D. Der Besuch des Erzgebirges von Komotau aus.

Komotau.

Gasthöfe: Scherbers Hôtel (Nr. 98 in der Frohngasse).

Hôtel Reiter (Nr. 14, 15, Ringplatz).

Städtisches Schiesshaus inmitten des neuen, sehenswerthen Stadtparkes (nördlich der Stadt) gelegen, sehr beliebter, besonders im Sommer reich besuchter Ausflugsort der Stadtbewohner.

Hôtel Adler Nr. 16 am Marktplatze, Eck der Steingasse.

Gasthof zum grünen Baum in der Bahnhofstrasse.

Städtischer Lagerkeller (Nr. 1 Weinberggasse), schön gelegen, mit einem grossen Garten und herrlichen Blick auf die Stadt und das Gebirge.

Güttler's Restauration (Schäfergasse Nr. 7) schöner Garten mit Gartenhaus und gedeckter Kegelbahn.

Restauration am Bahnhofe.

Weiter sind noch erwähnenswerth: Gasthof zum Bahnhof in der Bahnhofstrasse, »Gasthaus zum Schiefer« in der Prager-Strasse, »Austria« in der Weinberggasse (Lokal des Lesekasinos), Städtische Restauration (genannt »Criminelle«), »Binders Weinhandlung« in der Herrengasse.

Aemter: 1. Die k. k. Bezirkshauptmannschaft; 2. das k. k. Bezirksgericht; 3. das k. k. Revier-Bergamt; 4. das k. k. Steueramt; 5. das k. k. Grenz-Inspektorat mit der k. k. Finanz-Wachkontrolsbezirksleitung und dem k. k. Hauptzollamte; 6. das k. k. Postamt am Schulplatz; 7. das k. k. Telegraphenamt in der k. k. Bezirkshauptmannschaft; 8. das k. k. Aichamt; 9. das k. k. Gendarmeriepostenkommando; 10. die Komotau-Sebastiansberger Bezirksvertretung; 11. das Bürgermeisteramt.

Lehranstalten: 1. das Communal-Obergymnasium; 2. die k. k. Lehrerbildungsanstalt; 3. die mechanisch-technische Lehrwerkstätte des k. k. Handelsministeriums; 4. die Bürgerschule und 5. die Privatvolksschule der Schwestern vom hl. Kreuz mit Pensionat.

Verkehrsanstalten. 1. die k. k. priv. Aussig-Teplitzer Eisenbahn; 2. die ausschl. priv. Buštěhrader Eisenbahn; 3. die k. k. priv. Dux-Bodenbacher Eisenbahn; 4. die Pilsner-Priesner Eisenbahn.

Zwei Lesezimmer a) das der Gesellschaft »Casino« b) das der Ressource. Eingeführte Fremde haben Zutritt. Die Buchhandlung von A. Stumpf am Marktplatz ertheilt allen Touristen über den Gebirgsverein, Führer in's Gebirge u. s. w. Auskünfte; 2. Buchhandlung von Mändl.

Sehenswürdigkeiten. 1. Die Stadtkirche. Der gothische Hauptbau stammt aus dem Jahre 1542; in früheren Jahren, etwa 400 Jahre zuvor, stand an diesem Orte eine kleine Kirche; der jetzige Hauptaltar wurde 1723 erbaut; sehenswerthe, kunstvolle Bilder am Kreuzaltare sind die der hl. Bonaventura und des hl. Franz von Assisi. In der Taufkapelle dieser Kirche erweckt besonders Interesse das merkwürdige, künstlerisch-werthlose Žižka-Bild, welches die Verheerung der Stadt durch die Hussiten darstellt. 2. Die *St. Ignaziuskirche oder Jesuitenkirche genannt an der Südseite des Marktplatzes, die grösste und schönste Kirche Komotaus und im italienischen Baustyl des 17. Jahrh. erbaut; die Kirche und die jetzt als Kaserne dienenden Nebengebäude bildeten einst das Jesuitencollegium, das 1773 aufgehoben wurde. Den Hochaltar dieser Kirche schmückt in seinem oberen Theile ein Kunstgemälde, darstellend Gott-Vater im Kreise seiner Engelschaaren. Lanfranco, ein Schüler der florentinischen Schule, malte es. Das Hauptbild des Hochaltars, gemalt vom Meister Kandler in Prag, stellt den hl. Ignatius vor; unter dem Presbyterium ist die Jesuitengruft. Die zweite Seitenkapelle rechts birgt die irdischen Ueberreste des 1681 verstorbenen Johann Grafen von Hrzan, k. k. Statthalters von Böhmen. Auf dem Seitenaltare des hl. Viktor befinden sich die Reliquien dieses Heiligen, mit welchen und zu deren Verehrung die Jesuiten ehemals jährlich eine Procession durch die ganze Stadt hielten. 3. Das Schloss, jetzt städt. Rathhaus, auf der Westseite des Marktplatzes, einst der Wohnsitz von Komotaus Oberherrn, dürfte in seinem noch bestehenden Bau 1520 errichtet worden sein. Gegenwärtig befindet sich darin das Bürgermeisteramt, die Sparkasse, das städtische Forstamt, ein Turnsaal u. s. w. 4. Die Katharinenkirche, dem Schlosse angebaut, darum auch Schlosskirche genannt, ist das älteste Baudenkmal Komotaus. Schon 1383 wird bei derselben unter anderen einer Frühmessstiftung Erwähnung gethan. Unter Kaiser Josef II. wurde die Kirche Eigenthum der Stadt; jetzt dienen ihre Räumlichkeiten verschiedenen privaten Zwecken. Die Bauart spricht für das 14. Jahrhundert. 5. Die Spittelkirche oder Kirche vom hl. Geist in der Gerstnergasse; sehenswerth ist ein kunstvolles Bild, darstellend den hl. Josef. 6. Gleich darunter steht die in den fünfziger Jahren erbaute protestantische Kirche. Die Juden-Synagoge, erbaut 1876, befindet sich in der Weinberggasse. 7. Das Gymnasium, ein schöner Bau mit einem Thurme (ehem. Sternwarte der Jesuiten), am linken Ufer des Assigbaches gelegen, angrenzend an die Jesuitenkirche. 8. Das Pädagogium, südlich ausserhalb der Stadt gelegen, früher das städtische Spital; die technische Lehrwerkstätte im unteren Ende der langen Gasse; die Eröffnung der Anstalt fällt in das Jahr 1874 und ist in ihrer Art die einzige in ganz Oesterreich und Deutschland. 9. Die Bürgerschule für Knaben und Mädchen unweit der Stadtkirche gelegen mit 19 Classen. 10. Die umfangreichen Gebäude der Schwestern vom hl. Kreuz mit einer 7classigen Privatvolksschule mit Oeffentlichkeitsrecht in der unteren langen Gasse. 11. Der nach englischem Muster angelegte Stadtpark, nördlich der Stadt, gehört zu den beliebtesten Spaziergängen der Komotauer.

Kurze Beschreibung der Stadt. Die königliche (1605) Stadt Komotau zählt über 700 Häuser mit einer Bevölkerung von 10100. Sie liegt am Fusse des Erzgebirges, zu beiden Seiten des Assigbaches, inmitten von Obst- und Gemüsegärten. Die Stadt hat 5 Jahrmärkte und wöchentlich 3 Märkte, betreibt lebhaft Obst- Getreide- und Gemüsehandel; merkwürdig ist das Gedeihen der edlen Kastanien in der Nähe von Komotau. Von Komotau führen mehrere Strassen auswärts: Die Leipziger oder Kaiserstrasse durch die Bahnhofstrasse in nordwestlicher Richtung nach Sachsen; die Prager Strasse durch die lange Gasse in südlicher Richtung über Postelberg, Laun nach Prag. Eine andere Strasse führt durch die Weinberggasse nach Görkau; die Kaadner Strasse durch die Bahnhofstrasse, beim Gasthause zum grünen Baum von der Leipziger Strasse abzweigend, führt beim Bahnhofe vorüber in westlicher Richtung nach Kaaden. Auch führt eine Bezirksstrasse in südlicher Richtung nach Eidlitz, eine in nördlicher Richtung übers Gebirge nach Platten, Kallich gegen die sächsische Grenze.

