Das Kingani-Gebiet mit Usaramo, Ukami und Kutu.

Allgemeine Gestaltung.

Zwischen den Mündungen des Kingani und des Rufidschi liegt die Küste als ein 5–20 km breiter, niedriger, knapp über die Meereshöhe sich erhebender Streifen Landes da. Von diesem steigt ein Plateau empor, das zwischen den beiden genannten Flüssen sich bis nach Sungomero in Kutu ausdehnt. Es ist eine von Süd nach Nordwest geneigte Fläche; es fällt von der höchsten Erhebung am Konoge-Hügel (210 m) der Küste entlang bis gegen Bweni (90 m) und längs des Rufidschi bis Sungomero (153 m) langsam ab; rascher und tiefer senkt es sich gegen das Thal des Kingani (Dundunguru 58 m und Kiranga Nanga 22 m). Der östliche Plateaurand tritt als ein Hügelgelände zwischen Kondutschi und Dar-es-Salaam dicht an die See heran, buchtet sich weiter südlich aus und gibt Raum für die Verbreiterung der Thalebene des Mbesi; von den Marui- bis zu den Konoge-Hügeln verläuft er nahezu parallel mit der Seeküste.

Im Vergleich mit der ersten Terrasse Useguhas liegt die Hochfläche Usaramos um durchschnittlich 150 m niedriger und reicht ununterbrochen um etwa 100 km weiter landeinwärts. Deshalb machen sich auch die Seewinde und das Seeklima bis tief nach Kutu hinein bemerklich. Der östliche Thalgrund des Kingani von Bomani bis Usungula wird von dem westlichen durchschnittlich um 70 m überragt, sodaß dieser wie eine Hügelkette erscheint.

Im Westen von Usaramo steigt, vom Gerengere und Mgeta wie von zwei Armen umfaßt, eine vielfach gegliederte Gebirgsmasse empor. Den Centralstock bildet das Uruguru-Gebirge in Ukami mit einer Erhebung von 1800–2000 m. Es dehnt sich nach Nordosten bis zum Kungwe oder Kira-Berg (1768 m) aus, der als Höhenzug südöstlich sich fortsetzt und mit dem Kidunda-Berg am Mgeta endet. Nach Süden dacht sich das Uruguru-Gebirge zu den Dutumi- oder Mkambaka-Bergen (900–1200 m) und nach Westen zu den Kigambwe-Bergen ab. An diese schließen sich nördlich die 570 m hohen Kihindo- (oder Mindu-) und die Mguruwandege-Berge an, welche Ukami und Kutu von der Makata-Ebene in Usagara scheiden; im Süden stößt das Rufutu-Gebirge (ungefähr 800 m) an.

Die schroffen Abhänge der Dutumi-Berge umschließen im Norden die Thalebene von Sungomero und Kiriru; dagegen bildet eine östliche Abzweigung der Rufutu-Berge von Mbwigwa gegen Behobeho die Wasserscheide zwischen dem Mgeta und dem Msendasi-Ruaha.

Das ganze Gebirge in Ukami und Kutu besteht aus Granit, der als nackter Felsen auf den Kämmen und höchsten Gipfeln zu Tage tritt oder in mächtigen, zerstreut liegenden Blöcken gefunden wird. Manchmal ist er von Thon- und Sandsteinschichten überlagert. Die Bergcontouren sind kuppelförmig oder wildgezackt. Eine eigenthümlich symmetrische Form besitzt der Kilima Hatambula bei Behobeho; von einer flachen Terrasse erhebt er sich viereckig, gleich einem Denkmal, nahezu senkrecht. Die Masse besteht aus Sandstein; dazwischen liegen eingesprengte Lavalager, welche die totale Verwitterung gehemmt und die Gleichförmigkeit bewirkt haben.

Flußsystem.

Das Plateau von Usaramo wird an seiner Westgrenze von dem Kingani und an seinem Südrande von dem Rufidschi bespült, aber in keiner Richtung von irgend nennenswerthen Rinnsalen durchfurcht. So erhält der Kingani von der gegen sein Bett stark geneigten 60–100 km breiten Hochfläche keinen einzigen nennenswerthen Zufluß; alles Wasser, das ihm zuströmt, kommt von der linken Seite, von den Bergen von Ukami und Kutu. Nur dem steilen Ostrand der Hochfläche entquellen eine größere Zahl von Bächen, die sich nach kurzem Lauf in das Meer ergießen, so der Msinga in die Bucht von Dar-es-Salaam, der Mbesi in die Schungu-Bai und der Mgasi in die Bai von Kisiju.

Der Kingani entsteht aus dem Zusammenfluß des Gerengere und Mgeta bei Usungula. Beide entspringen im Ukami-Gebirge.

Das Quellgebiet des Gerengere liegt in dem Zusammenstoß des Uruguru-Gebirges mit den Kigambwe-Bergen. Nach kurzem nördlichen Lauf schlägt er in mehrfachen Windungen eine östliche und von Konge eine nahezu südliche Richtung ein. Im Oberlauf nimmt er von rechts den Mrogoro mit dem Tongeni, dann bei Vingongo den Makobola und endlich nördlich von Quaba den Longwe auf. Von der Useguha-Terrasse strömt ihm bei Konge der Tange zu. Er ist ein klares Wasser mit starkem Gefäll, in theils sandigem, theils felsigem Bett. In der Regenzeit wird er von den Sturzbächen des Gebirges überfüllt und tritt verwüstend über seine Ufer. Die Ueberschwemmungen steigern sich in manchen Jahren bis zur Zerstörung weiter, angebauter Strecken, besonders bei Simbamweni und Musondi. Seine Breite beträgt in der Regenzeit bei Simbamweni 2 m, seine Tiefe 1½ m und die Uferhöhe 4 m; bei Musondi ist er 27 m (nach Stanley 18 m) breit, knietief und seine Ufer haben die Höhe von 7–8 m, wie Cameron angibt. Die Breite des Flußbettes selbst erweitert sich aber hier bis zu 225 m.

Der Mgeta entspringt auf der Südseite des Kigambwe-Gebirges, durchströmt die Ebene von Sungomero und behält noch bis Kidunda den Charakter eines in sandigem und steinigem Bett fließenden gelblichen Bergwassers bei; kurz nach der Regenzeit hat er hier eine Breite von 45 m und eine Tiefe von 3½ m. Er nimmt von den Dutumi-Bergen den Mgasi und Dutumi auf und vom Uruguru-Gebirge den noch nicht erforschten Mswasi. Dicht unterhalb des Mabruki-Passes befindet sich die Wasserscheide des Mgeta vom Ruaha; nach Süden fließt der Msendasi ab, nach Osten der Msegwe und Vilansi. Bei Kidunda erhält er den einzigen stärkern Zufluß vom Plateau, den in tiefeingeschnittenem Bett über Blöcke von Quarz, Syenit, Hornblende und rothem Sandstein dahinfließenden Manjora.

