Ergreifung Fenwick’s.

Dieser Unfall machte Fenwick’s Lage gefährlicher als je. Bei der nächsten Session für die City von London wurde der großen Jury eine Anklagebill auf Hochverrath gegen ihn vorgelegt. Porter und Goodman traten als Kronzeugen auf und die Anklage wurde für begründet erklärt. Jetzt dachte Fenwick, es sei hohe Zeit, daß er sich nach dem Continent aus dem Staube mache. Er traf Anstalten zu seiner Ueberfahrt, verließ seinen Versteck und begab sich nach Romney Marsh. Hier hoffte er bis zur Ankunft des Schiffes, das ihn über den Kanal bringen sollte, ein schützendes Obdach zu finden. Denn obgleich Hunt’s Etablissement aufgehoben worden war, gab es doch in dieser einsamen Gegend noch immer Schmuggler, die mehr als ein unerlaubtes Gewerbe trieben. Der Zufall wollte, daß gerade zwei von diesen Leuten wegen Beherbergung von Hochverräthern verhaftet worden waren. Als der Staatsbote, der sie festgenommen, mit ihnen nach London zurückkehrte, begegnete er auf der Heerstraße Fenwick. Zu seinem Unglück war kein Gesicht in ganz England so bekannt wie das seinige. „Das ist Sir John,” sagte der Beamte zu seinen beiden Gefangenen; „steht mir bei, Kinder, und ich garantire Euch Eure Begnadigung und einen Beutel voll Guineen dazu.” Das Anerbieten war zu lockend, um es von der Hand zu weisen; aber Fenwick war besser beritten als seine Gegner, er sprengte mit dem Pistol in der Hand zwischen ihnen durch und war ihnen bald aus dem Gesicht. Sie setzten ihm nach, es wurde Lärm gemacht, die Glocken aller Kirchen des Moores gingen, die ganze Gegend war in Aufruhr; jeder Pfad wurde besetzt, jedes Dickicht und jede Hütte durchsucht und der Flüchtling endlich im Bett gefunden. Gerade in diesem Augenblicke kam eine Barke von sehr verdächtigem Aussehen in Sicht; sie näherte sich dem Ufer und zeigte die englische Flagge; aber dem erfahrenen Auge der Kentischen Fischer kam sie ganz wie ein französischer Kaper vor. Es war nicht schwer, den Zweck ihres Erscheinens zu errathen. Nachdem sie eine Weile vergebens ihren Passagier erwartet hatte, ging sie wieder in See.[36]

Zu seinem Unglück gelang es Fenwick, die Wachsamkeit seiner Hüter in so weit zu täuschen, daß er mit Bleistift einen kurzen Brief an seine Frau schreiben konnte. Jede Zeile enthielt Beweise für seine Schuld. Es sei Alles vorbei, schrieb er, er sei ein todter Mann, wenn seine Freunde ihm nicht durch Fürsprache Begnadigung auswirken könnten. Vielleicht gelinge es den vereinten Bitten aller Howards. Er wolle außer Landes gehen, wolle feierlich versprechen, nie wieder den Fuß auf englischen Boden zu setzen und nie wieder den Degen gegen die Regierung zu ziehen. Oder vielleicht würde es auch möglich sein, einen oder zwei Geschworne zu erkaufen, damit sie die übrigen durch Hunger zur Nachgiebigkeit zwängen. „Dies allein kann mich retten,” schrieb er. Das Billet wurde auf dem Wege zur Post aufgefangen und nach Whitehall geschickt. Fenwick kam bald darauf in London an und wurde vor die Lords Justices gebracht. Zuerst schlug er einen hohen Ton an und bot seinen Anklägern Trotz. Man hielt ihm entgegen, daß er nicht immer so zuversichtlich gewesen sei, und legte ihm den Brief an seine Frau vor. Er hatte noch keine Ahnung davon gehabt, daß derselbe in andere Hände gekommen sei als für die er bestimmt war. Seine Angst und Bestürzung waren groß; er sah ein, daß, wenn er sogleich vor ein Geschworengericht gestellt wurde, seine Verurtheilung unvermeidlich war. Eine Hoffnung blieb ihm. Wenn er den Beginn seines Prozesses einige Zeit hinziehen konnte, so verließen die Richter die Stadt, um ihre Rundreise anzutreten; dadurch wurden einige Wochen gewonnen und im Laufe dieser paar Wochen konnte etwas gethan werden.