Das Wami-Gebiet mit Aseguha, Nguru und Asagara.

Allgemeine Gestaltung.

Das Land vom Pangani bis zum Kingani hebt sich von dem durchschnittlich 10 km breiten, niedrigen Küstenstreifen von Ost nach West mit einer Zunge zwischen Wami und Gerengere in zwei Terrassen zu einer durchschnittlichen Höhe von 500 m empor. Auf der zweiten Terrasse fußt die Gebirgsmasse von Nguru und Usagara.

Die erste Terrasse ist im Norden vom Thale des Pangani und im Süden von jenem des Gerengere und des Kingani begrenzt. Ihre westliche Grenze zieht sich von dem Pangani-Ufer, gegenüber der Mündung des Luengera, in fast direct südlicher Richtung über Konde nach Mbusine und wendet sich von hier, dem Wami-Makata stromaufwärts bis zur Mündung des Miombo folgend, mit einer Schleife nach Süden, rückwärts über Kisukara nach dem Oberlauf des Gerengere. Sie steigt von der Küstenniederung rasch zu 250 m, dann ganz allmählich bis zu 333 m bei Kidudwe und bis zu 360 m in der Makata-Ebene empor. Ihre Breite beträgt zwischen Ndumi und Mbusine 75 km.

Die zweite Terrasse liegt als ein 15–20 km schmaler Streifen vor dem Ostabhang der Nguru- und Kidete-Berge in einer zwischen 330 und 700 m wechselnden Höhe. Ihre westliche Grenzlinie beginnt nach den bisjetzt angestellten Höhenberechnungen im Norden bei Lutyomo (508 m) am Pangani, geht nach Süden bei Muango (734 m) über ihre höchste Erhebung nach Kurimba (638 m), dann westsüdwestlich nach Kidudwe in Nguru und bildet in Usagara die obere Thalstufe des Wami, von 397 m bei Mvomero bis zu 481 m bei Farhani ansteigend, und schließt den südlichen Theil der Makata-Ebene von Muhanda (492 m) bis Kikoboga (513 m) ab.

Die auf der zweiten Terrasse sich erhebende Bergmasse ist eine zusammenhängende Gebirgskette, die mauerartig von Nord nach Süd und Südwest, von der Masai-Ebene bis zum Quellgebiet des Ulanga und zum Nordende des Nyassa-Sees sich ausdehnt. Das nördliche Massiv, im Süden vom Wami begrenzt, wird als Nguru-Gebirge bezeichnet. Wir besitzen noch keine sichere kartographische Aufnahme von demselben; wir sind auf die wenig exacten Aufzeichnungen des englischen Missionars Last beschränkt. Wir kennen weder die Ausdehnung nach Westen, noch die nach Norden oder Osten; wir kennen nur die Begrenzung im Süden. Für die Größe und für den Verlauf der Erhebung dienen allein zwei sichergestellte Punkte: im Norden das Hochthal von Mgära 1170 m und im Süden (nahe der Mündung des Luseru) Mkunga 365 m. Ferner mag die Annahme richtig sein, daß das Nguru-Gebirge aus einer (noch nicht bestimmten) Anzahl von Hügelreihen besteht, die parallel nach Süden verlaufen und in welche kleinere Querthäler eingebuchtet sind.

Das Nguru-Gebirge setzt sich in einem südwestlichen Bogen unter dem Namen der Kidete-Berge in die Landschaft Usagara fort. Diese nehmen die linke Thalseite des Wami-Makata bis Kondoa ein. Von hier steigen sie (unter keinem bekannten besondern Namen) zur höchsten Erhebung (1800 und 2100 m) in Usagara empor, über deren Paß (1876 m) der Weg vom Mukondogwa- nach dem Ruaha-Thal führt. Nach Nordwesten zweigt sich das Rubeho-Gebirge ab, welches zwischen der Kleinen und Großen Marenga-Mkali eine vielbegangene Einsattelung, den Windi-Paß (1737 m), besitzt und nach Norden in die Ebene von Mbambwa (986 m) abfällt. Im Halbkreis umschließt es zwischen dem Rumuma und Matamombo die Hochfläche der Kleinen Marenga-Mkali (852 m über dem Meere), welche der Oberlauf des Wami als Ugombe durchströmt.

Der dreieckförmige Theil des nördlichen Usagara zwischen Makubika, Mbambwa und Kondoa ist in seinem Innern noch so wenig erforscht, daß ein sicheres orographisches Bild von ihm nicht gegeben werden kann. Doch haben die bisherigen Reiseberichte folgende Anhaltspunkte geliefert. Die Basis des Dreiecks Makubika-Mbambwa steigt in sich von 815 m zu 986 m an und liegt um 334 m, bezw. 505 m höher als das Flußthal des Mukondogwa bei Farhani, der Spitze des Dreiecks. Fünf Wasserläufe, der Loonga, Sima, Mtate, Mlali (?) und Matamombo durchkreuzen die Basis oder beginnen nahe südlich derselben; ihre Richtung muß im allgemeinen eine südliche sein. Nördlich geht die Basis theils in die ansteigende Ebene zum Fuße des Nguru-Gebirges, theils in die große Masai-Ebene über. Zwischen den parallelen Wasserläufen ziehen in verschiedener Erhebung gegen das Mukondogwa-Thal herab:

Die Niangara-Berge,
die Ruembe-Berge,
die Kleinen Rubeho-Berge mit einem Paß von 1368 m,
die Höhen von Mlali, 1127 m,
die Kiboriani-Berge, 1800 m.

Mit Ausnahme der letztern verflachen die Höhenzüge rasch an ihren nördlichen Ausläufern.

Das Gestein der Gebirge in Nguru und Usagara ist durchgehends Gneis und Hornblende mit Einlagerungen von Grünstein, Schiefer und Sandstein; die Färbung der Erde vorherrschend roth und grauroth. Die Umrisse der Berge wechseln auf das mannichfaltigste; oftmals erscheinen sie in wildgezackten Felsengraten, oftmals thürmen sich waldbedeckte Gipfel dicht hintereinander auf oder sie liegen, wenn von Süden betrachtet, als breite Kuppelmassen da: immer aber gewähren sie einen malerischen Anblick.

Flußsystem.

Der Wami fließt von der Hochfläche bei Ndiabi in allgemein westlicher Richtung nach der Küste und mündet in zwei Armen südlich von Saadani in den Indischen Ocean. In Useguha nur als Wami bekannt, führt er in Usagara von West nach Ost folgende Namen: Ugombe, Mukondogwa und Makata.

Nimmt man den längsten und stärksten Flußlauf als den Hauptstrom an, so muß der Beginn des Wami in dem Ugombe gesucht und deshalb sein Ursprung in das Rubeho-Gebirge, in die Umgebung des Großen Rubeho-Passes (1737 m) verlegt werden. Als ein reißendes Gebirgswasser tritt er in die Wüste der Kleinen Marenga-Mkali (852 m) und erscheint in einem breiten Bett mit niedrigen Ufern vor dem Bergthor von Ndiabi (738 m). Sein Lauf durch diesen Theil des Usagara-Gebirges ist als das Mukondogwa-Thal bekannt. Bei Sima (Muinin-Sagara) hat der Fluß in der Trockenzeit eine Breite von 45 m und nach dem Ausgang bei Kiora eine solche von 90 m. Die Uferränder sind, wo sie nicht dicht an die Abhänge sich anschließen, schilfig und morastig. Die ihn umgebenden Höhen sind theils dicht bewaldet, theils auf felsigem Grund mit Dorngebüsch besetzt; an vereinzelten Stellen bieten sie Raum für den Anbau von Feldern und zum Einnisten von Dorfschaften. Das Entzücken über die Schönheiten des Mukondogwa-Thales, das namentlich Stanley ausgesprochen, hat seinen Grund mehr in der Wirkung der malerischen Reize, als in der Existenz ausgiebiger Culturfähigkeit.