Der Kingani (auch Rufu und zwischen Kidunda und Usungula Mpezi genannt) wälzt sein rothbraunes, süßlich schmeckendes Wasser von Usungula in vielfach geschlungenem Lauf mit nordöstlicher Richtung dem Meere zu. Seine Breite schwankt im untern Lauf je nach der Jahreszeit zwischen 15 und 45 m. Die Thalebene, die bei Kiranga Ranga eine Breite von 11 km besitzt und bei Dunda auf 4 km sich verengt, erweitert sich bei der Fähre von Bagamoyo und Bikiro bis zu 13 km. Seine Ufer sind schlammig. Er wird eingeschlossen von den Plateaurändern von Ukwere auf der linken Seite (105 m) und von Usaramo auf der rechten Seite (allmählich ansteigend von 22 und 38 m bis zu 58 m bei Dundunguru). An seiner Mündung schließen sich mit Mangrovewaldungen dicht umsäumte Lagunen an. Er ist bis Dunda zu jeder Jahreszeit schiffbar, zur Regenzeit noch 20 km weiter stromaufwärts.

Klima.

Das niedrige, weitausgedehnte Plateau von Usaramo gestattet dem feuchten Küstenklima den Zutritt bis tief in die Thäler von Kutu, die Hochfläche von Ukwere hingegen hält die vom Meer aufsteigende Feuchtigkeit von dem Tiefland von Ukami ab. An der Küste weht von 9 oder 10 Uhr vormittags angefangen tagsüber der Seewind, nach Sonnenuntergang bringt der Landwind entsetzliche Schwüle. Man bemerkt noch in Sungomero am Vormittag und am Abend die Seebrise. Der über die erhitzte Ebene streichende Wind begegnet im Innern den vom Gebirge herabfließenden kühlern Luftströmungen, weshalb in Kutu mit Ausnahme einiger Wochen im Januar fortwährende Feuchtigkeit herrscht und häufige Niederschläge sich einstellen. An der Küste und nahe landeinwärts tritt zwischen der großen Regenzeit (März bis Mai) und der kleinen (October und November) eine ausgesprochene andauernde Trockenzeit ein. Wird einerseits Kutu durch den Wechsel von Seewind und Bergwind fast unaufhörlich in Dunst gehüllt, dem sehr empfindlichen plötzlichen Austausch zwischen Schwüle und Kälte ausgesetzt und durch die aus faulender Vegetation aufsteigenden Giftgase in eine nie versiegende Brutstätte des Fiebers verwandelt, so genießt Ukami, dank Ukwere und den eigenen Bergen, nicht nur den befruchtenden Segen intermittirenden Regens fast in allen Monaten, sondern auch eine gleichmäßigere, angenehmere Temperatur und besitzt deshalb weit günstigere Gesundheitsverhältnisse als Kutu und der größere Theil von Usaramo.

Um einen ziffermäßigen Vergleich der Temperaturen anzustellen, kann man nur die Aufzeichnungen Burton’s[12] und die Tabellen von O. Kersten in Bezug auf Kutu, Usaramo und Sansibar benutzen; und auch bei Burton genügen allein die Angaben über Sungomero den Anforderungen annähernd erschöpfender Genauigkeit; denn für Usaramo sind es zu wenig Beobachtungstage und die hier gebrauchte Ortsangabe „auf dem Rückmarsch” ist zu allgemein. Thomson[13] hat wol auch eine Reihe von Thermometerablesungen angegeben, aber sie dürften bei dem Mangel der Stunde, ja in den meisten Fällen der Tageszeit überhaupt, nur in ganz beschränkter Weise einige Verwerthung finden.

Mitteltemperaturen für Usaramo und Kutu im Vergleich
mit Sansibar.



Monat.Gegend.Meeres­höhe in Metern.Anzahl der Beobach­tungstage.R.°R.°


V. 6 U.N. 4 U.N. 6 U.Maxi­mumMini­mumDiffe­renz

JanuarSansibar292122,821,423,520,43,1
(Februar)Kondutschi, an der Küste12029,721
JanuarPlateau von Usaramoca. 30–60101931,622,634,618,616
JanuarSungomero in Kutu1532317,929,421,734,618,616
V. 10 U.N. 4 U.N. 6 U.
AugustSansibar2819,420,621,816,65,2
(Juli)Kaole, an der Küste321,421,7
AugustSungomero153718,920,823,6185,6

Temperaturen in der Thalebene und im Gebirge vom Kutu.



Monat.Gegend.Meeres­höhe in Metern.Anzahl der Beobach­tungstage.R.°R.°


V. 6 U.N. 4 U.N. 6 U.Maxi­mumMini­mumDiffe­renz

December (Ende)Mabruki-Paß u. Kirengwe600 u. 2044 18,727,522,4
Jan.(Anf.)Sungomero153 4 1832,722,1
Juli(Anf.)Mabruki-Paß u. Kirengwe600 u. 204 7 15,318,522
Aug.(Anf.)Sungomero153 720,8

Anmerkung. Die Aufzeichnungen Burton’s für das Festland sind nicht genau um 6 Uhr vormittags und 6 Uhr nachmittags gemacht, sondern bei „Sonnenaufgang” und „Sonnenuntergang”. Die Temperaturen auf dem Mabruki-Paß Anfang Juli stammen von J. Thomson, der sie „am Morgen, Mittag und Abend” notirte.

Betrachtet man die Durchschnittstemperatur im Monat Januar für Sansibar und Sungomero, so springt der bedeutende Unterschied in die Augen; in Sansibar steigt und sinkt während des Tages und der Nacht das Thermometer kaum um 2° R., in Sungomero dagegen kühlt sich die starke Mittagshitze rasch in zwei bis drei Stunden um 7,1° R. und während der Nacht noch um 4,2° R. ab. Noch deutlicher zeigen sich die starken Differenzen, wenn man die Schwankungen der Temperatur nicht im Monatsmittel, sondern an einzelnen Tagen, wie bei Burton zu finden ist, beachtet.

Abkühlung.
Von 4 Uhr nachm. bis SonnenuntergangVon Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang
Vom 3. bis 8. Januar:um11° R.um2,4°R.
11,24
85,2
12 4,6
9,13,4
Vom 16. bis 21. Januar:um10,6um5,4
8,58,2
5 5,4
9,76,3
10,76.

Der Abkühlung bis zum Abend folgt eine ungleichartige während der Nacht; niemals ist aber die Abkühlung im Verlauf der ganzen Nacht gleich intensiv wie jene während der kurzen Zeit von 4 Uhr nachmittags bis zu Sonnenuntergang.

Mit einigem Vorbehalt müssen die Temperaturangaben über das Plateau von Usaramo der Betrachtung unterzogen werden. Denn sie erstrecken sich auf einen verhältnißmäßig ungenügenden Zeitraum und wurden in stetem Wandern von dem Innern nach der Küste gemacht. Aber die Temperaturabnahme ist auch hier eine rapide und an einzelnen Tagen eine sehr intensive.

Abkühlung.
Von 4 Uhr nachm. bis SonnenuntergangVon Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang
Vom 21. bis 31. Januarum 3,9°R.um 3,3°R.
5,72,3
4,72,4
8 2,6
7 4,4
11,81,6
10,65
11,64,4
8,84,6

Die Hitze um Mittag steigert sich in Usaramo um ein Merkliches im Verhältniß zur Kutu-Ebene und mildert sich (wenn man drei von den angeführten Tagen nicht in Rechnung zieht) in geringerm Grade, da ja die kalten Luftströmungen vom Gebirge auf weitere Entfernungen nicht so wirksam sein können, als in der nächsten Umgebung. Daß die Differenz zwischen Maximum und Minimum in Kutu und Usaramo gleich hoch ist, dürfte vielleicht dem Einfluß jener drei absonderlich gearteten Tage zugeschrieben werden.

