Die Nichtvergleicher.

Die Hauptmasse der englischen Jakobiten waren mehr oder weniger Vergleicher. Die reinen Nichtvergleicher fanden sich hauptsächlich unter den Römischkatholischen, denen ganz natürlich nicht darum zu thun war, Sicherheit für eine Religion, die sie für ketzerisch hielten, oder für eine Regierungsform zu erlangen, von deren Wohlthaten sie ausgeschlossen waren. Auch gab es einige protestantische Eidverweigerer, wie Kettlewell und Hickes, welche der Theorie Filmer’s entschlossen bis zu ihren äußersten Consequenzen folgten. Aber obgleich Kettlewell seine Landsleute zu überzeugen versuchte, daß die monarchische Regierungsform von Gott angeordnet sei, nicht als ein Mittel, sie hienieden glücklich zu machen, sondern als ein Kreuz, das sie anzunehmen und in der Hoffnung, im Jenseits für ihre Leiden belohnt zu werden, zu tragen verpflichtet seien, und obgleich Hickes ihnen versicherte, daß es in der ganzen Thebanischen Legion nicht einen einzigen Vergleicher gegeben habe, so waren doch sehr wenige Anhänger der Staatskirche geneigt, sich zu keinem andren Zwecke als um die Hohe Commission und das Dispensationsrecht wiederherzustellen, dem Tode am Galgen auszusetzen.

Die Vergleicher bildeten die Hauptstärke der jakobitischen Partei in England; aber die Nichtvergleicher hatten bisher in Saint-Germains die ungetheilte Herrschaft besessen. Kein Protestant, kein gemäßigter Katholik, Niemand, der nur anzudeuten wagte, daß ein Gesetz der königlichen Prärogative Fesseln anlegen könne, hatte von dem verbannten Könige die geringste Gunstbezeigung zu erwarten. Die Priester und der Apostel Melfort, der erklärte Feind der protestantischen Religion und der bürgerlichen Freiheit, der Parlamente, der Geschwornengerichte und der Habeascorpusacte, waren im ausschließlichen Besitz des königlichen Ohres. Herbert wurde Kanzler genannt, hatte den Vortritt vor den übrigen Staatsbeamten, trug eine mit Gold gestickte schwarze Robe und führte ein Siegel; aber er war Mitglied der englischen Kirche und deshalb hatte er keinen Sitz im Staatsrathe.[7]

Die Sache war die, daß die Fehler von Jakob’s Geist und Herz unheilbar waren. Seiner Ansicht nach konnte zwischen ihm und seinen Unterthanen keine Gegenseitigkeit der Verpflichtung stattfinden. Es war ihre Schuldigkeit, Eigenthum, Freiheit und Leben zu wagen, um ihn wieder auf den Thron zu bringen, und dann geduldig zu tragen, was er über sie zu verhängen für gut finden würde. Sie hatten vor ihm nicht mehr Anspruch auf Verdienst, als vor Gott. Wenn sie Alles gethan hatten, waren sie immer noch werthlose Knechte. Das höchste Lob, das dem Royalisten gebührte, der sein Blut auf dem Schlachtfelde oder auf dem Blutgerüst für die erbliche Monarchie vergoß, bestand einfach darin, daß er kein Hochverräther war. Nach all’ den harten Lehren, die der entthronte König erfahren, war er noch immer eben so geneigt, die englische Kirche auszuplündern und zu erniedrigen, wie an dem Tage, da er den knieenden Fellows des Magdalenencollegiums sagte, sie sollten ihm aus den Augen gehen, oder an dem Tage, wo er die Bischöfe in den Tower schickte. Er pflegte zu sagen, daß er lieber sterben wolle, ohne England wiederzusehen, als mit Denen kapituliren, denen er zu befehlen habe.[8] In der Erklärung vom April 1692 zeigt sich der ganze Mensch ohne Maske, erfüllt von seinen imaginären Rechten, unfähig zu begreifen, wie irgend Jemand außer ihm irgend ein Recht haben könne, einfältig, halsstarrig und grausam. Ein andres Dokument, das er um die nämliche Zeit aufsetzte, beweist womöglich noch deutlicher, wie wenig Nutzen er aus einer harten Erfahrung gezogen hatte. In diesem Aufsatze entwickelt er den Plan, nach dem er zu regieren gedachte, wenn er wieder eingesetzt werden sollte. Er stellte es als Regel auf, daß ein Commissar des Schatzes, ein oder zwei Staatssekretäre, der Kriegssekretär, die Mehrheit der Großbeamten des Hofstaats, die Mehrheit der Kammerherren, die Mehrheit der Offiziere von der Armee, stets Katholiken sein müßten.[9]

Umsonst schrieben die ausgezeichnetsten Vergleicher von London Briefe auf Briefe voll vernünftigen Rathes und eindringlicher Bitten an ihn. Umsonst bewiesen sie ihm aufs Klarste die Unmöglichkeit, das Uebergewicht des Papismus in einem Lande zu befestigen, wo mindestens neunundvierzig Funfzigstel der Bevölkerung und viel mehr als neunundvierzig Funfzigstel des Vermögens und der Intelligenz protestantisch seien. Umsonst theilten sie ihrem Gebieter mit, daß die Erklärung vom April 1692 von seinen Feinden mit Frohlocken, von seinen Freunden mit tiefer Betrübniß gelesen, daß sie von den Usurpatoren gedruckt und verbreitet worden sei, daß sie mehr als alle Libelle der Whigs dazu beigetragen, die Nation gegen ihn aufzubringen, und den Flottenoffizieren, die ihm ihre Unterstützung versprochen gehabt, einen plausiblen Vorwand geliefert habe, das ihm gegebene Wort zu brechen und die Flotte zu zerstören, die ihn in sein Königreich zurückbringen sollte. Er blieb so lange taub gegen die Vorstellungen seiner besten Freunde in England, bis diese Vorstellungen in Versailles ein Echo zu finden begannen. Alles was Ludwig und seine Minister über den Zustand unsrer Insel in Erfahrung bringen konnten, überzeugte sie, daß Jakob nie wieder eingesetzt werden würde, wenn er es nicht über sich gewann, seinen Unterthanen große Zugeständnisse zu machen. Es wurde ihm daher, zwar freundlich und artig, aber sehr nachdrücklich zu verstehen gegeben, daß er wohl thun würde, seine Entschließungen und seine Rathgeber zu ändern. Frankreich könne den Krieg nicht zu dem Zwecke fortsetzen, einer Nation einen Souverain aufzudringen, den sie nicht haben wolle. Es seufze unter der Wucht der öffentlichen Lasten, sein Handel und seine Industrie stockten, seine Feldfrüchte und sein Wein seien mißrathen. Das Landvolk verhungere, schon lasse sich das beginnende Murren der Provinzialstände vernehmen. Es gebe eine Grenze für das Maß der Opfer, die auch der unumschränkteste Fürst von Denen verlangen könne, über die er herrsche. So sehr auch der Allerchristlichste König wünsche, die Sache der erblichen Monarchie und der reinen Religion in der ganzen Welt aufrecht zu erhalten, so habe er doch vor Allem Pflichten gegen sein eignes Land, und wenn nicht bald eine Contrerevolution in England einträte, würden diese Pflichten gegen sein eignes Königreich ihn in die schmerzliche Nothwendigkeit versetzen, mit dem Prinzen von Oranien zu unterhandeln. Jakob werde daher wohl thun Alles aufzubieten, was er mit seiner Ehre und seinem Gewissen vereinbaren könne, um die Herzen seines Volks wieder zu gewinnen.