Bei Mbumi tritt der Wami in die 110 km lange, 30 km breite Makata-Ebene ein. Sie ist unfruchtbare Savannenwildniß, bei Regenzeit vollständig überschwemmt. Oestlich von den Bergen von Ukami und westlich von den Kidete-Bergen eingerahmt fließt der Wami in nördlicher Richtung bis Kwadibago, wo er an den Fuß der Nguru-Berge anstoßend nach Osten sich wendet. Hart am Ufer mit Dschungel, Wald und Schilf umgeben, ist die weitere Umgebung von Mbumi in Usagara bis westlich Mandera in Useguha uncultivirbare Savannenfläche, am rechten Ufer nur durch die nahegelegenen, ungefähr 5–600 m hohen Pongwe-Berge unterbrochen. Von Mandera bis Mlonga durchbricht er in einem engen, steilen Thal und mit vielfach gewundenem Lauf die Hügel von Udoë, um in zwei schmale Arme getheilt und durch Sumpfwaldungen hindurch bei Saadani kaum bemerkbar in das Meer sich mehr zu verlaufen als zu ergießen. Seine Tiefe beträgt bei Kakongo in der Makata-Ebene 2 m, bei Udoë nur noch 1 m, in der Trockenheit 0,3 m, an der Mündung selbst 2,4 m. Der Wami ist demnach kein schiffbarer Fluß, auch nicht für geringere Strecken.

Der Wami nimmt von Norden 13 und von Süden 4 größere Nebenflüsse auf.

Vor dem Eintritt in das Mukondogwa-Thal bei Ndiabi vereinigen sich mit ihm, von Nordwesten und Norden strömend:

Der Matamombo. Er entspringt auf den Kiboriani-Hügeln nordöstlich von Mbambwa, zwischen Tubugwe und Sagala und erhält von dem Salzlager bei Mlali einen bittern, unerträglichen Geschmack. Nach einem Lauf durch die vertrocknete Ebene von Kodikodi und über kahlen Granitboden bildet er den Ugombe-See, 5 km lang und 3 km breit, welchen dunkelbraune Bergwände umgeben.

Der Mtate. Er entquillt den Kleinen Rubeho-Bergen, fließt bei Kitangi durch ein 16 km breites, volk- und heerdenreiches Thal, das den Charakter der Fruchtbarkeit im weitern Verlauf nach Süden beibehält.

Von Süden mündet bei Ndiabi:

Der Rumuma. Er ist ein frisches, reißendes Gewässer, das aus der höchsten Erhebung des Rubeho-Gebirges herabströmt in einem felsigen und von Busch und Wald dicht umschlossenen Bett.

In das Mukondogwa-Thal im engern Sinn, von Ndiabi bis Mbumi, münden von Süden:

Der Tschogwe mit dem Mdunwi, in einem tief eingeschnittenen Thal.

Von Norden:

Der Sima. Er hat seinen Ursprung südlich von Mamboia und fließt durch eine fruchtbare, mit Miombo-Bäumen und Bambusen erfüllte Landschaft.

Beim Eintritt in die Makata-Ebene nimmt der Wami von Süden auf:

Den Miombo. Er ist in seinem Oberlauf 15 m breit, brusttief, an seinen Ufern mit den laubreichen Miombo-Bäumen geschmückt und von bebauten Feldern begrenzt.

Den Makata. Er hat seine Quellen im Rufutu-Gebirge und entsteht aus der Vereinigung des Zonwe mit dem Kikoboga, welche am Goma-Paß (670 m) und Mabruki-Paß (513 m) entspringen. Er ist in der moorartigen Ebene ein raschfließendes, schlammiges, wenn auch trinkbares Wasser. Bei Kakongo, dem Uebergang der Karavanen von Ukami nach Usagara, hat er eine Breite von 36 m und eine Tiefe von 2 m.

Von Norden und Nordwesten fließen von den Kidete-Bergen, von Mbumi bis Kwadibago, eine große Anzahl von Bächen und Flüssen in den Wami; sie durchschneiden den nördlichen Theil der Makata-Ebene, ohne die Unfruchtbarkeit derselben wesentlich zu mindern. Die größern Zuflüsse, deren Breite und Tiefe nur während der Regenzeit angegeben werden können, sind:

der Loonga, 12 m breit, ½ m tief; der obere Lauf in fruchtbarer Gegend;

der Komberina (auch Wami oder Rudewa genannt), 28 m breit und 1,50 m tief, mit gutcultivirten Feldern bei Rudewa;

der Tami, 30 m breit und 0,80 m tief;

der Munikunde, 60 m breit und 0,30 m tief;

der Mvomero, 6 m breit und 0,60 m tief; er wird als der Grenzfluß zwischen Usagara und Nguru bezeichnet.

Mit der Wendung nach Osten bei Kwadibago tritt der Wami an die Ausläufer des Nguru-Gebirges heran und nimmt auf dieser Strecke, von Kwadibago bis Mfute, den Luseru und Rukigura auf, welche dem Nguru-Gebirge die Gliederung der von Nord nach Süd verlaufenden Thäler geben.

Der Luseru (Mvue), im Oberlauf der Richtung der Bergzüge folgend, durchbricht im Mittellauf dieselben nach Südosten und mündet aus dem engen Thal von Mkunga in die Niederung des Wami. Er hat sein westliches Quellgebiet in der Masai-Ebene, nimmt von der linken Seite den Luvumo und bei Sagasa den Luidschi auf, der (nach Last) ein über 60 km langes Thal durchströmen soll. Bei Kisera (südöstlich von Sagasa) ist der Luseru in der trockenen Zeit 9 m breit und 0,3 m tief; hier mündet von Osten der die Gegend von Kibanti bewässernde Boromo.

Der Buvuma soll nahe östlich von Kisera, von Süd nach Nord strömend, in den Luseru sich ergießen. Rev. Last’s kartographische Darstellung hat die Unwahrscheinlichkeit dieses Flußlaufes zu verantworten. Im Thal von Mondo (Kinjumbi) entfaltet sich die schönste Vegetation des Luseru; seine Wasserfülle steigt bei Mkunga (nach dem Austritt aus dem Gebirge) zu einer Breite von 23 m und einer Tiefe von 2 m (zur Regenzeit). Er nimmt kurz vor seiner Mündung in den Wami noch den krystallklaren Singwe (20 m breit und 1 m tief) und den Lukindo (20 m breit und 1,20 m tief) auf.

Der Rukigura (Mbusine oder Kikula) mündet bei Mfute in den Wami. Er ist ein reißendes, klares und fischreiches Wasser. Bei Mbusine beträgt seine Breite 20 m, seine Tiefe 1,80 m. Der Mittel- und Oberlauf wurde noch nicht erforscht. Last’s Angaben darüber können nicht auf zweifellose Geltung Anspruch machen.

Die Karavanenstraße, welche über die erste Terrasse von Mrere nach Ndumi führt, wird von einer Anzahl nordsüdlich fließender Bäche durchschnitten, deren stärkster der Pakurehe bei Msisi zu sein scheint. Wo diese Gewässer entspringen, durch was für ein Land sie fließen und wo sie münden, ist gänzlich unbekannt.

Klima.

