1.

Der Regen hatte aufgehört, man konnte wieder die Sonnenschirme ausspannen, und also nahmen sie die, Mutter und Schwester, und gingen aus.

Der Herr Sohn bleibt zu Hause?

Bei diesem schönen Wetter bliebe er zu Hause?

Er wolle ein wenig üben, sagte er ...

— Nun so solle er üben.

Und damit hatten sie ihre Schirme genommen und waren gegangen, Mutter und Schwester.

Er trank ein Glas Wasser, dann ging er auf sein Zimmer hinüber.

Da waren die Fenster offen und er schloß sie. Nein, ein halbes konnte ja offen bleiben und so ließ er ein halbes offen.

Draußen liegt die Luft wie stille See. Eine graue Taube läßt sich vom Schlag herunter, sie hält die Flügel ausgebreitet und bewegt sie nicht. Dicht über dem Boden beginnt sie mit den Flügeln zu schlagen und in Blätter, die da liegen, kommt Leben; die Blätter gleiten einen Menschenschritt an der Erde hin und das ist für sie wie eine Erinnerung an eine glückliche Zeit ...

Da sie noch an den Zweigen hingen, an dem schlanken Stengel!

Ja, die Blätter wollten es mit den Vögeln halten, das stille Leben da auf dem Baume hatte ihnen nicht mehr behagt und im Winde sich schaukeln war ihnen nicht genug. Hinflattern, wohin es ihnen beliebte, wollten sie.

Da lagen sie nun, irregeführt, im Staub und spürten die Lebenskräfte schwinden.

Ja, da mochten sie jetzt sehen, wie es ihnen erging!

Die Sechsuhrsonne hing an olivengrünen Tapeten, an kastanienrotem alten Gerümpel.

An dem wächsernen Christus unter dem Glassturz fließt ein dünner, gelber Strahl vorbei.

Der kam durch ein Loch in der Gardine.

... Er blickt auf die glänzende, weiße Tür; es war ihm so wohl ... Er nahm seine Noten vor.

— — Chopin? ...

Ja, Chopin würde er spielen.

Er legt das Heft auf das Pult und stimmt. Ein paar Striche, Griffe übers Griffbrett herunter, dann faßte er die Geige mit dem Kinn, stieß mit der linken Hand den Ärmel zurück und: Piano ...

Das rechte Handgelenk bog sich sanft, ruhig wie ein Schwanenhals und die süßen Triller flogen wie kleine Kalanderlerchen ans Fenster und setzten sich dort auf dem Fensterhaken ...

Wer spielt denn da oben? — Er hielt inne.

— Ich! —

— „Ich?“ wer „ich?“

Pause.

... Ein Damenlachen beugt ihn zum Fenster heraus. Mit der Geige unter dem Arm, da prallt er zurück, die Blonde in Trauer stand unten.

An der Hand hatte sie ein vierjähriges Mädchen. Das hielt eine Puppe im Arm und sah dorthin, wo Mama hinsah ...