F. Der Besuch des Erzgebirges von Dux aus über Oberleutensdorf.
*Dux.
(Von Eger-Karlsbad und von Aussig mit der Bahn leicht zu erreichen.)
Gasthöfe. Hôtel »zur Krone«, »Herrschaftlicher Gasthof«, Gasthof »zum weissen Ross«, »Zum Tobisch«.
Post- und Telegrafenamt.
Bahnhof der Aussig-Teplitzer und der Dux-Bodenbacher Bahn.
Dux, Stadt 213m (4000 E.) mit mehrfachen gewerblichen Anlagen: Zuckerfabrik, Glasfabrik, Syderolithwaarenfabrik, Kohlenwerke u. s. w.
Sehenswürdigkeiten: Neben der Kirche (kostbares Tabernakel und Altarbild) das Schloss, dem Grafen Waldstein, Nachkommen eines Nebenzweiges der Familie des berühmten Friedländers, gehörig; es enthält 4 Säle, 60 Zimmer und besitzt einen berühmten Garten. Im Schlosse ist besonders sehenswerth: 1. Der grosse Familiensaal mit Bildnissen aus der Familie Waldstein und dem höchst imposanten Deckengemälde von Reiner, welches die Scene darstellt, wie Heinrich Waldstein 1254 dem Könige Ottokar seine 24 Söhne nebst 24 Knappen, sämmtlich zu Ross, vorführt. 2. Die Bildergallerie, in 8 Zimmern, wo sich auch das Portrait des Herzogs von Friedland von van Deyk befindet. 3. Der Waffensaal, der unter den verschiedensten Armaturen auch Waffenstücke des grossen Friedländers aufzuweisen hat. 4. Das Porzellan-Cabinet mit seinen japanesischen und chinesischen Vasen, Pyramiden und Figuren. 5. Das Kunst- und Antiken-Cabinet mit Antiquitäten aus Herkulanum und Pompeji, Fayence-Malereien, Mosaiktafeln, Bronce-Gruppen, Modellen u. s. w. 6. Die Bibliothek mit ca. 12.000 Bänden, darunter viele alte Manuscripte, Prachtwerke, Kupferstichsammlungen u. s. w. 7. Das Naturaliencabinet enthält eine reiche Sammlung von Mineralien, Seegewächsen, Conchilien, Fischen und Vögeln.
Im Schloss-Vorhofe ein Wasserbehälter aus Geschützen verfertigt, die der Friedländer erobert hatte.
Geschichtliches. Stadt und Herrschaft gehörte zu Anfang des 16. Jahrhunderts Joh. Kapiřz von Sulewitz, welcher sie 1530 an Dippold v. Lobkowitz verkaufte. Bei dieser Familie verblieb sie bis 1618. Bald darauf aber gelangte sie durch Kauf an den Grafen von Waldstein; Johann Friedrich Graf von Waldstein, Erzbischof zu Prag, erhob 1680 Dux und Oberleutensdorf zu einem Fideicommiss und vererbte sie 1694 an Johann Grafen von Waldstein-Wartenberg, nachmaligen Landesmarschall von Böhmen.
Spaziergänge.
Zur Riesenquelle, auch Grünze genannt, 20 Minuten an der Strasse nach Teplitz mit Fremdenzimmern, Gartenanlagen; enthält zugleich Gesundheitsbäder durch die in der Nähe befindliche Quelle.
Nach Ossegg ¾ Stunden. Der Weg führt unterhalb der Kirche an der Schlossgartenmauer, dann längs des Baches sehr angenehm.
*Ossegg, 1100 E., Marktflecken am Fusse des Erzgebirges.
Gasthöfe: Hôtel »zum Kaiser von Oesterreich« mit Garten-Restauration; Gasthof »zur Weilburg«.
Bahnhof der Dux-Bodenbacher und der Dux-Prager Bahn.
Ossegg kommt als Sommeraufenthaltsort immer mehr in Aufnahme.
Sehenswürdigkeiten: Die *Stiftskirche des Cistercienserstiftes.
