Wege und Mittel; Lotterieanlehen.

Die Gemeinen gingen nun zur Berathung der Mittel und Wege über. Die Grundsteuer wurde mit vier Schilling vom Pfunde erneuert, und durch diese einfache aber energische Maßregel wurden etwa zwei Millionen sicher und schnell aufgebracht.[91] Ferner wurde eine Kopfsteuer ausgeschrieben.[92] Stempelabgaben gehörten schon längst zu den fiskalischen Hülfsquellen Holland’s und Frankreich’s, und haben auch bei uns während eines Theils der Regierung Karl’s II. bestanden; aber man hatte sie eingehen lassen. Sie wurden jetzt wieder ins Leben gerufen und haben seitdem stets einen großen Theil des Staatseinkommens gebildet.[93] Die Miethkutschen der Hauptstadt wurden ebenfalls besteuert und trotz des Widerstandes der Weiber der Kutscher, die sich um Westminster Hall versammelten und die Abgeordneten insultirten, unter die Aufsicht von Commissaren gestellt.[94] Doch ungeachtet aller dieser Auskunftsmittel blieb noch immer ein starkes Deficit und man mußte abermals borgen. Eine neue Salzsteuer und einige andere Abgaben von geringerer Bedeutung wurden abgesondert, um einen Fond zu einer Anleihe zu bilden. Unter Garantie dieses Fonds sollte eine Million durch eine Lotterie aufgebracht werden, aber durch eine Lotterie, die mit den Lotterien einer späteren Periode fast nichts als den Namen gemein hatte. Die einzuzahlende Summe wurde in hunderttausend Antheile zu zehn Pfund getheilt. Die Zinsen jedes Antheils sollten sechzehn Jahre lang jährlich zwanzig Schilling, oder mit anderen Worten zehn Procent betragen. Aber zehn Procent auf sechzehn Jahre war keine Lockspeise, welche Darleiher anzuziehen versprach. Man bot daher den Kapitalisten noch einen andren Köder. Auf ein Vierzigstel der Antheile sollten bedeutend höhere Zinsen bezahlt werden, als auf die anderen neununddreißig Vierzigstel. Welche von den Antheilen Prämien erhalten würden, sollte durch das Loos bestimmt werden. Das Verfahren beim Ziehen der Loose wurde von einem Abenteurer Namens Neale angegeben, der, nachdem er zwei Vermögen durchgebracht, froh gewesen war, daß er noch Thürhüter des Palastes wurde. Seine Amtspflichten bestanden darin, die Nummern auszurufen, wenn der Hof Hazard spielte, für Karten und Würfel zu sorgen und jeden Streit zu entscheiden, der auf der Kegelbahn oder am Spieltische entstand. Er war außerordentlich geschickt in der Verwaltung dieses nicht eben hohen Postens und hatte durch das Würfelspiel so viel Geld gewonnen, daß er sich in sehr kostspielige Spekulationen einlassen konnte und damals im Begriff war, den Boden in der Umgebung der Seven Dials mit Gebäuden zu bedecken. Er war vielleicht der beste Rathgeber, den man über die Details einer Lotterie befragen konnte. Es fehlte jedoch nicht an Personen, die es fast für unschicklich hielten, daß das Schatzamt sich des Beistandes eines Spielers von Profession bedienen sollte.[95]

Durch das sogenannte Lotterieanlehen wurde eine Million aufgebracht. Aber es fehlte noch eine Million, um das veranschlagte Einkommen für das Jahr 1694 mit den veranschlagten Ausgaben ins Gleichgewicht zu bringen. Der geniale und unternehmende Montague hatte einen Plan in Bereitschaft, zu dessen Annahme er die Gemeinen unter minder drückenden Finanzverlegenheiten schwerlich bewogen haben würde, der aber seinem umfassenden und energischen Geiste wichtigere commercielle und politische Vortheile zu bieten schien, als die sofortige Erleichterung der Finanzen.