Rückzug der irischen Armee.

Auf den ersten Alarm eilte D’Usson nach dem Flusse; aber der Strom der Fliehenden kam ihm schon entgegen, riß ihn mit sich fort, rannte ihn zu Boden und tödtete ihn beinahe. Er wurde in einem solchen Zustande ins Lager gebracht, daß man ihm zur Ader lassen mußte. „Genommen!” rief Saint-Ruth außer sich. „Es kann nicht sein! Eine Stadt genommen, und ich mit einer Armee zu ihrem Entsatz dicht dabei!” Von Gram verzehrt, brach er unter dem Schutze der Dunkelheit seine Zelte ab und zog sich in der Richtung von Galway zurück. Bei Tagesanbruch sahen die Engländer von den Zinnen des zertrümmerten Schlosses König Johann’s die irische Armee in weiter Ferne sich durch die öde Gegend bewegen, welche den Shannon von dem Suck trennt. Noch vor Mittag war die Nachhut ihren Blicken entschwunden.[101]

Schon vor dem Verluste Athlone’s war das celtische Lager von Parteispaltungen zerrissen gewesen. Man kann daher leicht denken, daß nach einem so vernichtenden Schlage nichts zu hören war als Anklagen und Gegenanklagen. Die Feinde des Vicekönigs waren lauter als je. Er und seine Creaturen hätten das Königreich an den Rand des Verderbens gebracht. Er mische sich in Dinge, von denen er nichts verstehe. Er wolle es besser wissen als Männer, die wirkliche Soldaten seien. Er vertraue den wichtigsten aller Posten seinem Werkzeuge, seinem Spione, dem erbärmlichen Maxwell an, der kein geborner Irländer, kein aufrichtiger Katholik, im besten Falle ein Stümper und nur zu wahrscheinlich ein Verräther sei. Man behauptete, Maxwell habe seine Leute nicht mit Munition versehen. Als sie Pulver und Kugeln von ihm verlangt, habe er sie gefragt, ob sie Lerchen schießen wollten. Kurz vor dem Angriffe habe er ihnen befohlen, zu Abend zu essen und sich niederzulegen, da an diesem Tage nichts mehr vorgenommen werden würde. Als er sich gefangen gegeben, habe er einige Worte geäußert, die ein vorgängiges Einverständniß mit den Siegern verrathen hätten. Die wenigen Freunde des Lord Lieutenants erzählten eine ganz andre Geschichte. Nach ihnen hätten Tyrconnel und Maxwell zu Vorsichtsmaßregeln gerathen, die einen Ueberfall unmöglich gemacht haben würden. Aber der französische General, der keine Einmischung geduldet, habe es unterlassen, diese Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen. Man habe Maxwell rücksichtslos gesagt: wenn er sich fürchte, thue er besser, sein Commando niederzulegen. Er habe seine Pflicht wacker gethan, er habe Stand gehalten, während seine Leute geflohen seien, in Folge dessen sei er in die Hände des Feindes gefallen, und nun werde er in seiner Abwesenheit von Denen verleumdet, denen seine Gefangennehmung mit Recht zur Last falle.[102] Auf welcher Seite die Wahrheit ist, läßt sich nach so langer Zeit schwer ermitteln. Das Geschrei gegen Tyrconnel war im Augenblicke so laut, daß er das Feld räumte und sich verdrüßlich nach Limerick zurückzog. D’Usson, der von den Verletzungen, die ihm seine eigenen fliehenden Truppen zugefügt hatten, noch nicht genesen war, begab sich nach Galway.[103]