns etwas eingerichtet hatten, eine Austeilung von Fingerringen. Unter der Menge entstand aber eine Bewegung, wie ich sie noch in keinem dajakischen Dorfe erlebt hatte. Erst brach ein lautes Jauchzen los, dann wollte jeder als erster etwas erhaschen; einer verdrängte den andern und grosse und kleine Hände an langen und kurzen Armen streckten sich nach mir aus, so dass ich mich nur mit Anstrengung auf meinen Beinen hielt. Der stossenden und drängenden Masse musste ich denn auch erst begreiflich machen, dass eine Austeilung auf diese Weise unmöglich sei. Bui Djalong hatte einen seiner Ältesten beauftragt, meinen Verkehr mit den Dorfbewohnern zu vermitteln, und so übersetzte der Mann mein Busang, das Frauen und Kinder nicht verstanden, in die Sprache der Uma-Tow. Obgleich es augenscheinlich allen schwer wurde, sich zu beherrschen, trat doch etwas Ruhe ein und mit einiger Abwehr der allzu Habsüchtigen machte ich jung und alt glücklich.

Um diesen günstigen Eindruck unseres Besuches noch zu erhöhen, überliess ich es Bui Djalong zu bestimmen, welchen Lohn ich den Kĕnja, die mir zu Hilfe gekommen waren, geben sollte. Für die grossen Reismengen, die er uns entgegengeschickt hatte und auch jetzt wieder gab, wollte der Häuptling keine Bezahlung annehmen, doch war er damit einverstanden, dass ich seine Leute mit weissem Kattun belohnte. Die Unterhäuptlinge der verschiedenen langen Häuser gaben mir die Zahl der Männer an, die etwas zu fordern hatten, im Ganzen waren es 160. Nach Rücksprache mit Kwing Irang gab ich jedem Kĕnja 6 m weissen Kattuns von einer Qualität, die sehr geschätzt wurde. Zur Vermeidung jeder Parteilichkeit bei der Austeilung und nachträglicher Klagen, mass und riss ich alle diese 6 m langen Stücke selbst ab. Eine unbedeutende Verhärtung am kleinen Finger der rechten Hand erinnert mich heute noch an diese ungewohnte Arbeit. Die Austeilung der Stücke konnte den betreffenden Häuptlingen überlassen werden, was sehr angenehm war; bei den Bahau entstanden stets Schwierigkeiten dadurch, dass jeder Träger dem Vorgesetzten gegenüber an seiner Belohnung Kritik zu üben wagte.

Das Gerücht von unserer Ankunft und den schönen Dingen, die bei uns zu erhalten waren, hatte sich bald weit verbreitet; am anderen Tage strömte ununterbrochen ein Zug neugieriger Besucher von den Feldern in unsere Wohnung. Auch Demmeni wurde so stark belagert, dass ich ihn nur bei den Mahlzeiten sah, obgleich er sich dicht neben mir auf hielt. Sehr viel wert war es, dass die Leute Lebensmittel als Tauschartikel herbeibrachten; unsere Dorfbewohner litten nämlich selbst an Reismangel und waren mit ihren Feldarbeiten im Rückstand, auch wollte ich mit meinem Personal nicht länger auf Bui Djalongs Kosten leben. Er hatte ohnedies bereits Kwing mit den Seinen als Gäste aufgenommen und sie in sehr freigebiger Weise mit allem Nötigen versehen.

Unter den Besuchern befanden sich eine Menge Kropfkranke, die bereits von meinen Arzneien gegen ihr Leiden gehört hatten. Sie brachten zu meiner Verwunderung alle gut gereinigte Flaschen mit, was mir bei den Bahau nie begegnet war; bei diesen hatte ich stets nur mit Mühe eine halbwegs reine Flasche erhalten können.

Die Kĕnja wurden mir bald sehr sympathisch. Nach wenigen Tagen verkehrte ich mit ihnen bereits ebenso unbefangen wie mit den Bahau am Mahakam nach gleich vielen Monaten. Dasselbe war auch mit meinen Malaien der Fall, auch sie wurden fortwährend von den Kĕnja besucht; diese wählten sogar einen ihnen sympathischen Malaien aus und wollten mit ihm se̥bilah, Freund werden, eine Art von Schutz- und Trutzbündnis eingehen. Als Freundschaftszeichen machen sie einander ein Geschenk; die Malaien baten sich zu diesem Zweck ein Stück Zeug oder ähnliches auf Abschlag ihres Lohnes von mir aus. Da mein Vorrat an Tauschartikeln ursprünglich für einen einjährigen Aufenthalt berechnet war und wir jetzt nur zwei Monate bleiben sollten, durfte ich meiner Reisegesellschaft gegenüber freigebig sein.

Ich hatte anfangs darauf gerechnet, auch Kwing und sein Gefolge unterhalten zu müssen, aber davon wollten unsere Gastherren nichts hören, ich konnte ihnen sogar schwer begreiflich machen, dass ich wenigstens meine Malaien, die in meinen Diensten standen und Lohn empfingen, selbst ernähren müsste. Nach Landessitte wurden die Kajan unter die verschiedenen Familien im Dorfe verteilt, hauptsächlich bei den Häuptlingen; Bui Djalong hätte 60 Mann unmöglich selbst so lange beherbergen könnten. Kwing Irang, sein Sohn Bang Awan und einige Sklaven wurden jedoch von Bui Djalong in seiner eigenen grossen amin als Gäste aufgenommen. Einigermassen zur Vergütung der Gastfreundschaft ihrer Gastherren boten die Kajan den Kĕnja ihre Hilfe bei der Feldarbeit an, die in der Tat sehr willkommen war, da der Tod und die Trauer um Bui Djalongs Tochter die Arbeit über einen Monat in Rückstand gebracht hatte. Überdies war, wie gesagt, der Reisvorrat der Kĕnja gerade jetzt sehr gering, weil das Jahr zuvor sehr viele Männer mit dem Häuptling nach Sĕrawak gereist waren und der Reisbau deswegen weniger eifrig betrieben worden war. Bui Djalong bat mich auch öfters um die Hilfe meiner Malaien, die dann morgens früh mit den Dorfbewohnern aufs Feld zogen und den ganzen Tag dort verblieben.

Das rauhere Klima dieses in 600 m Höhe gelegenen Gebirgslandes machte seinen Einfluss in bemerkenswerter Weise auch auf die Artikel geltend, die von mir verlangt wurden. Vor allem forderten die Leute feste, dicke Stoffe; hübsche und feine, wie Seide und Sammet, wurden weit weniger gewürdigt. Mein weisser Kattun von guter Qualität fand z.B. so starken Anklang, dass ich trotz des grossen Vorrats bald sparsamer mit ihm umgehen musste. Für ein Stück dicken Kattuns, den ich zum Einpacken von Gesteinen mitgenommen hatte und der seiner Steifheit wegen nie die Kauflust der Bahau erweckt hatte, bot man mir hier sogleich grosse Mengen Reis u.a., so dass ich ihn vorläufig für einen Notfall aufzubewahren beschloss. Ich merkte sehr bald, dass ich hier trotz des kurzen Aufenthaltes auf ethnologischem Gebiet mit Erfolg würde arbeiten können, denn die Kĕnja waren lange nicht so misstrauisch wie die Bahau und im Auskunftgeben nicht zurückhaltend, auch konnte ich mühelos Gegenstände von allerlei Art, selbst ihre Kleider von ihrem Leibe kaufen, wenn ich nur gut bezahlte. Glücklicherweise bildeten auch hier Glasperlen einen beliebten und bequemen Tauschartikel; es kam mir jetzt zu statten, dass ich in Samarinda dem Rat von Bo Ului Jok gefolgt war und für die Kĕnja hauptsächlich grosse Perlen gekauft hatte, denn diese hatten in der Tat viel mehr Wert als die kleinen.

Um die Niederlassung in aller Ruhe in Augenschein nehmen zu können, fehlte mir die Zeit, doch war es mir jedesmal eine Erlösung, wenn man mich nach aller Arbeit unter der lebhaften Menge in meiner Hütte in die Häuser abholte, wo ernstere Krankheitsfälle vorlagen. Dort fand ich zu mancherlei Beobachtungen Gelegenheit und bisweilen hielt ich mich dort länger als nötig war auf oder ich schloss mich auf der Galerie einer Gruppe an, von der ich mir dann gemütlich allerhand erzählen oder zeigen liess.

Alle 10 Häuserreihen im Dorfe waren im gewöhnlichen Bahaustil gebaut und zwar in dem der Kajan; doch standen sie auf nur 1–2 m hohen Pfählen und waren aus anderem Material hergestellt. Dies fand seinen Grund darin, dass die dichte Bevölkerung den hohen Wald in der Umgegend ausgerodet hatte und die zum Bau eines so grossen Dorfes erforderliche Menge Bauholz nur aus grosser Entfernung noch zu beschaffen war. Die Masse des Volkes hatte daher zu Bambus für den Bau der Fussböden und zu grossen, in Form von Matten aneinander gereihten Baumblättern für Wände und Dächer ihre Zuflucht genommen. Nur die Häuptlingshäuser werden ganz aus Holz gebaut, ferner die Teile des Hauses der gewöhnlichen Kĕnja, die bei einem folgenden Bau wieder verwendet werden können, z.B. der Fussboden der Galerie und die Innenwände. Ersterer bestand oft aus besonders dicken und grossen Brettern. Es ist möglich, dass die Häuser deshalb auf so niedrigen Pfählen stehen, weil grössere so schwer zu erlangen sind; doch wird diese Bauart wohl auch dadurch bedingt sein, dass die Kĕnja ihren Feinden auf freiem Felde entgegentreten und sich nicht von ihren Häusern aus verteidigen. Von den Häuserreihen gehörten 8 den Uma-Tow, 2 den Uma-Timé, die sich vor nicht langer Zeit unter Bui Djalongs Schutz gestellt hatten. Auffallend waren die etwa 1 m hohen Holzstege, die alle Häuser im Dorfe verbanden; die Kĕnja berühren mit den blossen Füssen nicht gern den Erdboden, besonders wenn dieser vom Regen durchnässt ist. Die Stege bestehen aus breiten Brettern, die auf Gerüsten ruhen; Geländestellen von ungleicher Höhe werden wohl auch durch Baumtreppen mit einander verbunden. Geländer sind nicht gebräuchlich, doch sind sie den Kĕnja bekannt, sie brachten sogar selbst welche für uns Europäer an, weil uns das Gehen mit Schuhen auf den vom Regen schlüpfrigen Brettern oft unbequem war.

Merkwürdigerweise waren die amin der Familien, die bei den Bahau meist sehr ordentlich und reinlich gehalten werden, bei den Kĕnja viel schmutziger als die Galerie, obgleich sie in ihrer Kleidung und ihrem Hausrat bedeutend sauberer waren als ihre Verwandten am Mahakam. Vielleicht hängt dies damit zusammen, dass die Kĕnja noch mehr als die Bahau gemeinsam auf der Galerie leben und in der amin oft nur essen und schlafen. Die Kĕnja ziehen die Galerie deswegen der amin vor, weil sie auf ersterer grosse Feuer anmachen können, die sie morgens und abends vor der bei ihnen herrschenden Kälte schützen; bisweilen schlafen sie sogar in der ăwă. Auffallend ist auch die grosse Menge Brennholz, die man in jeder amin oberhalb des Feuerherdes aufgestapelt findet, und der Eifer, mit dem die Frauen täglich neuen Vorrat herbeitragen.

An allen Wegen und Seiteneingängen der Häuser standen 3–4 m hohe und noch höhere Figuren (hudo̱), welche den Zweck hatten, die krankheitserregenden Geister vom Hause fern zu halten. Meistens waren es menschliche Gestalten mit Antlitzen von Ungeheuern; statt der Haare trugen sie Palmblätter oder lebende und tote Pflanzen und die Genitalien waren übertrieben gross und mit einem utang versehen. Auf [Tafel 85] ist eine derartige Figur zu sehen; sie ist mit dem Beil aus einem grossen Holzstück gehauen, nur die hervortretenden Teile, wie Nase, Ohren und Arme sind gesondert eingesetzt. Die Schreckgestalt ist mit Speer, Schwert und Schild bewaffnet. Auch Ziegen und Hunde findet man als Schutzfiguren aufgestellt; die verschiedenen Häuser besassen auch verschiedene Figuren. Zur Abschrekkung der bösen Geister werden auch Pfähle mit queren Einkerbungen benutzt. Unter einem derartigen Schreckpfahl steht die Frau auf [Tafel 85]. Die Einschnitte im Stamm geben die Zahl der Köpfe an, die von den Bewohnern dieses Hauses erlegt wurden, und warnen die Geister vor einem Eintritt in das gefährliche Haus. Zwei Querschnitte nebeneinander bedeuten die Augen und ein Querschnitt in der Mitte darunter den Mund, so dass je drei Einkerbungen einen erbeuteten Schädel vorstellen.

