H. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Teplitz aus.
Teplitz
(221 m. Seehöhe).
Gasthöfe: »König von Preussen« (Stephansplatz); »Hôtel Post«, »Stadt London« (beide Lange Gasse); »Altes Rathhaus« (Marktplatz); zur »Riesenburg« (Graupnergasse); »Kronprinz Rudolf«, »blauer Stern« (beide Bahnhofstrasse); »Neptun« (Mühlstrasse); »Schwarzes Ross« (Kirchengasse); »Preussischer Hof« und »Wigand's Hôtel« (Kurpark).
In Schönau: »Haus Oesterreich« (Neubadallee), »Hermannsburg« (Badegasse von Schönau). Zimmer von ½ bis 3 fl. täglich, Bedienung 30 kr., Licht 30 kr., Suppe 12 kr., Braten 40–80 kr., Kaffee 20–24 kr. Gutes Brod, vorzügliche Biere und Weine.
Weinstuben: »Fleck« (Lange Gasse), »Rüdesheim« (Lindenstrasse), »3 Aepfel« (Badeplatz). Restaurants ausser den oben genannten Gasthöfen: »Leitmeritzer Bierhalle« (Schulplatz), »zum Erzherzog Stephan« (Königstrasse), »Günther's Bierhalle« (Alleegasse), »Kursalon«.
Gartensalon im Schlossgarten, Askonas, isr. Restauration, Edmundsstrasse zu drei Rosen, zum Felsenkeller, zum hohen Haus (Mühlstrasse), Germania (Steinbadgasse), Glaser, Weilburg (Lindenstrasse).
Die Reihenfolge ist durchaus nicht mit Rücksicht auf verschiedene Güte zusammengestellt.
Stadt Schönau:
Merkur, Stadt Warschau, Rosenlaube, Ordensband.
Das Couvert zumeist à la carte von 1–2 fl. Table d'hôte weniger üblich.
Kaffeehäuser: Kursalon, Theater, Stadt Dresden. Mehrere vorzügliche Konditoreien.
Ausserdem befinden sich auf bedeutenderen Ausflugsorten zumeist vortrefflich eingerichtete Sommerrestaurationen, wo neben allerlei Erfrischungen, Mineralwässern, auch kalte und warme Speisen für civile Preise dargeboten werden.
Kurgäste finden in etwa 230 Häusern in Teplitz und mehr als 80 in Schönau Logis. Da dieselben auch in anderen Häusern in der Stadt Unterkunft finden, so können zu einer Zeit wohl gegen 3000 derselben ihre Kur geniessen. Bei der Ankunft in Teplitz ist es nicht rathsam, sich am Bahnhofe von Agenten, Gepäcksträgern und Droschkenkutschern, die sich in eigennütziger Weise an den Fremden herandrängen, eine Wohnung anempfehlen zu lassen. Man kann da leicht in schlechte oder von den Bädern sehr weit entfernte Wohnungen geschickt werden, die dann wiederum aufgegeben werden müssen. Man lasse sich durch die gewöhnlichen Versicherungen dieser Agenten, es sei alles überfüllt etc., ja nicht ängstlich machen. Wer nicht schon vorher eine Wohnung bestellt hat oder von verlässlicher Seite in ein gutes Haus empfohlen ist, der thut am besten, zunächst in ein Hôtel zu fahren, dann einen Arzt bezüglich der Wahl des Bades zu consultiren und dann eine Wohnung in der Nähe des verordneten Bades zu suchen. Die Täfelchen »Logis« zeigen derlei Häuser an; ein weisser Streifen darüber gibt an, dass das Haus momentan keine Wohnung abgeben kann. Die Miethpreise, die sich per Woche verstehen, sind je nach der Saison verschieden und variiren im Sommer von 5–25 fl., im Winter von 3–12 fl. Das Frühstück wird meist im Logis genommen, im Gegensatze zu anderen Kurorten. Doch kann bei der grossen Zahl Kurhäuser nie Wohnungsnoth eintreten. Dem stets wachsenden Zudrang des Kurpublikums entsprechen grosse und zweckmässige Neubauten der letzten Jahre.
Auskünfte über Wohnungen, sowie Kurangelegenheiten jeder Art ertheilen die Bürgermeisterämter von Teplitz und Schönau, der städtische Badeinspector in Teplitz und in den meisten Fällen auch die Badeärzte.
Lesekabinet im Kursalon. Es liegen auf: die Kur- und Fremdenlisten der besuchtesten Badeorte, ferner eine bedeutende Anzahl Zeitungen politischen und belletristischen Inhaltes in 9 europäischen Sprachen. Kurgäste haben freien Zutritt. Im Damensalon ein Klavier zu freier Benützung. Billardsaal.
Der Kurort Schönau hat ebenfalls ein reich eingerichtetes Lesekabinet.
Buchhandlungen: Ernst Pörzler (Seumestrasse) und H. Dominicus (Königsstrasse). Beide haben Leihbibliotheken, reichlich ausgestattet mit den neuesten Erscheinungen der Literatur, auch in fremden Sprachen.
K. k. Postämter: Teplitz, Schlossplatz, Schönau, Badeg. 85.
K. k. Telegrafenamt: Waisenhausgasse (7 Uhr Früh bis 9 Uhr Abends).
K. k. Hauptzollamt: Schlossplatz 14.
K. k. Bezirkshauptmannschaft: Marktplatz 26.
Die Communalbehörden sind: In Teplitz der Magistrat, Marktplatz, in Schönau das Bürgermeisteramt, Neubadallee.
In der Königsstrasse und in der Langen Gasse befinden sich Banken und Wechselstuben.
Eisenbahnen: Aussig-Teplitzer Bahn (Linie: Komotau-Aussig). Dux-Bodenbacher (Linie: Komotau-Bodenbach). Der Bahnhof der letzteren ist etwa 15 Minuten von der Stadt entfernt, doch fahren zu allen Zügen Omnibusse.
Ein- und zweispännige Wägen mit festgesetztem Tarif nach allen Richtungen. Rollwagenführer im Dienstmanninstitut (Graupnergasse). An den Bahnhöfen eigene Gepäckträger. Omnibusse nach Eichwald und Probstau.
Stadttheater im Kurpark, das ganze Jahr hindurch Vorstellungen; es werden Operetten, Schau- und Lustspiele gegeben. Im Sommer gastiren daselbst oft Künstler der bedeutendsten Bühnen. Anfang 7 Uhr.
Kurmusik: Teplitz. Die Kurkapelle spielt täglich Morgens im Kurgarten, Mittags 11–1 Uhr im Schlossgarten; Montag und Freitag Nachm. 5–7 im Kurgarten.
Tanzreunionen finden gewöhnlich Samstag Abends im Gartensalon statt.
Schönau. Militärkapelle jeden Mittwoch und Samstag Nachm. 5–7 Uhr; Donnerstag u. Sonntag Vorm. 9–10½ Uhr im Schönauer Musikpavillon.
Zeitungsagentur: Erwähnenswerth ist die Zeitungsagentur (Königsstrasse), welche alle Zeitschriften zu Originalpreisen anbietet.
Die Kurtaxe zahlt jeder Fremde, der sich länger als 8 Tage aufhält, nach vier Ständeklassen. Gewisse Stände sind davon befreit, doch zahlen sie wie alle Fremden, die sich länger als drei, aber weniger als 8 Tage aufhalten, die Musiktaxe (50 kr.).
Kuranstalten: Bäder sind in Teplitz: das Stadt-, Kaiser-, Stein- und Stefansbad (Eigenthum der Stadt Teplitz), Fürsten- und Herrenhausbad (Eigenthum des Fürsten Clary), Sophienbad, (Eigenthum der israel. Kultusgemeinde).
In Schönau: Das Schlangenbad (dem Kurort Schönau gehörig), das Neubad (fürstlich).
Alle in- und ausländischen Mineralwässer sind in der städt. Mineralwasserniederlage (Badeplatz) und im Schlangenbad (Schönau) zu haben. Das Wasser der Stadtbadquelle, welches bei gewissen Krankheiten ärztlich verwendet wird, ist im Kurgarten und im Stadtbad unentgeltlich zu haben. Hier sei auch das 54m lange und 15m breite Schwimmbassin, mit klarem Gebirgswasser gefüllt, erwähnt. Dasselbe befindet sich im westlichen Theile des Turnerparkes, etwa 15–20 Min. vom Centrum der Stadt entfernt. Der Bau ist in mancher Beziehung sehenswerth.
Die Balneologen rechnen die Teplitzer Thermen zu den chemisch indifferenten, d. h. solchen, die wenig fixe oder gasförmige Bestandtheile enthalten. Indessen ist das Teplitzer Thermalwasser reicher an fixen Bestandtheilen, als andere indifferente Thermen und unterscheidet sich besonders dadurch, dass das kohlensaure Natron prävalirt. Ueber ihre oft wunderbare heilende Wirkung zu sprechen, dürfte nicht hier der Platz sein. Auch ist sie weithin bekannt. Die ebenfalls bekannte Katastrophe, die die Urquelle am 13. Feber 1879 traf, kann, ihr eigentlicher Abschluss mag sein, wie er will, nur die Folge haben, dass das Wasser, welches früher selbst herausfloss, jetzt aus der Tiefe künstlich hervorgeholt wird.
Diese Hauptquelle speist das Stadt-, Sophien-, Fürsten-, Herrenhaus- und Kaiserbad. Ueberhaupt haben alle Quellen in Bezug auf ihren stofflichen Gehalt nur wenig Differenzen; sie unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Temperatur; so hat die Neubadquelle und die Hauptquelle 35° R., die Schlangenbadquelle 31° R., die Stein- und die Stefansbadquelle etwa 30° R., die Wiesenquelle (im Stefansbad) und die Sandbadquelle (im Steinbad) haben 26° R.
In einigen Bädern wird eine hinreichende Menge gereinigten Moores mit Thermalwasser zu einem mehr oder minder konsistenten Brei gekocht, und es werden diese Moorbäder auf verschiedene Weise verwendet. Der Moor, welcher in der Umgebung von Teplitz (Dreihunken und im Seegrund) gestochen wird, besteht aus einem Gemenge einer eigenthümlichen humusartigen Säure und in Zersetzung begriffener Pflanzenreste.
Die Benützung der warmen Quellen muss in eine sehr alte Zeit zurückgehen. Vielleicht haben schon römische Mercatores da ihre Heilung gefunden und haben aus Dankbarkeit der Quell-Nymphe jene Silbermünzen dargebracht, die man 1879 daselbst gefunden hat. Nach der Christianisirung des Landes verlegt die Sage die Auffindung der Quellen auf den 29. August 762 unter der Regierung des Herzogs Nezamysl. Die zwei Spitzthürme in der Kirchengasse beim Eingang in den Schlossgarten gelten für die ältesten Gebäude von Teplitz. Die Sage der Quellenauffindung erzählt eine lateinische Inschrift auf einem in der Nähe der Hauptquelle befindlichen Steine; sie ist bekannt: weidende Schweine sollen die Quelle aufgewühlt haben.
Im Jahre 1153 erbaute Judith, Gemahlin des Herzogs Vladislav, hier ein Benediktiner-Nonnenkloster, welches aber in den Hussitenkriegen spurlos unterging. Nach 1544 wurden die ersten zweckentsprechenden Bäder erbaut, das Schloss auf dem Schlossberg restaurirt und die Schlosskirche gegründet. 1585 nimmt Janusch von Schönberg den Bürgern die Bräugerechtigkeit, die bis auf heute Eigenthum der Besitzer geblieben ist.
Seit 1653 ist Teplitz im Besitze der Clary-Aldringen. 1848 hörte für die Stadt das Unterthänigkeitsverhältniss auf und der Kurort wurde zur selbstständigen Stadt.
Der Besuch von Kurgästen und Passanten ist während der Sommersaison (1. Mai bis Ende September) ein sehr starker und nimmt stetig zu. (Im Jahre 1879 über 32.000.)
