I. Der Besuch der Städte *Leitmeritz, *Aussig, *Tetschen bis *Herrenskretschen mit dem *Edmundsgrund und *Prebisch-Thor.

Leitmeritz.

Gasthöfe: Hôtel »Krebs« am Stadtplatz, Gasthof »zum Hirschen«, Lange Gasse, Gasthof »zum schwarzen Adler« am Stadtplatz, Brosche's Gasthaus, Lange Gasse, »Cocanda« Eck der Ferdinandsstrasse und des Rossmarktes, Gasthof »zum Kaiser von Oesterreich«, Ferdinandsstrasse.

Von Restaurationen wären zu erwähnen: Elbschlossbräuhaus an der Tschalolitzer Strasse, Elberestauration am Dampfschifflandungsplatze, Restauration zum »Rudolfsgarten« mit Sommertheater in der Rudolfsgasse, Schützeninselrestauration, Bahnhofrestauration der Nordwestbahn, Eisendörfel am linken Elbeufer an der Theresienstädter Strasse; Café: Schubert am Stadtplatz, oberhalb des »Hôtel Krebs«, zum schwarzen Adler, in Verbindung mit dem Gasthause gleichen Namens am Stadtplatz; Conditorei und Café Bärwinkel am Stadtplatz, Schustermannel in der Nähe der bischöfl. Residenz, beste Weinstube.

Post- und Telegraphenamt, Jesuitengasse im alten Gymnasium, ebenerdig.

Post- und Eisenbahnverbindungen: k. k. priv. österr. Nordwestbahn. Von Leitmeritz in der Richtung nach Tetschen. In der Richtung nach Lissa-Wien.

K. k. priv. österr. Staatsbahn; Station Theresienstadt (Bauschowitz): In der Richtung Aussig-Bodenbach und in der Richtung Prag-Wien.

Postverbindung nach Auscha.

Omnibusfahrten von den Gasthöfen »Krebs« und »zum Hirschen« zu den Bahnen.

Das Dampfschiff verkehrt von Leitmeritz um halb 9 Uhr Vormittags bis Dresden und um 2 Uhr Nachmittags bis Tetschen.

Fahrgelegenheiten sind zu haben im »Hôtel Krebs« (Ferd. Krombholz), im Gasthof »zum Hirschen«, sowie Einspänner bei dem Lohnfuhrwerker Kühnel in der Langen Gasse.

Die Stadt Leitmeritz, ehemals königliche Stadt, liegt am rechten Ufer der Elbe, dort, wo dieser Strom in das deutsche Sprachgebiet tritt und sich seinen Lauf durch das böhmische Mittelgebirge zu bahnen sucht.

Leitmeritz zählte am 31. December 1880 in über 900 Häusern ca. 10.900 anwesende Personen, welche Bevölkerungszahl sich mit den Studenten auf rund 12.000 erhöht. 1869 betrug die Einwohnerzahl in 800 Häusern 10.023. Die geographische Lage ist 50° 31´ 38´´ nördl. Br. und 31° 47´ 50´´ östl. Länge. Sich ansehnlich über das Niveau des Flusses erhebend, bietet die Stadt von der Elbe, sowie von der Theresienstädter Strasse aus einen ungemein malerischen Anblick. Im Vordergrunde sind die hervorragendsten Gebäude der Stadt, nämlich die Elbschlossbräuerei, die bischöfliche Residenz, die Villa Georg, das bischöfliche Seminar mit der Jesuitenkirche, die Klosterschule u. s. w., dann lehnt sich unmittelbar hinter der Stadt gegen Norden eine Hügelkette, die Maschkahora (auch mastna hora, eigentlich mostská hora) an, die dann an die waldbedeckten Höhen des Mittelgebirges, an den »Kreuzberg« mit dem »langen Berge«, den Hradischken und im Westen an die Radebeule (fälschlich Radobyl genannt) anschliessen. Die Berge ringsumher gehören der Basaltformation an, während im Thale Plänerkalk mit Sandstein und dem reinen Angeschwemmten der Elbe wechseln. Nach Süden öffnet sich die weite Ebene ins Innere Böhmens, welche bloss den »Říp« (Georgsberg) bei Raudnitz als bedeutendere Bodenerhebung aufzuweisen hat.

Leitmeritz, bis vor wenigen Jahren die bedeutendste Stadt des nach ihr benannten Kreises, hat sich weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus einen bedeutenden Ruf als Schulstadt erworben; die Mittelschulen erfreuen sich eines sehr zahlreichen Besuches.

Das k. k. Obergymnasium ist seit 1879 in einem palastartigen neuen Gebäude untergebracht.

Die Communal-Oberrealschule wurde in ihrer heutigen Gestalt 1864 eröffnet und befindet sich seit 1865 in einem neuen prachtvollen Gebäude.

Die k. k. Lehrerbildungsanstalt ist leider nur nothdürftig untergebracht.

Die theologische Lehranstalt, in Verbindung mit einem bischöflichen Priesterseminar, befindet sich in den Räumen des ehemaligen Jesuitencollegiums.

Das Taubstummen-Institut wurde 1858 gegründet und wird vornehmlich vom Lande unterstützt.

Ausser der städtischen Knabenvolks- und der städtischen Mädchenvolks- und Bürgerschule besteht in Leitmeritz auch noch eine fünfklassige Mädchenschule der Schulschwestern vom heil. Karl Boromäus mit Pensionat.

Von industriellen Unternehmungen sind anzuführen:

1. Die Actienbrauerei zum »Elbschloss«.

2. Die bürgerliche (städtische) Brauerei.

3. Die Dampf- und Kunstmühle.

4. Die Malzfabrik der Firma Bergwein im ehemaligen Schanzenbräuhause.

5. Die Actiengesellschaft für Kalk- und Ziegelbrennerei.

6. Die Spinnfadenfabrik.

Ferner bestehen von Gewerbsunternehmen die Brettsägen von Frz. Gudera, sowie Ed. Salomon, die Essigfabrik von Herrnheiser, die Metall- und Glockengiesserei von F. Herold, die Eisengiesserei von Mandler, die Maschinenschlosserei von Josef Fiedler, die Lederfabrik von Joachim Taussig's Söhnen u. s. w.

Von Geldinstituten wären zu nennen: 1. Die Communalsparkasse, 2. der Spar- und Vorschussverein für Leitmeritz und Umgebung, sowie 3. die Filiale der böhmischen Eskomptebank.

Geschichte:

Wie bei so vielen andern Orten verliert sich auch die Gründung der Stadt Leitmeritz in das Dunkel der Geschichte Böhmens. Abgesehen von zahlreichen Gräberfunden, welche erst vor 2 Jahren wieder auf den Lehmfeldern der Lopata'schen Ziegelei erfolgten, die beweisen, dass das fruchtbare Elbethal schon in der vorgeschichtlichen Zeit stark bewohnt war, wissen wir, dass nach der Einwanderung der Slaven sich ein Stamm derselben, die Luthomirici, hier niederliess. Als Mittelpunkt des Stammes galt eine Burg, die denselben Namen wie der Stamm, nämlich Luthomirici, führte und am jetzigen Domhügel lag. Gegenwärtig sind keine Spuren davon mehr wahrnehmbar. Um die Burg herum lagen schon in uralter Zeit zahlreiche Dörfchen, die ihren Namen noch bis heute erhalten haben. Die Verwaltung der Burg und des dazugehörigen Landstriches leiteten Gaugrafen. Schon um das Jahr 1057 wurde auf der Leitmeritzer Burg eine Kirche gegründet und dem heil. Stefan geweiht; sie stand an der Stelle der jetzigen Domkirche.