Prunkgrab von Bui Djalongs Tochter Kuling.

Auch bei den Rasthütten werden Schreckfiguren aufgestellt ([Taf. 83] oben), ebenso auf den Begräbnisplätzen der Häuptlinge und der gewöhnlichen Kĕnja.

Zum Schutz der Gräber werden grosse, stilisierte Hundefiguren auf hohen Beinen benützt; man findet sie sowohl unter dem Grabmal aufgestellt als auch auf dem Dache. Die zwei schönsten Prunkgräber von Bui Djalongs Sohn und Tochter sind auf [Tafel 84] zu sehen. Die bila bestanden hier aus Kammern, in welchen die Särge auf 4–6 m hohen, schweren Pfählen ruhten. Groteske Figuren verzierten die Dächer und Wände der Monumente; auch die Pfähle waren hübsch bemalt und das ganze Gebäude von oben mit allerhand Kleidungsstücken und Waffen behängt. Auf dem Dache des Grabmals des Häuptlingssohns sieht man zwischen zwei stilisierten Hundefiguren einen Mann sitzen, der Flöte spielt; als Sessel dient ihm eine liegende Männerfigur. Aussen an der bila hingen hier Schilde, Kriegsjacken und -mützen und Sitzmatten, während in der Kammer selbst Schwerter lagen. Die Farben dieser Prunkgräber waren noch ziemlich neu und hoben sich daher lebhaft gegen den Hintergrund von dunkelgrünen Bergen ab. Derartige Monumente werden nicht auf dem allgemeinen Begräbnisplatz errichtet, sondern stets gesondert in kleinen Gruppen etwas ausserhalb des Dorfes. Man darf sich ihnen nur mit des Häuptlings Erlaubnis nähern.

Obgleich man bei einem Gang durch das Dorf nur selten den Erdboden zu berühren brauchte, war dieser doch sorgfältig von Pflanzen gereinigt, so dass sich zwischen den Häusern ganze Flächen nackter, fester Erde ausbreiteten, die von den Kindern als Spielplätze benützt wurden. Am Kapuas führten nur schmale Pfade durch das überall wuchernde Gestrüpp und am Mahakam wurde nur vor dem Häuptlingshause ein Stück Erde rein gehalten. Für uns Europäer bildete das Gehen auf festem Boden eine lang entbehrte Annehmlichkeit nach dem Aufenthalt im dicht bewachsenen Wald. Fruchtbäume sah man nur bei den Häusern der Häuptlinge und bei einigen ihrer panjin. Das rauhe Klima trug wohl die Schuld daran, dass die Bäume nicht üppig wuchsen.

Am 9. Oktober wurden wir früh morgens durch das buka geweckt, d.h. durch plötzliche Schläge auf die Gonge, welche die Dorfbewohner zusammenriefen. Obgleich ich dies unheilverkündende Geläut nicht verstand, blieb ich anfangs ruhig hinter meinem Moskitonetz, da auch die Menschen, die in meiner Hütte bereits auf mich warteten, still auf ihren Plätzen sitzen blieben. Der Häuptling hatte beschlossen, an diesem Tage die Trauer für seine Tochter aufzuheben, damit das ganze Dorf nicht noch länger mit ihm zu trauern brauchte und man bei dem bevorstehenden Saatfest Schwerttänze vornehmen durfte.

Als ich nach dem Essen eine Hängebrücke aus Rotang besichtigen ging, die Demmeni am Djĕmhāng entdeckt hatte, bemerkte ich einen Priester und einige Männer, die am Ufer eine Beschwörung der Geister des Oberlaufs vornahmen. Tags zuvor hatte mir Kwing bereits mitgeteilt, dass man in der ăwă des Häuptlings eine Zusammenkunft halten wollte, auf der ich den Versammelten erklären sollte, warum wir nach Apu Kajan gekommen wären. Sowohl die Kajan als die Malaien, die sich in dem fremden Lande noch durchaus nicht heimisch fühlten, legten dieser Zusammenkunft ein grosses Gewicht bei, und so erwartete ich die Einladung mit einiger Spannung. Doch rief man mich auch jetzt erst um ½ 4 Uhr. In der ăwă fand ich viele Häuptlinge und alte Männer um ein Feuer unter der Schädelreihe vereinigt, hinter welcher wiederum die grossen Gonge als Sessel für uns bereit standen. Bui Djalong forderte mich jedoch auf, mich erst in seine amin zu begeben, um mich dort vorher mit allerhand guten Dingen zu stärken. Ich betrat jetzt zum ersten Mal diesen Raum. Seine Grundfläche betrug etwa 10 × 12 Meter und seine Einrichtung glich derjenigen anderer Hänptlingswohnungen. Zu beiden Seiten der Eingangstür, die mitten in das Gemach führte, befanden sich Herde mit Regalen darüber; der linke wurde von der Häuptlingsfamilie benützt, der rechte von Kwing und den Seinen, wenigstens sah ich hier die mir sowohl bekannten Tragkörbe stehen, neben denen einige Kajan sassen. Unsere gute Freundin, die Frau des Häuptlings, war damit beschäftigt, eine Schale mit gegohrenem süssem Reis und Früchte für uns herzurichten. Demmeni und ich bedauerten lebhaft, dass wir uns mit der freundlichen Frau so mangelhaft verständigen konnten, da sie kein Busang sprach. Sie forderte uns zum Sitzen auf und ermutigte uns wiederholt zum Zugreifen, wobei ihr Söhnchen Ului und ihre Tochter zuschauten. In dem Teil der amin, in dem wir uns befanden, standen an der Wand eine lange Reihe von Gongen und dazwischen einige hohe, schöne Satsuma-Vasen, die ich hier im Herzen von Borneo nicht zu finden erwartet hatte. Wie ich später erfuhr, hatte der Häuptling sie von seiner letzten Reise zum Baram-Fluss mitgebracht. Dass er viel Geld für sie übrig gehabt hatte, sprach für seinen guten Geschmack, denn es waren in ihrer Art schöne Exemplare. Der süsse Reis (burăk) war von sehr guter Qualität und auch die Früchte waren sorgfältig ausgesucht; unser europäischer Appetit erweckte denn auch die Zufriedenheit unserer Gastgeberin.

Bis zu unserer Rückkehr in die ăwă hatte sich der Kreis der Versammelten noch sehr vergrössert; meistens waren es alte Kĕnja. Rechts von uns, die wir wieder auf den Gongen Platz genommen hatten, sass Kwing Irang mit seinem Gefolge. Über uns die lange Reihe von Menschenschädeln und vor uns die vielen fremden mit Spannung auf uns starrenden Kĕnja-Gesichter, verbrachten wir die erste Zeit mit gleichgültigen Plaudereien, während welcher alle Anwesenden uns mit Musse betrachten und sich an uns gewöhnen konnten.

Als geeignete Einleitung zu einem Gespräch über die Gegenden, aus denen wir hergereist waren, kam mein Hund Bruno angelaufen, der durch seine Grösse und seine den Dajak unbekannte Eigenschaft, Fremde anzubellen, auch hier grosse Bewunderung erregte. Darauf wurde namens des Häuptlings der Versammlung in zwei Gläsern Reiswein (tuwak) gereicht, wobei man uns zuerst bediente. Inzwischen war es unter dem hohen, überhängenden Dach bereits dunkel geworden, und da wir auf das vom Herdfeuer verbreitete Licht angewiesen waren, benutzte ich die Gelegenheit, den Leuten eines unserer Kulturwunder vorzuführen und liess eine Petroleumlampe kommen.

Die eigentlichen Verhandlungen hatten noch nicht angefangen, doch schien man zu erwarten, dass ich den Anfang machte, obgleich man mich nicht dazu drängte. Ich begann daher Bui Djalong und den Seinen in der Busangsprache zu berichten, warum ich aus dem Mahakamgebiet zu ihnen gekommen sei und was ich durch meinen Besuch bei ihnen erreichen wolle. Ich sprach von den Ereignissen, die sich in letzter Zeit, hauptsächlich durch Zutun der Uma-Bom am Mahakam und Tawang zugetragen hatten, und machte ihnen begreiflich, dass durch dieselben die Kluft zwischen den Bahau und Kĕnja zum Nachteil beider stets grösser geworden sei und auf diese Weise der Handelsweg zum Mahakam ihnen bald gänzlich geschlossen werden würde, besonders jetzt, wo sich ein Kontrolleur in Long Iram befinde, der dergleichen Kopfjagden durchaus nicht dulden werde. Das gespannte Verhältnis, fuhr ich fort, bildete auch für die Mahakamstämme eine Quelle ständiger Unruhe, welcher nur durch ernsthafte Behandlung der Angelegenheit ein Ende zu machen wäre. Eine derartige Behandlung der inneren Zustände wäre aber wegen des grossen gegenseitigen Misstrauens unter den Stämmen selbst nur unter Leitung der Niederländer möglich, wie dies jenseits der Wasserscheide durch Vermittlung des Radja von Sĕrawak geschah. Kwing Irang meinte, dass meine Erklärung nicht allen deutlich wäre, und wiederholte sie daher auf seine Weise. Während er sprach, kam mir der Gedanke, es sei besser, nichts zu verschweigen und sogleich alles zur Sprache zu bringen, besonders da die Kĕnja von allen Umständen gut unterrichtet zu sein schienen. Daher behandelte ich den Mord am Tawang nochmals ausführlich und sprach zum Schluss die Meinung aus, dass ein Schadenersatz in Gestalt eines Sklaven unter niederländischer Vermittlung nur dann geboten werden könne, wenn man ausdrücklich erklärte, dass der Sklave als solcher in die Familie Bui Djalongs aufgenommen und nicht getötet werden würde.

Nach der Stille, die meinen Worten folgte, sagte Bui Djalong nur, dass die Kĕnja sich unmöglich widersetzen könnten, wo zwei grosse Häuptlinge (hipui), wie der Sultan von Kutei und die Niederländer darauf aus wären, ihr Bestehen zu verbessern (ne̥me̱ urib), dass er früher aus Furcht vor den Batang-Lupar aus Sĕrawak zum Tawang habe auswandern wollen, dass dies aber nach dem Vorgefallenen nicht mehr möglich sei, dass sie andrerseits auch nur sehr schwer an den Te̥lang Usān (Baram) ziehen könnten und daher einer guten Regelung der Verhältnisse gern Gehör schenken würden. Kwing Irang gab er im Geheimen den Wink, über den Vorschlag des Radja von Sĕrawak, auf englisches Gebiet auszuwandern, nicht zu sprechen. Um später nicht haè, verlegen, zu werden, wie er sich ausdrückte, wenn sich die anderen nicht an das Abkommen hielten, schlug er vor, zuvor auch noch mit den übrigen Stämmen, vor allem den Uma-Bom, zu überlegen und unsere Beratung (te̱nge̥ran) daher später fortzusetzen und vor unserer Abreise zum Abschluss zu bringen.