Es dürfte aber auch kaum einen zweiten Kurort geben, der eine so mannigfaltige, an Naturschönheiten überreiche Umgebung aufzuweisen hätte und in dieser herrlichen Umgebung soviel interessante Punkte bieten könnte, wie Teplitz-Schönau. Es hat in den letzten zwei Decennien sich ungemein ausgedehnt; der Handel und die Industrie haben einen grossen Aufschwung genommen, so dass ein grosser Theil der Stadt dem Badeleben fast ganz entzogen ist. Die zur Aufnahme der Kurgäste bestimmten Häuser liegen in der Nähe der Bäder und sind zum grössten Theil bequem und elegant eingerichtet. Das gesunde Klima und die schöne Umgebung hat viele Fremde, besonders Pensionisten und Rentiers zur dauernden Niederlassung in Teplitz bewogen. Die breiten, gut gebahnten Wege, die herrlichen wohlgepflegten Anlagen, die Alleen dicht belaubter Bäume, dann die Gelegenheit häufiger Vergnügungen und die Möglichkeit, alle Wünsche in Bezug auf Liebhabereien und Luxusartikel hier befriedigen zu können, machen den Aufenthalt in Teplitz angenehm, so dass der Andrang der Passanten und Touristen, wie schon bemerkt, jedes Jahr grössere Dimensionen annimmt. Besonders sehenswerth ist der Kurpark. In seinem nördl. Theile steht das Theater, ein grosser Renaissancebau. Es kann etwa 1000 Personen fassen. Unweit ist eine Säule, welche eine Uhr, ein Thermo-, Hygro- und Barometer, die Quellenanalyse und die täglichen Daten der metereologischen Station enthält. Der Säule gegenüber ist die städtische Trinkanstalt. Einige Schritte davon steht ein allegorisches Standbild, im J. 1862 zur Feier des 1100jährigen Jubiläums der Quellenauffindung errichtet. Am südlichen Theile steht das Herrenhaus und daran anschliessend ein grossartiger Neubau, das Gartengebäude. Im Osten befindet sich das Kaiserbad, ein prachtvolles, im altfranzösischen Mansardenstyl aufgeführtes Gebäude. Anstossend daran der Kursalon mit dem Lesekabinet. Unweit davon ist der Musikpavillon, auch wird in der Nähe das Wasser der Urquelle zum Trinken verabreicht.
Durch die Graupnergasse, den Marktplatz und die lange Gasse, die durch eine grosse Zahl eleganter Läden sich auszeichnet, gelangt man auf den Schlossplatz mit dem fürstl. Claryschen Schlosse (1751 erbaut), der Schlosskirche (1568), der Dekanalkirche (um 1700) mit einigen künstlerisch werthvollen Altarbildern. Durch das Schloss kommt man in den fürstlichen *Schlossgarten, ein bescheidener Name für einen herrlichen Park, wie ihn nur wenige Städte aufweisen können. Die Baumriesen zeigen, dass er schon vor Jahrhunderten angelegt ist. Die schönen, breiten, dicht beschatteten Alleen, die reizenden Wiesen mit herrlichen Durchsichten und grossartigen Baumgruppen, zwei grosse Wasserbassins, die Bemühungen der modernen Gartenkunst, sowie die mit den seltensten exotischen Pflanzen gefüllten Treibhäuser, zahlreiche Ruhebänke machen ihn zum beliebtesten Aufenthalt. Während der Mittags abgehaltenen Concerte ist er der Sammelpunkt von allem, was der Kurort an Geschmack, Schönheit und Eleganz aufweisen kann.
Mit dem Kurpark hängt der Seumepark zusammen, ein umgewandelter alter Friedhof, mit dem Grabe Seume's (gest. 16. Juni 1810), das wohl bald ein würdiges Denkmal haben wird. Daran schliessen sich die neuerrichteten Payeranlagen, überragt von dem Mont de Ligné, (Restauration und reizender Aussichtspunkt). (Pavillon 1831 erbaut; im Volksmunde von der Aehnlichkeit »Pfefferbüchse« genannt.) Durch die Lindenstrasse, die diese Anlagen begrenzt und in welcher sich eine Reihe Badespitäler, darunter das sächsische und preussische befinden, gelangt man in den Kaiserpark, eine ebenfalls reizende Anlage der Neuzeit mit schöner Rundsicht. Man erblickt hier die neue, im streng gothischen Style erbaute kath. Kirche von Schönau, das Stefans- und Steinbad, das grossartige k. k. Militärspital und davor den Musikpavillon. Anschliessend befinden sich wieder Parkanlagen, und zwar die Neubad-Allee, die Humbolds-Anlagen und die mit schönen Villen geschmückte Giselastrasse, welche zum Teplitzer Bahnhof führt, einem grossartigen Gebäude mit einem pompösen Wartesaal. Vor demselben befinden sich auch Gartenanlagen.
Von Gebäuden wären noch zu erwähnen: Die evangelische Kirche (Elisabethgasse), eine stylvolle Basilika (1861 gebaut). Auf der Freitreppe eine der *schönsten Aussichten. In derselben Gasse wird sich auch der israel. Tempel befinden, der auch ein Monumentalbau werden dürfte. In der Jägerzeile steht die Loretto-Kapelle mit der fürstl. Claryschen Familiengruft.
Spaziergänge.
1. Die *Königshöhe (3 Wege hinauf). Bei dem Monument des langjährigen königlichen Freundes von Teplitz, Friedrich Wilhelm III. schöne Aussicht.
Sehenswerth ist die Schlackenburg (Restauration und camera obscura), ein eigenthümlicher Bau mit vielen kleinen Zimmern, aufgeführt von einem einzigen Mann in mehr als 20 Jahren aus Ziegelschlacken und Feldsteinen.
Von der Plattform eine der reizendsten Rundsichten über das Thal zwischen dem Erz- und Mittelgebirge. Ebenso bieten die Restaurants *Bella vista und *Belvedère prächtige Fernsichten. Hier ist auch das Schiesshaus der über 300 Jahre alten Schützengesellschaft mit einer interessanten Autographensammlung und dem Memorialbuch. An dem Vogel- und Scheibenschiessen können sich auch Fremde betheiligen. Nahe an demselben wird in dem Kesselhause der Dampf erzeugt, der die im Schachte der Urquelle eingebauten Maschinen treibt.
2. Die *Stefanshöhe in Schönau mit einer lohnenden Aussicht über die Stadt.
3. Der Turnerpark bei dem mit Teplitz zusammenhängenden grossen und wohlgebauten Dorfe Turn, ¼ St. nordwestl. von Teplitz auch zugleich an Schönau anstossend. Er hat mächtige Buchen und Eichen und bietet daher angenehmen Schatten, ist sehr anmuthig und im englischen Geschmack angelegt. Hinter der auf einer Anhöhe stehenden Restauration ist eine sehenswerthe Porphyrgruppirung, anschliessend beginnt die Kalkformation.
4. Von da, an der Schwimmschule vorüber und durch den Ort Turn kommt man zu einem Promenadenweg, der nach *Probstau (¾ St. nördlich von Teplitz) führt. Er ist reich an landschaftlichen Reizen, besonders in der Nähe des Angerteiches. Probstau ist wegen seines grossen, schattigen Waldparkes und der guten Restauration (Café) immer sehr besucht.
5. Vom Schlossplatz, durch die Jägerzeile, beim Mauthhaus links und den Berg hinan führt der Weg auf die *Bergschenke (½ St.), Restauration mit sehr lohnender Aussicht über das Teplitzer Thal. Die zahlreich erwähnten Aussichten unterscheiden sich sehr von einander durch die Abwechslung, die sie stets bieten. An die Bergschenke stösst der wenig gepflegte Galgenbusch. Verfolgt man den Katharinasteg und einen durch zahlreich auf einander folgende rothe Punkte, die an Bäumen und Steinen angebracht sind, bezeichneten Waldung, so erreicht man die *Helm's Ruhe (nach dem Teplitzer Bürger Anton Helm benannt). Man wird hier durch ein herrliches Panorama, das von den früheren Aussichten wesentlich verschieden ist, angenehm überrascht sein. Der etwa 1000 Schritte von der Restauration (Bergschenke oder Bergschlösschen) entfernte 379m hohe *Wachholder-Berg bietet eine grossartige Rundschau. Eine Menge Ortschaften werden durch die Höhen des Mittelgebirges und den weiten Bogen des Erzgebirges begrenzt.
Eine wiederum schöne Rundsicht bietet *der Schlossberg (½ St.). Man erreicht ihn, wenn man durch Schönau, am Neubad vorbei, eine breite Strasse geht, die bis an seinen Fuss führt. Man kann entweder auf schönen Promenadenwegen oder der neugebauten, an Serpentinen reichen Strasse hinauf gelangen.
Auch kann man die bei dem verfallenen Thore am Fusse befindlichen Esel benutzen. Der Berg selbst, eine auf Basalt und Porphyr gelagerte Phonolythmasse, wird von einer Burg gekrönt. Ihre Gründungszeit ist unbekannt, doch ist wahrscheinlich, dass dieser sowohl zur Vertheidigung als zur Beherrschung eines grossen Gebietes eminent günstige Ort schon in uralter Zeit befestigt gewesen sei. Am Fusse desselben stand das ehemalige Kirchdorf Daubrawitz, jetzt nur ein Meierhof, von dem die Burg auch in früherer Zeit den Namen hatte. Im Jahre 1585 kam sie in den Besitz der Kinsky, welche sie durch holländische Baumeister restauriren und einen Thiergarten anlegen liessen, von welchem noch die Thormauer am Fusse erhalten ist. 1615 erbte sie Wilhelm Kinsky, ein Vetter und Schwager Wallenstein's, der in Eger am 22. Febr. 1634 ermordet wurde. Kaiser Ferdinand II. verlieh sie mit den Herrschaften Teplitz und Pinsdorf an den General Grafen Aldringen, nach dessen Ende (bei Landshut im Gefechte am 20. Juli 1634) ging sie an seine Schwester Anna über, vermählte Clary; die Clary's hatten mit kaiserl. Rescript vom 24. Mai 1653 Namen und Wappen der Aldringen zu führen. Während des dreissigjährigen Krieges war die Burg mehrmals im Besitze der Schweden gewesen. Im Jahre 1655 liess sie der kaiserliche Hof mit Rücksicht darauf, dass sich leicht Raubschaaren dort festsetzen könnten, schleifen und seit dieser Zeit liegt sie in Trümmern. Die Restauration, die theils kasemattenartig in die Mauern eingebaut ist, theils einen modernen Holzbau bildet, ist als sehr gut zu bezeichnen. Die Rundsicht ist prachtvoll. Man sieht einen grossen Theil des Mittelgebirges, das den Milleschauer überragt, den Biliner Felsen, die Gegend bei Brüx, den ganzen Zug des Erzgebirges mit seinen zahlreichen Städten, Flecken und Dörfern, das Kulmer Schlachtfeld und die Höhen bei Aussig. Geht man auf der Prager Strasse durch Schönau, an der Gasanstalt vorbei bis zu einer Gerberei, biegt rechts um, so gelangt man auf einem Pfade in einer halben Stunde südöstlich von Teplitz zur Fasanerie (zum Dorfe Zwettnitz gehörig), einem waldartigen Park mit hübschen Spaziergängen. In der Försterswohnung eine kleine Restauration. Die Aussicht erwähnenswerth.
I. Touren (in das Mittelgebirge und auf den Milleschauer siehe oben von Bilin, beziehungsweise Lobositz aus).
Als besonders bemerkenswerthe Touren empfehlen sich von Teplitz aus in der Richtung gegen das anmuthige Bielathal folgende: 1. Man geht entweder auf der Strasse über Auperschin (Bielathalbahn) nach Welboth (durch die Prager Strasse in Schönau), oder man biegt bei der Ueberbrückung des Saubaches durch die Strasse links ab, geht auf einem Fahrwege nach Wisterschan, dann an der Schule vorbei und gelangt, indem man fort dem Bache nahe zu bleiben trachtet, über Neuhof in ein hübsches Thal, an dessen Ende das Dörfchen Kozlike sich befindet; von hier geht der Weg nach Welboth. Verfolgt man nun die Strasse nach Hertine, so bietet dieses Dorf, unweit der Bielabrücke von Welboth, ein reizendes Bildchen. Der es überragende Berg heisst nach einem kleinen Dörfchen der Frauschieter Berg. Von Hertine (Bahnstation) geht man längs der Geleise der Bielathalbahn nach Prosanken. Ein sehr hübscher Wiesenweg führt uns nach Tschochau (Station), einem grossen Dorfe mit einem Bräuhaus und einigen ziemlich guten Wirthshäusern (besonders böhmische Krone; bisher etwa 3 Stunden). In kürzerer Zeit erreicht man Tschochau auf dem ebenfalls nicht uninteressanten Wege über Drakowa auf der am Fusse des Schlossberges vorbeiführenden Strasse, dann über Quikau, Suchey, an dem über 360m hohen Jedowinberg vorbei über Habrzie und Hlinai.
