Geschichte von England
seit der
Thronbesteigung Jakob’s des Zweiten.
Aus dem Englischen.
Vollständige und wohlfeilste
Stereotyp-Ausgabe.
Elfter Band:
enthaltend Kapitel 21 und 22.
Leipzig, 1856.
G. H. Friedlein.
[Einundzwanzigstes Kapitel.]
Wilhelm III.
[Inhalt.]
| Seite | |
| Eindruck von Mariens Tode auf dem Continent | [5] |
| Luxemburg’s Tod | [6] |
| Wilhelm’s Schmerz | [6] |
| Parlamentsverhandlungen; Emancipation der Presse | [7] |
| Halifax’ Tod | [8] |
| Parlamentarische Untersuchungen wegen der Corruption in den öffentlichen Aemtern | [10] |
| Tadelsvotum gegen den Sprecher des Hauses der Gemeinen | [13] |
| Foley zum Sprecher erwählt | [14] |
| Untersuchung der Rechnungen der Ostindischen Compagnie | [14] |
| Verdächtiges Treiben Seymour’s | [15] |
| Bill gegen Sir Thomas Cook | [15] |
| Untersuchung durch einen vereinigten Ausschuß der Lords und Gemeinen | [16] |
| Anklage gegen Leeds | [18] |
| Leeds’ Entlassung | [21] |
| Lords Justices ernannt | [21] |
| Aussöhnung zwischen Wilhelm und der Prinzessin Anna | [22] |
| Jakobitische Verschwörungen gegen Wilhelm’s Leben | [24] |
| Charnock | [25] |
| Porter | [26] |
| Goodman | [26] |
| Parkyns | [26] |
| Fenwick | [27] |
| Session des schottischen Parlaments | [27] |
| Untersuchung des Gemetzels von Glencoe | [27] |
| Krieg in den Niederlanden; der Marschall Villeroy | [34] |
| Der Herzog von Maine | [35] |
| Jakobitische Complots gegen die Regierung während Wilhelm’s Abwesenheit | [36] |
| Belagerung von Namur | [37] |
| Uebergabe der Stadt Namur | [40] |
| Uebergabe des Kastells von Namur | [44] |
| Verhaftung Boufflers’ | [44] |
| Wirkung der Emancipation der englischen Presse | [47] |
| Wilhelm’s Rückkehr nach England; Auflösung des Parlaments | [51] |
| Wilhelm unternimmt eine Reise durch das Land | [52] |
| Die Wahlen | [55] |
| Beunruhigender Zustand der Geldverhältnisse | [59] |
| Zusammentritt des Parlaments; Loyalität des Hauses der Gemeinen | [70] |
| Polemik über die Valuta | [72] |
| Maßregeln des Parlaments in Bezug auf die Valuta | [72] |
| Annahme der Acte zur Regulirung des Prozeßverfahrens in Hochverrathsfällen | [75] |
| Parlamentsverhandlungen wegen der Verleihung von Kronländereien in Wales an Portland | [76] |
| Zwei jakobitische Complots geschmiedet | [78] |
| Berwick’s Complot | [78] |
| Das Ermordungscomplot; Sir Georg Barclay | [79] |
| Berwick’s Complot scheitert | [84] |
| Entdeckung des Mordanschlags | [86] |
| Parlamentarische Schritte bezüglich des Mordanschlags | [90] |
| Stand der öffentlichen Stimmung | [91] |
| Prozeß Charnock’s, King’s und Keyes’ | [92] |
| Hinrichtung Charnock’s, King’s und Keyes’ | [95] |
| Prozeß Friend’s | [96] |
| Parkyn’s Prozeß | [96] |
| Hinrichtung Friend’s und Parkyn’s | [98] |
| Prozesse Rookwood’s, Cranburne’s und Lowick’s | [99] |
| Der Verein | [100] |
| Bill zur Regulirung der Wahlen | [103] |
| Acte zur Errichtung einer Landbank | [105] |
Eindruck von Mariens Tode auf dem Continent.
