Krieg in den Hochlanden.

Die schottische Opposition, ein wunderliches Gemisch von zwei Parteien, deren eine aller Freiheit feind war, während die andre von keiner Regierung etwas wissen wollte, schmeichelte sich eine Zeit lang mit der Hoffnung, daß der Krieg in den Hochlanden mit verdoppelter Wuth wieder ausbrechen werde. Aber diese Hoffnung wurde getäuscht. Im Frühjahr 1690 kam ein Offizier Namens Buchan aus Irland in Lochaber an. Er hatte ein Patent bei sich, das ihn zum Oberbefehlshaber aller Truppen ernannte, die im ganzen Königreiche Schottland für König Jakob unter den Waffen standen. Cannon, der seit Dundee’s Tode die erste Stelle bekleidet und sich derselben nicht gewachsen gezeigt hatte, wurde der Zweite im Commando. Es wurde jedoch durch diesen Wechsel nicht viel gewonnen. Es war keine leichte Aufgabe, die gälischen Fürsten zur Wiederaufnahme des Kampfes zu bewegen. In der That, ohne den Einfluß und die Beredtsamkeit Lochiel’s würde nicht ein einziges Schwert für das Haus Stuart gezogen worden sein. Nicht ohne Mühe überredete er die Häuptlinge, welche das Jahr vorher bei Killiecrankie gefochten hatten, zu dem Entschlusse zu kommen, daß sie vor Ende des Sommers alle ihre Anhänger aufbieten und in das Niederland einrücken wollten. Inzwischen wurden zwölfhundert Bergschotten verschiedener Stämme unter Buchan’s Commando gestellt, der sich verpflichtete, mit dieser Truppe die englischen Garnisonen beständig durch Scheinangriffe und Streifzüge zu beunruhigen, bis die Zeit zu wichtigeren Operationen gekommen sein würde. Zu dem Ende rückte er in Strathspey ein. Aber alle seine Pläne wurden sehr bald durch die Kühnheit und Gewandtheit Sir Thomas Livingstone’s vereitelt, der Inverneß für König Wilhelm besetzt hielt. Unter der Führung und dem Beistande der Grants, welche der neuen Regierung treu ergeben waren, kam Livingstone mit einem starken Corps Reiterei und Dragonern in Eilmärschen und über steile Gebirgspässe zu der Stelle, wo die Jakobiten ihre Quartiere aufgeschlagen hatten. Mitten in der Nacht erreichte er die Lagerfeuer. Der erste Alarm wurde durch das Einstürmen der Cavallerie über die entsetzten Schildwachen hinweg mitten unter die Celten gegeben, welche in ihre Plaids gehüllt schliefen. Buchan entkam im bloßen Kopfe und ohne Degen. Cannon lief im Hemd davon. Vierhundert Hochländer wurden erschlagen oder gefangen genommen, und die übrigen flohen in ihre Berge und Nebel.[85]

Dieses Ereigniß machte allen Gedanken an einen Bürgerkrieg ein Ende, und die für den Sommer beabsichtigte Zusammenziehung der Mannschaften fand nicht statt. Lochiel war, wenn er auch gewollt hätte, nicht im Stande, die im Fallen begriffene Sache länger zu halten. Er war durch einen Unfall aufs Krankenlager geworfen worden, der allein hinreichte, um zu beweisen, wie wenig durch eine Conföderation der kleinen Gebirgskönige ausgerichtet werden konnte. Bei einer Berathung zwischen den jakobitischen Anführern sprach ein Gentleman aus dem Niederlande sehr hart von jenen Schmarotzern, die ihren Glauben gewechselt, um sich bei König Jakob einzuschmeicheln. Glengarry war einer von Denen, die es für ehrenvoll halten anzunehmen, daß Jedermann beständig die Absicht habe, sie zu beleidigen. Er setzte es sich in den Kopf, daß man auf ihn habe anspielen wollen. „Ich bin ein eben so guter Protestant als Sie,” rief er aus, und setzte ein Wort hinzu, das ein Mann von Ehrgefühl nicht ruhig hinnehmen konnte. In einem Nu waren beide Schwerter aus der Scheide. Lochiel warf sich zwischen die Kämpfenden und während er sie auseinander zu reißen suchte, erhielt er eine Wunde, die man zuerst für tödtlich hielt.[86]