G. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Brüx-Bilin aus.

Stadt und Schloss Brüx.

Gasthöfe: »Hotel Ross«, »Zum Löwen«, »Zum schwarzen Adler«, »Zum Hirschen«, alle am 1. Platz; »Zum blauen Stern« am 3. oder Gymnasium-Platz, Siegl's Gasthof am Bahnhof.

Restaurationen: »Zum Suk«, »Bielarestauration«, »Schiesshaus«, »Saras«.

Caféhaus Bahnhofstrasse.

Post- u. Telegrafenamt Wassergasse in der Nähe des 1. oder Marktplatzes.

Postfahrten nach Hawran, Nieder- und Ober-Georgenthal.

Eisenbahnen: Aussig-Teplitzer gegen Komotau-Karlsbad-Eger und Teplitz-Aussig-Bodenbach; Prag-Duxer gegen Ossegg-Klostergrab, gegen Obernitz-Prag, Obernitz-Sauerbrunn, Bilin; Pilsen-Priesener gegen Pilsen-Eisenstein.

Omnibusse (3) zu jedem Zuge; Droschken, Zweispänner nach allen Richtungen.

Zeitungslese-Cabinet im Casino. Einführung von Gästen durch Mitglieder gestattet.

Photographische Ansichten von Brüx und Umgebung in den Buchhandlungen von Hanns Eichler und Sommer, beide am Marktplatz.

Aemter: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Kreisgericht, beide am Marktplatz; k. k. Bezirksgericht an der Biela; Bürgermeisteramt im Gemeindehause, Fleischbankgasse.

Bank- und Wechselgeschäft, Wassergasse.

Zwei Dienstmänner-Institute (roth und grün).

Unter den Städten des gesegneten nördlichen Böhmen ist wahrlich nicht die geringste die kön. Stadt Brüx; ihr Name hat einen guten Klang durch ihr Alter, ihre ruhmvolle Vergangenheit, und die Gegenwart kennt sie als eine wohlhabende, freundliche Stadt, deren Handel und Verkehr stetig zunimmt.

Die Chronisten setzen sie unter die ältesten Städte Böhmens. Die ersten Erbauer von Brüx sind unbekannt, und ihr (der Stadt) Ursprung ist sehr alt. Sie bediente sich des deutschen Rechtes und von den Aussprüchen ihrer Gerichte ging der weitere Zug an den Magdeburger Schöppenstuhl. Im J. 1004 geschieht ihrer das erstemal Erwähnung, da sie sich im Kriege Kaiser Heinrich II. gegen Boleslav III. freiwillig an jenen ergab. – Als im Jahre 1040 Helikard, Herzog von Sachsen, in Böhmen einfiel und bei Gnevin (so hiess damals Brüx) das Lager aufschlug, liess ihm Herzog Břetislav bedeuten, wofern er binnen 3 Tagen das Land nicht verlasse, werde er ihm den Kopf vor die Füsse legen. Eingeschüchtert durch diese Drohung verliess Helikard Böhmen, und Břetislav begann noch in demselben Jahre auf dem Berge, an dessen Fusse Brüx liegt, zur Sicherung der Grenze die feste Landeswarta zu bauen. Ihre Schicksale sind bis zu ihrer Zerstörung innig verbunden mit denen der Stadt. Im Jahre 1045 erhielt sie ob der vielen Brücken, die über die zahlreichen Gewässer führten, den Namen, den sie bislang führt: Brüx, Most, Pontum oder Pons. – Um 1200 gehörte Brüx dem Oberkämmerer Grabisa, der den 10. Theil von dessen Wochenmarkt-Einkommen und den Weinzehent dem Stift Ossegg schenkte. Hier sei gleich bemerkt, dass der Weinbau hierorts ein bedeutender gewesen sein muss. Gojata, des obgenannten Grabisa Sohn, vermachte Brüx testamentarisch der Kirche von Zderas in Prag, doch so, dass seine Gemahlin bei ihren Lebzeiten den Nutzgenuss haben sollte. Gojata starb 1238 und bald vielleicht auch seine Gattin, denn König Wenzel I., der grosse Vorliebe für Brüx hatte, zog die Stadt an sich und versprach, die Zderaser Kanoniker anderweitig und entsprechend zu entschädigen. Diese Entschädigung scheint jedoch nicht gleich erfolgt zu sein, da auch sein Sohn und Nachfolger Přemysl Ottokar II. auf Andringen des päpstlichen Stuhles solche neuerdings zu leisten gelobte. – Im Kriege Wenzel's I. mit seinem Sohne ward letzterer, da er Stadt und Schloss Brüx belagerte, von Boreš, dem obersten königlichen Marschall und Brüxer Schlosshauptmann des Nachts überfallen, geschlagen, (1. November 1248) und war in Folge dessen gezwungen, mit dem Vater sich auszusöhnen.

Das erste grosse Privileg, das des Meilenrechtes, erhielt die Stadt unter'm 26. März 1273 von Přemysl Ottokar. In dieser Privilegienurkunde wird Brüx auch das erstemal Stadt »civitas nostra« genannt. – Im Jahre 1282 hatte Otto, Markgraf von Brandenburg, für die Vormundschaft über König Wenzel II. ausser 15.000 Mark Silber noch Stadt und Schloss Brüx, Aussig und etliche Dörfer verpfändet erhalten; aber schon das Jahr darauf ward er durch den Reichstag zu Freiburg verhalten, die genannten Orte wieder herauszugeben. (23. August.) Wenzel II. schenkte Brüx sogleich einem seiner Getreuen Johann von Michelsberg, der es noch im selben Monate (28. August) seinem Könige wieder abtrat. Seit diesem Tage ist Brüx ununterbrochen königliche Stadt geblieben, wenn es auch in der Folgezeit öfter, besonders an Meissen, verpfändet war. Alle folgenden Könige statteten sie, stets in Ansehung »des getreuen Nutzens und der unverdrossenen Dienste« entweder mit neuen Privilegien aus, oder bestätigten ihre alten Freiheiten und Rechte.

Die ruhmvollste Periode ihrer Geschichte aber ist die der Hussitenkriege. Die umliegenden Städte hatten sich den Taboriten entweder ergeben und mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, wie Saaz und Laun, oder sie waren, wie Komotau und Bilin, gefallen. Um ihre Stadt nun vor ähnlichen Geschicken zu bewahren, war bereits im Frühjahre 1421 an König Sigmund eine Gesandtschaft abgegangen, die das Gelöbniss unverbrüchlicher Treue erneuern, aber auch um Hilfe für die bedrohte Stadt bitten sollte.

Sigmund, ausser Stande, ihrer Bitte willfahren zu können, empfiehlt sie an den Markgrafen Friedrich von Meissen. Dieser hatte die Besatzung der Stadt und des Schlosses verstärkt, und so erwarteten denn die Brüxer muthig und vertrauensvoll den Feind, der auch am 24. Juli 1421 vor Brüx erschien, und nach wiederholter vergeblicher Aufforderung zur Uebergabe am folgenden Tage die Belagerung der Stadt und des Schlosses begann. Tapfer wehrten sich die Belagerten, der fortlebenden Tradition zufolge, besonders angefeuert von ihren Frauen und Jungfrauen. Aber Tag um Tag schwindet und bald auch die Hoffnung auf Entsatz. Der 5. August bricht an, das Fest Mariaschnee. Die Bürger strömen zur Kirche, vertrauensvoll die Mutter Gottes um Hilfe anflehend. Ein festlicher Gottesdienst wird gefeiert, die ehernen Zungen, die seit Beginn der Belagerung geschwiegen, hallen hinaus über die Stadt in's feindliche Lager, wo man der Thörichten spottet; beseelt von neuem Muthe, gerüstet mit frischer Kraft, eilen die Bedrängten dann an die Mauern, mannhaft abzuwehren der Feinde Horden. Da siehe! vom Erzgebirge herab leuchten schon die weissen Rüstungen der Entsatztruppen. Otto Pflug ist's, des Markgrafen Friedrich getreuer Vasall an der Spitze des Meissnischen Heeres, verstärkt durch Zuzug der böhmischen Herren Sigmund von Wartenberg, Hlavač von Duba und Niklas von Lobkowitz. Die Schlacht beginnt. Total war die Niederlage der Hussiten. 3000 Feinde bedeckten das Schlachtfeld, das Lager mit seinen geraubten Schätzen ward eine Beute des Siegers. Die Freude über diesen glänzenden Sieg bewog die Brüxer Bürger, die im frommen Glauben der Hilfe Mariens ihre Rettung zuschrieben, zu dem Gelöbnisse, alljährlich mit grösster Feierlichkeit das Fest Mariaschnee zu begehen, und die Nachkommen sind beflissen, getreulich zu halten, was die Väter gelobt. Das Mariaschnee-Fest mit seiner prunkvollen, grossartigen Feierlichkeit gibt ihnen Gelegenheit, den biederen, frommen Sinn zu erneuern, das patriotische Gefühl zu stärken.

