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Wenzel hatte den Familienschmuck eines früheren regierenden herzoglichen Hauses gekauft, eine wunderbare Goldschmiedearbeit italienischen Ursprungs, Perlen, Diamanten und Smaragden. Sein Einkäufer für Antiquitäten hatte die Kostbarkeit entdeckt. Wenzel brachte den Schmuck nach Paris und machte ihn Esther zum Geschenk. Es war ein Schmuck, der selbst die verwöhnte Tochter des alten Raucheisen entzückte. Baron Blaus Gesicht zuckte an diesem Abend nervös, und der Chef des Speisesaals war kaum imstande, ihm ein Täßchen Hühnerbrühe einzuflößen.

Als der alte Raucheisen von Esther die Nachricht erhielt, daß sie beabsichtige, sich mit Wenzel Schellenberg zu verheiraten, saß er bleich und still wie ein Leichnam. Sein ganzes Lebenswerk, seine Zechen, Kokereien, Walzwerke, Hochöfen, Fabriken, Schiffe, sah er vor seinen Augen in den Abgrund versinken.

„Dieser Abenteurer!“ keuchte er leise. Es gab kein Wort für Raucheisen, das eine größere Verachtung ausgedrückt hätte. Er streckte die totenbleiche Hand aus, um zu klingeln. Aber er beobachtete, daß sein Finger zu schwach war, um die Klingel herabzudrücken. Erst nach einer Weile gelang es ihm. Am Abend speiste der Sachverwalter seines Hauses, Justizrat Barenthin, bei ihm. Vor dem alten Freunde hatte Raucheisen keine Geheimnisse. Barenthin versprach, seine Fühler vorsichtig auszustrecken. Er reiste nach Paris, wo es ihm gelang, eine Aussprache mit Wenzel zu haben. Er war glücklich, Raucheisen die Mitteilung überbringen zu können, daß Wenzel Schellenberg auf einer Gütertrennung der beiden Ehegatten bestehe.

Der alte Raucheisen atmete auf. Die Ehe wird ein, zwei Jahre währen, sagte er sich. Ich kenne Schellenberg, und ich kenne meine Tochter. Aber den Gedanken, daß Lady Weatherleigh, geborene Esther Raucheisen, einen „Abenteurer“ heiratete, würde er nie verwinden können. Das fühlte er.