Folgen des Fenwick’schen Bekenntnisses.
Man hatte es nicht verhindern können, daß Gerüchte über dieses Bekenntniß in Umlauf kamen. Der Gefangene hatte sogar Mittel gefunden sich mit seinen Freunden in Communication zu setzen und hatte ihnen wahrscheinlich zu wissen gethan, daß er nichts gegen sie, sehr viel aber gegen die Creaturen des Usurpators gesagt habe. Wilhelm wünschte die Sache den gewöhnlichen Gerichten zu überlassen und wollte durchaus nicht, daß sie anderwärts untersucht würde. Seine Räthe aber, welche die Denkweise zahlreicher und getheilter Versammlungen besser kannten als er, waren der Meinung, daß eine parlamentarische Discussion wenn auch vielleicht nicht wünschenswerth, doch unvermeidlich sei. Es stand in der Macht eines einzelnen Mitglieds jedes der beiden Häuser, eine solche Discussion zu erzwingen, und es gab in beiden Häusern Mitglieder, welche entweder aus Pflichtgefühl oder aus bloßem Hang zum Unheilstiften, entschlossen waren zu erfahren, ob der Angeklagte, wie erzählt wurde, gegen einige der vornehmsten Männer des Königreichs schwere Beschuldigungen erhoben habe. Wenn einmal eine Untersuchung stattfinden mußte, so war es gewiß wünschenswerth, daß die beschuldigten Staatsmänner zuerst darauf antrugen. Es war jedoch eine große Schwierigkeit dabei. Die Whigs, welche die Majorität des Unterhauses bildeten, waren bereit, wie ein Mann für die völlige Freisprechung Russell’s und Shrewsbury’s zu stimmen, und sie verlangten auch nicht danach, Marlborough, der nicht mehr im Staatsdienste war und daher wenig Neid erweckte, ein Brandmal aufzudrücken. Aber eine große Anzahl ehrenwerther Gentlemen, wie Wharton sie nannte, war durch nichts zu bewegen, einem Beschlusse beizutreten, der Godolphin freigesprochen hätte. Ihnen war Godolphin ein Dorn im Auge. Alle übrigen Tories, welche in den ersten Jahren der Regierung Wilhelm’s eine Hauptrolle bei der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten gespielt hatten, waren nach einander entlassen worden. Nottingham, Trevor, Leeds waren nicht mehr am Ruder. Pembroke war kaum ein Tory zu nennen und war niemals wirklich am Ruder gewesen, Godolphin aber bekleidete seinen Posten in Whitehall noch, und den Männern der Revolution schien es unerträglich, daß ein Mann, der im Staatsrathe Karl’s und Jakob’s gesessen und für eine Regentschaft gestimmt hatte, erster Finanzminister war. Die so Denkenden hatten mit boshafter Schadenfreude erfahren, daß der erste Lord des Schatzes in dem Bekenntnisse genannt war, von dem Jedermann sprach, und sie hatten sich vorgenommen, eine so günstige Gelegenheit, ihn aus dem Amte zu vertreiben, nicht unbenutzt vorübergehen zu lassen. Auf der andren Seite mußte Jeder, der Fenwick’s Schrift gelesen und nicht im Rausche der Parteileidenschaft allen Sinn für Vernunft und Gerechtigkeit verloren hatte, nothwendig einsehen, daß es unmöglich war, zwischen zwei Theilen dieser Schrift einen Unterschied zu machen und alles auf Russell und Shrewsbury Bezügliche als falsch, alles auf Godolphin Bezügliche als wahr zu betrachten. Dies gab selbst Wharton zu, der von allen Staatsmännern am wenigsten von Gewissensscrupeln oder von Schamgefühlsregungen beunruhigt wurde.[56]