Von jetzt an kamen auf langehin für die Brüxer trübe Tage. Einigemale noch waren sie bedroht von den Kelchnern, mehrere furchtbare Feuersbrünste, Orkane, andere Elementarereignisse, und endlich die Pest (1582 und 1680) verwüsteten die arme Stadt. Dazu kam noch, dass die Stadt von Georg von Poděbrad nach einem verheerenden Brande (1455) eingenommen und besetzt ward, während die Burg sächsische Besatzung hatte, und die fortwährenden Friedensbrüche immer nur der Stadt Schaden brachten. – 1595 kauften die Brüxer von Rudolf II. die Burg sammt den zugehörenden Gütern um 81.060 fl. rhein., und übernahmen damit die Verpflichtung, die Besatzung des Schlosses zu erhalten. Allein die Ehre, Burgherren zu sein, kam den Bürgern theuer zu stehen. Die Burg zog stets jeden Feind an, und die Stadt hatte mit zu leiden unter den Belagerungen. Dreimal ward die Burg von den Schweden belagert, und zwar 1639, 1645 und 1646. Das letztemal mussten die Brüxer wegen Wassernoth, wegen der geringen Zahl der Vertheidiger, 200 Bürger gegenüber einem Heere von 30.000 Schweden unter General Wrangel, und wegen des schlechten Zustandes der Befestigungswerke das Schloss nach dreitägiger Belagerung am 16. Jänner übergeben. Solch' schwere Wunden hatte der dreissigjährige Krieg der Stadt geschlagen, dass sie, als die schwedische Besatzung zu Ende des Krieges 1648 abzog, keinen einzigen ansässigen Bürger mehr hatte. So ward es erklärlich, dass Ferdinand III., den inständigen Bitten der Bewohner nachgebend, 1651 die Demolirung der Burg bewilligte. Wenige in der letzten Zeit blossgelegte Mauerreste sind noch die Ueberbleibsel dieser Landesgrenzveste.

Nunmehr genoss die Stadt, abgerechnet einige Ueberfälle seitens der Sachsen und Preussen, die wenig Nachtheil brachten, ziemliche Ruhe; ihr Wohlstand hob sich, besonders da sie zu Beginn des 18. Jahrhundertes viele Güter durch günstige Käufe von den umliegenden Adeligen an sich brachte. So ist sie heute unter den reichsten Städten Böhmens in erste Reihe mit zu setzen.

Im Jahre 1813 beherbergte Brüx, das eine Zeit der Mittelpunkt des Lagers war, die drei alliirten Monarchen. Wenige Jahre darauf sollte Brüx fast ganz untergehen. Am 21. April 1820 verzehrte eine Feuersbrunst alle öffentlichen Gebäude bis auf die Stadtkirche und das Stadthaus. Der Schaden belief sich nach damaligen Werthverhältnissen auf 700.000 fl. W. W. Der abgebrannten Stadt ward durch ein staatliches Anlehen und die Unterstützung der Umwohner Hilfe. Die Folge der vielen Brände und besonders dieses ist, dass die Stadt, regelmässig gebaut, ein freundliches Aussehen hat, und mit wenigen Ausnahmen keine alten Gebäude besitzt.

Zu diesen gehören Rathhaus und Stadtkirche, beide noch bemerkenswerth auch durch ihre Bauart. Das Jahr der Entstehung des ersteren Gebäudes ist nicht bekannt; es gehört überdies in seiner heutigen Gestalt mehreren Perioden an. Der Thurm ist jedenfalls ein Baudenkmal des 14. Jahrhundertes, und nicht viel jünger ist der an selben anstossende Vorbau, während das übrige Gebäude das Gepräge des 16. Jahrhundertes trägt. Es war jedenfalls früher zweistöckig, und ist nach dem Brande von 1515, der auch das Rathhaus schwer schädigte, unausgebaut geblieben. Die Stylrichtung ist die nachgothische. Die Vorderfront wird durch mächtige Wölbungen und vorstehende Pfeiler, 7 an der Zahl, getragen. Der mittlere trägt den kaiserl. Adler, je zwei zu beiden Seiten tragen vier, die Elemente symbolisirende Statuen, die beiden äussersten aber Wappenträger mit dem böhmischen Löwen und dem Stadtwappen. Die Felder zwischen den Fenstern, wie auch die Brustwände unter den Fenstern sind bemalt mit allegorischen Figuren, das Gesimse mit Schlachtendarstellungen. Dem projectirten Bau eines Kreisgerichtsgebäudes wird das Rathhaus zum Opfer fallen. Höchstens der Thurm dürfte erhalten bleiben.

Der Bau der Dekanalkirche wurde 1517, nachdem im Jahre 1515 die alte Pfarrkirche mit einem grossen Theile der Stadt in Flammen aufgegangen war, begonnen, und war in wenigen Jahren vollendet. Feierlich eingeweiht wurde sie aber erst am 22. Mai 1594 durch den Prager Erzbischof Zbyněk von Duba und Lipa, nachdem sie bereits durch den Brand von 1578 grossen Schaden im Innern und auch am äusseren Bau erlitten. Der Erbauer der Kirche ist Beneš von Laun, Hofbaumeister des Königs Wladislav. Die Brüxer Stadtkirche ist sein letztes und Meister-Werk. Der Baustyl ist die spätere, sogenannte Wladislav'sche Gothik, wie sie bereits in den romanischen Styl überzugehen beginnt. Die innere Länge beträgt 73, die Breite 37 und die Höhe 24m. Sie bildet ein langes Viereck, nur das Presbyterium endet in ein Sechseck. Das Aeussere ist mächtig und imposant durch seine ungeheure Breite, zu der die zwei Anbauten, die auf beiden Seiten eine Art Kreuzschiff oder Kreuzkuppel bilden, und im Innern oben Gallerien, unten Kapellen fassen, viel beitragen. Eine Beeinträchtigung erleidet der imposante Bau nur durch das unverhältnissmässige, niedere Kirchendach. Das 1578 abgebrannte, kupfergedeckte Dach hatte sicher diesen Mangel nicht. Das Innere der Kirche weist ein Gewölbe mit drei gothischen Kuppeln auf, eine Eigenthümlichkeit des Meisters Beneš. Die Gürtel und Rippen derselben laufen aus schwachen, schlanken Säulen, 16 an der Zahl, aus, und haben eine künstlerische Verwebung. Merkwürdig sind auch die Stützen der Kirche, welche kuppelähnliche Räume bilden, in denen Kapellräume sich befinden. – Der Hochaltar, im Style der Renaissance, also durchaus der Bauart des Hauses nicht entsprechend, wurde erst 1773 aufgestellt. Der Altartisch sammt dem auf ihm ruhenden Säulenbau ist von natürlichem Marmor, die freistehende Rückwand eine Imitation. Rings an den Brüstungen der Gallerie befinden sich in Stein gehauene biblische Darstellungen, im Geiste des 13. Jahrhundertes gehalten. Gleich hier müssen wir der einfachen und der Doppelwendeltreppe erwähnen, die zu den Emporien führend, und ohne alle Stütze gebaut, von jedem Sachverständigen als Meisterwerke der Baukunst gerühmt werden.

