E. Der Besuch des Erzgebirges von Görkau aus.
Görkau.
Görkau, eine Stadt mit mehr als 4000 Einwohnern, 15 Minuten südlich vom Fusse des Erzgebirges gelegen, von der Biela und dem Aubach durchflossen. Die Umgebung der Stadt bilden zahlreiche geschlossene Obstgärten, worin Birnen, Aepfel, Nüsse, Kirschen und Zwetschken gezogen werden. Die Stadt hat schöne Waldungen (über 2000 Joch), welche hoch im Gebirge zwischen den Waldungen der Herrschaft Rothenhaus, den fürstlich Lobkowitz'schen von Eisenberg-Neudorf und den Katharinaberger liegen. In jüngster Zeit hat die Stadtgemeinde auch die schöne Graf Wolkenstein'sche Waldherrschaft Göttersdorf angekauft.
Gasthöfe: Hôtel »Schorsch« – Garten, eigene Gelegenheit zur Bahn und zu anderweitigen Fahrten, zu Gebirgstouren;
»Weisses Ross« – Garten und Gelegenheit mit der Post zur Bahn; beide in der Kaiserstrasse gelegen;
»Zum rothen Hirschen« und »Zum Stern« am Ring gelegen; dann »Zum Nussbaum« ausserhalb der Bahnhofstrasse; grosse Gartenrestaurants: »Am Büschel« mit grossem Saale und Veranda – nebenan die Schiessstätte; »Zur Hütte« mit Billard; »Zum goldenen Kreuz« und »Am Rothenhäuser Keller«; ferner ein Mineralbad mit Restauration. Führer zu Gebirgstouren und Auskünfte in den 2 erstgenannten Gasthäusern.
Eisenbahn-Stationen: »Udwitz-Görkau« der Aussig-Teplitzer Bahn; »Görkau« der Dux-Bodenbacher Bahn; diese 10 Minuten, jene 25 Minuten vom der Stadt entfernt; zu jedem Zuge Gelegenheiten nach Udwitz.
In die Stadt führende Strassen:
- a) von Teplitz über Dux, Brüx, Seestadtl;
- b) von Teplitz über Ossegg, Oberleutensdorf, Obergeorgenthal, Eisenberg;
- c) von Karlsbad über Schlackenwerth, Klösterle, Kaaden, Kralupp, Komotau;
- d) von Saaz über Eidlitz oder Komotau;
- e) von Postelberg über Komotau oder Eidlitz;
- f) von der sächsischen Grenze über Kallich, Göttersdorf, Rothenhaus;
- g) von der sächsischen Grenze über Grünthal, Brandau, Gabrielahütte, Göttersdorf, Rothenhaus;
- h) von der sächsischen Grenze über Katharinaberg, Neuhaus, Göttersdorf, Rothenhaus;
- i) von der sächsischen Grenze über Kallich, Bernau, Gersdorf, Platten, Pirken.
Gebäude und Institute: 2 katholische Kirchen mit Dechantei, 1 protestantische Kirche mit Pfarrei, 1 jüdischer Tempel, 1 fünfklassige Volksschule für Knaben und Mädchen mit 10 Lehrsälen, 1 Kindergarten, 1 städtisches Krankenhaus, 1 städtische Sparkasse, 1 Bürgerversorgungshaus, 1 Apotheke. – (3 Doktoren der Medizin, 2 Thierärzte.)
Aemter und Behörden: ein k. k. Notariat, ein Stadthaus mit den Gemeindeämtern, ein k. k. Bezirksgericht, ein k. k. Steuer- und Grundbuchsamt, ein k. k. Post- u. Telegraphenamt, ein Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.
Industrielle Etablissements in der Stadt und deren nächster Nähe: 7 Baumwollspinnereien und Zwirnfabriken, 1 Papierfabrik, 4 Dampfmühlen, 9 Getreide- und Brettmühlen mit Wasserbetrieb, 2 Bierbrauereien, 2 Eisenhämmer, 1 Metallfabrik mit Dampf, 1 Holzdreherei mit Wasserkraft, 3 Färbereien, 1 photographisches Atelier, 1 Wechselstube, viele solide Handlungen.
