Debatten über die Gehalte und Gebühren der Beamten.

Man dankte ihm mit herzlichen Worten, die Streitmacht, die er verlangte, wurde bewilligt und bedeutende Summen ohne erhebliche Schwierigkeit zugestanden. Als aber die Mittel und Wege zur Sprache kamen, begannen sich Symptome von Unzufriedenheit zu zeigen. Achtzehn Monate früher, als die Gemeinen sich mit der Feststellung der Civilliste beschäftigten, hatten viele Mitglieder eine sehr natürliche Geneigtheit, sich über den Betrag der Gehalte und Gebühren der Beamten zu beklagen, an den Tag gelegt. Heftige Reden waren gehalten, und, was bei weitem ungewöhnlicher war, gedruckt worden; außerhalb der Parlamentsräume hatte große Aufregung geherrscht, aber es war nichts geschehen. Der Gegenstand wurde jetzt wieder aufgenommen. Ein Bericht der Commission, welche im vorhergehenden Jahre zur Prüfung der öffentlichen Rechnungen ernannt worden war, hatte einige Facta, welche Unwillen, und andere, welche ernsten Verdacht erweckten, enthüllt. Das Haus schien fest entschlossen, eine umfassende Reform vorzunehmen, und nur die Thorheit und Heftigkeit der Reformers hatte eine solche Reform verhindern können. Es ist allerdings nicht zu verwundern, daß sie aufgebracht waren. Die directen und indirecten hohen Einkünfte der Staatsdiener mehrten sich in ununterbrochener Progression, während der Verdienst jedes Andren sich verringerte. Die Renten fielen, der Handel stockte, Jeder, der von dem Nachlasse seiner Vorfahren oder von den Früchten seines Fleißes lebte, mußte sich einschränken. Nur der Beamte wurde inmitten der allgemeinen Noth wohlhabend. „Man sehe blos den Zollcontroleur,” riefen die entrüsteten Squires. „Vor zehn Jahren ging er zu Fuß und wir fuhren. Unser Einkommen hat sich verringert, sein Gehalt ist verdoppelt worden, wir haben unsere Pferde verkauft, er hat sie gekauft, und jetzt gehen wir zu Fuß und werden von dem Kothe seines Sechsgespanns bespritzt.” Lowther versuchte es umsonst, sich gegen den Sturm zu erheben. Die Landgentlemen, die ihn vor nicht langer Zeit noch als einen ihrer Führer betrachtet hatten, liehen ihm eben kein geneigtes Ohr. Er hatte sie verlassen und war ein Höfling geworden; er bekleidete zwei einträgliche Stellen, eine im Schatzamt, die andre im Hofstaat, und hatte erst kürzlich von des Königs eigner Hand ein Geschenk von zweitausend Guineen erhalten.[4] Es schien ganz natürlich, daß er Mißbräuche vertheidigte, von denen er Nutzen hatte. Die Schmähungen und Vorwürfe, mit denen er überhäuft wurde, waren seinem reizbaren Character unerträglich. Er verlor den Kopf, fiel fast ohnmächtig auf den Fußboden des Parlamentshauses nieder und sprach davon, sich an einem andren Orte Recht zu verschaffen.[5] Leider erhob sich bei dieser Gelegenheit kein Mitglied, um darauf anzutragen, daß die bürgerlichen Anstalten des Königreichs sorgfältig revidirt, daß Sinekuren abgeschafft, daß exorbitante Diensteinkommen vermindert und daß es keinem Staatsdiener unter irgend einem Vorwande gestattet sein solle, außer seiner bekannten und gesetzlichen Renumeration etwas zu verlangen. Auf diesem Wege würde es möglich gewesen sein, die öffentlichen Lasten zu vermindern und zu gleicher Zeit die ersprießliche Thätigkeit in jedem Zweige der Staatsverwaltung zu erhöhen. Unglücklicherweise aber ermangelten gerade Diejenigen, die sich am lautesten über die herrschenden Mißbräuche beklagten, gänzlich der zur Durchführung der Reform nöthigen Eigenschaften. Am 12. December beantragte ein Thor, dessen Name nicht auf uns gekommen ist, daß kein bei irgend einem Civilamte Angestellter, den Sprecher, die Richter und die Gesandten ausgenommen, mehr als fünfhundert Pfund Sterling jährlich erhalten solle, und dieser Antrag ging nicht nur durch, sondern er wurde sogar ohne eine einzige opponirende Stimme angenommen.[6] Diejenigen welche das meiste Interesse hatten, sich demselben zu widersetzen, sahen ohne Zweifel ein, daß Opposition in diesem Augenblicke die Majorität nur reizen würde, und sparten sie daher für einen günstigeren Zeitpunkt auf. Dieser günstigere Zeitpunkt kam auch bald. Kein verständiger Mann konnte, nachdem sein Blut abgekühlt war, ohne Beschämung daran zurückdenken, daß er für einen Beschluß gestimmt hatte, der keinen Unterschied machte zwischen Inhabern von Sinekuren und fleißigen Staatsdienern, zwischen Schreibern, welche nur Briefe copirten, und Ministern, von deren Einsicht und Rechtschaffenheit das Geschick der Nation abhängen konnte. Der Gehalt des Portiers beim Accisamte war durch einen skandalösen Schacher bis auf fünfhundert Pfund jährlich getrieben worden. Er hätte auf funfzig Pfund herabgesetzt werden müssen. Die Dienste eines Staatssekretärs dagegen, der seinen Posten gut ausfüllte, würden mit fünftausend Pfund wohlfeil bezahlt gewesen sein. Wäre der Beschluß der Gemeinen zur Ausführung gekommen, so würde sowohl der Gehalt, der nicht funfzig Pfund hätte übersteigen sollen, wie der, welcher nicht unangemessen fünftausend Pfund hätte betragen können, auf fünfhundert Pfund normirt worden sein. Ein solcher Unsinn mußte auch dem rohesten und einfältigsten Fuchsjäger im Parlamente empören. Es trat eine Reaction ein, und als nach einem Zeitraum von wenigen Wochen vorgeschlagen wurde, in eine Steuerbewilligungsbill eine mit dem Beschlusse vom 12. December übereinstimmende Klausel aufzunehmen, waren die verneinenden Stimmen sehr laut; der Sprecher war der Meinung, daß sie überwiegend seien, die bejahenden Stimmen wagten es nicht, seine Ansicht zu bestreiten, der unsinnige Plan, der ohne Abstimmung gutgeheißen worden war, wurde ohne Abstimmung verworfen und der Gegenstand kam nicht wieder zur Sprache. So wurde der Fortbestand eines Mißbrauchs, der so skandalös war, daß selbst keiner von Denen, welche Vortheil von demselben hatten, ihn zu vertheidigen wagte, lediglich durch die Verkehrtheit und Maßlosigkeit Derer, die ihn angriffen, gesichert.[7]