Von Tschochau aus lassen sich mehrere hübsche Partien machen, und zwar zunächst nach Staditz; schon nach einer kleinen halben Stunde kommt man zu dem sogenannten Königsfelde, das noch vor dem Dorfe einem Försterhause, zugleich Restauration, gegenüber liegt. Es ist dies wohl die älteste Stätte Böhmens, die die Sage nennt. Hier soll das weisse Pferd, das Libuša, die Tochter des ersten Tschechenherzogs Krok, zum Aufsuchen des Bräutigams ausschickte, den vom Pflügen ausruhenden Wladyken Přemysl gefunden und durch Stehenbleiben und freudiges Wiehern als den erwähnten Bräutigam bezeichnet haben. Er wurde Stammvater des Jahrhunderte lange herrschenden Přemyslidengeschlechtes.
Eine andere Version der Sage erzählt, dass Libuša unter der Führung des weissen Pferdes Leute ausgeschickt habe, die den als Bräutigam auf den Wyschehrad führen sollten, der auf einem eisernen Tische essen würde. Und Přemysl ass sein Brod auf der Pflugschar des umgekehrten Pfluges. Die Sage hat manchen verwandten Zug mit den Stammsagen der indoeuropäischen Völker. Auf dem Königsfelde, das bis jetzt in dieses Jahrhundert steuerfrei gewesen ist (?) und von dessen Haselstaude, die aus der von Přemysl gesteckten Ruthe abstammen soll, die Früchte zur königlichen Tafel nach Prag geliefert wurden, hat Graf Erwin Nostitz, der Besitzer von Türmitz, 1841 ein Denkmal errichten lassen. (Siehe [Seite 178].)
Es ist das ein, auf zwei Terrassen ruhender grosser Steinwürfel mit zwei Reliefdarstellungen, von denen die eine das Zusammentreffen der Gesandtschaft, die zweite den Einzug Přemysl's in die Burg Wyschehrad darstellt. Sie sind ein Werk von Max. Das Ganze krönt ein eiserner Pflug von bedeutender Dimension. Von da führt ein Weg durch das malerische Bielathal über das Dörfchen Kosten nach Türmitz (Station der Aussig-Teplitzer Bahn), einem recht aufstrebenden Orte mit einer grossen Zuckerfabrik. Die ganze Partie beansprucht etwa 5 Stunden.
Eine andere Partie von Tschochau aus ist folgende: Auf der Strasse nach Nabrowan bis Razeine, von da links ab nach Dubitz und dann bis zu dem vom Orte etwa 10 Minuten entfernten Kirchlein. Hier geniesst man einen Einblick von seltener Schönheit in das prachtvolle Elbthal. Gegenüber hat man die pittoreske Gestalt des Deblikberges, an dessen Fusse das Dorf Tirkowitz liegt.
Geht man nun von dem Kirchlein, das Gesicht zur Elbe gewendet, rechts ab, so gelangt man auf einem mehrfache hübsche Aussichten bietenden Wege zur Eisenbahn- (Staatsbahn) und Dampfschifffahrtsstation Praskowitz. (Der ganze Weg von Tschochau etwas über 3 Stunden.) Freunden romantischer Aussichten, auf allerdings etwas beschwerlichen Wegen, seien die Touren empfohlen von Tschochau über Suchey nach Höben und von da entweder über Qualen nach Salesl (Station d. Staatsb. und des Dampfschiffes) oder auf das gegenüberliegende Ufer, eine kleine ¼ Stunde elbeabwärts nach Sebusein (Station der Nordwestb. und des Dampfschiffes). (Der ganze Weg bequem 3 Stunden.) Auch führt von Stöben ein Weg, der landschaftliche Schönheiten bietet, über den Rücken des Glaberberges und dann in einer Thalsenkung über die kleinen Ortschaften Elbogen und Augiesel oder auf der Strasse durch den Wald nach Türmitz (2 gute Wegstunden). Der erwähnte Glaberberg bildet jene steilen, von den Fahrgästen des Dampfschiffes oft bewunderten Wände des Elbthales, die bei dem kleinen Oertchen Wannow, dem letzten am linken Elbufer vor Aussig, eine besonders interessante Form annehmen, ein Werk der sich mühsam durchbrechenden Wässer. Sie sind unter dem Namen Wannower Wände oder Felsen bekannt. Den Endpunkt dieses mächtigen Bergrückens bildet die Ferdinandshöhe 205m hoch bei Aussig, ¼ St. entfernt, eine der prachtvollsten Aussichten weit über das Elbthal bietend; die geringe Mühe des Aufstieges ist durch dieses liebliche Panorama wohl belohnt. (Siehe Aussig!) Endlich sei noch einer an landschaftlichen Reizen reichen Tour gedacht: von Tschochau über Nabrowan nach Razeine. Hierauf verfolge man einen in oos. Richtung gehenden Pfad, der bei dem letzten Wirthshause rechts von der Strasse ablenkt. Man gelangt nach einigem Steigen zu einer coulissenartigen Digression des Bergzuges, welche ebenfalls einen herrlichen Ausblick über ein anderes Stück des Elbthales bietet, gegen Lobositz, Theresienstadt und den lang gedehnten Rücken des Radobil am anderen Ufer.
Wer Zeit hat, mache den sehr lohnenden Umweg über das Dörfchen Padloschin. Er wird, von hier nach Norden auf dem Fahrwege abbiegend, eine lohnende Augenweide finden – einen Blick in das tiefliegende Elbthal. Dann geht es ohne besondere Schwierigkeiten nach Praskowitz herab. Bemerkt sei noch, dass es von hier einen an hübschen Perspectiven reichen Weg nach Leitmeritz (2½ St.) gibt und zwar über das Praskowitz gegenüber liegende Libochowan und Kamaik.
2. Von Teplitz nach Kostenblatt. Es sind dahin 2 Wege. Auf dem einen gelangt man, wenn man an dem Kesselhause der Stadtbadquelle, zwischen der Königshöhe und dem Schlossgarten durchgeht, den Weg bis an das Eck des letzten verfolgt und, dann links abbiegend, durch den sogenannten Lipnaibusch, wo sich eine Einsiedelei befand, jetzt alles verwildert, fortgeht, eine Gruppe alter Eichen bleibt links – bis in das Dörfchen Pittling. Darauf steigt man nach Welbine herab, und der Weg geht über die nahe an einander liegenden Orte Liessnitz, Ratsch, Webeschan und Welhenitz nach Kostenblatt. Hier beim Düwock ein Gasthaus. Das Schloss, dem Grafen Czernin gehörig, ist ein Neubau aus dem Jahre 1864. ¼ St. vom Dorfe liegt die hochinteressante Ruine Kostenblatt, 570m hoch, wohl eine mit von den schönsten des Landes. Aus ihrer reichen Geschichte sei erwähnt, dass sie von einem sagenhaften Kostomlat gegründet, im Jahre 1350 einem Ritter Žerotin gehörte, dessen Nachkommen noch in Mähren leben. Von 1422 an war die Burg Eigenthum des deutschen Ordens, dessen letzter böhmisch-mährischer Landcomthur Albrecht von Duba sich hierher zurückzog (1422–30). Der hussitischen Berennung widerstand die Burg mit Erfolg. Doch eroberte sie 1434 Jakoubek von Wřesowitz und zerstörte grösstentheils die Befestigungen. Georg von Podiebrad, dessen Familie – früher von Kunstadt, später von Podiebrad genannt – sie nachher gehörte, verbrachte hier einen Theil seiner Jugend. Nach der Schlacht am weissen Berge wurde sie dem letzten Besitzer Ulrich Kostomlacky von Wřesowitz confiscirt und gelangte schliesslich in den Besitz der gräfl. Familie Ledebour, der sie bis jetzt angehört. Die Aussicht vom Wartthurm, auf den eine bequeme Wendeltreppe hinaufführt, ist überaus lohnend. Man übersieht den weiten Bogen des Erzgebirges und die dazwischen liegende Ebene; die dichtbewaldeten Kuppen des Mittelgebirges in wechselnder Form heben sich kräftig von dem in nebelhafter Ferne verschwindenden Hintergrunde ab. Nicht vergessen sei die kleine Restauration daselbst. 3. Ein anderer Weg nach Kostenblatt (etwa 2½ St. lang, reicher an Abwechslung, geht von Teplitz auf der Bilinerstrasse bis Kradrob. Fussgänger können hier bei der Schmiede links einbiegen und gelangen auf einem Wege nach Křemusch (1 St. von Teplitz). Hier ist ein schönes, dem Grafen Ledebour gehöriges Schloss mit einem prächtigen Parke. Ein angenehmer Fahrweg führt aus dem Parke zur Teufelsmauer, einer wildromantischen Partie des Bielathales. Es ist das ein steiler, durch Basaltlava gebildeter Abhang. Von hier eine schöne Aussicht über das Bielathal.
Von Křemusch hat man nach Kostenblatt zwei Wege, einen näheren über Dollanken, Wohontsch (Station der Bielathalbahn, eine kleine halbe Stunde von Křemusch), Niemetschen, Poratsch und Aupoř, reich an herrlichen Ausblicken über ein stets wechselndes Panorama nach Kostenblatt (etwas über 1 Stunde). Der weitere Weg führt von Křemusch über Hostomitz nach Schwatz (½ St.) (Station Schwatz-Kuttowitz), dem Mensalgute des Prager Erzbisthums. Der einst berühmte Schlossgarten ist sehenswerth. Die ganze Gegend wird Geologen und Mineralogen viel Interessantes bieten. Eine grossartige Rundschau bietet der Basaltkegel hinter dem Dorfe, der sogenannte Paraplüberg. Von Schwatz geht der Fahrweg in 1 St. nach Kostenblatt. Von da aus kann man noch folgende interessante Touren machen. 1. Durch anmuthige Wälder über Milleschau am Fusse des davon benannten Milleschauer nach Wellemin (2 St.) zu dem reizenden Wopparna-Thale. Bei Kleintschernosek kommt man heraus und vergesse nicht hier in der ureigentlichen Heimat des berühmten Weines eine diesbezügliche Quellenstudie zu machen. Indess hat es in der neuesten Zeit damit einige Schwierigkeiten, aber damit soll ja jedes Quellenstudium verbunden sein. 2. Nach Radowesitz (¾ St.), dann weiter auf der über Trebnitz (am Fusse des Kostial) nach Lobositz führenden Strasse bis zu einem rechts befindlichen Hegerhause (keine Restauration) (etwa 1½ St.). Von hier geht durch eine Rodung ein in seinem letzten Drittel etwas steiler Weg auf den altehrwürdigen Radelstein. Ich sage altehrwürdig, denn es bestand hier eine uralte Culturstätte. (Siehe von Bilin aus! Retour nach Bilin und von da mit der Bahn nach Teplitz.)
II. Die Ebene zwischen dem Erz- und Mittelgebirge.
Hier sei von der im Süden des Erzgebirges gelegenen Ebene nur jener Theil in Betracht gezogen, der von Teplitz nördlich liegt. Etwa von Kulm schrumpft sie in ein mehr oder minder schmales Thal zusammen, in welchem sich bis Bodenbach das Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn befindet und soweit erstreckt sich auch dieses Thal. In der Ebene ist die Braunkohlenformation vorherrschend, fast ausschliesslich in ihrem westlichen Theile. Im östlichen Theile treten allmählich und mit dem ansteigenden Terrain desto mehr zusammenhängend Basalt, basaltische Tüffe und Conglomerate, Phonolithe und Trachit, aus welchen das zwischen dieser Ebene und dem Elbthale sich erhebende Gebirge besteht, welches daher auch im Allgemeinen den Charakter des Mittelgebirges trägt.
In der Ebene erblickt man daher zahlreiche Kohlenwerke und infolge des Reichthums an Kohle sind hier zahlreiche Industrie-Etablissements entstanden, so dass diese Gegend zu den bevölkertsten und productivsten Gebieten unseres Vaterlandes gehört.
