5
Georg stieg langsam die Treppe hinab. Er hat sich ja sogar die Lippen gefärbt! dachte er. Er roch nach Essenzen, Puder und Zahnwasser des Malers.
Das also war Katschinsky, vor dem er sich neigte, dachte Georg, während er, verwirrt von dem Besuch, zur Station der Untergrundbahn eilte. Wenn er mit den Zügen Glück hatte, so konnte er noch vor Geschäftsschluß am Alexanderplatz sein. Enttäuschung und Traurigkeit bemächtigten sich seiner. Was war aus Katschinsky geworden? Was machte diese Zeit und diese Stadt mit den Menschen? Ein Verräter, ein Abtrünniger, ein Schamloser. Er wollte es sich nicht eingestehen, daß er Katschinsky geliebt hatte und zwei Jahre lang um seine Freundschaft warb. Und wie erregt er wurde, als er Jennys Namen nannte? Wie er sie sofort beschimpfte. Was war geschehen? Nun, er würde ihn nicht wiedersehen, lebe wohl!
Gerade noch zur rechten Zeit erreichte Georg das Warenhaus. Die Verkäufer und Verkäuferinnen, erschöpft von der trockenen verbrauchten Luft, warfen schon Blicke auf die Zeiger der Uhren. Der Chef der Personalabteilung aber, ein kleiner runder Herr, hatte eigentlich schon Schluß gemacht und empfing Georg mit einer verdrießlichen Miene. Er zog die Brauen zusammen und sah nun wahrhaft vergrämt und verzweifelt aus.
„Ich bin ja eigentlich kein Auskunftsbureau, junger Mann,“ rief er aus, „aber immerhin – Christine März, sagen Sie? Nun, einen Augenblick. März, Christine – sie hat vor drei Monaten die Firma verlassen und wohnte damals –“ Er schrieb die Adresse nieder und reichte Georg den Zettel mit den Fingerspitzen, als klebe Schmutz daran. Es war eine etwas verrufene Straße.
Georgs Gesicht aber leuchtete. Augenblicklich machte er sich auf den Weg, und blitzschnell, wie ein Mensch, dem die Verfolger auf den Fersen sind, schoß er durch die Menge, die in der Zeit des Geschäftsschlusses die Straßen überschwemmte. Außer Atem und mit Schweiß bedeckt erreichte er das bezeichnete Haus. Er blieb stehen und sah sich dieses Haus an. Sofort schüttelte er, enttäuscht und niedergeschlagen, den Kopf.
Die Adresse war vom August, und jetzt war man im November. Es war recht gut möglich – ja es war sicher, er fühlte es – daß Christine nicht mehr in diesem Hause wohnte. Immerhin, vielleicht würde man ihm Auskunft geben können.
Und während er langsam und etwas zaghaft auf das Haus zuging, quälten ihn wiederum die alten Gedanken, die ihn seit drei Monaten marterten: Weshalb hatte sie plötzlich keine Nachricht mehr gegeben? Hatte sie Berlin verlassen? O nein, er fühlte, daß sie in der Stadt war! War sie gestorben? O nein, er fühlte, daß sie lebte! War sie krank? Lag sie in irgendeinem Krankenhaus? Vielleicht. Unmöglich, gänzlich unmöglich war es ja, daß sie ihn verlassen haben könnte, ohne ein Wort. Hatte er nicht Beweise ihrer Liebe und Leidenschaft, wie? Gab es größere Beweise als das, was Christine getan hatte?
Wie eine gewöhnliche Mietskaserne im Osten sah das Haus aus, ebenso verwahrlost, dunkel und finster wie die Häuser ringsum. Neben dem Toreingang war eine Kneipe. Zwei bezechte Kutscher standen darin, kleine Schnapsgläschen in der Hand. Hier trat Georg ein und fragte nach der Adresse des Schlossers Rusch. Rusch? Das sei richtig hier. Im dritten Hof, parterre.