Eine grosse Merkwürdigkeit Görkaus ist ein in weichen Sandstein gehauener Keller, der sich weit unter der Stadt hinzieht und ursprünglich 150 Abtheilungen hatte, wovon jetzt noch ca. 100 erhalten sind, da eine Anzahl durch Bauten kassiert worden ist und mehrere verfielen. Diese Kellerabtheilungen gehören zu den brauberechtigten Bürgerhäusern, wurden zur Zeit, als noch die Reihenbrauerei ausgeübt wurde, als Gährkeller benützt und danken diesem Umstande ihre Entstehung.
Geschichtliches. Die Dekanalkirche war schon 1384 als Pfarrkirche vorhanden. Ueber ihr Schicksal fehlt es an Nachrichten. Sie enthält das Grabmal des am 5. Jänner 1578 verstorbenen Besitzers von Rothenhaus, Christof von Karlowitz. Auf dem Rathhause bewahrt man mehrere Privilegien von den Monarchen Ladislaus, Ferdinand III., Maximilian II. und Rudolf II., welch letzterer der Stadt ein Wappen im Jahre 1588 verlieh, bestehend aus einem in zwei Hälften quer getheilten Schild. Die untere Hälfte zeigt eine Stadtmauer mit halboffenem Thore und Fallgatter, die obere drei rothe Herzen im goldenen Felde. Ueber dem Schilde ist ein Stechhelm und ein silberner Flügel mit drei Kleeblättern.
Kleine Spaziergänge.
1. Zum »*Buschel«, Restauration mit Saal und Veranda; der Anstieg auf der mit Obstbäumen bepflanzten Strasse ist kaum merkbar; ¼ Stunde. 2. Zum Weingarten in nordwestlicher Richtung, 25 Minuten; sanfter Anstieg zwischen Obstbaumpflanzungen; Gasthaus des Anton Proksch. 3. Die innerhalb 1 Stunde und ohne grosse Mühe zu erreichenden Berge: Ziegenberg bei Görkau, Breitenstein, Galgenberg, Wachhübel, Spitzberg bei Hannersdorf, Georgshöhe, Hänselberg, Katzenhübel, *Hutberg bei Pirken. Diese Berge bieten insgesammt eine schöne Aussicht auf die mit Städten und Dörfern übersäete Fläche von Komotau bis in die Gegend von Bilin mit den als südöstliche Begrenzung aufsteigenden Kegeln des Mittelgebirges. 4. *Das gräflich Bouquoi'sche Schloss Rothenhaus, 25 Minuten, auf einer mit Kastanienbäumen bepflanzten Strasse in nördlicher Richtung erreichbar. Rothenhaus liegt am Vorgebirge mit gegen Süden und Westen gewendeter offener Front; das grossartige Schloss steht mitten im Parke, umgeben von prächtigen Gartenanlagen, Glashäusern mit den seltensten einheimischen und exotischen Gewächsen. Es gehört unter die schönsten Gebäude dieser Art in ganz Böhmen und gewährt bei seiner hohen und freien Lage eine reizende Aussicht auf das innere Land und das Mittelgebirge. Im oberen eingefriedeten Parke Hirsch- und Rehstand, im unteren Parke ein Pferdegestüt edler Racen; auch Fluss-, Teich- und Forellenfischerei. Der Park ist dem Publikum an Sonn- und Feiertagen, sonst aber nach erbetener Erlaubniss, zugänglich.
Lohnende Ausflüge von grösserer Entfernung: 1. Ueber Pirken, Schergau nach dem Pfarrorte *Platten, auf guter Strasse in zwei Stunden, mit einem überraschend schönen Ueberblicke der Komotauer und Saazer Gegend, des Mittelgebirges bis weit in das Innere unseres Heimathslandes, der Gebirgsbahnen nach Weipert und Reizenhain. Von Platten 15 Minuten entfernt der Wallfahrtsort Quinau mit schöner Wallfahrtskirche. Von Platten führt eine Strasse über Rodenau, Gersdorf nach Bernau und zum Gaisberg, auf welchem die Biela entspringt – nicht weit davon der Beerhübel 889m über der Ostsee; auf der Strasse weiter zu dem Pfarrorte Kallich mit einem Post- und Grenz-Zollamte, einem Eisenguss- und Walzwerke und gutem Gasthofe. Bei Kallich finden wir Lager von Urkalkstein, während die Felsarten in diesem Reisebezirke im Erzgebirge fast durchgängig Gneisabänderungen sind. Bei Rudelsdorf und Kleinhan finden sich Granitkuppen und bei Brandau einige Basaltkuppen. Hier wird Anthracitkohle gewonnen. Am Fusse des Erzgebirges kommen hie und da die sandigen und thonigen Gesteine der Braunkohlenformation zum Vorscheine. Von Görkau bis dahin 3 Stunden. Das ist eine echte Gebirgspartie theilweise durch schöne ausgedehnte Wälder.