Doch hat sie auch noch ein anderes Interesse. Sie ist »ein Tanzplatz des blutigen Ares.« Es sind seit den ältesten Zeiten hier viele blutige Schlachten geliefert worden. Schon 1040 besiegte hier der Herzog Břetislav die von Meissen kommenden Truppen des deutschen Kaisers Heinrich II. Im J. 1126 umzingelte Herzog Soběslav die vereinigten Heere des Königs Lothar und des Markgrafen Otto von Meissen. Diese erlitten hier eine schwere Niederlage. Nach deutschen Quellen fielen hier über 270 Grafen und Edle. Der Grossmuth Soběslav's verdankte Lothar den freien Abzug. Das Treffen fand am Sernitzbache statt, der, im Erzgebirge entquellend, bei Kulm und Karbitz vorbeifliesst und unweit von Aussig in die Biela mündet. Viel blutiger aber war die Schlacht am 16. Juni 1426. Die Hussiten hatten unter Prokop auf dem niedrigen, zwischen Karbitz und Türmitz sich hinziehenden Bergrücken, der Bihana, ihre Wagenburg errichtet. Das Kreuzheer der Deutschen rückte durch die Pässe des Erzgebirges herein und griff die Hussiten an. Die wehrten den Angriff ab und gingen nun selbst vor. Es entstand nun ein furchtbares Gemetzel. Die Hussiten wüthend darüber, dass man auf ihr Ansuchen, am Sonntag die Waffen ruhen zu lassen, nicht eingegangen war, gaben keinen Pardon. Die Biela soll, wie eine Chronik meldet, an diesem Tage roth zur Elbe geflossen sein. 15.000 Theilnehmer des Kreuzzuges deckten die Walstatt. Bei einem Baume auf der Bihana zeigt man das sogenannte Blutloch, wo 14 sächsische Heerführer den Tod fanden. Aussig wurde vernichtet und lag 3 Jahre öde. Eine grosse Zahl von Burgen und Schlössern, viele Klöster sanken in Ruinen. Und noch einmal sollte dieser Boden mit Blut gedüngt werden. Am 27. Aug. 1813 hatte Napoleon die Verbündeten bei Dresden geschlagen und diese zogen sich zum Theil in die Pässe des Erzgebirges zurück und zwar Fürst Schwarzenberg über Dippoldiswalde und Altenburg, Ostermann und Barcley auf der über Peterswalde nach Teplitz führenden Strasse. Vandamme sollte sie mit 30.000 Mann verfolgen und die Niederlage vollständig machen. Am Tage der Dresdner Schlacht war er von Pirna aufgebrochen und drängte den russischen General Ostermann-Tolstoi über die Nollendorfer Höhe in die Ebene herab. Ostermann, die grosse Gefahr der Verbündeten sehend, suchte mit seinem Häuflein Russen, etwa 8000 Mann, die Franzosen so lange aufzuhalten, bis sich die Preussen und Oesterreicher genähert hatten. Am 29. August hielt er, trotzdem ihm eine Kanonenkugel den linken Arm zerschmettert hatte, Stand, bis endlich Abends 6 Uhr Schwarzenberg ihm Hilfe schickte. Vandamme besetzte Kulm und erwartete Hilfe von Napoleon. Der aber theils im Glauben, dass Vandamme stark genug sei, theils mit dem neuen Plane umgehend, die Nordarmee unter Bernadotte anzugreifen, schickte sie nicht. Am 30. August stand daher die Sache für die Franzosen ungünstig. Die beiden Divisionen des Generals Colloredo hatten sich mit den Russen vereinigt und längs der ganzen Strasse von Pristen an bis Arbesau wogte die Schlacht. Die russische Angrifflinie ging vom Fusse des Gebirges über die Kulmerstrasse von Pristen bis gegen Karbitz, die österreichische von da bis gegen Deutsch-Neudörfel, Graf Colloredo hatte die Franzosen umgangen und durch einen brillanten Angriff von der Střisowitzer Höhe herabgedrängt. Die Preussen standen bei Arbesau. Mit welcher Heftigkeit gekämpft wurde, konnte man an einem mässig starken Baume bei Kulm sehen; er war von 60 Kugeln durchlöchert. Um 11 Uhr erschienen die Preussen unter Kleist, besetzten die Peterwalderstrasse und griffen die Franzosen an. Alle ihre Versuche, die Nollendorfer Höhe zu stürmen, scheiterten. Die Reiterei unter Corbineau entkam allein. Nachdem sie mit ausgezeichnetem Muthe gefochten, Vandamme war selbst verwundet, mussten sich 10.000 Mann ergeben; 5000 lagen todt oder verwundet auf dem Kampfplatze. Die Vernichtung eines ganzen französischen Corps, die Gefangennahme eines erfahrenen und tapferen Generals (Vandamme, einer der fähigsten und energischesten Generale Napoleons, geb. 5. Nov. 1771 in Kassel, war 1799 bereits Divisionsgeneral, wurde nach seiner Gefangennahme nach Sibirien verbannt, kehrte 1815 zurück und starb, ohne mehr eine Anstellung zu bekleiden, den 15. Juli 1830 in Kassel), erfüllte die Verbündeten mit neuen Hoffnungen. Für Napoleon war diese Niederlage, sowie fast gleichzeitig verlorene Schlacht an der Katzbach der Anfang in der verhängnissvollen Wendung seines Schicksals. Der Sieg wurde in Teplitz, von wo am 31. Aug. der Bericht in den Zeitungen veröffentlicht wurde, am 1. und 2. Sept. gefeiert. Doch war noch nicht hier alle Gefahr beseitigt. Denn auf den Höhen des Erzgebirges kam es zu neuen Gefechten. Napoleon zog einen grossen Theil der Truppen zusammen und suchte über Nollendorf in Böhmen einzufallen. Der wichtigste Tag war der 17. Sept. Die Franzosen waren bis Arbesau vorgedrungen, Napoleon war in Nollendorf auf dem Kirchthurme; später wurde ein Pferd unter ihm verwundet. Doch wurden seine Truppen verdrängt und in grösster Unordnung zurückgeworfen, General Kreutzer mit 2000 Mann gefangen. Hiebei zeichneten sich besonders Oesterreicher unter Feldzeugmeister Grf. Colloredo-Mansfeld aus. Teplitz war während dieser ganzen Zeit das Quartier der alliirten Monarchen. Kaiser Franz wohnte im Schlosse, Kaiser Alexander im »goldenen Kreuz«, König Friedrich Wilhelm im »Herrenhaus«. General Ostermann, der zuerst am Schlachtfeld, ungefähr an der Stelle, wo jetzt das russische Monument steht, amputirt wurde, lag im Hause Nr. 181 »Zur goldenen Brücke«, wo er nochmals operirt und glücklich hergestellt wurde. Im Teplitzer Thale hatte sich nun das ganze Hauptheer der Verbündeten an 200.000 Mann gesammelt, um Anfangs October gegen Leipzig aufzubrechen. Es sei aus dieser Zeit noch zweier Tage erwähnt. Am 9. Sept. 1813 wurden im Teplitzer Schlosse die Freundschafts- und Allianz-Tractate zwischen Oesterreich, England, Russland und Preussen unterzeichnet und ratificirt. Am 27. Sept. wurde der Jahrestag der Thronbesteigung Kaiser Alexanders gefeiert. Die russische Garde hatte in Turn im Hause Nr. 37 einen Saal für 300 Personen errichtet; an dem Festmahle nahmen die drei Monarchen, sowie die Spitzen der Diplomatie und der Heere Theil.
Mehr wie ein halbes Jahrhundert hat die Spuren des Krieges verwischt, aber jeder wird der gefallenen Helden gedenken, wenn seine Blicke den Denksäulen begegnen, die in dankbarer Verehrung den Kämpfern jener Tage errichtet wurden. Sie stehen alle an der Strasse, die von Teplitz über Kulm nach Peterswalde führt. Das nächste, etwa 1½ St. von Teplitz entfernte ist das russische, unweit von Pristen, welches auch in künstlerischer Beziehung das hervorragendste ist. Auf einem Granitsockel erhebt sich das Fussgestell, welches die 9 Fuss hohe Nachbildung der in Brescia aufgefundenen geflügelten Siegesgöttin Victoria trägt. Die Vorderseite hat eine lat. Inschrift, welche das Factum vom 28. Sept. 1813 berichtet, die der Rückseite gibt den Tag der Grundsteinlegung (am 29. Sept. 1835) und die Namen der Monarchen, welche Zeugen dieser Feierlichkeit waren, die zweite und vierte Seite enthalten ebenfalls lat. Widmungsinschriften, ohne, wie mehrfach in Führern zu lesen ist, die Namen russischer Krieger aufzuführen. Um das Monument ist ein kleiner Garten; der in dem dabei befindlichen Häuschen wohnende Veteran ist der Custos.
Gleich hinter diesem Monument sieht man ein von der Strasse in einer ¼ St. erreichbares Wäldchen. Das ist eine sehr denkwürdige Stelle. Denn selbst eine geraume Zeit nach der Schlacht stellte es sich heraus, dass im Waldgebirge, auf allen Feldern, in Schluchten und Abgründen eine Menge Schädel und Gebeine der Gebliebenen fast zu Tage lagen. Da liess Josef Graf Westfalen durch hunderte von Arbeitern alle diese menschlichen Ueberreste sammeln und in einem grossen gemeinsamen Grabe feierlich beerdigen. Es steht dort über Felsenstücken ein Steinkreuz und an seinem Fusse liest man die Worte:
Hier ruhen die in den nahen Wäldern in neuerer Zeit noch aufgefundenen Schädel und Gebeine von den an den Schlachttagen 1813 Gebliebenen.
Sie ruhen im Frieden. 1835.
Die feierliche Einweihung geschah erst am 26. Aug. 1836.
Von hier erreicht man bald Kulm[3] selbst. Hier ist ein Schloss der Grafen Westfalen. Das Dorf hat etwa 120 Häuser und gegen 700 Einwohner. Als Gasthäuser sind die Morgenröthe und Gürtlers Gastwirthschaft zu empfehlen. Nachdem in den Schlachttagen der ganze Ort fast in Flammen aufgegangen war – es blieben nur die Kirche, das Pfarrgebäude und wenige Häuser verschont – ist er in seiner jetzigen Gestalt grösstentheils neu erbaut. Sonntag am 29. Aug. 1813 ging es hier gar fröhlich zu. Vandamme hielt offene Tafel, der hier vorgefundene Wein floss in Strömen. »Jeudi, messieurs nous dinerons à Prague«, rief er seinen Offizieren zu. Es erfüllte sich die Prophezeiung, er kam bald nach Prag, aber als Gefangener. Der Hügel nördlich von Kulm bietet eine hübsche Aussicht, aber nicht nach allen Seiten, und trägt die im J. 1691 errichtete Dreifaltigkeitskapelle.
[3] Station der Dux-Bodenbacher Bahn, etwas über 20 Min. vom Bahnhof entfernt, vom Karbitzer Bahnhof 1 Stunde.
Auf derselben Strasse den Weg fortsetzend, gelangt man nach etwa einer halben Stunde zu dem links von der Strasse stehenden preussischen Monumente. Es ist einfach und anspruchslos, auf einem Piedestal erhebt sich eine Spitzsäule,[4] die von einem eisernen Kreuze gekrönt wird. Die kurze Inschrift lautet: Die gefallenen Helden ehret dankbar König und Vaterland. Sie ruhen im Frieden. Kulm, 30. Aug. 1813. Es wurde vom preussischen Könige Friedrich Wilhelm III. errichtet und am 30. Aug. 1817 feierlich enthüllt. Es ist daher das erste Monument. Rechts von der Strasse liegt der Ort Arbesau mit etwa 400 Einwohnern in gegen 70 grösstentheils neu gebauten Häusern. Einige Schritte auf der Chaussee weiter, an dem Invalidenhäuschen und dem Wirthshause zur Post vorüber, erblickt man rechts an der Strasse das österreichische Monument. Es ist 54 Fuss hoch und stellt eine auf gemauertem Piedestal stehende vierseitige Pyramide vor, deren Spitze der österreichische Doppelaar, einen Lorbeerkranz haltend, schmückt.
[4] Im Jahre 1857 wurde das Monument erhöht und man sieht nun das Brustbild Friedrich Wilhelms III. und den preussischen Adler.
Am Fusse der Pyramide liegt der böhmische Löwe. Der unterste Würfel trägt folgende Inschriften:
Vorn:
Den Feinden furchtbar,
den Seinen theuer.