Geschichtliches. 1252 tritt der Name Comotov in den Urkunden auf; jedenfalls war da Komotau ein Dorf, das sich um eine Veste gruppirte; dieselbe stand an dem Orte, wo jetzt das Rathhaus und das Bräuhaus steht; im selben Jahre wird der deutsche Ritterorden als Herr des Marktes Komotau genannt. Von 1353 an erscheint Komotau als Stadt. Diese litt 1418 durch eine Feuersbrunst grossen Schaden. Ein Schreckenstag für Komotau war der 14. März 1421, an welchem die Stadt durch die Hussiten erstürmt wurde; die gesammte katholische Bevölkerung wurde grässlich hingemordet; nur 30 Einwohner wurden verschont, um ihre todten Mitbürger zu begraben. Kaiser Sigismund belohnte später die Lobkowitze mit Komotau. Bereits im Jahre 1456 wird Johann Czalta von Steinsberg als Herr von Komotau genannt. Durch Erbrecht ging die Stadt in den Besitz der Herren von Weitmühl über, wurde im Jahre 1560 an Erzherzog Ferdinand, Gemahl der Philippine Welser, und von diesem im Jahre 1571 an die Familie der Lobkowitze von Hassenstein verkauft. Zur Zeit der Reformation fand die neue Lehre hier Eingang. Georg Popel von Lobkowitz berief aber die Jesuiten zur Vertreibung des Protestantismus, der auch schliesslich wieder unterging. Derselbe Herr von Komotau trug sich auch mit dem Plane um, in Komotau eine Universität zu errichten; er fiel aber beim Kaiser in Ungnade und endete als Gefangener 1606 durch das Henkerbeil sein Leben in Elbogen. Die Güter Georgs von Lobkowitz gingen nun an den Staat über; dieser verkaufte ein Dritttheil dieser Güter an die Komotauer Bürgerschaft, welche dadurch von aller Oberherrschaft frei wurde. Der dreissigjährige Krieg machte sich in seinen traurigen Folgen auch in Komotau und Umgebung bemerkbar; am ärgsten hausten die Truppen des schwedischen Generals Pfühl in Komotau. Es wird erzählt, dass viele angesehene Komotauer Bürger der Tortour (Schwedentränkel) unterworfen wurden, um Geld von ihnen zu erpressen. Es sollen 160 Wagenladungen geraubter Gegenstände von den Schweden fortgeführt worden sein. Schon 1651 hatte sich der Wohlstand Komotaus so weit gehoben, dass es seinen Grundbesitz vergrössern konnte. Unter den höchsten gekrönten Häuptern, die Komotau im Laufe der Jahre mit einem Besuche beehrten, seien genannt: 1703 der König Karl von Spanien; derselbe übernachtete im Rathhause; 1771 der unvergessliche Josef II.; 1813 begaben sich die drei verbündeten Monarchen über Komotau nach Leipzig, um die Völkerschlacht zu schlagen. In demselben Jahre wurde in Komotau ein Haupt-Lazareth errichtet. In neuerer Zeit hat sich Komotau dadurch, dass es Knotenpunkt von vier Eisenbahnlinien wurde, sehr gehoben. Der vielen Schulanstalten wegen wird Komotau »Schulstadt« Westböhmens genannt. Komotau ist der Geburtsort von bemerkenswerthen Gelehrten und zwar: von Mathäus Goldhahn, einem berühmten Philologen, bekannt unter dem latinisirten Namen Aurogallus, gestorben 1543; von dem Historiker Franz Pubitschka, geboren 1722 und gestorben 1809; von Franz Josef Ritter von Gerstner, geboren 1754 und gestorben 1832 als k. k. Gubernialrath, Wasserbaudirector und Director der technischen Lehranstalt zu Prag, von ganz Europa als einer der ersten Mathematiker anerkannt.

Spaziergänge:

1. Von Komotau auf die *Alaunhütte, auch Schweizerhütte genannt. Wir gehen vom Ringplatze durch die Weinberggasse. Am Ende dieser Gasse erhebt sich eine kleine Anhöhe, »Weinberg« genannt. Links der Strasse zieht sich ein schmaler Fusssteig zum Endziele unseres Spazierganges. Eine Tafel mit der Aufschrift: »Weg zur Alaunhütte« macht den Touristen auf den Weg aufmerksam. In etwa ¼ Stunde sind wir am Ziele. Die Alaunhütte, eine Restauration in romantischer Lage, ist einer der beliebtesten Ausflugsorte für Komotau und Umgebung. Nächst der Alaunhütte befindet sich der Alaunsee. Wer des Ruderns kundig ist, miethet sich einen Kahn und befährt den See. Zur Winterszeit bietet der Alaunsee mit seiner schönen Eisbahn einen mächtigen Anziehungspunkt für Schlittschuhläufer. Ehemals war hier, wo sich jetzt der Alaunsee ausbreitet, ein grosses Alaunbergwerk. Die rothe alaunhältige Erde, welche rings um die Alaunhütte massenhaft zu sehen ist, erinnert an den einstigen Bestand des Bergwerkes. In der Nähe der Alaunhütte gedeihet die edle Kastanie in einer seltenen Grösse und Schönheit der Frucht. Die mächtigen Stämme und Kronen dieses Baumes gewähren einen herrlichen Anblick. Neben den Gastlocalitäten der »Hütte« ist auch eine Badeanstalt mit warmen Bädern. Den Sonntag nach Anton im Juni jedes Jahres begeht die Hüttenrestauration im Blätterschmucke mächtiger Eichen im schönsten Frühlingskleide der Natur ihr Fest mit Concert und Tanz.

2. Nach dem Komotauer *Stadtpark und dem städtischen Schiesshause. Wir gehen vom Marktplatze durch die Schiesshausgasse und kommen in ca. 10 Minuten bei der Komotauer Dampfmühle vorüber in den Park, der nach englischer Art angelegt ist. Naturfreunden bereiten hier die schönen Baumgruppirungen und Blumenpflanzungen einen wahren Genuss. Im Parke befindet sich das im Jahre 1833 erbaute städtische Schiesshaus und in dessen Nähe das aus Holz errichtete Sommertheater.

3. Von Komotau auf den *Hutberg. Durch die Schiesshausgasse gehend, gelangen wir, von den Parkanlagen links ab, in einen Fahrweg, der uns durch schöne Obstgärten in ca. ¾ Stunden auf den Hutberg führt. Die Aussicht von demselben ist bezaubernd schön. Am Fusse des Hutberges liegt in romantischer Lage das Dörfchen Pirken.

4. Von Komotau nach dem *»Ruland«. Die Plattner Strasse führt uns direct auf eine Anhöhe, wo mitten von Obstgärten, Feldern und Wiesen das schöne Wohn- und Wirthschaftsgebäude, genannt »Ruland«, malerisch gelegen ist. Eine schöne Aussicht über Komotau und in's Gebirge lohnt die Mühe des Touristen, welcher von den freundlichen Bewohnern des Gehöftes »Ruland« mit Milch, Obst u. s. w. bewirthet wird. Die Anhöhe »Ruland« wird häufig auch Galgenberg genannt, weil hier ehemals Verbrecher gerichtet wurden.

5. Von Komotau nach Eidlitz. Wir wenden uns durch die Gerstnergasse in die Prager Vorstadt und kommen bald auf die Komotau-Eidlitzer Bezirksstrasse. Der Weg ist ungemein angenehm. In ¾ Stunden sind wir in Eidlitz. Sehenswerth ist das Schloss und eine Zuckerfabrik.

6. Von Komotau nach *Görkau (1 Stunde). a) Auf der Strasse. Von Komotau durch die Weinberggasse führt die Strasse über den Weinberg durch schöne Obstgärten und Felder nach dem Kirchdorfe Udwitz mit seinen Kohlenbrüchen. Von hier kommen wir in ½ Stunde nach Görkau. (Siehe Görkau.) b) Auf dem Fusssteige. Von Komotau gehen wir durch die Weinberggasse nach der Alaunhütte. Von hier führt ein Fusssteig nach den sogenannten Kohlenhäuseln. Wir gelangen auf demselben zur »Tempis-Kapelle«, welche ein Schlosskaplan von Rothenhaus, Hans von Tempis, vor vielen Jahren wegen seiner glücklichen Rettung aus Räubershänden an dieser Stelle erbauen liess. Der Fusssteig führt uns jetzt direct in ca. ¼ Stunde nach Görkau.

7. Von Komotau nach dem Gebirgsdorfe *Platten. Auf der Plattner Strasse, ziemlich steil ansteigend, kommen wir in ca. 1½ Stunde nach Platten mit seiner zu Ende des 14. Jahrhundertes bereits bestehenden Kirche und seinem Schlosse, das als Jagdschloss des Besitzers von Rothenhaus einst bessere Zeiten gesehen hat. Unweit Platten ist der viel besuchte Wallfahrtsort Quinau. Die Aussicht beim Schulhause in's Böhmerland ist prachtvoll! (Siehe Bereisung von Görkau aus.)

Touren.