Die Errichtung dieses Stiftes reicht in das Jahr 1196 zurück, in welchem Slavko von Riesenberg (od. eigentlich Riesenburg), der damalige Besitzer der hiesigen Gegend, die schon im Jahre 1193 durch Johann Milgost aus Waldsassen in Baiern nach dessen Besitzung Maschau bei Kaaden berufenen Geistlichen des Cistercienser-Ordens, welche daselbst durch häufige Ueberfälle von Räubern sehr beunruhigt und zur Verlegung ihres Sitzes gezwungen wurden, bei sich aufnahm, ihnen die bereits früher hier bestandene Marienkirche abtrat und die neue Niederlassung durch mehrere Dörfer und andere Geschenke so reich dotirte, dass sie dadurch für den Verlust ihrer früheren Besitzungen zu Maschau, welche ihnen Milgost, aus Verdruss darüber, dass sie ohne sein Vorwissen ihren Sitz verändert hatten, wieder entzog, schadlos gehalten wurden. König Přemysl Ottokar I. bestätigte 1203 die neue Stiftung, nahm sie in seinen königl. Schutz und beschenkte sie mit neuen Gütern und Vorrechten. Aber schon 1249 überfiel Přemysl Ottokar, Markgraf von Mähren, das Kloster, welches sich auf die Seite seines Vaters Wenzel I. von Böhmen geschlagen hatte, jagte sämmtliche Geistliche weg und gab das Kloster den Soldaten preis. Zwar entschädigte er, nachdem er selbst König von Böhmen geworden, dasselbe in reichem Masse für die erlittenen Verluste, aber nach seinem Tode (1278) wurde es neuerdings durch die Truppen Rudolfs von Habsburg zerstört und ausgeplündert. Kaum wieder hergestellt, gerieth es 1341 neuerdings in Brand, bis es 1421 von den Pragern und 1429 von den Taboriten dergestalt zerstört und verwüstet wurde, dass es lange Zeit ganz verödet blieb. Erst vom Jahre 1626 an begann es wieder aufzuleben; es wurden jetzt Kloster und Kirche in ihrer gegenwärtigen Pracht erbaut.
Spaziergänge:
*Zur Salesiushöhe ¼ St.; auf der Strasse nach Langewiese, von der Säule links in den Wald 10 Min. Schönes Panorama über das Bielathal. Ihre Entstehung verdankt sie der Verehrung der Stiftsbrüder zu ihrem Prälaten Salesius Krügner. Von der Salesiushöhe zurück bis zur Strasse; jenseits derselben Fussweg 5 Min. zum Kroatenloch; alter Bergwerksstollen. Fussweg fortsetzen nach Riesenberg.
Ausflüge:
1. *Riesenburg ½ Stunde, dem Domainenbesitzer von Dux gehörig, eine der ältesten Burgen Böhmens, im 9. Jahrhunderte von dem böhmischen Ritter Slawko erbaut, gerieth ebenfalls durch die Husiten in Trümmer. Vom Wartthurme aus herrliche Aussicht.
2. Nach Klostergrab 1 St., Bergstadt, 1500 Einw.
Gasthof: »Zum Rathhaus«.
Endstation der Prag-Duxer Bahn; nord-nordöstlich von Ossegg gelegen.
Der Silberbergbau war einst in grösster Blüthe; denn schon im Jahre 1082 standen 600 Bergleute in Arbeit, die in einem Vierteljahre 13 Ctr. (728 Kgr.) geschmolzenes Silber producirten. Diese Bergleute sind durch ihre Ansiedelungen in der Nähe der Gruben als die Gründer des Ortes zu betrachten.
Klostergrab ist nebst Braunau der geschichtlich merkwürdige Ort, wo die ersten Funken der Religionsunruhen hervorbrachen, indem die daselbst befindliche protestantische Kirche 1616 auf Befehl des Kaisers Mathias zerstört wurde.
Merkwürdigkeiten:
Das Schützencorps besitzt einen aus Klostergraber Silber gearbeiteten Schmuck für den jeweiligen Schützenkönig.
Spaziergänge:
Oberhalb Klostergrab der *Königshügel; bietet eine herrliche Fernsicht über das Teplitzer Thal und die ganze Umgegend. Im Sommer auch Restauration.
3. Von Ossegg über die Riesenburg nach Langewiese (1 St), schöne Aussicht, und nach der Porphyrkuppe des *Wieselstein's (1 St.) 944m hoch. Von hier übersieht man das Bielathal, das Mittelgebirge, die Gegend bei Saaz und Kaaden.
Weiter nach dem gräfl. Waldstein'schen Jagdschlosse Lichtenwald; bietet nichts Bemerkenswerthes, wurde im Jahre 1760 erbaut. Dann nach Georgshöhe, einem einsam gelegenen Forsthause, und dem Höllengrund in das schöne Rauschengrunder Thal nach Oberleutensdorf (siehe Katharinaberg).
4. Von Ossegg über Ladung nach Oberleutensdorf 1¼ St. Zuerst auf der Strasse gegen Langewiese – schöner Rückblick –; wo die Strasse eine scharfe Biegung nach rechts macht, auf den Fussweg links in den Wald. Beim Heraustreten aus demselben prachtvolles Bild. Durch Ladung bei der Brettsäge rechts Fahrweg – nicht zu fehlen.