2. Nach der Ruine *Neustein, fortwährend auf schattiger Strasse durch das herrliche Teltschthal, der Biela entgegen, an Fabriken, Mühlen, Eisenhämmern und einer Holzdreherei vorüber, bis zum Fusse des Berges, auf dessen Gipfel die von Bäumen umsäumte Ruine; 1½ Stunde; einige Minuten davon eine Rothenhäuser Försterei.
3. Durch das Teltschthal, Uhrissen, Gersdorf nach *Bernau, immer an der Biela, bis Uhrissen gute Strasse, dann Feldweg; 2 Stunden; von der Schule in Gersdorf eine wundervolle Aussicht in das Innere Böhmens.
4. Durch das schattige Tiefenthal nach Hannersdorf, stark steigender Weg; 1 Stunde.
5. *Durch den Ort Rothenhaus, Göttersdorf mit Pfarrei und guten Restaurationen, Forst, Ochsenstall nach Kallich, fortwährend Strasse durch Hochwald, 3 Stunden, prächtige Waldpartie; schöne Rückblicke, namentlich bei Göttersdorf in das Innere Böhmens.
6. Ueber Göttersdorf, Neuhaus mit dem Görkauer Forstamt, nach Ladung mit einer Eisenberger Försterei, 2½ St., von letzterer eine lohnende Fernsicht; unweit der Berg Hübladung 796m; bis Neuhaus Strasse, dann Waldweg.
7. *Ueber Göttersdorf, Kallich, Gabrielahütte durch ein zwei Stunden langes, bewässertes, tiefgrünes Thal mit dichtgereihten Hammer- und Blechwalzwerken, Mühlen und anderen Industrien nach *Brandau und *Grünthal, immer Strasse, 5½ St.; hier die nahen Berge: Töltschberg, Katzenrücken und Zechenberg. Diese Partie gehört zu den schönsten im Erzgebirge und kann sich in Bezug auf Grossartigkeit und Pracht, sowie Mannigfaltigkeit der Scenerie mit den herrlichsten Alpenlandschaften messen. Der schönste Theil derselben ist von Kallich auf guter Strasse durch ausgedehnte Buchen- und Nadelwälder über Gabrielahütten durch das Teltschthal (zu unterscheiden von dem bei Görkau) nach Brandau und Grünthal. Der Ort Gabrielahütten wurde im Jahre 1778, gleichzeitig mit dem Eisenwerke, vom Grafen Heinrich von Rothenhan errichtet und seiner Tochter, der edlen Gabriela Maria, verehelichten Gräfin von Bouquoi, Sternkreuzordensdame und Dame du Palais, welche die Herrschaft nach dem im Jahre 1809 erfolgten Tode ihres Vaters als Erbschaft erhalten hat, zu Ehren benannt. Der Ort hat eine Schule und eine im schweizer Styl erbaute Restauration. Das Thal wird von dem Teltschbach, der sich in den schäumenden Natschungbach ergiesst, durchbraust. Das Thal ist einsam und voll würziger, erfrischender Waldluft. Es verengt sich oft, die hohen Thalwände werden wiederholt von schroffen Felswänden unterbrochen, und die vielfachen Windungen verändern von Strecke zu Strecke das Bild und bewirken eine reiche Scenerie der Landschaft. Nach 3½stündiger Wanderung kommen wir in eine von herrlichen Waldungen umrahmte Landschaft, in deren Mitte sich das Dorf Brandau befindet und treffen nach einer halben Stunde in *Grünthal ein, unserer Endstation, einem reizend, unmittelbar an der Grenze gelegenen Orte mit grossartigem Hôtel. Fortsetzung der Tour längs der Flöha nach Olbernhau in Sachsen.
8. Ueber Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan mit Pfarre nach Katharinaberg, immer Strasse, 4 St.
9. Ueber Rothenhaus beim Gestüte vorbei nach der Aubachmühle, ferner auf stark steigendem Wege über Stolzenhan nach Ladung, 2½ St.
10. Durch den unteren Rothenhäuser Park und über Türmaul zum Silberstollen, durch ein schönes saftig grünes Thal, 1 Stunde lang, immer fahrbar; das Silberwerk ist gegenwärtig ausser Betrieb.
