11

Es war anfangs Juni, aber schon war die Hitze in Paris unerträglich. Die Benzinschwaden der Automobile, die alle Straßen der ungeheuren Stadt überschwemmten, verpesteten die Luft. Wenzel fuhr häufig ins Freie und betrachtete sich die Umgebung der Stadt. Nur selten begleitete ihn Esther auf diesen Entdeckungsfahrten. Sie verließ die Stadt nur ungern, es sei denn in großer Gesellschaft. Sie brauchte das Gewimmel der Menschen, das Gewimmel der Automobile, das Brüllen der Hupen, die verwirrenden Läden der Boulevards und der Rue de la Paix. Das alles brauchte sie und die bewundernden Blicke der Männer, jener Unzahl von Männern, die in Paris spazieren gehen und deren Beschäftigung darin besteht, schönen Frauen nachzusehen.

An einem Nachmittag lag eine so drückende Schwüle über der rasenden Stadt, daß die Gesichter aller Menschen in Schweiß gebadet waren.

Man wollte nach Tisch einen Zirkus besuchen, wo zwei Clowns das Publikum jeden Abend zu tobendem Gelächter hinrissen. Esther, die gerne lachte, freute sich bereits wie ein Kind darauf. Wenzel aber fand, daß es heller Wahnsinn sei, heute in der Stadt zu bleiben. „Kommen Sie mit mir ins Oisetal. Ich will Ihnen endlich mein kleines Zauberschloß zeigen,“ sagte er.

Esther rieb sich Schläfen und Wangen mit Kölnischem Wasser. In der Tat, die Luft war unerträglich, man atmete glühende Staubsplitter. „Es ist gut,“ entschied sie. „Fahren wir.“

Wenzels Zauberschloß an der Oise war ein ehemaliges Barockschlößchen, das man in ein kleines vornehmes Hotel umgewandelt hatte. Gebäude und Park waren fast unberührt geblieben und von großem Reiz. Wenzel hatte das Hotel auf seinen Ausflügen entdeckt.

Esther war hell entzückt. Eine solche Köstlichkeit, eine Autostunde von Paris, war es möglich? Es gab hier Springbrunnen mit bemoosten Tritonen, Grotten aus Muscheln, einen Irrgarten aus Taxushecken, von Rosen umwachsene Statuen, wie Esther sie bisher nur auf alten Kupferstichen gesehen hatte. Man speiste auf einer Terrasse, die den Blick über den verwunschenen Park erlaubte. An Stelle des elektrischen Lichtes leuchteten Kerzen in alten silbernen Leuchtern. Esther war zufrieden. Welche Ruhe! Der Nachthimmel wölbte sich blau wie alte Kirchenfenster, große, geschliffene Edelsteine blitzten am Firmament. Aus dem Park trieb in spürbaren Wellen ein betäubender Geruch von Flieder und Rosen. Sie speisten eine volle Stunde, der Wirt hatte seine ganze Kunst aufgeboten, und sie hatten keine Eile. Dann schlenderten sie durch den Park. Esther blieb stehen und sog langsam die Luft ein.

„Es ist in Wahrheit zauberhaft schön hier,“ sagte sie, und zum ersten Male hörte Wenzel in ihrer Stimme einen weichen, schwärmerischen Klang.

Sie besuchten den Brunnen mit den bemoosten Tritonen, die umwachsenen Statuen, und sogar in den Irrgarten aus Taxushecken wagte sich Esther, obwohl es drinnen ganz dunkel war. Sie verirrten sich wirklich, und es dauerte eine geraume Weile, bis sie unter Scherzen und Lachen den Rückweg fanden.

Nun schien es plötzlich für Esther genug zu sein. Die Stille bedrückte sie, die Schweigsamkeit des alten Parkes. Sie drängte zum Aufbruch.

Es zeigte sich jedoch, daß der Motor des Autos nicht in Ordnung war. Schweißtriefend lag der Chauffeur unter dem Wagen. Er versicherte, den Mangel spätestens in einer halben Stunde zu beheben.