Rechts: Das österreichische Heer einem seiner Führer auf dem Felde des Ruhmes.
Hinten: Arbesau, am 17. Sept. 1813.
Links: Dem Vaterlande und seinen Freunden zu früh entrissen.
Weiter befinden sich am untern Theile der Pyramide folgende Basreliefs und Inschriften:
Vorn: Das Bildniss des Verewigten mit der Umschrift:
Hieronymus Graf Colloredo-Mannsfeld,
k. k. General-Feldzeugmeister.
Rechts: Geboren den 30. März 1775.
Hinten: das gräfliche Wappen.
Links: Gestorben den 23. Juli 1822.
Eine Balustrade umgibt das Piedestal.[5]
[5] Es sei noch erwähnt, dass Graf Colloredo unweit des Denkmals ein Pferd unter dem Leibe verlor.
Es ist das Denkmal vom österr. Heere errichtet und am 17. Sept., dem Tage der Schlacht von Arbesau – nicht zu verwechseln mit der Schlacht bei Kulm – im Jahre 1825 eingeweiht worden.
In einer kleinen Entfernung davon befindet sich noch ein Denkmal, und zwar am Bache auf dem freien Felde. Ein grosser unbehauener Felsblock trägt ein 5 Fuss hohes eisernes Kreuz. Es ist das ein Andenken an den am 30. Aug. 1813 gefallenen preussischen Major von Röder. Das Gitter am Eingang trägt das Wappen des Verstorbenen.
Das wären alle Denkwürdigkeiten der Ebene. Die am Fusse des Erzgebirges liegenden Orte sind bei diesem erwähnt.
III. Das Erzgebirge und das Quadersandsteingebirge.
(Von Niklasberg bis zum Elbethal.)
Diese beiden Gebirgssysteme sind geologisch wesentlich verschieden und bieten daher landschaftlich ganz andere Bilder. Als Grenze zwischen beiden kann man die von Königswalde über Tyssa nach Raitza führende Strasse im allgemeinen gelten lassen.
Das Erzgebirge hat hier keine Vorberge gegen die Ebene mehr. Die Längenthäler hören ganz auf, die Querthäler werden oft schluchten- oder passartig und führen auf das Plateau hinauf. In Beziehung auf die Höhe, die am östlichsten Ende des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswald bis zu 630 m. herabsinkt, sowie auf die Mannigfaltigkeit der Gliederung steht dieser östliche Theil dem westlichen weit nach und je weiter man ostwärts schreitet, desto grösser wird die Einförmigkeit, sowohl in geologischer als orographischer Beziehung.
Es zerfällt dieser Theil des Erzgebirges in zwei Gebiete. Das des Porphyrs (desselben wie in Teplitz) von der Niklasberger bis etwa zur Mückenberger Strasse, und das des Gneises, von hier bis zum Quadergebirge. Doch findet sich Granit vor im Norden von Ebersdorf und bei Sellnitz, der Spitzberg nördlich von Schönwald ist merkwürdigerweise ein Basaltkegel.
In touristischer Beziehung gehört dieser Theil zu den dankbarsten Gebirgen. Man findet da herrliche Thäler mit schönen Wiesen und bewaldeten Abhängen, schattige Wälder, reizend gelegene Ortschaften; besonders anziehend sind die häufigen stets wechselnden grossartigen Aussichten auf die Ebene mit ihren vielen Städten und Dörfern, Feldern und Eichen und immer ist dieses Bild durch den Hintergrund des gipfelreichen Mittelgebirges abgeschlossen. Die Wanderung ist eine leichte, eine grosse Zahl guter Strassen und Wege bietet sich dar. Auch für Unterkunft ist gesorgt, man findet in den weit sich hinziehenden Wäldern bald Forsthäuser, die allerlei Erfrischungen im Vorrath haben, bald erreicht man grosse Dörfer mit verschiedenartigen Industrien. Diese haben Gasthäuser, in denen man das Nothwendige für Ruhe und Erquickung vorfindet. Eine besondere Annehmlichkeit bietet die längs des ganzen Gebirges sich am südlichen Abhange dahin windende Dux-Bodenbacher Eisenbahn, man hat eine leichte Verbindung mit den grösseren Städten (Teplitz, Brüx, Aussig, Bodenbach). Aber auch das Plateau hat seine Reize, hier seien vorläufig nur erwähnt die weiten Ausblicke in das Sachsenland. Und schliesslich hat noch das Erzgebirge auch in diesem Theil etwas vor den anderen Gebirgen Deutschlands voraus: ein fleissiges Volk wohnt da, jedes Dörfchen, jedes Städtchen ist die Stätte ununterbrochenen Gewerbfleisses.
Von Teplitz aus dürften sich folgende Touren am besten empfehlen:
I. Nach Kosten und Niklasberg.
Kosten erreicht man am bequemsten, wenn man von Teplitz per Bahn (Dux-Bodenbacher Bahnhof eine ¼ St. von der Stadt auf der Eichwalder Strasse) dahin fährt, da die hinführenden Wege nur wenig Interessantes haben. Die Station Kosten beim Orte selbst. Man gehe durch den Ort zu der schon von weitem sichtbaren neuen Kirche zu, der Weg bietet eine hübsche Aussicht auf das Gebirge und die Ebene. Unweit der Kirche ist der Eintritt in den Park; die gerade ausführende Strasse führt über Doppelburg nach Eichwald (1 St.), ein sehr zu empfehlender Weg, der eine Fülle von schönen Waldpartien, Durchsichten, Wiesen bietet, und speciell sei hier einer altehrwürdigen Eiche mit gewaltigen weithin ragenden Aesten gedacht. Das Jagdschloss, dem Fürsten Lobkowitz gehörig, hat eine sehr anmuthige Lage. Die an der Wegtheilung links abgehende Strasse führt nach Niklasberg (1½ St.). Um nun zu dem prachtvollen, aber wenig bekannten Aussichtspunkte Wolfstein zu kommen, verfolge man diese Strasse von Kosten aus fort immer gerade aus. Nach einer ½ St. erreicht man das in Waldeseinsamkeit versteckte Forsthaus Fuchshütte oder Fuchswarte, wo Erfrischungen zu haben sind. Bisher können Wägen fahren. Wenn man auf einem ziemlich steilen Wege etwa 20–30 Min. aufwärts gestiegen ist, achte man auf einen links abgehenden schmalen, aber ausgetretenen Pfad. Schon nach wenigen Minuten hat man die merkwürdige Porphyrformation des Wolfssteines vor sich.
Eine kleine Holzhütte bietet Ruhe und Erholung.
Die Aussicht von hier wird von Vielen jener vom Mückenthürmchen gleichgestellt. Man überblickt ein weites wechselvolles Panorama. Im Norden und Osten ein herrlicher Wald, der sich stundenweit an den Abhängen des Erzgebirges hinzieht, und den kein anderer Aussichtspunkt in solcher Masse überblicken lässt. Gegen Süden und Westen die Ebene mit allen ihren oft schon erwähnten Schönheiten, die den Blick auf sie immer neu und immer reizend machen.
Darauf geht es zurück auf jenen Weg, der dann nach etwa ¼ Stunde auf eine Strasse trifft. Geht man nun nach links, erreicht man in einer halben Stunde Niklasberg, nach rechts führt die Waldstrasse in etwa 1 Stunde nach Eichwald.
Niklasberg ist eine auf einem Abhange gebaute Bergstadt, die ehemals, als noch der Silberbergbau sich lohnte, sehr wohlhabend war. Heute leben die Einwohner (etwa 600) zumeist von der Oekonomie. Das vorzüglichste Gasthaus ist das zum Rathhaus mit guter Unterkunft. Empfehlenswerthe weitere Touren von hier sind:
1. Nach Zaunhaus und Rehefeld (königl. sächsisches Jagdschloss). Der Weg, reich an landschaftlichen Schönheiten, geht rechts von der aus Niklasberg nach Neustadt über die Grenze – nächster grösserer Ort in Sachsen ist Frauenstein (3 St.) – führenden Strasse. Man steigt unweit der Stadt (keine Viertelstunde) rechts auf den Hügel an der Strasse. Die Partie über Rehefeld nach Altenberg oder Geising (beides sächsische Städte mit guter Unterkunft) beträgt etwa 3 St.
2. Zum Jagdschloss nach *Eichwald (2 St.). Der Weg dahin ist eine etwa 20 Min. steil aufsteigende, zerfahrene Waldstrasse. Später bietet sie eine grossartige Aussicht über den waldigen Abhang in die Ebene.
3. Nach Klostergrab und Kosten durch den sogenannten Hüttengrund. Es ist das ein sehr anmuthiger, von einem starken Bache durchrauschter Thalweg.
An seinem Ende eine gute Restauration. Von Niklasberg nach Kosten etwa 1½ St., so dass die ganze Tour über den Wolfsstein sich bequem in 4 Stunden machen lässt.
II. Nach Eichwald-Doppelburg-Zinnwald.
Von Teplitz führt nach Eichwald eine gute Strasse in 1 Stunde an Zuckmantel vorbei, dessen Bessemerstahlwerk besichtigenswerth. Auch zahlreiche Omnibusse stellen die Verbindung her mit diesem aufstrebenden klimatischen Kurorte. Ein anderer, etwas längerer Weg, der mehr Abwechslung bietet, führt durch die Orte Weisskirchlitz (auch über Turn) und Wistritz an mehreren grossen Industrie-Etablissements vorbei.
Eichwald – der lohnendste und beliebteste Ausflugsort von Teplitz aus – erstreckt sich mit seinem oberen Theile tief in das Erzgebirge hinein. Einen besonderen Reiz gewähren die zahlreichen Aussichtspunkte, die immer wechselnde Bilder zeigen, sowie die sich weit hinziehenden wenig oder nur sanft ansteigenden Spaziergänge durch die schattigen und duftenden Waldungen, wo man eine würzige und kräftigende Luft athmet.
Die Zahl der zur Aufnahme von Kurgästen vollkommen eingerichteten Kurhäuser und der geschmackvollen Villen im steten Zunehmen begriffen.
Kuranstalten sind die von Dr. Brecher vorzüglich geleitete Kaltwasserheilanstalt und das im Jahre 1879 erbaute grossartige, musterhaft eingerichtete Theresienbad. Beide bieten verschiedenartige Bäder nach medicinischen Vorschriften.
Restaurationen und Gasthöfe: Das Waldschlösschen, Waldesruhe, Dankbarkeit und Theresienbad. Besonders kann das letzte eine grosse Zahl Fremder aufnehmen. Die Preise sind im Ganzen dieselben, wie in Teplitz. Die Kurtaxe beträgt 2 fl. per Person.
Ein Post- und Telegraphenamt ist ebenfalls im Orte.
Besuch von Kurgästen (bis über 600 oft aus weiter Ferne) sowie der Touristenverkehr sind im steten Aufsteigen begriffen.
Um die Hebung des Ortes hat sich besonders verdient gemacht der bekannte Industrielle Anton Tschinkel aus Lobositz, der auch im unteren Theile des Ortes eine grosse Siderolithwaarenfabrik besitzt.
Partien von Eichwald aus.
In der unmittelbaren Umgebung, östlich von der Hauptstrasse:
1. Der Mühlberg mit einem »Tempel«, der eine grossartige Fernsicht bietet.
2. Der Vogelherd (auch Schlichtelberg), dessen Aussicht deswegen interessant ist, weil man keine Häuser, sondern nur weite Bergrücken mit prachtvollen Waldungen überblickt.
3. Der Parapluieberg (nur ein kleiner Hügel), ein angenehmer Ruhepunkt.
Westlich von der Strasse auf den Rehberg.