11. Auf der Strasse zum Forsthause in Hohenofen, dann im Walde auf den *Tannichberg 847m hoch, mit prachtvoller Rundschau, zum Forsthause »Rothe Grube«, 3¼ St.; von hier in 15 Minuten auf den *Bernstein mit einem von Oesterreich und Sachsen gemeinschaftlich erbauten Aussichtsthurme, 917m hoch, unstreitig einer der schönsten Fernsichtspunkte im ganzen Erzgebirge. Man übersieht von demselben einen grossen Theil von Sachsen bis Augustusburg, von Böhmen gegen die Elbe und Eger, nach Prag, Teplitz, Brüx, Saaz und das Erz- und vorliegende Mittelgebirge.
12. Zum Forsthause Hohenofen, auf der Waldstrasse zum *Theresiensitz mit einem Tempel und schöner Fernsicht, auf den *Seeberg mit einem Felsenlabyrinthe und dem Johannisfeuerberg; beide durch eine tiefe Schlucht von einander getrennt, mit der gleichen Höhe von 631m, bieten sie eine ausgedehnte Fernsicht bis Prag, auf das Mittelgebirge und in's Land; 3 St. Vom Theresiensitz in ¾ St. zum Forsthause »Rothe Grube« und in abermals ¾ St. zum Hegerhaus im Flachsgrund. Hier ist ein Local, dessen sämmtliche Möbel kunstvoll aus Hirschgeweihen zusammengesetzt sind, sehenswerth.
13. Durch den unteren Rothenhäuser Park, Türmaul, Forsthaus Hohenofen, durch den Thiergarten nach *Eisenberg, 1½ St., schattige Strasse. Schloss Eisenberg, dem Fürsten Lobkowitz, Herzog zu Raudnitz gehörig, ist ein im jüngsten Renaissancestyl erbauter herrlicher Edelsitz, historisch berühmt als einstiger Aufenthalt des Prinzenräubers Kunz von Kaufungen, auf einem Bergvorsprunge im Süden des Erzgebirges, mit einem wundervollen Panorama. Gegen Nordosten die Abhänge des Erzgebirges, gegen Osten und Südosten das böhmische Mittelgebirge, Hügel an Hügel, Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene, pittoresk gestaltete Bořen bei Bilin mächtig überragt. Gegen Süden breitet sich die Saazer Ebene, »der Garten Böhmens«, aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie besäet ist und einen grossartigen Eindruck macht. Nach Südwesten ist der Horizont durch das Karlsbader und Duppauer Gebirge abgegrenzt. Die Park- und Garten-Anlagen, sowie die Glashäuser des Schlosses sind grossartig. In einer prunklosen, zur Andacht stimmenden Waldkapelle befindet sich ein Kreuz von grosser Dimension am Altare, das in einem Stücke aus einem Eichbaume geschnitten ist, bei dessen Fällung ein Graf Lobkowitz vor 156 Jahren den Tod fand. Er hatte die Warnung der Holzschläger, sich zu entfernen, nicht beachtet, der Baum fiel auf ihn und erschlug ihn. In der Schlosskapelle ferner ist ein Dorn unter Glas und Rahmen aufbewahrt, welchen die Kreuzritter aus Palästina mitgebracht und welcher aus der Dornenkrone des Heilandes entnommen ist. Diese Reliquie wird jedes Jahr vor Ostern eine Woche in der Kirche zu Neundorf und einen Tag in Seestadtl zur Verehrung ausgesetzt und zieht viele Wallfahrer an. Die Herren von Lobkowitz legen dem »heiligen Dorn« einen hohen Werth bei und soll einmal ein fürstliches Familienglied bei der Erbtheilung denselben einer Herrschaft vorgezogen haben.
14. Mit der Eisenbahn nach Eisenberg, dann auf der Gebirgsstrasse nach Nikelsdorf, Böhmisch-Einsiedel, Deutsch-Einsiedel und Bad *Einsiedel, einem reizend gelegenen, von sächsischer Seite mit Vorliebe besuchten Luft-Curort mit Naturbädern; 4 St.
15. Mit der Eisenbahn nach Obergeorgenthal, über Marienthal (mit einer Baumwollspinnerei) auf der Gebirgsstrasse nach Nikelsdorf und Einsiedel; 3½ St. (Siehe Oberleutensdorf.)