Die Küste hat ähnlichen Wechsel zwischen Trockenzeit und Regenzeit wie Sansibar. Je weiter man nach dem Innern vordringt, desto höher steigert sich die Menge der Feuchtigkeit; denn der vom Meere her wehende Ostwind wird am Ostrand der Gebirge abgekühlt und verdichtet sich zu Thau- und Regenfall. Was in der Mitte zwischen Gebirge und Küste liegt, also die erste Terrasse, erhält weniger, aber wegen der geringen Breite nicht viel weniger Feuchtigkeit.

Im westlichen Theil von Useguha dauert die große Regenzeit von Januar bis Ende März oder Anfang April; die kleine Regenzeit nur ein paar Wochen, von Mitte September bis Anfang October. Dagegen fällt in Usagara und Nguru der Regen in allen Monaten. Die trockensten Monate sind August und September.

Mehr und mit Bestimmtheit läßt sich bei dem Mangel andauernder Beobachtungen über diesen Theil der Witterung im Wami-Gebiet nicht sagen.

Gesund ist das Klima nur in den höchstgelegenen Gegenden, wie in der Kleinen Marenga-Mkali und in den Landstrichen von Mamboia und Mbambwa. In den Thalgründen verpesten die in Massen verfaulende Vegetation und die Ausdünstungen sumpfiger Tümpel die Luft.

Ueber die Temperaturverhältnisse einiger Monate geben uns die täglichen Aufzeichnungen Burton’s[9] und Marno’s[10] ziemlich sichern Aufschluß, wenn sie auch auf der Wanderung von Ort zu Ort niedergeschrieben worden sind.

Aus der nebenstehenden Tabelle können folgende Schlußfolgerungen gezogen werden:

Die Tagestemperaturen von Sansibar sind gleichmäßiger und nicht so hoch wie diejenigen des Festlandes.

Die größere Differenz zwischen Maximum und Minimum in Useguha und Usagara im Vergleich mit Sansibar ist durch die höhere Temperatur zu Mittag, nicht durch eine kühlere am Abend veranlaßt.

Mit der Erhebung des Landes von der ersten zur zweiten Terrasse, von der Fläche zum Gebirge, nimmt die Wärme in fühlbarer Weise nicht ab, nur etwas in der freien Hochebene der Kleinen Marenga-Mkali.

Ein wesentlicher Unterschied tritt am Südfuße des Rubeho-Gebirges auf: die erhöhte Hitze des Tages kühlt sich rasch von 4 Uhr Nachmittag bis zum Sonnenuntergang um 4–8° R. ab und die Temperatur sinkt während der Nacht noch um 3–5° R.

In einigen Fällen wird auch aus andern Gegenden Usagaras von rapidem Witterungsumschlag berichtet, so bei Rumuma (738 m, am Ostrande der Kleinen Marenga-Mkali): 25° R. mittags und 7° R. nachts im August, oder bei Kitangi (1050 m, am obern Mtate): 5,7° R. morgens im Juni.

Mitteltemperaturen für Useguha und Usagara
im Vergleich mit Sansibar.



Gegend.Meeres­höhe in Metern.Anzahl der Beobach­tungstage.Monat.R.°R.°


V. 6 U.M. 12 U.N. 6 U.Maxi­mumMini­mumDiffe­renz

Sansibar29Jan.2121,921,823,720,33,4
Useguha, erste Terrasse, ö. von Nguru253–333122125,224,22719,87,2
Sansibar26Febr.2122,122,224,420,44
Usagara, zweite Terrasse416–5762221,124,623,827,419,28,2
V. 10 U. N. 4 U.
Sansibar28Sept.20,421,422,817,55,3
Kl. Marenga-Mkali
und Ugogi
852
830
821,220,524195
V. 6 U. N. 4 U. N. 6 U.
Sansibar27Dec.20,322,721,724,119,74,4
Am Südfuße des Rubeho-Gebirges von Ugogi
bis Kikoboga
830
513
2017,126,7213015,514,5

Anmerkung. Wenn auch kein nennenswerther Temperaturunterschied sich zeigen dürfte, ob nun die Beobachtung eine halbe oder eine ganze Stunde früher oder später angestellt wird, so muß doch der Wahrheit gemäß angeführt werden, daß Marno seine meteorologischen Instrumente in Useguha und Usagara zwischen 5½ und 6½ Uhr vormittags und zwischen 6 und 7 Uhr nachmittags ablas und daß Burton während des Marsches am Fuße des Rubeho-Gebirges „bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang” notirte.

Im Sima-Thal (Usagara) betrug im November 1885 die Durchschnittstemperatur mittags 28° R.; es war dies der heißeste Monat im Jahr.

In Kondoa wurden von Bloyet folgende Thermometerbeobachtungen im Jahre 1880 gemacht:

Juli, August und September:Maxim.20,6°R., Minim.12°R.
October und November:24°16,6°

Vegetation und Thierwelt.

Das Vegetationskleid, das die Natur über das Wami-Gebiet geworfen, ist im allgemeinen ein monotones: Savannen mit Dorngebüsch und lichtem Gehölz über die Ebenen, geschlossene Wälder über die Berge, streifenweise dazwischen Wiesenflächen und fruchttragende Felder. Die Aecker liefern Mais, Hirse, Maniok, ein weniges an Bananen und Taback. Von Bäumen sind zu nennen: die Deleb- und Dumpalme, die Bambusen in Fülle, die Sykomore, der Wollbaum und als besondere Eigenthümlichkeit der Miombo. Ferner gibt es in großer Menge Kalebassen (Bugu) und einen Baum, genannt Mkoma, der einen Stammumfang von 3½ m, angenehm schmeckende Steinfrüchte, und ein Holz, ähnlich dem Rosenholz besitzt, aus welchem Bogen und Pfeile geschnitzt werden. Die Kokospalme kommt nur in der Küstenniederung vor.

Trotz des vorhandenen großen Wasserreichthums ist die Culturfähigkeit eine beschränkte; sie zeigt sich nur an jenen Stellen an und in dem Gebirge, wo dichter Waldbestand die Feuchtigkeit langsam absickern läßt und mäßig geneigte Hänge den verwitterten Gneis als feinkörnigen Schwemmboden am Thalrand absetzen, wie dies am günstigsten in Nguru der Fall zu sein scheint. An den beiden Ufern des Wami auf der ersten Terrasse wird der Laterit von einer sehr dürftigen Humusschicht bedeckt. Die große Makata-Ebene ist ein zäher, uncultivirbarer Thonboden. Das Hochland der Kleinen Marenga-Mkali und das breite Matamombo-Thal tragen den ausgesprochenen Charakter dorniger, steiniger Steppe.

Ueberall, wo es hier Savannenland gibt, gibt es auch Heerden von Antilopen, Zebra und Giraffen; dazu gesellen sich in der Makata-Ebene Büffel und Wildschweine; in der Umgegend von Mbambwa das Nashorn und südwestlich des Nguru-Gebirges noch der Elefant, Löwe und Leopard. Hervorragend wildreich ist die Ebene am Westrande der Kleinen Rubeho-Berge bei Tubugwe gefunden worden. Der untere Wami wimmelt derart von Flußpferden, daß die Fahrt in den allein verwendbaren flachen Booten sehr gefährlich ist.

Als Hausthiere werden überall Ziegen, Hühner, auch Schafe gehalten; in seltenern Fällen Rindvieh. Man trifft nur in einigen Thälern Ngurus, in Usagara nur bei Kitangi, Mbambwa, Manjovi und Murundusi (bei Ugogi) auf größere Rinderheerden.

Von kleinem Gethier, das dem Menschen das Dasein erschwert und den Aufenthalt verleidet, sind hervorzuheben:

Die Tsetsefliege; sie zeigt sich auf der ganzen Karavanenstraße von Saadani bis tief nach Usagara hinein; ihrem Stich erliegen Ochsen, Maulthiere und Esel; sie soll übrigens nur in den Wäldern und Dschungeln hausen und das offene Feld vermeiden.