1. Von Komotau bis zur *Grundmühle, nach Domina, Troschig und Tschernowitz. Von Komotau gehen wir an dem Assigbache hinauf nach Oberdorf. Oberhalb der Oberdorfer Hammermühle beginnt das überaus freundliche Assigbachthal mit üppigen Wiesen und bewaldeten Thalgehängen. Wir wandern hier ohne alle Anstrengung und erreichen in 1 Stunde die erste Grundmühle, auch »Kleinmühle« genannt. Hier können wir einen kleinen Imbiss nehmen und uns an einem Trunke Bier oder Milch erquicken. Von hier nehmen wir den Weg rechts an der Thalwand hinauf gegen Domina. Der Weg ist ziemlich gut. Der Ort lässt sich von der Grundmühle aus in 1 Stunde bequem erreichen. Doch ist es nicht nöthig, bis in das genannte Dorf zu gehen; wir verlassen deshalb denselben, wenden uns rechts dem Dörnthaler Weg zu. Nördlich von Dörnthal sehen wir schon den Troschiger- oder Klingerberg ansteigen, das vorläufige Ziel unserer Reise. In 1½ Stunde ist die erste Höhe erreicht. Die Aussicht ist hier lohnend; am westlichen Gehänge schlängelt sich die Strasse über Sebastiansberg zur Landesgrenze, dort unten östlich bricht die Bahnlinie aus Felsen hervor. Oestlich und südlich haben wir die Gegenden von Brüx und Saaz und östlich verfolgen wir den Erzgebirgszug bis Eisenberg und noch weiter, und westlich hebt sich Terrasse um Terrasse im schönen Wechsel von Wald und Flur zum Horizonte. Wir steigen den westlichen Abhang hinunter, treffen hier das an der Komotau-Sebastiansberger Strasse liegende Gasthaus »g. Hübel.« In 5 Minuten haben wir auch das südlich gelegene Dörfchen Troschig erreicht. Auf einem kleinen Plateau gebaut, ist es das kleinste unter den 4 Strassendörfern: Schönlind, Domina, Krima und Neudorf. Die Bevölkerung treibt Oekonomie und besorgte früher den Vorspann über die Berge. Weiter südlich wandernd, treffen wir einen schönen Wald; es ist dies das Troschiger Revier, der Komotauer Stadtgemeinde gehörig, die hier einen Förster angestellt hat. Der links des Weges sich erhebende »Tennich« ist der höchste Berg dieser Kette. Er ist prächtig bewaldet und daher als Aussichtspunct weniger zu empfehlen. Wir empfehlen daher den Weg, der von Troschig dem südlich laufenden Gebirgszuge folgt, behalten rechts das Höllenthal und sehen nach einer Stunde gemüthlichen Wanderns, die Buschtěhrader Bahn überschreitend, den kl. Purberg. Weit in's Land vorgeschoben und sich langsam erhebend, ist dies ein mächtiger Stock von Steinmassen, gleichsam ein Knoten, mit dem der Gebirgszug abhebt. Bald haben wir denselben ohne Anstrengung bestiegen. Die Aussicht nach 3 Seiten ist herrlich: Die Gegend von Komotau, theilweise auch die Stadt, speciell der Bahnhof, die Dörfer Tschernowitz, Sporitz, Körbitz, Malkau, Sosau, Grün und das Städtchen Kralupp liegen zu unseren Füssen. Dort westlich, wo die Eger in die Ebene bricht, liegt Kaaden, von Bergen umstellt, östlich sind die Brüxer Berge. Ringsum siehst du Strassenzüge, Eisenbahnen, Felder, Fluren, Teiche und Obstgärten. Der Berg selbst bildet oben ein Plateau, das so wie sein Abhang mit Eichen- und Birkengestrüpp bewachsen ist. Auch erfrischendes Wasser befindet sich oben. Von allen Seiten fallen seine Granitmassen steil ab mit oft wunderlichen Klüften, worin heute noch der immer seltener werdende Dachs zu Hause ist. Von unten gesehen gleicht der Berg einer Ruine, so täuschend thürmen sich hier die Steinmassen. Die Gemeinde Tschernowitz, welcher der Berg mit den Abhängen gehört, nimmt von ihm das Material zu gewöhnlichen Steinmetzarbeiten. Die siebenziger Jahre haben den Berg in Fesseln gelegt, weil seit jener Zeit die Buschtěhrader Gebirgsbahn ihren Weg rings um denselben genommen. Merkwürdig ist der Fall, dass hier Sporitzer Felder 6mal von der Bahn durchschnitten werden. Der Purberg hat seine Geschichte, und das deutsche Volk ringsum bis weit in's Land kennt ihn und umwebt denselben mit dem Gewande der Sage. So erzählt man, dass alte Jungfrauen berufen seien, den Berg abzutragen. Es sollen ferner schlechte Zeiten hereinbrechen, wenn der Berg mit Eisen belegt sein wird. Auf der östlich angrenzenden Tschernowitzer Haide soll einst der Schlussact eines grossen Völkerkampfes stattfinden, worauf erst wieder bessere Zeiten zu erwarten seien u. s. w. Den östlichen Abhang hinab führt ein Fahrweg und dieser bringt uns bald nach dem nahen Tschernowitz. Schon der kurze Weg dahin zeigt Halden, Steinbrüche, gearbeitete und rohe Steine, den Gewerbefleiss der Ortsbevölkerung deutend. Strauss, Dietz und Bertl sind bekannte Steinmetzer und die Güte des hier gefundenen Materials macht ihre Arbeit gesucht. Der Ort selbst mit 54 Häusern und 440 Einwohnern hat vorzügliches Trinkwasser und viel Obstbau. Gasthäuser sind da. Die Strasse führt in ¾ Stunden nach Komotau zurück.

2. *Von Komotau über Domina nach Glieden, *Wisset, Schweiger, Hohentann, *Hassenstein, *Platzer Grund, Zollhaus, Neudorf und retour. Dies ist eine starke Tour und erheischt ein zeitliches Verlassen der Lagerstätte. Unser Weg führt vorerst auf der Kaiserstrasse nach Oberdorf. Hier sehen wir im Vorbeigehen das grosse Bräuhaus von Philipp. Die alterthümliche unvollendete Kirche stammt von dem unglücklichen Labketz, der unter dem Henkerbeile verblutete. Hier haben wir zwei Wege vor uns. Den ersten, die Strasse, vermeiden wir, denn sie führt steil über das Gebirge. Der grosse Kaiser Josef liess sie anlegen und das Volk erzählt sich, dass, als er später die Gegend bereiste, die steile Anlage sah und den Bauleiter zur strengen Rechenschaft zog. Wir wenden uns dem Landwege zu, an dem Oberdorfer Friedhofe vorbei. Bald haben wir die Vorberge erreicht. Diese tragen Obstgärten. In kurzer Zeit haben wir das kleine, mit Erlengebüsch besäumte Hatschkabächlein erreicht, das die Sporitzer Wiesen bewässert und auf den Troschiger und Schönlindner Wiesen entspringt. Dem steigen wir nach und kommen in die sogenannte »Ranz.« Später theilt sich der Weg, der rechts führt nach Schönlind, der links durch das Troschiger Revier nach dem Dörfchen Troschig. Von hier wenden wir uns nach Glieden. Dazu stehen uns zwei Wege offen. Der eine führt über Nokowitz und ist ein Fahrweg, geht anfangs nördlich der Strasse zu, wendet sich alsdann westlich und in ½ Stunde haben wir Nokowitz erreicht, das an der linken Lehne des Höllenthales ½ Stunde südlich von Krima liegt. Der Ort hat nur Getreidebau und Holzhandel, 23 Häuser und 152 Einwohner. Der zweite Weg ist ein Fusssteig und führt von Troschig westlich auf der linken Lehne des Höllenthales hinunter durch einen Eichenbusch. Unten angekommen, finden wir die schönsten Wiesen und ein kleines Bächlein, den Höllenbach, der auf der Krimaer und Wisseter Heide sich sammelt und mit dem Thale einem südöstlichen Laufe folgt, sich später westlich wendet, eingeschlossen und beengt von dichtbewaldeten Thallehnen. Bei Malkau tritt er in die Ebene und bildet mit dem Grüner und Plassdorfer Bächlein den sogenannten Saubach. Der Weg durch's Höllenthal ist oft beschwerlich. Bei einer Einschichte, links vorbei, gelangen wir an der Berglehne hinauf nach Glieden. Die Ortschaft hat 16 Häuser mit 117 Einwohnern, die Oekonomie treiben. Die Lage des Oertchens ist überaus freundlich. Vom Nordsturme durch den Gliednerberg geschützt, ist das Klima schon so mild, dass hier Obst gedeiht. Die nach allen Richtungen hin sehr beschwerliche Communication ist freilich den Einheimischen nicht auffällig. Südlich von Glieden, ½ St., finden wir den *Höllenstein, der eine Wand des Höllenthals bildet. Pittoresk geformt, mit einer schönen Aussicht auf demselben und schauerlicher Tiefe zu den Füssen, ist es für den Touristen lohnend, ihn zu besuchen. Wir gehen von Glieden auf einem Fusssteige nach Wisset. Der Ort hat 29 Häuser mit 232 Einwohnern. Wisset liegt auf der ersten Terrasse des hier aufsteigenden Gebirges, der Wisseter Platte. Die Lage der Ortschaft ist freundlich, die Communication per Wagen überaus beschwerlich. Der nördlich und nordöstlich sich hinziehende Höhenzug hat den Namen »Ziegenrück.« Er ist theilweise urbar, doch reift hier das Getreide 2 bis 3 Wochen später. Wisset selbst hat zwei Wirthshäuser. Jedem Touristen gewährt die Aussicht vom »Obern Berg« aus in's Saazer Land einen grossen Genuss. Wir verfolgen jetzt den Weg nach Hohentann, der westwärts durch die Wisseter Flur führt. Kurz vor dem Walde (ein Kreuz in der Nähe) theilt sich der Weg. Der rechts führt uns zur »Schweiger-Höhe«, der links abbiegende an der südlichen Schweigerlehne durch dichten Nadelwald nach *Hohentann. Wir verfolgen den erstgenannten und haben in ca. ½ Stunde den Höhepunkt »*Schweiger« erreicht. Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast bis zu seinem Scheitel urbar, fällt er südlich, westlich und östlich gäh ab, nach allen Seiten hin die schönste Fernsicht bereitend. Das Biela- und Egergebiet, die Höhen des Duppauer Gebirges und fast der ganze Erzgebirgszug repräsentiren sich in ihrer Schönheit. Dort die alte Ruine Hassenstein, die Stadt Sonnenberg zu unseren Füssen, nördlich Sebastiansberg und die vielen Ortschaften bis gegen Eisenberg. Der Name Schweiger soll daher kommen, dass der Sage nach hier einst ein Sprosse der Hassensteine als Einsiedler seine Zelle hatte und schweigend seine Lebtage zubrachte. Südöstlich, den ersten besten Weg abwärts, kommen wir nach Hohentann. Dieses Dorf hat 29 Häuser und 180 Einwohner, die Oekonomie und Holzhandel treiben. Im Winter halten sich Weib und Kinder an die Spitzenklöppelei. Dort bei der kleinen Ortskapelle vorbei führt der Weg westwärts. Nicht weit vom Dorfe theilt er sich. Wir verfolgen den Weg links, lassen die Hohentanner Hügel zwischen Hohentann und Platz ebenfalls links, kommen zu einem Holzkreuze (am Kreuzwege), finden auf einer Wiesentrift den Fusssteig zum Platzer Forsthause und können hier den Fahrweg verfolgen zur Ruine Hassenstein. Der Tourist wendet sich auf dem Rückwege beim Forsthause nordwestlich, behält den mit Kiefern bewachsenen Lerchenberg seitwärts des Forsthauses rechts, die »Kalkofenhöhe« links und sieht bald in das tiefe »Grundthal«. Hier wendet er sich dem Wistritzbach, der dieses Waldthal durchfliesst, entgegen. Dort, wo der Weg die Thalsohle erreicht, liegt rechts das Grundwirthshaus. Hier ist jederzeit frisches Bier und ein Imbiss zu haben. Wir erreichen jetzt das schattige – oft wildromantische Grundmühlthal oder Wistritzbachthal, das sich aufwärts immer mehr verengt und später zur Schlucht wird, kaum einen Fuhrweg lassend. Das Wasser des Baches ist hier spiegelhell; es würde bei normaler Körpertemperatur ein wohlthuendes Bad geben. Jetzt müssen wir darauf verzichten. Von dem Forellenreichthume früherer Zeit ist jetzt bei dem herrschenden Raubsystem wenig zu merken. Nach 1½stündiger Wanderung erweitert sich oben genanntes Thal, wir sehen die Holzmühle an der Komotau-Pressnitzer Strasse, gehen rechts die Strasse hinauf über's Zollhaus zum Bahnhofgebäude Krima-Neudorf. Hier pflegen wir unsere Glieder, stärken uns mit Speise und Trank und erwarten in Geduld den um 9 Uhr Abends nach Komotau abgehenden Zug, der uns um 10 Uhr nach Komotau bringt.

