Uebersicht.
Die deutsche Interessensphäre in Ostafrika, durch das deutsch-englische Abkommen vom 1. November 1886 begrenzt im Norden durch den Umba, im Süden durch den Rovuma, im Osten durch den 10 englische Meilen breiten, dem Sultan von Sansibar unterworfenen Küstenstrich und im Westen ganz allgemein durch den im Seengebiet anstoßenden Kongo-Staat, wird Deutsch-Ostafrika im weitern Sinne genannt. Im engern Sinne aber können gegenwärtig nur diejenigen Länder innerhalb der Interessensphäre als Deutsch-Ostafrika bezeichnet werden, in welchen entweder Verträge mit den eingeborenen Häuptlingen deutscherseits abgeschlossen worden sind oder deutscher politischer und wirthschaftlicher Einfluß sich geltend gemacht hat. Darnach muß die Westgrenze und zwar diese allein anders gezogen werden. Sie verläuft von Norden nach Süden: vom Kilimandscharo-Gebiet den Pangani entlang an der westlichen Seite von Nguru und Usagara vorbei nach Mahenge und von da in unbestimmbarer Linie nach dem Rovuma.
Vom geographischen und colonisatorischen Standpunkt aus umschließt Deutsch-Ostafrika zur Zeit die Flußgebiete des Pangani und Umba, des Wami und Kingani, des Rufidschi und Rovuma im mittlern und untern Theil.
Auf diesen Umfang beschränkt sich im allgemeinen die vorliegende Darstellung der Geographie von Deutsch-Ostafrika.
Die Gestaltung und mit ihr die klimatischen und Vegetationsverhältnisse Deutsch-Ostafrikas erhalten ihre charakteristische Eigenthümlichkeit als Küstengebiet durch eine mächtige, zusammenhängende Gebirgskette, welche zwischen dem Hochplateau Innerafrikas und dem Indischen Ocean in breiter Masse eingelagert ist. Das Gebirge, mäßig von Westen ansteigend, fällt steil nach Osten in bis zum Seestrand reichenden Terrassenstufen ab. Die Ausdehnung und die Höhe der Erhebung der Terrassen verursacht im speciellen einen wesentlichen Unterschied zwischen dem nördlichen und dem südlichen Theil. Während zwischen Umba und Kingani das Terrain sich rasch erhebt und als Ebene von geringerer Breite an den Fuß der nahe gelegenen Berge herantritt, erstreckt sich das Land zwischen Kingani und Rovuma als eine mächtige, gleichmäßige Hochfläche mit minderer Erhebung tief in das Innere zu dem fernliegenden Gebirge hinan.
Ueber das Klima auf dem Festlande besitzen wir keine genügenden meteorologischen Aufzeichnungen; länger andauernde, an einem bestimmten Ort gemachte Beobachtungen existiren gar nicht, sondern nur gelegentliche, in Zahlen gefaßte Reisenotizen und allgemeine Bemerkungen über das Wetter. Um uns aber doch ein annähernd richtiges Bild zu verschaffen, um Anhaltspunkte zur Verwerthung der in den Reisewerken zerstreuten Wetternotirungen zu gewinnen, müssen wir uns eine Grundlage bilden durch die Betrachtung der klimatischen Verhältnisse auf der Insel Sansibar. Sie sind durch die Arbeiten Dr. Seward’s, die Otto Kersten[1] benutzte, und Dr. John Robb’s[2] ziemlich genau und übereinstimmend sichergestellt. Da die Lage Sansibars unter denselben Himmelsstrich fällt, wie der in Betracht zu ziehende Theil des Küsten- und Binnenlandes, so liefern uns die in Sansibar gewonnenen Resultate in großen, allgemeinen Zügen den klimatischen Charakter Deutsch-Ostafrikas; Sansibar gibt uns die Regel, auf dem Festland finden wir die Steigerungen und Minderungen.