Die Höfe waren klein und eng, eigentlich nur Lichtschächte. Es brannten winzige Laternen, und die Wände sahen wie mit Schimmel bedeckt aus. Da und dort glomm ein trübes Licht, der Geruch schlechten Fettes, mit dem gekocht wurde, drang aus den Türen. Aus dem dritten Hof kam eine kleine Frau, ein Tuch über den Kopf geschlagen. Georg beugte sich vor, um unter das Tuch blicken zu können: das kleine bleiche Gesicht einer älteren Frau, die still und lautlos weinte.
Der dritte Hof war der kleinste. Er war ganz dunkel, und das Regenwasser plätscherte aus irgendeiner durchlöcherten Rinne mitten auf den Hof herab. Zwei Parterrefenster des Hofes zeigten hinter herabgelassenen fleckigen Vorhängen mattes Licht.
Diesen Vorhängen tastete sich Georg entgegen. Sofort roch er, daß er an der rechten Stelle war. Er roch die Werkstatt eines Schlossers. Noch einen anderen Geruch unterschied er – den Geruch von Kerzen.
Die Türe zur Wohnung des Schlossers war nur angelehnt, und Georg lugte durch den Spalt. Sein Herz schlug so sehr, daß es ihm nicht möglich gewesen wäre, jetzt irgendein Wort zu sprechen. Drinnen glitzerte es – was war es doch? – Kerzenlicht, wie ein Christbaum. Er hatte in der Erregung die Tür berührt, so daß der Spalt sich vergrößerte. Da sah er, daß in der Stube, der Werkstatt des Schlossers, die Leiche einer dicken, behäbigen Frau aufgebahrt lag. Zu beiden Seiten des fahlen, gutmütig lächelnden Gesichts standen zwei flackernde Kerzen. Er hörte ein gurgelndes Schluchzen und dann ein lautes Räuspern. Ein Schatten reckte sich über Wände und Decke, und eine laute, rauhe Stimme sagte: „Ist jemand hier?“
„Ich bitte zu verzeihen, daß ich störe,“ stammelte Georg, und schon näherte sich die Gestalt der Türe.
Ein großer breitschultriger Mann stand vor Georg. Seine Augen waren verweint. Er hatte sich offenbar mit den schmutzigen Fäusten die Augen ausgerieben, so daß dicke schwarze Ringe um die Augen lagen, wie eine phantastische Brille.
„Was wollen Sie?“ fragte der Mann unwirsch und heftete den Blick scharf und funkelnd auf Georg.
„Ich komme sehr ungelegen,“ erwiderte Georg leise. Der Blick dieses Mannes erschreckte ihn. „Ich wollte eine Auskunft haben.“ Er fragte, ob Christine März noch hier wohne?
Das Gesicht des Schlossers nahm einen verächtlichen Ausdruck an. „Die!“ knurrte er. Oh, die sei schon lange, lange nicht mehr hier. „Aber was wollen Sie von ihr, junger Mann? Wollen Sie etwa die Schulden bezahlen, die diese Person hinterlassen hat? Sie ist noch zwei Monate Miete schuldig.“
Georg stammelte eine Entschuldigung und wich zurück.
Der Schlosser Rusch trat aus der Türe und rief ihm nach: „Es ist noch eine Pappschachtel von dieser Person hier, mit alten Lumpen! Vielleicht wollen Sie die Pappschachtel haben? Ich werde sie Ihnen bringen.“
„Ich will nichts,“ erwiderte Georg, indem er in den Torweg eilte.
„Nun, so warten Sie doch!“ polterte Rusch. „Weshalb gehen Sie so rasch. Warten Sie doch! Es ist ja alles nicht so schlimm gemeint. He, Sie!“
Bei der Kneipe, die am Ausgang des Torwegs zur Straße lag, holte ihn der Schlosser ein. Nun erst bemerkte Georg, daß der Schlosser mit dem beschmutzten Gesicht betrunken war.