Die weiße Ameise; sie bevorzugt den rothen Thonboden und wandert in breiten Massen meilenweit; alles was nicht von Stein oder Eisen ist, zernagt und zerstört sie; sie läßt sich nur durch Feuer oder kochendes Wasser vertreiben; um doch etwas zu nützen, dient sie den Eingeborenen als Gewürz in den sonst geschmacklosen Mehlsuppen.

Endlich die Ohrwürmer von Mbambwa; an und für sich unschädlich wie bei uns, treten sie aber dort in solchen Massen auf und überkriechen derart die verborgensten Kleidungsstücke des Reisenden, daß Nacktheit und Flucht als die einzige Rettung erscheinen.

Die einzelnen Landschaften und ihre Bevölkerung.

Useguha mit Udoë und Ukwere.

Die Grenzen der auf der Karte eingetragenen Landschaften können absolut keinen Anspruch auf Exactheit machen, denn sie sind nicht durch politische Verhältnisse geschaffen, sondern von den jeweiligen Reisenden als der Umfang einer annähernd einheitlichen Bevölkerung bezeichnet worden, und zwar entweder nach eigener Erfahrung oder auf Grund von Erkundigungen. Die Bevölkerung selbst aber ist, namentlich an den Grenzgebieten, stark fluctuirend, und was vor zehn Jahren vollkommen correct angegeben wurde, kann heutzutage in demselben Maße ungültig sein.

Useguha, also das Land, in welchem die Waseguha wohnen, greift mit seiner Nordgrenze über den Pangani hinüber bis zum Fuß des Usambara-Gebirges; die Westgrenze liegt vor dem Ostrand der Nguru-Berge, dessen ungefähre Lage wol in der Nähe des 38. Längengrades gesucht werden muß, aber keineswegs sichergestellt ist.

Von Kidudwe, dem südöstlichen Eckpunkt von Nguru, verläuft vermuthlich die Grenze in einem kurzen westlichen Bogen zum Fluß Gerengere, auf dessen südlicher Seite die Berglandschaft Ukami sich erhebt. Die Gegend von Msuwa und die Bezirke von Ukwere und Udoë, an das Thal des Kingani herantretend, trennen im Süden und Südosten Useguha von Usaramo.

Die Küste Useguhas vom Pangani bis zum Kingani bildet ein Stück jener flachen Niederung, welche von Mombas bis zum Rufidschi gleichmäßig mit dem Namen Mrima bezeichnet wird. Dicht an der See besteht sie aus Sand, weiter landeinwärts aus braunrothem Lehmboden, welchen Savanne oder strichweise Mais-, Hirse- und Maniokculturen bedecken und besonders Baumwollstauden mit für den Hausbedarf reichlichem Erträgniß, und schließt mit einem Buschwald von Akazien-, Kandelaber-Euphorbien, Dumpalmen und Kopalbäumen ab.

Der Hauptort an der Küste ist Saadani, ein Dorf auf einem grünen, schlammigen, mit Mangrovegebüsch bewachsenen Grund, unter Palmen versteckt, von einem aus Baumstämmen und Aesten hergestellten Palissadenzaun und von hohen Sandbänken und Dämmen umgeben. Saadani scheint ehemals von größerer Bedeutung gewesen zu sein; Burton sah 1858 noch die Ruinen von zwei Moscheen. Es ist jetzt der Ausgangspunkt der Karavanen nach Useguha und Nguru. Der Hafen ist ganz offen, durch keine Bänke geschützt. Die Seeschiffe müssen 5 km entfernt auf offener Rhede verankern; nur bei Flut können Barken bis zu einer nördlich gelegenen Sandbank gelangen; die letzte Strecke (1–1½ km) muß durchwatet werden. Am Nachmittag wird das Landen durch die herrschende Brandung erschwert, in den frühen Morgenstunden aber bei ruhigem Wasser leichter bewerkstelligt.

Die Karavanenstraße führt von Saadani nach Kidudwe in Nguru (140 km) in westlicher Richtung. Nach 8 km wird bei Ndumi (94 m ü. d. M.) die erste Terrasse erstiegen, deren höchster Punkt bei Magubika 339 m über dem Meere liegt. In Ndumi (25–30 Hütten) trifft man die letzten Kokospalmen an. Man hat früher geglaubt, auf dieser Strecke, von Saadani über Kidudwe nach Farhani, einen besser gangbaren Weg nach Usagara gefunden zu haben, als ihn die Ukami-Route Bagamoyo—Simbamweni—Farhani bietet, weil auf jenem die sehr schwierige und lästige Durchquerung der Makata-Ebene vermieden werden konnte. Ja, die Engländer unter Rev. Price machten sich im Jahre 1876 sogar ans Werk, die Straße für Ochsenfuhrwerk benutzbar herzurichten. Allein dies Unternehmen scheiterte vollständig, nicht nur wegen der hier vorkommenden Tsetsefliege, sondern auch wegen der vielen schwer passirbaren Dschungeln und der tief eingerissenen Bach- und Flußrinnsale, die bei Regenwetter mit tosenden Gewässern sich anfüllen.

Von Ndumi bis Kidudwe wechselt die Gegend zwischen Savanne und dichtem Wald; westlich von Magubika erschwert stundenlang ein stacheliges Gestrüpp auf morastigem Boden das Vorwärtskommen, und zwischen Matungu und Kidudwe liegt eine unbewohnte, dornige Savannenwildniß von 30 km Ausdehnung. Hier und da zeigt sich bebautes Land, so bei Mkange und Msisi; am günstigsten erschien die Lage von Mbusine am Rukigura, weshalb denn auch hier eine deutsche Station, Petershof, gegründet wurde. Allein trotz der Schilderung üppigster Vegetation an den mit Dörfern reichbesetzten Gehängen des Rukigura-Thales muß die Rentabilität der Plantage stark bezweifelt werden, weil der Lateritboden von einer viel zu dünnen Humusschicht bedeckt wird.

Schlägt man von Mbusine eine direct nördliche Richtung ein, so gelangt man nach Durchschreitung einer Waldzone in die offene und fruchtbarere Gegend von Konde und an den von West nach Ost fließenden Mligasi, der nördlich von Saadani das Meer erreichen soll. Bei Kurimba (638 m) gewinnt man die zweite Terrasse von Useguha, die bei Muango (734 m) mit dem Berg Kiwa ihre höchste Erhebung erreicht und dann langsam zum Thal des Pangani bei Lutyomo (508 m) abfällt. Graf Pfeil, der als erster Reisender dieses Stück Land 1887 durchwanderte, schildert die Umgebung des Kiwa bis Kiambo als besonders fruchtbar, den graurothen Boden lehmhaltig. Quellen und Bäche sind nicht zu sehen; die Eingeborenen holen das Wasser aus nur ihnen bekannten Vertiefungen. Wasserlose Steppe und lichtes Gehölz bedecken den nördlichsten Theil von Kiambo bis zum Pangani, dessen rechtes Ufer bis zur Küste den gleichen Landschaftscharakter trägt und auf dem nur zuweilen ein dichter Niederwald, ausgezeichnet durch die mächtigen Ranken der Landolphia, erscheint.

Südlich von Mbusine bis zum Gerengere erstreckt sich mit einer Erhebung bis zu 432 m eine wasserlose, mit Dorngebüsch und stacheligem Gras bedeckte und durch nackte Kiesflächen unterbrochene, unbewohnte Gegend.

