Die Hochländer greifen das Regiment Cameron an.
Das Regiment blieb diese Nacht unter den Waffen, und am Morgen des folgenden Tages, des 21. August, wimmelte es auf allen Anhöhen um Dunkeld von schottischen Mützen und Plaids. Cannon’s Armee war viel stärker als die, welche Dundee befehligt hatte. Mehr als tausend Bagagepferde begleiteten ihn auf dem Marsche. Die Pferde sowohl, wie das Gepäck, welches sie trugen, waren wahrscheinlich ein Theil der Kriegsbeute von Killiecrankie. Die Gesammtmacht der Hochländer wurde von Augenzeugen auf vier bis fünftausend Mann geschätzt. Sie kamen wüthend herangestürmt, warfen die Vorposten des Cameron’schen Regiments zurück und drangen von allen Seiten in die Straßen. Die Kirche hielt sich jedoch hartnäckig. Der größere Theil des Regiments aber stand hinter einer Mauer, welche ein dem Marquis von Athol gehörendes Haus umgab. Diese Mauer, welche einige Tage zuvor mit Holz und losen Steinen eiligst ausgebessert worden war, vertheidigten die Soldaten tapfer mit Muskete, Pike und Hellebarde. Ihr Kugelvorrath war bald erschöpft, aber einige von der Mannschaft mußten das Blei vom Dache des Hauses des Marquis losschneiden und es zu Geschossen formen. Mittlerweile wurden alle benachbarten Häuser von oben bis unten mit Hochländern besetzt, welche aus den Fenstern ein wirksames Feuer unterhielten. Cleland wurde getödtet, während er seine Leute anfeuerte, und Major Henderson übernahm das Commando. In der nächsten Minute fiel auch Henderson, von drei Kugeln getroffen. Hauptmann Munro trat an seine Stelle und der Kampf ward mit unverminderter Wuth fortgesetzt. Eine Abtheilung des Cameron’schen Regiments machte einen Ausfall, steckte die Häuser, aus denen die verderblichen Schüsse kamen, in Brand und verschloß die Thüren. In einem einzigen Hause verbrannten sechzehn Mann lebendig. Theilnehmer an dem Gefecht schilderten es als eine furchtbare Feuertaufe für Rekruten. Die halbe Stadt stand in Flammen und mit dem unaufhörlichen Knattern der Schüsse vermischte sich das durchdringende Geschrei der Unglücklichen, welche im Feuer umkamen. Der Kampf dauerte vier Stunden. Das Cameron’sche Regiment war jetzt fast bis auf das letzte Pulverhorn reducirt, aber der Muth der Leute wankte nicht. „Der Feind wird bald die Mauer erstürmen. Es sei. Wir werden uns dann in das Haus zurückziehen, es bis aufs Aeußerste vertheidigen und, wenn sie hereindringen sollten, es über ihren und unseren Köpfen anzünden.“ Während sie jedoch mit diesen verzweifelten Plänen umgingen, bemerkten sie, daß die Heftigkeit des Angriffs nachließ. Die Hochländer begannen bald zurückzuweichen, es verbreitete sich sichtbare Unordnung unter ihnen und ganze Schaaren marschirten dem Gebirge zu. Umsonst befahl ihnen ihr General zum Angriff zurückzukehren; Beharrlichkeit gehörte nicht zu ihren militärischen Tugenden. Die Camerons luden inzwischen Amalek und Moab mit herausforderndem Geschrei ein zurückzukommen und noch einmal gegen das auserwählte Volk ihr Heil zu versuchen. Aber diese Aufforderungen hatten ebenso wenig Erfolg wie die Cannon’s. In kurzer Zeit war die ganze gälische Armee in vollem Rückzuge gegen Blair. Jetzt wirbelten die Trommeln, die siegreichen Puritaner warfen ihre Mützen in die Luft, stimmten aus einem Munde einen Psalm des Triumphes und des Dankes an und schwenkten ihre Fahnen, welche an diesem Tage zum ersten Male angesichts eines Feindes entrollt wurden, die aber seitdem stolz nach allen Welttheilen getragen worden und die jetzt mit einer Sphinx und einem Drachen, den Emblemen der in Egypten und China vollbrachten Heldenthaten, geschmückt sind.[119]