Oberleutensdorf.
Gasthöfe: »Drei Linden«, »Weisses Ross«, »Rathhaus«, »Kaiser von Oesterreich«.
Post- und Telegraphenamt.
Bahnhof der Dux-Bodenbacher, Prag-Duxer und 1 Stunde entfernt: Aussig-Teplitzer Bahn.
Oberleutensdorf, Stadt, 3300 E., 320m; Mittelpunkt der Spielwaarenindustrie, hat ferner eine Filztuch-, Garn- und Möbelfabrik, ein dem Grafen Waldstein gehöriges Schloss, ein stark eisenhaltiges Bad.
Geschichtliches. Oberleutensdorf war vor dem Jahre 1715 ein unbedeutendes Dörfchen und wurde in diesem Jahre von Karl VI. zu einem »Stadtl« erhoben; der Ort wuchs, besonders seit der 1715 in's Leben getretenen Tuchfabrication durch die aus Nah und Fern herbeiströmenden Arbeiter. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges schuf die eingeführte Strumpfwirkerei, noch mehr aber die seit 1822 für Oberleutensdorf so wichtige Erzeugung von Spielwaaren einen neuen Erwerbszweig. (Siehe: Geschichtliches über Dux.)
Sehenswürdigkeiten: 1. Das vom Grafen Johann Josef von Waldstein im J. 1732 erbaute Schloss mit dem neu angelegten schönen Park;
2. die Pfarrkirche mit einem schönen Altarblatt von Skreta;
3. auf dem Friedhofe die gräfliche Todtenkapelle mit der Todtengruft, worin der am 23. Mai 1823 verstorbene Franz Adam Graf von Waldstein-Wartenberg begraben liegt. Die Kapelle enthält ein meisterhaftes Denkmal des Verstorbenen;
4. das prächtige Bürgerschulgebäude, in herrlicher Lage auf einer kleinen Anhöhe.
Spaziergänge:
1. Zum *Schiesshaus; prächtige Lage am Saume des Waldes mit schöner Aussicht auf das ganze Mittelgebirge.
2. Nach *Rauschengrund ½ St. Vor dem Eingange in das Thal links von der Strasse neue, schön gelegene Restauration; weiter die Villa des Fabriksbesitzers Hrn. Riecken, dann die Baumwollspinnerei desselben. Einkehrhaus des Prokop Loos (siehe Katharinaberg).
3. Nach Sandel ½ St. durch den Wald sanft ansteigend mit schöner Aussicht; Gasthaus.
4. Nach *Hammer-Johnsdorf ¾ St., schön zwischen Obstgärten gelegen, als Sommeraufenthaltsort ziemlich besucht, reine, gesunde Waldluft, gegen Ost- und Nordstürme ganz geschützt. Weber's Hôtel zunächst der Haltestation der Dux-Bodenbacher Bahn, elegante Einrichtung, aufmerksame Bedienung. – Mildner's Gasthaus »zur deutschen Bruderhalle« mit einer prachtvollen Aussicht. Oberhalb der Bruderhalle am Saume des Waldes das im eleganten Schweizerstyl neuerbaute Curhaus des Med. Dr. Tschuschner mit entzückender Aussicht über das böhmische Erz- und Mittelgebirge. Griessel's Gasthaus. Hammergrundthal (siehe Bereisung von Katharinaberg).
5. Nach dem Gebirgsdorfe Schönbach ¾ St.; Gasthaus Fritsch, einfach, aber gut.
Ausflüge:
1. Nach dem Wieselstein über Schönbach 3 St., nur mit Führer (im Gasthause zu drei Linden beigestellt); von hier entweder über Langewiese, Riesenberg nach Ossegg (Siehe dieses), oder nach Lichtenwald in's Rauschengrunder Thal.
2. Nach Oberdorf ½ St., Göhren 1 St., böhm. Einsiedl ¾ St., Bad Einsiedl (sächsisch) 20 Min. (Siehe [Seite 154]).
3. Nach Eisenberg mit der Dux-Bodenbacher Bahn ½ St., prächtiges Schloss, grossartige Gartenanlagen.
4. Nach Obergeorgenthal, Nickelsdorf, von da auf den Bernstein – einem der höchsten und schönsten Aussichtspunkte der hiesigen Gegend –; von dort über Ladung nach Katharinaberg. (2, 3, 4 siehe Bereisung von Katharinaberg aus.)