In der Nähe der Burg und ihrer Kirche siedelten sich allmählig unter den letzten Regenten aus dem Hause der Pržemysliden zahlreiche, aus Deutschland hereingekommene Familien an; sie legten so den Grund zu der eigentlichen Stadt Leitmeritz, die schon vom König Wenzel I. mehrfache Freiheiten und Rechte erhielt, welche seine Nachfolger nicht nur bestätigten, sondern auch vermehrten. So wurde das Magdeburger Stadtrecht in Leitmeritz eingeführt und zur Handhabung desselben ein eigener Gerichtshof daselbst eingesetzt. Neben dem Ackerbau bildeten Handel und Gewerbe die vorzüglichste Nahrungsquelle der Bevölkerung; besonders blühte der Handel; niemand durfte stromauf- oder abwärts Waaren verfrachten, ohne sie vorher in Leitmeritz ausgeladen und zum Verkaufe ausgestellt zu haben. Zum Zeichen des letzteren Rechtes, des Stapelrechtes, wurde eine aus Stein gehauene Figur in der Nähe des Stromes aufgestellt, der sogenannte »Roland«, der gegenwärtig an der nördlichen Ecke des alten Rathhauses, in dem sich jetzt das k. k. Kreisgericht befindet, auf einem Pfeiler steht.

Einer besonderen Begünstigung erfreute sich Leitmeritz, wie alle Städte Böhmens, unter der Regierung des städte- und bürgerfreundlichen Karls IV., welcher der Stadt grosse Strecken Wald, Ackerland und Weinberge schenkte, die Neuanlage von Weinbergen begünstigte, wodurch er den Weinbau im Elbethal ungemein förderte. Zu jener Zeit erfreute sich Leitmeritz bereits einer hohen Blüte, und Wohlstand, ja selbst Reichthum waren in der trefflich gelegenen Stadt keine Seltenheit.

Aber bald sollte die Stadt von Zeiten des Schreckens heimgesucht werden; es kamen die verheerenden Husitenkriege. Am 29. Mai 1421 fiel nach langem, energischen Widerstand die Stadt in die Hände der Husiten. Die vertriebenen Bürger und Priester zogen theils in die noch deutschen Städte des Bielathales, theils nach Meissen. Jahrelang tobte der Kampf der Parteien um die Mauern der Stadt. Auch als Leitmeritz unter die Botmässigkeit König Sigismunds (1436) zurückgekehrt war, blieb die Stadt tschechisch, und die Deutschen, die sich des Handels und der Gewerbe wegen in der Stadt eingefunden hatten, waren nach wie vor von Aemtern und Würden ausgeschlossen.

Auch die folgende Zeit des Streites zwischen den Städten und dem Adel in Böhmen war für die Stadt nicht günstig. Sie konnte in dem Streite umsoweniger verschont werden, da rings umher eine gute Anzahl adeliger Burgen und Schlösser lag. Diese Streitigkeiten verzehrten bedeutende Summen. Zwar wurden die alten Handelsrechte der Stadt, auf die in den bewegten Zeiten so oft vergessen worden war, wieder hergestellt, aber bald darauf der Handel mit dem Auslande untersagt, wodurch eine wichtige Einnahmequelle versiegte. Ueber Leitmeritz erging wegen seines Widerstandes gegen Ferdinand I. das Strafgericht, indem das alte Magdeburger Stadtrecht abgeschafft und königliche Richter eingesetzt, sowie die Güter der Stadt eingezogen wurden. Leitmeritz war tiefer gedemüthigt als je. Als kümmerlichen Ersatz erhielt Leitmeritz das Collegium im Jahre 1549, aus dem sich das heutige k. k. Obergymnasium entwickelte.

Nach einigen Jahrzehnten der Erholung brach der dreissigjährige Krieg herein. Der Friede von 1648 brachte auch Leitmeritz Ruhe und Frieden. Ausser der Kriegsfurie wüthete 1649 auch noch eine furchtbare Pest und im Jahre 1655 eine grosse Ueberschwemmung.

Erwähnt sei die Errichtung des Leitmeritzer Bisthums im Jahre 1655. Der erste Bischof war Maximilian Rudolf Freiherr von Schleinitz. Er baute die jetzige Domkirche, deren Thurm erst jetzt vollendet werden soll.

Kurz nach dem dreissigjährigen Kriege wurde Leitmeritz wieder eine deutsche Stadt.

Auch die Kriege unter Maria Theresia gingen an Leitmeritz nicht spurlos vorüber. Im Jahre 1741 hausten polnische und sächsische, 1742 französische Truppen in der Stadt, und im Jahre 1757 nach der Schlacht bei Kolin wohnte Friedrich II. selbst durch eine Woche in der bischöflichen Residenz. Am 1. Oktober 1756 tobte der Kampf in der unmittelbaren Nähe der Stadt, indem an diesem Tage die Schlacht bei Lobositz geschlagen wurde.

Im Jahre 1780 wurde unter Kaiser Josef II., der siebenmal Leitmeritz besuchte, die Festung Theresienstadt gegründet. Die Napoleonischen Kriege berührten die Stadt nicht unmittelbar, und so konnte sich im letzten Jahrhundert die Stadt ruhig entwickeln.

Sehenswürdigkeiten. Leitmeritz, welches in die eigentliche Stadt und mehrere Vorstädte zerfällt, die freilich mit einander unmittelbar zusammenhängen, macht auf den Besucher den Eindruck einer Stadt, die schon in früheren Jahrhunderten von einiger Bedeutung gewesen sein muss. Der Ringplatz oder der Stadtplatz bildet den Mittelpunkt der Stadt und ist von grosser Ausdehnung; seine Länge beträgt 235, die Breite 126 Schritte. Die Häuser sind meist neuerer Bauart; doch hie und da schaut noch ein Giebel hervor, dem man es ansieht, dass er schon manches Menschengeschlecht, manches Jahrhundert an sich vorüberwandeln sah. Die Laubengänge sind meist schon verbaut. Wir wollen nun die hervorragendsten Bauwerke hier anführen:

1. Das alte Rathhaus, an der Ostseite des Stadtplatzes gelegen, beherbergt jetzt das k. k. Kreisgericht in seinen Räumen.

2. Das Gemeindehaus, ebenfalls am Stadtplatze, enthält die Kanzleien des Bürgermeisteramtes, der Sparkasse und im Parterre die Gasthauslocalitäten »zum schwarzen Adler«. Im Hofe befindet sich das Stadttheater. Im Bürgermeisteramte wird das hochinteressante und historisch äusserst werthvolle *Cantional aufbewahrt, eine Sammlung lateinischer Kirchengesänge aus der Zeit der husitischen Herrschaft in Leitmeritz und zum gottesdienstlichen Gebrauche bestimmt. Das gewaltige, in Leder gebundene und mit kunstvollen Messingbeschlägen gezierte Buch umfasst 465 Pergamentblätter, ist 29 Zoll hoch, 19 Zoll breit und wiegt 110 Pfund. Das Buch ist über und über mit herrlichen Initialen und prachtvollen Miniaturen bedeckt, viele Buchstaben und Noten sind mit reinem Golde auf das Pergament aufgetragen. Dies reichgeschmückte Cantional gehört zu dem Bedeutendsten, was die Kunst dieser Art in Böhmen geleistet.