Von Gemälden nennen wir vor allem die in einer Seitenkapelle nahe dem Hochaltar befindlichen, auf Holz gemalten Bilder der hl. Katharina und Barbara. Es sind dies zwei Flügel eines leider verloren gegangenen Bilderschreines, die unbeachtet im Depositorium der Kirche lagen, bis Gubernialrath Janko auf sie aufmerksam machte. Kandler verfertigte 1837 die erste Zeichnung. Sct. Barbara ist von geringerer Schönheit, aber eigenthümlich in der Auffassung und grossartiger im Faltenwurf, der an die schönsten Gewandmotive Dürers erinnert; Sct. Katharina zeigt die altdeutsche Auffassung jungfräulicher Schönheit, wie sie der Kölner Schule eigen ist und in Holbein's hl. Frauen den eigentlichen Typus gefunden. Beide Flügel sind Werke deutscher Kunst aus dem 16. Jahrhunderte. – Ausserdem sind noch in den Seitenkapellen eine ziemliche Anzahl von Ueberresten solcher Bilderschreine angebracht, die nicht ohne Werth sind. Von Altarbildern sind als Meisterwerke bekannt: Der hl. Josef, Anbetung der drei Weisen, Tod des hl. Franziskus. Von Schnitzwerk bewundern wir die beiden Altäre der Kreuzigung und der Auferstehung; erstere besonders entzückt bei eingehender Betrachtung durch Plastik und Figurenreichthum. In diesen beiden Kapellen erregen noch unsere Aufmerksamkeit die kunstvoll geschnitzten, alterthümlichen Bänke. – Der Thurm soll nach Meinung aller Sachverständigen älter als die Kirche sein. Von seiner Gallerie aus geniesst man eine schöne Aussicht weit hinaus über die Stadt und ihr Weichbild in's Erzgebirge.

Unweit der Kirche befindet sich der Glockenthurm für die beiden grossen Glocken, welche ein harmonisches, wundervolles Geläute geben.

Sonstige Denkwürdigkeiten finden wir noch in der Piaristenkirche, jetzt der Stadt gehörig. Der Hochaltar enthält ein herrliches Altarbild von Raab: eine freie Nachbildung der in der Dresdner Gallerie befindlichen hl. Nacht von Corregio. Auch die Bilder der beiden vorderen Seitenaltäre, der hl. Johann von Nepomuk, von Amalia Gräfin von Waldstein, und der hl. Josef von Calasanz von Vogel sind werthvoll. Sehenswerth sind noch: das Gymnasial- und Bürgerschulgebäude, beide mit reichhaltigen Lehrmittelsammlungen ausgestattet, ersteres am 3. Platz, letzteres in der Schulgasse.

Spaziergänge:

Gestatten wir uns noch eine kleine Ausschau in die allernächste Umgegend der Stadt, so werden wir auf das südlich etwa 15 Minuten entfernte Saras und das dahinter gelegene Resselgebirge aufmerksam gemacht. Das Wort »*Saras« leitet der Chronist aus dem Böhmischen ab und bezeichnet damit einen Ort hinter dem Damme (za hrázem), indem nach Balbinus Saras gegen den unweit (jedenfalls östlich) befindlichen Teich durch einen Damm geschützt gewesen sei. Die Gründung von Saras vollzog sich bereits vor nahezu 600 Jahren, als König Wenzel II. unter'm 21. November 1283 das Kloster Saras stiftete und dasselbe reich dotirt den Jungfrauen vom Orden der hl. Maria Magdalena verlieh. Wenn auch die Ordensfrauen der strengen Disciplin anhingen, so kamen sie doch genügsam in Verkehr mit den Stadtbewohnern und wurden hoch in Ehren gehalten, denn »die Bürger gaben ihre Töchter dahin, damit sie in jungfräulicher Arbeit, Gottesfurcht und guten Sitten unterwiesen würden.« 1421 wurde das Kloster von den Husiten niedergebrannt, die zurückgebliebenen sieben Nonnen vor dem Altare der Klosterkirche niedergemacht. Zwar erstand das Kloster wieder, aber die bewegten Zeitläufte und besonders die Bitten der Bürger bewogen die Ordensfrauen zur Uebersiedelung in die Stadt im Jahre 1515. Die Saraser Kirche selbst blieb geöffnet, da sie lange schon den Ruf einer berühmten Wallfahrtskirche genoss. 1782 wurde das Kloster von Kaiser Josef II. aufgehoben, 1786 auch die Saraser Kirche geschlossen. Kirche und Kloster in der Stadt wurden den Vätern der frommen Schulen eingeräumt, die den Ordensfrauen gehörigen Höfe Saras, Oberpriesen und Seidowitz kaufte drei Jahre später die Stadt von der königlichen Kammer. – Die dort eingerichtete Restauration mit grossem Garten, die annehmliche Lage, gesunde, frische Luft, und der gut gehaltene Promenadenweg machen Saras zu einem beliebten Ausflugsorte der Brüxer.

Gleiche Anziehungskraft übt im Sommer »*der Ressel« auf Vereine und Gesellschaften aus. Seine zwei Thäler, Fuchsgrund und Schiefergrund, sind durch ihre einfache Naturschönheit wie geschaffen als Ruhepunkte bei kleineren Excursionen. Eine angenehme Fernsicht, besonders nach Osten und Süden in's Flachland, und auf die Erzgebirgskette im Norden, bietet das Plateau hinter dem Schlosshofe, letzterer so genannt, weil er einst zum Schlosse gehörte.

Dem oberwähnten *Schlossberge müssen wir noch an dieser Stelle mehr Aufmerksamkeit widmen. Derselbe liegt im Westen der Stadt und kann auf zahlreichen, gut erhaltenen Wegen erstiegen werden. Wir empfehlen allen Touristen den über Saras und bemerken, dass von da aus die Spitze des Berges in 20 Min. ohne Anstrengung erreicht werden kann. Schon während der Besteigung geniessen wir herrliche Blicke in das Mittelgebirge und in die von dem Erzgebirge umrahmte Saazer Ebene. Die überall angelegten Pflanzungen interessiren uns in hohem Grade, da wir uns über das Gedeihen und die von Jahr zu Jahr wachsende Ausdehnung derselben ungemein freuen. Den unermüdlichen Bemühungen des Stadtrathes und Kaufmannes in Brüx, Herrn A. Zein und dem Eingreifen der Stadtgemeinde haben wir es zu danken, dass sich auf der Spitze des Berges ein Schweizerhaus mit einer gut bestellten Restauration und ein Thurm mit einer camera obscura befindet. Der Schlossberg ist ein Aussichtspunkt 1. Ranges, was malerische Schönheit des Panoramas anbetrifft. Im Norden und Westen dehnen sich die Abhänge des herrlichen Erzgebirges hin und längs derselben breitet sich die Saazer Ebene »der Garten Böhmens« aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie besäet ist und einen grossartigen Eindruck macht. Gegen Süden und Osten lassen wir unsere Blicke über das merkwürdige böhmische Mittelgebirge schweifen und sehen Hügel an Hügel, Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene Bořen bei Bilin und der König der Berge, der Milleschauer unweit von Teplitz, überragen.

Der Schlossberg besteht aus Klingstein; an seinem nördlichen und nordöstlichen Fusse finden sich die thonigen Gebilde der Braunkohlenformation; sonst ist letztere in der Umgebung der Stadt von aufgeschwemmtem Lande bedeckt. Die ganze Stadt, sowie die Umgebung ruht auf einem einzigen grossen Braunkohlen-Fletz, welches sich in der Richtung von Südwesten nach Nordosten bis gegen Aussig erstreckt.