Darauf kamen noch viele andere, weniger wichtige Angelegenheiten zur Sprache, u.a. der Zug der Kĕnja nach Sĕrawak, von dem ich bereits viel erfahren hatte, gern aber von ihnen selbst noch Näheres hören wollte. Mit grosser Offenheit gaben Bui Djalong und seine Landsleute ihre Meinung über ihr Verhältnis mit Sĕrawak zu kennen, ganz anders als dies bei den Bahau üblich war, wo beinahe niemals jemand eine Ansicht öffentlich zu äussern wagte, aus Furcht vor Widerspruch oder Widerstand seitens anderer. Wir erfuhren jetzt, dass, wie die meisten Fehden, auch die der Kĕnja mit den Batang-Lupar vor sehr langer Zeit ihren Ursprung genommen hatte. Vor einigen Jahren hatte nun der Radja von Sĕrawak diesen Zwistigkeiten ein Ende machen wollen und den Kĕnja als Strafe für ihre Kopfjagden eine sehr ansehnliche Entschädigung in Guttapercha auferlegt. Nach der zum Sammeln erforderlichen Frist hatten sich die Kĕnja mit der Guttapercha aufgemacht, um sie nach Fort Long Bĕlaga am Balui, dem Oberlauf des Batang-Rèdjang, zu bringen. Auf der Reise begegneten sie jedoch wieder grossen Batang-Lupar-Banden, die an den Quellflüssen Buschprodukte suchten, und bei dieser Gelegenheit entbrannte ein neuer Kampf, bei dem auf beiden Seiten Opfer fielen und alle Guttapercha verloren ging. Seit der Zeit waren die Kĕnja noch nicht dazu gekommen, ihre Busse aufs neue zu bezahlen, aber nachdem der Radja im Jahre 1895 die Kĕnjastämme Apo-Paja am oberen Danum durch seine Batang-Lupar hatte unterwerfen lassen, hatte er immer wieder Gesandtschaften geschickt, um eine Zusammenkunft mit den Kĕnjahäuptlingen zu veranlassen. Diese empfanden jedoch wenig Lust, sich aufs neue in grosser Anzahl auf englisches Gebiet zu wagen, besonders da man erzählte, sie wären es gewesen, die die 5 Batang-Lupar am Boh getötet hätten. Mit einer sĕrawakischen Gesandtschaft, welche die mit ihnen verwandten Häuptlinge der Uma-Dang, die sich gerade eben dem Radja unterworfen hatten, begleiteten, sandten die Kĕnja dem englischen Fürsten als Freundschaftszeichen zwar schöne Schwerter und Schilde, aber sie selbst erschienen zwei Jahre lang nicht vor ihm. Darauf sandte ihnen der Radja vom Batang-Rèdjang durch Boten einen Brief und der Resident am Baram, Dr. Hose, gleichfalls, was sie alle so erschreckte, dass sie trotz der schönen Tigerhaut und den Gongen, welche als Geschenke für sie mitgegeben waren, das Jahr zuvor beschlossen hatten, dem Rufe eiligst Folge zu leisten. Eine ungefähr 700 Mann starke Gesellschaft war unter den Häuptlingen der Uma-Tow, die weiter unten am Fluss in Long Nawang wohnten, den Batang-Rèdjang abwärts gefahren, um der Einladung dort nachzukommen, während Bui Djalong selbst indessen mit 500 Mann nach dem Baram gezogen und diesen dann hinabgefahren war. Die Häuptlinge beider Gesellschaften wurden mit Dampfböten nach der Residenz Kuching abgeholt, wo Bui Djalong sich jedoch weigerte, auf englisches Gebiet auszuwandern, was er mir jedoch selbst nicht erzählte. Auch er berichtete, die Batang-Lupar hätten sie auf der Heimreise überfallen, wobei einige zur Begleitung mitgegebene englische Polizeibeamten verwundet und getötet worden wären.

Die zwei aus Sĕrawak gesandten Briefe, welche so grossen Eindruck gemacht hatten, wurden zum Vorschein gebracht und mir vorgelegt. Es waren nur ein paar Geleitsbriefe, um nach Sĕrawak zu kommen; sie enthielten weder irgend einen Befehl noch eine Drohung, aber die Kĕnja, welche die Briefe nicht hatten lesen können, hatten sich beim ungewohnten Anblick von Papierstücken das Schrecklichste vorgestellt. Zur Verstärkung dieses Eindrucks hatten die malaiischen Boten überdies noch das Ihre beigetragen. Bui Djalong war zwar etwas verlegen, als er den wahren Inhalt der Briefe vernahm, doch half er sich mit der Bemerkung, sie wären zu dumm, um solche Dinge zu begreifen. Es war spät geworden, als wir von der Versammlung heimkehrten.

Nach dem guten Verlauf der Zusammenkunft war es uns am folgenden Tage eine wahre Erleichterung, als die meisten Dorfbewohner auf Bui Djalongs Feld zogen, um dieses zur Saat vorzubereiten. So erfreuten wir uns zum ersten Mal eines ruhigen Tages. Auch der folgende verlief still, da die Dorfbewohner an diesem auf die gleiche Weise das Feld von Bo Anjè, des Häuptlings Bruder, bearbeiteten und Bui Djalong selbst mich um die Mithilfe meiner Malaien für diesen Tag gebeten hatte. Diese fanden die Bitte zwar anspruchsvoll und für ihre Würde als Mohammedaner (nur wenige unter ihnen waren von Geburt Malaien) einem Dajak gegenüber etwas erniedrigend, aber sie fürchteten eine Störung der guten Beziehungen so sehr, dass sie aus der Not eine Tugend machten und bereits morgens früh mit dem Häuptling aufbrachen, nachdem ich hierzu meine Zustimmung gegeben hatte.

Des anderen Tages erfuhr ich, wie sehr auch in der Kĕnjagesellschaft Eitelkeit und Eifersucht die Lebensfreude beeinträchtigten. Morgens nach dem Frühstück hatte ich zum Besuch meiner Patienten meine Wanderung durch die verschiedenen Häuser begonnen, als mich die Bewohner in der amin von Bo Anjè, wo sich ein Fieberkranker befand, zurückhielten, um mir einen ausführlichen Bericht über Bo Anjès Würde, seine älteren Brüderrechte gegenüber Bui Djalong und seine Verwandtschaft mit den Häuptlingen von Uma-Djalān zu erstatten. Mit allem diesem gaben sie mir zu verstehen, dass nicht nur Bui Djalong, sondern auch Bo Anjè für den Tod von Usat, ihrem Enkel, am Tawang ein Sklave als Entschädigung zukam. Halb um das Gesagte zu bekräftigen, halb um mir für ein Gewehr, das ich bei meiner Abreise bei ihnen zurückzulassen versprochen hatte und für schönes langes bo̱k kading (Ziegenhaar) und ape̱ ke̥ndi (dicker Kattun) ein Gegengeschenk zu geben, verehrten mir Bo Anjès Angehörige einen sehr schön gezeichneten und mit Menschenhaar verzierten Schild. Unter der Hand erfuhr ich noch manches über das gegenseitige Verhältnis der Häuptlinge in Tanah Putih; über Bui Djalong wurde geklagt, er tue ganz, als ob er der erste wäre, während Bo Anjè doch eigentlich älter sei. Dass der schwache Bo Anjè vor dem kraftvollen Bui Djalong hatte zurücktreten müssen, erschien mir sehr begreiflich. Der energischere Charakter der Kĕnja schützte sie augenscheinlich nicht vor kleinlicher Eifersucht, die auch bei den Bahau eine so grosse Rolle spielte.

Gegen Ende des Tages erhielten wir den Beweis, dass man die Dinge am Kajan ganz anders behandelte als am Mahakam.

Gleich nach der Mahlzeit wurden wir nämlich durch Laufen und Rufen auf dem Wege an unserem Hause erschreckt und beim Hinausblicken sahen wir etwa 10 fremde Kĕnja in voller Kriegsrüstung, die eben in einem Boot angekommen waren, mit heftigen Gebärden eine ernste Nachricht mitteilen, von der wir nichts weiter begriffen, als dass es sich um Kampf und Tote handelte. Die herbeiströmenden Bewohner von Tanah Putih gerieten beim Anhören des Berichtes in grosse Aufregung, so dass es für uns eine Beruhigung bedeutete, als Bui Djalong in seiner gefassten Weise selbst auf dem Schauplatz erschien und sich berichten liess. Obgleich auch er voll Interesse zuhörte, regte er sich doch nicht dabei auf; ich nahm daher das unbekannte Ereignis nicht zu tragisch und ging, um zu hören, um was es sich handelte. Die Boten waren von den Dörfern weiter unten am Kajan gekommen und meldeten, vom Stamme der Uma-Tĕpai seien 100 Mann im Kampfe gegen den feindlichen Stamm der Alim, die am Pĕdjungan wohnten, gefallen. Der Vorfall schien Bui Djalong doch weit mehr zu treffen, als ich aus der Ferne gesehen hatte, denn er war bleich geworden und seine Lippen waren blau, doch zeigte er sich nicht erregt und war noch unbewaffnet, während die andren Männer von Tanah Putih sogleich zu den Warfen gegriffen hatten, als stände der Feind vor der Tür. Ich war daran gewöhnt, dass bei derartigen Berichten stark übertrieben wurde, und wagte daher Bui Djalong zu sagen, bei näherer Erkundigung würde es gewiss nicht so schlimm stehen und mehr als 15 Uma-Tĕpai würden wohl nicht gefallen sein. Meine Worte schienen ihn zu beruhigen, denn er sagte lächelnd, das sei sehr gut möglich. Nachdem er zu der aufgeregten Menge gesprochen hatte, ging er ruhig nach Hause und alles zerstreute sich wieder. Der Bericht, den mir die Kĕnja gegeben hatten, war so gehalten gewesen, als wenn ich die Geographie ihres Landes, die Stämme, die in ihm wohnten, und ihr Verhältnis zueinander gut gekannt hätte. Erst am folgenden Tage konnte ich genauere Erkundigungen einziehen, aber es dauerte einige Zeit, bevor ich den Vorfall zu begreifen anfing; der Bericht des Häuptlings selbst war mir noch am wertvollsten. Er erzählte, dass der Handelsweg zur Küste auf dem Kajan für sie infolge ihrer Feindschaft mit den Uma-Alim verschlossen sei. Dieser Stamm wohnte hauptsächlich am Pĕdjungan, einem Nebenfluss, der unterhalb der grossen Reihe von Wasserfällen, Baröm genannt, dem Kajan zuströmt.

Neben den Uma-Alim wohnte ein kleinerer Stamm der Uma-Lisān, dem es bei ersteren nicht sonderlich gefiel (später hörte ich, die Lisān wären von den Alim halb abhängig) und der deshalb nach Apu Kajan, dem Gebiet oberhalb der Baröm, auswandern wollte. Ein Stamm der Uma-Tĕpai, die dicht oberhalb der Baröm lebten, war mit 300 Mann zum Pĕdjungan gezogen, um den Uma-Lisān beim Umzug in ihr Gebiet behilflich zu sein. Dies sollte mit Einverständnis der Uma-Alim geschehen sein, was jedoch unwahrscheinlich war, da die Alim den Uma-Tĕpai feindlich gesinnt waren und ihnen daher die Nachbarschaft eines verbündeten Stammes nicht gegönnt haben würden. Wie dem auch sei, die Uma-Lisān wollten bei der Ankunft der Uma-Tĕpai nicht mit ihnen ziehen, und als letztere auf dem Heimwege begriffen waren, wurden sie von den Uma-Alim, die sich in einer engen Gebirgsspalte versteckt hatten, überfallen und in dem darauf folgenden Kampfe sollten dann 100 Mann gefallen sein. Später stellte es sich heraus, dass die Zahl der Getöteten in der Tat nicht über 15 betrug. Der ganze Kampf nahm sich immerhin so viel ernster aus, als die Bahau es gewöhnt waren, so dass Kwing Irang und den Seinen beim Anhören dieses blutigen Berichts sicher das Herz vor Angst geklopft haben wird.

Während Bui Djalong mir dies alles vortrug, hatte ich ihm meine gänzliche Unkenntnis von Land und Volk in Apu Kajan bekannt. Zu meiner Freude war er sogleich bereit, mir über diese Verhältnisse ausführlich Auskunft zu erteilen; er schlug vor, bereits am gleichen Nachmittag den Hügel mit der Kubu zu besteigen, weil wir von dort einen vorzüglichen Überblick über das Land geniessen würden. Nach dem Essen begaben wir uns auf den Weg und bereits während des Gehens machte er mich auf vieles aufmerksam. Auf dem Gipfel des Hügels angekommen gab mir Bui Djalong den folgenden geographischen Überblick über sein Land Apu Kajan, oder Po Kĕdjin, wie es von den Kĕnja selbst genannt wird. Nach seinen Ausführungen und dem, was ich bereits selbst gesehen und gehört hatte, lagen die Verhältnisse von Land und Leuten etwa folgendermassen: das Gebiet des oberen Kajan bildet wie das des oberen Mahakam ein nach allen Seiten abgeschlossenes Land; hohe Gebirge und unbewohnte Wälder umringen es und der Kajan, der einen natürlichen Verkehrsweg zu den tiefer gelegenen Gebieten bildet, wird durch eine unüberwindliche Reihe von Wasserfällen, Baröm genannt, für den Verkehr unzugänzlich. Das Land streckt sich nord-östlich vom Batu Tibang aus, dem Berg, von dem im Norden und Osten das Grenzgebirge von Apu Kajan ausgeht. Nach Norden ist letzteres anfangs sehr niedrig und erhebt sich erst weiter nördlich zu einiger Höhe. Das Grenzgebirge nach Osten kann man in Richtung und Formation als eine Fortsetzung des Ober-Kapuas-Kettengebirges auffassen, das sich bis zum Batu Tibang hinstreckt und hier durch das vulkanische Gebirge unterbrochen wird, dessen höchste Erhebungen dieser Gipfel, der Batu Tibang Ok, der Batu Bulan und vielleicht auch der Batu Pusing darstellen. Östlich von diesen, wo das Gebirge 1000–1500 m hoch ist, besteht es aus Schiefern, die im Quellgebiet des Oga und Tĕmha einige Rücken, mehr nach Osten hin aber ein beinahe 2000 m hohes Massiv bilden, den Batu Okang. Von diesem soll der Boh nach Südwesten strömen, der Tawang nach Südosten und der Kajan Ok, ein Nebenfluss des Kajan, nach Norden. Auf dem ganzen Wege vom Tĕmha über die Passhöhe zum Laja und auch im Quellgebiet des Kajan hatten die Schiefer eine mehr oder weniger starke Neigung nach Süden gezeigt, womit vielleicht im Zusammenhang steht, dass nach Süden lange Rücken allmählich sich in das Oga- und Bohgebiet niedersenken, während nach Norden sehr steile Wände nach den Flüssen des Kajangebietes zu abfallen.