„Oh, wie unangenehm!“ rief Esther ärgerlich, und augenblicklich wandte sie sich in herrischem Ton an den Wirt und verlangte einen Wagen. Der Wirt hatte einen Wagen, gewiß, aber er deutete an, daß die Herrschaften mit diesem Wagen nach Paris wohl vier Stunden fahren würden.

Esther runzelte die Stirn. „So telephonieren Sie nach einem Auto. Es muß sich doch ein Auto finden lassen? Ich habe Baron Blau versprochen, mit ihm nach dem Theater die Schokolade zu nehmen.“

Wenzel lächelte. „Telephonieren Sie in das Hotel,“ sagte er.

„Sie sind abscheulich,“ erwiderte Esther verletzt. Sie schwieg eine Weile, während sie in dem dunklen Park hin und her ging. Plötzlich schien es ihr, als ob sie Wenzel im Dunkeln lachen höre.

„Sie lachen?“ fragte sie verwundert.

Wenzel trat näher und berührte vertraulich ihren Arm. „Ich lache über Sie, Esther Weatherleigh,“ sagte er, „ich muß lachen, weil Sie so ärgerlich sind, ein paar Stunden von Paris fern bleiben zu müssen. Das Auto ist natürlich völlig in Ordnung. Ich habe den Chauffeur nur beauftragt, diese kleine Komödie zu spielen.“

Esther blieb stehen. Im Dunkeln stand sie schmal wie eine Statue vor Erstaunen. „Und was bezwecken Sie damit?“ fragte sie – oh, nun war sie wirklich schlechter Laune – und die Statue schien noch schmaler und steifer zu werden.

Lächelnd und etwas spöttisch erwiderte Wenzel: „Spielen Sie nicht die gekränkte Göttin, ich beschwöre Sie. Sie sehen ja, daß ich das Komplott sofort selbst aufdeckte, als ich sah, daß es Ihnen kein Vergnügen macht, länger hier zu bleiben. Ich will Ihnen auch ganz offen gestehen, was ich mit dieser kleinen Komödie bezweckte. Sie sind in Paris immer von einem Schwarm von Menschen umgeben, und selbst, wenn wir allein ausgehen, befinden wir uns inmitten von Menschen. Ich hatte schon lange den Plan, Sie in dieses stille Hotel, das ich durch Zufall entdeckte, zu verschleppen, um mit Ihnen ruhig über gewisse Dinge sprechen zu können.“

Esther ging weiter. „Welche Dinge wollen Sie denn mit mir besprechen?“ fragte sie mit gemachtem Erstaunen. Als ob sie gar nicht ahnen könne, um welche Dinge es sich handeln könnte.

„Es ist eine sehr einfache Sache,“ fuhr Wenzel fort, etwas unsicher und tastend. „Da ist dieser Baron Blau, und da ist dieser Major Fairfax, und ...“

„Und da sind noch andere,“ unterbrach ihn Esther.

Wenzel sah in der matten Dunkelheit des Parkes, daß ihre Zähne blitzten.

„Nun gut, und noch andere. Und da bin ich. Ich habe keineswegs Lust, die lächerliche Rolle eines Barons Blau oder eines anderen zu spielen, Esther Weatherleigh!“

Und wieder blieb Esther vor Erstaunen stehen und wurde zu einer schmalen, steifen Statue.

„Ich wollte mit Ihnen über diese Dinge ausführlich sprechen, aber es ist vielleicht besser, wenn wir wenig Worte machen. Sie sollen sich entscheiden, Esther Weatherleigh. Entweder ich oder einer der andern!“

Esther lachte. Dieses Lachen war frivol, hochmütig und verletzend. Augenblicklich verlor Wenzel die Besinnung. Viele Monate lang hatte er sich dieser Frau gegenüber beherrscht, und oft war es ihm nicht leicht gewesen. Dieses Lachen aber brachte ihn außer sich.