In Brüx und Umgebung wird sehr viel Landwirthschaft betrieben. Sowohl das Klima als auch der Boden sind derselben in hohem Grade günstig. Das Klima ist in Folge der durch das Gebirge gegen die herrschenden Winde geschützten Lage wärmer, als man der geografischen Breite der Stadt zufolge erwarten sollte. Der Boden gehört zu dem fruchtbarsten im weiten Umkreise; einzelne Strecken sind ungemein humusreich. Die Wiesen längs der Biela und des Weissbachs sind mit den herrlichsten natürlichen Futterkräutern bewachsen. Obst wird in Menge gewonnen, und ist von ausgezeichneter Güte. Der Weinbau erfreut sich in jüngster Zeit grösserer Aufmerksamkeit und Pflege. Man will den alten Ruf wieder herstellen. In früherer Zeit gab es in der Umgebung der Stadt über 500 Weiner (Winzer). Sie bildeten eine eigene Zunft, von welcher noch eine Fahne und ein Weinerbuch vorhanden ist.

Touren.

Brüx-Brüxer Sprudel-Ober-Georgenthal. (Von da über Niklasdorf nach Katharinaberg-Brandau-Grünthal-Teltschthal-Kallich-Göttersdorf-Rothenhaus-Görkau, also in umgekehrter Richtung – siehe Bereisung von Görkau aus.) Wir gehen auf der Kaiserstrasse in westlicher Richtung, biegen vor dem Orte Kommern rechts ab und langen nun auf einem Sandwege bei dem neuentdeckten Sprudel an, dessen mächtiger Wasserstrahl die Verwunderung jedes Touristen erwecken muss. Von da setzen wir unseren Weg in nördlicher Richtung fort, wandern durch üppige Wiesen und fruchtbare Felder, das herrliche Erzgebirge mit dem malerisch gelegenen Schlosse Eisenberg und dem sich in der Ferne prächtig erhebenden Rothenhaus vor sich, über Nieder-Georgenthal (vulgo Gärten) und Vierzehnhöfen auf einer guten Bezirksstrasse nach dem romantisch gelegenen, freundlichen Ober-Georgenthal, welchen Weg man in 2 Stunden bequem zurücklegt. Hier ist eine grosse Spinnfabrik, Marienthal genannt, herrlich im Walde an der Strasse gelegen und der Firma Gustav Tetzner in Görkau gehörig; eine Spielwaarenfabrik der Firma Kaaden und Weigel und eine Vereins-Parquetfabrik. Die Kirche, in der Nähe der Bahn gelegen, ist ein schönes, majestätisches Gebäude. In den Gasthöfen zum »schwarzen Adler« und zur »frohen Aussicht« findet man gute Unterkunft und hier, sowie noch in 8 Restaurationen bekommt man vorzügliche Biere und nach vorheriger Bestellung gute Speisen. Nach Ober-Georgenthal kommt von Niklasdorf ein Bach, der bis zur Grundmühle »Grundbach«, von da bis zum Ende des Dorfes »Dorfbach« und dann »Ruttenbach« heisst.

Von Ober-Georgenthal wird Eisenberg in 25 Minuten und Hammer-Johnsdorf in 30 Minuten erreicht – zu beiden Orten führen prachtvolle Waldwege (siehe für Eisenberg Bereisung von Görkau und für Hammer von Oberleutensdorf aus).

Brüx-Kopitz-*Rosenthal-Lindau-Oberleutensdorf. (1¾ St.) Diese Tour hat das Angenehme, dass wir das herrliche Erzgebirge fortwährend vor uns liegen haben, durch zahlreiche Ortschaften und fast ohne Unterbrechung durch schöne Obstbaumanlagen wandern. Wir erreichen in nördlicher Richtung auf guter Strasse zuerst das Dorf Kopitz, dann Rosenthal, welches wie Kopitz am Goldflusse oder Weissbache gelegen ist. Aus einer benachbarten Quelle wird durch hölzerne Röhren auf einer Strecke von 5251m das Wasser nach Brüx in den grossen Behälter auf dem Hauptplatze geleitet. Nach kurzer Wanderung erreichen wir, den Goldbach aufwärts, die schön gelegenen Orte Lindau und Niederleutensdorf, überschreiten die Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn und kommen endlich in dem industriereichen, herrlich gelegenen, sich von dem reich bewaldeten Erzgebirge malerisch abhebenden Oberleutensdorf an (siehe Besuch von Dux-Oberleutensdorf aus).

Brüx-*Püllna in südlicher Richtung auf der prächtigen Saazer Strasse; in einer halben Stunde erreichen wir eine kleine Anhöhe, von welcher wir einen köstlichen Rückblick auf Brüx und einen grossen Theil des Erzgebirges geniessen. Der Besuch des freundlichen Ortes Püllna empfiehlt sich wegen Besichtigung der Quellen, welche das berühmte Püllnaer Bitterwasser liefern. Sie befinden sich auf einer etwa 20 Acker betragenden Flur, die eine ebene Wiesentrift bildet und von Fruchtfeldern umgeben ist. Aus diesem Wasser wurden von der Gemeinde schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts Massen von Bittersalz gewonnen, ohne derselben als Besitzerin der Quellen einen grossen Gewinn abzuwerfen. Da lenkte mit dem Beginn unseres Jahrhunderts der Brüxer Bürger und Kaufmann Adalbert Ulbrich die Aufmerksamkeit von Männern der Wissenschaft auf diese der leidenden Menschheit zum Heile dienenden Wässer. Er übernahm den Verschleiss derselben und es gelang seinem rastlosen Eifer, dass im J. 1801 von dem Professor der Chemie Dr. Gottfried Mikan die erste Untersuchung vorgenommen wurde; dieser folgte im J. 1819 eine zweite durch Professor J. B. Tromsdorff in Erfurt und Professor J. Steinmann in Prag, worauf die nöthigen Wirthschaftsgebäude nebst einem stattlichen Wohnhause errichtet wurden. Mit der Anerkennung des Püllnaer Bitterwassers durch medicinische Autoritäten vermehrte sich dessen Verbreitung. Adalbert Ulbrich ruhte nicht; er liess als Pächter der Quellen das Wasser neuerdings chemisch untersuchen und zwar im Jahre 1821 von Professor Pleischl, im Jahre 1826 von Struve in Dresden, im Jahre 1829 von dem Chemiker Barruel in Paris und im J. 1837 von Ficinus in Dresden, was zur Verbreitung des Wassers nicht nur in ganz Europa, sondern auch jenseits des Oceans wesentlich beitrug. Durch seinen rastlosen Fleiss erwarb er sich Vermögen, vergass aber der Gemeinde nicht, in welcher er eine so erspriessliche Thätigkeit entwickeln konnte. Er vermachte derselben testamentarisch ein Legat von 20.000 fl. C.-M. zum Baue einer Kapelle und einer Schule. Nach seinem Tode übernahm dessen ältester Sohn Adalbert die Versendung auf eigene Rechnung und seit 1863 als Brunnendirector und wirkt in bester Weise für die Verbreitung des Wassers, unterstützt von seinem trefflichen, mehrere Sprachen sprechenden Sohne Konstantin, in erfolgreicher Weise fort.