„Sie wollten nach Christine fragen?“
„Ja.“
„Nun, ich werde Ihnen von Christine erzählen.“
„Sie wollten?“
„Ja, kommen Sie.“ Er drängte Georg mit dem Eigensinn eines Betrunkenen in die Kneipe. „In aller Gemütlichkeit,“ fuhr er fort, indem er Georg auf einen Stuhl schob, „in aller Gemütlichkeit wollen wir sprechen. Bringe zwei Kognak, Anton!“ schrie er dem hemdärmeligen Wirt zu. „Ja, Christine – ein feines Kerlchen, ein apartes Kerlchen, aber –“
„Ich wollte Sie ja nicht erschrecken und beleidigen, mein Herr,“ wandte er sich wieder an Georg und schob ihm ein Glas Branntwein hin. „Es war nicht meine Absicht. Sie haben gesehen, daß meine Frau dahinten tot liegt, und aus diesem Grunde bin ich bei jeder Gelegenheit gleich so außer Rand und Band.“ Er goß sich den Kognak in die Kehle und nötigte Georg zu trinken. „Trinken Sie, junger Mann, damit Sie Farbe bekommen. He Anton! Auch Christine liebte es, zuweilen ein Gläschen zu trinken. Sie war garnicht so zimperlich.“
„Christine?“ unterbrach ihn Georg verwundert.
„Ja, Christine. Am Abend, da tranken sie zuweilen ein Gläschen zusammen, Ihre Christine und sie, die nun dahinten liegt.“ Rusch deutete mit dem Daumen hinter sich.
„Einmal nun, sehen Sie, da stieg sie in eine Droschke ein – und hast du nicht gesehen – auf der andern Seite fiel sie wieder hinaus. Und wir lachten, hahaha! Alles lachte. Was ist dabei, wir haben alle unsere Schwächen.“
„Christine fiel aus der Droschke?“
„Aber nein, nein. Sie fiel aus der Droschke, sie, die nun dahinten liegt. Trinken Sie doch, trinken Sie aus, damit ich sehe, daß Sie mir nichts nachtragen.“
Georgs Augen brannten. Seit wann Christine nicht mehr bei ihm wohne?
Der Schlosser dachte nach. Er kniff das beschmierte Gesicht zusammen. „Seit wann?“ erwiderte er. „Lassen Sie mich nachdenken? Ja, seit wann? He, Anton, erinnerst du dich? Diese kleine Schwarze, weißt du, die soviel lachen konnte.“
„Verkehrte sie auch hier, in diesem Lokal?“ fragte Georg, bemüht, sein Erstaunen zu verbergen.
„Ja, gewiß. Sie verdarb niemand den Spaß, lachte, scherzte, erzählte Schnurren. Ein feines wildes Kerlchen. Sie wollte ja zum Theater gehen. Sie erzählte immer Großes von einer Schauspielerin, die einen Millionär zum Freund hatte. Mit ihr zusammen wollte sie zum Theater gehen. Oder zum Kino.“
Das sind alles Phantasien, dachte Georg. Er ist ja betrunken. „Auch Sie wissen nicht, wo Christine hingezogen ist?“ fragte er.
Der Schlosser kniff wieder das beschmierte Gesicht nachdenklich zusammen. Es sah aus, als begänne er zu weinen. „Lassen Sie mich nachdenken, mein Herr,“ antwortete er. „Mir scheint – eines Tages verschwand sie – ich weiß es nicht. Lassen Sie mich nur nachdenken.“
Abermals brachte der Wirt zwei neue Gläschen Kognak.
„Tun Sie mir Bescheid, mein Herr,“ drang der Schlosser in Georg. „Sind Sie Künstler? Christine erzählte immer, daß sie mit Künstlern verkehre. Auf Ihre Gesundheit! He, du, Anton,“ wandte er sich plötzlich an den Wirt. „Ob man es wohl riskieren kann? Sie liegt da hinten, und die Tür steht offen. Sie trägt noch den Ring an der Hand. Hier in diesem Hause lebt solch ein Gesindel, das vor nichts Respekt hat. Hier in dieser Stadt ist alles möglich, mein Herr. Ich kannte einmal einen verflixten Burschen, der erzählte mir, er brach in einer Villa im Grunewald ein, und plötzlich, was sieht er: einen toten Juden, der aufgebahrt liegt. Aber das hat ihn nicht abgehalten, das ganze Silber auszuräumen. Sehen Sie, mein Herr, solche Menschen gibt es hier.
