Eindruck der Erklärung Jakob’s.

Die Agenten Jakob’s verbreiteten seine Erklärung schleunigst über alte Theile des Landes und erwiesen damit Wilhelm einen großen Dienst. Das allgemeine Urtheil darüber lautete, daß der verbannte Despot die Engländer doch wenigstens offen gewarnt habe und daß sie, wenn sie ihn nach einer solchen Warnung noch zurückriefen, sich nicht würden beklagen dürfen, wenn auch jede Grafschaftshauptstadt durch eine Assise besudelt werden sollte, ähnlich der, welche Jeffreys in Taunton gehalten hatte. Daß einige hundert Menschen — die Jakobiten gaben die Zahl nur auf fünfhundert an — ohne Gnade aufgehängt werden würden, sei gewiß, und Keiner, der bei der Revolution betheiligt gewesen, Keiner der für die neue Regierung zur See oder zu Lande gefochten, kein Soldat, der an der Unterwerfung Irland’s Theil genommen, kein Landmann aus Devonshire oder Bergmann aus Cornwall, der zu den Waffen gegriffen, um Weib und Kinder gegen Tourville zu vertheidigen, würde vor dem Galgen sicher sein. Wie verworfen, wie hämisch müsse der Character eines Mannes sein, der, im Begriff, die wichtigste Unternehmung durchzuführen, und nach dem edelsten aller Preise strebend, sich nicht enthalten könne zu proklamiren, daß er nach dem Blute einer Menge armer Fischer lechze, weil sie ihn vor länger als drei Jahren hin und her gestoßen und „Fratzengesicht” genannt hatten. Wenn er in dem Augenblicke, wo er die stärksten Gründe habe, sein Volk durch einen Anschein von Milde zu versöhnen zu suchen, es nicht über sich gewinnen könne, eine andre Sprache gegen dasselbe zu führen als die eines unversöhnlichen Feindes, was könne man von ihm erwarten, wenn er wieder sein Gebieter sein würde? Er habe einen so boshaften Character, daß er in einer Lage, in der andere Tyrannen zu liebreichen Worten und schönen Versprechungen griffen, nur Vorwürfe und Drohungen hervorbringen könne. Die einzigen Worte in seiner Erklärung, welche einen Anstrich von Freundlichkeit hätten, seien die, mit denen er verspreche, die fremden Truppen fortzuschicken sobald seine Autorität wiederhergestellt sein würde, und Viele meinten, daß man bei genauer Untersuchung selbst in diesen Worten einen unheimlichen Sinn entdecken müsse. Man dürfe von ihm nicht erwarten, daß er papistische Truppen fortschicken werde, die seine Unterthanen seien. Seine Absichten lägen auf der Hand. Die Franzosen gingen vielleicht, aber die Irländer würden bleiben. Das englische Volk solle durch diese dreimal unterjochten Barbaren niedergehalten werden. Ein Rapparee, der bei Newton Butler und am Boyne davongelaufen sei, werde ohne Zweifel Muth genug haben, die Schaffotte, auf denen seine Ueberwinder sterben sollten, zu bewachen und unser Land zu verwüsten, wie er sein eignes verwüstet habe.

Anstatt zu versuchen, Jakob’s Manifest zu unterdrücken, ließen die Königin und ihre Minister es wohlweislich selbst durch den Druck vervielfältigen und verbreiteten es, mit der Druckerlaubniß des Staatssekretärs und mit eingeschalteten Bemerkungen aus der Feder eines gewandten und scharfsinnigen Commentators versehen. Es wurde in vielen heftigen Pamphlets widerlegt, es wurde in Knittelverse gebracht und selbst die verwegensten und beißendsten Pasquillanten unter den Eidverweigerern wagten es nicht, es zu vertheidigen.[115]

Einige Eidverweigerer waren in der That so beunruhigt, als sie den durch das Manifest hervorgerufenen Eindruck bemerkten, daß sie es geflissentlich als untergeschoben behandelten und eine Schrift voll huldreicher Betheuerungen und Versprechungen als die ächte Erklärung ihres Gebieters veröffentlichten. Sie ließen ihn seinem ganzen Volke, mit Ausnahme von vier großen Verbrechern, vollständige Amnestie zusichern. Sie ließen ihn Hoffnungen auf bedeutende Steuerermäßigungen eröffnen. Sie ließen ihn sein Wort geben, daß er die ganze kirchliche Verwaltung eidverweigernden Bischöfen übertragen werde. Aber dieses Machwerk täuschte Niemanden und war nur deshalb von Wichtigkeit, weil es bewies, daß selbst die Jakobiten sich des Fürsten schämten, auf dessen Wiedereinsetzung sie hinarbeiteten.[116]