Der Boden des Bitterwassergrundes und die angrenzenden Felder zeigen mächtige Lager von vulkanisch-ausgebranntem Thon bis hin zum Serpina-Thale und den Nachbarbitterwässern von Sedlitz und Saidschütz (östlich von Püllna). Die ganze Gegend ringsherum bis an die Eger ist braunkohlenhältig. In geringer Tiefe unterhalb der Bodenfläche ist ein reichhaltiges Lager von tertiärem Mergel, der zahlreiche Krystalle von schwefligen Gebilden und schwefelsauren Salzen, sowie von Basalt enthält. Diese Bildungen sind die Werkstätte des Bitterwassers; aus ihnen wird es durch den Zutritt des Wassers von der Oberfläche (des atmosphärischen Wassers) erzeugt. Es sind daher die Bitterwässer Seihewässer, kommen nicht aus grosser Tiefe, sondern von den Seiten bis zu einer gewissen Abtiefung und sind durch das genannte Mergellager bedingt. Deshalb dürfen die Brunnen nur bis zu einem gewissen bestimmten Masse abgeteuft werden. In Püllna beträgt es 1·8 bis 2·8m. Das Püllnaer Bitterwasser ist ein helles, klares Wasser von etwas gelbgrünlicher Farbe, das überhaupt geruchlos ist, jedoch in den Frühstunden im Brunnengebäude einen angenehmen, veilchenartigen Geruch wahrnehmen lässt, der wohl von einem besonderen Naphtha-Oele herrühren mag. Der Geschmack dieses Wassers ist salzig und bitter, ohne dabei die Zunge und den Gaumen unangenehm zu berühren. Es ist ein gelinder Weise, doch kräftig auflösendes und abführendes Mineralwasser, das, abgesehen von den bewirkten Entleerungen, Secretionen, namentlich der Verdauungsorgane bethätigt, den Stoffwechsel beschleunigt, die organische Säftemasse verdünnt und den gesammten Digestionsprocess anregt.

Brüx-Kollosoruk-Kosel (2 Stunden). Durch das Biela- und Serpina-Thal kommen wir auf der Launer Strasse nach Kollosoruk mit einem prächtigen Schlosse, umgeben von schönen Anlagen und dem Herrn Richter in Prag eigenthümlich, erblicken links das sich auf einer Anhöhe malerisch abhebende Luschitz und schliessen unsere Tour mit Kosel ab, wo sich der Hořenzer Berg mit den hier vorfindlichen Aragoniten erhebt. (Retour nach Brüx von Obernitz mit der Bahn.)

Brüx-*Sauerbrunn-Bilin (2 Stunden zu Fuss oder mit der Aussig-Teplitzer Bahn nach Preschen und von da nach Bilin und Sauerbrunn oder mit der Prag-Duxer Bahn über Obernitz nach Sauerbrunn-Bilin). Wir gehen in südöstlicher Richtung durch das Bielathal, berühren Rudelsdorf und Kahn und wenden uns hier mit der Biela nach Nordosten, kommen nach Obernitz, Böhmisch-Zlatnik, betrachten hier die rechts stehenden, äusserst interessanten Kuppeln des Böhmisch-Zlatniker 517m und Sellnitzer Berges, gehen an dem Dorfe Sellnitz vorbei, berühren weiter in dem immer schöner und interessanter werdenden Thale Liebschitz, sehen nun den imposanten, durch seine zerrissene Gestalt eigenthümlichen und 535m hohen Bořen vor uns, und gelangen nach kurzer Wanderung zu unserem Ziele, dem jüngsten Badeorte des nordwestlichen Böhmen, zum Sauerbrunn.

Dieser aufstrebende Curort (Station der Prag-Duxer Bahn, daher von Dux, Teplitz und Brüx leicht erreichbar), hat jetzt ein grossartiges Curhaus, welches glänzend eingerichtet ist und allen Comfort bietet. Seine Lage ist eine herrliche. Von der Terrasse des Curhauses sehen wir den merkwürdig gestalteten Bořen vor uns und lassen unsere Blicke über einen grossen Theil des böhmischen Mittelgebirges schweifen. Im Souterrain des Curhauses befinden sich allen Anforderungen entsprechende gewöhnliche und Dampfbäder, und der im Parterre hergestellte geräumige Lese- und Conversationssaal befriedigt alle Ansprüche, selbst der verwöhnten Besucher der nordwestböhmischen Bäder. Die das Curhaus umgebenden Anlagen sind herrlich und verleihen dem Curorte, der sich von Jahr zu Jahr hebt, einen besonderen Reiz. Der Aufenthalt daselbst ist nicht kostspielig. Das schönste, mit aller Bequemlichkeit ausgestattete Zimmer kostet nur zwölf Gulden in der Woche, ein kleineres und ganz entsprechend eingerichtetes 6 bis 8 fl. Eben so mässig sind die Preise der Speisen in der eigenen Restauration, welche vom 1. Jänner dieses Jahres von einem tüchtigen Wirthe in Pacht genommen wurde. Der Brunnen liefert aus 4 Quellen ein kohlensaures Wasser. Sie liegen am nordöstlichen Abhange des Ganghofer Berges. Es ist nicht bekannt, zu welcher Zeit sie entdeckt worden sind. Ein bleibendes Augenmerk erhielten sie erst zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, wo die Fürstin Eleonore von Lobkowitz Besitzerin der Herrschaft wurde. Die Josefs- und Caroline-Quellen sind so ergiebig, dass sie allein den ganzen Bedarf decken. Das Wasser wird theils an Ort und Stelle, besonders von Touristen, Curgästen aus Teplitz und Besuchern aus der nächsten reichen Umgebung, unter deren angenehmste Ausflüge eine Fahrt oder ein Spaziergang nach dem »Biliner Sauerbrunn« gehört, getrunken, theils und zwar grösstentheils so bedeutend versendet, dass heute über eine Million Glasflaschen in die Welt geht. Das Wasser ist ein hervorragender Repräsentant der alkalischen Säuerlinge, zeichnet sich in der Wirkung als säurebindendes, die Alkalessenz des Blutes erhöhendes Mittel vor allen anderen aus, leistet daher bei Sodbrennen, Magenkrampf, chron. Magenkatarrh, bei sogenannter Harnsäure, Nierensteinen, Gicht, chron. Rheumatismus, chron. Blasen- und Lungenkatarrh, bei Gallensteinbildung, Fettleber und Scrophulose die erspriesslichsten Dienste. Auch bietet der Biliner Sauerbrunn ein vortreffliches, dietätisches – mit Wein- oder Citronensaft und pulverisirtem Zucker versetzt – vermöge seines grossen Kohlensäuregehaltes, hochschäumendes, erfrischendes Getränk und ist dann, insbesondere während der heissen Sommermonate zu empfehlen. Ueberdies gewinnt man durch Abdampfen des Wassers in einem eigenen Laboratorium kohlensaures Natron (Biliner Pastillen).

Grosses Interesse wendet der Tourist dem Bořen, auch Biliner Stein genannt, zu. Er ist ein Klingsteinfelsen und wird von den Botanikern wegen seines Reichthums an seltenen Pflanzen viel besucht. Aus der Ferne betrachtet, präsentirt sich der steile und schroffe Fels, dessen Basis von Feldern und Obstgärten umgeben ist, als eine riesige, compacte Masse, weist aber in der Nähe eine Menge von Rissen und Zerklüftungen auf, so dass er durch sein abenteuerliches Zickzack das Staunen des Besuchers erregt und durch diese seine pittoreske Gestalt an den Säntis bei St. Gallen in der Schweiz, von Lindau oder Bregenz aus betrachtet, erinnert. Der Anstieg ist höchst schwierig und nur auf der westlichen Seite möglich. Ein Führer ist nicht nöthig, da der Weg durch weisse Striche an Steinen und Bäumen bezeichnet ist. Vom »Sauerbrunn« erreichen wir die Spitze in einer Stunde. Wir überschreiten bei der Station die Bahn, gehen auf dem Wege einige hundert Schritte fort, lenken in den nach links sich abzweigenden Weg ein und folgen nun den oberwähnten Strichen. Da das Steingeröll leicht nachgibt, so ist beim Anstieg alle Vorsicht zu gebrauchen. Unter den Höhlungen ist die Michelshöhle die hervorragendste. An ihrem Eingänge ist die gewaltige Basaltsäule beachtenswerth. Diese Felsart finden wir längs der östlichen und südlichen Seite des Bořen. Dieser Berg ist überhaupt eine der ersten Zierden des an malerischen Schönheiten und geognostischen Merkwürdigkeiten so überaus reichen Mittelgebirges, er ist der Stolz der Gegend.