Die ganze Gegend oberhalb der Baröm ist gebirgig und besteht, wie ich zu bemerken glaubte, aus Schiefern mit daraufliegendem Sandstein, einer Gesteinsbildung, die auch am Ober-Mahakam die grösste Oberfläche einnimmt. Auch in Apu Kajan werden diese Lagen durch Basalt und Andesit unterbrochen, die bei der starken Abtragung, die dieses Gebiet erlitten hat, mehr Widerstand als das umgebende Gestein geleistet haben und jetzt hie und da als Hügel hervorragen.

An Flächen waren nur die weit ausgespülten Flusstäler zu sehen, die Kĕnja waren daher gezwungen, ihre Reisfelder bis hoch auf die Abhänge der Bergketten anzulegen und auf den Hügeln den Wald bis zu den Gipfeln zu fällen. Der Urwald beginnt daher erst in ansehnlicher Höhe, wo das kühle Bergklima keine erfolgreiche Reiskultur mehr gestattet. Der Reis hat hier ohnehin 1 Monat länger nötig, um zu reifen, als am Ober-Mahakam, also 6 Monate.

Der Kajan selbst, der auf dem Grenzgebirge zum Mahakam, auf dem Lasan Tĕlujön, östlich von dem Batu Pusing entspringt, strömt hauptsächlich in nördlicher Richtung und nimmt oberhalb der Baröm an seiner linken Seite den Tĕkuwau, Mĕtisei, Nawang, Pĕngian, Marong, Iwan und Pura auf; rechts dagegen den Laja, Danum, Djĕmhāng, Hungei, Anjè, Mĕton und dicht oberhalb der Baröm den Kajan Ok. In diesem Teil des Kajan bilden die Wasserfälle bei Batu Plakau das grösste Hindernis für die Schiffbarkeit, ferner befinden sich einige Fälle auch noch oberhalb von Long Djĕmhāng. Wenn der Kajan auch weiterhin bis zu den Baröm keine unpassierbaren Stellen mehr hat, so trägt er doch mit seinen vielen Felsblöcken und Schuttbänken im allgemeinen den Charakter eines für den Verkehr ungeeigneten Bergstroms (auf der von dem Kĕnja gezeichneten Karte sind die schwer passierbaren Stellen durch bootsähnliche Figuren c angegeben ([Taf. 89]).

Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass die Kĕnja im Fahren mit Böten viel ungeübter sind als die Bahau, dafür haben sie aber in ihrem ganzen Lande gute Wege angelegt, sowohl von den Dörfern zu den Reisfeldern als zu anderen Dörfern. (Letztere Wege sind auf der Karte mit einfachen Linien angegeben; die Kreise f, durch welche der Weg von Tanah Putih zu den Uma-Lĕkĕn führt, bedeuten Berge).

Die Apu Kajan bewohnenden Stämme, die sich alle verwandt fühlen, sind vor 2–3 Jahrhunderten vom Uān, dem linken Nebenfluss des Mittel-Kajan, hierher ausgewandert, nachdem sie sich vorher noch am oberen Bahau niedergelassen hatten. Aus der neuen Heimat hatten sie der Reihe nach die Stämme vertrieben, die jetzt unter dem Namen Bahau am Balui und Mahakam wohnen, Ein anderer Teil der Kĕnja liess sich damals am Tĕlang Usān oder Baramfluss nieder, von wo er noch jetzt mit den Kajanbewohnern in enger Verbindung steht. Nicht alle Bahaustämme wurden damals aus Apu Kajan vertrieben; die Uma-Lĕkĕn, die zum oberen Balui geflohen waren, kehrten später zurück und wohnen jetzt am weitesten unten am Fluss, bei den Baröm. Dieser Stamm spricht auch ein von den übrigen Kĕnjadialekten abweichendes Busang. Sämtliche Stämme leben unter der Oberherrschaft des mächtigsten Stammes, der Uma-Tow, der zwei Niederlassungen bewohnt, Tanah Putih am Djĕmhāng (jetzt an den Kajan verlegt) und Long Nawang. Ihre Vorherrschaft haben die Uma-Tow ihren beiden letzten tatkräftigen Häuptlingen zu danken, Pa Sorang und Bui Djalong, seinem Neffen. Dieser wies mir mit Stolz einen Bergrücken, der von der Wasserscheide ins Kajangebiet verläuft und Batu Ajow heisst, nach dem Kampf, der auf ihm zwischen den beiden Bundesgenossenschaften der Kĕnja, nämlich den weiter oben wohnenden Uma-Tow, Uma-Kulit, Uma-Djalān, Uma-Bom und Uma-Tokong gegen die weiter unten angesiedelten Uma-Bakang, Uma-Tĕpu, Uma-Baka und Uma-Lĕkĕn stattgefunden hatte und aus dem die ersteren als Sieger hervorgegangen waren. Im allgemeinen besteht die Oberherrschaft der Uma-Tow darin, dass ihre Häuptlinge über Angelegenheiten von allgemeinem Interesse beschliessen, aber stets nach Rücksprache mit den Häuptlingen der übrigen Stämme. Direkte Steuern, auch in Arbeit, werden nicht regelmässig geleistet, wohl aber können die abhängigen Stämme zu Hilfe gerufen werden, z.B. bei Krieg oder grösseren Unternehmungen.

Nach Bui Djalongs Angaben setzten sich die Stämme aus der folgenden Anzahl von Familien zusammen:

Uma-Tow 500 Familien.
Uma-Djalān 300 Familien.
Uma-Tokong 200 Familien.
Uma-Bom 300 Familien.
Uma-Bakang 600 Familien.
Uma-Kulit 400 Familien.
Uma-Tĕpu 400 Familien.
Uma-Baka 300 Familien.
Uma-Lĕkĕn 300 Familien.
Im Ganzen: 3300 Familien.

Hierzu kommen noch einige kleinere Stämme, wie die Lĕpo-Lisān, die Lĕpo-Aga und die nicht sesshaften Punanstämme, so dass die Bevölkerung von Apu Kajan auf 20000 Seelen geschätzt werden kann.

Der Verkehr zwischen den Stämmen ist bei den Kĕnja viel lebhafter als zwischen den Bahau, auch besitzen erstere mehr Verwandtschaftsgefühl. Dazu trägt nicht wenig die im Lande herrschende Sicherheit bei. Es finden denn auch von anderen Gebieten aus nur selten Kopfjagden in Apu Kajan statt; am ehesten sind diese von den Batang-Lupar-Stämmen aus Sĕrawak zu fürchten, so dass die Kĕnja sich denn auch nicht gern westlich vom Flusse oder zu nahe an seinem Ursprung niederlassen.

Sowohl der schweren Zugänglichkeit ihres Landes als ihrer Stärke und Energie haben die Kĕnja es zu danken, dass sie bis jetzt von einem Eindringen Fremder verschont geblieben sind.

Den Zugang zu den anderen Gebieten haben sich die Kĕnja selbst durch ihre berüchtigten Kopfjagden so gut wie abgeschnitten. Während sie selbst in ihrem Lande beinahe unbewaffnet reisen, wagen sie nur in grosser Anzahl Handelszüge in fremde Gebiete zu unternehmen. Den Verkehr mit den Bewohnern am unteren Kajan haben sich die Kĕnja durch ihre Kopfjagden mit den Uma-Alim unmöglich gemacht, die am Pĕdjungan und Bahau wohnen, den beiden Flüssen, die man zur Umgehung der Baröm berühren muss. Ebenso unsicher ist der Weg längs des Balui nach Fort Bĕlaga; hier sind wieder die Hiwan den Kĕnja feindlich gesinnt. Der in das nord-östlich gelegene Baramgebiet führende Handelsweg, an dem verwandte Kĕnjastämme leben, wird zwar viel benutzt, aber auf dieser Reise muss ein 10 tägiger Landweg zurückgelegt werden, bevor wieder ein Transport der Waren mit Böten möglich ist. Daher können sie vom Baram kein schweres Gepäck wie Salz herbeiführen. Einen Vorteil bietet dieser Weg insofern, als er durch Gebiete führt, in welchen die Kĕnja Waldprodukte, vor allem Kampfer sammeln können; auf den anderen Wegen zur Ostküste kommt der Kampferbau dagegen nicht vor. Der Ertrag eines Baumes beträgt höchstens 1 kati (= 0.61 Kilo). Der Kampfer kommt im Holz des Baumes in Stücken von der Grösse eines Sandkorns bis zu 3 cm3 vor. Die Bäume werden gefällt, wenn bereits aus dem Geruch der Kampfergehalt festgestellt worden ist, dann werden sie völlig ausgehöhlt, als ob man Böte aus ihnen herstellen wollte. Hinter jedem Span wird der in den Ritzen des Holzes abgesetzte Kampfer gesammelt. Beim Umhacken werden den Geistern Matten, Zeug und Reis geopfert; hat man die Reise mit guten Vorzeichen angetreten, so ist der Gewinn an Kampfer gross, im anderen Falle aber klein.

Von den beiden anderen Handelswegen, die den Kĕnja noch übrig bleiben, ist der nach dem Mahakam der gebräuchlichste; nach dem Berau ist die Reise so schwierig, dass nur leichte Artikel von dort bezogen werden können. Die Kĕnja verbessern alle diese Wege, indem sie z.B. sumpfige Stellen mit behauenen Stämmen belegen, steile Abhänge mit Treppen versehen u.s.w.

Während wir noch auf dem Hügel standen und uns von Bui Djalong berichten liessen, hatte sich der Himmel plötzlich verfinstert und, ehe wir das Tal erreichten, brach ein furchtbares Ungewitter auf uns nieder. Einige starke Donnerschläge gingen den Regengüssen voran, dann folgte ein heftiger Hagelschlag, den ich zum ersten Mal in Indien erlebte. Die Kajan waren durch diese Naturerscheinung aufs tiefste erschreckt. In ihrem Lande kommt Hagel überhaupt nicht vor; nur wird nach einer ihrer Sagen, wenn es Steine regnet, alles in Stein verwandelt.

Wenn die gefürchtete Versteinerung auch nicht eintraf, so hatte dieser Hagelschlag auf die Nerven der Kajan und Malaien, die ohnehin durch das plötzliche Zusammenrufen (buka) der Dorfbewohner nach dem Fall der Uma-Tĕpai sehr erregt waren, so nachteilig gewirkt, dass Lalau mir am anderen Tage mit bleichem Gesicht meldete, es würden unter der Bevölkerung über uns sehr ernste Gerüchte verbreitet, die uns äusserst gefährlich werden könnten. Man erzählte, wir beabsichtigten in der Tat, die Kĕnja zu bekriegen, und warteten nur auf die Hiwan (Batang-Lupar) und die Ankunft der Boten von Long Dĕho, die den Boh hinaufgefahren waren, um den Angriff zu beginnen. Kwing, sein Gefolge und meine Malaien fürchteten, dass die Kĕnja uns zuerst anfallen würden. Unser Verhältnis zur Bevölkerung war indessen fortwährend besser geworden und bis jetzt war noch nichts Unangenehmes zwischen uns vorgefallen. Selbst als mein Hund einen kleinen Knaben recht stark gebissen hatte, wurde dieser Vorfall seitens der Betroffenen sehr verständig beigelegt. Auch verkehrten Frauen und Kinder von morgens früh bis abends spät in meiner Hütte, für mich der beste Beweis ihres grossen Vertrauens zu unseren Absichten. Einige Mütter mussten ihre Kinder sogar mit Gewalt zum Essen nach Hause holen und klagten, die Kleinen wären überhaupt nicht mehr in der amin zu halten. Es half nichts, dass ich die beängstigten Gemüter auf alle diese beruhigenden Zeichen hinweis, sie kamen stets wieder auf das Gehörte zurück. Da es nicht ratsam war, dergleichen Geschwätz allzulange kursieren zu lassen, und auch zur Beruhigung meiner Leute versprach ich Kwing Irang, die Sache mit Bui Djalong in seiner Gegenwart besprechen zu wollen.

An diesem Tage kam es jedoch nicht dazu, weil ein Häuptling der Uma-Bakong mit zwanzig Mann Gefolge den Fluss heraufgefahren kam, um mich zu besuchen.