3. *Von Komotau nach Tschernowitz, Malkau, Grün, Plassdorf, *Platz, *Hassenstein und Brunnersdorf. (Bahnstation.) Wir verfolgen die Bahnhofstrasse, lassen den Bahnhof links, treffen hier die sogenannte Kaadner Kapelle (ehemals Wallfahrtsort mit Kreuzweg) und gehen auf der Kaadner Strasse bis unweit Tschernowitz. Hier biegen wir bei einer kleinen Restauration rechts in einen Fusssteig ab, gehen durch die Tschernowitzer Steinbrüche am Fusse des südlichen Abhanges des Purberges. Unser Fussweg führt uns in ca. ½ Stunde nach dem Dörfchen Malkau mit 22 Häusern und 143 Einwohnern. Die Bewohner von Malkau sind durchgehends Oekonomen und verwenden einen regen Fleiss auf die Obstbaumzucht. Das Dörfchen Malkau hatte sich im Anfang der 70er Jahre der Naturforscher Dr. Martius zu seinem Domicil erwählt. In jener Zeit hat es wohl mehr Fremde gesehen, als gegenwärtig. Doch wir verfolgen nach dieser Abschweifung unseren Wegweiser. Dort, wo am nördlichen Ende des Dörfchens die »Höllenmühle« steht, führt der Weg nach dem ¼ Stunde entfernten Nachbardorfe Grün. (27 Häuser mit 168 Einwohnern.) Zwischen Grün und Malkau befindet sich eine kahle Anhöhe der »Lerchenberg«. Der bequeme Aufstieg ist der Fernsicht halber lohnend. Der Fusssteig nach Grün ist, um Irrungen zu vermeiden, wohl zu beachten. Wir betreten bei der kleinen Ortskapelle das freundliche Dörfchen. Grün ist unter den »Birndörfern« (von den nahen Gebirgsbewohnern der reichen Obstkultur halber so genannt) das grösste. In Grün befinden sich 2 Einkehrhäuser. Am Fusse des aufsteigenden Gebirges führt uns der Fusssteig westwärts in ½ Stunde nach Plassdorf (25 Häuser, 134 Einw.), welches an der Südlehne des Schweigers wie angeklebt ist. Die Bewohner von Plassdorf sind grosse Freunde des Obstbaues, vorzüglich aber verwenden sie auf die Cultur der Kirschen grosse Mühe. Das einzige Wirthshaus schliesst das Dorf südlich ab. Weiter südlich erhebt sich eine Anhöhe, genannt »Kralupper Berg«, mit Eichen und Birken besetzt. Von Plassdorf führt uns der Weg ½ Stunde durch eine Thalschlucht aufwärts an den Südabhang des Salberges dem Städtchen Platz (mit 400 Einw.) zu. Dieses Städtchen verdankt seine Entstehung den Burgherren des nahen Hassenstein. Die Einwohner beschäftigen sich theilweise mit Oekonomie, theilweise sind es Handwerker, vornehmlich Maurer. Die Spitzenklöppelei wird von dem weiblichen Theil der Bevölkerung ziemlich stark betrieben. Zwei Gasthäuser bieten dem Touristen die nöthige Unterkunft und Erfrischung. Zur Zeit des Zunftwesens war Platz das »Mekka« der Handwerker von den nahen Dörfern, selbst vom Flachlande; hier wurde der Lehrling zum Gesellen, der Gesell zum Meister befördert. Das Städtchen Platz bietet vom Kirchenplatze aus eine prächtige Fernsicht in die Saazer Gegend. Die meiste Anziehungskraft für die Touristen aber hat die ca. 10 Minuten westlich von Platz gelegene Ruine Hassenstein, welche noch heute in ihren Trümmern auf ihre vormalige Grossartigkeit schliessen lässt. Die Stätte selbst ist, wie die Nachgrabungen zu Anfang der dreissiger Jahre vermuthen lassen, schon in heidnischer Vorzeit bewohnt gewesen und zu gottesdienstlichen Zwecken oder als Begräbniss- auch Opfer-Platz benutzt worden. Man hat nämlich mehrmals Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste gefunden. Wann und von wem die Burg Hassenstein erbaut wurde, ist unbekannt. Zu Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen die Brüder Friedrich und Theodor von Schönburg als Herren von Hassenstein, das damals ein Kronlehen war. Im Jahre 1418 war der damalige Besitzer in eine Verschwörung gegen König Wenzel IV. verwickelt, und der Monarch übertrug die Bestrafung dem Oberst-Landschreiber Niklas von Lobkowitz, welcher das Schloss Hassenstein eroberte und dasselbe als Eigenthum erhielt. Diese Schenkung wurde ihm 1421 von Sigmund und seinem Sohne Niklas von Lobkowitz 1457 vom König Ladislaw auf immerwährende Zeiten bestätigt. In Bohuslav Lobkowitz von Hassenstein feiert das Haus seinen glänzendsten Namen, die klassisch-humanistische Bildung des 16. Jahrhunderts eine ihrer ersten Grössen. Unter ihm glich die Burg Hassenstein einem kleinen Musenhof. Er war durch Gelehrsamkeit, Dichtergenie und Erhabenheit des Charakters ausgezeichnet. Zwei andere Lobkowitze auf Hassenstein, die Herren Sebastian und Bohuslav Felix, erwarben sich grosse Verdienste um den erzgebirgischen Bergbau damaliger Zeit. Gegen das Ende des 16. Jahrh. kam Popel von Lobkowitz in den Besitz von Hassenstein. Der letzte Lobkowitz auf Hassenstein war Christof. Im Jahre 1606 ging die Burg Hassenstein in den Besitz des Herrn Leonhard von Stampach über. Unter demselben, der seine lutherische Gesinnung mit 2 Dritttheilen seines Vermögens büssen musste, ging Hassenstein seinem Verfalle entgegen. Herr Jaroslav Bořita von Martinitz erwarb die halbverfallene Burg sodann für ein Billiges. Später bekam die Ruine mit dem dazu gehörigen Grundbesitz die Nebenlinie Martinitz-Hagensdorf. Durch die erbliche Nachfolge dieser Linie kam Hassenstein in den Besitz der Grafen Wolkenstein-Trostburg. 1880 verkaufte Engelhardt von Wolkenstein sein Erbe und mit ihm Hassenstein an den Grossindustriellen Preidl.

Nur noch Einiges über den jetzigen Zustand der Burgruine im Allgemeinen. Der Schlossberg mit der alten Ruine Hassenstein fällt nach 3 Seiten, besonders gegen den Brunnersdorfer Bach zu, steil ab. Die Wallgräben sind grösstentheils verfallen, die 4 Burghöfe kaum mehr erkennbar. Stolz aber schaut noch in's Thal der mächtige Wartthurm mit seinen massiven Mauern. Viele Gewölbe sind noch ziemlich gut erhalten und Alterthumsfreunde, wie Dr. Martius, meldeten öfters von interessanten Funden. Dass auch Schatzgräber, mit geweihter Kreide und Schildwachbüchlein ausgerüstet, hier ihre Rechnung zu finden vermeinten, darüber kann man in Platz und Umgebung manche tragi-komische Geschichte erfahren.