„Sie sollen nicht lachen über diese Frage!“ rief er, viel zu laut für einen Gentleman, und trat auf die Statue zu und faßte sie an den Schultern. Ihre nackten Arme fühlten sich wie Eis an in seinen Händen, wie Eis, das brannte. „Ich habe diese Frage nie an eine Frau mit solcher Aufrichtigkeit gerichtet.“

„Sie tun mir weh,“ sagte Esther leise, indem sie den Kopf senkte. „Oh, wie verwegen Sie sind! Ich hasse Entschlüsse. Ich hasse vor allem rasche Entschlüsse. Sie wissen sehr wohl, daß Sie mir nicht gleichgültig sind, Wenzel, aber ich liebe Sie nicht. Sie verlangen zuviel. Ich glaube nicht, daß ich aufrichtig lieben kann.“

Darauf Wenzel: „Ich verlange ja gar nicht, daß Sie mich lieben. Ich verlange nur, daß Sie meine Frau werden.“

„Das ist mir zu wenig,“ antwortete Esther.

„Dann werden Sie meine Geliebte!“

„Das ist mir zuviel,“ entgegnete Esther mit einem Lächeln. „Aber,“ fuhr sie zögernd fort, „vielleicht läßt sich darüber sprechen, Wenzel Schellenberg. Ohne Bedingungen, hören Sie. Wir wollen dem Himmel die Entscheidung überlassen. Gehen wir diese Allee hinunter. Fällt eine Sternschnuppe, so haben Sie gewonnen, fällt keine Sternschnuppe, so versprechen Sie mir, nie wieder auf diese Dinge zurückzukommen. Gilt das?“

„Es gilt!“

Sie gingen durch die Allee, die hellen Gesichter zum Firmament gerichtet. Kaum aber waren sie zehn Schritte gegangen, als ein leuchtendes Meteor über das Firmament zog.

Esther stieß einen Schrei aus und griff mit der Hand nach Wenzel. „Sie haben gewonnen, Wenzel!“ rief sie und lachte.

12

„Da bist du ja wieder,“ sagte Jenny Florian freudig lächelnd und schmiegte den zarten Arm sanft um Wenzels Nacken. Ihre Augen strahlten von einer tiefen und milden Freude.

Der Klang ihrer weichen, gütigen Stimme, die zärtlich gesprochenen Vokale griffen an Wenzels Herz. Seit langer Zeit hatte er diese schöne Stimme nicht mehr vernommen.

„Da bin ich wieder, mein Liebling,“ erwiderte er laut, mit etwas gemachter Lustigkeit, um die Bewegung zu verbergen, die ihn ergriffen hatte, als er Jenny, zarter, etwas schmaler im Gesicht, eilig die Treppe herabkommen sah. Auch nicht der leiseste Vorwurf stand in ihren Augen. Er küßte sie herzhaft auf den Mund.

Jenny geleitete ihn in das Haus. Überall Blumen, er sollte sehen, daß sie sich auf seine Rückkehr gefreut hatte.

Ja, nun war also Wenzel wieder in Berlin, und es sah ganz so aus, als habe sich unterdessen nicht das mindeste ereignet und solle alles bleiben wie früher.

Wenzel verbrachte fast alle Abende mit ihr, was er früher nicht getan hatte. Sie besuchten Gesellschaften, Theater, Rennen, zumeist aber speisten sie in Jennys Haus. Wenzel war herzlich, voll Interesse für alles, was Jenny betraf, ein guter Kamerad und Freund. Sie beobachtete jedoch häufig eine sonderbare Zerstreutheit an ihm, die sie früher nie bemerkt hatte. Oft stand Wenzel auf, um nachdenklich und unruhig im Zimmer hin- und herzugehen.

„Woran denkst du?“ fragte sie.

Wenzel schüttelte den Kopf. Er gab ihr auf diese Frage keine Antwort.

Jenny hatte von seinen Beziehungen zu Esther Weatherleigh gehört, natürlich. Sie wußte, daß ihn diese Frau mehr als andere beschäftigte, aber es ging doch wohl nicht an, seine Unruhe auf diese Frau zurückzuführen. „Hast du Sorgen?“ fragte Jenny schmeichelnd.