Bui Djalong führte mir die Gesellschaft selbst zu und erklärte, dass Emāng, so hiess der Häuptling, und die Seinen mich besuchten, um meine Absichten mit den Kĕnja kennen zu lernen. Da der Mann gut Busang sprach, liess Bui Djalong ihn mit seinen Begleitern allein bei mir zurück, augenscheinlich vertraute er, dass ich mit der Gesellschaft allein fertig werden würde. Die Besucher hatten auf meine Nachsicht gerechnet, denn sie brachten mir nur etwas Reis zum Geschenk, worüber sie selbst ihr Bedauern aussprachen. Ich war jedoch gar nicht daran gewöhnt, Geschenke zu empfangen, und half den Leuten mit einer Unterhaltung über tanah dipa, das Land “Übersee”, über ihre Verlegenheit hinweg. Ich gab jedem ein Gegengeschenk, dem Häuptling eine Jacke aus Kattun, den anderen ein Kopftuch aus batik. In bester Stimmung sagte Emāng beim Abschied, man werde uns in seinem Dorfe auf den Händen tragen, falls wir dorthin kommen wollten.

Nachdem die Gesellschaft am anderen Tage wieder abgereist und die ăwă des Häuptlings wieder frei geworden war, liess Kwing Irang mich zur Besprechung rufen. Bei meinem Eintritt sass er mit ernstem Gesicht allein unter seinen Kajan. Ich hatte somit noch Gelegenheit, ihm zu sagen, dass ich Bui Djalong und dessen Stammesgenossen gegenüber, die alles täten, um uns den Aufenthalt angenehm zu machen, wegen der Angelegenheit verlegen sei und dass ich dem Geschwätz nicht glaubte. Demmeni trat ebenfalls zu uns, und als auch Bui Djalong mit einigen Ältesten erschien und sich zu uns unter die Schädelreihe setzte, forderte ich Kwing auf, seine Sache selbst vorzutragen. Mit aller Redegewandtheit, über die er verfügte, wiederholte Kwing darauf das Geschwätz der alten Frauen und Kinder und gab dabei selbst so deutliche Zeichen von Angst zu erkennen, dass Bui Djalong eine ungeduldige Bewegung nicht unterdrücken konnte.

Bevor er antwortete, machte er uns gegenüber die Bemerkung, dass wir augenscheinlich dem Klatsch keinen Glauben schenkten und aus dem Blick, mit dem er uns ansah, sprach seine Genugtuung hierüber. Kwing Irang selbst gab er in fast beleidigend kurzen Worten den Bescheid, dass alle diese Gerüchte nur von alten Weibern und Kindern stammten und Männer einen solchen Unsinn nicht ernsthaft nehmen sollten. Sehr überzeugt hatte er seinen Gast durch diese Bemerkung wahrscheinlich nicht, aber die Batang-Lupar-Frage erschien ihm als Gesprächsthema verlockender und so wandte er sich diesem zu. Ich vernahm von ihm jetzt denselben Bericht, den ich bereits häufig an der Sĕrawakischen Grenze gehört hatte, nämlich dass das ganze Land in ständiger Angst vor den plündernden Hiwan-Banden lebte, die der Radja auf die Grenzstämme an der niederländische Grenze hetzte, und vor den Hiwan, die in Truppen Buschprodukte suchten und dabei gelegentlich Köpfe jagten.

Die Kĕnja brauchten ihrer grossen Anzahl wegen vor diesen Stämmen keine Angst zu haben, aber Bui Djalong fürchtete, dass er, falls neue Morde vorfielen, sein Volk nicht in Schranken würde halten können, wodurch ernsthafte Konflikte mit dem Radja entspringen könnten. Über die früher verloren gegangene Entschädigung in Form von Guttapercha hatte der Radja nicht mehr mit ihm gesprochen, dagegen hatten die Hiwan selbst eine hohe Entschädigungssumme von ihm geheischt, da sie sich durch eine dem Sĕrawakischen Gouvernement aufgebrachte Busse nicht befriedigt fühlten. So lange diese Angelegenheit noch nicht beigelegt war, fürchtete Bui Djalong die Rache der Hiwan. Infolge der stets von neuem von den schwärmenden Punan verbreiteten Gerüchte über einen in Sĕrawak in Vorbereitung begriffenen Kriegszug (bala) gegen die Stämme von Apu Kajan und die Anwesenheit zahlreicher Truppen von Hiwan in den umliegenden Gebirgen befand sich das Land in ständiger Unruhe. Das Gebiet am linken Kajanufer war von den eingeschüchterten Bewohnern gänzlich verlassen worden und auch die Uma-Bom hatten teilweise dieser Gerüchte wegen ihre Siedelung am Kajan im Stich gelassen.

In dem Geschwätz, das Kwing so beunruhigt hatte, war auch von 2 Böten die Rede gewesen, die aus Long Dĕho angekommen sein sollten. Der Bericht war mir völlig unklar gewesen, jetzt hörte ich aber von Bui Djalong, dass in der Tat zwei Böte uns von Bang Jok nach unserer Abreise nachgesandt worden und bei den Uma-Bom in Apu Kajan angekommen seien. Die Leute hatten eine sehr ungünstige Reise gehabt. In ihrer Unkenntnis des Weges waren sie nicht den Oga hinaufgefahren, sondern dem Boh gefolgt, worauf sie bald die Richtung verloren hatten. Nach mehrtägiger Fahrt waren ihre Nahrungsmittel erschöpft und sie selbst nur auf die Fische im Boh angewiesen gewesen. In diesem Zustand waren sie einer Punangesellschaft begegnet, die sie mit Nahrung versorgt und dann auf den richtigen Weg gebracht hatte, so dass sie doch noch in der Niederlassung der Uma-Bom angelangt waren. Sie wollten sich dort erst noch von ihren Reisestrapazen erholen, bevor sie sich zu uns nach Tana Putih begaben.

Im Gespräch über die wirklichen und vermeintlichen Landesfeinde kam die Rede auch auf den Kampf mit den Uma-Alim. Bui Djalong glaubte sich zu dem Rat verpflichtet, mich jetzt, wo Unruhe im Lande herrschte, nicht oder wenigstens nicht allzu weit den Fluss hinunter zu wagen. Er wollte für die geplanten Beratungen lieber die weiter unten wohnenden Häuptlinge nach Tanah Putih berufen, wodurch mir die Reise flussabwärts erspart wurde. Obgleich gegen diesen Vorschlag nicht viel einzuwenden war, gefiel er mir nur halb, da ich mich für die anderen Stämme und das Land weiter unten viel zu sehr interessierte; ich antwortete daher nur wenig und nahm mir vor, nach Umständen zu handeln.

Kwing Irang versuchte in seiner Angst nochmals auf den alten Klatsch zurückzukommen, aber er fand bei keinem von uns Gehör, und als er sogar über unsere Rückreise zu sprechen anfing, erinnerte ich ihn an unsere Abmachung, zwei Monate in Apu Kajan bleiben zu wollen, an die ich mich bestimmt halten wollte. Darauf ging die Beratung in eine gemütliche Plauderei über, nach der wir alle in unsere Wohnungen zurückkehrten.

Die Zusammenkunft hatte auf meine Gastherren nicht ungünstig gewirkt, denn ein Strom von Besuchern, in den letzten Tagen auch von den benachbarten Dörfern der Uma-Djalān und Uma-Tokong, ergoss sich wieder in meine Hütte, wo es so viele Merkwürdigkeiten zu sehen und stets eine Kleinigkeit als Geschenk mitzunehmen gab. Das fortwährende Sprechen mit Menschen, die die Busang-Sprache nur halb verstanden, wirkte in diesen Tagen ebenso ermüdend wie die unaufhörlichen Bitten der Besucher, ihnen meine Körperhaut zeigen zu wollen. Da wir über diesen Punkt eine sehr verschiedene Auffassung hatten, führten die Unterhandlungen nicht immer zu einem befriedigenden Resultat. Die meisten Gäste brachten in Gestalt von Reis oder Früchten ein Geschenk mit, besonders wenn sie mit der Absicht, Arzneien zu holen, zu mir kamen; sie erwarteten aber alle ein kleines Gegengeschenk, wobei ich stets darauf achten musste, wer der Vornehmste und wer der Geringste in ihrer Gesellschaft war. Hieraus entstanden bisweilen viele Schwierigkeiten, da ich die Verhältnisse der Personen nur schlecht kannte und diese durch Fragen nicht in Verlegenheit bringen wollte. Als ich Bui Djalong meine Verwunderung darüber aussprach, dass meine Besucher aus der Ferne mit einer solchen Selbstverständlichkeit Ansprüche auf meine Tauschartikel erhoben, erklärte er mir, es sei Sitte bei den Kĕnja, dass Handelsreisende, die von weitem heimkehrten, ihren Familiengliedern und Bekannten ein kleines Geschenk (salamba) mitbrachten, und dass man daher mich, der ich ebenfalls aus der Ferne gekommen war und mich mit allen gut stellen wollte, für diese Freundschaft eine kleine Steuer bezahlen liess. Übrigens erhielt ich selbst oft auch auffallend grosse Geschenke; einige Häuptlinge brachten eine ganze Ziege oder verkauften diese um billigen Preis, andere reichten einen ganzen Korb voll Reis oder ein Ferkel dar, und da, wenn ich mit einiger Vorsicht zu Werke ging, meine Tauschartikel ausreichten, unterwarf ich mich gern ihrer Sitte.

Eines Mittags bewiesen die jungen Leute von Tanah Putih, dass ihnen sehr daran gelegen war, uns den Aufenthalt bei ihnen so angenehm als möglich zu machen. Bui Djalong kam mir melden, dass sie in Anbetracht der grossen Anzahl Besucher, die ich ständig bei mir hatte, meine Hälfte unserer Hütte vergrössern wollten und brachte gleich 60 Mann mit. Anfangs setzte ich, der vorgerückten Tagesstunde wegen, in einen Umbau meiner Wohnung nicht viel Vertrauen, aber ich ergab mich wie gewöhnlich in ihre Pläne, da ich sie nicht gut beurteilen konnte.

Meine Sachen wurden sehr geschickt in den von meinem Personal bewohnten Teil der Hütte hinübergetragen, wohin man auch mich zu gehen aufforderte. Letzteres war kaum nötig gewesen, denn schon während des Sachentransports waren andere auf das Dach gestiegen, hatten schnell die Rotangstricke von den Schindeln losgeschnitten und binnen kurzer Zeit das Dach fortgenommen. Sehr bald waren auch die Wände verschwunden und dann begannen die Männer die Hütte etwas breiter wieder aufzubauen. Das hierfür notwendige Material lag schon zur Hand, und noch vor Sonnenuntergang, sass ich wieder wohl eingerichtet in meinem Hause, jetzt weit bequemer als zuvor. Man hatte zu dieser Arbeit einen Tag ausgesucht, an dem sich alle Bewohner in der Niederlassung befanden, weil das Saatfest beginnen sollte. Abends lag ich bereits sehr müde in meinem Klambu, als man mich nach oben ins Häuptlingshaus rufen liess, wo 50 Mann, die in der ăwă in einer Reihe standen, eine Art von “ngarang” aufführen sollten. Alle hatten ihre besten Kleider an. Die bewährten Krieger trugen besonders schöne und gut erhaltene Kriegsmäntel aus Pantherfellen und Tinggangfedern, auch wohl aus langhaarigen Ziegenfellen, und Kriegsmützen mit hübschen Federn auf dem Kopfe.

Die kräftig und schön gebauten jungen Männer standen mit dem Rücken zu uns gekehrt und bewegten sich nach den Tönen der kle̥di, welche von zwei Männern gespielt wurden. In langsamen Schritten zogen sie an uns hin und wieder zurück, erst rechts fortschreitend, dann wieder links. Einige Hundert Männer und Frauen, unter ihnen auch unsere Kajan und Malaien, bildeten die Zuschauer. Auf der grossen, dunklen, nur von einer Lampe und einigen Harzfackeln erleuchteten Galerie boten die kräftigen, malerischen Gestalten, die sich streng nach dem Rhythmus der Musik bewegten, ein sehr eindrucksvolles Schauspiel; für uns Fremde war der Anblick besonderes interessant, da wir gar nicht daran gewöhnt waren, so viele Personen auf Kommando mit einer bei den Bahau gänzlich unbekannten Genauigkeit sich bewegen zu sehen, überdies in einem Kriegskostüm, das nicht nur durch seine eigentümliche Form, sondern auch durch seine Schönheit alles, was ich an derartigem bei den Bahau gesehen hatte, bei weitem übertraf. Auf den Kriegstanz folgte erst ein Tanz jüngerer Männer und dann einer von Frauen; alle bewegten sich mit der gleichen grossen Ruhe und streng rhythmisch.

Auch meine Malaien und Kajan standen lebhaft unter dem Eindruck des für sie aussergewöhnlichen Schauspiels. Sie sassen alle bewegungslos in stummes Staunen versunken und waren nicht dazu zu überreden, auch ihrerseits etwas zum besten zu geben. Einer der Bandjaresen aus Samarinda versuchte zwar einen malaiischen Tanz vorzuführen, spielte aber nach dem eben Genossenen eine traurige Figur. Der ängstliche Kwing wusste nichts Besseres vorzubringen, als seine Besorgnis darüber auszudrücken, ob das Haus, das übrigens sehr fest gebaut war, die Last aller dieser Menschen wohl aushalten würde.