4. Die Manfredterrasse, von der man das ganze Eichwalder Thal mit seinen Villen und Wohnhäusern übersieht.
5. Die Franz Josef-Terrasse (Restauration) mit einem weiten Ausblick in die Ebene.
Weitere Touren sind:
a) *Doppelburg (½ St.), ein 1703 im chinesischem Geschmacke erbautes Jagdschloss in der Form eines achteckigen Sternes, dessen Spitzen ebensoviel in den Wald gehauenen Alleen entsprechen. Die Restauration unter hohen Bäumen vor einer Wiese. In ihrer Nähe immer einige Hirsche, die durch Gewohnheit so zahm geworden sind, dass sie sich dargereichtes Brod aus der Hand holen.
b) *Schweissjäger (20 Min.), ein mitten im Walde gelegenes Försterhaus mit prachtvoller Fernsicht (Restauration).
c) Das fürstliche Lobkowitz'sche Jagdschloss, auch Jagdhaus genannt (1½ St.). Man geht auf der Strasse von Eichwald gegen Zinnwald bis zu der Lobkowitz'schen Brettmühle, von hier geht links eine Strasse ab, die hinauf führt. Das Forsthaus liegt sehr hübsch, die Aussicht lohnend. Der eigentliche Aussichtspunkt liegt etwa ¼ St. weiter, dürfte aber gegenwärtig verwachsen sein.
d) Der *Seegrund, eine angenehme Waldpartie, die für den Geologen, Naturforscher und Forsttechniker manches Interessante haben wird. Man geht auf der Zinnwalderstrasse bis zur Försterei Seegrund (auch eine Mühle und Restauration) (von Eichwald 1½ St.) hier links ab durch einen Durchschlag bis zu dem Moorgrund (gegen 2 St. Umfang), wo die Mooskiefer in dem Torf- und Moosboden gedeihlich wächst.
Dass solche Moore kolossale Wasserreservoire sind, sei als bekannt hier nur erwähnt.
e) Zinnwald, ein ausgedehntes Dorf, das in Böhmisch- und Sächsisch-Zinnwald zerfällt. Von Eichwald etwa 2 St. entfernt. Fussgänger mögen vor der Seegrundmühle oder gleich nach ihr die Strasse rechtsab verlassen, um die letzte Serpentine zu vermeiden.
Es liegt auf dem Kamme des Erzgebirges und hat den grössten Theil des Jahres ein sehr rauhes Klima, das meist nur die Kartoffel aufkommen lässt. Das Getreide wird selten reif, es muss oft noch unter Schneewehen gemäht und kann dann nur als Viehfutter verwendet werden. Wer da hinaufkommt, staunt über den klimatischen Contrast, den schon eine Entfernung von 2 Stunden bewirkt. Wenn unten im Flachlande drückende Hitze herrscht, ist hier oben eine kühlende Frische. In den Sommermonaten ist daher ein Spaziergang hinauf sehr angenehm.
Von Gasthäusern für längeren Aufenthalt und Nachtherberge sind empfehlenswerth: »Zur Saxonia«, »Biliner Bierhalle« und »Der sächsische Reiter.«
Sehenswerth sind folgende Punkte:
Auf der Strasse unweit vom österr. Zollamt bei einer alten Eiche ist eine hübsche Aussicht auf den Schneeberg, den König- und Lilienstein;
dann beim sogenannten »alten Forsthause« oder bei dem »Schupfenhau«; und südlicher, mehr landeinwärts bei den »Brücken oder bei dem Lugstein«, hier »Lochstein« genannt. Es ist hier der höchste Punkt von Zinnwald.
Ein weiterer herrlicher Aussichtspunkt ist der *Geisinger Berg bei der Stadt Altenberg und Geising (ersteres ¾ St., letzteres ½ St. von Zinnwald) gegen Norden. Er soll einst ein Vulcan gewesen sein. Auf der Spitze, zu der ein schöner Fussweg führt, steht ein Ahornbaum, der durch eine Wendeltreppe erstiegen werden kann. Die Aussicht wird jeder Besucher zu den schönsten zählen.
In Altenberg sind die Pochwerke und Zinnschmelzereien, sowie die »grosse Pinge«, eine Erdsenkung, sehenswerth.
Von Zinnwald kann man in 1½ St. gegen Westen das Dorf Zaunhaus (schon erwähnt) auf einem sehr hübschen Fahrwege durch den Wald erreichen, daselbst das Jagdschloss des sächs. Königs »Rehefeld«.
Nordwestlich von Zinnwald liegt mitten im Walde der *Kahlenberg, dessen Thurm eine weite Fernsicht bietet. Der Schlüssel ist in dem eine ¼ St. entfernten Gasthause »Zum Paradies« auf der Zaunhaus-Altenberger Strasse zu bekommen.
Der Kahlenberg ist von Hinterzinnwald in 1 St., von Altenberg in ½ St. zu erreichen.
Weitere Ausflüge sind nach den sächsischen Städten Bärenstein und Lauenstein.
Zu erwähnen ist noch, dass die Gegend bei Zinnwald für Naturforscher, besonders Mineralogen, Geologen und Botaniker sehr interessant ist. Die Zinnbergwerke sind wegen des billigen Zinnes nicht mehr im Betrieb. Die Bewohner leben meist von Bast-, Holz- und Strohflechtereien, sowie von Waldarbeiten.
f) Siebengiebel und Vorderzinnwald. Von Eichwald auf der vom Fürsten Clary gebauten Strasse – an der Claryschen Sägemühle vorbei – in 1½ St. erreichbar; der Weg führt durch schönen Wald, die Neigung gering. Wo der Wald an der Südseite der Strasse aufhört, fängt eine weite Aussicht über das Teplitzer Thal an; der Bergrücken, von dem aus man sie geniesst, heisst der »Eisknochen«. Siebengiebel ist ein anmuthig gelegenes Försterhaus, Erfrischungen sind daselbst zu haben.
Vorderzinnwald ist von hier kaum eine Viertelstunde, (Hinter-) Zinnwald eine halbe Stunde entfernt.
III. Mückenberg-Graupen-Mariaschein.
Graupen ist zu erreichen von Teplitz aus entweder auf der Strasse über Turn (bei der Mauth links ab), Soborten an der Prokopikirche, auch Bettelmannskirche genannt, weil der Sage nach von einem Bettelmann aus Almosengeldern erbaut, stand schon im 12. Jahrh., vorbei (hier bei der Restauration links ab) rechts geht es nach Mariaschein, in etwa 1½ St.
Angenehmer und kürzer ist folgender Weg; man geht durch den Park von Probstau, an der Strasse in nordwestlicher Richtung einige Schritte fort bis dorthin, wo sich die Strasse nach Norden (zu dem Orte Judendorf) dreht, hier verlässt man sie, um an einem Kreuze über einen Bach zu schreiten. Der weitere Weg ist nicht zu verfehlen, da man Graupen vor sich sieht.
Man passirt die Bahnstrecke (Dux-Bodenbacher, Station Rosenthal), daher auch mit der Bahn zu erreichen.
Setzt man nun den Weg gleich hinter der Station gegen das Gebirge fort, so gelangt man an die Eichwald-Graupner Strasse, diese passirt man schräg rechts und findet sofort wieder einen Pfad, der dann sowohl auf die Rosenburg, als auf die Wilhelmshöhe und in den Ort Graupen führt. Von Eichwald führt die erwähnte Strasse in 1 Stunde über Pihanken, Dreihunken, Judendorf hin. Auf ihr schöne Aussicht auf das Thal.
Graupen, Bergstadt, an 3000 Einw. zählend, die sich von Kohlen-Zinnbergbau, der Fabrication von Wirkwaaren, Dachpappe und Korbflechtereien nähren, ist ein Specificum in seiner Erscheinung. Es ist sehr lang in das mitunter ziemlich steilsteigende schmale Thal hineingebaut. Die Bauart oft alterthümlich. (Gasth. Stadt Dresden.) In der Kirche ist eine Darstellung des Fegefeuers sehenswerth. Zu erwähnen ist die heilige Stiege, die man kniend zu erklimmen pflegt.
Aussichtspunkte sind: a) die *Wilhelmshöhe, nach König Friedrich Wilhelm III. von Preussen benannt, dessen Lieblingsplatz das hier war. Die Aussicht prachtvoll, die Restauration sehr gut.
Etwas höher ist b) die *Rosenburg, die Aussicht daher auch weitgreifender, ohne bedeutenden Unterschied. Es ist hier eine Ruine, die nach den erhaltenen Resten zu schliessen, eine der schönsten und grössten in Böhmen sein musste. Sie wurde um 1330 von Timo von Kolditz erbaut, von den Taboriten auf ihrem Zuge gegen Sachsen 1429 erstürmt, wurde jedoch bald darauf wieder hergestellt, 1584 kam sie in kaiserlichen Besitz, 1619 kaufte sie die Stadt. Mit dem traurigen Verfall der ehemals wohlhabenden Stadt Graupen verfiel sie auch selbst. Der mittlere Theil der Ruine ist in einen Rosengarten verwandelt und bietet einen herrlichen Anblick. Die Fernsicht von dem Pavillon ist eine der reizendsten. (Restauration.)
Eine etwas weitere Partie, aber jedenfalls die lohnendste ist der Mückenberg mit dem Aussichtspunkte *Mückenthürmchen, das zugleich Restauration ist und selbst für die Nacht gute Unterkunft bietet
Es führt eine Chaussée hinauf, die Hauptstrasse aber in Graupen, die sich dann nach Sachsen fortsetzt, in das Müglitzthal nach Lauenstein und Bärenstein, in etwas mehr als 1½ St. Der Wanderer zu Fuss kann oberhalb Graupen, bei einer grossen Biegung der Strasse nach links, rechts auf einem etwas steileren, aber kürzeren Weg über die Ortschaft Obergraupen entweder wieder die Strasse erreichen, dann beim Mauthaus rechts, an der 1700 erbauten Sct. Wolfgangskapelle vorbei, oder direct auf leicht auffindbaren Pfaden zu der Restauration gelangen.
Das Mückenthürmchen nimmt eine derartige isolirte Stellung ein, dass die Aussicht nach allen Seiten ungehemmt ist. Am grossartigsten ist der Blick nach Böhmen. Als Grenzpunkte der Aussicht seien erwähnt: nach Süden über den gar merkwürdig klein erscheinenden Schlossberg weg sind es die Höhen des Mittelgebirges; im Südosten der Geltsch, der Říp bei Raudnitz, die Bösige und der Jeschken bei Reichenberg. Im Osten in weiter Ferne der Höhenzug des Riesengebirges, die Lausitzer Berge und der Iserkamm. Nach Norden hin ist die Aussicht weniger bedeutend, gar auffällig ist der Gegensatz der rauhen, ziemlich unfruchtbaren, an Abwechslung armen Gegenden gegen die fruchtbare Ebene im Süden. Man sieht die Elbhöhen bei Dresden und bei sehr klarem Wetter durch ein gutes Fernglas hat Schreiber dieses die Thürme der kath. Kirche in Dresden gesehen. Nach Westen sieht man die Fortsetzung des Erzgebirges; über Ossegg, an seinen rothen Thürmen leicht kenntlich, ragt der schon erwähnte Wieselstein, in weiter grauer Ferne der Fichtelberg bei Joachimsthal und noch das Fichtelgebirge (Ochsenkopf?) hervor. Die Rundschau umfasst einen Kreis von 350km Durchmesser. Die Aussicht wird von vielen mit der vom Brocken und der von der Schneekoppe verglichen.
Erwähnt sei noch die uralte Glocke im Thurme, die einst den Bergleuten zum »Einfahren« in die Zinnwerke geläutet haben soll, dann weiter der grosse Erdsturz unmittelbar bei dem Gebäude.
Von hier gehen Wege ab: über Siebenhügel nach Zinnwald 1½ St. und Eichwald (2½ St.), über Voitsdorf in das Müglitzthal (1 St.), über Ebersdorf, Streckenwald nach Schönwald (Spitzberg) (2½ St.) oder von Streckenwalde zur Nollendorfer Höhe (2½ St.), endlich noch über Ebersdorf nach Adolfsgrün und Hintertellnitz, dann durch das Tellnitzer Thal zur Station Tellnitz über 3 St.
*Mariaschein (Station der Aussig-Teplitzer E. etwa 20 Min. entfernt) ist von Teplitz eine Stunde, von Graupen einige Minuten entfernt. Es ist als wunderthätiger Wallfahrtsort weithin bekannt, von Pfingsten bis Ende December kommen zahlreiche Processionen von Nah und Fern allwöchentlich hier an. Die Kirche, reich ausgestattet – das Gnadenbild in goldener Kapsel am Hochaltar – ist von einem Kreuzgange umgeben, in welchem sich zahlreiche Kapellen der Clary-Waldstein, Lobkowitz und mehrerer Städte befinden. Die vielfach beschädigten Wandgemälde haben Bezug entweder auf die Gründung des Klosters oder auf stattgefundene Wunder.