Wir steigen den steilen und fast ungangbaren Fusssteig durch Hochwald hinab und kommen an den Brunnersdorfer Bach. Hier finden wir am Ufer dieses Baches einen Eisenhammer und weiter unten am Ausgange des Thales den Anfang des lang gestreckten, zu beiden Seiten des Baches liegenden Dorfes Brunnersdorf, das hier in seinem oberen Theile den Namen »Rossstall« führt. (165 Häuser, 1295 Einwohner.) Die Bewohner von Brunnersdorf treiben Oekonomie und haben grossen Obstbau. Zu den Sehenswürdigkeiten zähle ich im unteren Theile das Schloss und die Zuckerfabrik an der Kaadner Strasse. Das Gasthaus im oberen Theile des Dorfes (Rossstall) und Fischers Gasthaus am Schulplatz sind Touristen zu empfehlen. Der Tourist, der wieder zurück nach Komotau oder weiter westwärts nach Kaaden will, kann dies einerseits durch die Bahn, andererseits durch Kaadner Omnibusse bewerkstelligen.

4. Von *Komotau nach Deutsch-Kralupp-»*Keller«, Neudörfel, durch das *Grundbachthal über Zieberle nach Sonnenberg. Wir beeilen uns zum 1. Karlsbader Zug und lösen eine Fahrkarte bis Deutsch-Kralupp. Das Städtchen liegt 10 Minuten von der Station. Die Kirche, welche schon im J. 1360 als Pfarrkirche vorhanden war, besteht in ihrer jetzigen Gestalt erst seit 1796, wo sie nach dem Brande neu gebaut worden ist. Sie hat ein gutes Hochaltarblatt von Kindermann in Wien, den hl. Jakob darstellend. Auch enthält sie die Familiengruft der Grafen von Martinitz. Die Stadt wird durch den Saubach, welcher im Höllthale entspringt und durch die Dörfer Malkau, Sosau und Hagensdorf fliesst, in zwei ungleiche, durch eine steinerne Brücke verbundene Theile gesondert, von welchen der am südlichen Ufer liegende, kleinere, wo die Kirche steht, die Kunewitz heisst. Wir wenden uns nördlich von der Station Deutsch-Kralupp dem ¼ Stunde entfernten Dörfchen Hagensdorf zu. Die Einwohner treiben Oekonomie und Obstbau. Sehenswerth ist das im Rococostyl erbaute herrschaftliche Schloss Hagensdorf mit einer ansehnlichen Baum- und Blumengärtnerei. Dieses Schloss war in den Robotzeiten in der Hagensdorfer Umgebung bis in's nahe Gebirge hinauf nichts weniger als beliebt, denn hier hauste der gestrenge Herr Amtmann mit seinem Beamtenstabe. Durch den Schlosshof führt ein ganz angenehmer Weg durch eine Baum-Allee nach der nahe gelegenen Restauration »Am Keller«. Hier bieten sich im Sommer unter schönen Linden und mächtigen Eichen bei einem frischen Trunke vorzüglichen Brunnersdorfer Biers stille und angenehme Ruheplätzchen. Für Kralupp und die weitere Umgebung ist der »Keller« der besuchteste Ausflugsort und er wäre es sicherlich in noch ausgedehnterem Masse, wenn der Besitzer für eine comfortablere Einrichtung der Restauration, sowie für bessere Instandhaltung und Erweiterung der Anlagen Sorge trüge. An der Stelle des Kellerwirthshauses soll in alter Zeit ein Kloster gestanden sein; wenigstens wird die dortige Feldflur noch heute von den älteren Bewohnern das »wüste Kloster« genannt, und von den alten Kellerruinen, auf denen das Wirthshaus erbaut wurde, erhielt dasselbe den Namen. Gegen Kralupp zu finden wir mehrere grosse Fischteiche, der Gutsherrschaft gehörig. – Wir wenden uns nun westwärts dem Dörfchen Neudörfel am Abhange des Kralupper Berges zu. Auf unserem Wege dahin rechts und links treffen wir kleine Teiche, sie sind die Ueberbleibsel eines vormals sich hier ausbreitenden grossen Sees, der im J. 1829 das letztemal gefischt, im nächstfolgenden Jahre entwässert wurde und an den noch jetzt das sogenannte »Seehäusel« (gegenwärtig ein herrschaftliches Hegerhaus) erinnert. In den Robotzeiten hatten die Einwohner von Platz und Neudörfel die Fischerei als Robotarbeit zu besorgen. Dafür bekam der Mann per Tag einen Fisch. Neudörfel bietet für den Touristen ausser seinen Kirschenpflanzungen nichts Sehenswerthes, dagegen wird es sich für denjenigen empfehlen, der es nicht scheut, den nördlich gelegenen Saustein zu besteigen. An schönen Tagen lohnt ein Einblick in die Saazer und Kaadner Gegend vollkommen die Mühe der Besteigung. Von hier steigen wir in westlicher Richtung das Berggelände hinab in das Thal des Brunnersdorfer Baches. Wir gehen durch dieses, sich immer wildromantischer gestaltende Thal den Brunnersdorfer Bach aufwärts, haben rechts die Schnabelmühl-Lehne, links den Gigerich-Berg und sehen, wie die Trümmer der Burg Hassenstein melancholisch in's Thal schauen. Unser Weg durch das Thal, genannt Brunnersdorfer Grund, wendet sich am Fusse des Schlossberges plötzlich westlich. Die Brunnersdorfer Gutsverwaltung hält hier eine Holzschwemme in Stand. In neuerer Zeit wurde auch die Communication durch Anlegung eines strassenähnlichen Weges bedeutend verbessert. Mächtige Felswände heben sich zu beiden Seiten des Thales. Das Gehänge von der Burg Hassenstein herab führt den Namen Kalkofenlehne und soll früher ein Thiergarten gewesen sein, von dessen Umfangsmauern noch Ueberreste zu sehen sind. Die linke Berglehne (rechtes Bachufer), die sogenannte Gigerich-Lehne, zeigt pittoreske Felsengruppen, würdige Seitenstücke zu den in fast gleicher Höhe gegenüberliegenden Burgtrümmern von Hassenstein. Von nun an verengt sich das Thal zusehends, statt durch Laubholz schlängelt sich der Thalweg knapp am linken Bachufer durch finstere Fichten, so recht an Tiek'sche »Waldeinsamkeit« erinnernd. Am rechten Bachufer erhebt sich der Hutberg, und die durch ein kleines Querthal davon getrennte Hundskoppe. Hier, wo sich das Thal nördlich wendet, liegt so recht einsam die »Hasenmühle«, eine Einschicht, von dem weiter westwärts gelegenen Gebirgsdorfe Wohlau. Der freundliche Müller bietet dem müden Wanderer Brod, Bier und Milch zur Labe.

Werfen wir einen Blick auf unsere bisherige Wanderung im Thale des Brunnersdorfer Baches (unrichtig Brandbach, welchen Namen nur das durch Sonnenberg geleitete Bächlein führt) zurück, so finden wir, dass dieses Thal an Naturschönheiten mit den schönsten Gebirgspartien Oesterreichs wetteifert. Man glaubt sich in ein herrliches Hochgebirgsthal versetzt. Es ist zu wundern, dass Touristen, wenigstens der nahen Städte, dies nicht schon längst gefunden und touristisch ausgebeutet haben. Nach der Ansicht eines unserer besten Geologen wäre dieses Thal in alten Zeiten die einzige Communication aus dem Saazer Lande über das Gebirge »in's Reich« gewesen. Dies wird auch die ersten Dynastien auf Hassenstein zur Gründung dieser Burg in herrschender Stellung dieses Verbindungsweges bewogen haben. Vielleicht genügt eine Hindeutung auf das Gesagte, um die Jetztzeit zur Anlage einer Strasse in diesem Thale zu bewegen. – Von der Hasenmühle aus wandern wir am rechten Bachufer über das Gelände nach Zieberle. Der Fusssteig durch ein Gewirr von Wald- und Feldwegen, ¼ Stunde lang, dürfte für das erstemal einen Führer nothwendig machen, wozu der »Hasenmüller« gerne jemanden zur Verfügung stellt. Das Oertchen Zieberle hat 11 Häuser mit 81 Einwohnern. Es liegt am Abhange der »Zieberle Kappe«, von welcher man eine lohnende Aussicht hat. Nördlich von Zieberle, in 15 Minuten erreichbar, liegt auf dem Sonnenberge die königliche Bergstadt Sonnenberg. Gneis und Urthonschiefer bilden seine Unterlage. Die Stadt mit 2600 Einwohnern zählt 212 Häuser. Die Einwohner beschäftigen sich vorzüglich mit Spitzenklöppelei; Jung und Alt sind Alliirte des Klöppelsackes. Ausserdem wird hier Handweberei betrieben. Das Centralcomité zur Hebung der Erwerbsthätigkeit im Erz- und Riesengebirge besitzt hier eine Sammtfabrik im eigenen Gebäude und überdies ist die Anfertigung von Schuh- und Handschuhwaaren nicht unbedeutend. Dass die edle Musikkunst sich hier einer besonderen Pflege erfreut, bezeugen ungefähr 200 Sonnenberger, welche »mit Musik« alljährlich und in fast alle Länder Europas bis nach Asien reisen und Tüchtiges leisten. Der Hausierhandel mit Manufactur- und Galanteriewaaren hat in Sonnenberg viele Vertreter.

Die Stadt zeichnet sich vor vielen anderen Landstädten durch ihre regelmässige Anlage und Bauart aus. Von dem ein Viereck bildenden Ringe laufen die Gassen in schnurgerader Richtung aus, so dass man hier nach allen vier Seiten in's Freie hinausblicken kann.