Als ich Bui Djalong am anderen Morgen meine Anerkennung über die Vorstellung ausdrückte, zeigte er mir einige Kisten in der Galerie, die speziell zur Aufbewahrung der Kriegsausrüstungen dienten; sie waren hier also nicht, wie in der amin der Bahau, dem Rauch ausgesetzt. Abends wurde das Fest wiederholt, und fanden ausserdem Schwerttänze statt, bei welchen wir die Grazie und die Kraft bewunderten, mit der die Kĕnja sich bewegten. Wenn ein Krieger mir allzu nahe trat, kam mir unwillkürlich der Tod des Long-Glat-Häuptlings in den Sinn, dem ein Kĕnja beim Schwerttanz plötzlich den Kopf abgeschlagen hatte; es war mir ein beruhigendes Gefühl, dass ich zwischen dem Häuptling und dessen Frau sass. Von Müdigkeit überwältigt zogen Demmeni und ich uns früh zurück.

Die Kĕnja schienen ihre Versprechungen treuer zu erfüllen als die Bahau; zum ersten Mal lernte ich hier auch wahres Interesse für das allgemeine Wohl kennen, als anderen Tags Abing Djalong, einer der niedrigeren Häuptlinge, mit einigen anderen zu mir kam, um zu melden, dass sie sogleich abwärts fahren würden, um namens Bui Djalongs die Häuptlinge weiter unten zu einer Zusammenkunft in Tanah Putih unmittelbar nach dem Saatfest zusammenzurufen. Sie baten jeder um ein Stück Zeug für eine Jacke und ein Kopftuch für die Reise, die ich ihnen als Belohnung für so viel Mühe gern zugestand. Nachdem diese Sechs abgefahren waren, trat ein ruhiges Stündchen ein, das Bui Djalong abgewartet zu haben schien, denn er kam zum ersten Mal allein zu mir, um zu plaudern, gab mir Auskunft über diese Sendung nach unten, berichtete noch über allerhand Dinge, die ich gern wissen wollte, und bat mich zum Schluss um etwas Pulver und einige Tigerzähne. Da er mich noch niemals um irgend etwas für sich selbst oder andere gebeten hatte, war ich froh, ihm diesen Gefallen erweisen zu können, nur wunderte es mich, dass er so obenhin von ein paar Tigerzähnen sprach, die bei den Mahakambewohnern als sehr wertvolle Gegenstände galten, die nur von Häuptlingen berührt werden durften. Er besass bereits selbst mehrere Zähne, mit denen er seinen sonong, Kriegsmantel, verziert hatte, war aber doch sehr froh, als ich ihm noch einige grosse, rein weisse Exemplare reichte.

Ich benutzte Bui Djalongs gute Stimmung, um mir von ihm allerhand über die Verhältnisse in seinem Stamme erzählen zu lassen. Über die Stellung der Häuptlinge zu den Untertanen erfuhr ich das folgende: Jedes Haus in Tanah Putih bildete ein kleines Reich für sich, das von einem Häuptling regiert wurde. Die einzelnen Häuser standen wieder unter einem gemeinsamen Oberhaupt. Sowohl dieses als die Unterhäuptlinge durften in ihren breiten Galerien Schädeltrophäen aufhängen, den panjin jedoch war dies nicht gestattet. Die Kĕnja besitzen nur eine geringe Anzahl Sklaven und diese gehören ausschliesslich den Häuptlingen. Bui Djanlong selbst, der allerdings der vornehmste aber nicht der reichste Häuptling war, verfügte nur über sehr wenig Sklaven, dasselbe sollte bei Pingan Sorong in Long Nawang der Fall sein. Kwing Irang besass dagegen eine bedeutend grössere Anzahl Sklaven. Auch die Kĕnja kaufen ihre Sklaven von den Punan und Bukat, welche diese auf ihren Kriegszügen bei oft weit entlegenen feindlichen Stämmen erbeuten. So erzählte mir Bui Djalong, dass er nach unserer Abreise einige Sklaven bei den Punanstämmen kaufen wollte, die sich in der Nähe aufhielten. Auch die Malaien an der Küste von Berau treiben mit den Kĕnja Sklavenhandel; die Ma-Kulit z.B. kauften vom Sultan von Berau für ein Boot und 2 pikol Guttapercha einen Sklaven, um diesen zu opfern. Die Punan sind den Kĕnja nicht unterworfen, doch üben die Häuptlinge der letzteren über die in der Umgegend schwärmenden Stämme grosse Macht aus.

Die Jägerstämme halten sich bald in Apu Kajan auf, bald am Batang-Rèdjang und Baram, wohin sie über die Wasserscheide ziehen. Nach einer Kopfjagd auf Sĕrawakischem Gebiet flüchten sie jedoch wieder auf das der Kĕnja zurück. Da die Punan die Pfade im umliegenden Gebirge am besten kennen, werden sie von den jungen Kĕnja bei Kopfjagden als Führer benützt. Die Gerüchte von Kopfjagden und Strafzügen, welche in Sĕrawak gegen die Kĕnja vorbereitet werden sollen, danken ihren Ursprung meistens den Punan. Wenn diese Gerüchte sich auch oft als unwahr erweisen, so lassen sich die Bewohner von Apu Kajan doch immer wieder von ihnen in Schrecken setzen.

Unsere Unterhaltung dauerte leider nicht lange, denn bald erschienen wieder Böte mit Uma-Djalān und andere mit Uma-Tokong, die mit mir handeln wollten und vertrieben den Häuptling.

Mittags hatte ich wieder mit einem Ausbruch von Angst seitens der Kajan und einiger meiner Malaien zu kämpfen, die sich einbildeten, dass hinter der Botschaft an die Häuptlinge weiter unten Verrat stecke. Ich suchte sie nach Kräften zu beruhigen, leider mit geringem Erfolg.

Nicht alle Malaien fühlten sich so wenig heimisch; von den jungen Männern hatten einige nicht nur mit den männlichen, sondern auch mit den weiblichen Gastfreunden Freundschaft geschlossen, die zu grosser Intimität führte, so dass ich sehr streng auftreten musste, um sicher zu sein, dass meine Männer die Nacht zu Hause und nicht bei ihren Freundinnen verbrachten. Einige ältere Leute hatten mich auf die Gefahr eines solchen Verkehrs aufmerksam gemacht, auch hatte ich früher selbst meine Reisebegleiter stets zur Vorsicht ermahnt, um keine Rivalen, Ehemänner oder Eltern durch Liebeshändel zu kränken. Hier lagen die Verhältnisse allerdings etwas anders; die jungen Mädchen schienen von meinen jungen Reisegefährten sehr entzückt zu sein und einige Eltern, bei denen ich als Hausarzt verkehrte, zeigten sich von den Verhältnissen ihrer Töchter sehr befriedigt. So erschien ein allzu strenges Eingreifen mir nicht wünschenswert, nur machte ich die an andere Zustände gewöhnten Malaien darauf aufmerksam, dass sie nicht wie an der Küste den einen Tag bei dieser, den anderen bei jener jungen Frau verbringen durften, sondern dass ihr Freundschaftsbund während unseres ganzen Aufenthalts dauern müsse, da er anders gefährlich werden könnte. Nur als Gunst und auf besondere Bitte gestattete ich einigen, eine Nacht in der amin der Kĕnjaeltern zu verbringen, auch bat ich Bui Djalong, mir sofort zu melden, falls daraus Unfriede entstand, was jedoch nicht geschah. Von der Innigkeit der hier angeknüpffen Bande überzeugte ich mich bei der Abreise, wo der Abschied den jungen Paaren sehr schwer fiel, zahlreiche Geschenke gewechselt wurden und einer der Männer sogar zurückgeblieben wäre, wenn ich ihm das zugestanden hätte. Für einen von ihnen musste ich eine Busse bezahlen, weil seine junge Frau von ihm schwanger geworden war und er sie verliess. Die jungen Männer fühlten sich so zu Hause, dass sie mit ihrer zeitweiligen Familie bisweilen aufs Feld zogen, dort arbeiteten und abends sehr guter Dinge heimkehrten.

Schreckfigur und -Pfahl.

Am 20. Oktober kamen die jungen Männer von ihrer Sendung zurück. Sie hatten ihre Reise nur bis zu den Uma-Tow in Long Nawang fortgesetzt, weil die Dörfer weiter unten am Fluss, wie Uma Kulit, Uma Baka, Uma Tĕpai sich so sehr vor einem Einfall der Uma-Alim und Hiwan fürchteten, dass sie keine Männer zu missen und nach Tanah Putih zu senden wagten. Sie brachten die sichere Nachricht, dass von den Uma-Tĕpai nur 15 Mann beim Überfall der Uma-Alim gefallen waren, auch waren sie Bewohnern aus Uma Bom begegnet, die ihnen erzählt hatten, dass die 18 Mann, die Bang Jok uns aus Long Dĕho nachgesandt hatte, sich noch bei ihnen aufhielten, aber bald nach Tanah Putih kommen würden.

Zu den Patienten, die ich lange Zeit behandelt hatte, gehörten einige sehr alte Personen, die an chronischem Lungenleiden und schlechter Herztätigkeit litten. Am 23. Oktober starb der älteste von ihnen, ein Häuptling, der ein se̥bilah, Blutsfreund, von Bo Adjang Lĕdjü in Long Dĕho gewesen war und daher mit diesem gleich alt, d.h. etwa 90 Jahre gewesen sein musste. Beim Tode dieses Mannes wurde für das ganze Dorf kein lāli festgesetzt, auch durften Fremde dieses betreten, was beim Tode eines Bahauhäuptlings streng verboten gewesen wäre. Der Sarg stand bereits seit langem fertig da, wahrscheinlich weil die hierzu nötigen dicken Stämme nur in grosser Entfernung zu finden waren. Für jüngere Menschen halten die Kĕnja keine Särge bereit.

Um zu den Begräbniskosten etwas beizutragen, was alle wohlhabenden Familien taten, schenkte ich einige Stücke weisses und farbiges Zeug. Bereits eine Stunde nach dem Abscheiden fuhren einige Leute den Fluss hinunter, um den auswärts wohnenden Blutsverwandten die Todesnachricht mitzuteilen, und ebenso schnell machte sich eine grosse Anzahl Männer auf, um ein Prunkgrab zu errichten, das innerhalb weniger Tage fertig sein sollte.

Mittags äusserte der Häuptling den Wunsch, mit mir einiges inbezug auf die bevorstehende Zusammenkunft der Häuptlinge besprechen zu wollen. Derartige Beratungen waren mir hier stets ein Vergnügen, weil ich wusste, dass hier ein aufrichtiger Wunsch zur Regelung der Angelegenheiten vorlag, und ich mich in vielen Dingen auf die Meinung und den Rat des Häuptlings verlassen durfte. Am meisten schien ihm am Herzen zu liegen, dass ich mich mit den Meinen nicht weiter flussabwärts begab, wozu ich jedoch fest entschlossen war, falls die Gefahr nicht zu gross wäre. Dem Häuptling erschien wegen der augenblicklich herrschenden Unruhen weiter unten eine Reise dorthin zu gefahrvoll, auch glaubte er der Gesinnung der dortigen Häuptlinge uns gegenüber nicht sicher zu sein. Infolge der grossen Reisnot könne er uns jetzt auch nicht mit einer genügenden Anzahl Männer begleiten, auch würde er seinen kleinen Sohn Ului nur sehr ungern allein lassen. Als ich ihm sagte, ich wolle erst den Verlauf der Besprechungen abwarten und meinen Plan danach einrichten, drang er dennoch darauf, dass ich aus genannten Gründen in keinem Fall reisen sollte. Wir behandelten ferner ausführlich die auf der Versammlung zu besprechenden Angelegenheiten. Er bat mich, den Anwesenden das Verhältnis zwischen Sĕrawak und den Niederlanden möglichst deutlich auseinanderzusetzen, ebenso ihnen begreiflich zu machen, dass wir mit ihren Erbfeinden den Batang-Lupar nichts zu tun hätten; er behauptete, viele glaubten seinen Erklärungen nicht, weil sie bisher so wenig von den Niederländern als grosser Macht gehört hätten und niemand so sehr fürchteten als den Radja von Sĕrawak. Ferner sollte ich nochmals deutlich berichten, dass ich hauptsächlich gekommen sei, um den Fehden mit den Mahakambewohnern ein Ende zu machen, damit man Bui Djalong nach unserer Abreise nicht den Vorwurf machen konnte, uns in sein Gebiet Einlass gewährt zu haben. Zu meiner grossen Genugtuung sagte er, mit unserer Festsetzung im Lande wären alle Stämme sehr zufrieden, besonders weil wir sie vor den immer drohender werdenden Einfällen der Hiwan beschirmen wollten, doch bestände immerhin noch eine starke Partei, die aus Furcht vor dem Radja von Sĕrawak nicht öffentlich mit den Niederländern gemeinsame Sache machen wollte. Um mich auch dieser gegenüber so weit als möglich an der Wahrheit zu halten und später nicht den verdienten Vorwurf zu hören, ich hätte ihnen zu viel versprochen, betonte ich ausdrücklich, dass ich über eine Besetzung eines so weit abgelegenen Gebietes wie das der Kĕnja zuvor noch reiflich mit den hipui (Autoritäten) in Batavia überlegen müsste, was dem Häuptling sehr einleuchtete. Er drang jedoch sehr darauf an, dass ich die Angelegenheit soweit führen sollte.