16. Mit der Eisenbahn nach Johnsdorf; daselbst an der Strasse das *Hôtel Weber, das durch sein luxuriöses Ameublement und seine kunst- und geschmackvollen Malereien an den Wänden und Decken die Beschauer zur Bewunderung hinreisst. Von da erreicht man durch Obstgärten in 15 Minuten den Ort *Hammer mit schöner Fernsicht und vielbesuchter Restauration »*Zur deutschen Bruderhalle«; weiter auf stark steigender Gebirgsstrasse nach Kreuzweg, in der Nähe der Kampelberg, und nach Einsiedel, unweit der Göhrenberg. (S. Oberleutensdorf.)
Die Stadt *Katharinaberg erreichen wir von Görkau über Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan und den Grund auf guten Wegen durch ausgedehnte, herrliche Wälder – eine echte Gebirgspartie, oder wir fahren mit der Dux-Bodenbacher Bahn nach Obergeorgenthal und gehen von da über Marienthal und Nikelsdorf nach Katharinaberg, ebenfalls eine herrliche Gebirgspartie. Katharinaberg, eine Bergstadt mit über 2200 Einwohnern, liegt, von Görkau ca. 4 St. entfernt, auf einem schmalen, mässig hohen, aber steil abfallenden Bergrücken. Dazu gehört das Pachendörfel, eine südöstlich gelegene Gruppe von Häusern, und der Grund, eine in dem vom Zobelbach durchflossenen Thale gelegene doppelte Häuserreihe.
Gasthöfe: »Kaiser von Oesterreich«; »Kronprinz Rudolf«; beide am Marktplatz gelegen; »Zur Herrenschänke«, hart an der Grenze im »Grund« gelegen.
In die Stadt führende Strassen:
1. Von Brüx über Nieder- und Obergeorgenthal, Marienthal, Nikelsdorf.
2. Von Oberleutensdorf über Johnsdorf, Obergeorgenthal, Marienthal, Nikelsdorf.
3. Von Görkau über Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan.
4. Von Kallich über Gabrielahütten, Brandau.
5. Von Olbernhau über Grünthal, Brandau.
Gebäude und Institute: Eine katholische Kirche mit Pfarre, eine vierklassige Volksschule, eine Apotheke – (2 Medizin-Doktoren).
Aemter und Behörden: Stadthaus mit dem Gemeindeamt, ein k. k. Bezirksgericht mit Dependenzen, ein Postamt, ein Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.
Industrielle Etablissements: Wirkwaaren-Industrie, Holzdrehereien mit Wasserbetrieb, Brettmühlen, Spielwaarenerzeugung, eine städtische Brauerei.
Die Entstehung der Stadt fällt wahrscheinlich mit dem Ursprunge des Bergbaues zusammen. Geschichtliches ist nichts davon bekannt, als die Begnadigungen, welche der Ort seit dem 16. Jahrhundert, wo er bereits zu Rothenhaus gehörte, erhalten hat. Im Jahre 1528 erhielt die Stadt von Ferdinand I. das Wappen und die Befugniss, mit grünem Wachs zu siegeln. Seit dem dreissigjährigen Kriege kam der Silberbergbau immer mehr in Verfall. In diesem Kriege wurde die Stadt von den Schweden und Sachsen durch Brand und Plünderung hart mitgenommen. Es gingen damals alle Urkunden und andere schriftliche Nachrichten über den früheren Bergbau aus der Zeit vor 1528 zu Grunde. Auch im siebenjährigen Kriege litt die Stadt durch Brandschatzung und Plünderung und verlor namentlich die Bergkassa der bürgerlichen Gewerkschaft.
Kleiner Spaziergang. Zum Gasthaus »zum grünen Baum«, ¼ St., Fahrweg dahin; zwischen Gebirgs-Neudorf und Katharinaberg gelegen.
Ausflüge von grösserer Dauer.
1. Im herrlichen Flöhathale der sächsischen Grenze entlang nach *Brandau und *Grünthal; gute, zum Theil durch Hochwald führende Strasse, 1¼ Stunden. In dem hart an der sächsischen Grenze, am Zusammenflusse der drei Grenzgewässer Natschung, Schweinitz und Flöha gelegenen Orte Grünthal, das wegen seiner guten Küche und feiner Weine und Biere von Touristen vielfach besuchte Griessl'sche Gasthaus; in dem nur durch den Natschungbach getrennten sächsischen Grünthal sind Schwefelbäder und ein in seiner Art grossartig angelegtes »Kupfer-Hammerwerk«, welches die verschiedenartigsten Erzeugnisse aus Kupfer fast in alle Welttheile versendet. (Siehe [Seite 150].)