3. Die *Dekanalkirche zu Allerheiligen nächst dem Stadtplatz. Eine besondere Erwähnung verdient das in der Kirche beim Seitengange stehende zinnerne Taufbecken aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, eines der schönsten Werke dieser Art in Böhmen. Unmittelbar an der Kirche erhebt sich der mächtige Stadtthurm, 53m hoch. Sein Inneres birgt ein wahres Meisterwerk der Holzbaukunst, den gewaltigen Glockenstuhl, der vom Grund des Bodens ganz frei ohne jede Verbindung mit der Mauer aus Eichenholz hergestellt ist. Er trägt 7 Glocken, von denen die grösste 81 Centner, die nächste 47 Centner wiegt. Von der Gallerie des Thurmes aus bietet sich eine herrliche *Aussicht über die Stadt und ihre Umgebung dar.

4. Das *Kelchhaus am Stadtplatz, erbaut von dem reichen utraquistischen Bürger Johann Mraz von Mileschowka und um 1584 vollendet. Von dem kelchartigen Thurme, dem utraquistischen Symbole, der seitdem ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt geblieben ist, geniesst man ebenfalls eine weite *Rundsicht. Nach dem dreissigjährigen Kriege wurde das Kelchhaus als Proviantmagazin benützt, daher noch der heutige Name desselben, Provianthaus. Gegenwärtig ist in demselben – allerdings nicht besonders zweckmässig – die städtische Mädchen-Volks- und Bürgerschule untergebracht. In einem Parterrelocale befindet sich auch das *Gewerbemuseum, das recht interessante Gegenstände aufweist.

5. Die Schulpaläste, nämlich die Communal-Oberrealschule und das k. k. Obergymnasium in den Anlagen, haben wir schon weiter oben besprochen.

6. Der Dom. Die Bauten des Domes erheben sich auf einem Hügel, zu dem man durch die Domgasse von der Stadt aus gelangt. Nach Erhebung zum Bisthume legte der erste Bischof Maximilian Rudolf von Schleinitz den Grundstein zur gegenwärtigen *Cathedrale, welche von dem zweiten Bischof Franz Grafen von Sternberg 1681 eingeweiht wurde. Die Domkirche ist im nüchternen Baustyle des 17. Jahrhunderts aufgeführt. Mit einem gedeckten Gang ist mit dem Dom die bischöfliche Residenz verbunden. Dieselbe enthält ausser einer ziemlich umfangreichen Bibliothek auch eine Sammlung *werthvoller Gemälde, die vom gegenwärtigen hochw. Bischof Dr. Ludwig Anton Frind zum Theil restaurirt worden sind. Ferner erheben sich auf dem geräumigen Domplatze das Consistorialgebäude, kenntlich durch das an demselben angebrachte Wappen des Bischofs M. A. von Lachsen usw.; endlich die aneinander gereihten Wohnungen der einzelnen Domherren. Die Lage der bischöflichen Residenz gewährt eine weite und ungemein reizende *Aussicht auf den ganzen Lauf der Elbe von Raudnitz bis Lobositz, wo sie sich nordwärts in's Gebirge wendet, sowie auf den grössten Theil der Stadt und der jenseits derselben und am linken Ufer der Elbe sich ausbreitenden Fluren zwischen dem Mittelgebirge und der Eger.

7. *Elbschlossbrauerei. In der That wie ein stolzes Elbschloss thront auf einem Plateau an der Elbe die Elbschlossbrauerei, der wir schon oben Erwähnung gethan haben. Sehenswerth ist die schöne geräumige *Braustätte, mit ihrer kühnen Wölbung, ferner die grossartigen Kellerräume, die mit ihren labyrinthartigen Gängen eine kleine unterirdische Stadt bilden. Die *Gartenrestauration mit den schattigen Kastanienbäumen, sowie dem amerikanischen *Pavillon gewährt einen recht angenehmen Aufenthalt während der schönen Sommertage. Herrliche Aussicht!

8. Das bischöfliche Seminar, welches in dem ehemaligen Jesuitencollegium untergebracht ist, ist mit der Kirche Maria Verkündigung, für gewöhnlich Jesuitenkirche genannt, verbunden. In einer Nische unterhalb der Bogenwölbung an der sogenannten Jesuitenstiege erhebt sich das Denkmal des vaterländischen Dichters Josef Emanuel Hilscher, der am 22. Jänner 1806 in Leitmeritz geboren wurde und nach einem unglücklichen Soldatenleben im Mai 1837 als Feldwebel starb.

9. Das Kapuzinerkloster mit der Kirche der heil. Ludmilla am Kapuzinerplatz.

10. Das Dominikanerkloster mit der Kirche des heil. Jakob in der Dominikanergasse.

11. Die Kirche des heil. Adalbert in der Vorstadt Sasada.

12. Die Kirche des heil. Wenzel, während der Pest 1713 in Folge eines Gelübdes von dem italienischen Baumeister Broggio im italienischen Renaissancestyl erbaut, später aufgehoben und als Getreideschüttboden benützt, seit 1852 wieder dem Gottesdienste geweiht.

13. Die Kirche des heil. Johann des Täufers unterhalb des Domhofes in der Rudolfsgasse an der Nordwestbahn, 1465 gegründet, im dreissigjährigen Kriege zerstört und 1682 wieder hergestellt.

14. Das Marien-Hospital an der Schüttenitzer Strasse, im Jahre 1845 vom Bischof Augustin Bartholomäus Hille erbaut.

15. Die alte Sct. Georgskirche nächst dem Domhofe, oberhalb der Vorstadt Fischerei auf einem Hügel gelegen, von Leitmeritzer Fischern gegründet und zur Pfarrkirche der Vorstadt Fischerei bestimmt. Auf dem Friedhofe rings um die Kirche wurden die Leitmeritzer Fischer beerdigt; jetzt erhebt sich dort die dem Leitmeritzer Bürger Baschta gehörige Villa Georg.

Wenn wir nun noch

16. die Elbebrücke erwähnen, so haben wir die bedeutendsten Bauten und Sehenswürdigkeiten von Leitmeritz angeführt. Der Bau der gegenwärtigen ärarischen Eisenbrücke, nach Schiffkorn'schem System construirt, wurde 1857 bewilligt und 1858 bis 1859 vollendet.

Spaziergänge:

(Bis zu 2 Stunden.)

Ehe wir daran gehen, die Umgebung von Leitmeritz, die an Naturschönheiten so reich ist, aufzusuchen, müssen wir vor allem dem Lieblingsspaziergange der Leitmeritzer, der lieblichen *Schützeninsel, in unmittelbarer Nähe der Stadt, einen Besuch abstatten. Die Schützeninsel ist zum grössten Theile mit herrlichen Bäumen, darunter mehrhundertjährigen majestätischen Eichen bewachsen und wurde in den letzten Jahren durch die Fürsorge des im Jahre 1868 gegründeten Anpflanzungsvereines zu einem Parke umgestaltet, der selbst einer Grossstadt zur Zierde gereichen würde. In der Mitte der Insel befindet sich das mit einer Restauration verbundene Schützenhaus.

*Die Radebeule, auch Radobyl genannt, ist jener mächtige Basaltkegel im Westen der Stadt, welcher mit dem ihm gegenüberliegenden Lobosch gewissermassen die Wache am Eingange der böhmischen Schweiz hält. Ein gewaltiges gusseisernes Kreuz krönt den Berg, von dessen Gipfel man eine herrliche Rundsicht über einen grossen Theil des nordwestlichen, sowie des mittleren Böhmen geniesst. Ein gut gangbarer Weg führt von Leitmeritz aus auf den Berg, dessen Fuss von Reben umrankt wird.