Und nun will ich Ihnen noch eine Geschichte erzählen,“ fuhr er berauscht fort, rückte näher und legte die schwere Hand auf Georgs Arm. „Hören Sie, noch eine Geschichte, und eine so merkwürdige Geschichte, wie Sie sie noch nicht gehört haben werden. So etwas lesen Sie nicht einmal in der Zeitung.
Sehen Sie, junger Herr, ich bin heute nicht mehr der jüngste, aber vor zwanzig Jahren, da hätten Sie mich kennen sollen. Da war ich ein toller Kerl. Ich hatte da ein Mädchen, sie hieß Mariechen. Sie hatte Augen wie ein Reh, so groß und sanft. Und sie war zart und schlank, nur so groß, sehen Sie, kaum so groß wie eine Konfirmandin. Aber wie die Frauen so sind, sie wollte Schuhe aus Lackleder, dann wünschte sie sich Schuhe mit grauem Einsatz, und wenn sie die Schuhe mit grauem Einsatz hatte, dann wünschte sie sich Knopfstiefelchen. Und so ging es immer fort. Und wie es mit den Schuhen war, so war es auch mit den Hüten. Ich arbeitete damals in einer Fabrik in Weißensee, und mein Lohn reichte nicht aus, alle die Schuhe und Hüte und Kleider zu kaufen, die Mariechen sich wünschte. Wenn ich sie aber nicht kaufte, dann ging Mariechen zu einem andern, denn die Männer liefen alle hinter ihr her.
Nun hören Sie aber weiter,“ fuhr Rusch fort, „hören Sie weiter, und Sie werden staunen. In der Fabrik arbeitete ein Kollege. Er war ein einfacher Schlosser, aber wenn er am Sonntag ausging, so konnten Sie glauben, er sei ein Baron. Wie er das machte, das war unbegreiflich. Er hieß Roth.
Eines Tages nun kam dieser Roth zu mir und sagte: Höre, Rusch, willst du viel Geld verdienen? Ich sagte, warum nicht, denn Mariechens Geburtstag war nahe, und ich hatte auch nicht einen Pfennig Geld in der Tasche. Mariechen hatte im Jahr dreimal Geburtstag. Aber ihre Augen waren so schön, und wenn sie sprach, diese schöne Stimme, und wenn man mit ihr tanzte, und alle verdrehten die Hälse nach ihr, nun, weshalb sollte sie nicht dreimal im Jahre Geburtstag haben? Ich will es Ihnen kurz erzählen. Dieser Roth brachte mich auf Abwege. Es ist lange her, und es ist ja keine Schande. Sehen Sie, dieser Roth ging durch verschlossene Türen, genau so wie der Wind durch ein offenes Fenster geht. Wir arbeiteten also zusammen, und Mariechen hatte gute Tage. Wir waren vorsichtig und übernahmen uns nicht. So ging es eine lange Weile. Aber nun hören Sie, nun kommt das Interessante. Wir gingen ja nun viel aus und tanzten, Roth, Mariechen und ich. Eines Tages nun sagte Roth zu mir, wir können eine Menge Geld verdienen. Dieser Lederhändler ist verreist, bei dem ich das elektrische Licht repariert habe. Hast du Courage? Ich sagte, weshalb nicht. Wir gingen tags vorher um das Haus, und Roth zeigte mir ein Fenster und sagte mir, ich werde also vorausgehen, und wenn ich dieses Fenster aufmache, so steigst du ein. Morgen abend, sagte Roth, morgen abend ist Neumond, da wollen wir die Sache machen.
