Unordnung in der hochländischen Armee.
Inzwischen nahm die Unordnung in Cameron’s Lager mehr und mehr zu. Er berief einen Kriegsrath zusammen, um zu erwägen, was zu thun sei. Sobald aber der Kriegsrath versammelt war; wurde eine Vorfrage aufgeworfen. Wer war dazu berechtigt, consultirt zu werden? Die Armee war fast ausschließlich eine hochländische. Der neuerliche Sieg war ausschließlich durch hochländische Krieger erfochten worden. Mächtige Häuptlinge, welche sechs- bis siebenhundert kampffähige Männer ins Feld gestellt hatten, hielten es nicht für recht und billig, daß sie durch Gentlemen aus Irland und dem Niederlande überstimmt werden sollten, welche zwar in König Jakob’s Diensten standen und Obersten und Hauptleute genannt wurden, aber Obersten ohne Regimenter und Hauptleute ohne Compagnien waren. Lochiel sprach energisch im Interesse der Klasse, der er angehörte; Cannon aber beschloß, daß die Stimmen der sächsischen Offiziere mitgezählt werden sollten.[115]
Es wurde nun zunächst in Erwägung gezogen, welcher Feldzugsplan zu befolgen sei. Lochiel war dafür, vorzurücken, Mackay entgegen zu marschiren, wo er auch sein möge, und abermals eine Schlacht zu liefern. Es ist kaum anzunehmen, daß das Glück dem klugen Häuptling der Camerons den Kopf dergestalt verrückt haben sollte, daß er die Gefährlichkeit des Verfahrens nicht erkannte, zu dem er gerathen. Aber er sah wahrscheinlich ein, daß ihm nur die Wahl zwischen verschiedenen Gefahren blieb. Er war der Meinung, daß energisches Handeln für das Bestehen einer Hochländerarmee überhaupt nothwendig sei und daß die Coalition der Clans nur so lange dauern werde, als sie hastig von Schlachtfeld zu Schlachtfeld eilten. Er wurde abermals überstimmt. Alle seine Siegeshoffnungen waren nun zertrümmert. Sein Stolz fühlte sich tief gekränkt. Er hatte sich dem Uebergewicht eines großen Feldherrn gefügt, aber an einem königlichen Patent lag ihm so wenig wie irgend einem Whig. Er hatte sich bereit finden lassen, die rechte Hand Dundee’s zu sein, von einem Cannon aber wollte er sich nicht befehlen lassen. Er verließ das Lager und zog sich nach Lochaber zurück. Seinem Clan befahl er zwar zu bleiben, aber der Clan, des angebeteten Führers beraubt und wohl wissend, daß er sich in unmuthiger Stimmung entfernt hatte, war nicht mehr die furchtbare Colonne, welche das Gelübde, zu sterben oder zu siegen, vor einigen Tagen so gut gehalten hatte. Macdonald von Sleat, dessen Streitkräfte der Zahl nach die jedes andren der verbündeten Häuptlinge übertrafen, folgte Lochiel’s Beispiel und kehrte nach Sky zurück.[116]
Mackay’s Rath wird von den schottischen Ministern nicht beachtet.
Mackay hatte inzwischen seine Anordnungen vollendet und er hegte wenig Zweifel, daß, wenn die Rebellen ihn angreifen sollten, die reguläre Armee ihre bei Killiecrankie verlorne Ehre wiedergewinnen würde. Seine Hauptschwierigkeiten entsprangen aus der unklugen Einmischung der Minister der Krone zu Edinburg in Dinge, welche seiner alleinigen Leitung hätten überlassen bleiben sollen. Die Sache war die, daß sie nach der gewöhnlichen Art solcher Leute, welche ohne militärische Erfahrung über militärische Operationen urtheilen, den Erfolg als einzigen Prüfstein für die Tüchtigkeit eines Oberbefehlshabers betrachteten. Wer eine Schlacht gewinnt, ist in den Augen dieser Leute ein großer General, wer geschlagen wird, ist ein schlechter General, und nie war ein General vollständiger geschlagen worden als Mackay. Wilhelm dagegen schenkte seinem unglücklichen Leutnant nach wie vor das vollkommenste Vertrauen. Auf die Verunglimpfungen der Kritiker, welche nie ein Gefecht gesehen hatten, erwiederte Portland auf Befehl seines Gebieters, daß Mackay volles Vertrauen verdiene, daß er tapfer sei, daß er den Krieg besser verstehe als irgend ein andrer Offizier in Schottland und daß es sehr zu bedauern sei, wenn man gegen einen so guten Menschen und einen so guten Soldaten ein Vorurtheil hege.[117]