Nördlich von der Radebeule erhebt sich der *Kamaiker Eisberg. Von Leitmeritz gelangt man in einer Stunde auf der Kamaiker Strasse nach dem Orte Kamaik mit der Burgruine gleichen Namens. Oberhalb dieser Ruine, die weithin in's Elbethal sichtbar ist, liegt der erwähnte Eisberg, merkwürdig dadurch, dass man in heissen Sommertagen, besonders nach einem Regen, in den vom Steingerölle umgebenen Gruben Eis findet. Am nördlichen Abhange des Eisberges steht, eine anmuthige Idylle bildend, die Kapelle des heil. Johannes des Täufers in der Wüste, von wo aus, unter den Aesten mächtiger Eichen hinweg, das Auge über eine prächtige Elbelandschaft zu schweifen vermag. Die Aussicht ist besonders nach Süden und Südosten reizend. Von Kamaik kann man nun entweder den Abstieg zur Elbe nach Gross-Tschernosek oder auch nach Libochowan nehmen.

Gross-Tschernosek liegt in der Richtung gegen Milleschau und ist berühmt wegen des dort gebauten Weines. Unter dem Namen »Tschernoseker« kommt eigentlich aller im Leitmeritzer Elbegau producirte Wein in den Handel. Eine Sehenswürdigkeit in Tschernosek bildet der *gräfl. Nostiz'sche Weinkeller, der horizontal in den Berg hineingebaut ist. Dieser Keller stammt zum Theil aus dem 13. Jahrhundert und zeichnet sich durch seine riesige Ausdehnung aus. 50.000 Eimer Wein vermögen darin ganz gut untergebracht zu werden. Durchschnittlich enthält er 8000 Eimer.

Nach Libochowan führt von Kamaik aus eine Fahrstrasse über das obstbaumreiche Dorf Rschepnitz zur Elbe. Bei Libochowan befinden sich Wälle aus der Keltenzeit, wie auch in der Nähe des genannten Dorfes vor einigen Jahren Heidengräber entdeckt wurden. Zwischen Tschernosek und Libochowan erhebt sich an der Elbe der Dreikreuzberg.

Sehr beliebte und sehr besuchte Ausflugsorte sind die Einsiedelei *Skalitz, die Villa *Mentau und *Kundratitz. Wir können alle drei Punkte in einem auf einen Nachmittag berechneten Spaziergange besuchen. Unser erstes und nächstes Ziel sei die Einsiedelei Skalitz, welche dort am Bergesabhange zwischen grünen Waldbäumen hervorlugt. Wir können entweder den Weg über das nahe Pokratitz in nördlicher Richtung einschlagen, um am Bachesrande im schattigen Thale vorwärts zu schreiten, oder wir können auch auf der bequemeren, von zwei Obstbaumalleen begrenzten Schüttenitzer Strasse über das zwischen Obstbäumen gelegene Dorf Schüttenitz, welches das mildeste Klima in Böhmen besitzen soll, die Skalitzer Höhe erreichen. Die so anmuthige Einsiedelei ist gegenwärtig von einem Förster bewohnt, bei welchem man einen ganz guten Kaffee, sowie Bier u. s. w. erhält. Unweit des Försterhauses streckt ein kleines Kirchlein seinen Thurm in die Höhe, und unterhalb des Hauses zeigt man eine Höhlung in Sandsteinfelsen, welche dem Einsiedler als Wohnung diente. Natürlich geniesst man von hier eine prachtvolle Fernsicht auf die weite Ebene, durch welche sich der Elbstrom schlingt.

Etwas höher und westlich von Skalitz blickt die Villa Mentau vom Bergesabhange in's weite Thal hinab. Diese Villa wurde erst im Jahre 1878 von dem Herrschaftsbesitzer und Grossindustriellen Edlen von Schroll in Liebeschitz, dem Besitzer des Waldes, welcher diese Höhen schmückt, mit einem Kostenaufwande von 40.000 fl. erbaut und dient ebenfalls einem Förster, der gleichzeitig Restaurateur ist, als Wohnung. Unten in der Thalschlucht, dem Melbiner Thale, verborgen hinter mächtigen Bäumen, klappert die Melbiner Mühle, wo man auch leibliche Stärkung erhalten kann, und an unser Ohr dringt das einförmige und doch so anheimelnde und wohlthuende Rauschen des klaren Gebirgsbaches, der sich durch dichtes Gebüsch über Stock und Stein seinen rauhen Weg gebahnt.

Doch wir müssen weiter; noch einen Blick auf das grosse und schöne Panorama zu unseren Füssen, und wir setzen unseren Bergstock wieder fest auf, um über Wiesen und Fluren und durch den schattigen Wald den Bergesrücken zu erklimmen, hinter welchem ein wahres Kleinod des böhmischen Mittelgebirges verborgen liegt, wir meinen die Sommerfrische *Kundratitz. Hier sei erwähnt, dass man von Mentau aus auch auf den Berg Hradisken gelangen kann, der sich durch eine schöne Rundsicht auszeichnet. Unser Ziel ist jedoch, wie gesagt, Kundratitz. Zwischen den Waldbäumen sehen wir nach halbstündiger Wanderung, nördlich von Mentau, die Villa »Henriettenruh« hervorschimmern und bald ruhen wir im Schatten des Waldes, unmittelbar an der Villa, von unserem immerhin etwas anstrengenden Marsche aus. Man kann Kundratitz auch von einer anderen Seite von Leitmeritz aus erreichen, indem man auf der Strasse über Pokratitz nach Hlinay geht, wobei sowohl Skalitz als Mentau rechts liegen bleiben. Nachdem wir uns gestärkt, betreten wir die Terrasse der Villa und erquicken unser Herz an der überraschend schönen Fernsicht, die man von hier aus geniesst. Ein landschaftliches Bild, wie es lieblicher, prächtiger nicht gedacht werden kann, eröffnet sich da vor unseren Augen; mehr als dreissig kegelförmige Bergspitzen des Mittelgebirges, mit dem Vater »Milleschauer« in der Mitte, erheben sich in den duftigen Aether, während im Vordergrunde sich das Tlutzner Thal, eingeschlossen von grünen Waldesflächen, mit seinen tausenden von Obstbäumen, aus denen die Dächer der Orte Kundratitz und Tlutzen verführerisch hervorlugen, ausbreitet. Fürwahr, es ist entzückend schön, dieses Landschaftsbild und immer und immer wieder schweift der Blick wie trunken über diese anmuthigen Scenerien, die ihres Gleichen nicht bald wieder haben.

Sind wir einmal 599m über der Meeresfläche, so können wir auch noch etwas weiter steigen und dem in einer guten Viertelstunde erreichbaren Warhorscht einen Besuch abstatten. Von diesem ringsherum frei dastehenden Berggipfel ist die Rundsicht eine vollständige, aber auch eine grossartig schöne. Von hier aus überblickt man das Teplitzer Thal und das ganze herrliche Thal von Aussig, Kulm bis Teplitz, weiter Dux, Ossegg u. s. w. Der schwarze Maulwurfshügel in der Ebene ist der Teplitzer Schlossberg, der uns leider die alte Thermenstadt verdeckt.

