Finanzkrisis.

Die von der Landbank gehoffte Summe betrug nahe an zwei Millionen sechshunderttausend Pfund. Von dieser Summe war die Hälfte zu zeichnen und ein Viertel am 1. August einzuzahlen. Der König hatte noch unmittelbar vor seiner Abreise ein Decret unterzeichnet, welches bestimmte Commissare, unter denen Harley und Foley die bedeutendsten waren, zur Empfangnahme der Namen der Subscribenten ernannte.[14] Es wurde im Saale des mittleren Temple eine zahlreiche Versammlung von Personen gehalten, die bei dem Plane interessirt waren. Ein Subscriptionsbureau wurde in Exeter Change, ein andres in Mercers’ Hall eröffnet. Vierzig Agenten reisten durch das Land und verkündeten der Landgentry aller Grafschaften das Herannahen des goldenen Zeitalters hoher Renten und niedriger Zinsen. Der Regentschaftsrath zeichnete, um der Nation mit gutem Beispiele voranzugehen, fünftausend Pfund für den König, und die Zeitungen versicherten der Welt, daß die erforderliche Summe sehr bald voll werden würde.[15] Als aber drei Wochen vergangen waren, fand es sich, daß zu den vom Könige beigesteuerten fünftausend Pfund nur noch funfzehnhundert gekommen waren. Viele wunderten sich darüber; allein es war sehr wenig Grund dazu. Die Summe, welche die Freunde des Planes aufzubringen übernommen hatten, konnte nur von den Feinden des Planes beschafft werden. Die Landgentlemen waren dem Plane Harley’s hold; aber nur deshalb, weil sie Geld zu niedrigem Zinsfuße entlehnen wollten, und da sie Geld entlehnen wollten, waren sie natürlich nicht im Stande, welches herzugeben. Nur die vermögende Klasse konnte das zum Bestehen der Landbank Nöthige liefern, und die Landbank hatte eingestandenermaßen den Zweck, den Gewinn der vermögenden Klasse zu vermindern, ihren politischen Einfluß zu vernichten und ihre sociale Stellung zu erniedrigen. Da die Wucherer nicht Lust hatten, die Kosten der Unterdrückung des Wuchers selbst zu bezahlen, so scheiterte der ganze Plan in einer Weise, die im höchsten Grade lächerlich gewesen wäre, wenn die öffentlichen Angelegenheiten ein minder beunruhigendes Aussehen gehabt hätten. Der Tag rückte heran, und die sauber linirten Seiten des Einzeichnungsbuches in Mercers’ Hall waren noch immer leer. Die Commissare wußten nicht was sie denken sollten. In ihrer Noth baten sie die Regierung um Nachsicht. Viele große Kapitalisten, sagten sie, möchten gern unterzeichnen; aber sie zögerten damit, weil die Bedingungen zu hart seien. Das verlangte Kapital müsse vermindert werden. Wolle der Regentschaftsrath sich nicht zu einem Nachlasse von dreihunderttausend Pfund verstehen? Die Finanzen befanden sich in einem so traurigen Zustande und die Briefe, in denen der König seine Bedürfnisse darstellte, waren so dringend, daß der Regentschaftsrath schwankte. Die Commissare wurden gefragt, ob sie sich bei Bewilligung des verlangten Abzugs verbindlich machen würden, die ganze Summe aufzubringen. Ihre Antwort lautete unbefriedigend. Sie wagten nicht zu behaupten, daß sie über mehr als achthunderttausend Pfund gebieten könnten. In Folge dessen wurde die Unterhandlung abgebrochen. Der 1. August erschien, und der ganze Betrag, den die ganze Nation zu dem glänzenden Unternehmen beigesteuert hatte, von dem man sich so viel versprochen, belief sich auf zweitausendeinhundert Pfund.[16]