In meine Hütte zurückgekehrt fand ich dort so viele Leute, die etwas verkaufen, fragen oder ärztlich behandelt werden wollten, dass es mir schwer wurde, Geduld zu üben, überdies war ich nach dem stattgehabten Gespräch nicht in der Stimmung, mit unbekannten Menschen über allerhand gleichgültige Dinge zu reden. Ich begab mich daher zu meinen Patienten, von denen einige mir sehr sympathisch waren und durch ihre Unterhaltung Zerstreuung verschafften. Auf der Treppe, die in eines der langen Häuser führte, begegnete ich einer Gesellschaft von etwa 50 Personen. Trotz meiner für sie sehr aussergewöhnlichen Erscheinung zogen die Fremden an mir vorbei, ohne mich näher anzusehen; einige der Gesichter schienen mir bekannt und in einem Mann, der mir zunickte, erkannte ich einen Häuptling aus Long Dĕho. Die Gesellschaft bestand aus den Long-Glat, die uns nachgereist waren und sich verirrt hatten, und den Uma-Bom, die zur Versammlung gekommen waren.

Die Kĕnjafrauen, die sich unter letzteren befanden, legten ebenso wenig Neugier an den Tag als die Männer. Die grosse Anzahl der Ankömmlinge bewies, dass man in dem Dorfe für die bevorstehende Beratung Interesse zeigte, und so setzte ich guter Dinge meinen ärztlichen Rundgang fort, als Sawang Bilong, der Sohn des Verstorbenen und Häuptling eines der Häuser, mich bat, so lange die Leiche noch nicht bestattet wäre, nicht zu praktizieren oder sonst tätig zu sein, weil die adat dies verbiete. Da keiner meiner Patienten unmittelbarer Hilfe bedurfte, willigte ich gerne ein und freute mich, einer sehr ruhigen Zeit entgegenzugehen.

Kurz darauf erschien Bajow, der Anführer unserer Long-Glat, bei mir mit einem Packen Briefe und Zeitungen, die nach meiner Abreise in Long Dĕho angekommen waren. Er berichtete ausführlich über alle Leiden, die seine Gesellschaft ausgestanden, nachdem sie sich auf dem Boh verirrt hatte. Vor Hunger erschöpft hätten sie zurückkehren müssen, wenn ihnen die Punan am Boh nicht geholfen und den Weg gewiesen hätten. Dank dem Fischreichtum der Flüsse, in denen niemals gefischt wurde, hatten sie es so lange aushalten können. Bajow erzählte ferner, man habe ihn und die Seinen bei den Uma-Bom freundlich empfangen und freigebig bewirtet, auch sei man in diesem Dorfe im allgemeinen von dem Besuch der Niederländer bei den Kĕnja befriedigt, nur drücke die Furcht vor Strafe für die vielen am Mahakam begangenen Vergehen noch stark auf die Stimmung.

Anderen Tags hielten sich alle Leute in einiger Entfernung von mir, weil sie wussten, dass ich weder praktizieren noch Handel treiben durfte, auch waren viele mit den Vorbereitungen zum Begräbnis des Häuptlings beschäftigt, das nachmittags stattfinden sollte. Die Männer hatten das schöne Prunkmal wirklich an einem Tage fertiggestellt, ebenso waren viele Frauen gleichzeitig damit beschäftigt, alles für die Totenausrüstung und das Begräbnismahl Erforderliche in Ordnung zu bringen.

Nach dem Essen musste ich mich als Gast und Glied der Kĕnjagesellschaft nach Sawang Bilongs Wohnung begeben, wo alle Häuptlinge des Stammes und auch die Männer aus Uma Bom um die bereits eingesargte Leiche versammelt waren. Der grosse, schwere, aus einem Baumstamm gehauene Sarg stand vor der Wohnung des Häuptlings in der ăwă und einige Frauen in Trauer knieten vor ihm und wehklagten. Der Sarg war rotbraun, weiss und schwarz angemalt, ebenso der grosse hölzerne Hund, der sich neben ihm befand und später unter die bila gestellt werden sollte. Viele schöne Kriegsmäntel, Perlen und Armbänder hingen um den Sarg und hübsche Körbe, wahrscheinlich mit kostbarem Inhalt, standen um ihn her. Nachdem ich einige Zeit an der Aussenwand der Galerie zwischen den Häuptlingen gesessen hatte, kamen auch die Abgeordneten der Niederlassungen Uma Djalān, Uma Tow, Long Nawang und Uma Bakong an, traten erst vor den Sarg zum Wehklagen und liessen sich dann an unserer Seite nieder. Es herrschte zwar eine gedrückte Stimmung, auch wurde nur leise gesprochen, doch schlossen die Neuangekommenen sogleich mit Demmeni und mir Bekanntschaft und waren sehr darauf aus, etwas Besonderes zu hören. Von den Männern verstand nur ein Teil in genügendem Masse Busang, um ein Gespräch führen zu können, weitaus die meisten sprachen lieber ihre eigene Sprache oder die der Uma-Tow. Alle diese Dialekte weichen stark vom Busang ab, nur die Uma-Lĕkĕn, die ich noch nicht sprechen gehört hatte, sollten sich des Busang bedienen.

Während wir so beieinander sassen, konnten wir beobachten, in wie freigebiger Weise die Kĕnja einander bei solchen Gelegenheiten unterstützen. Aus allen Wohnungen traten Reihen von jungen Mädchen und Frauen in schöner Kleidung und trugen Schüsseln mit Reis und anderen Esswaren in die amin der trauernden Familie; des Morgens hatten sie in gleicher Weise Brennholz herbeigetragen, um all das Essen zu kochen.

Die eigentliche Bestattung ging nachmittags gegen 4 Uhr vor sich. Nur die nächsten Angehörigen schritten hinter dem Sarge her, der von 4 Männern auf zwei festen Bambusstöcken getragen wurde. Nicht sämtliche bei der Leiche aufgestellten schönen Dinge, sondern nur Schild, Schwert, Kriegsmantel und Kriegsmütze des Verstorbenen wurden mitgetragen, um an der bila aufgehängt zu werden. Der Zug machte einen schlichten Eindruck; auf dem Wege, ausserhalb des Hauses, verstummte das Wehklagen. Da man die bila in unmittelbarer Nähe des Dorfes, bei den Gräbern von Bui Djalongs Kindern und anderen, errichtet hatte, dauerte die Beisetzung nicht lange und man kehrte bald heim.

Abends wurde meine Hütte von so vielen Personen, die ihre Häuptlinge zur bevorstehenden Versammlung begleitet hatten, belagert, dass die Häuptlinge selbst ihren Besuch bei mir auf den folgenden Morgen verschoben.

Dann waren aber auch alle Gäste versammelt, die an diesem Tage an den Beratungen teilnehmen sollten, und von früh morgens bis halb elf Uhr, wo man Demmeni und mich zur Versammlung rief, war meine Wohnung ständig überfüllt. Jetzt bot sich die Gelegenheit, allen Häuptlingen, die noch kein Geschenk empfangen hatten, eines anzubieten und zugleich ihre Frauen, von denen die meisten mitgekommen waren, kennen zu lernen.

Alle hatten Esswaren mitgebracht, die von Uma-Bom sogar ein kleines Schwein. Bei der Austeilung der Geschenke musste wieder mit Überlegung zu Werke gegangen werden, um die Besucher ihrer Würde gemäss zu bedenken, ohne die Tauschartikel zu stark anzugreifen; diesmal erleichterte man mir die Aufgabe, indem man mir ganz unbefangen die verschiedenen Personen vorstellte, die für die grössten Geschenke in Betracht kamen. Unter den Gästen bemerkte ich auch Taman Dau, unseren Bekannten aus Long Dĕho. Er hatte eine sehr nette Frau mitgebracht, die augenscheinlich auch im eigenen Kreise sehr geachtet wurde; wenigstens erregte es allgemeine Befriedigung, als ich ihr ein besonders schönes Stück Seide für eine Jacke reichte.

Man brachte mir wieder eine grosse Menge Flaschen, um sie mit Arzneien zu füllen, und auch der alte Mann, der an der Mündung des Danum auf mich gewartet hatte, liess mich durch seinen Enkel, den er zu diesem Zwecke mitgesandt hatte, wieder um die Arznei bitten, die seine Hautkrankheit zum grossen Teil bereits geheilt hatte.

Der vertrauliche Umgang mit den Besuchern weckte eine gute Stimmung vor der eigentlichen Versammlung; bei alledem vergassen wir ganz unser Frühstück, das Midan bei dem grossen Zulauf ohnehin nur mit Mühe hatte zubereiten können. Zum grossen Tagesereignis, der politischen Versammlung, holten uns die vornehmsten Ältesten von Tanah Putih in die ăwă von Bui Djalong ab, wo wir uns vorläufig versammelten, um uns dann gemeinsam in das Haus und die ăwă seines ältesten Bruders Bo Anjè zu begeben. Dort fanden wir bereits eine grosse auf dem Boden kauernde Gesellschaft vor, während man uns mitten an der Vorderseite auf unseren Klappstühlen Plätze anbot. Die erste Stunde verging mit gemütlichem Plaudern, dem Essen von gekochtem Klebreis mit Schweinefleisch (man verzehrte ein ganzes, grosses Schwein bei dieser Mahlzeit) und dem Trinken von djakan, dem sehr guten Reiswein der Kĕnja. Nachdem alle befriedigt waren, merkte ich, dass sie von mir die Eröffnung der Versammlung erwarteten, auch beantwortete Bui Djalong meine Frage, ob ich den Anfang machen sollte, mit einem Kopfnicken. Um den Eindruck meiner Worte zu erhöhen, begann ich damit, der Versammlung den Unterschied in den Rechten klar zu legen, die einerseits der Radja von Sĕrawak, andererseits die Niederländer auf den Grundbesitz auf Borneo zu erheben hatten, und erwähnte dabei speziell den letzten Vertrag zwischen den beiden Mächten, welcher die Wasserscheide zwischen den Flüssen der Nord- und denen der Ostküste als Reichsgrenze bestimmte. Kwing Irang hatte mir bereits im Jahre 1896 zu verstehen gegeben, dass er diesen Vertrag kannte. Ich hatte auch gemerkt, dass man keine klare Vorstellung davon hatte, dass die tuwan putih (weissen Herren), die am Long Mĕkam (Mahakammündung), am Long Kĕlai (Berouw) und Long Kĕdjin (Kajan) wohnten, alle zu unserer Nation gehörten, was ihre Überzeugung von unserer Macht sehr bestärkte. Hieran knüpfte ich an, dass wir vom Kajan aus auch auf die Uma-Alim würden Einfluss ausüben können; doch fügte ich auch jetzt ausdrücklich hinzu, derartige eingreifende Massregeln sowie eine definitive Festsetzung in ihrem Lande hingen erst von einer Besprechung mit den Autoritäten in Batavia und Europa ab. Dann kam ich auf den Hauptgegenstand der Beratung, die Fehden am Mahakam zu sprechen, besonders auf die Kopfjagden am Tawang und Medang, an denen die Uma-Bom zum grössten Teil die Schuld trugen. Die Ereignisse selbst als bekannt voraussetzend berichtete ich, dass in diesen Angelegenheiten der Sultan von Kutei für die Kĕnja am Tawang, der Assistent-Resident von Kutei für die Bewohner am Mahakam und Barito Partei ergriffen hätten und dass ich gekommen sei, um zu hören, welche Entschädigung die Uma-Tow und Uma-Djalān für den Mord am Tawang verlangten und welche Busse die Uma-Bom ihrerseits für die Kopfjagden von Taman Dau bezahlen wollten. Was die erste Angelegenheit betreffe, so sehe ich ein, dass sie für die Ermordung von Bui Djalongs Enkel von den Kĕnja am Tawang einen Sklaven fordern würden, doch könnten in diesem Fall weder der Sultan noch die Niederländer zu einer friedlichen Schlichtung der Fehde beitragen, wenn man uns nicht die absolute Sicherheit böte, dass der Mann nicht getötet werden würde. Ohne auf die von den Uma-Bom in den letzten zwei Jahren verübten Missetaten zu viel Nachdruck zu legen, ergriff ich die Gelegenheit, um nochmals deutlich auseinander zu setzen, wie wir Niederländer über derartige hinterlistige Handlungen dachten. Hatte ich mich in Long-Dĕho von der Stimmung des Augenblickes hinreissen lassen, so steuerte ich hier im Bewusstsein, dass ein offenes Wort nicht schaden würde, direkt auf mein Ziel los. Ich hatte die Kĕnja als ein Volk kennen gelernt, das die Dinge beim rechten Namen zu nennen pflegte, ausserdem war ich überzeugt, dass alles, was ich sagte, den Vornehmsten unter ihnen bekannt war und meine offen geäusserte Entrüstung ihnen natürlicher erscheinen würde, als wenn ich vorsichtig um den Kern der Sache herumgegangen wäre. Ich beschrieb ihnen in grossen Zügen die Folgen ihrer Handlungsweise und wies darauf hin, dass hauptsächlich die Frauen und Kinder unter den unsicheren Zuständen im Lande litten und nicht die Übeltäter sondern unschuldige Leute ihres Stammes oder eines anderen der Rache zum Opfer fielen, worauf mir einige zustimmend zunickten. Wie früher in Long Dĕho, begann ich auch hier an dem Beispiel des Taman Dau, der dicht vor mir sass und ein böses Gesicht aufsetzte, zu beweisen, dass in unseren Augen erstens das Töten weniger wehrloser Menschen durch eine Übermacht eine unwürdige Tat sei und dass zweitens Taman Dau sich zum Schaden seines Volkes und Stammes durch schlaue Mahakam- und Tawanghäuptlinge, die bei den Malaien an der Küste in der Lehre gewesen wären, dazu habe gebrauchen lassen, deren persönliche Rachegelüste zu befriedigen. Während meiner sehr langen Rede hatte Totenstille geherrscht; mein Mahakamgeleite sass vor Schreck aschgrau und bewegungslos da, weil ich eine derartige Sprache gegen so viele mächtige Häuptlinge, die wohl 1500 Krieger aufstellen konnten, zu führen wagte. Eine Zeitlang herrschte allgemeines Geflüster, dann machte der eine oder andere eine Bemerkung in Busang, aus der ich ersah, dass man mich gut begriffen hatte. Endlich gab Bui Djalong als Vertreter aller zu verstehen, man habe zwar nicht alles, aber doch vieles von meinen Worten begriffen, nur habe man erwartet, dass ich die noch ungelösten Konflikte den Kĕnja aus dem Wege räumen würde, was ich jedoch leider nicht getan hätte. Ich merkte aber an dem vergnügten Lächeln des Häuptlings, dass mein offenes Auftreten ihm im Stillen sehr gefiel; er war übrigens früher selbst sehr energisch und kampfeslustig gewesen, wurde aber jetzt in seinem Streben, mit den Nachbarn Frieden zu stiften, besonders von den Uma-Bom gehindert, gegen die er nicht kraftvoll genug auftreten konnte.