Udoë und Ukwere liegen am rechten Ufer des Wami. Udoë bietet, sowie man den südöstlichen, ausgetrockneten Grenzstrich überschritten, ein ziemlich erfreuliches Bild dar: Hügelreihen, waldbedeckte Abhänge, in den thonhaltigen Thalgründen gutbebaute Felder und auf den kurzgrasigen Wiesen ein Blumenmeer von Lilien und Narcissen. Aber das Wasser ist brakisch und kaum trinkbar. Von Simbambili führt der Weg über Mlonga zu dem durch Berge eingeengten Wami und am nördlichen Ufer auf steilem Fußpfad zu der französischen Missionsstation Mandera, die in einem durch viele Arbeit gewonnenen Gartenland ein ziemlich angenehmes Dasein fristet.

Ukwere ist armseliges Savannenland mit Buschwald. Der Weg von Rosako nach Mfute am Wami (bei der Mündung des Rukigura), von den von Bagamoyo nach Nguru und Usagara ziehenden Karavanen benutzt, bietet keine wesentlichen Hindernisse, er trifft sogar bei den Pongwe-Hügeln, die, 5–600 m hoch, die Ausläufer des Bergzuges bei Mandera sein dürften, trotz des rothen, zähen Lehmbodens auf eine mit zahlreichen Fächerpalmen und Ricinusbäumen geschmückte Gegend; aber der südliche Theil, den die Straße von Rosako zum Gerengere und nach Ukami durchzieht, birgt westlich von Mbiki ein 16 km breites, mühselig zu durchschreitendes Dschungeldickicht. Bei Msuwa und Kisimo beginnt der Boden an Fruchtbarkeit zuzunehmen. In dem welligen, zum Gerengere führenden Gelände liegen zahlreiche Ortschaften, und Musondi zeichnet sich durch schöne Wiesengründe, ja durch Bananenpflanzungen aus. Die Tsetsefliege soll nach Cameron’s Bericht hier nicht existiren.

Bevölkerung.

Die Waseguha sind von mittlerer, etwas schmächtiger Statur, braun oder schwarzbraun, mit krausem Kopf und Barthaar; die mittlern Schneidezähne werden ausgefeilt. Sie tragen einen Lendenschurz von Zeug oder Leder, begnügen sich aber gelegentlich mit Palmblättern. Wenn auch noch Schwerter, Pfeil und Bogen bei ihnen gesehen werden, so haben sie doch längst das Feuergewehr als Hauptwaffe sich erkoren. Dieses verschaffte ihnen auch einst die Möglichkeit, die schlechter bewaffneten Wasambara von dem nördlichen Ufer des Pangani in die Berge zu vertreiben und in dem Thale selbst sich dauernd niederzulassen. Sie erscheinen überall im Norden und Süden, wie auch die Wakwere, ihre Stammesgenossen, als fleißige Ackerbauer.

Derjenige Theil der Bevölkerung, welcher die Mrima oder die Küstenniederung bewohnt, hat sich ganz und gar dem Einfluß und der Nachäffung arabischer Sitten ergeben: es sind das die Wamrima. Sie tragen Fes, Hüften- und Schultertuch; die Weiber ein Sackkleid, das unter den Armen über die Brust gebunden bis zum Fußgelenk hinabreicht. Sie gelten als ein faules, heruntergekommenes, unzuverlässiges Volk, dessen Intelligenz in der Erfindung der glaubwürdigsten Lügen gipfelt.

Zu den übrigen Bewohnern der Mrima gehören die Suaheli, das sind Eingewanderte aus der Umgegend von Mombas und von der Insel Sansibar. Suaheli heißt allgemein und eigentlich jeder Neger, der entweder auf der Insel Sansibar oder auf dem Küstengebiet zwischen Lamu und Mombas geboren, also in den ersten Niederlassungen der Vollblutaraber seßhaft geworden ist. Der Suaheli ist Mulatte, das Product der Verbindung eines Arabers mit einer Negerin. Doch auch die Kinder von Mulattenältern rühmen sich Suaheli zu sein. Vom Araberthum haben sie die gekrümmte Nase, vom Negerstamm die wulstigen Lippen und den Prognathismus erhalten. Sie sind kurzköpfig. Ihre sie auszeichnende Tracht ist der Turban und ein langes, gelbes Oberkleid. Sie betrachten sich allein als die berechtigten Herren des Festlandes, den Araber von Oman aber als Eindringling. Mit dem größten Mistrauen begegnen sie den Beamten des Sultans von Sansibar.

Die Wadoë bilden durch ihre Sitten und ihr abgeschlossenes Stammesleben eine merkwürdige Enclave unter den Waseguha. Von jeher dem Glauben ergeben, daß die Einsetzung oder die Bestattung eines Häuptlings nur durch ein Festmahl von Menschenfleisch richtig und würdig gefeiert werden könne, waren sie, da das Verzehren der Stammesgenossen gegen die Sitte ging, auf Menschenraub in den benachbarten Bezirken angewiesen. Da sie auch an Karavanen sich vergriffen und die Sicherheit des Handelsverkehrs bedrohten, unternahmen die Araber einen Vernichtungskrieg gegen sie, aber nur mit halbem Erfolg. Sie wurden nur in engeren Raum zusammengedrängt. Man behauptet, sie seien stamm- und sprachverwandt mit der Bevölkerung von Manyema, westlich vom Tanganika-See. Sie besitzen ein einheitliches souveränes Oberhaupt; 1884 war es der steinalte Simbambili, dessen vierzig Kinder seine Herrschaft im ganzen Lande befestigten. Eine Art staatlicher Organisation besteht, indem Udoë in vier Districte eingetheilt ist. Die Wadoë sind fleißige Ackerbauer, schön und kräftig gebaut. Den französischen Missionaren, die von der Küste nach Mandera reisen, kommen sie stets mit Freundlichkeit entgegen.

Mit Ausnahme von Udoë und der Mrima, in welch letzterer der Sultan von Sansibar seinem einheitlichen Wirken durch die Walis wenigstens dem Namen nach Geltung verschafft, existirt in ganz Useguha keine größere politische Gemeinschaft als die der einzelnen Dorfschaften unter ihren voneinander unabhängigen Häuptlingen.

Nguru.

Das Gebirgsland, in dem der Luseru und der Rukigura entspringen und das diese mit vielen Nebenflüssen durchströmen, heißt Nguru. Eine schärfere Begrenzung läßt sich nur für die südliche Abdachung angeben. Das Stück des Wami, südlich von Kidudwe bis zur Mündung des Mvomero, ist die Südgrenze von Nguru.

Diese Abdachung bildet die zweite Terrasse des Wami-Gebietes; sie erhebt sich von 333 m bei Kidudwe bis zu 397 m bei Mvomero und setzt sich nach Usagara fort. Sie ist unwirthbares Savannenland mit Busch, mit morastigen Strecken östlich und mit dichtem Waldgestrüpp westlich von Mkindo. Nur in dem 10 km breiten Thal von Kidudwe und an den Ufern des Luseru bei Mkunga genießt man den Anblick einer fruchtbaren Landschaft.

Da das Gebirge zum größten Theil mit geschlossenen Wäldern bedeckt ist, bietet das Innere günstigern Boden zum Anbau. Eine ausführliche Schilderung des ganzen Umfanges verdanken wir einem einzigen Reisenden, dem englischen Missionar Last. Wenn sie auch möglicherweise etwas zu optimistisch gefärbt ist, so erhält sie doch im Gegensatz zu der erwiesenen Unfruchtbarkeit der andern bereisten Strecken einen gewissen Grad von Glaubwürdigkeit.