Die Aussicht vom Bořen ist überraschend schön; wir übersehen die westliche Seite des Teplitzer Thales mit den prächtig bewaldeten, schluchtenreichen Abhängen des Erzgebirges. Im Norden sehen wir zu unseren Füssen das freundliche Städtchen Bilin und den reizend gelegenen »Sauerbrunn«, weiter links Dux mit seinem stattlichen Kirchthurme, dem gräflich Waldstein'schen Schlosse sammt Park, dann weiter am Fusse des Erzgebirges das romantisch gelegene Stift Ossegg. Aus der Teplitzer Ebene ragt der Schlossberg empor und erweckt unsere Aufmerksamkeit, rechts davon sehen wir die Ruine Kostenblatt, noch weiter rechts, gerade in östlicher Richtung die Klotzberge, den Radelstein, der Milleschauer ist verdeckt. Im Süden erblicken wir den Millayer Berg 504m, weiter den Hoblik von derselben Höhe und schliesslich die Launer Berge, im Westen den Böhmisch-Zlatniker Berg, Brüx mit dem prächtigen Schlossberge, im Nordwesten hebt sich Eisenberg aus dem Grün der Tannen und Buchen hervor, und weiterhin verfolgt das Auge den Rücken des Erzgebirges.

Eine eben so schöne Aussicht bietet der Ganghofer Berg, dessen Gesteine deutlich die Verwandtschaft des Klingsteins mit gewissen Prophyr-Abänderungen zeigen. Er erhebt sich westlich über dem »Sauerbrunn«, ist leicht zu besteigen, da nahezu bis zum Gipfel schön angelegte Promenadenwege führen.

Ein bequemer Fahrweg führt in 20 Minuten langsamen Gehens zu dem niedlichen Städtchen Bilin.

Bilin.

Gasthöfe: »Hohes Haus,« »Weisser Löwe«, beide am Marktplatz.

Post- und Telegrafenamt (ersteres Lange Gasse, letzteres Wenzelsplatz). Aussig-Teplitzer Bahn mit dem Bahnhof Preschen, 10 Minuten entfernt; Prag-Duxer Bahn mit den Stationen Sauerbrunn und Bilin. Bielathalbahn, Verbindung mit Aussig.

Fahrgelegenheiten: Postomnibus zum Bahnhof in Preschen.

Die Stadt zählt beiläufig 5000 Einwohner, liegt an der Biela, welche die Stadt selbst von der Brüxer Vorstadt trennt und hier den von Südosten kommenden Zischken-Bach aufnimmt. Im Süden erhebt sich der Bořen, im Westen der Ganghofer Berg, im Norden, hinter der Teplitzer Vorstadt, der grosse Chlum, im Osten der Schlossberg, dessen Fortsetzung der Hradischt heisst.

Geschichtliches. Die Erzählungen von der »Fürstin Bila«, die schon 744 hier ein Schloss erbaut und dem Orte, sowie dem Flusse den Namen gegeben haben soll, dann von den »Bilinen«, einem čechoslavischen Stamme, der sich zu Ende des 5. Jahrhunderts hier an den Gestaden der sanft dahingleitenden Biela ansiedelte, dürften in das Bereich der Sagen gehören. Indessen sind echte geschichtliche Ueberlieferungen von der ehemaligen »Provinz Bilin« vorhanden, welche schon vor dem 11. Jahrhunderte im Auftrage der böhmischen Herzoge von eigenen Grafen verwaltet wurde. Unter König Wenzel II., der von 1223 bis 1253 regierte, erhielt Hogerius, der Truchsess dieses Königs, die Burg und die Stadt Bilin für sich und seine Erben als Geschenk. Im J. 1342 wird in den Urkunden einer Schule erwähnt. Albrecht von Berka verlieh der Stadt im J. 1365 gewisse Privilegien und wurde 1381 vom Kaiser Karl IV. mit Bilin belehnt. Im Husitenkriege, wo sie dem Albert von Kolditz gehörte, wurde sie 1421 erobert und verwüstet. Im J. 1426 bemächtigte sich der Stadt Jakubko von Wřeschowitz, der sich von ihr den Namen Bilinský beilegte. Nach seinem Tode fiel sie wieder an die Herren von Kolditz und gelangte dann 1464 an die Herren Popel von Lobkowitz. Von dieser Zeit verblieb sie bei dieser Linie, welche mit dem Grafen Leopold von Lobkowitz im Jahre 1707 männlicherseits erlosch. Die Tochter Eleonora Carolina vermählte sich mit Philipp Fürsten von Lobkowitz, Herzog zu Sagan und vermachte ihm die Herrschaft Bilin. Ihm folgte 1748 sein Sohn Ferdinand Fürst von Lobkowitz, Herzog zu Sagan, diesem 1796 sein Sohn Franz Josef, Fürst von Lobkowitz, Herzog zu Raudnitz, und diesem Moritz Fürst von Lobkowitz, Herzog von Raudnitz, der gegenwärtige Besitzer.

Sehenswürdigkeiten: Das stattliche Fürst Lobkowitz'sche Schloss mit seinem schönen Parke. Dasselbe überragt die Stadt, und wurde um das J. 1680 von Christof Freiherrn von Lobkowitz erbaut. Es enthält eine Menge unterirdischer Gänge, worin man alte Pfeile und andere Gegenstände gefunden; die schöne Pfarrkirche ist auch zu beachten. Sie wurde schon 1061 gegründet, besteht aber in ihrer jetzigen Gestalt erst seit 1573. Bemerkenswert sind noch die neugebaute Schule und das Gerichtsgebäude.

Touren:

Radek-Werschetiner Berg-Suttomer Berg-Skalken-Kostial-Lobositz oder umgekehrt. (Wir wählen zum Standorte Bilin oder von der entgegengesetzten Seite, je nachdem der Tourist kommt, Lobositz.)

Bilin-*Radelstein. Zum Radelstein entweder über Kutschlin und Rasitz (mit Führer) oder über Radowesitz und Stepanow. Dieser Berg liegt inmitten des Mittelgebirges und bietet uns von seinem Rücken ein interessantes Bild. Er ist nicht, wie die anderen Berge des Mittelgebirges, spitzig, sondern zeigt einen breiten, waldigen Rücken, dessen höchste Erhebung ein ebenes, rundes, frischgrünes Plateau bildet. Dieses ist ringsum von mächtigen Steinwällen eingefasst, hinter welchen sich dunkles Nadelholz erhebt; nur ein kleiner Lärchenwald macht sich bemerkbar und kennzeichnet den Radelstein schon von der Ferne. Die Steinwälle stammen offenbar aus altheidnischer Zeit her. Hier bestand gewiss eine heidnische Cultusstätte, wie auf dem Deblik bei Leitmeritz, dem Hradek bei Gross-Czernosek, wo sich derartige Steinwälle gleichfalls vorfinden. Ueberreste von Burgen sind es, wie die Sage berichtet, nicht, da Mauerreste nicht zu entdecken sind, und eine gänzliche Beseitigung derselben von so hochgelegenen Punkten nicht möglich ist.