Ueber die Entstehung des Gnadenortes erzählt die Sage Folgendes: Nach der Zerstörung des Nonnenklosters in Schwaz durch die Hussiten verbargen die fliehenden Nonnen die Holzfigur »Maria mit dem entseelten Körper ihres Sohnes im Schoosse« in das Laubwerk einer Linde. Als nun eine Magd in der Nähe dieses Baumes von einer Schlange angegriffen wurde, rettete sie ein flehender Blick zu dem plötzlich offen erscheinenden Gnadenbilde. Das nun dadurch bald berühmt gewordene Bild wurde nach Graupen feierlich abgeholt, verschwand aber mehreremal auf den früheren Ort. 1442 wurde daselbst von Albert von Kolowrat eine Kapelle erbaut, und der Ruf des Gnadenbildes ging damals schon weit. 1507 wurde eine Kirche, 1584 von Popel von Lobkowitz ein Kreuzgang mit mehreren Kapellen erbaut, seit 1591 hatten Jesuiten hier die Aufsicht. 1602 kam das Gut Geiersburg, zu welchem ausser Sobochleben das Graupner Vorwerk »die Scheune« (eben der Gnadenort) gehörte, um diese Zeit schon ein förmliches Dörfchen, an den Protestanten Kekule von Stradonitz; die Kirche war aber von diesem Besitze ausgeschlossen. Am 5. Juni 1618 flohen die Jesuiten mit dem Gnadenbilde nach Dux. In der Kirche predigten Protestanten. Aber nach der Schlacht am Weissen Berge trat ein Umschwung ein; Kekule starb am Schlagfluss, als ihm die Confiscirung seiner Güter gemeldet wurde. Der kais. Oberstwachmeister Alex. Regnier, Ritter von Bleileben wurde der Besitzer. Da sein Sohn, der hierorts berüchtigte Hans von Bleileben, von schwedischen Officieren aus unbekannten Gründen nach einem Male getödtet wurde – er liegt in der Graupner Kirche begraben – vermachte seine Mutter, geb. von Pichelberg, 1662 das Gut Sobochleben an die Jesuiten. Der Ort führte von da an den Namen Mariaschein statt wie bisher Mariascheune. 1679 Gründung der Lateinschule. 1773 wurde bei der Auflösung des Ordens die Herrschaft Sobochleben eingezogen, aber 1806 an die hier seit 1779 (eigentlich erst 1798) bestehende Probstei zurückgegeben. Seit 5. Dec. 1852 besteht die Verfügung, dass der Ordinarius (Bischof) von Leitmeritz unumschränkter Verwalter des Kirchengutes sei. Bald darauf zogen die Jesuiten wieder ein. Heute haben sie in dem südlich von der Kirche befindlichen Gebäude ein Obergymnasium mit einer Pensionsanstalt. Vom 11. bis 28. Sept. 1813 war das Kloster und der Kirchgang von Preussen befestigt worden.
Der Besucher vergesse nicht auf den Wunderbrunnen mit erfrischendem klaren Wasser im Vorhofe und auf den Fressbrunnen ausserhalb des Klosters, eine eisenhaltige kalte Quelle; ihr Genuss soll Appetit erregen.
IV. *Geiersburg.
Station der Dux-Bodenbacher B. Hohenstein. Von Mariaschein und Graupen ist das Thal, in dessen Tiefe sich auf einem Berggipfel diese Ruine befindet, auf einem hübschen schattigen Wege, ganz am Abhange der Berge zu erreichen. Man geht in diesem Thale an einer Restauration fort, sich rechts haltend, bis zu einer Wegtheilung, dann wieder rechts und erreicht in ½ St. diese romantisch gelegene Burgruine, in deren Inneres einzudringen etwas Uebung im Klettern erfordert. Man thut es nur selten, da es wenig Interessantes bietet. Der hohe Thurm und die klafterdicken Mauern sprechen für eine grosse Festigkeit dieser Burg. Sie wurde als Landesfestung gegen Meissen bereits unter dem Namen Chlumec von den böhmischen Herzögen errichtet. Es wurde hier der Zoll und die Wegmauth gezahlt für die Saumthiere – damals die gewöhnliche Verkehrsart. Im 12. Jahrhundert gehörte sie den Herren von Riesenburg und erhielt ihren jetzigen Namen. Interessant ist, dass der letzte ohne Nachkommen war und seine Herrschaften unter seine Edel-Knechte vertheilte. Sie fiel einem gewissen Blasius zu. Seit 1329 war sie Eigenthum des Bischofs von Prag (daher mons episcopalis), deren einer, Erzbischof Johann von Genczstein, hier vor dem Zorne König Wenzels IV. seine Zuflucht fand (1393; der Name Johann von Nepomuk spielte dabei eine Rolle). Ihre Besitzer wechselten dann, ihr letzter ist Wolfgang von Salhausen, der im J. 1526 hier ein Fest feierte. Da gab Glatz von Altenhof, ein Gast, unvorsichtig einen Büchsenschuss ab, dieser entzündete das Strohdach und die Burg brannte nieder und liegt seither in Trümmern. Der Herrschaftssitz wurde nach Sobochleben verlegt, mit welchem die Ruine gemeinsame Schicksale hat. Die Aussicht von der Ruine auf das Tiefland und das jenseitige Mittelgebirge ist über alle Beschreibung entzückend.
Es knüpfen sich viele alte Volksmärchen an dieses Bergschloss, die zum Theile Spiess in dem Ritterroman »Hans von Bleileben« oder »der irrende Geist bei Teplitz« der Lesewelt seinerzeit zum Besten gegeben hat.
V. Tellnitz-Schönwald-Nollendorf.
Man fährt bis Tellnitz (Station der Dux-Bodenbacher E.), geht einen sehr hübschen Thalweg (Strasse) bis Hintertellnitz bei den letzten Häusern auf einem Fusspfade rechts von der Strasse ab, dann wieder auf ihr fort – der Spaziergang ist in der frischen Waldluft sehr angenehm – und erreicht dann bald das Dörfchen Adolfsgrün (1¼ St.). Hier auf der Höhe ein weiter Blick über das Plateau bis zum Mückenberg und zum Geisinger Berg. Von hier nach Streckenwalde und Schönwald (¾ St.). Von Schönwald, einem grossen langausgedehnten Gebirgsdorfe mit einigen guten Gasthäusern, erreicht man in ¼ St. den Sattel oder *Spitzberg, einen Basaltkegel mitten aus dem Gneis hervorragend, der wegen seiner weit ausgedehnten Aussicht über das Plateau und seinen allmähligen Abfall nach Sachsen die leichte Besteigung überaus lohnt und dennoch unter den Touristen im Ganzen wenig bekannt ist. Von Schönwald ist das industriereiche (Sammet und Knöpfe), über eine Stunde sich ausdehnende Peterswald (2600 E., Gasthaus zur Post) in ½ St. zu erreichen. Dieses wurde 1813 durch fortwährende Durchmärsche hart mitgenommen. Napoleon übernachtete hier 16.–17. Sept. Das Haus, jetzt eine Finanzwachkaserne, trägt die Inschrift: »Haec domus auxilio patris aeterni exstructa«. Am 17. Sept., während der Schlacht bei Arbesau hatte Napoleon den Kirchthurm von Nollendorf bestiegen. Von beiden erreicht man in etwa 1 Stunde Nollendorf, mit seiner berühmten, weit sichtbaren und daher auch eine weite Aussicht bietenden Kirche – bekannt als Nollendorfer Kapelle. Schöner ist noch die Aussicht von der Nollendorfer Höhe bei Jungferndorf, zwischen Peterswald und Nollendorf (von ersterem fast 2, von letzterem ½ St. entfernt). Man erblickt von hier die Spitzen des Elbesandsteingebirges, des Lausitzer und Isergebirges. Von Nollendorf auf der sanft abfallenden Strasse – die ganze Partie ist der berühmte Nollendorfer Pass – gelangt man wieder nach Tellnitz. Doch versäume man nicht, das einige Minuten rechts von der Strasse gelegene, neuerbaute gothische Kirchlein zu besuchen. Es ist wegen seiner idyllischen Lage einer kleinen Abbiegung höchst werth.
Diese ganze Tour dürfte ein mässig rasch gehender Fussgänger in einem Tage, zum Abendzug der D.-B.-B. nach Teplitz leicht zurücklegen.
Das Quadersandsteingebirge.
Seine östliche Begrenzung ist bereits angegeben worden. Sein Charakter sind abgeplattete, in ziemlich gleichem Niveau liegende Gipfel, enge Spaltenthäler mit steilen, oft senkrechten Wänden, hohe, aus Quadern aufgethürmte Felsmauern, einzelne thurmähnliche, mitunter grotesk gestaltete Gesteinsmassen, tiefe Spalten und bizarre Höhlungen.
In touristischer Beziehung sind drei Partien bemerkenswerth ausser mehreren, an sich interessanten Spaziergängen. Es sind die Tyssaer Wände, der Schneeberg und die Partien um Bodenbach.
I. Die *Tyssaer Wände.
Zu erreichen: von Peterswalde (unweit der Kirche nach Osten) in ¾ St. Von Teplitz auf der Dux-Bodenbacher Bahn Station Königswald, 1 St. von Tyssa. Von Bodenbach dieselbe Bahn und Station.
In Tyssa ist sehr viel Industrie, besonders werden Knöpfe aus verschiedenem Material verfertigt.
Gasthaus »Beim Jäger« (Eigenname), »zum Grafen Thun« (nahe am Eingange in die Wände). Rest. »beim Sturm«.
Der Weg zu den Felswänden ist wohl nicht zu verfehlen, doch ist nöthig, sich den Eingang zeigen zu lassen. Nun hat man zwei Wege vor sich: rechts nach oben und schräg rechts im Thale, beide sind zu empfehlen, bieten aber verschiedenes.
Der obere führt über das Plateau oder besser den horizontalen Kamm dieser Sandsteinwände, die steil, mauerartig, mit tiefen Klüften und Spalten, 57 bis 62 m. hoch, emporragen. Die bizarren Formationen erinnern an Weckelsdorf und Adersbach oder an die Partien um die Louisenburg im Fichtelgebirge und dürften einen Vergleich mit ihnen wohl aushalten.
Manche kann man mit wenig Phantasie zu verschiedenen Gestalten leicht ergänzen, ein Führer wird daher Namen wie Medusenhaupt, Löwenkopf, Bürgermeister, Doctor anführen. Man hat auch eine schöne Aussicht auf die tief unten liegende anmuthige Landschaft. Die Lage mancher Steinkolosse ist so grotesk, dass man hier Naturscherze und Spielereien dahinter vermuthen möchte. Beim Ausgange kommt man auf die Strasse, die zu dem Orte Schneeberg führt.
Der innere Weg zeigt die mannigfaltigen, oft untereinander verbundenen Höhlungen und Grotten, wie das Schneiderloch, die Raschhöhle u. s. w. Auch der malerische Hintergrund, wo ein ganzes Feld kleinerer und grösserer Steinmassen sich befindet, wird den Blick des Beschauers fesseln.
Jeder Besucher wird sich durch diese hoch interessanten Felsenformationen befriedigt fühlen, und es ist wohl nicht Recht, dass sich die Touristenliteratur mit ihnen nur wenig beschäftigt oder sie gar nicht erwähnt.