Dort oben am Kamme des Erzgebirges winkt das Mückenthürmchen herüber, während weiter im Norden die Nollendorfer Kirche sichtbar wird. Recht deutlich bemerkt man auch den hohen Schneeberg bei Bodenbach. Mehr im Vordergrunde windet sich die Elbe durch die Berge, und soeben sehen wir vor uns in der Tiefe den Dampfer in Salesl landen. Nördlich, wo die Elbe in den Bergen verschwindet, klebt nett und winzig der Schreckenstein, der uns nicht gestattet, mehr als bloss einige Häuser der gewerbefleissigen Elbestadt Aussig zu sehen. Gegen Nordosten schimmern in blauer Ferne die Berge des Isergebirges und vom Jeschken bei Reichenberg ragt der Gipfel, für unser Auge sichtbar, gegen den Himmel. Wenden wir uns nunmehr gegen Süden, so ist die Landschaft eine ganz veränderte; eine meilenweite Ebene erstreckt sich nach Süden, in welcher sich bei Raudnitz der Říp und einige weniger bedeutende Höhen erheben. Es würde zu weit führen, wollten wir hier eine ausführliche Schilderung dieser wundervollen Rundsicht, die in dieser Gegend jedenfalls nur von jener des Milleschauer übertroffen wird, wiedergeben.

Kundratitz gewinnt als Sommerfrische von Jahr zu Jahr an Beliebtheit und sind es Familien aus Dresden, Berlin, Prag usw., die mehrere Wochen des Sommers in stiller Abgeschiedenheit hier zubringen.

Ein von Kundratitz in einer guten halben Stunde zu erreichender Aussichtspunkt ist die *Wache, ein Gebirgsvorsprung unterhalb des Warhorscht, mit einem herrlichen Einblick in's Elbethal. Ein weiterer Spaziergang von Kundratitz aus ist das lange Loch oder der Höllengrund, ein Felsenabsturz rechts von der Strasse nach Tschersing. Das Dorf Tschersing ist in ¾ Stunden von Kundratitz zu erreichen. Von hier führt eine romantische Thalschlucht zum Elbethal gegen Sebusein.

Eine Reihe prächtiger Waldpartien, die freilich noch weniger bekannt sind und von Fremden ohne Führer nicht gemacht werden können, lassen sich von Skalic aus unternehmen. Wir nennen hier Neuhof, die Tetschner Aussicht und das Dorf Babina.

Grössere Partien: Wer einen ganzen Tag aufwenden will, ohne sich dabei anzustrengen, dem ist die Partie nach Triebsch zu empfehlen.

Von Leitmeritz aus schlagen wir die Aerarialstrasse nach Trnowann ein. Hinter diesem Orte führt die Strasse über den *Weissen Berg, welchen bereits in diesem Jahre ein Standbild Kaiser Josefs II. krönen wird, das die Landwirthe des Ploschkowitzer Thales dem grossen Volkskaiser zu errichten gedenken. Von der Höhe des Weissen Berges bietet sich dem Beschauer ein reizendes landschaftliches Gemälde dar. Ueber Leitmeritz hin breitet sich die weite Ebene aus, die von den Bergen des Mittelgebirges begrenzt wird, während in der Richtung gegen Ploschkowitz, das Ploschkowitzer Thal, mit seinen überaus fruchtbaren Fluren, seinen ungezählten Obstbäumen und den Bergeshöhen wie ein Schmuckkästchen der Natur daliegt. Wieder am Fusse des Hügels angelangt, weichen wir links von der Auschaer Strasse ab und schlagen die Bezirksstrasse nach *Ploschkowitz ein, das wir in einer Viertelstunde (von Leitmeritz 1½ St.) erreichen. Ploschkowitz besitzt ein prächtiges kaiserliches Schloss mit einem Parke im französischen Styl.

Wir wenden uns nördlich über Techobusitz gegen Triebsch, das sich anmuthig am Fusse des Kelchberges ausbreitet und das zweit grösste Dorf des Leitmeritzer Bezirkes ist. (3 Stunden von Leitmeritz.) Der Kelchberg steigt in 2 Terrassen auf; er ist bequem zu besteigen und bietet eine schöne Aussicht nach allen Richtungen. Im Orte Triebsch befindet sich ein Herrenhaus mit einem sehr hübschen Parke.

Den Rückweg nach Leitmeritz schlagen wir über Kudeslawitz ein. Dieses Dorf liegt am südlichen Abhange der »Dreiberge« und erfreut sich schöner Waldungen, die von Strassen durchschnitten werden, so dass der Wald einen parkähnlichen Charakter erhält. Am Bergabhange führt die Strasse über Pohorschan nach Schüttenitz und von da nach Leitmeritz. Von Pohorschan windet sich die Strasse zwischen dem langen Berge und dem Goldberge hindurch.

Wenn man nun die Trnowanner Strasse, statt unterhalb des Weissen Berges abzuzweigen, weiter einschlägt, so gelangt man nach dem Marktflecken Liebeschitz (2½ St. von Leitmeritz) mit einem herrschaftlichen Schloss und Park des Edlen von Schroll. In einer guten halben Stunde erreicht man die Stadt Auscha, bekannt durch ihren Hopfenhandel.

Nördlich hievon liegt der *Geltschberg, der höchste Berg der Gegend. Am Fusse desselben befindet sich die Kaltwasseranstalt *Geltschbad mit schönen Spaziergängen und Waldpartien. (1 Stunde von Auscha.)

Unweit hievon das Städtchen Lewin (1 Stunde von Auscha) auf einer Anhöhe gelegen, zeichnet sich durch einen regen Handel und Gewerbefleiss aus.

Von Auscha eine Stunde entfernt, ist die Burg Hradek; ferner ist zu erwähnen das Dorf Konojed (1 Stunde von Auscha), mit Schloss, einem ehemaligen Kloster und Garten.

Unweit von Konojed erhebt sich der Eichberg, an dessen Ostseite ein interessanter Basaltsteinbruch mit schiefliegenden Basaltsäulen sich befindet.

In derselben Richtung liegen Graben und Drum. Im letzteren Orte ist ein bischöfliches Schloss.

Eine Partie, die man per Bahn unternehmen kann, ist die nach Liboch a. d. Elbe. Liboch zeichnet sich durch hervorragenden Weinbau aus. Romantisch ist das östlich gelegene Thal Kokorschin.

Eine grössere Partie über das Mittelgebirge bildet die von Leitmeritz nach *Grosspriesen, und kann man zwei Wege einschlagen. Die erste Tour hält sich an die Strasse, welche über Schüttenitz, Pohorschan, Stankowitz, Ritschen und Proboscht, wo sich in einer Felsenschlucht die romantische Kaisermühle befindet, in das Grosspriesner Thal führt. Dieser Weg ist ungemein anziehend, da er lange Strecken durch herrliche Forste hinzieht. Im Grosspriesner Thal sind bei Salesl die Kohlenwerke bemerkenswerth. Der Bergverwalter Herr Kastelly besitzt eine reiche mineralogische Sammlung, die er Besuchern gern zeigt.

Der zweite Weg ist schwer zu finden und kann nur zu Fuss zurückgelegt werden; er zieht sich über Skalitz, Neuhof, den Hohenstein und die Tetschner Aussicht nach Proboscht.

Es liessen sich noch mancherlei herrliche Partien in der Umgebung von Leitmeritz anführen, allein dieselben sind zu wenig bekannt und von Fremden nicht so leicht auffindbar. In diesem herrlichen Gau hätte ein Gebirgsverein eine grosse und schöne Aufgabe zu erfüllen, und wir wollen hoffen, dass es doch noch gelingt, dieses schöne Stück Erde dem Touristenstrom zu erschliessen.


Aussig.

Eisenbahnen: 1. Oesterreichische Staatsbahn-Linie: Aussig-Bodenbach-Dresden; Aussig-Prag-Wien. 2. Oesterreichische Nordwestbahn, rechtes Elbeufer – nach Tetschen in 50, nach Leitmeritz in 50 Minuten. 3. Aussig-Teplitzer Bahn – nach Teplitz (40 Min.), Dux-Bilin-Brüx-Komotau und Anschluss nach Karlsbad-Eger. 4. Bielathal-Bahn, Bahnhof in der Nähe der chemischen Fabrik, nach Bilin-Sauerbrunn in 2 Stunden.