2. Ueber Brandau auf schöner Strasse nach *Gabrielahütten in dem prächtigen, 2 Stunden langen, den Thälern der Schweiz vergleichbaren Teltschthal, wo der Natschungbach zahlreiche Hammer- und Blechwalzwerke, Holzdrehereien, Brettmühlen und andere Industriewerke in Betrieb setzt. 2½ St. – (siehe von Görkau aus.) Das der Herrschaft Rothenhaus gehörige Gasthaus »zur böhmischen Schweiz« mit Garten bietet den Touristen willkommene Gelegenheit zur Erfrischung; unweit Gabrielahütten auf sächsischer Seite der an der Südseite steil abfallende Habichts- oder Stösserfelsen mit herrlicher Aussicht. – (Siehe oben [Seite 150].)
3. Im Flöhathale der sächsischen Grenze entlang über Ober- und Niederlochmühle durch ein herrliches Thal auf schöner Strasse nach Seifen und von da nach Bad *Einsiedel (sächsisch), das nicht allein durch seine Schwefelbäder, sondern auch durch seine romantische Lage den hier weilenden Curgästen Erquickung und Heilung gewährt. Restauration mit Garten und herrlichen Spaziergängen. 2½ Stunden. (Siehe Görkau [Seite 152].)
4. Ueber Deutsch-Neudorf, Brüderwiese nach Bad Einsiedel. Bis »zum grünen Baum« Fahrweg, dann schöne, von Waldungen beschattete Strasse; 2 Stunden. In 25 Minuten von da nach Einsiedel (böhmisch) schöne Strasse.
5. Ueber Gebirgs-Neudorf, oder auf sächsischer Seite über Deutsch-Neudorf, Brüderwiese nach Einsiedel (der Haselstein mit schöner Fernsicht bis in die Aussiger, Schlaner und Komotauer Gegend, und der Käsherdberg), Göhren (der Farbenhügel, der Göhrenberg, der Krummschuss), Zettel (der Falkenberg und der Nitschenberg) durch *Rauschengrund nach *Oberleutensdorf. In Rauschengrund zwei Fabriken der Herren Marbach und Riecken, Baumwollgarn- und Kattunerzeugung; Brettsägen und Mühlen. Grösstentheils Waldweg, 4 Stunden. Prächtige Gebirgspartie!
6. Ueber Gebirgs-Neudorf. Einsiedel, Kreuzweg (der Flösselberg, der Hellwikstein, der Kampfberg und der Pflasterberg) durch den herrlichen *Hammergrund nach *Johnsdorf; von Einsiedel bis Johnsdorf schöne Strasse; 2½ St.
7. Ueber Nikelsdorf (Wachhübel mit schöner Fernsicht) durch ein herrliches Thal nach Marienthal mit einer Baumwollspinnfabrik (der Weinberg mit einem prächtigen Ueberblick der ganzen Kesselgegend gegen Osten, Süden und Westen) und Obergeorgenthal (Dux-Bodenbacher Bahnstation); schöne grossentheils schattige Strasse, 2½ Stunden.
8. Ueber Kleinhan, Neuhaus, Göttersdorf, Rothenhaus nach Görkau; immer schöne Strasse, 4 Stunden. Vor Göttersdorf öffnet sich der Ausblick auf die Komotauer und Brüxer Gegend.
Bergbesteigungen. 1. *Steinl mit herrlicher Aussicht bis zum Sonnenwirbel bei Gottesgab und in das Flöha- oder Fleythal bis nach Augustusburg in Sachsen; an der Herrnschänke vorbei, ein Waldweg, 1 Stunde, oder besser über Kleinhan, 1½ St.
2. *Hübladung bei Kleinhan, schöne Strasse, 1 St.; herrliche Aussicht in das Flöhathal, in die Gegend von Saida und bis nach Augustusburg.
3. Bärenstein oder Bernstein, entweder direct auf einem Waldwege dahin, ¾ Stund.; oder aber besser zum Forsthaus »Rothe Grube« und von da der Aufstieg, 1½ St. Prachtvolle Aussicht auf einen grossen Theil von Sachsen bis Augustusburg, gegen die Elbe und Eger, nach Prag, Teplitz, Brüx, Saaz, das Erz- und vorliegende Mittelgebirge. (Siehe von Görkau aus!)