Debatten über die Unfälle zur See.

Die Gemeinen zogen in ihrer nächsten Sitzung die Thronrede des Königs in Berathung. Den Hauptgegenstand der Discussion bildete die Zerstörung der Smyrnaflotte. Das Verlangen nach einer Untersuchung war allgemein, aber es lag auf der Hand, daß die beiden Parteien dieses Verlangen aus sehr verschiedenen Gründen stellten. Montague sprach die Ansicht der Whigs aus. Er erklärte, die Unglücksfälle vom vergangenen Sommer könnten seiner Meinung nach ihre Erklärung in der Unwissenheit und Schwäche der Männer finden, denen die Marineverwaltung übertragen sei. Es müsse Verrath stattgefunden haben. Man könne unmöglich annehmen, daß Ludwig, als er sein Brester Geschwader nach der Meerenge von Gibraltar sandte und die ganze Küste seines Königreichs von Dünkirchen bis Bayonne ohne Schutz ließ, nur aufs Gerathewohl gehandelt habe. Er müsse die feste Ueberzeugung gehabt haben, daß seine Flotte auf eine große Beute unter schwacher Bedeckung stoßen werde. Wie auf einigen Seiten Verrath stattgefunden habe, so habe es auf anderen Seiten Unfähigkeit gegeben. Der Staat werde schlecht bedient. Hierauf hielt der Redner eine warme Lobrede auf seinen Freund Somers. „Möchten doch alle am Staatsruder stehenden Männer das Beispiel des Lord Siegelbewahrers nachahmen! Wenn alle Stellen mit solcher Einsicht und Uneigennützigkeit besetzt würden, wie durch ihn, so würden wir die Staatsämter nicht von Männern bekleidet sehen, die Gehalte beziehen und nichts dafür thun!” Es wurde beantragt und einstimmig angenommen, daß die Gemeinen Ihre Majestäten unterstützen und unverzüglich eine Untersuchung der Ursachen des Unglücks in der Lagosbai anordnen wollten.[71] Die Lords der Admiralität erhielten die Weisung, eine große Masse schriftlicher Beweisstücke vorzulegen. Der König sandte Abschriften von den Resultaten der Nachforschungen ein, welche der von Marien zur Untersuchung der Beschwerden der mit der Türkei Handel treibenden Kaufleute ernannte Ausschuß des Geheimen Raths angestellt hatte. Die Kaufleute selbst wurden vorgeladen und vernommen. Rooke, der noch zu krank war, um stehen und sprechen zu können, wurde in einem Lehnstuhle vor die Schranke gebracht und überreichte hier eine Darstellung seines Verfahrens. Die Whigs glaubten bald, daß hinreichender Grund zu einem die Marineverwaltung tadelnden Votum vorliege und beantragten eine Resolution, welche den Verlust der Smyrnaflotte notorischer und verrätherischer Mißführung zuschrieb. Daß verkehrte Führung stattgefunden hatte, konnte nicht bestritten werden; daß aber falsches Spiel gespielt worden sei, war sicherlich durch nichts bewiesen. Die Tories schlugen vor, das Wort „verrätherisch” zu streichen. Es wurde abgestimmt, und die Whigs siegten mit hundertvierzig gegen hundertdrei Stimmen. Wharton war Stimmenzähler für die Majorität.[72]

Es war nunmehr entschieden, daß Verrath stattgefunden hatte, nicht aber, wer der Verräther war. Es folgten mehrere heftige Debatten. Die Whigs bemühten sich, die Schuld auf Killegrew und Delaval zu wälzen, welche Tories waren; die Tories thaten ihr Möglichstes, um zu beweisen, daß die Schuld an der Proviantverwaltung gelegen habe, die unter der Leitung von Whigs stand. Aber das Haus der Gemeinen ist stets viel mehr dazu geneigt gewesen, in allgemeine Ausdrücke gefaßte Tadelsvoten zu beschließen, als einzelne Personen speciell zu brandmarken. Eine Resolution, welche die Proviantverwaltung freisprach, wurde von Montague beantragt und nach einer zweitägigen Debatte mit hundertachtundachtzig gegen hundertzweiundfunfzig Stimmen angenommen.[73] Als aber die siegreiche Partei einen Antrag auf Schuldigerklärung der Admirale stellte, kamen die Tories in großer Anzahl vom Lande herein, und es gelang ihnen nach einer von neun Uhr Morgens bis gegen elf Uhr Abends dauernden Debatte ihre Freunde zu retten. Die Neins beliefen sich auf hundertsiebzig, die Jas auf nur hunderteinundsechzig. Einige Tage später wurde ein neuer Angriff mit nicht besserem Erfolge gemacht. Die Neins betrugen hundertfünfundachtzig, die Jas nur hundertfünfundsiebzig. Der unermüdliche und unversöhnliche Wharton war beide Male Stimmenzähler für die Minorität.[74]