Dampfschifffahrt gegen Leitmeritz und gegen Tetschen, Herrenskretschen, Schandau, Dresden.

Gasthöfe: »Goldene Krone« am Marktplatz, »englischer Hof« in der Lindenstrasse, »Goldener Engel«, »Stadt London«, »Stadt Prag« am Markt, Hohes Haus« bei der Bahn.

Restaurationen: Belvedere- und Dampfschifffahrts-Restauration mit schöner Aussicht; Schmidt's Restauration und Garten, grosse Wallstrasse, Elisium mit Garten, Ostervorstadt; Ferdinandshöhe auf einem Vorsprung des Galgenberges mit prächtiger Aussicht.

Post- u. Telegrafenamt. – Buchhandlung.

Aussig liegt am linken Elbeufer, an der Mündung der Biela in die Elbe, sowie am Fusse des Střezowitzer und des Marienberges, welcher letztere, aus Klingstein bestehend, wegen der mannigfaltigen Mineralien merkwürdig ist. Vom Gipfel desselben geniesst man eine herrliche Aussicht in das Elbthal und die Gebirgsketten diesseits und jenseits des Stromes, von dessen Ufern sich der Marienberg fast senkrecht erhebt. Unmittelbar über der Stadt erhebt sich *die Ferdinandshöhe mit prachtvoller Aussicht (früher waren hier die Ruinen der Burg Witrusch).

Geschichtliches: Die Gründung der Stadt soll schon im J. 827 erfolgt sein. Im Jahre 1277 wurde sie der Krone von Böhmen einverleibt, 1282 an Otto von Brandenburg abgetreten und vom Kaiser Rudolf von Habsburg der böhmischen Krone wieder zurückgegeben.

Während des Husitenkrieges verpfändete Kaiser Sigmund die Stadt an die Meissner, was eine grosse Erbitterung in Böhmen hervorrief und eine Belagerung der Stadt zur Folge hatte. Ein meissnisches Ersatzheer wurde zwar am 16. Juni 1426 vollständig besiegt, allein die Stadt dabei so eingeäschert und verwüstet, dass sie drei Jahre lang ganz verödet blieb. Ein zweites, trauriges Loos traf die Stadt am 8. Mai 1538, wo ein grosser Theil derselben sammt der Stadtkirche in Flammen aufging. Ferdinand I. gab der Stadt Aussig für die Treue, welche sie ihm gelegentlich der Zwistigkeiten zwischen Karl V. und dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen bewies, nebst vielen anderen Vorrechten auch Sitz und Stimme im Landtage. Während des 30jährigen Krieges wurde Aussig 1631 von sächsischen Truppen verwüstet und in Brand gesteckt, dagegen ist es während des 7jährigen Krieges und bei dem Einfalle der Franzosen im J. 1813 von grösseren Unglücksfällen verschont geblieben.

In neuester Zeit ist die Stadt durch ihre äusserst günstige Lage an der schiffbaren Elbe, in unmittelbarer Nähe des ausgedehnten, reichhaltigen nordwestböhmischen Braunkohlenbeckens, durch die zahlreichen Eisenbahnen ein bedeutender Handels- und Industrieplatz geworden. Die Einwohnerzahl ist seit 1869 bis zum 31. Dezember 1880 von 10.000 über 16.000 gestiegen. Die im J. 1857 von einer Actiengesellschaft gegründete chemische Fabrik für chemische und metallurgische Production ist eine der grössten Europas und beschäftigt über 1300 Arbeiter. Sie liefert Schwefelsäure, Sulfate, Salzsäure, Superphosphate u. s. w., besitzt eine eigene Gasanstalt, welche auch die Stadtbeleuchtung besorgt, eine Dampfziegelei u. s. w. Der Flächenraum des Fabriksgebietes beträgt 58 Hekt. An Arbeitslöhnen wird wöchentlich die Summe von 12.000 fl. ausgezahlt. Der Kohlenverbrauch belief sich im Jahre 1880 auf 12.734 Waggon zu 11 Tonnen.

Weitere industrielle Etablissements befinden sich hier: eine Lederfabrik, zwei Siderolithwaarenfabriken, Baumwollspinnerei, Glasfabrik, Paraffinfabrik, Webewaarenfabrik, Bandfabrik u. s. w. Viele Braunkohlenniederlagen. Die Kohlenverfrachtung auf der Aussig-Teplitzer Bahn grossartig.

In Aussig wurde am 12. März 1728 während eines vorübergehenden Aufenthaltes seiner in Dresden wohnhaften Eltern Anton Raphael Mengs geboren.

Sehenswürdigkeiten: 1. Die im sogenannten altgothischen Style erbaute und mit einer kunstreich gearbeiteten steinernen Kanzel versehene Dekanalkirche. Dieselbe besitzt eine kostbare *Madonna, die sich in einem feuerfesten eingemauerten Schreine befindet und nur bei hohen Festen ausgestellt ist. Dieses prachtvolle Bild von bedeutendem Kunstwerthe ist nach dem Urtheile gewiegter Kenner (auch Göthe schloss sich dieser Ansicht 1813 an) ein Werk Carlo Dolce's. Fälschlich hat man es dem obgenannten Anton Raphael Mengs zugeschrieben, welche Annahme aus dem Grunde unstatthaft ist, als Raphael Mengs zur Zeit der testamentarischen Uebergabe des Bildes an die Decanalkirche (1737) 9 Jahre alt war. Das Gerücht mag deshalb entstanden sein, dass die Erblasserin Margaretha Fischer geb. Rochus von Lindenfels die Besitzerin des Geburtshauses des wiederholt genannten Raph. Mengs gewesen und das Bild nach der übereinstimmenden Aussage vom Vater Raphaels, dem sächsischen Hofmaler Ismael Mengs, zum Geschenke erhielt. 2. Die St. Adalbertskirche bei dem Dominikanerkloster, im Renaissancestyl erbaut. 3. Die grossartige eiserne Elbbrücke, welche die Nordwestbahn mit den Bahnen des linken Elbufers verbindet. 4. Die neue Knabenschule und zwei andere grosse Schulgebäude. 5. Die älteste Kirche ist die Maternus-Kirche, deren Friedhof seit vielen Jahren aufgelassen ist und jetzt in einen Park verwandelt wird. (Die Touren ins böhmische Erz- und Mittelgebirge siehe »Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Teplitz-Bilin, eventuell Lobositz« aus.)

Hier sei Erwähnung gethan der herrlichen Ausflüge zur *Ruine Schreckenstein (½ St.) und auf die *hohe Wostrey (2 St.). Wir gehen von Aussig süd-südöstlich auf das rechte Elbufer und erreichen in einer halben Stunde den Klingsteinfelsen, auf welchem sich die malerischen Ruinen der alten Veste Schreckenstein erheben, die im Sommer der Gegenstand zahlreicher Besuche von Einheimischen und Fremden sind. Der Felsen steht senkrecht 80m hoch über dem Spiegel der Elbe, ist nur von einer Seite zugänglich und macht einen imposanten Eindruck. Zwischen dem Burgfelsen und dem grünbewaldeten Schanzenberge liegt die sogenannte Schäferei. Von hier führt der einzige Zugang zur Burg, ein schmaler Gang, auf dessen beiden Seiten niedrige Gebäude stehen, darunter das alte Bräuhaus, während der Burgfelsen auf der Ostseite auch hier 37·9m hoch senkrecht wie eine Wand aufsteigt. Wir kommen zu dem gut erhaltenen Burgthor, das mittelst einer Treppe passirt wird. Durch das Thor treten wir in den Burghof, welcher mit einer starken Ringmauer umgeben ist. Hier befindet sich die Restauration, für die es seit 1877 ein eigenes Gebäude mit Fremdenzimmern gibt.