An dem Nordwestrande des Gebirges aus der Masai-Ebene fließt der Luseru herab; hier mündet das Thal des Luvumo, in welchem große Rinderheerden weiden und das Zuckerrohr gedeiht. Bei Sagasa fließt der Luidschi in den Luseru; an seinen Ufern wohnt bis Mgära eine dichte Bevölkerung; Zuckerrohr und selbst Bananen wachsen hier in üppigster Fülle. Bei Kisera, durch welches die Handelsstraße vom untern Wami nach dem elfenbeinreichen Masai-Land führt und das selbst in weniger fruchtbarer Gegend liegt, nimmt der Luseru von Südwesten den Boroma auf. Er entspringt auf rauhen Höhen und durchströmt bis Kibanti ein dürres, von Büffeln, Nashörnern und Elefanten durchstreiftes Savannenland; bei Kibanti entfaltet der von klarem Wasser getränkte Boden eine derartige Fruchtbarkeit, daß trotz starker localer Bevölkerung die weitere Umgebung mit Nahrungsmitteln versorgt werden kann. Ein zweites Kibanti befindet sich weiter südlich auf den Bergen, welche das rechte Ufer des Luseru begleiten, in einem Wald von gigantischen Wollbäumen, Farrnbäumen und Himbeersträuchern. Die französische Missionsstation Mondo (Kinjumbi), 450 m über dem Meere, liegt auf dem ansteigenden Gelände des westlichen Luseru-Ufers in einer reich bewohnten Gegend von so vortrefflicher Güte, daß nach Kapitän Foot’s Meinung Kaffee-, Cacao- und Zuckerplantagen lohnenden Ertrag liefern würden. Bis nach Mkunga hinab setzt sich die Fruchtbarkeit des Luseru-Thales fort.

Bevölkerung.

Von den Wanguru wissen wir nicht vielmehr, als daß sie Ackerbauer sind, im Wami-Thal nicht in bienenkorbartigen Hütten, sondern in viereckigen, einen Hofraum umschließenden Tembes wohnen. Während sie durch Vertreibung der Waschamba sich zu Herren des Luidschi-Thales gemacht, benehmen sie sich am Luvumo gegen die eindringenden Masai so furchtsam, daß sie alles ihnen geben und leisten, was verlangt wird. Im obern Luseru-Thal legen sie die Felder inmitten der Waldungen an, umzäunen diese mit Euphorbia-Hecken und lassen nur einen schmalen, über 200 m langen Pfad, der noch durch mehrere verbarrikadirte Thore überquert wird, bis zur Eingangspforte des Dorfes frei. So suchen sie sich gegen die Wahumba zu schützen, ein tapferes, kriegslustiges Räuber- und Jägervolk.

Die Wahumba wohnen diesseit und jenseit der Höhen von Sabundila und an den südwestlichen Grenzen gegen Usagara; sie werden ihrerseits wieder von den Masai verfolgt.

Außerdem lebt noch ein anderer abgesplitterter Völkerstamm innerhalb der Berge: die Wakamba. Sie sind hauptsächlich Jäger mit Pfeil und Bogen und streifen bis zum Tanganika-See; sie verkaufen entweder die erbeuteten Elefantenzähne für Rinder an die Masai oder sie bringen sie selbst auf den Markt nach Mombas.

Die Bewohner von Nguru räumen keinem andern als dem eigenen Dorfhäuptling irgendwelche Hoheitsrechte ein, und kein Häuptling hat sich, soviel wir bisjetzt wissen, jemals zu einer hervorragenden Stellung über die andern emporgeschwungen.

Usagara.

Die Grenzlinie im Osten läuft von der Mündung des Mvomero den Wami aufwärts bis zu dem Mindu- und Rufutu-Gebirge; im Süden durchschneidet es in dem Bezirk Kirigawana’s das Quellgebiet des Ruhembe-Iowa, im Westen zieht sie sich dem Fuße des Rubeho-Gebirges entlang von Maroro über Ugogi bis Tschunjo (westlich von Mbambwa). Im Norden kann man im allgemeinen die Masai-Ebene als Grenze bezeichnen; Nsogi scheint die erste größere Masai-Niederlassung zu sein. Läßt man, vielleicht mit Recht, Gedscha (das Land der Wakaguru) als wesentlich gesonderte Landschaft nicht gelten, so trennen die Berge von Sabundila und Kisiwa im Anschluß an das Kidete-Gebirge Usagara von Nguru.

Vier Karavanenwege führen von Osten in das Herz von Usagara, nach dem Mukondogwa-Thal im engern Sinn: der erste von Nguru, der zweite von Ukami über die Makata-Ebene, der dritte von Kutu über den Goma-Paß und ebenfalls über den Makata, der vierte von Kutu über den Mabruki-Paß durch das Hochthal des Makata und am Ostrand des Rubeho-Gebirges entlang.

Der erste Karavanenweg tritt aus Nguru bei Mvomero in das Land von Usagara; er steigt auf der zweiten Terrasse bis Farhani von 397 m bis zu 481 m über dem Meere an. Dieses zur Trockenzeit ausgedörrte Savannenland mit Dschungelcomplexen und lichtem Gehölz von Akazien und Delebpalmen von ungefähr 80 km Ausdehnung wird in der Regenzeit auf weite Strecken hin zum Morast, namentlich südlich von Msuero und Rudewa. Als eine kleine fruchtbare erquickende Oase erscheint Msuero. Bei Farhani, Rehenneko und Kondoa (der französischen Missionsstation) ändert sich das Landschaftsbild noch mehr: schönbewaldete Berge treten nahe heran, eine zahlreiche Bevölkerung bestellt die von klarem Wasser durchrieselten Felder von Negerkorn, Mais und Bananen.[11] Die Ausdehnung des culturfähigen Bodens beträgt nicht viel mehr als 12 km; bei dem Eintritt in die Enge des Mukondogwa-Thales beginnt wieder die Wildniß.

Der zweite Karavanenweg überschreitet, von Simbamweni in Ukami ausgehend, eine niedrige Einsattelung der Mindu-Berge auf felsigem Grund und gelangt in die Makata-Ebene, welche aus zähem grauem Lehm besteht, in der Trockenzeit hart wie Stein wird und in tiefe Risse zerspringt, in der Regenzeit in schlüpfrigen Schlamm mit brusttiefen Rinnsalen sich verwandelt: eine breitwellige Fläche voll Riedgras mit vereinzeltem Bambusengebüsch und mit dichtem Baumwuchs an den Ufern des Makata-Flusses. Stanley brauchte zur Ueberschreitung der 30 km breiten Ebene, freilich in der Regenzeit, fünf Tagemärsche.

Der dritte Karavanenweg nimmt seinen Ausgang von Sungomero (150 m) in Kutu. Zwischen Blöcken von Schiefer, über Glimmer, Kies und Sandstein geht es im Rufutu-Gebirge steil aufwärts bis zum plateauartigen Goma-Paß (670 m). Man steht in einem Meer von Berggipfeln. Auf erst abschüssigem, dann auf sanftem Abstieg durch hohes Gras, Cacteen und Aloën kommt man nach Muhama, in eine freundliche Gegend mit Fächerpalmen, Melonenbäumen und reichen Mais- und Durra-Feldern, dann in den von niedrigen Hügeln eingeschlossenen und stellenweise von tiefen Schluchten durchschnittenen Thalgrund des Makata. Am jenseitigen Ufer dehnt sich bis zum Miombo eine Savannenfläche aus, die mit Gehölz von Delebpalmen und immergrünen Laubbäumen geschmückt ist. Am mittlern Miombo wird viel Taback gebaut. Von hier bis hinab zum Eingang in das Mukondogwa-Thal tritt ein mächtiger Urwald voll erstickender Miasmen auf, den im Nordwesten eine unfruchtbare Steppe begrenzt. Durch diese geht es zu den morastigen Ufern des Mukondogwa bei Mbumi hinab.

