Schlacht bei Aghrim.

Am folgenden Morgen bald nach sechs Uhr waren die Engländer auf dem Wege nach Aghrim. Ihr Marsch wurde jedoch zuerst durch einen dichten Nebel, der bis Mittag über dem feuchten Thale des Suck lagerte, und dann wieder durch die Nothwendigkeit, die Irländer aus einigen Vorposten zu vertreiben, etwas aufgehalten, und der Nachmittag war schon weit vorgerückt, als die beiden Armeen einander, nur durch den Sumpf und die Verschanzungen getrennt, endlich gegenüberstanden. Die Engländer und ihre Verbündeten waren unter zwanzigtausend, die Irländer über fünfundzwanzigtausend Mann stark.

Ginkell hielt einen kurzen Kriegsrath mit seinen vornehmsten Offizieren. Sollte er sofort angreifen, oder bis zum nächsten Morgen warten? Mackay war für den sofortigen Angriff, und seine Meinung behielt die Oberhand. Um fünf Uhr begann die Schlacht. Das englische Fußvolk rückte in so guter Ordnung als es auf dem verrätherischen und unebenen Terrain beobachten konnte, bei jedem Schritte tief in den Schlamm einsinkend, gegen die irischen Verschanzungen vor. Aber diese Verschanzungen wurden mit einer Entschlossenheit vertheidigt, die selbst Männern, welche am stärksten gegen den celtischen Stamm eingenommen waren, einige Worte unwilligen Lobes abzwang.[107] Immer und immer wieder kehrten sie zum Kampfe zurück. Einmal wurden sie durchbrochen und über den Morast zurückgetrieben; aber Talmash sammelte sie wieder und zwang die Verfolger zum Rückzuge. Schon zwei Stunden hatte der Kampf gedauert, der Abend brach herein und noch immer war der Vortheil auf Seiten der Irländer. Ginkell begann auf den Rückzug zu denken. Saint-Ruth’s Hoffnung wuchs. „Der Sieg ist unser, meine Jungen,” rief er, den Hut in der Luft schwenkend. „Wir wollen sie vor uns hertreiben bis unter die Mauern von Dublin.” Aber das Glück hatte sich schon zu wenden begonnen. Mackay und Ruvigny war es gelungen, mit der englischen und hugenottischen Reiterei den Sumpf an einer Stelle zu passiren, wo kaum zwei Mann nebeneinander reiten konnten. Saint-Ruth lachte anfangs, als er die Blauen einzeln hintereinander sich unter einem Feuer, das jeden Augenblick einen tapferen Federhut zu Boden streckte, durch den Morast arbeiten sah. „Was wollen sie?” fragte er und setzte dann mit einem Schwure hinzu, daß es doch jammerschade sei, so prächtige Burschen dem sicheren Untergange entgegengehen zu sehen. „Doch laßt sie nur herüberkommen,” sagte er weiter; „je mehr ihrer sind, um so mehr werden wir niedermachen.” Bald aber sah er sie Schanzkörbe auf dem Sumpfboden aufrichten. Es wurde ein breiterer und festerer Weg hergestellt, Schwadron nach Schwadron erreichte trocknen Boden, und die Flanke der irischen Armee wurde bald geworfen. Der französische General eilte zur Unterstützung herbei, als eine Kanonenkugel ihm den Kopf wegriß. Seine Umgebung hielt es für gefährlich, sein Schicksal bekannt zu machen. Sein Leichnam wurde daher in einen Mantel gehüllt, vom Schlachtfelde getragen und in aller Stille zwischen den Ruinen des ehemaligen Klosters Loughrea in geweihter Erde bestattet. Bis nach beendigtem Kampfe wußte keine der beiden Armeen, daß er nicht mehr war. Seinen Tod den gemeinen Soldaten zu verbergen, mag vielleicht klug gewesen sein. Ihn seinen Offizieren zu verbergen, war Thorheit. Der entscheidende Moment der Schlacht war gekommen, und es war Niemand da, um die Operationen zu leiten. Sarsfield commandirte die Reserve; aber er hatte strenge Weisung von Saint-Ruth, ohne Befehl nicht von der Stelle zu gehen, und der Befehl kam nicht. Mackay und Ruvigny griffen mit ihren Reitern die Irländer in der Flanke an; Talmash und seine Infanterie kehrten mit grimmiger Entschlossenheit nochmals zum Frontangriff zurück. Das Schanzwerk wurde genommen. Die Irländer zogen sich, noch immer fechtend, von Zaun zu Zaun zurück; aber ein Zaun nach dem andren ward genommen und ihre Anstrengungen wurden immer schwächer und schwächer. Endlich lösten sie sich auf und flohen. Und nun folgte ein entsetzliches Blutbad. Die Sieger waren in einer wüthenden Stimmung, denn es hatte sich unter ihnen das Gerücht verbreitet, daß einige englische Gefangene, denen Pardon gegeben worden war, niedergehauen worden seien. Es wurden nur vierhundert Gefangene gemacht. Die Anzahl der Gefallenen war im Verhältniß zu der Zahl der Kämpfenden größer als in irgend einer Schlacht der damaligen Zeit. Wäre nicht eine mondscheinlose Nacht hereingebrochen, die ein feiner Regen noch dunkler machte, so würde kaum ein Mann davon gekommen sein. Die Finsterniß setzte Sarsfield in den Stand, mit einigen wenigen noch zusammenhaltenden Schwadronen den Rückzug zu decken. Die Sieger hatten ungefähr sechshundert Todte und tausend Verwundete.

Die Engländer schliefen diese Nacht auf dem Schlachtfelde. Am folgenden Tage begruben sie ihre Waffengefährten und marschirten dann westwärts. Die Leichen der Besiegten wurden unter freiem Himmel liegen gelassen, ein seltsamer und schauerlicher Anblick! Man zählte viertausend irische Leichname auf dem Schlachtfelde. Hundertfunfzig lagen in einer kleinen Umzäunung, hundertzwanzig in einer andren. Aber das Gemetzel hatte sich nicht auf das Schlachtfeld allein beschränkt. Ein Augenzeuge erzählt uns, daß er auf dem Gipfel des Berges, an dessen Abhange das celtische Lager aufgeschlagen gewesen war, die Umgegend, auf eine Entfernung von beinahe vier Meilen mit den nackten Leichnamen der Erschlagenen bedeckt gesehen habe. Die Ebene, sagt er, sah aus, wie eine mit Schafheerden bedeckte ungeheure Weide. Wie gewöhnlich differirten selbst die Schätzungen von Augenzeugen; aber es ist wahrscheinlich, daß die Zahl der gefallenen Irländer nicht weniger als siebentausend betrug. Bald fanden sich eine Menge Hunde ein, um die Leichen zu verzehren. Diese Thiere wurden dadurch so wild und fanden einen solchen Geschmack an Menschenfleisch, daß es lange gefährlich war, anders als in Gesellschaft durch diese Gegend zu reisen.[108]

Die geschlagene Armee hatte jetzt ganz und gar das Aussehen einer Armee verloren, und glich einem Pöbelhaufen, der von einer Jahrmarktsschlägerei in wilder Unordnung zurückkehrt. Ein mächtiger Strom von Fliehenden wälzte sich gegen Galway, ein andrer gegen Limerick. Die nach diesen beiden Städten führenden Straßen waren mit weggeworfenen Waffen bedeckt. Ginkell bot sechs Pence für jede Muskete. In kurzer Zeit waren so viel Wagenladungen eingebracht, daß er den Preis auf zwei Pence reducirte, und immer noch kamen große Massen von Gewehren an.[109]