Der sogenannte Rittersaal steht mit dem Burghofe durch einen schmalen Gang in Verbindung. Durch die nach der Elbe gerichteten sechs Fenster hat man einen prächtigen Blick in das Thal. Daneben befindet sich ein kleines Gebäude, welches zu Restaurationszwecken verwendet wird. Von hier führt links ein Fusspfad nach einem Felsenvorsprung, einer ehemaligen Warte, welche mit einem Dache versehen ist und einen vorzüglichen Blick auf die eigenthümliche Steinschichtung des Felsens gewährt. Von diesem unteren Theile steigen wir auf einer Treppe in die Hauptburg und dann in die Burgkapelle mit schönen Spitzbogenfenstern; da ist ein Vorsprung mit schöner Aussicht. Sehenswerth sind noch die Burgherrenwohnung, die Citadelle, von welcher noch die Reste von zwei halbrunden Bastionen und ihrer Verbindungsmauer vorhanden sind, und der Wartthurm, welcher mit einem Holzdache versehen ist und bis jetzt den Stürmen der Zeit getrotzt hat. Von hier können wir die Tour auf die hohe Wostrey fortsetzen (1½ St.) oder nach Aussig zurückkehren.

Aussig-hohe *Wostrey. Wir gehen von Aussig in südöstlicher Richtung nach Ober-Sedlitz, einem Dorfe ¼ St. von der Elbe und am Fusse des Gebirges und kommen nach Neudörfel (1 St.), wo bereits der Milleschauer (im Südwesten) zum Vorschein kommt, während im Rücken (Norden) des Wanderers der Schneeberg mit seinem weitsichtbaren Thurme auftaucht. Neben einem grossen Nussbaum theilt sich der Fahrweg; wir benützen weiter den Seitenweg rechts und langen bei einer, zwischen zwei hohen Eichen angebrachten Ruhebank an, von wo aus wir, auf dem windungsreichen Fusswege links fortschreitend, die Spitze dieses 583m hohen Basaltkegels erreichen. Derselbe ist einer der bedeutungsvollsten und lohnendsten Aussichtspunkte im Norden unseres Heimathslandes. Wir haben eine prachtvolle Waldlandschaft unmittelbar vor uns. Das herrliche Elbthal können wir weit verfolgen. Im Norden wird der Thurm des Schneeberges sichtbar, der sich als ein langgedehnter, nordöstlich laufender Bergrücken über ein hohes, aus dem Elbthale und dem Eulauer Thale östlich und südlich steil aufsteigendes, an seinen Rändern durch tiefe Thaleinschnitte zerrissenes Plateau erhebt. Vor dem Erzgebirge ist die mit allen Reizen einer üppigen Natur geschmückte Thalebene, welche ihren Anfang bei Arbesau nimmt, mit dem Eulauer Thale durch einen niedrigen Pass zusammenhängt und sich bei Kulm und darüber hinaus erweitert, ausgebreitet. Rechts vom Schneeberge sehen wir die Ruine des, wahrscheinlich im 30jährigen Kriege zerstörten Schlosses Blankenstein, von dem man eine sehr weite und schöne Aussicht, namentlich auf den Elbstrom geniesst.

Im Vordergrunde liegt Aussig. Westwärts lassen wir unsere Blicke über das herrliche Mittelgebirge schweifen und nehmen den Milleschauer, Kletschen, Radelstein, die Klotzberge, den Kostial, den Lobosch und ganz im Hintergründe die Hasenburg wahr. Unmittelbar unter uns liegt das Dorf Birnay, am rechten Elbufer, am Fusse des Prutschelberges. Im Osten sehen wir den Geltsch bei Auscha, nordwestlich den Zinkenstein, links davon im Hintergrunde den Rosenberg bei Tetschen.


Tetschen.

Tetschen, Stadt, an der Elbe, zählt über 5000 Einwohner; sie ist mit dem linken Elbufer durch die prächtige Kaiserin Elisabeth-Kettenbrücke verbunden. Die Stadt hat viele Neubauten aufzuweisen, was auf einen nicht unbedeutenden Aufschwung schliessen lässt. Obst-, Getreide- und Holzhandel ist gross. Alle Holzgattungen werden bis Hamburg verschifft und verflösst. Bedeutend ist auch der Schiffbau.

Gasthäuser: Stadt Prag, Krone, silberner Stern am Ring, Hôtel Ullrich an der Elbe, das Schützenhaus in prächtiger Lage mit einem schönen Garten; Hôtel zum Dampfschiff, neben der Brücke an der Elbe; Restaurationen; Weinstuben.

Eisenbahnen: Oesterreichische Staatsbahn, Nordwestbahn, böhmische Nordbahn nach Warnsdorf und Böhmisch-Leipa, Dux-Bodenbacher Bahn von dem gegenüberliegenden Bodenbach aus.

Dampfschifffahrtsstation.K. k. Post- und Telegrafenamt.Badeanstalt.

Sehenswürdigkeiten: Auf einem vom Ufer der Elbe 47·4m senkrecht aufsteigenden, gegen Norden und Osten sich abdachenden Sandsteinfelsen steht das stolze *Schloss der Grafen von Thun. Es wurde 1668 vom Grafen Maximilian von Thun neu erbaut und vom Grafen Wenzel Thun 1788 im gegenwärtigen imposanten Zustande vollendet. Das Schloss ist eine Zierde des Elbthales und hat fast von allen Seiten herrliche Aussichten in die paradiesisch schönen, zum Theile wildromantischen Gegenden desselben. Es enthält eine Schlosscapelle zum hl. Georg mit einem Altarbilde von Berglen, eine schätzbare Bibliothek, eine Gemäldesammlung, ein Münz- und Waffenkabinet. An den Abhängen des Schlossberges und am Fusse desselben befinden sich herrliche *Gartenanlagen mit Orangerie und Gewächshäusern für seltene exotische Pflanzen und einem der grössten Ananashäuser, nach englischer Art eingerichtet. Die Auffahrt zum Schlosse von der Stadtseite ist in Felsen ausgehauen. Am Ufer der Elbe ist ein Fussweg, theilweise durch den Felsen gehauen, und über den Arm der Pulsnitz, welche hart am Schlossfelsen in die Elbe mündet, führt ein Kettensteg zur Verbindung des nördlichen Theiles der Gartenanlagen mit dem südlichen. Dieses Schloss war als ein fester Punkt an der Elbe und Schlüssel dieses Stromes von militärischer Wichtigkeit. Wiederholt wurde es besetzt, so im J. 1631 von den Sachsen, 1635 und 1638 von dem schwedischen Parteigänger Stalhantsch. 1641 von den Kaiserlichen, 1647 von dem schwedischen Obersten Kopi (da wurde es mit 700 Kugeln beschossen), 1741 von den Franzosen, 1744, 1756 und 1778 von den Preussen.