In dem hier befindlichen Forsthause wird uns eine Erfrischung verabreicht. Die schönste Aussicht geniessen wir von der Hütte auf der Südseite des Plateaus. Im Süden erblicken wir zwischen den Launer Bergen die Stadt Laun, rechts davon den Hoblik und den Millayer Berg; im Südosten präsentirt sich uns die Hasenburg, rechts davon die ausgedehnte, fruchtbare, von der Eger durchschnittene Ebene. Links von der Hasenburg sehen wir im Hintergründe den prächtigen Georgsberg (Říp) bei Raudnitz, im Vordergrunde den Kostial mit seiner Ruine, an seinem Fusse links den hohen Thurm von Skalken. Weiter links erblicken wir die Elbe mit der Brücke bei Leitmeritz, das sich hinter dem Lobosch verbirgt, und weiter links am Horizont den Wilschberg und Geltsch, zwischen denselben den Ronberg und in weiter Ferne hinter diesem den Jeschken. Auch der Milleschauer und die Berge bei Aussig sind sichtbar. Im Norden ist der Horizont durch das Erzgebirge, aus dem das Mückenthürmchen und der Schneeberg hervorragen, begrenzt und im Westen erscheint der Böhmisch-Zlatniker, der Ganghofer Berg und im Vordergrunde die dunkle Masse des Bořen. Die Aussicht ist grossartig und es steht zu erwarten, dass die Touristen diesem Punkte künftighin eine solche Aufmerksamkeit schenken werden, wie er es verdient.

Östlich vom Radelstein liegen der Suttomer Berg und Skalken, südlich von diesen der Werschetiner Berg – auf derselben Strasse wie zum Radelstein von Bilin in 2 bis 3 Stunden zu erreichen. Suttom und Skalken liegen ¼ Stunde auseinander. Der Suttomer Berg ist leicht zu ersteigen und bietet eine schöne Aussicht. Das Dorf hat eine schon im J. 1388 bestandene, in ihrer jetzigen Gestalt aber erst 1716–1724 durch Anna Sigismunda Gräfin von Hřzan, damalige Besitzerin des Gutes Skalken, erbaute Pfarrkirche. Südöstlich davon liegt das Dorf Wlatislav im Thale des Modelbaches. Es sollte eigentlich Wlatislav heissen, da es ehedem eine wohlbefestigte, von dem Saazer Herzog Wlastislav erbaute Stadt gewesen, aber schon im J. 936 vom Prager Herzog Boleslaw I. zerstört worden sein soll. Die Spuren einer dreifachen Schanze auf einer Anhöhe nördlich vom Dorfe hält man für Ueberreste der ehemaligen Burg. Am südlichen Flügel des Schlosses im Dorfe Skalken erhebt sich auf einem schroffen Felsen ein alterthümlicher, 18·9m hoher ovaler Thurm, mit 3·7m dicken, sehr festen Mauern, welche aus weissen Bausteinen bestehen; in das Innere konnte man früher nur von der steilsten Seite des Felsens mittelst einer 3·7m über dem Boden in der Mauer befindlichen viereckigen Oeffnung gelangen. Höchst wahrscheinlich ist es ein sogenanntes Burgverliess gewesen. Die Aussicht ist ungemein lieblich, da den Felsen ein herrlicher Kranz von vulcanischen Bergen umgibt. Auf der Strasse südlich von Watislav kommen wir in einer halben Stunde nach Woborzitz, in dessen Nähe sich der Woborzitzer Berg, der Werschetin, 426·6m hoch, befindet und dann nach dem Dorfe Podseditz mit den Granatengruben und einer Granatenfabrik.

Südöstlich von Skalken (etwa ¾ St.) liegt der *Kostial, ein schön geformter Basaltfels, der auf seinem Scheitel die malerischen Trümmer einer Burg trägt. Dieser Punkt, sowie die Hasenburg sind von Lobositz besser und angenehmer zu erreichen, und es empfiehlt sich die Theilung der Tour von Bilin nach Lobositz in die Touren: Bilin-Radelstein und Lobositz-Hasenburg-Kostial bis einschliesslich Suttomer Berg. Auf den Kostial gehen wir von Lobositz südwestlich auf der Strasse über Sullowitz (½ St.), Jentschitz (¾ St.) und wenden uns hier rechts nach dem ¾ St. südöstlich von Skalken gelegenen Dorfe Kostial, am östlichen Abhange des Kostialer Berges. Von da gehen wir in westlicher Richtung auf den Berg und erreichen ihn in einer halben Stunde (für den ganzen Weg von Lobositz 2 St.) Die Aussicht ist sehr lohnend. Südlich begegnen unsere Blicke der herrlichen Hasenburg, im Hintergrunde der Stadt Budin, südwestlich und westlich in der Ferne dem Hoblik und Millayer Berge und in der Nähe dem Werschetiner Berge, dem Radek, weiter nach Nordwesten dem Radelstein, den Klotzbergen und im Norden dem Milleschauer, im Hintergrunde dem Erzgebirge mit dem Schneeberg, rechts vom Milleschauer dem Kletschen, östlich der Elbe mit den Städten Lobositz und Leitmeritz, dem Radobyl und dem hohen Geltsch und südöstlich dem Georgsberg mit der Stadt Raudnitz am Fusse desselben und weit im Hintergrunde der Stadt Melnik.

Der Abstieg erfolgt nach der Stadt Trebnitz, südlich am Fusse des Kostialer Berges und am Modelbache, sowie an der Lobositzer Strasse gelegen. In der Pfarrkirche, welche schon seit dem J. 1384 besteht, sind 2 kunstreiche Alabasterbilder. Auch befindet sich hier ein in den Jahren 1573 bis 1575 geschriebenes Cancionale in böhmischer Sprache aus 470 kalbledernen Blättern bestehend und nach damaliger Weise mit schönen Malereien, Goldbuchstaben, Initialen u. s. w. verziert. Von da gehen wir auf der Strasse südlich nach Chodolitz und biegen vor dem Orte Klapay links auf die *Hasenburg ab (2¼ St.). Das ist ein steiler, 413m hoher und aus Basalt bestehender Berg, welcher durch seine schönen, zu Tage entblössten Säulengruppirungen dem wissenschaftlichen Forscher sowohl als dem Naturfreunde überhaupt ein hohes Interesse bietet. Auf der Hasenburg liegen die Ruinen der alten Burg Klapay, welche aus zwei hohen, weit in die Ebene sichtbaren Thürmen besteht. Der eine dieser Thürme ist viereckig und wird gewöhnlich der weisse, der andere runde aber der schwarze Thurm genannt. Diese Burg soll schon im J. 874 erbaut worden sein; im J. 1336 ist sie an die Familie der Hasenburge gekommen und wird auch seit dieser Zeit Hasenburg genannt. Im J. 1431 wurde sie von den Taboriten erobert und von ihnen gänzlich zerstört; seitdem ist sie nicht mehr bewohnt worden.

Die Aussicht ist prachtvoll. Im Norden das Erzgebirge, in derselben Richtung, sowie im Nord-Westen, Westen die wiederholt oben (siehe Kostial) angegebenen herrlichen Punkte unseres höchstinteressanten Mittelgebirges, im Osten der Georgsberg, südöstlich die Stadt Libochowitz mit Schloss und Kirche und nach diesen beiden Richtungen hin, die herrlichen, fruchtbaren Thäler der Eger und Elbe mit zahlreichen Städten, Dörfern und Weilern.

*Der Milleschauer. Derselbe ist 834m hoch und besteht aus Klingstein. Unter den einzelnen Bergen des Mittelgebirges nimmt er den ersten Platz ein. Die weite und reizende Aussicht, welche man von hier über einen sehr beträchtlichen Theil unseres schönen Heimatslandes, namentlich auf das Erzgebirge, das Teplitzer- und Bielathal, weit über das rechte Elbufer, wo das Iser- und Riesengebirge den Horizont begrenzen, ferner nach Südosten und Süden über Rakonitz bis in die Umgebungen Prags und selbst noch jenseits der Hauptstadt über das rechte Moldauufer hinaus geniesst, machen diesen Berg zu einem der herrlichsten Standpunkte für den Bewunderer mannigfaltiger Naturschönheiten und eines mit den Gaben der Ceres überschütteten, durch Gewerbefleiss blühenden, nach allen Richtungen hin mit Städten, Flecken und Dörfern bedeckten Landes. Die Zahl der Besucher dieses herrlichen, bis zur Spitze reich bewaldeten und höchst interessanten Berges ist sehr gross und steigert sich von Jahr zu Jahr. Die oben befindliche Restauration entspricht in Bezug auf Qualität der Speisen und Getränke und Unterbringung der Gäste in den geräumigen, mit allem Comfort ausgestatteten Mooshütten allen Anforderungen. Die Wege nach dem Milleschauer sind recht bequem.