Der vierte Karavanenweg hat seinen Ausgangspunkt ebenfalls in Sungomero in Kutu und übersteigt das Rufutu-Gebirge in direct westlicher Richtung über den Mabruki-Paß und gelangt steil hinab in die Mulde von Kikoboga (513 m). Der südliche Abschluß der Makata-Ebene behält den Charakter der ganzen bei; nur herrscht nicht mehr grauer Lehmboden vor, sondern schwarze torfartige Erde mit zahlreichen Wassertümpeln. An den Ostabhängen des Rubeho-Gebirges, denen entlang am linken Makata-Ufer der Pfad von Muhanda (492 m) nach abwärts führt, wechseln Hügel und Schluchten ab. Zwischen Bananen und Delebpalmen und gutbebauten Feldern liegt das obere Mbumi (444 m).

Das Mukondogwa-Thal von Kondoa bis Ndiabi ist in der Sohle derart mit Schilf und Buschwald überwachsen und so leicht Ueberschwemmungen ausgesetzt, daß auf beiden Seiten nur über die Berge die Wege führen und mit Ausnahme von Kilosa, Sima und Kiora alle Hütten der Eingeborenen hoch auf den Abhängen liegen. Geht man von Kondoa am nördlichen Ufer thalaufwärts, so muß man auf steilem, felsigem Grund durch hohes Riedgras mühsam hinaufklettern; durch Dorngebüsch, Mimosen und Akazien gelangt man wieder hinab zu der Niederlassung von Kilosa (Misongi, Kadetamare), zuerst zu Reis- und Maisfeldern auf versumpftem Boden, dann zu günstiger gelegenem Land, auf welchem sogar Taback cultivirt wird. Zwischen Kilosa und Sima drängt sich das Gebirge mit vielen Dorfschaften dicht an das Flußufer heran. Sima (Muinin-Sagara), ehemals deutsche Station, der Endpunkt des sehr fruchtbaren Thales gleichen Namens, macht einen erfreulichen Eindruck durch seine Wälder von Palmen und hohen Laubbäumen und gutgepflegten Culturen. Von Sima bis zum Ende der Thalenge beim Absturz der Ruembe-Berge zieht ein breiter Streifen kräftigen Pflanzenwuchses, aber unbesiedelt in den untern Lagen hin, in den obern behält die Landschaft den dürren Savannencharakter bei.

Am rechten, südlichen Ufer, etwas oberhalb der Furt von Mbumi mündet das pittoreske enge Thal des Tschogwe. Kiora (ehemals deutsche Station), im Osten und Westen von dornigem Gestrüpp umgeben, ist zwar ein malerischer Platz, besitzt auch einige Felder, ernährt aber nur eine dürftige Bevölkerung und gilt als ungesund. Viel besser ist die Manjovi genannte Gegend auf den Höhen oberhalb von Kiora: zahlreiche Rinderheerden weiden auf prächtigen Wiesenfluren. Flußaufwärts von Kiora bis Ndiabi durchwandert man ein wüstes, welliges Tafelland mit dichtem Gebüsch von Aloën und Cacteen zwischen Sandhügeln und Steingeröll. Bei Ndiabi (738 m) am klaren und frischen Rumuma erreicht man eine anmuthige, fruchtbare und bewohnte Gegend; Tamarinden und Kalebassen stehen zwischen Feldern von Korn, Mais, Bohnen, Erdnüssen und Taback.

Nach der schwülen, durch verfaulende Vegetation mit Miasmen erfüllten Atmosphäre des Mukondogwa-Thales erfrischt in den ersten Stunden des Marsches die reine trockene Luft der Kleinen Marenga-Mkali (852 m über dem Meere) zwischen Ndiabi und dem Großen Rubeho-Paß. Bald aber lähmt die Monotonie der Landschaft die Freude des Wanderns: trostlose, wasserlose Savanne, unterbrochen nur von rauhen Hügeln mit Dschungeldickicht. Inenge (1089 m) am Fuß des Rubeho-Gebirges, in rothbrauner Ebene gelegen, bietet endlich Erholung und als Ueberraschung die lang entbehrten Nahrungsmittel: Butter, Milch und Honig. Steil und steinig aufwärts geht es durch das Gebirge voll aromatischer Kräuter in zwei Anstiegen zum Großen (1542 m) und dann zum Kleinen Rubeho- oder Windi-Paß (1710 m), an tiefen Abgründen und hohen Felskegeln vorbei. Auf ähnlich rauhem Wege, der zuletzt in eine Via mala sich umgestaltet, kommt man hinab nach Ugogi (830 m), dem letzten Ruheplatz vor der Großen Marenga-Mkali.

Die breite Hochebene, welche von Ndiabi am Ugombe-See vorbei und längs des Matamombo bis Mbambwa sich erstreckt, erscheint als ein von steilen, dunkelbraunen Berghängen umfaßtes früheres Seebecken. Das Wasser ist brakisch. Auf dem von der Sonne gebleichten staubigen Granitboden wächst dünnes, hartes Gras und stehen in weiter Zerstreuung einzelne Baobabs.

In Mbambwa (Mpwapwa) (986 m) betritt man wieder lachende Gefilde, mit frischem Grün bekleidete Hügel. Riesige Sykomoren, Tamarinden und Wollbäume gewähren den ersehnten Schatten und die dichte Bevölkerung versorgt aus ihren großen Rinderheerden die Karavanen mit Fleisch.

Mbambwa ist der Vereinigungspunkt der südlichen Karavanenstraßen, von Mvomero über Farhani durch das Mukondogwa-Thal, und der nördlichen, kürzeren von Mvomero über Mkundi und Mamboia. Letztere geht in einer Meereshöhe von 800–1000 m durch einen der besten Landstriche Usagaras. Westlich der felsigen Kidete-Berge breitet sich eine wildreiche unbewohnte Ebene aus. Bei Makubika wird sie zu einer gesegneten, reichlich bewässerten und gut bevölkerten Gegend, in welcher Rindviehzucht getrieben wird. Mamboia (1216 m), eine englische Missionsstation, liegt auf einem Hügel am Nordende des schönen Sima-Thales; die gute Qualität des Bodens erhält sich bis Nguru und Berega in der Richtung von Sabundila und Kisiwa am Westrand des Mguru-Gebirges, verwandelt sich aber von dort nordöstlich in steinige, dornige Steppen.

Das herrlichste Land findet man im 16 km breiten Becken von Kitangi (1050 m) an den Quellen des Mtate.

Die starke Bevölkerung treibt neben Ackerbau ergiebige Viehzucht; das Land ist offen, mit kurzem Gras und nur an den Wasserrinnen mit Busch bedeckt.

Den Mtate abwärts bleibt die Fruchtbarkeit auf gleicher Höhe; das Thal ist aber wegen räuberischer Einfälle zum größten Theil verlassen. Dieses Eden schließen im Westen die Kleinen Rubeho-Berge ab, deren höchster steilansteigender Uebergang 1368 m über dem Meere liegt. Nach Südwesten und Westen flachen sie sich ganz allmählich ab und bilden wahrscheinlich die nördliche Begrenzung des Matamombo-Thales; im Norden enden sie rasch in einer ungemein wildreichen, von Dschungeldickicht durchsetzten Ebene, die nach Westen über die Karavanenstraße herabbiegt und von einer Thalschlucht mit Steinsalzlager begrenzt wird. Hier und in dem unmittelbar westlich aufsteigenden Hügelzug von Mlali (1127 m über dem Meere) sind wahrscheinlich die Quellzuflüsse des salzig-bittern Matamombo zu suchen. Zwischen dem fruchtbaren und stark bewohnten Bezirk von Tubugwe und Mbambwa erheben sich die Kiboriani-Berge bis zu 1800 m. Nördlich von ihnen beginnt, bei Sagala, mit anbaufähigem Boden das mächtige Hochplateau Innerafrikas; bei der vorwiegenden Trockenheit, die nur während fünf Monaten von einzelnen Regenschauern unterbrochen wird, ist die Luft rein und frei von Malariakeimen.