Die Dekanalkirche zum hl. Kreuz, 1687 vom Grafen Max Thun zum Theile auf Felsengrund erbaut, auf welchen Umstand die auf dem freistehenden natürlichen Grundsteine angebrachte Inschrift deutet. Diese Kirche, welche von Cramolin ausgemalt ist, ist eigentlich die Schlosskirche. Die Stadtkirche zu Sct. Wenzel und Blasius brannte 1749 ab und wurde als Waarenmagazin verwendet; vor zwei Jahren wurde sie wieder hergestellt. Weitere nennenswerthe Gebäude sind: Das Stadthaus mit der Sparkassa, das k. k. Bezirksgericht, das Bürgerschulgebäude, die Lorettokapelle und der Bahnhof der österreichischen Nordwestbahn.

(Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Tetschen und dem gegenüberliegenden Bodenbach siehe Besuch von Lobositz, Teplitz und Bilin aus.)

Herrliche Spaziergänge und Touren. (Siehe Bodenbach!) Wir wenden uns von Tetschen-Bodenbach nach Norden gegen *Herrenskretschen. Links haben wir das Erzgebirge, welches hier in geographischer Beziehung mit dem Elbufer endigt. Gewöhnlich nimmt man als Grenze den Nollendorfer Pass an und bezeichnet das Gebirge von da an zu beiden Seiten der Elbe als Elbsandsteingebirge oder böhmisch-sächsische Schweiz. Der höchste Punkt ist der hohe Schneeberg, welcher sich mit seinen Abdachungen über ein grosses Gebiet verbreitet, so dass alle, besondere Namen führenden Bergmassen als Vorsprünge und Ausläufer zu betrachten sind. Der nordöstliche heisst die Scheibenkoppe; nördlich verflacht sich diess Gebirge nach Sachsen, hat jedoch auch hier felsige Vorsprünge: den Brunnnesselkamm und den Breitenstein; westlich hängt es mit dem in dieser Richtung fortlaufenden Rücken des Erzgebirges ununterbrochen zusammen. Unmittelbar an dem linken Elbufer gibt es steile Berge, welche zum Theile in senkrechten, gleichsam in mehreren Stockwerken über einander gethürmten, mannigfach zerrissenen und grotesken Felswänden emporsteigen, wie bei Niedergrund, Mittelgrund. Die herrschende Formation in diesem Gebirge ist der Quadersandstein, welcher hier alle seine Eigenthümlichkeiten hinsichtlich des Grotesken und Malerischen auf die mannigfaltigste Weise entwickelt; besonders zeigen sich seine kühnen, oft abenteuerlichen Formen in den engen Thälern und Schluchten, welche diess Gebilde durchschneiden, und einzelnen, von der Hauptmasse losgerissenen Felspfeilern und Pyramiden, sowie auch Grotten und Höhlen, welche sich hier vorfinden. Auch am rechten Elbufer, wo der Quaderberg, die steilen Rosenwände bei dem Dorfe Rasseln und die *Elbleiten bemerkenswerth sind, wird das Thal durch die bis fast an die Ufer des Stromes vorspringenden Berggehänge so eingeengt, dass nur ein schmaler Streifen Landes am Flusse für den Anbau erübrigt. Die Fahrt auf dem Dampfschiff nach Herrenskretschen ist eine hochinteressante und sehr lohnende (1 St. – zu Fuss geht man über Ober-, Mittel- und Niedergrund).


Herrenskretschen.

Dampfschifffahrtsstation. – Eisenbahnstation in Schöna, Herrenskretschen gegenüber. – Postfahrt nach Dittersbach. – Lohnfuhrwerke.

Gasthäuser: Hôtel Herrenhaus, Hôtel zum grünen Baum.

Der Ort liegt am rechten Elbufer, am Ausflusse der Kamnitz in die Elbe, in einem tiefen, zu beiden Seiten von hohen Sandsteinwänden eingeschlossenen Thale. In der Nähe des Ortes mündet von Norden her in das Kamnitzthal der *Prebisch-Grund mit den *Prebisch-Wänden und dem *Prebisch-Thor, ein hochinteressanter Bestandtheil der böhmisch-sächsischen Schweiz. Das Prebisch-Thor ist ein viele Klafter hoher und weiter, von der Natur selbst über das Thal brückenähnlich gespannter Felsenbogen. Man geniesst von seiner Höhe, am Rande eines schauerlichen Abgrundes, aber durch feste Brustwehren geschützt, die herrlichsten Aussichten auf die benachbarten Gegenden. Mit Entzücken verweilt das Auge auf einer Menge von Ortschaften, wie Rosendorf, Arnsdorf, Steinschönau u. s. w., auf hohen Bergen, wie Rosenberg, Schneeberg, Bösig u. s. w., auf den schönsten Waldungen und den fürchterlichsten Abgründen und Felsenmassen. Es ist bereits vieles geschehen, um sowohl den Einheimischen als auch den Fremden den Besuch dieser herrlichen, berühmten, aber noch nicht gehörig gewürdigten Felspartien zu erleichtern. Ein bequemer Weg, mit Ruhebänken versehen, führt bis auf die Höhe des Prebischthores und mehrere Brücken, über tiefe Schluchten gespannt, geleiten den Touristen auf die zunächst liegenden Höhepunkte dieses Felsenlabyrinths bis nach Sachsen hinein.

Herrenskretschen-*Edmundsgrund – diese herrliche Partie, welche den Wettkampf mit den bedeutendsten Hochgebirgspartien aufnehmen kann, ist leider auch noch sehr wenig gekannt. Wir folgen von einem der Gasthöfe dem Laufe der Kamnitz und treten in den Edmundsgrund ein, welcher mit seinen grossartigen, steilen und reich bewaldeten Gebirgsabhängen, mit dem klaren und forellenreichen Wasser und durch die reiche Scenerie der Landschaften einen imposanten Eindruck hervorbringt. Sehr empfehlenswerth ist auch der Aufstieg auf den, dem Herrenhause gegenüberliegenden *Elisalexfelsen mit einem herrlichen Blicke auf die Elbe und in das Kamnitzthal. Das 1 Stunde entfernte Belvedere, zwei künstlich bearbeitete und von der Südseite zugänglich gemachte Sandsteinfelsen (bei Elbleiten), deren einer die Gestalt einer Festung mit Schiessscharte darbietet, der andere aber zu einem Tempel ausgehauen ist, von welchem man auf die in der Tiefe vorüberströmende Elbe und das jenseitige Ufer bis Niedergrund hin eine reizende Aussicht hat, wird wenig mehr besucht. Dieser Theil der böhmischen Schweiz ist grossartig, und deshalb geben wir der Hoffnung Raum, dass er seitens der Touristen so gewürdigt werden wird, wie er es verdient.


Benutzt wurden: Sommer's Königreich Böhmen; Karlsbad in geschichtlicher, medicinischer und topographischer Beziehung von Dr. E. Hlawaček, Verlag v. Hans Feller in Karlsbad; der Wegweiser für Karlsbad und Umgebung von Dr. Hlawaček, Verlag von Feller in Karlsbad; der Führer in Karlsbad und seiner Umgebung (Verlag v. Franiek und Comp. in Karlsbad); Führer durch die westböhmischen Kurorte und deren Umgebung, Eger, Druck und Verlag von Stadler und Comp.

Bezüglich der Karte unseres Reisegebietes bemerken wir, dass es unmöglich war, sämmtliche Aussichtspunkte und Orte, welche der Führer enthält, in dieselbe einzuzeichnen; wir mussten uns auf die wichtigsten beschränken, da sonst die Karte unleserlich und dadurch unbrauchbar geworden wäre. Eisenbahnen, Strassen, Wege und Stege enthält sie vollständig, und das ist umsomehr die Hauptsache, als die einzelnen, nicht eingezeichneten Objekte im Buche so genau beschrieben sind, dass die Bestimmung der Lage derselben gar keiner Schwierigkeit unterliegt.