Aber nun hören Sie, Herr, nun kommt das Interessante. Eine Straße vorher verließ mich Roth und sagte mir, in genau einer Viertelstunde wirst du nachkommen. Es ist jetzt ein Viertel vor zwölf Uhr. Komme du Punkt zwölf. Ich komme Punkt zwölf. Das Fenster wird langsam aufgemacht, und ich steige ein. Wissen Sie, mein Herr, was nun passierte?“
„Nein,“ sagte Georg, der nur aus Höflichkeit zuhörte. „Wie sollte ich es wissen?“
Rusch lachte, daß seine dicke Zunge zwischen den Bartstoppeln sichtbar wurde. „Sofort ergriffen mich zwei Paar Arme. Ich war der Polizei in die Hände gefallen. Haben Sie in Ihrem Leben so etwas gehört?“
„Also hatte Roth Sie verraten?“
„Er hatte mir eine Falle gestellt, und ich war in diese Falle gegangen. Er und Mariechen wollten mich loshaben, und so ließen sie mich hochgehen.
Nun, ich bekam zwei Jahre, und ich schwieg.
Aber ich sagte mir, wenn ich herauskomme, seid ihr beide verloren. Und als ich herauskam, sehen Sie, mein Herr, da kaufte ich mir ein Messer und einen Revolver, und ich sagte mir, wartet nur ihr beiden, wo ich euch auch finde! Aber es war schwer sie zu finden. Ich arbeitete am Tage, abends aber besuchte ich immer eine Reihe von Tanzlokalen. Und nun hören Sie, Herr, nun kommt das Interessanteste.“ Rusch goß sich ein neues Glas hinunter. „Nun kommt das Interessanteste, mein Herr. Eines Abends komme ich in ein kleines Tanzlokal in Treptow. Es war nicht sehr voll, und plötzlich, wen sehe ich? Roth und Mariechen. Ich gehe auf sie zu, und was glauben Sie? Ich hatte die Hände in den Taschen und hatte den Revolver und das Messer bereit. So kam ich also auf sie zu. Roth riß sofort aus. Aber Mariechen, was glauben Sie, was sie tat? Mariechen fiel in die Knie und schrie so jämmerlich, wie ich nie einen Menschen schreien hörte. Und dabei hob sie die Arme in die Höhe. Und was glauben Sie, was geschah? Ich vergaß meinen ganzen Zorn und alle Eide, die ich geschworen hatte. Ich hob Mariechen auf und sagte, aber Mariechen, was gibt es denn zu brüllen? Und sie weinte und schluchzte, und ich beruhigte sie. Da wurde sie endlich ruhig, und sie sagte, sie werde jetzt wieder bei mir bleiben. Denn sie liebe mich viel mehr als diesen Roth. Das tat sie auch, mein Herr. Und sehen Sie, solche Dinge gibt es auf der Welt.“
Plötzlich hob Rusch die beiden großen Fäuste in die Luft und brüllte: „Und nun ist sie tot, Mariechen! Nun liegt sie da hinten und ist tot! Mariechen! Mariechen!“ Er schlug sich mit der Faust auf den Kopf.
„Nun, Rusch, beruhige dich,“ sagte der Wirt. „Du wirst es schon verwinden.“
„Und nun ist Mariechen tot!“ brüllte Rusch nochmals.
Georg erhob sich, um zu gehen.
„Nein, nein, bleiben Sie bei mir,“ bat der Schlosser, „bleiben Sie bei mir. Ich muß einen Menschen haben, mit dem ich reden kann. Ich werde Sie nicht mehr mit meinen Geschichten belästigen. Wir wollen von Ihrer Christine sprechen.“
Und er fing an zu erzählen, wie gut Christine zuerst mit seiner Frau ausgekommen sei. Sie haben immerzu Kuchen gebacken – ah, fein! Dann aber habe sie ihre Stellung verloren und sei in Verlegenheit geraten. Da sei öfter ein kleiner, blonder Herr gekommen mit einem Kneifer und habe sie ausgeführt. Und später, da sei ein hagerer, dunkler gekommen, vielleicht ein Russe. Er kam immer in den Hof und pfiff – so eine traurige Weise ...
Georg sprang auf, und er war so rasch verschwunden, daß der Schlosser ins Leere griff, als er mit den beiden Fäusten nach ihm langte.