Um den betroffenen Parteien die Sache nicht zu schwierig zu machen, gab ich in Erwägung, dass einige Kĕnja mich bei meiner Rückkehr zum Mahakam begleiten sollten, um die Tawangaffaire dort weiter zu behandeln, und wir die ferneren Angelegenheiten, besonders die der Baritostämme, dem Kontrolleur in Udju Tĕpu überlassen sollten. Hierin stimmten mehrere zu, ferner wollte man abends allen, die kein Busang verstanden, meine Worte erklären. Als allerhand Nebensachen zur Sprache kamen, die für mich kein Interesse hatten, hielt ich es für das Beste, nach Hause zu gehen; es war übrigens schon halb fünf Uhr nachmittags geworden. Abends kam Lalau, um mich mit bedrücktem Gesicht namens Kwings und Bui Djalongs zu bitten, in Zukunft nicht mehr so scharf zu sprechen und besonders nicht so stark auf einen Schadenersatz seitens der Uma-Bom zu dringen.

Des anderen Morgens traten der Reihe nach zuerst die Leute von Uma-Djalān, dann die Uma-Tow von Long Nawang bei mir ein, um Geschenke zu empfangen, da am vorigen Morgen hierfür keine Zeit geblieben war. Kaum waren wir hiermit fertig, als man mich zu meinem grossen Missvergnügen zu einer neuen Versammlung rief, deren Notwendigkeit ich nach den langdauernden und ernsthaften Beratungen am Tage zuvor nicht einsah. Die ernsten Mienen der Männer machten eine Weigerung jedoch unmöglich.

Zu dieser neuen Versammlung auf Bui Djalongs ăwă hatten sich noch mehr Menschen eingefunden als zu der ersten, und bald zeigte es sich, dass die Kĕnja wichtige Angelegenheiten viel ernsthafter zu behandeln verstanden, als wir uns vorgestellt hatten. Man begann wieder damit, allgemeine Gespräche zu führen, zu essen und Reiswein zu trinken, der entsprechend der Würde der anwesenden Häuptlinge von den ältesten Mantri herumgereicht wurde. Demmeni und ich erhielten unseren Teil zuerst und zwar in sehr reinen Gläsern, die übrigen in Schalen, die sie der Reihe nach austranken. Nachdem die Anwesenden einen grossen Topf geleert hatten, nahm die Versammlung einen sehr sachlichen und feierlichen Charakter an, indem sie von Bui Djalong nach strenger Etikette geleitet wurde, wobei niemand selbständig auftreten durfte; also ganz anders als am vorigen Tage, wo jede Leitung gefehlt hatte. Zwei der ältesten Mantri fungierten als Zeremonienmeister in geradezu musterhafter Weise. Bui Djalong erklärte, man sei zusammen gekommen, um die Ansichten aller Häuptlinge über die gestern besprochenen Angelegenheiten zu vernehmen, und man erwarte, dass ich am heutigen Tage nicht selbst sprechen, sondern nur anhören sollte, was die übrigen zu sagen hätten.

Hierauf wurden die verschiedenen Wortführer der anwesenden Stämme nach dem Range aufgefordert, ihre Ansicht über die vorliegenden Fragen zu äussern. Zum Zeichen, dass jemand das Wort erteilt wurde, brachte ihm ein junger Kĕnja ein Glas Reiswein, das ein Mantri gefüllt hatte; dieser wies zugleich auch die Person an, die zu sprechen hatte. Während letztere das Glas leerte, liessen alle Anwesenden einen feierlichen Ruf ertönen. Der Aufgeforderte begann dann sogleich seine Rede, die ich nicht verstand, da sie in einem der Kĕnja-Dialekte gehalten wurde. Einige Redner gaben in ruhigem Ton und mit kurzen Worten ihre Meinung zu verstehen, andere bemühten sich, Eindruck zu machen und ergingen sich in ausführlichen Betrachtungen. Zum Schluss suchten alle Redner ihren Worten dadurch ein besonderes Gewicht beizulegen, dass sie plötzlich aufsprangen, einige Mal durch Springen und Stampfen mit beiden Füssen gleichzeitig die Bretterdiele erdröhnen liessen und zugleich mit beiden gebogenen Armen in die Seiten schlugen unter dem wiederholten Ruf: “bă, bă!”

Wenn dieses Schauspiel auch sehr sonderbar wirkte, so machten doch der grosse Ernst aller Anwesenden und das strenge Zeremoniell einen grossen Eindruck, trotzdem wir das Gesprochene nicht verstanden. Dazu trug die ganze Versammlung nicht den kriegerischen Charakter wie bei den Bahau, da unter allen Anwesenden keine einzige bewaffnete Person zu sehen war.

Wie man uns später erklärte, gingen die Meinungen der Versammlung bezüglich der Frage, ob man es mit den Niederländern halten sollte, die Ordnung und Recht handhaben wollten, oder ob die alte adat mit dem Recht des Stärksten in Geltung bleiben sollte, anfangs auseinander. Die Vertreter der Niederlassungen Tanah Putih, Uma Tokong und Uma Djalān waren der ersten Ansicht, während die Uma-Bom, Uma-Bakong und die Uma-Tow von Long Nawang nicht sogleich geneigt waren, das Schwert in die Scheide zu stecken. Für die Einsicht der Versammelten sprach, dass sie nur die Hauptfrage, die Annahme oder Ablehnung der niederländischen Oberherrschaft behandelten und dass sie die Konflikte im Mahakamgebiet überhaupt nicht mehr zur Sprache brachten. Auf die Stimmung am Ende wirkte bestimmend, dass Bit, Bui Djalongs Schwiegersohn, und ein Ältester aus Tanah Putih als des Häuptlings Meinung zu erkennen gaben, dass, wenn die übrigen ihre Kampfgewohnheiten nicht ablegten, die Uma-Tow und andere in unserer Gesellschaft zum Mahakam auswandern wollten, um sich dort niederzulassen. Nachdem sich der vornehmste Häuptling so bestimmt auf unsere Seite gestellt hatte, wurden auch die Äusserungen der anderen friedliebender.

Die verschiedenen Redner hatten alle der Reihe nach gesprochen und dabei zwei sehr grosse Töpfe voll djakan geleert, als Bui Djalong noch einen dritten, kleineren kommen liess, ihn selbst unter die Hut nahm und aus ihm die Gläser füllte. Während wir vorhin reichlich Zeit gehabt hatten, die Eigentümlichkeiten der Redner zu beobachten und uns im Mitsingen des Refrains, den die Versammlung bei jedem neuen Glase wiederholte, zu üben, wurde unser Interesse jetzt ganz von der Feierlichkeit der Zeremonien in Anspruch genommen.

Bevor der Häuptling den Topf öffnete, den er den Anwesenden als ein Geschenk von Kwing Irang und uns bezeichnete, hielt er an seine nächste Umgebung aus vornehmen Häuptlingen und Wortführern in gedämpftem, sehr ernstem Ton eine Ansprache, und fragte, ob sie durch einen Trunk aus diesem Gefäss sich für den neuen Stand der Dinge entscheiden wollten. Nach der zustimmenden Antwort aller öffnete er das Gefäss und stimmte darauf einen Gesang an, in dem er berichtete, dass dieser djakan von den Weissen stammte, die gekommen seien, um das Dasein der Kĕnja zu verbessern, und dass nun neue Zeiten anbrechen würden. Nachdem der Gesang, der in sehr eindrucksvollem, männlichem Ton vorgetragen wurde, beendigt war, erhielt einer der unmittelbar neben uns Sitzenden ein Glas, das er unter dem gebräuchlichen Ruf der Versammlung leerte. Erst hatte jeder von uns ein Glas trinken müssen, dann nur die ältesten, vornehmsten Häuptlinge, den jüngeren wurde überhaupt nichts angeboten. Nach Ablauf dieser Zeremonie ergriff Bui Djalong selbst das Wort in der Kĕnjasprache, von der wir wieder nichts verstanden, doch merkten wir an seiner fliessenden, deutlichen Sprache, dass er der beste Redner war. In überzeugendem Ton gab er seinen Gefühlen in einer sehr langen Rede Ausdruck. Zum Schluss sprang er dicht neben uns auf, arbeitete mit Armen und Beinen, dass der Grund erzitterte, gleichsam wie erregt von den eigenen Worten, worauf er augenscheinlich noch kurz über uns und Kwing Irang sprach, die er der Reihe nach berührte und für seine Freunde erklärte.

Nach dem Häuptling führte keiner mehr das Wort, aber ein grosses Bündel Schwerter und einige Schilde wurden hereingebracht und vor Bui Djalong niedergelegt. Zu unserem nicht geringen Erstaunen wurden sie alle unter uns verteilt, zur Besiegelung des neuen Freundschaftsbundes. Kwing Irang erhielt von Bui Djalong einen gleichen Schild mit Haaren, wie Bo Anjè ihm mir früher geschenkt hatte. Ich wurde von ihm und von jedem der Anwesenden mit einem Schwert bedacht; auch Demmeni empfing 3 Schwerter. Man hatte sogar ein Schwert für Akam Igau, den Häuptling der Mendalam-Kajan, bestimmt, der früher die Kĕnja zu besuchen versucht hatte, dann aber nach dem Tawang hatte durchreisen müssen, wo er einigen Kĕnja aus Apu Kajan begegnet war.

Die ganze Zeremonie machte auf uns den Eindruck von Entschlossenheit und Kraft, wie wir ihn noch nie zuvor bei eingeborenen Stämmen empfangen hatten, und die freigebige Austeilung der Waffen, gleichfalls ein an anderen Orten unbekannter Brauch, bildete einen passenden Schluss. Gleich darauf wurde die Versammlung auch für aufgehoben erklärt.