STRINDBERGS LEBENSGESCHICHTE
Strindberg will seine autobiographischen Schriften als
EIN GANZES
betrachtet wissen; ja, er möchte sie in einem einzigen Bande vereinigen, damit seine Leser nur das ganze Werk erwerben können, nicht diesen oder jenen Teil. Um diesen Wunsch des Dichters, soweit es möglich ist, zu erfüllen, werden Teile wie „Die Beichte eines Toren‟ nicht einzeln verkauft.
Strindbergs Lebensgeschichte erscheint in diesen fünf Bänden:
- 1. Der Sohn einer Magd
- 2. Die Entwicklung einer Seele
- 3. Die Beichte eines Toren
- 4. Inferno — Legenden
- 5. Entzweit — Einsam.
In den ersten drei Bänden, die schon die an einander anklingenden Titel als drei Teile eines Ganzen bezeichnen, rechnet der 40jährige Strindberg in den Jahren 1886, 87, 88 mit seinem Leben ab; denn er hatte die Absicht, sich zu töten, nachdem er sein Leben geschildert. Durch die Lebensgeschichte aber befreite er sich, wie durch einen Selbstmord, von seinem bisherigen Leben so vollständig, daß er ein neues beginnen konnte.
Dieses neue Leben, das er seit seinem körperlichen „Tode‟ begann, würde den 50jährigen Strindberg zu einem geistigen „Tode‟, dem Wahnsinn, geführt haben, wenn er sich nicht auch vor dem errettet hätte, indem er 1897, 98 in einem neuen Band seiner Lebensgeschichte, in „Inferno‟ und „Legenden‟, sich noch einmal von seinem Leben befreite.
Dem 50jährigen, der den leiblichen Tod wie den geistigen Tod überwunden hatte, konnte nichts mehr etwas anhaben: mit erhabener Ruhe schilderte er dann 1902, 03 sein früheres Leben „Zu Zweien‟ und sein jetziges Leben als „Einsamer‟.
So sind Strindbergs autobiographische Schriften aufzufassen! Als Testamente eines, der sterben wollte, stehen sie hoch über allem „Skandal‟ und aller „Sensation‟. Wie Strindberg selbst als Genie eine Ausnahme ist, so darf diese außerordentliche Lebensgeschichte nicht mit gewöhnlichem Maß gemessen werden, sondern ist als Ausnahmeerscheinung zu beurteilen.