Gast- und Einkehrhäuser sind: Gasthaus zur »Sonne« am Ringplatze, an der Strasse gelegen; Franz Reichmann's Gasthaus bei der Kirche; Leopold Hütters Einkehrhaus in der Kirchengasse; Gasthaus zum Kronprinzen Rudolf an der Pressnitzer Strasse am Ringplatze u. s. w. Lohnfuhren und Fiakergeschäfte übernimmt Herrmann Stocklöw und Josef Puschack.

K. k. Postamt.

Sehenswerth ist die im J. 1857 vollendete Pfarrkirche. Das Kirchenschiff hat eine Länge von 35m und eine Breite von 20m. Das Presbyterium ist 10m lang und eben so breit. Im Schiffe stehen 36 in 6 Abtheilungen aufgestellte Betstühle, fünf Altäre mit sehenswerthen Altarbildern von Lhota (St. Wenzel Hauptaltar), Weidlich (St. Josef und Maria Heimsuchung), Josef Hellich (St. Michael und Maria Empfängniss). Die Kirche besitzt auch kostbare Kirchenornate und Paramente; die achtzehnstimmige, mit 2 Koppeln ausgestattete Orgel, Predigers Meisterwerk, wurde von Prediger aus Lichtenberg bei Hohenstadt um den Preis von 4230 fl. gebaut. Die Glocken, von denen die grösste 29 Ctr., die zweite 14 Ctr. und die dritte 7 Ctr. wiegt, goss der Prager Hofglockengiesser Karl Bellmann. Sehenswerth ist auch die hübsche Johannisstatue am Ringplatze und das von dem gelehrten Pfarrer Schwarz in Sonnenberg im J. 1750 angelegte Kirchengedenkbuch, welches interessante und wichtige Aufzeichnungen enthält. Die weit in's Land schauende Kirche und die sehr hübsche Lage des Städtchens führt jährlich viele hunderte von Touristen hieher um – wie die Sachsen sagen – »das schöne Böhmen« zu sehen. Ganz in der Nähe des Städtchens finden sich recht schöne Aussichtspunkte, wie der Galgenberg, die Zieberle Kappe bei Zieberle, der Hutberg, der Hassberg u. s. w. Der zur Sonnenberger Bahnstation täglich viermal verkehrende Postwagen führt den Touristen wieder zurück in seine Heimath.

5. *Von Komotau durch das *Assigbachthal nach Sebastiansberg. Wir gehen von Komotau über Oberdorf den Assigbach aufwärts. Nach ungefähr einer einstündigen Wanderung durch ein schönes *Wiesenthal, dessen Gehänge mit Nadel- und Laubholz bewaldet, kommen wir zur ersten Grundmühle, genannt auch »Kleinmühle.« Erfrischungen hält der betreffende Müller stets bereit. Von hier führt ein Weg rechts nach Petsch und links nach Domina. Im Thale weiter aufwärts treffen wir die zweite Grundmühle, nach ihrem Besitzer (Zein) »Zeinmühle« genannt. Diese Mühle ist so ziemlich die ansehnlichste der »Grundmühlen«. Von hier kann man rechts, das kleine Querthal verfolgend, das ca. ½ Stunde entfernte Dorf Dörnthal mit 17 Häusern und 107 Einwohnern erreichen. Sehenswerth ist hier der das Querthal überbrückende Bahndamm. Rechts von der Zeinmühle führt eine sogenannte Halbstrasse nach Petsch, einem freundlich gelegenen Oertchen, zum Pfarrdorfe Platten gehörig. Von der »Zeinmühle« nicht weit thalaufwärts entfernt, liegt die Dörnthal- oder Dreiwassermühle. Hier vereinigt sich mit dem Assigbache der mit dem Märzdorfer Bache bereits vereinigte Tschoschelmühlbach und der Rothenhäuser Flössbach. Wir verfolgen durch das mittlere Thal, Assigbachthal, unsere Tour weiter. Der bereits isolirt liegende, mit schönen Buchenstämmen bewachsene Berg ist der Ahrenberg, das Kleinod unter den Komotauer Wäldern. Circa ½ Stunde von der Dreiwässermühle in einer Thalenge befindet sich das sogenannte »böse Loch«, eine wildromantische Thalschlucht. Weiter den Lauf des Assigbaches aufwärts verfolgend, kommen wir zu den Felsen: Ringelstein und Otterstein. Links aufsteigend erreichen wir nach ziemlich anstrengendem Marsche die Bergstadt Sebastiansberg mit 2200 Einwohnern und ungefähr 200 Häusern. Die Partie ist sehr interessant und lohnt die Anstrengung in hohem Grade. Sebastiansberg soll seinen Namen von seinem Gründer Sebastian von Weitmühl erhalten haben. Man betrieb hier früher Bergbau auf Kupfer und Silber. Kaiser Rudolf II. erhob den Ort zu einer freien Bergstadt. Jetzt ist von dem früheren Bergbau keine Spur mehr. Die Bewohner beschäftigen sich mit Gänse- und Schweinehandel und Spitzenklöppelei.

Gasthäuser: »Strubels Gasthof« am Ring, »Heineich's Gasthaus« in der Schmiedgasse, »Lang's Gasthof« am Ring, Gasthof »zum schwarzen Adler« am Ring.

Die königliche Bergstadt Sebastiansberg hat ein k. k. Bezirksgericht, Notariatsamt, ein k. k. Postamt, ein Lese-, Gesang-, land- und forstwirthschaftliches Casino. Eingeführte Gäste haben Zutritt. Sehenswerth ist die im J. 1877 erbaute Stadtkirche und das im J. 1879 errichtete Kriegerdenkmal am Marktplätze.

Ein schöner Spaziergang in nordwestlicher Richtung auf der Kaiserstrasse ist der nach *Reitzenhain (Eisenbahnstation) dem beliebtesten Ausflugsorte der Sebastiansberger. Der Weg führt durch ausgedehnte, herrliche Waldungen. Der Ort selbst liegt inmitten derselben und bietet im Sommer einen sehr angenehmen Aufenthalt. Gesunde finden hier nach angestrengter Arbeit Erholung und Kränkliche Kräftigung. Hier athmet es sich leicht und wohl. Ueberall, wohin man blickt, ist das dem Auge wohlthuende Grün, von allen Seiten kommt uns der Wohlgeruch von duftenden Kräutern und Blumen, von harztriefenden Fichten und Tannen entgegen, was zur Erfrischung des Blutes nicht wenig beiträgt; darum mehrt sich die Zahl der Fremden, welche in dem Gasthause »zum Malzhaus« eine ausgezeichnete Verpflegung und Unterkunft finden, in auffallender Weise. Böhmisch-Reitzenhain ist ein beliebter und gesuchter klimatischer Curort. Die Umgebung des Ortes ist herrlich, die Waldpartie nach *Marienberg in Sachsen, (2 Stunden), nach *Ulmbach, *Kienhaide und *Natschung-Kallich auf guten Wegen sind von seltener Schönheit.

6. Von Sebastiansberg nach Komotau zurück. Der müde Tourist kann dies erstens mit der Bahn thun und zwar von der Station Krima-Neudorf aus, wohin er mittelst Postwagen in ca. ½ Stunde gelangt. Sollte er aber in Sebastiansberg übernachtet haben, so ist ihm mehr zur Fusspartie nach Komotau zu rathen; man rechnet auf diese Fusstour 3 Stunden. Immer auf der Strasse abwärts schreitend, berühren wir in ca. 20 Min. Neudorf. In weiteren 20 Min. führt die Strasse beim Bahnhofe Krima-Neudorf, dem grössten zwischen Komotau und Weipert, vorüber. Hier zweigt auch die Bahnlinie »Krima-Reitzenhain« ab. Gleich unterhalb des Bahnhofes treffen wir, wo sich von der Kaiserstrasse eine Bezirksstrasse über Sonnenberg nach Pressnitz abzweigt, das Gasthaus zur »Spitz«. Wir lassen es rechts und gelangen nach abermals einer viertelstündigen Wanderung in das alte Pfarrdorf »Krima«, welches 460 Einwohner in 63 Häusern zählt und zu welchem 9 Ortschaften eingepfarrt sind. Zur Zeit, als noch der Waarentransport per Achse besorgt wurde, herrschte hier reges Leben. Die zwei grossen Gasthäuser mit geeigneten Stallungen und grossen Hofräumlichkeiten sahen wohl damals bessere Tage. Dem Touristen können sie aber auch jetzt noch empfohlen werden, und zwar Bernhard Pilz's Gasthaus, beim Eintritte in's Dorf gelegen, bietet vorzügliche Speisen und Getränke und bequemes Nachtquartier. Dasselbe kann man auch vom zweiten Gasthause in Krima, an der Strasse gelegen, sagen. Krima hat ein k. k. Postamt und mehrere Vereine. Die Erwerbsquelle der Einwohner ist Oekonomie. In ca. ¼ Stunde in südwestlicher Richtung führt uns die Strasse am Gasthofe zum »Hübel« und am Fusse des links sich erhebenden Klingerberges vorüber; von hier an bekommt die Strasse ein immer grösseres terrassenförmiges Gefälle, führt durch die Dörfer Domina und Schönlind und endigt nach einem sehr starken Abfalle unterhalb Schönlind, von hier aus *prächtige Ausblicke in's Land gewährend – durch Oberdorf nach Komotau.