Die Temperaturvergleichung von Sansibar und Sungomero im Monat August erlaubt (bei allem Vorbehalt wegen der geringen Zahl von Beobachtungstagen) den einen Schluß, daß Kutu an der allgemeinen Abnahme der Hitze theilnimmt und daß es nur in Erinnerung an die höhere Januartemperatur bedeutend kühler erscheint als Sansibar.

Nach allen Reiseberichten ist die Luft, sobald man das Gebirge selbst betritt, ungemein erfrischend. Wenn auch die Mittagshitze um 2°–5° sich mindert und in vereinzelten Fällen das Thermometer nachts sogar auf 16° und 15° herabsinkt, so scheint doch die ausschlaggebende Ursache des erhöhten Wohlbefindens die Dunstlosigkeit und Reinheit der Atmosphäre zu sein.

Von Ukami wissen wir nach Stanley nur, daß die Tagestemperatur sich gewöhnlich zwischen 23° und 24° R. hält und daß die Nächte kühl sind.

Wirft man zum Vergleich einen Rückblick auf die klimatischen Verhältnisse des Wami-Gebietes, so ergibt sich, wenigstens für Januar und Februar, ein wesentlicher Unterschied zwischen Useguha und Usagara einerseits und Usaramo und Kutu andererseits. Jene um 2–400 m höher gelegenen Binnenländer besitzen eine viel gleichmäßigere warme Tagestemperatur und infolge dessen eine um die Hälfte verminderte Abkühlung; dagegen übersteigt das Maximum der Mittagshitze am Kingani, am Mgeta und auf dem südlich anstoßenden niedrigen Plateau das Maximum der andern Landschaften um 7° R. Auch die Heftigkeit der Abkühlung von Nachmittag bis Sonnenuntergang in der Thalebene von Sungomero wird nur annähernd von jener am Südfuße des Rubeho-Gebirges erreicht: dort 8°–12°, hier 4°–8° R.

Vegetation und Thierwelt.

Nach der allgemeinen Gestaltung und nach den klimatischen Verhältnissen hat das Gebiet des Kingani drei voneinander getrennte Eigenthümlichkeiten in Bezug auf die Pflanzenbedeckung: der schmale Küstensaum producirt außer Getreide eine große Anzahl tropischer Früchte, er zeichnet sich durch Kokospalmen und Kopalwaldungen aus, in denen das halbfossile Harz in ungeheuerer Menge und von besonderer Güte ausgegraben wird; das Plateauland ist wegen der ausdörrenden Hitze und der Lateriteigenschaft des Bodens mit wenigen Ausnahmen gänzlich unfruchtbar und die Thalsohle des Kingani wegen seiner morastigen Beschaffenheit höchstens für vereinzelte Reisculturen verwerthbar; die Gebirgsgegenden von Ukami und Kutu strotzen von der Fähigkeit, die reichsten Früchte dem Anbau zu gewähren, liefern aber theils wegen der mächtigen Urwälder, theils wegen geringer Bevölkerung und herrschender Fieberluft kaum viel mehr als den Bedarf der täglichen Nahrungsmittel.

Nur in Bezug auf Kutu muß hervorgehoben werden, daß der in Sungomero gebaute Taback sehr gesucht ist und bis an die Küste verschickt wird und daß in seinen Waldungen Schätze von Kautschuk verborgen liegen.

Charakteristisch für das ganze Gebiet ist das Nichtvorhandensein von Rinderheerden; entweder gedeiht kein Futtergras, sondern nur das harte, hohe schilfartige, mit Giftpflanzen in ungeheuerer Menge untermischte, oder die Tsetsefliege vernichtet mit ihrem tödlichen Stich jede aufwachsende Zucht.

Man findet, je nach der Beschaffenheit der Bezirke, Felder von Reis, Zuckerrohr, Taback (besonders in Kutu), den Stechapfel (Datura stramonium), Reis, Hirse, Sesam, Erdnüsse, Bohnen, süße Kartoffeln, selbst Ananas und Orangen (doch nur an der Küste); wild wächst der Bang (Hanf), die Baumwoll- und die Ricinusstaude. An Bäumen wird sorgsam gepflegt die Kokospalme, der Mango- und der Melonenbaum. Mit der Einführung der Oelpalme wurde bei Dar-es-Salaam ein halbgelungener Versuch gemacht. Die Wälder bestehen in der Küstenniederung besonders aus Mangrove- und Kopalbäumen, im Gebirge aus Fächerpalmen, Wollbäumen, Mimosen, Tamarinden und gummireichem Schlinggewächs.

Erprobte Culturfähigkeit des Bodens zeigt sich an der Küste, an ein paar Stellen des Plateaurandes längs des Kingani und in den Thälern des Gebirges.

Wild ist selbst in den weiten Savannen Usaramos wenig vorhanden. Wer vom Jagdglück begünstigt ist, kann bei Kidunda am Kingani und am obern Gerengere hie und da Heerden von Antilopen, Zebra und Büffeln antreffen. Auch dem Leoparden kann man begegnen, höchst selten dem Löwen. Desto massenhafter erscheint im Kingani das Flußpferd und das Krokodil, und im Ufergestrüpp eine Menge von Schlangen, doch von ungefährlicher Natur.

Außer den gefürchteten riesigen Ameisenzügen ist die Hauptplage des Landes die Tsetsefliege; sie herrscht verderbenbringend namentlich in Ukami (aber nicht in Mrogoro); sie verschont nur die Menschen, Ziegen und säugenden Kälber.

Als Hausthier trifft man überall Ziegen und Hühner; Schafe jedoch in geringerer Anzahl.

Die einzelnen Landschaften und ihre Bevölkerung.

Usaramo.

Usaramo grenzt im Osten an das Meer, im Süden an die Thalebene des Rufidschi, im Nordwesten an den Kingani. Die Westgrenze gegen Kutu läßt sich im allgemeinen durch eine Linie bezeichnen, welche von Kidunda aus in südsüdöstlicher Richtung gegen den Rufidschi gezogen wird.

Die Küste, auch hier Mrima genannt, besteht aus dem weißesten und feinsten Sand, den Trümmern von Korallenbänken, zusammengehalten durch eine Art von kriechenden Winden mit fleischigen Blättern und lilafarbigen Blüten. Zahlreiche Buchten schneiden in das Festland ein; hinter den mit wilder Vegetation üppig bewachsenen Sandbänken ziehen sich Lagunen hin, deren Ufer mit dichtem Mangrovegebüsch umsäumt sind. Wo der Boden aus dem Flutgebiet der See emporsteigt, ragt ein Wall von Kokos- und Delebpalmen, Melonen- und Wollbäumen auf.

Bagamoyo liegt 8 km südlich der Kingani-Mündung. Es besitzt keinen Hafen, sondern nur eine Rhede, 3–4 km seewärts. Bei ruhigem Wetter erfolgt die Landung mit Schiffsbooten ohne Schwierigkeit, bei Seewind ist sie unmöglich, und bei Ebbe müssen die letzten 100 m durchwatet werden. Bei Sturm bieten die nördlichen und südlichen Sandbänke einigen Schutz.