Gerade zu diesem Zeitpunkte kam Portland vom Continent an. Wilhelm hatte ihn mit dem Auftrage abgesandt, um jeden Preis Geld zu schaffen, gleichviel wie und woher. Der König hatte sich in Holland schon seines Privatcredits bedient, um seiner Armee Brot geben zu können. Aber es reichte Alles nicht hin. Er schrieb seinen Ministern, daß, wenn sie ihm nicht schleunigst Geld schicken könnten, seine Truppen sich entweder empören oder zu Tausenden desertiren würden. Er wisse wohl, sagte er, daß es bedenklich sein würde, in seiner Abwesenheit das Parlament einzuberufen; aber wenn kein andres Mittel ausfindig gemacht werden könne, müsse man es riskiren.[17] Der in die größte Verlegenheit versetzte Regentschaftsrath begann jetzt zu wünschen, daß die von den Commissaren in Mercers’ Hall angebotenen Bedingungen bei aller ihrer Härte angenommen worden wären. Die Unterhandlung wurde wieder angeknüpft. Shrewsbury, Godolphin und Portland, als Agenten der Regierung, hatten mehrere Conferenzen mit Harley und Foley, welche vor Kurzem behauptet hatten, daß achthunderttausend Pfund bereit seien, für die Landbank gezeichnet zu werden. Die Minister gaben die Zusicherung, daß, wenn in diesem Augenblicke nur die Hälfte dieser Summe vorgestreckt werden könnte, Diejenigen, welche dem Staate diesen Dienst erzeigt hätten, in der nächsten Session als Nationallandbank incorporirt werden sollten. Harley und Foley versprachen zuerst mit zuversichtlicher Miene das Verlangte aufzubringen. Aber sie nahmen bald ihr Wort zurück und zeigten große Lust, wegen Kleinigkeiten peinlich und streitsüchtig zu sein; schließlich schrumpften die achthunderttausend Pfund zu vierzigtausend zusammen, und selbst diese vierzigtausend waren nur unter harten Bedingungen zu haben.[18] So endete die große Täuschung der Landbank. Die Vollmacht erlosch und die Bureaux wurden geschlossen.

Jetzt nahm der der Verzweiflung nahe Regentschaftsrath seine Zuflucht zur Bank von England. Zweihunderttausend Pfund waren die geringste Summe, welche zur Bestreitung der dringendsten Bedürfnisse des Königs genügte. Würde die Bank von England diese Summe vorstrecken? Die Kapitalisten, welche die erste Stimme bei diesem Institute hatten, waren übelgestimmt und nicht ohne Grund. Aber freundliche Worte, dringende Bitten und glänzende Versprechungen wurden nicht gespart, der ganze Einfluß Montague’s, der mit Recht groß war, wurde aufgeboten; die Directoren versprachen ihr Möglichstes zu thun; aber sie fürchteten, daß es ihnen nicht möglich sein würde die Summe herbeizuschaffen, ohne von ihren Actionären eine zweite Einzahlung von zwanzig Procent zu verlangen. Die Frage mußte einer Generalversammlung vorgelegt werden, in einer solchen Versammlung waren über sechshundert Personen stimmberechtigt und das Ergebniß war sehr zweifelhaft. Die Actionäre wurden zu einer Versammlung in Mercers’ Hall für den 15. August eingeladen. Während der peinlichen Zwischenpause der Ungewißheit schrieb Shrewsbury in einem so tragischen Tone an seinen Gebieter, wie man ihn in officiellen Briefen nicht häufig findet. „Wenn dies nicht gelingt, dann weiß Gott was geschehen soll. Doch es muß Alles versucht und gewagt werden, ehe wir uns hinlegen und sterben.”[19] Am 15. August, der eine wichtige Epoche in der Geschichte der Bank bezeichnet, wurde die Generalversammlung abgehalten. Den Vorsitz führte Sir Johann Houblon, der Gouverneur, der zugleich Lordmayor von London, und, was unsrer Zeit sonderbar vorkommen würde, ein Commissar der Admiralität war. Sir John schilderte in einer Rede, von der jedes Wort niedergeschrieben und von den Directoren reiflich erwogen worden war, den Stand der Sache und bat die Versammlung dringend, dem Könige Wilhelm beizustehen. Es wurde anfangs ein wenig gemurrt. „Wenn unsere Noten genügten,” sagte man, „so würden wir gern bereit sein, Sr. Majestät zu Hülfe zu kommen; aber zweihunderttausend Pfund in klingender Münze zu einer Zeit wie die gegenwärtige —.” Der Gouverneur erklärte kurz und entschieden, daß nur Gold oder Silber den Bedürfnissen der Armee in Flandern genügen könne. Es wurde endlich über die Frage abgestimmt, und jede Hand im Saale erhob sich für die Uebersendung des Geldes. Die Briefe von der holländischen Gesandtschaft benachrichtigten die Generalstaaten, daß das Ergebniß dieses Tages die Bank und die Regierung eng mit einander verbunden habe und daß mehrere Minister unmittelbar nach der Versammlung Actien gekauft hätten, nur um dem Institute, das dem Staate einen so großen Dienst erzeigt, einen Beweis ihrer Anhänglichkeit zu geben.[20]