Der Schneeberg (auch hoher Schneeberg genannt) ist die höchste Erhebung des Elbesandsteingebirges, 725m, er überragt alle Höhen der sogenannten sächsischen Schweiz. Es ist das ein etwa 1 Stunde langer und ¼ breiter Bergrücken, der steil nach Süden abfällt. Es dehnen sich die Wälder hier nach Norden und Westen viele Stunden weit aus. Unweit der guten Restauration hat der Tetschner Graf Thun 1864 einen 104 Fuss hohen festen Aussichtsthurm erbauen lassen, der sich bequem ersteigen lässt. Die Aussicht von hier ist eine solche, dass sie sich den grossartigsten an die Seite stellen kann. Man übersieht im Süden und theilweise im Osten die bedeutendsten Höhen des ganzen Mittelgebirges – die Hasenburg, den zweispitzigen Lobosch, den Milleschauer, den Kletschen (kleinen Milleschauer), den Biliner Stein, den kleinsten unter dieser Gesellschaft – Schlossberg, dann näher die Berge jenseits des Eulauthales, den Hut-, Hopfen- (auch Koppen-) und Pfaffenberg. Gegen Nordost tritt scharf hervor der Rosenberg, ferner überblickt man die Berge bei Kamnitz – den Tannen- und Kaltenberg, dahinter die Tafelfichte bei Friedland. Bei klarer Aussicht in grauer Ferne den Jeschken und die Schneekoppe. Gegen Norden alle Höhen der sächsischen Schweiz und zwar rechts vom Königstein in folgender Ordnung: den Pfaffenstein, den Lilienstein, Gorisch, Papststein, die Kuppelberge und endlich den grossen und kleinen Winterberg. Ausserdem die Nollendorfer Höhe, den Sattel- oder Spitzberg und den Geisinger Berg. Nicht zu vergessen sind die Thürme von Dresden, die sich deutlich erkennen lassen. Man übersieht hier ein an sich schon bunt und wundersam gestaltetes Stück Erde, wie es sich in diesem weiten Umfange nur selten dem Beschauer darbietet. Die Ersteigung ist viel leichter, als man erwarten sollte. Man kann ihn von Tyssa (Ort) in 2½ St. auf der Strasse über den Ort Schneeberg am besten beim Wirthshause zur Vintzin (Bänke vor dem Hause), den man in nordöstlicher Richtung, in den Wald hinein, quer passirt – der eigentliche Ort liegt südlicher – dann auf dem mit Ruhe- und Aussichtsbänken versehenen Promenadenwege erreichen.
Von Bodenbach aus geht man entweder über Peiperz (nördlich von der Tetschner Brücke einige Schritte, dann über die Bahn bei dem Badehôtel hinauf) und Kalmswiese (eine Wirthschaft an der Strasse), dann geradeaus fort, dann bei der Wegtheilung im Walde links ab gegen Alt-Biela, aber vor dem Friedhofe wieder links ab, so dass das Dorf rechts bleibt, dann passirt man das Dörfchen Tscheche, auf einer steilen Berghöhe, links unten sieht man Neudorf und die Dux-Bodenbacher Bahnlinien. Nach einigen Minuten betritt man den Hochwald und nun heisst es auf die Kalkstriche achten, die an Bäumen und Steinen zahlreich angebracht sind und bis hinauf führen.
Ein zweiter Weg führt von Bodenbach aus auf der Teplitzer Strasse, rechts geht dann eine Strasse ab vor den ersten Häusern von Niederulgersdorf nach Biela (gegenüber einem Speicher), aber er wendet sich schon bei den letzten Häusern hier links ab und geht bergauf, um durch Tscheche wieder zu den Kalkstrichen in den Wald zu kommen.
Beide Wege führen in 2½ St. hinauf.
Von Eulau (Station der Dux-Bodenbacher B.) führt ebenfalls ein Weg hinauf in 1 St. über den Ort Schneeberg auf einer Fahrstrasse, von hier sind dann etwa ¾ St. zum Thurme.
Von der Schweizermühle in Sachsen führt auch ein Weg in 2 St. hinauf. Und zwar über Rosenthal zur Grenze am Zollhause vorbei geradeaus – die links abgehende Waldstrasse führt in 3 St. über Kalmswiese und Peiperz nach Bodenbach – bis zum Gasthaus »zur Vintzin« – so der Localname –; an demselben geht dann ein Fusssteig links ab hinauf.
Alle diese Wege können selbstverständlich als Rückwege benützt werden.
In einem Tage kann man von Teplitz aus die Tyssaer Wände und den Schneeberg so besuchen, dass man Früh nach Königswalde fährt – von Eulau Abends Rückfahrt. Von Bodenbach zeitlich aufbrechend, kann man mit Musse den Abendzug von Königswald zur Rückfahrt benutzen.
Wer Zeit hat, kann den sehr empfehlenswerthen Abstecher nach Eiland machen, dieses Dörfchen liegt in einem Kessel, der rings um – nur nach Norden offen – von steilen Sandsteinwänden umgeben ist. Man geht dort, wo nach Passirung der Tyssaer Wände der Weg in die Strasse einmündet, links ab und gelangt in ¾ St. in dieses interessant gelegene Dörfchen. Es befindet sich am nordwestlichen Abhange des Schneeberges an der sächsischen Grenze.
Bodenbach.
Bodenbach. Von Teplitz auf der Dux-Bodenbacher Bahn in nicht ganz 2 Stunden zu erreichen. Die ganze Fahrt ist landschaftlich sehr interessant. Der Bahnhof 20 Min. ausser der Stadt. Die Stationen sind schon fast alle als Ausgangspunkte interessanter Partien genannt worden. Man setze sich womöglich rechts. Zwischen Kulm und Tellnitz sieht man das österr. und preussische Monument, früher schon hinter Hohenstein das russische. Von Kleinkahn suche man die rechte Seite zu gewinnen. Hier ein Ausblick auf Nollendorf. Hier hört die Steigung der Bahn auf, und es geht abwärts, so dass man keinen Dampf mehr nöthig hat, denn die Seehöhe von Kleinkahn beträgt 431m, die im Bodenbacher Bahnhofe 132m.
In Königswald, sowie in Eulau viel Industrie, im letzteren eine Spinnfabrik und Verfertigung von Mühlsteinen. Die letzte Station ist Bünaburg (früher nach einem alten Adelsgeschlechte Bünauburg), ebenfalls reich an verschiedenen Industrien. Der hohe Berg rechts ist der Hutberg, und der letzte rechts, schon gegen das Elbthal abfallend, ist der Pfaffenberg. Beide bestehen wesentlich aus Basalt. Hinter ihnen ist gegen Süden der Koppenberg (auch Hopfenberg) genannt. In geologischer Beziehung ist interessant, dass über dem Alluvium des Elbethales sich eine Strecke Braunkohlenformation befindet, über dieser ist ein Gürtel Kreide und die Kuppe (des Pfaffenberges) ist Basalt. Also vier verschiedene Gebiete auf einer Strecke von wenig mehr als ¼ St. Länge.
Die Fahrt von Eulau bis Bodenbach ist durch den Blick auf das schöne, grüne, steil umrahmte Eulauthal besonders angenehm.
In Bodenbach achte man darauf, nicht auf dem Dux-Bodenbacher Bahnhof auszusteigen. Der Zug fährt eben in den Staatsbahnhof, man ist dann gleich mitten in dem Industrieorte. Ebenso beim Einsteigen. Man bekommt die Karte am südlichen Ende des Staatsbahnhofes, der Zug steht auf dem letzten Schienenstrange gegen die an die Häuser von Bodenbach angrenzende Mauer. Ausserdem ist Bodenbach von Teplitz zu erreichen auf der Aussig-Teplitzer Bahn. Zu achten, dass man in Aussig-Neustadt bei der chemischen Fabrik nicht aussteigt, denn von hier fährt über die Brücke der Omnibuszug zum Bahnhof der Nordwestbahn nach Schreckenstein (früher Aussig – rechtes Ufer).
Diese Bahn fährt durch das Braunkohlengebiet, daher viele Schächte und Fabriken – bei Mariaschein eine grosse Cementfabrik. Von Mariaschein bis Karbitz nördlich das Kulmer Schlachtfeld, von hier bis Schönfeld die Bihana, das Locale der Husitenschlacht (16. Juni 1426). Die alterthümliche Laurentiuskapelle nördlich von Nerbitz soll eine Erinnerung an die Schlacht sein. Von hier bis Aussig im Norden der Střisowitzer Berg (340m hoch). In Türmitz Obstbau, grosse Zuckerfabrik, Schloss des Grafen Nostitz mit einem Park. Die Bielathalbahn – derselben Actiengesellschaft wie die Aussig-Teplitzer gehörig, zumeist Kohlenverkehr – zweigt sich hier ab. Hübscher Ausblick in das Bielathal.
Von Aussig empfiehlt es sich, das Dampfschiff zu benützen. (Die Karten sind in Teplitz, Bahnhof, Tabak-Trafik zu bekommen.) Die Fahrt ist eine der schönsten, die überhaupt die Flüsse Europas aufweisen können. Die Fahrt von Leitmeritz über Aussig, Tetschen, Herrenskretschen bis über Pirna zu bis Dresden ist so reich an landschaftlicher Schönheit, dass sie mit den schönsten Rheinpartien verglichen, ja selbst von Kennern ihnen vorgezogen wird. (Siehe Tetschen!)
Bodenbach hat eine prachtvolle Lage und einen hohen Aufschwung genommen, wovon die zahlreichen Villen im Elbthale ein beredtes Zeugniss abgeben, ebenso wie die vielen Industrie-Etablissements: Cichorien- und Chocoladenfabrik, Siderolithwaaren-Fabrik.
Bodenbach – von Eulau- oder Bodenbache so benannt, früher ein einsamer Meierhof zur Herrschaft Tetschen gehörig – hat folgende Gasthöfe: das Posthôtel (beim Bahnhof), Stadt Hamburg, Hôtel Frieser, zum Stern, Krone, Engel, Stadt Prag, in Obergrund – nördlich von der Kettenbrücke am linken Elbeufer, hier zahlreiche und geschmackvolle Villen – ist noch das Bade-Hôtel zu erwähnen. Restauration Lerchenfeld. Der Ort ist von Sommerfrischlern und Kurgästen (Josefsbad) sehr besucht.
An Spaziergängen und Ausflügen ist diese Gegend sehr reich. Um nicht den Rahmen des Buches zu überschreiten, seien sie nur kurz erwähnt. Schöne, mannigfach wechselnde Aussichten und angenehme Spaziergänge in den waldigen Höhen sind ihr Hauptreiz.
1. Die Brücke selbst (2 Kr. Brückengeld).
2. Die Bohemia hinter dem Tetschner Schützenhaus und der Nordwestbahn (¼ St.) einst hier der Galgenberg.
3. Der Quaderberg auf der hier befindlichen Höhle eine fliegende Restauration, rechts von der Bohemia nach dem Promenadenwege bis zur Tafel (½ St.), dieser Weg geht nach Laube und in die Schlucht nach Loosdorf.
4. Die Leopoldshöhe 10 Min. weiter, fort links durch den Wald.
5. Die Laubenschlucht, ein tief eingeschnittenes Felsenthal. Auf der Höhe am Rande, von der Leopoldshöhe fort bis zur Tafel, die nach Nr. 3 weist, dann links auf Serpentinen in's Thal bis zu einem Weg, auf diesem dann rechts. Dann am Ende Sandsteintreppen, ein Waldweg, der Ort Loosdorf (Gasthaus Blumentritt's). Auch auf der Allee von Tetschen in 1 St. bergauf zu erreichen.
6. Die Rosenwände (2 St.) oder Rosenkämme. Bei dem Wirthshause in Laube fuhrt der Weg hinauf.
7. Die Schäferwand (½ St.) unmittelbar über Bodenbach, über dem Tunnel der sächsischen Bahn. Zu ersteigen durch das Thor bei der Kettenbrücke oder auf den Stufen beim Posthotel in der Nähe eines Muttergottesbildes in der Mauer. Zickzackwege.
8. Das Spitzhütel (1½ St.) Entweder nach 7 oder am Badehotel vorbei, dann bei einer Mühle rechts in den Wald, oder von Starks Villa auf einem Serpentinweg. Es ist ein Felsenvorsprung, vielleicht die lohnendste Aussicht unter diesen Punkten.
9. Im Pulnitz- oder Polzenthale: Liebwerd ½ St., Bensen 2 Stund. (Nordbahnstation), ½ Stunde weiter die schöne Ruine Scharfenstein.
10. Herrenskretschen (siehe Tetschen).
11. Der Sperlingstein, auch Heidenschloss. Dampfschiff bis Topkowitz, besser Tichlowitz, oder Eisenbahn bis Tichlowitz, dann über Nieder-Welhotten und Scheras ½ St. Zu Fuss über Krischwitz, Veschwitz (auch Bahnstation) Scheras in 3 St.
12. Der Zinkenstein. Am besten über Rongstock, über die Elbe nach Pschira, Wittine und (Alt) Hummel zu erreichen. Die Aussicht grossartig, in den Basaltspalten eine Eishöhle, Eis nur an heissen Sommertagen.
13. Der hohe Schneeberg.
14. Die Tyssaer Wände.
Zu erwähnen noch die Johanniskapelle, bei dem Dux-Bodenbacher Bahnhof (20 Min.). Die Familiengruft der gräfl. Thun'schen Familie, die hier weithin die meisten Besitzungen hat.