A. Reise-Regeln.
Es ist sehr schwer, bestimmte Reiseregeln zu geben, weil sich diese nur auf Grund gemachter Wahrnehmungen zusammenstellen lassen und diese nicht immer dieselben sind. Wir haben hier vorzugsweise solche Touristen im Auge, welche die Touren meist zu Fuss zurücklegen und die Fusspartien mit Fahrten im Post- oder Eisenbahnwagen weise zu verbinden verstehen. Wenn wir nun etwas dem Touristen empfehlen, so geschieht es deshalb, weil wir es als das Beste und Zweckmässigste erkannt haben; es wird in Folge dessen jede Begründung entfallen.
Die Kleidung sei nicht zu leicht, aber auch nicht zu warm. Feste und bequeme Schuhe, ein Wollenhemd und Plaid sind für Fussgänger unentbehrlich. Die Mitnahme von Regenschirmen empfiehlt sich nicht.
Von Gepäck ist nur das Nothwendigste mitzunehmen, dass man es in einem Tornister auf dem Rücken ohne Beschwerde tragen kann. Bequeme Touristen brauchen mehr und schicken es mit der Post dorthin voraus, wo sie sich einige Zeit aufhalten wollen. Um die Wäsche vor Nässe zu schützen, wickelt man sie in Wachsleinwand ein.
Die beste Zeit zur Bereisung des Erz- und böhmischen Mittelgebirges, sowie der, an dieselben grenzenden Gebiete ist die vom 1. Juni bis 30. September, event. 15. Oktober; im August bis Ende September ist die Witterung gewöhnlich ganz beständig, die Luft rein, die Aussicht von den Bergspitzen am schönsten und genussreichsten.
Auf eine praktische Zeiteintheilung muss jeder Tourist Bedacht nehmen. Die Entwerfung eines Reiseplanes ist unbedingt nothwendig. Wenn man eine 2- bis 3-wöchentliche Fusstour antreten will, so reise man anfänglich langsam, und erst nach gehöriger Erprobung seiner Kräfte kann man weitere Fusspartien unternehmen. Einen Taschen-Compass und eine gute Karte muss jeder Fussreisende mitnehmen.
Bei grosser Hitze muss gegen Mittag Rast gemacht werden; auch gönne man sich nach grösseren Märschen einen Ruhetag und wähle hiezu solche Orte, von wo aus man kleinere Ausflüge unternehmen kann. Man merke sich gut die Regel, früh in's Bett und früh wieder auf. Unternimmt man grössere Waldpartien und Wanderungen durch langgedehnte Grundthäler, wie beispielsweise durch den Komotauer Grund, das Teltschthal bei Görkau, den Hammergrund bei Johnsdorf u. s. w., so empfiehlt sich das Mitnehmen eines verlässlichen Führers, dass man nicht auf Abwege geräth, nutzlose Umwege macht und wichtige Punkte unbeachtet lässt. Für grössere Fusspartien versehe man sich mit einigen belegten Semmeln oder einigen harten Eiern und einem Fläschchen Wein.
Im ganzen Nordwesten Böhmens reist ein bescheidener Tourist nicht theuer; wenn er sich gar nichts abgehen lässt, so wird er mit 3 bis 4 fl. sehr gut auskommen, ja da kann er sich zeitweilig eine Forelle, die auf dem Plateau leicht zu bekommen ist, schmecken lassen. Gutes ausgegorenes Bier bekommt man in unserem böhmischen Erz- und Mittelgebirge überall, selbst in kleinen Ortschaften. Gute, preiswürdige inländische Weine findet man auch fast in allen Gasthäusern der grösseren Orte, sowie man auch fast überall eine gute Küche antrifft. Die Wirte geben sich viel Mühe, allen billigen Anforderungen zu entsprechen; hauptstädtischen Comfort darf man natürlich im Gebirge nicht suchen.