Touren nach dem Milleschauer:

Teplitz-Borislau-Pilkau (4 St. zu Fuss – bis Pilkau ein guter Fahrweg – in Pilkau gibt es Esel und Tragsessel für diejenigen, welche nicht steigen können oder wollen). Wir gehen auf der Strasse nach Lobositz in südöstlicher Richtung nach Auperschin (1 St.), Schallan (¾ St.), am Abhange des Mittelgebirges endlich nach Borislau (½ St.), bereits hoch im Mittelgebirge; dieses Dorf hat eine im J. 1717 neuerbaute und 1820 auf Kosten des Fürsten Johann von Clary restaurirte Kirche mit einem Gemälde von einem unbekannten Meister, den Märtyrertod der hl. Katharina darstellend; dasselbe wird von Kennern sehr gelobt. Nach einer halben Stunde erreichen wir, rechts von der Strasse abbiegend, das am Fusse des Milleschauer liegende Dorf Pilkau, von wo aus wir die Spitze des Berges in einer Stunde auf einem gut erhaltenen, steilen Wege erreichen.

Aussig-Türmitz-Kosten-Staditz-Tschochau-Borislau-Pilkau (5 St.). In einer halben Stunde erreichen wir von unserem Standquartiere Aussig den Ort Türmitz, an beiden Ufern der Biela gelegen, setzen unseren Weg im Bielathal fort und kommen nach Kosten und Staditz; in letztem Orte, dem Geburtsorte Přemysl's, dem Gemahl Libuša's, verweilen wir einige Zeit, lassen uns die Haselstaude, in welche sich die von Přemysl in die Erde gesteckte Ruthe verwandelt haben soll, zeigen und besichtigen noch das sogenannte Königsfeld, d. i. das Feld, wo Přemysl pflügte, als ihn die Gesandten der Libuša fanden. Nach Passirung der Orte Tschochau und Borislau erreichen wir auf der schon berührten Tour über Pilkau unser Ziel. (Für diese Tour können wir auch die Bielathalbahn bis zur Station Tschochau-Hlinai benützen; siehe überdies Bereisung von Teplitz über Tschochau.)

Lobositz-Billinka-Wellemin-Milleschau-Milleschauer.


Lobositz.

Lobositz liegt an der Mündung des Modelbaches in die Elbe, Stadt mit etwa 4000 Einwohnern.

Gasthäuser: »Hôtel Post« am Bahnhof, »schwarzes Ross«, »goldener Löwe«; »Dampfschiffrestauration an der Elbe« mit prächtiger Aussicht, schöner Garten. – »Hôtel zur Eisenbahn«.

Post- und Telegrafenamt.Eisenbahn- und Dampfschifffahrts-Station.

Fahrgelegenheiten.Schwimmanstalt.

Bei Lobositz verlässt die Elbe die westliche Richtung, schlägt die nördliche ein und strömt mit derselben mit einigen kleinen Abweichungen bis Zirkwitz. Die mit zahlreichen Ortschaften, Wein- und Obstgärten bedeckten Ufer- und Bergabhänge zu beiden Seiten des Stromes gehören unter die reizendsten Gegenden nicht bloss von Böhmen, sondern von ganz Oesterreich-Ungarn.

In Lobositz sind viele Fabriken und Industriewerke im Betrieb, darunter bedeutende Zuckerfabriken, eine Dampfmühle, und die grossartige Cichorienfabrik von Tschinkel. Die Pfarrkirche ist ein in den Jahren 1733 bis 1743 von Grund aus neu errichtetes schönes Gebäude, welches im Presbyterium den aus der vorigen alten Kirche aufbewahrten Marmorgrabstein der am 7. März 1702 verstorbenen Markgräfin Maria Franziska von Baden und Hochberg, geb. Landgräfin von Fürstenberg, enthält. Von den Glocken trägt eine die Jahreszahl 1532, die andere 1691.

In dem herrschaftlichen Schlosse befinden sich die fürstlich Schwarzenberg'schen Wirthschaftsämter und ein Saal für chemische Untersuchungen. Bei der Erhebung des Ortes Lobositz zum Range einer Stadt unter Kaiser Rudolf II. im J. 1600 (zu deren Erinnerung im J. 1776 auf Kosten des damaligen Primators Johann Georg Tscherney die St. Procopius-Säule auf dem Marktplatze errichtet wurde) erhielt Lobositz das Recht, ein eigenes Wappen zu führen und an jedem Freitage einen Wochenmarkt zu halten. Das Wappen enthält zwei Thürme im blauen Feld und ein offenes Thor mit einem Schutzgitter und einem Löwen darunter. Die Stadt ist reich an geschichtlichen Momenten. In den Jahren 1315, 1648, 1680 und 1742 richteten die Pest und andere Seuchen in der Stadt und Umgebung grosse Verheerungen an, woran noch die Namen der »Pestkirchhöfe« und einige Merkzeichen in der Gegend erinnern. Während der Husitenkriege wurde Lobositz besonders in den J. 1420 und 1426 sehr hart mitgenommen. Im 30jährigen Kriege hatte es in den J. 1634, 1635 und 1639 von den Schweden grosse Drangsale zu erdulden. Am 1. October 1756 fand hier am Fusse des Lobosch-Berges die erste Schlacht im 7jährigen Kriege statt. Nach der Schlacht bei Kolin, dann in den J. 1759 und 1773 hatte es abermals viel zu leiden. Wiederholte Feuersbrünste verursachten auch vielfachen Schaden. Am 13. Februar 1809 wurde die Stadt sammt dem Schlosse ganz eingeäschert. Kaum hatte sie sich von diesem Unglücke erholt, als 1813 der verhängnissvolle Krieg zwischen Frankreich und den verbündeten Mächten ausbrach und die Stadt die Nähe des Kriegsschauplatzes mehrere Monate hindurch schmerzlich empfinden liess.

Von Lobositz gehen wir auf der Strasse in nordwestlicher Richtung nach Billinka (¾ St.) auf einer sanften Anhöhe. Bevor wir die Tour auf den Milleschauer fortsetzen, statten wir von hier aus dem rechts (östlich) von der Strasse gelegenen *Lobosch 568m einen Besuch ab. Derselbe ist nach Süden und Osten durch keine Vorberge gedeckt und gestattet deshalb eine herrliche Uebersicht von einem grossen Theile des ehemaligen Leitmeritzer und Rakonitzer Kreises. (Der Besuch dieses Berges empfiehlt sich mehr von Lobositz über Welhota.) Von Billinka wandern wir auf der Strasse über Wellemin nach Milleschau, einem Dorfe am südöstlichen Abhange des »Milleschauer«. Hier befindet sich ein grosses und sehr schönes von Kaspar Zdenko von Kapliř im J. 1682 auf einem hohen Felsen erbautes Schloss und ein grosser Obst-, Gemüse- und Ziergarten. Von Milleschau aus erreichen wir auf einem guten, stellenweise sehr steilen Wege die Spitze des Berges.

Bilin-Kostenblatt-Tschentschitz-Milleschauer. Von Bilin nach Kostenblatt 1 Meile, und von da, am besten mit Führer, in östlicher Richtung meist durch Wald nach Tschentschitz (¾ St.), hoch im Gebirge, am Abhange des »Milleschauer«. Hier kann der Führer entlassen werden.