Bagamoyo ist der wichtigste Handelsplatz an der deutsch-ostafrikanischen Küste; hier münden die begangensten Karavanenstraßen aus dem Innern; vor dem Aufstand 1888 kamen in der günstigen Jahreszeit oft 8–10000 Träger wöchentlich an. Für sie ist die Stadt das ersehnte Eldorado, in dem es Nahrungsmittel, Pombe und Weiber in Hülle und Fülle gibt und wo wochen-, ja monatelang Rast gehalten wird. Häuser von Korallengestein und Fachwerk, die Wohnsitze der Araber und der indischen Krämer, bilden einige enge, übelriechende, unregelmäßige Straßen, die dem Strande parallel laufen; diese umschließt im Südwesten das Negerviertel mit seinen Hunderten von Strohhütten. Zu den größten Gebäuden zählen: eine Moschee, ein Hindutempel, das Stations- oder Usagarahaus der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (früher für den Wali bestimmt), 150 m vom Strande entfernt, und das Ratu-Haus (Lagerhaus für die Karavanen). Während der Belagerung Bagamoyos durch Buschiri wurden sämmtliche Negerhütten und ein großer Theil der Gebäude aus Fachwerk zerstört oder verbrannt. Der ganze Ort liegt wie in einem Hain von Kokospalmen und Mangobäumen. Die ständige Einwohnerzahl wurde auf 15000 geschätzt.

In der nächsten Umgebung befinden sich die Schambas der reichen Araber mit den Pflanzungen von Kokospalmen, Bananen, Mangobäumen, Baumwollstauden, Zuckerrohr, Getreide, Hülsenfrüchten und Ananas. Nordwestlich, nicht ganz 1 km entfernt, liegt die wegen ihrer wirkungsvollen Thätigkeit und außerordentlichen Gastlichkeit berühmte französische Missionsstation „de la congrégation du Saint-Esprit et du Saint-Cœur de Marie”. Sie besitzt außer einer hübschen steinernen Kirche ein schloßähnliches Gebäude, massivgebaute Wohnhäuser für die Ordensschwestern und für die Zöglinge, eine Schreiner- und Schlosserwerkstätte sowie Viehstallungen. Was der Boden von Bagamoyo, wenn emsig gepflegt, an Naturproducten in reichster Fülle hervorzubringen vermag, das beweisen die Gärten, Felder und Haine der Mission. Auch wird behauptet, daß durch die Anpflanzung Tausender von Kokospalmen die Missionare die Gesundheitsverhältnisse ihrer Station bedeutend verbessert hätten.

Zwei bis zwei und eine halbe Stunde von der Stadt landeinwärts betritt der Fuß des Reisenden unberührte Wildniß; in der Richtung der Kingani-Fähre: zuerst sumpfige Stellen, lichtes Gehölz in der Savanne; dann in der Thalebene dichtes Dschungel und Wald, zuletzt tiefen Morast. Oder das rechte Ufer aufwärts: Savanne mit Busch und zwischen flachen Bodenanschwellungen sumpfige Mulden.

Der Küste entlang südlich von Bagamoyo bis Dar-es-Salaam setzt sich die Fülle tropischer Vegetation fort.

In dem nahen Kaule (Kaole) nahmen bis zu Anfang der sechziger Jahre die Karavanen ihren Ausgang; das Landen bei Ebbe ist hier noch schwieriger als bei Bagamoyo, man muß 800 m entfernt aus den Booten steigen, um durch Waten trockenen Grund zu gewinnen.

Kondutschi, ein reizend gelegener Ort, in dem auch Viehzucht getrieben wird, ist Ausfuhrplatz für Getreide und Kopal und ein berüchtigter Schlupfwinkel der Sklavenhändler.

Dar-es-Salaam. Die Rhede bietet bei Südwestmonsun gute und geschützte Ankerplätze, nicht aber bei Nordostmonsun; in letzterm Falle ankern die Schiffe in der nahen, nördlich und günstig gelegenen Bai von Msasani. Dar-es-Salaam besitzt einen geräumigen und vollkommen sichern Hafen; die Einfahrt durch die gewundene und enge Gasse von Korallenriffen ist schwierig, namentlich für Segelschiffe. Dampfer mit 6 m Tiefgang können nur bei Hochwasser durchkommen, diejenigen von geringerm Tiefgang bei jedem Wasserstand. Die Stadt liegt an der Mündung des Msinga; er bleibt bis über 6 km landeinwärts schiffbar für Boote von 3–3½ m Tiefgang.

Said Madschid, ein Vorgänger von Said Bargasch, Sultan von Sansibar, hatte beabsichtigt, durch Hafenanlagen und durch den Bau von geraden und breiten Straßen die Stadt mit ihrer entzückenden, fruchtbaren, schönbewaldeten Umgebung zu einem behaglichen Wohnsitz und zu einem Haupthandelsplatz zu erheben. Sein Werk wurde nicht fortgesetzt. Was an steinernen Häusern nicht vollendet wurde, verfiel in Trümmer. Doch machen noch jetzt die Reihen massiver Gebäude längs des Hafens, die breiten, steinernen Treppen, die zum sandigen Quai hinabführen, und die sorglich eingefaßten Quellen mit frischem Trinkwasser den Eindruck civilisatorischer Thätigkeit. Gegenwärtig ist die deutsche evangelische Mission am Werk, ein stattliches Gebäude aufzuführen.

Da Dar-es-Salaam als Hinterland das unfruchtbare Usaramo und die noch nicht exportfähigen Gebirgsländer Kutu und Ukami besitzt und von der bedeutendsten Karavanenstraße nach dem Innern, nämlich der durch Ukwere und Useguha führenden, zu entfernt liegt, so wird für die nächste Zukunft seine Anziehungskraft nur eine local beschränkte, hauptsächlich für den Kopalhandel an der Mrima wirksame sein.

Die Ebene steigt von der Stadt mäßig in zwei, von Korallenfelsen gebildeten und mit rothem Sandstein und Thon überdeckten Stufen an. Die Höhe der ersten beträgt 6 m, die der zweiten 15–18 m.

Südlich von Dar-es-Salaam bis zum Mkunde erstreckt sich eine 50 km lange wellige, stellenweise morastige Savanne mit Waldgebüsch, die am Strand von Mboamadschi bis Kimbidschi in Mangrovesümpfe übergeht und in dem ausgedehnten Schlammgebiet von Iegea endet. Am Mbesi tritt eine Unterbrechung ein durch gut cultivirten Alluvialboden; der Fluß kommt aus der sehr fruchtbaren, besonders mit Reis bebauten Ebene von Liwali. Zwischen dem Mkunde und Mgasi liefert „der Garten von Kwale”, durch regelmäßige leichte Regenschauer befruchtet, die ausgiebigsten Ernten von Mais, Hirse, Reis, von Kokosnüssen und Mangofrüchten. Die übrigen Küsten- und Handelsplätze liegen in sumpfigen Mangrovegebüschen, in Brutstätten des Fiebers. Die Bewohner der Mrima gewinnen aus den großen Waldungen von Kopalbäumen, die den Ostrand des Plateaus von Mangatani bis zu den jenseit des Rufidschi gelegenen Matumbi-Bergen umsäumen, sehr bedeutende Quantitäten von halbfossilem Kopal, dem wesentlichsten Handelsartikel an den Küstenplätzen Kisiju, Kitmangao und Kivinja. Die Bevölkerung zieht dorfweise und wohlbewaffnet in die Wälder und gräbt aus Löchern von 1½ m Tiefe das werthvolle Product aus. Das Harz der Kopalbäume wird nur zur Gewichtsvermehrung des reinen Fossils benutzt. Der Export von Kopal aus Kwale und Delgado betrug 1867/68 an 40000 Dollar Werth. Der feinste wird im District Kirgesi (nördlich vom Mkunde) gefunden.

