Der Tag des Dankgottesdienstes.
Die Freudenbezeigungen waren noch nicht zu Ende. In einer Staatsrathssitzung, welche einige Stunden nach dem öffentlichen Einzuge des Königs gehalten wurde, ward der 2. December zur Abhaltung eines Dankgottesdienstes wegen des zu Stande gekommenen Friedensschlusses bestimmt. Das Kapitel von St. Paul beschloß, daß an diesem Tage seine stolze Kathedrale, die sich langsam auf den Trümmern einer Reihenfolge von heidnischen und christlichen Tempeln erhoben hatte, dem öffentlichen Gottesdienste übergeben werden sollte. Wilhelm that seine Absicht kund, an der Eröffnungsfeier theilzunehmen. Man stellte ihm jedoch vor, daß, wenn er in diesem Vorhaben beharrte, dreihunderttausend Menschen herbeiströmen würden, um ihn zu sehen, und daß dann alle Pfarrkirchen London’s leer bleiben würden. Er wohnte daher dem Gottesdienste in seiner Kapelle zu Whitehall bei und hörte Burnet eine Predigt halten, die für den Ort etwas zu lobhudelnd war.[132] In der St. Paulskirche erschien die Magistratur der City in all’ ihrem Pompe. Campton bestieg zum ersten Male einen mit Schnitzwerk von Gibbons reich verzierten Thron und sprach auf demselben zu der zahlreichen und glänzenden Versammlung. Seine Rede ist uns nicht erhalten worden, aber man kann den Inhalt derselben leicht errathen, denn er predigte über den herrlichen Psalm: „Ich freue mich deß, das mir geredet ist, daß wir werden ins Haus des Herrn gehen.” Er erinnerte ohne Zweifel seine Zuhörer, daß sie als Londoner, außer der Dankbarkeitsschuld, die sie mit allen Engländern theilten, noch besondere Ursache hätten, für die göttliche Güte dankbar zu sein, die ihnen gestattet habe, die letzte Spur der Verheerungen des großen Feuers zu verwischen und sich nach so langen Jahren endlich wieder an dieser durch die Andacht von dreißig Generationen geweihten Stätte zu Gebet und Lobpreisung zu versammeln. In ganz London und in allen Theilen des Landes, bis in die entferntesten Kirchspiele von Cumberland und Cornwallis, waren die Kirchen am Morgen des Tages gefüllt und der Abend war ein Abend festlicher Vergnügungen.[133]
Man hatte aber auch Ursache, sich zu freuen und dem Himmel zu danken. England hatte schwere Prüfungen überstanden und war mit verjüngter Kraft und Gesundheit aus denselben hervorgegangen. Zehn Jahre früher hatte es den Anschein gehabt, als ob jene Freiheit und Unabhängigkeit vernichtet seien. Seine Freiheit hatte es durch eine gerechte und nothwendige Revolution behauptet. Es hatte die durch die Rechtsbill festgestellte Ordnung der Dinge siegreich gegen die mächtige französische Monarchie, gegen die eingeborne Bevölkerung Irland’s, gegen die erklärte Feindschaft der Eidverweigerer und gegen die noch gefährlichere Feindschaft von Verräthern vertheidigt, welche bereit waren, jeden Eid zu leisten und die kein Eid binden konnte. Seine offenen Feinde hatten auf vielen Schlachtfeldern gesiegt. Seine versteckten Feinde hatten seine Flotten und Heere befehligt, seine Arsenale verwaltet, an seinen Altären fungirt, auf seinen Universitäten gelehrt, seine Amtsbureaux gefüllt, in seinem Parlamente gesessen und im Schlafzimmer seines Königs geheuchelt und geschmeichelt. Mehr als einmal hatte es unmöglich geschienen, daß etwas eine Restauration abwenden könnte, welche unvermeidlich zuerst Proscriptionen und Confiscationen, die Verletzung der Grundgesetze und die Verfolgung der Landeskirche, und dann eine dritte Erhebung der Nation gegen das Fürstenhaus, das eine zweimalige Entthronung und eine zweimalige Verbannung nur hartnäckiger im Bösen gemacht hatte, in ihrem Gefolge gehabt haben würde. Zu den Gefahren des Kriegs und den Gefahren des Verraths hatten sich neuerdings die Gefahren einer schweren Finanz- und Handelskrisis gesellt. Aber alle diese Gefahren waren vorbei. Außen und innen war Friede. Das Königreich hatte nach vielen Jahren einer schmachvollen Vasallenschaft seinen früheren Platz in der vordersten Reihe der europäischen Mächte wieder eingenommen. Viele Anzeichen berechtigten zu der Hoffnung, daß die Revolution von 1688 unsre letzte Revolution gewesen sein würde. Die alte Verfassung schmiegte sich durch eine natürliche, eine allmälige, eine friedliche Entwickelung den Bedürfnissen einer neueren Gesellschaft an. Die Freiheit des Gedankens und die Freiheit der Rede bestanden schon in einem Umfange, wie ihn kein früheres Zeitalter gekannt hatte. Die Valuta war wieder hergestellt. Der öffentliche Credit war wieder befestigt. Der Handel lebte wieder auf. Die Schatzkammer war zum Ueberströmen voll. Allenthalben, von der Börse bis zum entlegensten Dorfe in den Gebirgen von Wales und den Sümpfen von Lincolnshire äußerte sich ein Gefühl der Erleichterung. Die Landbauer, die Hirten, die Bergleute der Kohlengruben von Northumberland, die Arbeiter, die sich an den Webstühlen von Norwich und an den Amboßen von Birmingham abmühten, empfanden die Veränderung, ohne sie zu verstehen, und das heitere Gewühl in jedem Seehafen und in jeder Marktstadt verrieth nicht undeutlich den Anfang einer glücklicheren Zeit.