Wenzel schüttelte den Kopf. Er hatte keine Sorgen.

„Aber vielleicht hast du doch Sorgen,“ drängte Jenny weiter. „Ich verstehe nichts von Geschäften und möchte mit dir auch nicht über Geschäfte sprechen. Aber vielleicht hast du geschäftliche Sorgen? Man sprach in Berlin davon, daß du große Verluste in einer Francsspekulation erlitten hast.“

Wenzel lachte laut auf, gutmütig und belustigt. „Wie lächerlich klein ist diese Welt!“ rief er aus. „Ich habe in der Tat anfangs einen tüchtigen Lappen Haut hängen lassen. Ich habe dir von einem Bekannten erzählt, einem Baron Blau, einem Bankier. Nun, ich war töricht genug, auf seine Ratschläge zu hören. Er behauptete, der Franc würde gestützt werden und steigen. Man soll nie auf einen Bankier hören, und so habe ich eine ziemliche Summe verloren, gegen vierzigtausend Pfund. Später aber behauptete dieser Baron Blau, der Franc würde fallen, und diesmal handelte ich seinem Rate entgegen und habe meine Verluste mehr als wettgemacht. Das ist die ganze Sache meiner Francsspekulation.“

Nach einer Woche war Wenzel plötzlich wieder abgereist. Er sandte Jenny Blumen und einen Gruß. Geschäfte! Drei Tage später kam er wieder zurück. Er blieb zwei Tage und flog nach London. In diesen Monaten war Wenzel fast ununterbrochen in D-Zügen und Flugzeugen unterwegs: Paris, London, Trouville, Ostende. Je länger diese ununterbrochenen Reisen währten, desto größer wurde Wenzels Unruhe. Jenny konnte es deutlich von Monat zu Monat beobachten. Was früher fast nie vorkam, ereignete sich jetzt häufig: Wenzel war schlechter Laune! Wenzel, der immer behauptete: Nur dumme Menschen können schlecht gelaunt sein. Wenn Wenzel früher ärgerlich war, so gab es irgendeine, oft heftige Explosion, eine Eruption von Zorn und Galle, und einige Minuten später hatte er seinen früheren Gleichmut wiedergefunden. Anders jetzt. Er saß mit verdüstertem Gesicht und schwieg.

Jenny berichtete ihm, um ihn zu zerstreuen, von ihrer Arbeit. Oh, sie arbeitete, doppelt eifrig, seit Wenzel fast immer abwesend war. Sie übte, schulte, lernte, studierte, beobachtete. Ihr letzter Film, „Der Roman einer Tänzerin“, hatte einen sensationellen Erfolg gehabt. Er ging um die ganze Erde. Man machte ihr verführerische Angebote, aber schon hatte Jenny ihr Ziel weiter gesteckt. Sie wollte zur Bühne gehen und nur noch zuweilen filmen. Wenzel hatte ein Theaterunternehmen finanziert und als Gegenleistung Jennys Engagement gefordert. Im Herbst sollte sie zum ersten Male auftreten, und man tat alles, um das Debüt zu einem Erfolg zu gestalten. Jenny erzählte von den Proben.

Wenzel hörte kaum zu. Er deutete an, daß seine Scheidungsangelegenheit ihm großen Verdruß bereite. Eines Abends aber kam er in strahlender Laune zu Jenny, nachdem er zwei Stunden vorher abgesagt hatte. Er brachte einen riesigen Korb erlesener Leckerbissen mit. Das Auto war buchstäblich bis zum Rand mit Blumen angefüllt.

„Laß deine besten Weine auftischen, Jenny!“ rief er, in jenem übermütigen Ton, den Jenny so gut von früher her kannte. „Wir wollen tafeln. Endlich hat diese unleidige Scheidungsgeschichte ein Ende gefunden.“

Fröhlich und beglückt gab Jenny ihre Befehle.