Ostafrika hat keinen Winter und keinen Sommer, sondern zweimal eine Regenzeit und zweimal eine Trockenzeit. Die bestimmenden Factoren sind Monate andauernde Passatwinde (Monsuns), welche aus entgegengesetzter Himmelsrichtung wehend halbjährig sich ablösen, und die mit dem zweimaligen Zenithstand der Sonne zusammenfallenden Windstillen oder Calmen, welche nach dem Aufhören des einen Passatwindes und vor Beginn des andern eintreten.
Anfang März erlischt der Nordost; Calmen folgen; am 4. März erreicht die Sonne den Zenithstand. Mitte März beginnt die erste, sogenannte große Regenzeit (Masika) und dauert bis Ende Mai; darauf folgt die erste Trockenzeit, welche bis Mitte October anhält. Von Ende März bis Ende September weht der Südwest.
Anfang October erlischt der Südwest; Calmen folgen; am 9. October steht die Sonne im Zenith. Mitte October beginnt die zweite, sogenannte kleine Regenzeit (Vuli) und dauert bis Mitte December; darauf folgt die zweite Trockenzeit, welche bis Mitte März anhält. Von Ende November bis Ende Februar weht der Nordost.
Um die Uebersicht und späteres Vergleichen zu erleichtern, ist das Gesagte in der umstehenden Tabelle geordnet.
Die Witterungsregelmäßigkeit der Tabelle hält natürlich die Wirklichkeit mit solcher Exactheit nicht ein. Die Windströmungen setzen nicht ein oder hören nicht auf genau an dem fixirten Tag, ebenso wenig die Regenzeiten; aber die Differenzen bewegen sich in den Grenzen von ein bis zwei, in seltenen Fällen von drei Wochen.
Uebersicht des Witterungswechsels in Sansibar.
| Januar | Trockenzeit | NO. | — | } | Die heißesten Monate. | ||
| Februar | „ | „ | — | ||||
| März 1. Hälfte | „ | Calmen | Sonne im Zenith | ||||
| 2. Hälfte | Regenzeit | „ | — | ||||
| April | „ | SW. | — | Feuchtester Monat. | |||
| Mai | „ | SW. | — | ||||
| Juni | Trockenzeit | SW. | — | } | Die kühlsten Monate. | ||
| Juli | „ | „ | — | ||||
| August | „ | „ | — | Trockenster Monat. | |||
| September | „ | „ | — | ||||
| Oct. 1. Hälfte | „ | Calmen | Sonne im Zenith | ||||
| 2. Hälfte | Regenzeit | „ | — | ||||
| Nov. 1. Hälfte | „ | „ | — | ||||
| 2. Hälfte | „ | NO. | — | ||||
| Dec. 1. Hälfte | „ | „ | — | ||||
| 2. Hälfte | Trockenzeit | „ | — | ||||
Sowenig es in der Regenzeit unausgesetzt regnet, sondern überhaupt nur alle Tage und heftig, sowenig ist es in der Trockenzeit absolut trocken; es gibt auch hier einzelne Regenschauer.
Auch bei den Luftströmungen und Calmen treten gelegentlich Modificationen ein; der Nordost schlägt in Nord oder Ost, der Südwest in Süd, West oder Südost um. In der Calmenzeit tauchen oft leichte und variable Winde auf.
Ueber die Temperaturen gibt die nächste Tabelle Aufschluß. Da die von Kersten mitgetheilten meteorologischen Beobachtungen Dr. Seward’s wegen ihrer weitgehenden Ausführlichkeit später zum Vergleich citirt werden, so sind sie neben jene, einen größern Zeitraum umfassenden, von Dr. J. Robb gesetzt. Die Resultate beider sind von unbedeutender Verschiedenheit; man kann aus beiden folgende Schlüsse ziehen:
Die Wärmedifferenz innerhalb des ganzen Jahres ist sehr gering; sie beträgt, Februar und März mit Juli und August verglichen, 2,5° R. Januar, Februar, März sind die heißesten, Juni, Juli, August die kühlsten Monate. Der Unterschied zwischen dem Jahresmittel der Maxima und dem der Minima macht bei Seward 4,9° R. und bei Robb sogar nur 3,2° R. aus.