Von Kisiju bis Sandasi, welch letzteres von einem Hain riesiger Kopalbäume überschattet wird, nimmt die Gegend den steppenartigen Charakter des nördlichen Landstrichs an.

Das Plateau von Usaramo ist ein einförmig gewelltes Land; der quarzhaltige, rothbraune Sandboden, mit dünner schwarzer Humusschicht überzogen, ist im Wechsel bedeckt mit 2–3 m hohem, hartem Gras, mit lichtem Gehölz und stacheligen Dschungeln; aus morastigen Einsenkungen strömt die verfaulende Vegetation verpestende Dünste aus. Während der Regenzeit fast vollständig überschwemmt, versengt die glühende Sonne in der Trockenheit alles blühende Leben. Das ist der Typus der Landschaft sowol an der Karavanenstraße von Bagamoyo bis Makutaniro am Kingani als auch auf dem Wege durch die Mitte von Dar-es-Salaam bis westlich von Msangapwani. Das „Thal des Todes und des Hungers” wird der hohe Uferrand des Kingani von Muhonjera bis gegen Usungula und „Malaria-Ebene” die ihn begleitende Flußniederung genannt. Das zum Trinken gebotene Wasser ist entweder schmutzig und gesundheitsschädlich, oder es fehlt ganz, wie westlich von Mkamba in dem höhern Theil des Plateaus.

Wo sich aber der Mensch an die Ausrodung der Wälder gemacht oder wo engbeschränkte günstige Bodenverhältnisse es gestatten, da hat die Productionskraft der geringen Humusschicht genügt, um mit guten Ernten von Getreide, Taback und besonders von Reis den angewendeten Fleiß zu belohnen. So am Kingani. Man könnte in Dunda (der ehemaligen deutschen Station), wenn es auch wegen der umliegenden fiebererzeugenden Sümpfe und der schweren, ungünstig zusammengesetzten Erde nicht sehr empfehlenswerth ist, doch mit einigem Erfolg Reis im Thale und vielleicht Baumwolle und Taback auf der Höhe bauen; ebenso in Madimola (deutsche Station), obwol dessen Boden bei der Analyse ein noch weniger befriedigendes Resultat als jener von Dunda ergeben hat.

Kiranga-Ranga ernährt eine große Anzahl von Eingeborenen durch den reichlichen Ertrag seiner Felder.

Usungula (deutsche Station) besitzt nach K. W. Schmidt Boden von erster Qualität (49,1% Sand, 50% thonhaltigen Staub, reich an Phosphorsäure, geringer an Humus); aber es bedarf einer ergiebigen künstlichen Bewässerung.

Bis Usungula reicht die Existenzfähigkeit der Dumpalme; weiter nach dem Innern wird die Mimose der charakteristische Baum. Von Degela-Mora behauptet Speke, es wäre der reichste Bezirk in Usaramo und an Ergiebigkeit der Ernten mit Indien zu vergleichen.

Westlich von Dar-es-Salaam, 20 km entfernt, befindet sich das hübsch auf einer sanften Erhebung gelegene Pugu, wo eine Station der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft und ihr gegenüber auf steil abfallender Höhe eine Niederlassung der bairischen katholischen Benedictiner-Mission errichtet worden waren. Man hat den Versuch gemacht, in dieser freundlichen Gegend Taback zu pflanzen.

Auch inmitten der öden monotonen Hochfläche (südwestlich von Liwali) wird der Reisende von einer üppigen Landschaft überrascht: es ist Mkamba mit gutbewaldeten Höhen, mit Mango-, Melonen- und Orangenbäumen, mit Korn, Gemüse- und Reisfeldern.

Kopal wird, wenn auch nicht in der Masse wie an der Mrima, doch immerhin die Arbeit lohnend bei Tumba, Makutaniro und westlich von Mkamba ausgegraben.

Bevölkerung.

Die Bewohner der Mrima vom Kingani bis zum Rufidschi sind aus denselben Elementen zusammengesetzt, wie diejenigen an der Küste von Useguha (siehe S. [140]): aus den Wamrima und Suaheli. Die Dorfhäuptlinge der Wamrima heißen „Jumbe”; sie sind es, welche die aus dem Innern kommenden Karavanen mittels Tributforderungen und Ueberfahrtszöllen, so namentlich an der großen Fähre über den Kingani bei Bagamoyo, auf das Unverschämteste ausgebeutet haben und eine Veränderung der politischen Verhältnisse als ihren persönlichen Nachtheil betrachteten. Die Wamrima im Bezirk Kwale (südlich von Dar-es-Salaam) vom Mbesi bis Mangatani standen, als sie Elton 1874 besuchte, unter einem einheitlichen Herrscher, Kimwere; die Jumbe hatten als Rathgeber einen „Jemader” zur Seite. Bedurfte der Jumbe erhöhtes Einkommen oder verlockten ihn die von den Indern in Aussicht gestellten Verkaufspreise, so befahl er seinen Unterthanen in die Wälder zu ziehen und Kopal zu graben. Niemals duldete er, daß die Inder selbst oder die Dorfbewohner aus eigenem Antrieb die Kopalreichthümer sich verschafften. Er besaß das ausschließliche Monopol der Kopalgräberei und strich für seine Person einen beträchtlichen Antheil am Gewinn ein. Beim Export mußte noch ein 20% betragender Zoll an den Sultan entrichtet werden. So blieb den Arbeitern, d. h. den gewöhnlichen Dorfbewohnern, selbst nur ein mäßiger Lohn.

In Bagamoyo und Dar-es-Salaam sind als gebietender Theil die Araber von Sansibar ansässig; zu ihnen gesellen sich als Händler, Unterhändler und Zollbedienstete die Inder; an den Küstenplätzen südlich von Dar-es-Salaam liegt in den Händen der letztern fast ausschließlich der ganze Handel mit dem Binnenland und Sansibar.

Die Wasaramo am Kingani waren zu Burton’s Zeiten der Schrecken der Karavanen; wurden ihre Forderungen nicht vollauf befriedigt, so erklärten sie sofort den Krieg; zuweilen überfielen sie auch die Reisenden plötzlich und hinterlistig. Das dürfte sich nach den Berichten aus neuerer Zeit wesentlich verändert haben; der friedfertige Charakter der Eingeborenen in der Mitte des Plateaus, in Mkamba und Kikonga, wie Thomson ihn schildert, scheint auch bei dieser Bevölkerung, mindestens bei jener am untern Kingani, die Oberhand gewonnen zu haben. Uebrigens ist ihnen stolzes Selbstvertrauen auf eigene körperliche Kraft und geistige Findigkeit in höherm Grade verblieben als den benachbarten Wakutu.