7. Von Komotau nach *Kaaden. Die Tour wird mit der Buschtěhrader Eisenbahn in 28 Minuten zurückgelegt und bietet der Blick auf das Erzgebirge während der Fahrt sehr viel Angenehmes. Absteigestation ist Kaaden-Brunnersdorf, wo Omnibusse der Reisenden harren und dieselben in einer halben Stunde in die Stadt befördern.


Kaaden.

Die Stadt zählt 5052 Einwohner und liegt an der Eger.

Gasthöfe: »Zur Sonne« am Marktplatz; »zum grünen Baum«; »zum goldenen Hirschen«.

Aemter: K. k. Bezirkshauptmannschaft; k. k. Bezirksgericht; k. k. Post- und Telegraphenamt.

Verkehrsanstalten: Buschtěhrader Eisenbahn westwärts gegen Karlsbad-Eger und ostwärts gegen Komotau und von da einerseits nach Aussig-Bodenbach, andererseits nach Prag.

Schulanstalten: Ober-Gymnasium, Ackerbauschule, Bürgerschule.

Sehenswürdigkeiten: Die Dreifaltigkeitssäule auf dem Ring; dieselbe wurde im J. 1761 errichtet. Das Rathhaus; es bestand schon zu Anfang des 15. Jahrh. und ist nach dem Brande 1811 neu wieder hergestellt worden. An der Vorderseite des Gebäudes sieht man die Wappen des Hauses Oesterreich, der Königreiche Ungarn und Böhmen und der Stadt Kaaden. Das Kloster der Elisabethinerinnen in der unteren Vorstadt am Einflusse des Brunnersdorfer Baches in die Eger, gestiftet im J. 1748. Die Kirche zu Mariä-Verkündigung nebst der darin befindlichen Kapelle zu den heil. 14 Nothhelfern und einem Franziskanerkloster ausserhalb der Stadt, ¼ St. nordwestlich am linken Ufer der Eger. Die Kapelle bestand als Wallfahrtsort schon im 14. und 15. Jahrh. und 1473 stiftete auf Anregung des Herrn Niklas von Lobkowitz die Stadtgemeinde das Kloster, dessen, sowie der Kirche vollständiger Ausbau aber erst 1662 zu Stande kam.

Geschichtliches. Der Name der Stadt rührt von einer Burg her, welche der böhmische Feldherr Kadan angeblich auf dem Felsen, wo jetzt die Kaserne steht, schon im J. 821 errichtete und nach sich benannte. Unter seinem Schutze entstanden allmählig Ansiedelungen und eine Stadt, welche im J. 1128 durch Herzog Sobieslaw mit Mauern umgeben wurde. Sonach zählt der Ort zu den ältesten Städten des Egerthales. König Přemysl Ottokar II. erhob sie zu einer königlichen Stadt. Kaiser Karl IV. verlieh ihr verschiedene Privilegien. Im J. 1421 wurde sie von den Taboriten überfallen und furchtbar verheert. Weil die Stadt im Schmalkaldischen Kriege 1547 an der Widersetzlichkeit gegen Ferdinand mit theilgenommen, wurden ihr alle Privilegien und Freiheiten bestätigt, welche ihr früher verliehen worden. Während des 30jährigen Krieges wurde Kaaden zweimal von den Schweden und zwar 1642 unter General Torstensohn und 1648 unter General Königsmark eingenommen. Grosses Unglück traf sie am 1. October 1811, an welchem Tage sie von einem furchtbaren Brande heimgesucht wurde. Das Rathhaus, die Dechantei, die Schulgebäude und 243 Häuser sammt Nebengebäuden wurden von dem entfesselten Elemente eingeäschert.

Die Umgebung der Stadt ist reizend und besuchenswerth. Die Abhänge des Egerthales sind von Warta aus bis Klösterle, ja selbst bis Kaaden grösstentheils felsig, und oft fallen die Felsmassen bis in das Flussbett steil ab und erfreuen den Touristen durch ihre mannigfaltige Gestaltung und dadurch bedingten häufigen, sehr angenehmen Wechsel der Landschaftsbilder.

Touren:

Wir können uns hier nur auf die in's Erzgebirge beschränken und weisen auf eine grosse, interessante Tour in's Duppauer Gebirge bloss hin. Es ist: Kaaden-Radonitz-Duppau-Rodisfurt mit dem Abstecher zum Giesshübler Sauerbrunn und von da über Welchau in die Bahnstation Wickwitz-Welchau und retour mit der Buschtiehrader Bahn nach Kaaden über Hauenstein-Warta-Klösterle (sehr interessante Fahrt). Von Kaaden südlich nach Fünfhunden, von da südwestlich nach Radonitz und in derselben Richtung nach Duppau. Die Oberfläche bei Radonitz und Duppau ist gebirgig. An der südwestlichen Seite erstreckt sich ein Bergrücken, aus welchem sich die Bergspitze Burgstadel 925m erhebt, welche einst eine Burgruine unbekannten Ursprunges trug und von welcher nur noch ein zugeschütteter Brunnen übrig ist. Von der Spitze des Berges sieht man deutlich nicht nur das ganze Erzgebirge, sondern auch bei reinem Horizonte den Milleschauer Berg und andere Kuppen des böhmischen Mittelgebirges, den Georgsberg bei Raudnitz, den Bösig zwischen Weisswasser und Hirschberg, den Frauenberg und mehrere Punkte des Fichtelgebirges. Vor mehreren Jahren stand hier eine hölzerne Pyramide, welche leider in Trümmer ging und gegenwärtig durch eine Stange mit zwei Tafeln ersetzt ist. Etwas niedriger ist der *Oedschlossberg 917m, südwestlich von Duppau, an dessen westlichem Abhange sich in der Basaltmasse mehrere natürliche Löcher von der Grösse eines menschlichen Kopfes befinden, welche vom Volke die Zwerglöcher genannt werden, weil der Sage nach in uralter Zeit Zwerge darin gewohnt haben sollen.

Die Stadt Duppau hat ein Schloss, welches schon im J. 1119 von Doupowetz errichtet worden sein soll, im J. 1500 von Anna Maria Margaretha Daupowetz erneuert und im J. 1723 vom Grafen Gottfried von Lützow überbaut wurde. Die Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt wurde von demselben Grafen im J. 1745 vollständig renovirt. Die Elisabeth-Kirche wurde nebst dem dazu gehörigen Klostergebäude für die Jesuiten gegründet und denselben im J. 1770 übergeben. Nach Aufhebung dieses Ordens im J. 1773 erhielten die Piaristen das Collegium sammt dem Gymnasium, welches gegenwärtig geschlossen ist. Die Kirche gehört durch ihre Grösse, geschmackvolle Bauart und innere Ausschmückung unter die bemerkenswerthesten Landkirchen Böhmens.

Von Duppau in westlicher Richtung nach Rodisfort (Rodisfurt), rechts an der Eger, über welche eine Brücke führt, und an der Landstrasse nach Schlackenwerth, und dann ½ Stunde südlich zum Sauerbrunn.

Giesshübler Sauerbrunn (siehe Bereisung von Karlsbad aus). Von da in nördlicher Richtung nach Welchau am rechten Ufer der Eger in einem von mehreren Bergen eingeschlossenen herrlichen Thale. Eigenthümer des Gutes Welchau ist gegenwärtig Herr Hofrath Dr. von Löschner, welcher in diesem schönen Thale seinen Ruhesitz nach vieljähriger ausgezeichneter Wirksamkeit als Professor und Arzt aufgeschlagen und sehr viel für die Verschönerung der Gegend gethan hat. Die auf einem Hügel ausserhalb des Dorfes liegende Kirche hatte schon 1384 einen eigenen Pfarrer. Im Pfarrhause befindet sich das Bildnis des Pfarrers Anton Hasch zu Lioch (? in dioecesi Liochensi), welcher 125 Jahre alt geworden und 100 Jahre sein Amt als Pfarrer verwaltet hat. Das Schloss ist im 16. Jahrh. vom Grafen Schlick gebaut, und, nachdem es 1621 am 21. April mit dem ganzen Orte abgebrannt war, vom Freiherrn von Hessler wieder hergestellt und später wieder erneuert worden. Von der Station »Wickwitz-Welchau« wieder retour nach Kaaden.

2. Kaaden-*Leskau-*Schönburg. In westlicher Richtung gehen wir von Kaaden aus über Roschwitz zu dem nordwestlich von dem Dorfe Leskau sich erhebenden Leskauer Schlossberg mit der malerischen Ruine der Burg Egerberg, auch Egerwerk und Egerburg genannt, über deren Erbauer und früheren Besitzer nichts bekannt ist. Von da wandern wir in westlicher Richtung gegen Kettwa fort, wo sich eine Ueberfuhr befindet, und setzen auf das jenseitige Egerufer über, um in nördlicher Richtung dem, aus dem Egerthale steil aufsteigenden Berge Schönburg zuzueilen. Auf dem Gipfel des mit Wald bedeckten Berges sind die ansehnlichen Ruinen des Schlosses Alt-Schönburg. Wir geniessen von hier aus eine herrliche Aussicht in die Saazer Ebene und das ferne Mittelgebirge. Die Burg soll von den Eigenthümern ihrer Baufälligkeit wegen (sie ist von Basaltblöcken erbaut) verlassen worden sein; sie erbauten am Fusse des Berges ein neues Schloss und benannten sich auch nach diesem, Herren auf Neuschönburg; von diesem sind sehr wenige Spuren noch vorhanden. Retour nach Kaaden.