Den fast gleich sich bleibenden Monatstemperaturen entspricht die kaum sich steigernde und kaum sich abmindernde Temperatur des Tages. Die höchste Steigerung der Wärme vom Morgen zum Mittag kommt im October vor, ebenso die stärkste Abkühlung während der Nacht; sie beträgt im ersten Fall 3° R. und im zweiten 2,6° R.
Monatsmittel der Tagestemperatur von Sansibar in Réaumur-Graden.
| Während 1886, nach Dr. Seward. | Nach Dr. Robb, 1874–78. | ||||||||
| Monat | 6 Uhr V. | 12 Uhr M. | 6 Uhr N. | Im Durchschnitt des Tags | Maximum | Minimum | Im Durchschnitt des Tags | Maximum | Minimum |
| Jan. | 21 | 21,9 | 21,8 | 21,6 | 23,7 | 20,3 | 22,4 | 23,9 | 20,6 |
| Febr. | 21 | 22,1 | 22,2 | 21,8 | 24,4 | 20,4 | 22,6 | 24 | 20,8 |
| März | 19,9 | 22 | 21,7 | 21,2 | 24 | 18,6 | 22,7 | 24 | 20,6 |
| April | 19,9 | 21,6 | 20,8 | 20,8 | 23,6 | 18,6 | 22 | 23,1 | 20,2 |
| Mai | 19,5 | 21,2 | 20,7 | 20,5 | 23,4 | 18,6 | 21,3 | 22,8 | 19,5 |
| Juni | 18,9 | 20,8 | 20 | 19,9 | 22,4 | 17,7 | 20,6 | 22,1 | 19,1 |
| Juli | 18 | 20,3 | 19,7 | 19,2 | 21,5 | 16,8 | 20 | 21,7 | 18,5 |
| Aug. | 17,8 | 20,6 | 19,5 | 19,2 | 21,8 | 16,6 | 20,1 | 21,9 | 18,5 |
| Sept. | 18,3 | 21,2 | 20,3 | 19,9 | 22,8 | 17,5 | 20,4 | 22,4 | 18,7 |
| Oct. | 18,3 | 21,3 | 20,9 | 20,2 | 23,2 | 16,7 | 21 | 22,8 | 19,1 |
| Nov. | 19,7 | 22 | 21,6 | 21,1 | 24,4 | 19 | 21,7 | 23,2 | 20 |
| Dec. | 20,3 | 21,9 | 21,7 | 21,3 | 24,1 | 19,7 | 22,3 | 23,4 | 20,4 |
| Im Jahr | 20,6 | 23,3 | 18,4 | 21,4 | 22,9 | 19,7 | |||
Betrachtet man die Temperaturentabelle Sansibars genau, so gewahrt man in den Monatsmitteln eine sehr minimale, fast nur in den Decimalstellen sichtbare, allmähliche Abnahme und eine ebenso geartete Zunahme. Auf dem Festland vergrößern sich diese Differenzen und man kann in einzelnen Gegenden das Jahr in eine kühle und in eine heiße Zeit eintheilen. Eine nach europäischen Begriffen gebräuchliche Annahme, in den Gebirgen eine frischere Luft anzutreffen, erweist sich für Ostafrika als Regel unhaltbar. So ist das Gebirgsland Usagara heißer als Sansibar. Auch der Vorstellung muß entsagt werden, daß mit der Zunahme der Bodenerhebung die Salubrität einer Gegend verbunden sei. Kutu ist das ungesundeste Land, ebenso ein großer Theil Usagaras. Die feuchte Wärme aus üppig wuchernder Vegetation ist die Quelle des Fiebers. Wo also hoch entwickelte Fruchtbarkeit existirt, herrscht in minderm oder höherm Grad das Fieber. Absolut gefährlich ist die Nähe von Sümpfen und morastigen Niederungen. Fieberfreie und zugleich fruchtbare Oertlichkeiten findet man in einigen vereinzelten Fällen und zwar da, wo entweder durch besonders günstige Lage oder durch die Cultur der nothwendige Grad von Trockenheit erreicht worden ist.