In der Tat hatte Lise an diesem Tage kapituliert. Wenzel bat am Vormittag den Anwalt Vollmond zu sich und erklärte ihm ohne alle Umstände: „Lise Schellenberg ist von der Reise zurückgekehrt. Sie werden dieses Zimmer nicht verlassen, bevor Sie die Angelegenheit nicht in Ordnung gebracht haben. Meine Geduld ist jetzt zu Ende. Hier ist das Telephon, fangen Sie an.“

Vollmond tat beleidigt, lächelte sauer, ging aber trotzdem ans Telephon. Und nun wollte er seine ganze Kunst beweisen, während Wenzel mit dem finsteren Blick und starren Nacken eines Tyrannen dasaß, der seinen Willen durchsetzen will, und gehe die Welt dabei in Scherben.

Vollmond begann mit einer liebenswürdig vorgebrachten Entschuldigung, daß er es nochmals wage, Frau Schellenberg zu stören. Er spreche jedoch weniger als der Anwalt ihres Ehemannes, er spreche vielmehr als Lises Freund, dem ihr Schicksal und das Schicksal der beiden Kinder am Herzen liege. Er rechne natürlich auf ihre Diskretion! Er berichtete also, daß Herr Schellenberg eine Klage einreichen wolle, Herbeiführung eines Gerichtsbeschlusses zur sofortigen Herausgabe der Kinder.

„Gnädige Frau!“ Der Anwalt sprach, wie gesagt, als Freund, aber schon wurde er etwas deutlicher. Er setzte ihr auseinander, daß das Gericht ohne allen Zweifel, sie könne alle Anwälte der Welt fragen, sie für den schuldigen Teil erklären würde und daß sie dann nicht einmal Anspruch auf einen roten Heller erheben könne. Herr Schellenberg habe ihm als letzten Termin den heutigen Abend, und zwar Punkt sechs Uhr genannt. Eine Minute nach sechs Uhr werde die Klage abgehen. Heute abend reise Herr Schellenberg auf vier Wochen von Berlin weg, und unterdessen werde sich das Schicksal erfüllen.

Wieder erging sich Vollmond in Freundschaftsbeteuerungen. Dann versicherte er ehrenwörtlich, daß Herrn Schellenbergs letzte Bedingungen die seien: Er biete zwei Millionen Abfindung und eine Rente von fünfzigtausend Mark jährlich. Bis heute Abend sechs Uhr. Er werde in einer halben Stunde wieder anrufen, und er hoffe auf ihre bestimmte Zusage. „Nach sechs Uhr, sechs Uhr eine Minute, gnädige Frau, keinen roten Heller.“

Dann telephonierte Vollmond – Wenzels Gesicht war immer finsterer geworden – mit dem Justizrat Davidsohn. Er beschwor den verehrten Kollegen, bei seiner Klientin seinen ganzen Einfluß geltend zu machen. Der Fall sei hoffnungslos. In einer halben Stunde werde Herr Schellenberg abreisen, und dann sei es zu Ende.

Hierauf rief er wiederum bei Lise an. Wenzel hörte Lises erregte Stimme im Apparat. Vollmond war die Liebenswürdigkeit selbst, er verbeugte sich sogar am Apparat. Dann spannten sich seine Gesichtszüge, und endlich sagte er: „Ich werde in fünfzehn Minuten bei Justizrat Davidsohn zu Ihrer Verfügung sein, gnädige Frau. Sie sagen drei Millionen? Ich bin nahezu sicher, daß Herr Schellenberg diese Forderung zurückweisen wird, aber ich bürge mit meinem Ehrenwort, daß ich alles tun werde, was in meinen Kräften steht.“ Vollmond war vor Erregung blaß geworden.

Auf diese Weise hatte Lise kapituliert. Noch am selben Abend erzählte sie bleich und verstört allen ihren Bekannten, daß Wenzel sie mit einem Butterbrot abgefunden habe, aber man habe ihr gedroht, die Kinder morgen durch die Polizei wegnehmen zu lassen. Und alle Freunde Lises erklärten Wenzel Schellenberg für den brutalsten Schurken Berlins.