Zweite Belagerung von Limerick.

An dem Tage an welchem Tyrconnel starb kam die Vorhut der englischen Armee vor Limerick an, und Ginkell schlug sein Lager auf dem nämlichen Boden auf, den zwölf Monate früher Wilhelm innegehabt hatte. Die Batterien, welche jetzt aus ganz anderen Kanonen und Mörsern bestanden, als Wilhelm sich ihrer hatte bedienen müssen, spielten Tag und Nacht und bald sah man an allen Ecken und Enden der Stadt Dächer brennen und Mauern einstürzen. Ganze Straßen wurden in Asche gelegt. Mittlerweile kamen mehrere englische Kriegsschiffe den Shannon herauf und gingen ungefähr eine Meile unterhalb der Stadt vor Anker.[116]

Der Platz hielt sich indessen noch immer. Die Besatzung stand der Belagerungsarmee an numerischer Stärke wenig nach, und es schien nicht unmöglich, daß die Vertheidigung verlängert werden könnte, bis die Aequinoctialregen die Engländer zum zweiten Male zwangen, sich zurückzuziehen. Ginkell beschloß, einen kühnen Schlag zu thun. Kein Punkt auf der ganzen Befestigungslinie war wichtiger und kein Punkt schien gesicherter zu sein als die Thomondbrücke, welche die Stadt mit dem Lager der irischen Reiterei auf dem Clareufer des Shannon verband. Der Plan des holländischen Generals ging dahin, die innerhalb der Wälle befindliche Infanterie von der außerhalb liegenden Cavallerie abzuschneiden und er führte diesen Plan mit großer Geschicklichkeit, Energie und gutem Erfolge aus. Er schlug eine Brücke von blechernen Booten über den Fluß, passirte denselben mit einem starken Truppencorps, trieb funfzehnhundert Dragoner, welche schwachen Widerstand leisteten, in Verwirrung vor sich her und marschirte auf die Quartiere der irischen Reiterei zu. Die irischen Reiter machten an diesem Tage dem Rufe, den sie sich am Boyne erworben, keine große Ehre. Dieser Ruf war allerdings mit der fast gänzlichen Vernichtung der besten Regimenter erkauft worden. Rekruten hatte man zwar ohne große Mühe gefunden, aber der Verlust von funfzehnhundert vortrefflichen Soldaten war nicht zu ersetzen. Das Lager wurde ohne Schwertstreich aufgegeben. Ein Theil der Reiter floh in die Stadt, die übrigen zogen sich, soviel Vieh als sie in diesem Augenblicke panischen Schreckens zusammenbringen konnten, vor sich her treibend, in die Berge zurück. Man fand in den Magazinen einen reichen Vorrath von Rindfleisch, Branntwein und Monturstücken, und die sumpfige Ebene des Shannon war mit Gewehren und Granaten bedeckt, welche die Fliehenden weggeworfen hatten.[117]

Die Sieger kehrten im Triumph in ihr Lager zurück. Aber Ginkell war mit dem gewonnenen Vortheile noch nicht zufrieden. Er wollte gern jede Verbindung zwischen Limerick und der Grafschaft Clare abschneiden. Nach einigen Tagen überschritt er zu dem Ende nochmals an der Spitze mehrerer Regimenter den Fluß und griff das Fort an, das die Thomondbrücke deckte. In kurzer Zeit war das Fort erstürmt. Die Soldaten, welche darin gelegen hatten, flohen in Verwirrung in die Stadt. Der Platzmajor, ein französischer Offizier, der am Thomondthore commandirte, ließ aus Besorgniß, daß mit den Fliehenden zugleich auch die Verfolger hereinkommen würden, den der Stadt zunächst gelegenen Theil der Brücke aufziehen. Viele von den Irländern stürzten kopfüber in den Strom und ertranken; andere riefen um Pardon und schwenkten ihre Taschentücher zum Zeichen der Unterwerfung. Aber die Sieger waren rasend vor Wuth, ihr Blutdurst konnte nicht sogleich gezügelt werden und es wurden nicht eher Gefangene gemacht, als bis die Haufen der Leichen bis über die Brustwehren der Brücke gingen. Die Besatzung des Forts hatte aus ungefähr achthundert Mann bestanden. Von diesen entkamen nur hundertzwanzig nach Limerick.[118]

Diese Niederlage schien eine allgemeine Meuterei in der Stadt hervorrufen zu wollen. Die Irländer schrien nach dem Blute des Platzmajors, der angesichts ihrer fliehenden Landsleute die Brücke aufzuziehen befohlen hatte. Seine Vorgesetzten mußten versprechen, daß er vor ein Kriegsgericht gestellt werden solle. Zu seinem Glücke war er beim Verschließen des Thomondthores tödtlich verwundet worden, und der Soldatentod rettete ihn vor der Wuth der Menge.[119]