Die Monotonie des ziemlich hohen Temperaturzustandes ist es nicht allein, welche die Energie des Europäers in Sansibar abschwächt, sondern der hohe Feuchtigkeitsgehalt der Luft: am Morgen 89%, von Mittag bis Sonnenuntergang 73%, das Jahresmittel 81,8%. Der April ist der feuchteste mit 88,7% und der August der trockenste Monat mit 76,2%.
Sansibar, namentlich die Stadt, gilt als gesund für jeden, der sich in Diät und Kleidung tropischen Anforderungen zu fügen weiß. Die Gefährlichkeit des Klimas beginnt auf dem Festland, in der Region der Spaltpilze, welche die Sonnenglut aus den vegetationsreichen, durchnäßten Erdschichten, aus Lagunen und Sümpfen zu fiebererzeugenden Miasmen auskocht.
Die mit Dampf übersättigte Seeluft strömt nach dem Continent, streicht über Küsten und Terrassen nach dem Gebirgswall, verdichtet sich hier zu Wolken und Regen und kommt trocken und klar in die Hochflächen Innerafrikas. Deutsch-Ostafrika liegt also ganz in dem Bereich des dunstigen Himmelsstrichs. Modificationen treten gemäß der Bodengestaltung ein. An der Küste fließen die kühleren Luftschichten dem erhitzten Binnenland zu und verursachen auch während der Trockenzeit unregelmäßige, häufige Niederschläge. Sind die anstoßenden Plateaus von höherer Erhebung und erreichen sie bald den Fuß der Gebirge, so nähert sich ihr Wettercharakter dem des Strandes und der Berge, so in Bondei und Useguha. Steigen sie aber nur langsam empor und treffen sie erst in weiter Entfernung von der See auf die Masse eines Gebirges, so kommt die austrocknende Hitze der Sonne zur entscheidenden Herrschaft und die Regenzeiten beginnen später und sind von geringerer Dauer: so im mittlern Usaramo und wahrscheinlich in dem Land zwischen Rufidschi und Rovuma. In allen Gebirgsgegenden, von Usambara bis Kutu, werden die Luftströmungen der See von kühleren Schichten aufgenommen, und Regen fällt hier fast in allen Monaten des Jahres, verstärkt und gedrängt zu früherm Ausbruch durch die eigentlichen Regenzeiten und gemindert durch die Trockenzeiten.
Ein Theil Deutsch-Ostafrikas fällt jenseit des dunstigen Küstenklimas in den Wetterbereich Centralafrikas: das sind die ebenen Strecken, welche zwischen den Usambara-Bergen und dem Kilimandscharo-Gebirge gelagert sind.
Die geologische Beschaffenheit von Deutsch-Ostafrika ist einfach: das Gebirge und die anstoßenden Plateaus bestehen aus Gneis, die zum Meer sich absenkende schmale Flächenzone aus Sand- und Kalkstein, die Küste aus Korallenkalk. Eruptive Gesteinsmassen findet man am Kilimandscharo und an einigen Stellen im oberen Kutu.
Der Gneis bestimmt in dem Zustand der Verwitterung den Vegetationscharakter des ganzen Landes. In vier verschiedenen Stadien wird er zu rother, graurother, schwarzer Erde und zu Humus.
Die rothe Erde ist das Verwitterungsproduct des Gneises auf horizontaler Fläche, der bekannte poröse, eisenhaltige Lateritboden. Regengüsse zerklüften ihn und die Sonnenglut backt ihn zusammen zu steinharten Klumpen. Hartes Büschelgras, Dorngebüsch, Mimosen, Akazien und Baobabs wachsen auf ihm. Liegt er unter einem Himmel mit Regenfällen, auch während der Trockenzeit, so ändert sich seine Beschaffenheit zu Gunsten gesteigerter Fruchtbarkeit, sodaß er Getreide, Taback und Gemüse erzeugen kann.