Nicht zum Flußgebiet des Wami, aber ethnographisch zu Usagara gehört die sogenannte Kirigawana-Route; sie geht von Ugogi der Südseite des Rubeho-Gebirges entlang, übersteigt dieses bei Kiperepeta und endet bei Kikoboga am Südende der Makata-Ebene. Sie wird mit Vorliebe bei dem Marsch aus dem Innern gewählt, da hier weniger oder seltener an die Häuptlinge Tribut zu zahlen, überall der Nahrungsbedarf zu bekommen und die meist offene Steppe leicht zu passiren ist.

Unbequemlichkeiten verursachen nur die vielen Flußübergänge und das schlüpfrige Auf- und Absteigen an den Bergrippen, welche entweder mit schwarzschlammiger Erde bedeckt sind oder aus nacktem Felsgestein bestehen. Südöstlich von Ugogi, nach einem kurzen Marsch durch welliges, dorniges Land, eröffnet sich dem Blick bei Murundusi, dem Grenzort zwischen Uhehe und Usagara, eine herrliche, fruchtbare Gegend: feines Gras, Tamarinden, Sykomoren und Miombos von außergewöhnlicher Stärke, in denen Papagaien, Tauben und Dohlen nisten; zwischen den Behausungen der Eingeborenen Rinder in Menge; in Gruben von 5–6 m Tiefe vorzügliches Trinkwasser. Von hier bis Maroro (653 m) trifft man nur dürres, rauhes Land von rother Erde; vereinzelte Schluchten mit weißsandigen Ufern, von smaragdgrünen Bäumen umsäumt. Bei Rudi, das von Wahehe bewohnt wird, gibt es viel Tabackbau. Westlich von Kikako durchschreitet man auf steinigem Bergpfad den einzigen zusammenhängenden größern Wald. Maroro besitzt frisches Gewässer, das rasch in der schwarzen Erde der tiefern ebenen Lagen versumpft und hohes, binsenartiges Gras hervorschießen läßt. Auf den Feldern dazwischen gedeihen in der feuchtheißen Luft Mais, Durra, Bataten und Taback. Der Ort ist ungesund und die Plage der Mosquitos peinlicher als sonst auf diesem Wege. Von Maroro gelangt man durch Stein und Gestrüpp über den Paß von Kiperepeta nach dem von grünen Hügeln umgebenen, ziemlich fruchtbaren Bezirk von Kisanga, in welchem das Dorf Kirigawana liegt. Verleihen auch Sykomoren und Wollbäume dem Landschaftsbild einen etwas mehr erfreulichen Anblick, so ist doch das Erträgniß der Felder sowol hier wie am Ruhembe-Bach von geringer Beschaffenheit.

Bevölkerung.

Die Wasagara sind im Wami-Thal meist Ackerbauer und in den Hochebenen der Nordgrenze meist Viehzüchter. Ziegenfelle, Grasröcke, zuweilen auch Tuchfetzen bilden die spärliche Bekleidung; Ringe von Messingdraht um die Arme, die Fußgelenke, um den Hals (hier zuweilen weit abstehend) und schwer herabziehende Ohrgehänge bilden den Schmuck; Pfeile, Assegais und Steinschloßgewehre in geringer Zahl die Waffen. Stirn, Brust und Arme werden tätowirt. Wegen der häufigen Ueberschwemmungen und aus Furcht vor den thalwärts ziehenden Räuberhorden bauen sie sich fast ausnahmslos an den Abhängen des Gebirges an. Im mittlern Wami-Thal, zwischen Msuero und Kondoa, und theilweise in den nördlichen Districten bis Mbambwa wohnen sie in den schmutzigen, von Ungeziefer wimmelnden viereckigen Lehmgehöften, in den Tembes, sonst in den üblichen bienenkorbartigen Hütten. Von ihrem Nationalcharakter können wir nur die eine negative Thatsache anführen, daß sie kein besonders tapferes Volk sind und sich den Sklavenjagden der Waseguha, Wahumba, Wagogo und Wahehe wenn möglich durch das Verlassen von Haus und Hof entziehen. Elend und scheu ist ihr Aussehen und Benehmen im Mukondogwa-Thal, entschieden stämmiger und kampflustiger am Rumuma und an der Nordgrenze. Unter ihnen wohnt ein gesonderter Jägerstamm, wie die Wandorobbo unter den Wakuafi und die Wakamba unter den Wanguru, nämlich die Wakwa im Wami-Thal bei Mungubugubu und Msuero; sie erlegen Elefanten und Büffel mit vergifteten Pfeilen oder auch mit Steinschloßgewehren.

Eine politische Organisation für ganz Usagara oder nur für einen größern Theil existirt nicht. Was als Ortschaft in den Karten bezeichnet ist, bedeutet meistens einen Bezirk oder eine Gemeinde; die zugehörigen Hüttencomplexe haben ein gemeinschaftliches Oberhaupt, einen Dorfhäuptling. Diese „Herrscher und Fürsten” sind voneinander unabhängig und von keinem wird berichtet, daß er hervorragenden Einfluß in einem größern Umkreis gewonnen. Nur eine Ausnahme könnte bestehen, wenn sich die Verhältnisse seit der Reise des französischen Missionars Etienne Bauer im Jahr 1885 nicht geändert haben: das Land am Westufer des Wami zwischen Loonga und Komberina mit Farhani und Rudewa und am Ostufer mit Kakonga und Kisukara stehen unter der Oberhoheit der Fürstin Simbamweni in Ukami.

Schlußbetrachtung.

Was an Naturproducten das Wami-Gebiet gegenwärtig hervorbringt, kommt für den Export kaum in Betracht: es sind nur Feldfrüchte, die den Localbedarf decken. Demnach kann auch der Import, Baumwollzeuge, Eisen- und Messingdraht, bei der Bedürfnißlosigkeit der wenig energischen Bevölkerung von keiner besondern Bedeutung sein.

Allein die Fruchtbarkeit des Bodens ist in einzelnen Gegenden so gewaltig und so wenig ausgebeutet, daß eine erhöhte Culturthätigkeit Aussicht auf lohnenden Ertrag verspricht. Die geringen Resultate der bisherigen Versuche in Mbusine, Kiora und zum Theil auch in Sima dürfen nicht abschrecken; es waren nicht die besten, sondern nur die zunächst liegenden Plätze ausgewählt worden.

Soweit die bisher erworbene Kenntniß des Landes es erlaubt, kann behauptet werden, daß zum Plantagenbau in erster Linie sich eignen: Mondo im Thal des Luseru für Kaffee, Cacao, Zuckerrohr, Taback; Farhani in der Makata-Ebene für Zuckerrohr und Taback; das mittlere Sima-Thal, ebenfalls für Taback.

In zweiter Linie: das obere Thal des Luseru bei Sagasa, Kibanti und am Luvumo.

Endlich, besonders als Jagd- und Viehzuchtstationen: Kitangi und Mbambwa.

Für alle, auch für die erstgenannten Ansiedelungen gilt als sehr bedeutendes Erschwerniß der Mangel guter Verkehrswege und die allzu große Entfernung von der See.

Die Arbeiterfrage wird wahrscheinlich keine ungünstig entscheidende Rolle spielen, denn die Bevölkerung ist in jenen Bezirken eine zahlreiche und an Ackerbau gewöhnte.