Die Wasaramo sind gut gebaut, dunkelbraun bis tiefschwarz, von ausgeprägtem Negertypus. Sie tragen Baumwollzeuge um die Lenden, die Reichern weiße Hemden und Fes, die Frauen ein Busentuch, Perlhalsbänder und um die Handgelenke Messingspangen. Man sieht bei ihnen häufig einen eigenthümlichen Halsschmuck (Mgoweko), eine Art von Cravatte von rothen, gelben, weißen und schwarzen Perlen, mit Holzstücken dazwischen. Das Haar wird mit rother Erde steif pomadisirt. Sie kennen weder Beschneidung noch Tätowirung. Ihre Hauptbewaffnung bestand früher aus Speeren und vergifteten Pfeilen; jetzt trifft man auch bei ihnen Feuergewehre, wenn auch in geringer Menge an. Daß sie von jeher einen höhern Grad von Cultur erreichten, beweisen die Wohnungen der Häuptlinge und Wohlhabenden: sie sind aus Lehm, viereckig, mit zweiseitigem Strohdach und einer Veranda, im Innern in Zimmer abgetheilt.

Die Wasaramo betreiben Ackerbau und Kopalgräberei; ja sie verdingen sich nicht nur als Träger, sondern auch zur Arbeit an die Küste. Eine Anzahl von mehrern, aus 5–6 Hütten bestehenden Ansiedelungen steht unter einem Häuptling, dem „Fasi”, dem ein erster Rathgeber, Mwene Goha, beigegeben ist. Eine weiter ausgebildete politische Organisation existirt nicht.

1857 haben sich flüchtende Wadoë bei Makutaniro und Degela-Mora am obern Kingani niedergelassen; ob sie sich erhalten oder ganz verschmolzen, ist nirgend erwähnt. Ebenso wenig wissen wir von den Makamba und Wafangara, die Burton als Unterabtheilungen der Wasaramo bezeichnet, die aber in keinem andern Reisebericht wieder auftauchen.

Ukami.

Die Heimat der Wakami grenzt im Norden und Nordwesten längs des Gerengere an Useguha und Ukwere, im Südosten, dem Mgeta entlang, an Usaramo; der unbewohnte höchstgelegene Theil des Uruguru-Gebirges trennt im Süden von Kutu ab, wie im Westen die Kigambwe-, Kihindo- und Mguruwandege-Gebirge von Usagara.

Schönheit der Gegend, Reichthum der Vegetation und Cultivation des Bodens culminiren in den zwei Parallelthälern des obern Gerengere bei Simbamweni und Mohale. Von Süden und Westen überragen die malerischen Häupter des Uruguru- und Kigambwe-Gebirges die sanft nach Norden verlaufenden Höhenzüge; die schönbewaldeten Abhänge sind bis in die Höhe von 1000 m mit kleinen Dorfschaften übersäet und senden frisch und klar rieselnde Bäche in die Tiefe hinab; die Thalsohle schmücken blumenreiche, Honig liefernde Wiesen, ein seltener Anblick in Ostafrika, und auf den Feldern gedeihen außer Korn, Mais und Bohnen das Zuckerrohr und die Banane. Das Klima gilt im allgemeinen als gesund. Zwei Feinde bedrohen dies Eden: Ueberschwemmungen, die nicht regelmäßig, aber doch häufig mit verheerender Gewalt eintreten, und die Tsetsefliege, welche das Aufblühen einer ersprießlichen Rindviehzucht verhindert. Doch der Ruf des Wohlstandes dieser Gegend war von jeher ein so mächtiger Reiz gewesen, daß ungefähr vor vierzig oder funfzig Jahren ein Stamm der Waseguha von Magubika (westlich von Saadani) unter Führung des Häuptlings Kisabengo aufbrach und nach hartem Kampfe und mit Unterstützung des Sultans Said Soliman von Sansibar sich zum Herrn des Landes machte. Kisabengo legte seine Residenz am Ufer des Mrogoro an, umgab die Wohnhäuser seiner Familie, seiner Rathgeber und vornehmsten Unterthanen mit einer 4 m hohen steinernen Mauer, die mit Thürmen an den Ecken und mit Thoren an den Seiten, durch kunstvoll geschnitzte Thüren verschlossen, sichern Schutz gewährte. Um diese burgartige Wohnstätte des Fürsten siedelten sich an tausend Hütten der Eingeborenen an; eine niedrige Lehmmauer begrenzte und schützte auch sie. Als Kisabengo starb (wahrscheinlich 1867), hinterließ er drei Kinder. Das älteste von ihnen, seine Tochter Simbamweni (d. i. die Löwen-Fürstin), übernahm die Herrschaft und nach ihr ist der Hauptort von Ukami benannt. Ihr ältester Bruder, Kingo Mkuba, ließ sich in Usagara nieder; der jüngere, Kingo Mdogo, verblieb am Mrogoro. Simbamweni, verheirathet mit Mwane Gomera, trennte sich von ihrem Mann und verlegte ihren Wohnsitz nach dem benachbarten, am Tongeni gelegenen Mohale (zuweilen Kunguhera oder Kingruira genannt), sodaß gegenwärtig der Ort Simbamweni oder Mrogoro die Residenz von Kingo Mdogo geworden ist. Nahe auf einem Hügel wurde die französische Missionsstation Mrogoro gegründet.

Von Mrogoro geht die Karavanenstraße durch lichtes Gehölz über den Gerengere und über die hügelige Einsattelung der Kihindo-Berge nach der Makata-Ebene in Usagara.

Um in östlicher Richtung von Mohale nach Musondi am mittlern Gerengere zu gelangen, hat man vor Kiroka einen dichtbewaldeten, steilzerklüfteten Engpaß zu überschreiten, dessen Untergrund aus Quarz und glattem Sandstein besteht. Bei Kongasa befindet man sich mitten in der Gebirgswelt des hohen Uruguru; auf dem schwarzschlammigen Thalboden wird Reis in großer Menge, an den Abhängen Hirse und Korn gebaut. Von dem mächtigen Kungwe- (oder Kira-)Berge senkt sich das Gelände allmählich zum Gerengere hinab als stark gewelltes, schwierig gangbares Hügelland, das zuerst als dürrer Granitboden von Akaziengehölz bekleidet wird und von 12–15 m tiefen Schluchten durchzogen ist, später von einem 12 km breiten Wald von Wollbäumen, Tamarinden und Mimosen überdeckt ist und zuletzt in einer sumpfigen Strecke endet.

Das Gebirge tritt längs des Gerengere bis zur Mündung des Longwe hart an dessen Ufer heran; zwischen diesem und dem Mgeta liegt eine gegen 20 km breite unbewohnte Savannen-Ebene.

Bevölkerung.