Wird die rothe Erde, auf geneigter Ebene liegend, vom Regenwasser nach Abhängen und Bodensenkungen geschwemmt, so wird sie zerrieben, mit verwesenden Pflanzenresten untermischt und zur graurothen Erde. Die Productionskraft ist gesteigert: alle Cerealien gedeihen, ebenso Bananen, Bataten, Taback, Wälder voll schattiger Bäume mit dichtem Unterholz, Wiesen mit Futtergras.
Die graurothe Erde, zu dauerndem Ruhelager in die Tiefe gelangt, verwandelt sich in feinzertheilten, durch organische Substanzen massenhaft bereicherten üppig fruchtbarsten Humus unter den Bedingungen anhaltender Feuchtigkeit, starker Erwärmung und mäßiger Wasserversickerung. Diese Bedingungen werden in seltenen Fällen in gleichmäßigem Grade erfüllt, am meisten in den geschlossenen sogenannten Regenwäldern, in den Thälern von Alluvium absetzenden Flüssen und auf den sanft verlaufenden Abdachungen der Gebirge.
Findet das vom Humus eingesogene Wasser keinen Abfluß, so formt sich der Boden zu schwarzer Erde um, die entweder mit Savannen oder mit zähem Schlamm und mit Sümpfen bedeckt wird.
Diese vier verschiedenen Qualitäten der Erdkruste kommen selten rein, meistens in mannichfach abgestuften Uebergängen vor. Welche Ausdehnung die eine oder andere Gattung besitzt, läßt sich bei der Lückenhaftigkeit unserer gegenwärtigen topographischen Kenntnisse nicht annähernd genau weder behaupten, noch viel weniger mit Zahlen angeben, aber ein allgemeiner Ueberblick führt zu dem Schluß, daß der größere Theil des zwischen Umba und Rovuma liegenden Landes mit der rothen Lateriterde bedeckt ist.
Vier Hauptströme fließen von den Bergen dem Meere in westöstlicher Richtung zu: der Pangani, Wami, Kingani und Rufidschi. Trotz starken Gefälles und unausgesetzter Nährung durch zahlreiche Zuflüsse, hat keiner sein Bett so tief gegraben, daß er auf größere Strecken von der Küste aus für Lastschiffe oder Dampfbarkassen schiffbar wäre. Der Wasserüberschuß wird in periodischen Ueberschwemmungen vergeudet.
Die Verzweigung des Flußsystems in eine Menge von Thälern und Schluchten hat zwei Vortheile:
erstens tragen die Bäche und Ströme im Gebirge reichlich vorhandene Feuchtigkeitsmengen den sonst in der Sonnenhitze vertrocknenden ebenen Niederungen zu; zweitens schlemmen sie die Verwitterungsproducte der höheren Regionen nach den Tiefländern ab und häufen hier ein fruchtbares Alluvium an.
Das allgemeine Vegetationsbild Deutsch-Ostafrikas ist demnach folgendes:
In und auf den Bergen geschlossene Waldungen, an den Abhängen und in den Thalsohlen Bananenhaine und vereinzelte Wiesenflächen.
Auf den ebenen Niederplateaus und in den breiteren Thalbetten:
Moräste mit Complexen von Buschwald.
Offene Savannen, entweder cultivirbare oder steinige, ausgedörrte.
Savannen mit üppigem oder dornigem Dschungel oder mit leichtem Gehölz (Savannenwald) und mit Buschwald an den Rinnsalen der Gewässer (Galeriewälder).
Unmittelbar an der Küste:
Kokospalmenhaine und Baumwollstauden auf fruchtbarem Sandboden; Mangrove-Waldungen, überall mit sumpfigen Lagunen. Kopalwälder im südlichen Theil.
Ausgedehnte Culturflächen im europäischen Sinn existiren nirgends, nur Culturflecke inmitten der Wälder, an Gebirgsabhängen, im bewässerten Savannenland und in der Nähe des Meeres.
