Hinrichtung Friend’s und Parkyns’.
Nach wenigen Stunden versammelte sich das Volk wieder auf Tyburn, und diesmal wurden die Schaulustigen nicht um ihr Vergnügen gebracht. Sie genossen sogar einen Anblick, den sie nicht erwartet hatten und der größere Sensation erregte als die Hinrichtung selbst. Jeremias Collier und zwei andere minder berühmte eidverweigernde Geistliche, Namens Cook und Snatt, hatten die Gefangenen in Newgate besucht und waren mit in dem Richtkarren am Fuße des Galgens. Als die Gebete vorüber waren, kurz ehe der Henker sein Amt zu verrichten begann, erhoben sich die drei schismatischen Priester und legten ihre Hände auf die Köpfe der beiden Verurtheilten, welche noch auf den Knien lagen. Collier sagte eine aus dem Dienste für Krankenbesuche entlehnte Absolutionsformel her und seine Amtsbrüder sprachen Amen!
Diese Ceremonie rief ein lautes Geschrei hervor, das noch lauter wurde, als einige Stunden nach der Execution die Schriftstücke veröffentlicht wurden, welche die beiden Hochverräther den Sheriffs übergeben hatten. Man hatte erwartet, daß wenigstens Parkyns einige Reue über das Verbrechen, das ihn an den Galgen gebracht, an den Tag legen werde. Hatte er doch vor dem Ausschusse der Gemeinen selbst eingestanden, daß das Mordcomplot nicht zu rechtfertigen sei. In seiner letzten Erklärung aber bekannte er seine Theilnahme an diesem Complot nicht nur ohne ein Wort, das Reue verrathen hätte, sondern sogar mit einer Art von Frohlocken. War das ein Mann, den christliche Priester absolviren durften, dies vor den Augen vieler Tausende und mit einer Feierlichkeit, die offenbar darauf berechnet war, die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen und von der weder im allgemeinen Gebetbuche noch in den Gebräuchen der englischen Kirche eine Spur zu finden war!
In Journalen, Broschüren und Flugblättern wurde die Frechheit der drei Leviten, wie man sie nannte, scharf getadelt. Es wurden bald Verhaftsbefehle gegen sie erlassen. Cook und Snatt wurden ergriffen und ins Gefängniß geworfen; Collier aber gelang es sich zu verbergen, und er ließ mit Hülfe einer der Pressen, welche im Dienste seiner Partei standen, aus seinem Versteck eine Rechtfertigung seines Verfahrens vom Stapel. Er erklärte, daß er den Mord eben so verabscheue, wie irgend einer von Denen, die ihn schmähten, und sein allgemeiner Character berechtigt uns zu dem Glauben, daß diese Erklärung vollkommen aufrichtig war. Aber die übereilte Handlung, zu der er sich durch den Parteigeist hatte hinreißen lassen, lieferte seinen Gegnern sehr plausible Gründe, an seiner Aufrichtigkeit zu zweifeln. Es erschienen eine Menge Antworten auf seine Vertheidigung. Von hervorragender Bedeutung war darunter ein feierliches Manifest, unterzeichnet von den beiden Erzbischöfen und sämmtlichen damals in London anwesenden Bischöfen, zwölf an der Zahl. Selbst Crew von Durham und Sprat von Rochester setzten ihre Namen unter dieses Dokument. Sie verurtheilten das Verfahren der drei eidverweigernden Geistlichen als der Form nach regelwidrig und dem Wesen nach gottlos. Die Sünden unbußfertiger Sünder zu vergeben, sei ein entweihender Mißbrauch der Gewalt, welche Christus seinen Dienern übertragen habe. Es werde nicht geleugnet, daß Parkyns einen Mord beabsichtigt habe. Es werde nicht behauptet, daß er Reue darüber an den Tag gelegt. Daraus ergebe sich die ganz natürliche Folgerung, daß die Geistlichen, die ihn absolvirt hatten, es nicht für eine Sünde hielten, König Wilhelm zu ermorden. Collier replicirte; aber obgleich ein schlagfertiger Polemiker, scheute er doch bei dieser Gelegenheit einen nachdrücklichen Kampf und zog sich so gut er konnte unter einer Wolke von Citaten aus Tertullian, Cyprian und Hieronymus, Albaspinäus und Hammond, dem Concil von Karthago und dem Concil von Toledo vom Kampfplatze zurück. Die öffentliche Meinung war entschieden gegen die drei Absolvirer. Aber die Regierung beschloß wohlweislich, ihnen nicht die Ehre des Märtyrerthums zu Theil werden zu lassen. Die große Jury von Middlesex fand Grund zu einer Anklage gegen sie; aber sie wurden nicht prozessirt. Cook und Snatt wurden nach kurzer Haft in Freiheit gesetzt, und Collier würde eben so mild behandelt worden sein, wenn er eingewilligt hätte, Bürgschaft zu stellen. Aber er hatte sich vorgenommen, nichts zu thun, was als eine Anerkennung der usurpirenden Regierung hätte ausgelegt werden können. Er wurde daher geächtet, und als er nach mehr als dreißig Jahren starb, war seine Acht noch nicht aufgehoben.[126]