3. Kaaden-Klösterle-Kupferberg- (*Sphinx und *Kupferhügel) Schmiedeberg-Weipert-Pressnitz. (Herrliche Partie für drei Tage.) Wir treten unseren Weg an und kommen in westlicher Richtung nach dem 1¾ St. entfernten Klösterle. Wir haben eine Gebirgslandschaft vor uns, welche durch das Thal der Eger in zwei Theile getrennt ist. An der linken Seite ist es die steile Abdachung des Erzgebirges, welche das Thalgehänge bildet, an der rechten Seite das Duppauer-Gebirge, hier das Liesengebirge genannt, welches sich hier aus dem Thale erhebt. Das Thal selbst ist fast durchaus enge, die Abhänge am Fusse fast überall felsig; sie lassen nur stellenweise eine schmale Thalsohle übrig und häufig steigen sie fast unmittelbar bald an der rechten, bald an der linken, bald auch an beiden Seiten in schroffen Felswänden aus dem Flusse auf. Ueber diesen Felsgehängen dachen sich die Gebirgsabhänge bald mit grösserer, bald mit geringerer Steilheit ab.

Klösterle, Stadt, auf einer geneigten Anhöhe am linken Ufer der Eger.

Gasthäuser: Rathhaus am Markte, Restauration zum Bräuhaus, herrliche Aussicht.

Eisenbahnverbindung einerseits gegen Eger, andererseits gegen Komotau-Prag-Aussig-Bodenbach.

Post- und Telegrafenamt.

Sehenswürdigkeiten: Die Dreifaltigkeitskirche, ein schönes, geräumiges Gebäude in neu-italienischem Styl im J. 1670 vom Grafen Michel Oswald von Thun erbaut. Das schöne, herrschaftliche Schloss, auf einem Felsen am Ufer der Eger, welche hier durch einen weiten Busen das Ansehen eines beträchtlichen Stromes zeigt. Der Schlossgarten zeigt herrliche Baumgruppen. (Von Klösterle aus kann man auch Leskau und Schönburg besuchen, siehe Kaaden.)

Jetzt treten wir eine echte Gebirgspartie an. Wir kommen der höchsten Masse des Erzgebirges immer näher. Von Klösterle gehen wir in westlicher und nordwestlicher Richtung nach dem ¾ St. entfernten, an einem Berge gelegenen Haadorf und erreichen in einer halben Stunde Steingrün, ein Dorf an der Hauptstrasse, grösstentheils aber zerstreut an den Abhängen eines inneren Thales, in welchem ein kleiner Bach nach Pürstein fliesst, gelegen. Von hier aus erreichen wir, nördlich wandernd, wieder in einer halben Stunde *Kupferberg. Diese Partie lässt sich noch über Wenkau, ein Dorf am südlichen Gebirgsabhange in einem Thale zwischen Waldungen, zurücklegen. Beide Partien zeichnen sich durch grossartigen Gebirgscharakter aus. Ausdauernden Touristen empfehlen wir die Fusstour von Klösterle aus durch das wiederholt berührte, herrliche Egerthal auf der Kaiserstrasse nach Pürstein über Aubach nach Wotsch, von da nach Warta und endlich nordwestlich abbiegend, nach Hauenstein (siehe Bereisung von Johannisthal aus). – Retour nach Pürstein (zu Fuss und per Bahn), das am Zusammenflusse von drei Bächen, im Ausgange eines engen Thales, am Fusse des Erzgebirges in malerischer Gebirgsgegend gelegen ist. Wir gehen nun nördlich und kommen zu dem Schlossberge mit einigen Ueberresten der Burg Pürstenstein, auch Finkelstein, und setzen unseren Weg steil aufwärts nach Kleinthal, dann nach Steingrün fort und erreichen endlich Kupferberg. Dieser Aufstieg wird den Touristen wegen der reichen Abwechslung der wildromantischen Gegend besonders empfohlen. Zuvor statten wir der, an der Strasse gelegenen herrlichen Felspartie einen Besuch ab und erfreuen uns über den prachtvollen Einblick in das Egerthal. Der berühmte Landschaftsmaler Slowikowski, der gegenwärtig mit der Aufnahme von Bildern im Erzgebirge beschäftigt ist, entdeckte hier im J. 1880 eine schöne Sphinx und entwarf eine correcte Zeichnung davon, deren Abdruck sammt dem von ihm verfassten Gedichte nächstens in der Erzgebirgszeitung erscheinen wird.

Kupferberg, eine Bergstadt, auf dem Rücken des Erzgebirges 834m über dem Meere gelegen. Die Kirche wurde in den Jahren 1803 bis 1814 neuerbaut und die alte, ganz baufällige abgetragen; sie hat einen Thurm mit einem harmonischen Geläute von 5 Glocken, welche noch von der alten Kirche herrühren. Das Städtchen ist regelmässig angelegt, die Häuser fassen einen grossen, quadratischen Platz ein.

Gasthäuser: Rathhaus, Deutsches Haus, Post.

Eisenbahnstation (20 Minuten von der Stadt, Verbindung mit Komotau-Weipert).

Postamt.

Der an der Nordseite der Stadt sich erhebende *Kupferhügel (in 12 Min. ohne Anstrengung zu erreichen) ist vom Bergbau ganz unterwühlt, eine Menge Halden an seinem Abhange und in seiner Umgebung sind die Reste der seit vielen Jahren erloschenen unterirdischen Thätigkeit. Auf dem Gipfel steht eine Kapelle, welche von Einheimischen und Fremden häufig der Andacht und auch der herrlichen Aussicht wegen besucht wird. Diese ist eine der merkwürdigsten und schönsten in Böhmen; gegen Nordwest, Nord und Nordost ist sie zwar durch die höheren bewaldeten Rücken und Kuppen des Gebirges beschränkt, aber in anderen Richtungen erstreckt sie sich in unbegrenzte Ferne, besonders gegen Süd und Südosten. Wir sehen bis in die Gegend von Prag, wo dann die Hochebene des mittleren Böhmen den Horizont bildet, und dann weit in die Gegend von Elbogen und Pilsen. Unterhalb der Kapelle befindet sich das bekannte »Gasthaus am Kupferhügel.« (Erscheinungen siehe Klima.)

Von Kupferberg aus gehen wir (auf dem Plateau wird doch niemand die Bahn benützen wollen) in der herrlichen Waldluft auf der Strasse in westlicher Richtung nach Oberhals (¾ St.), einem zerstreut am südlichen schroffen Rande des Gebirgsrückens in ebener Gegend liegenden Dorfe, biegen hinter demselben rechts ab und kommen in dem langgestreckten Orte Schmiedeberg an. Das Dorf hat eine Eisenbahnstation der Buschtiehrader Eisenbahn von Komotau nach Weipert her und ist Absteigestation für die herrlichen Aussichtspunkte: Keilberg, Fichtelberg, Spitzberg bei Gottesgab, Halsberg bei Pressnitz, Kupferhügel und Bärenstein bei Weipert (siehe oben Bereis. des Erzgebirges von Joachimsthal und Kaaden aus!). Hervorragende Gebäude sind die Kirche und das Schulhaus.

Gasthöfe: Schneeberg, Ross.

Von Schmiedeberg gelangen wir in je 1¼ St. in nordöstlicher Richtung nach Pressnitz, in südöstlicher nach Kupferberg, in nordwestlicher nach Weipert und in südwestlicher nach Böhmisch-Wiesenthal (siehe Bereisung von Joachimsthal aus!). Nach Pressnitz führt von Schmiedeberg die Pressnitz-Schmiedeberger Bezirksstrasse. Der Weg ist sehr angenehm.

Pressnitz, Bergstadt, mit 3000 Einwohnern, auf der nördlichen sanften Abdachung.

Gasthäuser: »Herrenhaus«, »Rössel«.

Aemter: K. k. Bezirksgericht, Post- und Telegrafenamt.

Eisenbahnstation der Buschtiehrader Bahn einerseits gegen Weipert, andererseits gegen Komotau.

Geschichtliches: Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem Silberbergbau. Hier ist bereits zur Zeit der Regierung des Königs Georg von Poděbrad Silber gegraben und dem Herrn Niklas von Lobkowitz auf Hassenstein eine unbeschränkte Bergfreiheit zum Abbau aller Metalle drei Meilen rings um sein Stammschloss Hassenstein verliehen worden. Diese wurde vom Könige Wladislaw den Gliedern dieses Adelsstammes im J. 1473, 1490, 1500 und 1514 fortwährend weiter zugestanden. Unter König Mathias wurde, um den Bergbau zu heben, ein Vertrag geschlossen, der aber leider kein Heil mehr brachte, weil gleich darnach der 30jährige Krieg ausbrach. Er wurde zwar auch von allen späteren Monarchen gleich den anderen Privilegien bestätigt, ohne aber den erwarteten Erfolg zu haben.

Seit dem grossen Brande am 1. August 1811 sind die Pressnitzer mehr in der Welt bekannt geworden. Seitdem gehen junge Mädchen, mit der Harfe die entferntesten Gegenden besuchend, zum Theile von den Vätern, welche die Geige oder Flöte spielen, begleitet, einem oft nicht unbeträchtlichen Erwerbe nach, mit dem sie zur Unterstützung ihrer Eltern und Geschwister zeitweilig nach Hause kehren. Von Pressnitz aus gelangen wir auf einer guten Strasse durch das weitläufige Dorf Reischdorf über den Reischberg 457m nach Sonnenberg (1¾ St. – siehe Bereisung von Komotau aus).