Melville.
Von der zahlreichen Partei, welche dem calvinistischen Kirchenregiment eifrig zugethan war, wurde Johann Dalrymple mit unheilbarem Mißtrauen und Widerwillen betrachtet. Es mußte daher ein andrer Agent zur Bearbeitung dieser Partei ernannt werden. Dieser Agent war Georg Melville, Lord Melville, ein mit dem unglücklichen Monmouth und dem Leslie, der die schottische Armee mit so schlechtem Erfolg bei Dunbar gegen Cromwell befehligt hatte, verwandter Edelmann. Melville hatte von jeher für einen Whig und Presbyterianer gegolten. Selbst Diejenigen, die am günstigsten über ihn urtheilen, haben es nicht gewagt, ihm ausgezeichnete Geistesgaben oder glühenden Gemeinsinn zuzuschreiben. Aus seinen Briefen geht jedoch hervor, daß es ihm keineswegs an der natürlichen Klugheit fehlte, deren Mangel Männern von glänzenderem Genie und reinerer Tugend oft zum Verderben gereicht hat. Diese Klugheit hatte ihn abgehalten, in der Opposition gegen die Tyrannei der Stuarts zu weit zu gehen, aber er hatte zugehört, wenn seine Freunde von Widerstand sprachen, und als das Ryehousecomplot entdeckt wurde, hielt er es daher für rathsam, sich auf den Continent zurückzuziehen. In seiner Abwesenheit wurde er des Hochverraths angeklagt und auf Beweise hin, welche keinem unparteiischen Gerichtshofe genügt haben würden, für schuldig befunden. Er ward zum Tode verurtheilt, seine Ehren und Güter wurden für verwirkt erklärt, sein Wappen mit Schimpf und Schande aus dem Buche des Herolds gerissen, und seine Besitzungen vermehrten das Vermögen des grausamen und habsüchtigen Perth. Unterdessen lebte der Flüchtling mit characteristischer Vorsicht ruhig auf dem Continent und mißbilligte die unglücklichen Pläne seines Vetters Monmouth, zollte aber dem Unternehmen des Prinzen von Oranien von Herzen seinen Beifall.
Krankheit hatte Melville verhindert, mit der holländischen Expedition abzusegeln; aber wenige Stunden nachdem die neuen Herrscher in London proklamirt worden waren, kam er daselbst an. Wilhelm schickte ihn sogleich nach Edinburg, wie es scheint in der Hoffnung, daß die Presbyterianer gemäßigten Rathschlägen aus dem Munde eines Mannes, der ihrer Sache ergeben war und für dieselbe gelitten hatte, Gehör schenken würden. Melville’s zweiter Sohn, David, der durch seine Mutter den Titel eines Earl von Leven geerbt und sich im Dienste des Kurfürsten von Brandenburg einige militärische Erfahrung erworben, hatte die Ehre, der Ueberbringer eines Briefes von dem neuen König von England an die schottische Convention zu sein.[21]