Niemand las die Erklärung mit größerem Erstaunen und Unwillen als Russell. Bei aller seiner Schlechtigkeit stand er unter dem Einflusse zweier Gefühle, die, wenn sie auch nicht tugendhaft genannt werden können, doch einige Verwandtschaft mit der Tugend haben und im Vergleich zu bloßer egoistischer Habsucht achtungswerth sind. Er besaß einen starken Berufsgeist und einen starken Parteigeist. Er konnte falsch gegen sein Vaterland sein, nicht aber gegen seine Flagge, und selbst nachdem er Jakobit geworden, hatte er nicht aufgehört ein Whig zu sein. Er war eigentlich nur deshalb ein Jakobit, weil er der intoleranteste und hämischeste Whig war. Er glaubte sich und seine Partei undankbarerweise von Seiten Wilhelm’s vernachlässigt und war einige Zeit durch seinen Groll zu sehr verblendet, um einzusehen, daß es von den ehemaligen Rundköpfen reiner Wahnsinn sein würde, Wilhelm dadurch zu bestrafen, daß sie Jakob zurückriefen. Die nahe Aussicht auf eine Invasion und die Erklärung, in der den Engländern klar und deutlich gesagt war, was sie zu erwarten hatten, wenn diese Invasion gelingen sollte, brachte, wie es scheint, eine plötzliche und vollständige Umwandlung in Russell’s Gesinnungen hervor, und diese Umwandlung gestand er in bestimmten Ausdrücken ein. „Ich wünsche dem König Jakob zu dienen,” sagte er zu Lloyd. „Die Sache würde sich auch thun lassen, wenn er nicht selbst schuld wäre. Aber er schlägt den verkehrten Weg mit uns ein. Vergißt er alles Geschehene, bewilligt er einen Generalpardon, dann will ich sehen was ich für ihn thun kann.” Lloyd spielte auf die Russell selbst zugedachten Ehren und Belohnungen an. Aber der Admiral fiel ihm mit einer Gesinnung, die eines besseren Mannes würdig gewesen wäre, ins Wort. „Ich will davon nichts hören. Meine Dienste sind dem Staate gewidmet. Und glauben Sie nicht, daß ich die Franzosen in unseren eigenen Meeren über uns triumphiren lassen werde. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß, wenn ich mit ihnen zusammentreffe, ich sie angreife, und wenn Se. Majestät selbst an Bord wäre.”

Diese Unterredung wurde Jakob gewissenhaft mitgetheilt; sie scheint ihn aber nicht beunruhigt zu haben. Er war in der That des festen Glaubens, daß Russell, selbst wenn er wollte, die Offiziere und Matrosen der englischen Flotte nicht würde bewegen können, gegen ihren alten König, der auch ihr alter Admiral war, zu kämpfen.

Es gelang Jakob in Gemeinschaft mit seinem Günstling Melfort, die Hoffnungen, die er hegte, Ludwig und dessen Ministern einzuflößen.[117] Ohne diese Hoffnungen würde in der That wahrscheinlich jeder Gedanke, noch im Laufe dieses Jahres in England einzufallen, aufgegeben worden sein. Denn der im Winter entworfene großartige Plan war im Laufe des Frühjahrs durch eine Reihe von unglücklichen Zufällen, wie sie keine menschliche Weisheit voraussehen kann, vereitelt worden. Der zum Zusammentreffen aller französischen Seestreitkräfte bei Ushant festgesetzte Zeitpunkt war längst vorüber und noch war nicht ein einziges Segel auf dem Versammlungsplatze zu sehen. Das atlantische Geschwader wurde noch durch schlechtes Wetter im Hafen von Brest zurückgehalten. Das Geschwader des mittelländischen Meeres kämpfte vergebens gegen einen starken Westwind, um die Herkulessäulen zu passiren. Zwei prächtige Schiffe waren bereits an den Felsen von Ceuta zerschellt.[118] Mittlerweile waren die Admiralitäten der verbündeten Mächte sehr thätig gewesen, und noch vor Ende April war die englische Flotte zum Auslaufen bereit. Drei stolze Linienschiffe, so eben von unseren Werften vom Stapel gelassen, erschienen zum ersten Male auf dem Wasser.[119] Wilhelm hatte die Seerüstungen der Vereinigten Provinzen eilig betrieben, und seine Bemühungen waren von Erfolg gewesen. Am 29. April erschien ein stattliches Geschwader aus dem Texel in den Dünen. Bald darauf kamen auch das nordholländische Geschwader, das Maasgeschwader und das Seelandgeschwader an.[120]