Uebergabe des Schlosses von Edinburg.
Mittlerweile war das Edinburger Schloß gefallen, nachdem es sich länger als zwei Monate gehalten hatte. Die Vertheidigung sowohl wie der Angriff waren sehr lau betrieben worden. Der Herzog von Gordon, der keine Lust hatte, sich den tödtlichen Haß Derer zuzuziehen, in deren Gewalt seine Besitzungen und sein Leben bald sein konnten, fand es nicht für gerathen, die Stadt zu beschießen. Auf der andren Seite betrieben die Belagerer ihre Operationen mit so wenig Energie und Umsicht, daß die Jakobiten in der Citadelle mit den draußen befindlichen Jakobiten in fortwährender Communication standen. Man erzählte sich sonderbare Geschichten von den artigen und kurzweiligen Botschaften, welche zwischen den Belagerten und den Belagerern gewechselt wurden. Einmal ließ Gordon den städtischen Behörden sagen, daß er wegen einiger ihm aus Irland zugekommenen Nachrichten eine Geschützsalve geben werde, daß aber die gute Stadt sich nicht zu beunruhigen brauche, denn er werde seine Kanonen nicht mit Kugeln laden. Ein andermal wirbelten seine Trommeln das Zeichen zum Parlamentiren; die weiße Fahne wurde ausgesteckt, es fand eine Unterredung statt und er benachrichtigte den Feind ganz ernsthaft, daß alle seine Spielkarten bis zum Zerfallen abgegriffen seien und daß er ihm doch einige frische Packete zukommen lassen möchte. Seine Freunde errichteten einen Telegraphen, vermittelst dessen sie sich über die Linien der Schildwachen hinweg mit ihm unterhielten. An einem Fenster im obersten Stock eines der höchsten der gigantischen Häuser, von denen noch jetzt einige wenige High Street verdunkeln, wurde, wenn Alles gut ging, ein weißes Tuch, und wenn die Sachen schlecht standen, ein schwarzes Tuch ausgehangen. Hatte man ausführlichere Meldungen zu machen, so wurde eine Tafel emporgehalten, auf der die Nachricht mit so großen Buchstaben geschrieben stand, daß sie mit Hülfe eines Fernrohrs von den Wällen der Citadelle aus gelesen werden konnte. Boten mit Briefen und frischen Lebensmitteln gelangten in verschiedenen Verkleidungen und durch mannichfache Kunstgriffe über den Wassergraben, der sich damals auf der Nordseite der Festung befand, und erklommen den steilen Abhang. Der Knall einer Muskete auf einem bestimmten Außenwerke war das Signal, welches den Freunden des Hauses Stuart anzeigte, daß wieder einer ihrer Emissäre glücklich den Felsen erklettert hatte. Endlich aber waren die Vorräthe erschöpft und man mußte kapituliren. Vortheilhafte Bedingungen wurden bereitwillig zugestanden, die Garnison zog ab und die Schlüssel wurden unter den Acclamationen einer großen Menge Bürger übergeben.[89]