Auf dem Continent machte die Nachricht von Mariens Tode einen sehr verschiedenen Eindruck. Die Hugenotten beweinten in allen Gegenden Europa’s, wohin sie verschlagen waren, die Auserwählte, die ihren königlichen Aufwand beschränkt hatte, um dem verfolgten Volke Gottes Brot und Obdach zu geben.[1] In den Vereinigten Provinzen, wo sie genau gekannt und immer populär gewesen war, wurde ihr Tod aufrichtig bedauert. Matthias Prior, dem seine Talente und Kenntnisse die Gönnerschaft des freigebigen Dorset verschafft hatten und der jetzt der Gesandtschaft im Haag attachirt war, schrieb, daß die kälteste und für Gefühlsaffecte unempfänglichste aller Nationen berührt sei. Der Marmor selbst, sagte er, weine.[2] Die Klagen von Cambridge und Oxford fanden in Leyden und Utrecht Wiederhall. Die Generalstaaten legten Trauer an. Auf allen Kirchthürmen Hollands ertönte jeden Tag Trauergeläute.[3] Inzwischen verbot Jakob in Saint-Germains jede Trauerfeier aufs Strengste, und bestimmte Ludwig, ein gleiches Verbot auch in Versailles zu erlassen. Einige der vornehmsten Edelleute Frankreich’s, unter andern die Herzöge von Bouillon und von Duras, waren mit dem Hause Nassau verwandt und hatten jedesmal, wenn der Tod dieses Haus heimsuchte, die schicklichen Trauerceremonien genau beobachtet. Diesmal wurde ihnen untersagt, sich schwarz zu kleiden, und sie fügten sich; aber die Macht des großen Königs ging nicht so weit, daß er seine hochgebildeten und geistreichen Höflinge hätte verhindern können einander zuzuflüstern: es liege doch etwas Erbärmliches in dieser Rache, die der Lebende an dem Todten, ein Vater an seinem Kinde nehme.[4]
Die Hoffnungen Jakob’s und seiner Exilgefährten waren jetzt größer als sie seit der Schlacht von La Hogue je gewesen. Die Staatsmänner, sowohl bei uns, als auch auf dem Continent, waren in der That allgemein der Ansicht, daß es Wilhelm nicht möglich sein werde, sich noch lange auf dem Throne zu halten. Ohne den Beistand seiner Gemahlin, sagte man, würde er sich nicht einmal so lange haben halten können. Ihre Leutseligkeit habe Viele gewonnen, die sein kaltes Benehmen und seine kurzen Antworten abgestoßen hätten. Ihr englischer Accent, ihre englischen Gesinnungen und Neigungen hätten Viele bezaubert, denen sein holländischer Accent und seine holländischen Gewohnheiten zuwider gewesen seien. Obgleich sie der Hochkirchenpartei nicht angehört, habe sie doch dieses Ritual geliebt und sich gern und ehrerbietig einigen Ceremonien anbequemt, die er zwar nicht als sündhaft, doch als kindisch angesehen und an denen Theil zu nehmen er schwer habe über sich gewinnen können. So lange der Krieg daure, müsse er nothwendig fast die Hälfte des Jahres außerhalb England’s zubringen. Bisher habe sie in seiner Abwesenheit ihn vertreten, und gut vertreten. Wer solle ihn jetzt vertreten? In welchen Stellvertreter könne er gleiches Vertrauen setzen? Welchem Stellvertreter werde die Nation gleiche Achtung zollen? Alle Staatsmänner Europa’s stimmten daher in der Ansicht überein, daß seine zum mindesten schwierige und gefährliche Lage durch den Tod der Königin noch schwieriger und gefährlicher geworden sei. Aber alle Staatsmänner Europa’s täuschten sich, und merkwürdigerweise war seine Regierung nach dem Ableben Mariens entschieden glücklicher und ruhiger als zu ihren Lebzeiten.