Um die Wakami als einen ursprünglichen Stamm aufzufassen oder sie den Waseguha oder Wasagara als Unterabtheilung einzuverleiben, geben die bisherigen ethnographischen Berichte keine genügenden Anhaltspunkte. Man kann nur annehmen, daß sie, verborgen in einem ziemlich hohen Gebirgsland, vom Völkerverkehr getrennt im Norden durch steinige Steppenwildniß, im Süden durch ungangbare Bergeshöhen, sich jedenfalls einen concentrirten Stammescharakter allmählich hätten erwerben müssen, wenn sie nicht durch den massenhaften Andrang von Karavanen und durch fortwährende Sklavenjagden in ihrer eigenartigen Entwickelung gestört worden wären. Was man von ihnen weiß, beschränkt sich darauf, daß sie scheu, gutartig und sehr fleißige Ackerbauer sind, daß ihre meist aus 15–20 Hütten bestehenden Dörfer im Waldgestrüpp versteckt und außerdem durch befestigte Thore geschützt liegen; daß ihre ärmlichen, von Ungeziefer wimmelnden runden Hütten aus Flechtwerk und Erde gemacht sind und sich einer Veranda als einziger Annehmlichkeit erfreuen. Einen Vortheil würden sie, wenigstens den umwohnenden Stämmen gegenüber, dadurch besitzen, daß sie ein einheitliches Stammesoberhaupt in der Person der Fürstin Simbamweni haben. Allein diese Landesmutter scheint sich weniger um die Wohlfahrt ihrer Unterthanen zu bekümmern, als um die Vermehrung ihres eigenen Reichthums, ihres arabischen Prunkes und um die Erhaltung der ihr so nothwendigen Gunst des Sultans von Sansibar. Sie hat ihre Macht jenseit der Kihindo-Berge und über die Makata-Ebene hinaus bis nach Rudewa und Farhani in Usagara ausgedehnt.

Kutu.

Die Grenzen von Kutu ergeben sich im Norden und Westen durch das Uruguru- und Rufutu-Gebirge, im Süden größtentheils durch die Wasserscheide des Mgeta und Ruaha-Rufidschi; im Osten aber kann sie nur willkürlich durch eine Linie angenommen werden, die von Kidunda südlich nach dem Plateaurücken gezogen wird. Mgunda sowol, wie Behobeho, müssen trotz ihrer Lage am Südabhang der Wasserscheide wegen der ansässigen Wakutu zur Landschaft Kutu gerechnet werden.

Der bewohnte und bisjetzt allein bekannte Theil von Kutu erscheint als ein nach Osten geöffneter Bergkessel. In ihn führen hinein die Karavanenstraßen vom Kingani-Mgeta über Dutumi, vom Rufidschi über Behobeho, vom Makata-Hochthal über die Pässe Mabruki und Goma und vom Ruaha durch das Thal des Msendasi über Mgunda.

Dutumi ist einer der fruchtbarsten Bezirke Kutus. In der Ebene von schwarzer, mit Sand gemischter Erde, welche die wildgezackten Kämme des Uruguru- (hier Mkambaka genannten) Gebirges nördlich umkränzen, werden auf den Feldern der ausgerodeten Waldungen Maniok, Bataten, Gurken, Sesam, Zuckerrohr und Bananen gebaut und Schafe, Ziegen und Hühner in großer Menge gezüchtet.

Im weitern Umkreis ist Dutumi von uncultivirbaren Strecken eingeschlossen. Folgt man dem nach dem Ort benannten Bach bis zur Mündung in den Mgeta bei Kiriru, so trifft man zuerst auf den Jegea-Sumpf, der in der Höhe der Regenzeit nicht zu durchwaten ist, sondern südlich umgangen werden muß; dann auf dornige Savannen und vereinzelte Waldpartien von Wollbäumen und Akazien und zuletzt auf einen schwarzschlammigen Boden mit Büscheln von hohem und hartem Gras. Zwischen dem durch Reisbau ausgezeichneten Kiriru und Kidunda wechselt ein durch Mimosen und Gummibäume geschmücktes parkähnliches, ziemlich wildreiches Land mit dichtem Dschungelgebüsch ab. Einen ähnlich niederschlagenden Eindruck macht die Landschaft westlich von Dutumi bis nach Sungomero. Hier erreicht das ohnehin lästige Savannengras die enorme Höhe von 4 m, die endlosen Wälder sind netzartig von Lianen durchzogen und fiebererzeugende Miasmen steigen auf aus den düstern, engen und schlüpfrigen Pfaden.

Freundlicher erscheint der Zugang ins Innere von Kutu von Behobeho aus. Der Ort selbst liegt mitten in einem ausgerodeten Urwald von Fächerpalmen, Wollbäumen, Akazien, riesigen Epheuranken und Farrnbäumen, in dem eine ungeheuere Menge von Pavianen haust; ein krystallhelles Wasser in sandigem Bett durchschneidet die kornreichen Gefilde. Westlich von Behobeho und jenseit eines niedrigen Höhenzuges eröffnet sich ein liebliches Thal mit Hainen oder breitern Lichtungen in den geschlossenen Waldungen und mündet in den Mgeta.

Die heißen Quellen von Madschijaweta entspringen auf der nördlichen Abdachung der Mgeta-Ruaha-Wasserscheide, am Fuße eines aus Granit gebildeten Höhenrückens; sie besitzen eine Temperatur von 52°–58° R. Das aufquellende, stark strömende Wasser formt durch Sinterabsonderung hohe Kegel. Reicht der unterirdische Druck nicht mehr hin, um die höher und höher werdenden Kegel zu überströmen, so bricht die Quelle an anderer Stelle durch die schuppigen Schichten von Kalktuff hervor. Thätige Kegel sind weich, außen grau, inwendig weiß. Die Sinterbildungen haben hellgelbe, rosarothe und rothbraune Färbungen. Das über Terrassen abfließende Wasser sammelt sich in einem Weiher von 60 m im Umfang, dessen Ränder brüchig sind und dessen aufsteigende Dämpfe eine unerträgliche Hitze verbreiten. Das Wasser der Quelle selbst ist klar, wohlschmeckend, wohlriechend und enthält sehr viel Kohlensäure. Es wirkt heilsam auf den menschlichen Organismus, namentlich soll es die hochgradigsten Verdauungsstörungen heben.

Steigt man über den Mabruki-Paß durch dorniges Gebüsch und auf abschüssigem, rothem Pfade abwärts, so erquickt das Auge der kornreiche Bezirk von Usiraha oder Mbwigwa und das von wilder Vegetation erfüllte, 48 km lange und 10–12 km breite Thal des Msendasi. Hier, in nächster Nähe der Quellen des Msegwe liegt Mgunda, so benannt nach einem Häuptling der Waniamwesi, der auf dem Marsch aus dem Innern dauernd sich hier niedergelassen und die ehemalige Bedeutung Sungomeros als Rastplatz der Karavanen auf diesen Ort übertragen hat.

Ueber einen Paß von niedrigen Hügeln kommt man von Mgunda den Msegwe entlang durch ein malerisch prächtiges Thal, in welches der Vilansi zwischen hohen, sumpfigen und wildbewachsenen Ufern mündet. Von hier aus schlingt sich der Pfad seitab von dem rechten Ufer des Msegwe durch ein zerschnittenes, mit Farrnkräutern und Sträuchern anmuthig bewachsenes Terrain, in dem verwitternder Basalt zu Tage tritt, nach den freundlichen Gefilden von Kiregwe.

Anders der Abstieg vom Rufutu-Gebirge über den Goma-Paß nach Sungomero. Kiahenge, ein Conglomerat elender Hütten, der erste bewohnte Ort, liegt am Fuße der Berge an der Vereinigung des Rufutu-Baches mit dem Mgeta. Einzelne Tamarinden stehen auf dem spärlichen, von Wasserrinnen zerrissenen Boden; erfrischend wirkt die klare, fieberfreie Luft und der weite Umblick auf die umliegenden Berge. Einen ähnlichen Anblick gewährt Msisi Mdogo (240 m), dessen Boden mit rothen, gelben und weißen Quarztrümmern übersäet ist. Der Weg zwischen beiden Plätzen führt über steile, rothbraune Hügel zwischen Gebüsch von Aloën und Euphorbien und Waldpartien von Kalebassen und Mimosen hindurch.

