Die hochländische Armee verstärkt.
Gewiß ist jedoch, daß sein Nachfolger der Aufgabe durchaus nicht gewachsen war. Einige Tage lang konnte sich der neue General zwar mit der Hoffnung schmeicheln, daß Alles gut gehen werde, denn seine Armee hatte sich rasch um fast die doppelte Anzahl Claymores verstärkt, welche Dundee befehligt. Die Stewarts von Appin, welche, obgleich voll Eifers, nicht zur rechten Zeit hatten eintreffen können, um an der Schlacht Theil zu nehmen, waren unter den Ersten, die jetzt ankamen. Mehrere Clans, welche bisher gewartet hatten, um erst zu sehen, welcher Theil der stärkere sein würde, wünschten jetzt sehnlichst unter dem Banner König Jakob’s VII. ins Niederland hinab zu ziehen. Die Grants hielten zwar treu zu Wilhelm und Marien und die Mackintosh’s blieben wegen ihrer unüberwindlichen Abneigung gegen die Keppochs neutral. Aber Macphersons, Farquharsons und Frasers kamen massenhaft ins Lager bei Blair. Jetzt war die Unschlüssigkeit der Männer von Athol zu Ende. Viele von ihnen hatten während des Kampfes hinter den Felsen und Birken der Killiecrankieschlucht auf der Lauer gelegen und kamen, sobald der Ausgang der Schlacht entschieden war, aus ihren Schlupfwinkeln hervor, um die Flüchtlinge, welche durch den Engpaß zu entkommen versuchten, auszuplündern und niederzumachen. Die Robertsons, ein gälischer Stamm, obgleich er einen sächsischen Namen führte, erklärten damals ihren Beitritt zur Sache des verbannten Königs. Ihr Häuptling Alexander, der sich nach seiner Herrschaft Struan nannte, war ein noch sehr junger Mann und Student auf der St. Andreas Universität. Dort hatte er sich eine oberflächliche wissenschaftliche Bildung angeeignet, war aber desto tiefer in die Torypolitik eingeweiht worden. Jetzt schloß er sich der hochländischen Armee an und blieb während seines langen Lebens der jakobitischen Sache unwandelbar treu. Er spielte jedoch eine so unbedeutende Rolle bei den öffentlichen Angelegenheiten, daß sein Name jetzt vergessen sein würde, hätte er nicht einen Band durchgehends abgeschmackter und oft höchst unsittlicher Gedichte hinterlassen. Wäre dieses Buch in Grub Street fabricirt worden, so würde es in der „Dunciade“ kaum mit einer Viertelzeile beehrt worden sein. Wegen der Stellung seines Autors aber machte es einiges Aufsehen, denn vor hundertzwanzig Jahren war eine Ekloge oder ein Schmähgedicht aus der Feder eines hochländischen Häuptlings ein literarisches Wunder.[112]
Obgleich indessen die numerische Stärke von Cannon’s Truppen zunahm, verminderte sich dennoch ihre Wirksamkeit. Jeder neue Stamm, der im Lager ankam, brachte eine neue Ursache zu Zwietracht mit. In der Stunde der Gefahr fügen sich oftmals die übermüthigsten und widerspenstigsten Köpfe der Leitung eines überlegenen Genies. Die celtischen Häuptlinge aber hatten selbst in der Stunde der Gefahr und selbst dem Genie Dundee’s nur einen sehr prekären und unvollkommenen Gehorsam zugestanden. Sie zu zügeln, wenn sie vom Kriegsglück berauscht waren und sich auf ihre Stärke verlassen zu können glaubten, würde wahrscheinlich auch für Dundee eine eben so schwere Aufgabe gewesen sein, als sie es unter der vorhergehenden Generation für Montrose gewesen war. Der neue General war fortwährend unschlüssig und machte nichts als Fehler. Eine seiner ersten Maßregeln war, daß er ein starkes Truppencorps, hauptsächlich aus Robertsons bestehend, ins Niederland schickte, um Lebensmittel herbeizuschaffen. Er glaubte wahrscheinlich, daß dieses Detachement ohne Schwierigkeit Perth besetzen werde. Aber Mackay hatte die Ueberreste seiner Armee schon wieder geordnet, hatte außerdem einige Truppen an sich gezogen, welche die Schmach der kürzlichen Niederlage nicht getheilt, und war wieder kampfgerüstet. So schmerzlich er auch den erlittenen Schlag empfunden, hatte er doch mit weiser Großmuth beschlossen, das Vergangene nicht zu bestrafen. Es war nicht leicht, die verschiedenen Grade der Schuld zu unterscheiden, und die Schuldigen zu decimiren wäre eine grausame Schlächterei gewesen. In Folge seiner gewohnten Frömmigkeit erblickte er in dem beispiellosen Schrecken, der sich seiner Soldaten bemächtigt hatte, auch weniger einen Beweis von Feigheit ihrerseits, als vielmehr von göttlichem Unwillen. Mit heroischer Demuth erkannte er an, daß die außerordentliche Festigkeit, die er selbst inmitten der Verwirrung und des Gemetzels an den Tag gelegt, nicht sein Verdienst sei und daß er sich ohne den Beistand einer höheren Macht wohl eben so kleinmüthig benommen haben würde wie irgend einer der feigen Ausreißer, die ihre Waffen fortgeworfen und die barbarischen Marodeurs von Athol vergebens um Pardon angefleht hatten. Sein Gottvertrauen hielt ihn jedoch nicht ab, so weit es in menschlichen Kräften stand, sein Möglichstes zu thun, um der Wiederholung eines Unglücks, wie er es eben erfahren, vorzubeugen. Die unmittelbare Ursache seiner Niederlage war die Schwierigkeit des Bajonnetaufsteckens gewesen. Das Feuergewehr des Hochländers war streng gesondert von der Waffe, deren er sich im Handgemenge bediente. Er feuerte seinen Schuß ab, warf sein Gewehr weg und hieb mit seinem Schwerte ein. Dies war das Werk eines Augenblicks. Dem regulären Infanteristen kostete es zwei bis drei Minuten Zeit, ehe er sein Schießgewehr in eine Waffe verwandelte, mit der er einen Feind Mann gegen Mann bekämpfen konnte, und diese wenigen Minuten hatten den Ausgang der Schlacht von Killiecrankie entschieden. Mackay ließ daher alle seine Bajonnette so einrichten, daß sie auf den Lauf gesteckt werden konnten, ohne die Mündung zu verschließen, und daß seine Leute unmittelbar nachdem sie gefeuert, einem Angriff begegnen konnten.[113]