Betrügereien des englischen Kriegscommissariats.
Der Reichthum der englischen Nation und die freigebigen Beschlüsse des englischen Parlaments hatten ihn zu der Erwartung berechtigt, daß er mit allem Kriegsbedarf reichlich versehen werden würde. Aber er sah sich bitter getäuscht. Die Verwaltung war seit Oliver’s Tode fortwährend unvernünftiger und verderbter geworden, und jetzt erntete die Revolution was die Restauration gesäet hatte. Ein Heer nachlässiger oder habsüchtiger Beamter, unter Karl und Jakob gebildet, plünderte die Armeen und die Flotten Wilhelm’s aus, ließ sie darben und vergiftete sie. Der Erste unter diesen Leuten war Heinrich Shales, der unter der vorigen Regierung Generalcommissar des Lagers bei Hounslow gewesen war. Man kann die neue Regierung kaum tadeln, daß sie ihn auf seinem Posten ließ, denn seine Erfahrung in dem ihm anvertrauten Verwaltungszweige übertraf bei weitem die jedes andren Engländers. Leider aber hatte er, in der nämlichen Schule, in der er seine Erfahrungen gesammelt, auch die ganze Kunst des Veruntreuens erlernt. Das Rindfleisch und der Branntwein, welche er lieferte, waren so schlecht, daß die Soldaten sich davor ekelten; die Zelte waren verfault, die Bekleidung unzureichend, die Musketen zerbrachen beim Gebrauch. Große Massen Schuhe waren der Regierung in Rechnung gestellt, aber zwei Monate nachdem der Schatz sie bezahlt, waren sie noch nicht in Irland angekommen. Mittel zum Transport des Gepäcks und der Artillerie fehlten fast ganz. Eine große Menge Pferde waren mit öffentlichem Gelde in England angekauft und an die Ufer des Dee geschickt worden. Aber Shales hatte sie zur Erntearbeit an die Landwirthe von Cheshire vermiethet, hatte den Miethertrag in seine Tasche gesteckt, und hatte es den Truppen in Ulster überlassen sich fortzuhelfen so gut sie konnten.[61] Schomberg war der Meinung, daß, wenn er mit einer schlecht disciplinirten und schlecht ausgerüsteten Armee eine Schlacht wagte, er nicht unwahrscheinlich geschlagen werden würde, und er wußte, daß eine Niederlage den Verlust eines Königreichs, vielleicht den Verlust dreier Königreiche nach sich ziehen konnte. Er beschloß daher, in der Defensive zu verharren, bis seine Leute eingeübt und Verstärkungen und Zufuhren angelangt sein würden.
Er verschanzte sich bei Dundalk dergestalt, daß er nicht gezwungen werden konnte, gegen seinen Willen zu kämpfen. Jakob, ermuthigt durch die Zurückhaltung seines Gegners, rückte, die Rathschläge Rosen’s nicht beachtend, gegen Ardee vor, erschien an der Spitze der ganzen irischen Armee vor den englischen Linien, stellte Reiterei, Fußvolk und Artillerie in Schlachtordnung auf, und entfaltete sein Banner. Die Engländer hätten gar zu gern losgeschlagen. Aber der Entschluß ihres Generals stand fest und konnte weder durch das prahlerische Gebahren des Feindes, noch durch das Murren seiner eignen Soldaten erschüttert werden. So blieb er einige Wochen sicher hinter seinen Schutzwällen, während die Irländer wenige Meilen davon lagen. Er sorgte nun eifrig für Einübung der Rekruten, aus denen seine Armee zum größten Theil bestand. Seine Musketiere mußten sich beständig im Schießen üben, bald nach der Scheibe, bald in Pelotons, und die Art und Weise, wie sie sich anfangs dabei benahmen, bewies deutlich, daß er sehr wohl daran gethan, sie nicht zum Kampfe zu führen. Es stellte sich heraus, daß von vier englischen Soldaten noch nicht einer sein Gewehr ordentlich zu behandeln verstand, und wenn es gelang, dasselbe aufs Gerathewohl abzufeuern, glaubte Wunder was er Großes vollbracht habe.