In der Ebene von Sungomero sammeln sich die Gewässer der nah umschließenden Hügel und Berge; sie finden bei der geringen Höhenlage von 153 m über dem Meere nur einen träg schleichenden Abfluß. Die fortwährenden, kaum während ein paar Wochen im Jahre aussetzenden Regenschauer, im Verein mit einer drückenden Mittagshitze und mit starken Thaufällen am Morgen vermehren die Feuchtigkeit der verdunstenden Bäche und Flüsse. Was gebaut wird an Korn, Taback und Kokospalmen, was wild wächst an Bang (rauchbarer Hanf) und an massenhaft vorkommenden Stechäpfeln, gedeiht in der üppigsten Fülle. Die Gegend lieferte früher den zahlreichen Karavanen eine unerschöpfliche Menge von Lebensmitteln, Fleisch ausgenommen; denn für Rindvieh ist kein geeignetes Gras und Weideland vorhanden. Die allmähliche Verringerung der Bevölkerung und der Feldarbeiter, vor allem die stets herrschende Fieberluft hat in dem letzten Jahrzehnt die Karavanen aus Sungomero nach dem ebenso fruchtbaren und dabei gesündern Mgunda gedrängt. Nach Thomson ist sogar der Name Sungomero verschollen und man kennt die Gegend nur noch unter der Bezeichnung Kisaki.

Bevölkerung.

Die Wakutu sind eine durch Klima und besonders durch Sklavenjagden gänzlich degenerirte Rasse. Schwächlich von Körperbau, elend genährt durch Mehlbrei unter Zusatz von Sesam- und Ricinusöl und durch moderige Fische aus stagnirenden Gewässern, dürftig mit einem Schurz aus Kalebassenfasern, in seltenen Fällen mit einem Stück Baumwollzeug oder Ziegenfell bekleidet, bewohnen sie niedrige, schmutzige Hütten. Entlaufene Sklaven und Sträflinge und heruntergekommene Freie aus der Küstengegend trieben zu Burton’s Zeiten ihr räuberisches Unwesen unter ihnen; der Sultan von Sansibar, zur Hülfe gegen diese angerufen, vermochte die fast vollständige Ausrottung nicht zu verhindern. Die Zuvorkommenheit der Wakutu gegen Fremde, ihre Bereitwilligkeit, Karavanen abgabenfrei durch das Land ziehen zu lassen, beruht auf ihrer Hauptcharaktereigenschaft, der Verzagtheit. Selbst als Träger sind sie kaum zu verwenden, denn die Furcht vor der Fremde macht sie, wo sich Gelegenheit findet, sofort zu Ausreißern.

Schlußbetrachtung.

Vom Gesichtspunkt der Besiedelung durch europäische Unternehmungen sind die Verhältnisse an der Mrima, am Kingani und im Gebirgsland wesentlich voneinander verschieden.

Die Mrima eignet sich in Bezug auf Klima und Boden unfraglich zur Anlage von Plantagen an folgenden Plätzen: bei Bagamoyo und Dar-es-Salaam; in der Thalebene des Mbesi bis Liwali und in dem „Garten von Kwale”. Die französische Mission bei Bagamoyo hat den Beweis geliefert, daß mit Sorgfalt und Ausdauer befriedigende Ernten werthvoller tropischer Producte erzielt werden können. Auch die blühenden Schambas der Araber überzeugen von dem gewinnreichen Erfolg cultureller Arbeit. Den Hauptertrag liefern die Kokospalmenpflanzungen. Die Mrima fällt freilich in die Zone der Souveränetät des Sultans von Sansibar; die daraus entspringenden Schwierigkeiten werden aber ein wirkliches Hinderniß dann nicht mehr bilden, sobald einmal die zugestandene deutsche Verwaltung hier effectiv geworden. Die größte Schwierigkeit dürfte darin zu suchen sein, daß herrenloses oder unberührtes Land hier selten oder in zu geringem Umfang existirt und daß der Kaufpreis rentabeln Bodens ein zu hoher ist, um die kostspielige Cultur durch deutsche Pflanzer zinstragend zu machen. Quantität und Qualität der Arbeiter wäre in genügendem Grad vorhanden, die Nähe des Meeres von besonderm Vortheil. An einzelnen Stellen würde man gewiß mit der feindseligen oder misgünstigen Haltung der Eingeborenen zu kämpfen haben; denn sie würden durch die Einwanderung vielmehr eine Störung ihres altherkömmlichen Thun und Treibens befürchten und sich dagegen wehren, als daß sie bei den ohnehin ziemlich geordneten Verhältnissen die Weißen als die sonst wirksamsten Beschützer von Person und Eigenthum begrüßten. Man müßte mit Vorsicht ans Werk gehen, jedenfalls anfangs der Versuchung widerstehen, den ergiebigen Kopalhandel den Händen der habgierigen Häuptlinge und Inder zu entziehen. Bei dem Mangel umfassender, diesen Punkt besonders berührender Berichte kann nicht mehr zu Gunsten oder Ungunsten der Colonisirung der Mrima gesagt werden.

Das rechte Kingani-Ufer verspricht nach den gemachten Erfahrungen und nach den Bodenuntersuchungen von Dr. K. W. Schmidt für die nächsten Jahre keine nennenswerthe Ausbeute, wobei jedoch nicht ausgeschlossen sein soll, daß umfangreiche Reisculturen in der Thalebene möglich sind und daß durch Ausrodung von Waldungen auf dem Plateaurand ziemlich ertragsfähige Felder in späterer Zeit gewonnen werden können. Dagegen berechtigt die außerordentliche Fruchtbarkeit der Umgebung von Usungula zu der Annahme, daß hier die Plantagenarbeit unter Zuhülfenahme künstlicher Bewässerung einer günstigen Zukunft entgegensieht.

Von den Gebirgsländern ist Kutu wegen dünner Bevölkerung und verderblichen Klimas nicht in Betracht zu ziehen, sondern nur Ukami. Es mag noch andere, dem Meere nähergerückte fruchtbare Landschaften in Ukami geben, zur Zeit kennen wir nur allein die Thäler von Mohale und Simbamweni als ungemein productiv. Die Existenz einer angesehenen fürstlichen Macht und das Vorhandensein einer an Ackerbau gewöhnten thätigen Bevölkerung sind wichtige und günstige Factoren. Ungünstig ist natürlich die von der See entfernte Lage (180 km oder 14 Marschtage) und die zur Zeit bestehende Bedrohung durch große Ueberschwemmungen.

Mit Ausnahme des sehr beliebten Tabacks von Sungomero exportirt die Küste allein, und zwar in erster Linie: Kokosnüsse und Kopal, dann Korn, Reis und Zucker. Der Import an Baumwollzeugen, Gewehren, Pulver, Eisen und Metallwaaren wird fast ausschließlich von der Bevölkerung der Mrima consumirt; die Kauffähigkeit und die Nachfrage nach Waaren im ziemlich menschenarmen Binnenland ist sehr gering.