Die Wälder bestehen hauptsächlich aus Wollbäumen, Sykomoren, Tamarinden, Banianen, Akazien, Dum- und Delebpalmen, Miombo- und Kopalbäumen. Die häufigsten Schlinggewächse, die sie durchziehen, sind die Gummiliane und die Sassaparilla. Baumartige Farrn, Bambusen und Kriechpflanzen bilden das Unterholz, das fast überall die Räume zwischen den Stämmen ausfüllt. Verfaulende Vegetation erfüllt die Waldluft mit schwülen Miasmen; düsteres Dämmerlicht herrscht auch beim hellsten Sonnenschein. Die Wälder stehen auf dem fruchtbarsten, weil wasserhaltigsten Boden.
Die offene Savanne ist blumenloses Grasland mit vereinzelt stehenden Affenbrotbäumen (Baobab). Das Gras schießt mit 2–4 m hohen, harten, kantigen Halmen, in getrennten, oben sich ausbreitenden Büscheln auf; am Boden ist freier Zwischenraum für niedriges und kleines Gethier. Das Wandern in demselben ist für den erwachsenen Menschen ermüdend und nach Thaufall sehr unbehaglich, da er mit dem Haupte das über ihm zusammenschlagende Gräsermeer immer von neuem zertheilen muß; bei der Nähe von Büffeln, Löwen, Leoparden oder feindlich gesinnten Eingeborenen wird das Durchschreiten solcher Strecken ziemlich gefährlich, da man weder über die Halme hinweg, noch zwischen diese auf nur geringe Entfernung sehen kann. Wird die Savanne niedergebrannt oder verdorrt sie unter der Glut der Sonne, so verwandelt sie sich in fußtiefe, lästig staubige Asche. In der wasserarmen, steinigen, auf nacktem Lateritboden stehenden Savanne härten und schärfen sich die Halme; die Grasbüschel stehen weit auseinander. Erhält sie aber Befeuchtung, sei es von häufigen Regenschauern oder von durchfließendem Gewässer, so kann aus ihr ertragfähiges Ackerland geschaffen werden.
Die Monotonie der Savanne wird unterbrochen entweder durch lichtes Gehölz (Savannenwald) oder durch Buschwald (Dschungel).
Der Savannenwald setzt sich wesentlich aus Akazien, Eriken und Mimosen zusammen. Je trockener der Boden, desto zahlreicher tritt die stachelige Gummi-Akazie auf.
Das Dschungel ist der gefürchtete Gestrüppwall. Es bildet eine compacte Masse strauchartiger, eng in sich und von Grund aus verzweigter, mit zähem Schlinggewächs netzartig verbundener Bäume und dornenbewehrter Blattpflanzen. Haben nicht Elefanten oder Nashörner einen Pfad durchgebrochen, so muß der Durchgang mit Beilen und Messern erkämpft werden. Die Luft darin ist düster und schwül, der Boden oftmals versumpft; es ist die Heimstätte der Tsetsefliege. Bei der Zunahme nackten, trockenen Lateritbodens überwiegen stachelige Gewächse die immergrünen, dornenlosen. Zu jenen gehören die Gummi-Akazie, Euphorbien, Opuntien und Aloën.
Die in Cultur genommenen Landstriche bedecken Pflanzungen von Fruchtbäumen und Felder.
Von Fruchtbäumen gedeihen, sei es in Hainen oder in Gruppen zwischen den Hütten der Dörfer:
Kokos- und Delebpalmen, Orangen-, Melonen- und Mangobäume, die Banane.
Auf den Feldern wird angebaut:
Kaffernkorn, Negerhirse, Maniok, Sesam, Bataten, Erdnüsse, Reis, Zuckerrohr, Taback.
Um von den Bäumen und Pflanzen, die später vielfach mit Namen angeführt werden, eine annähernd deutliche Vorstellung zu geben und um zugleich über den allgemeinen Culturwerth derselben zu orientiren, lasse ich hier eine möglichst kurze und bündige Beschreibung derselben in einem Verzeichniß folgen. Bei einzelnen Arten ist neben der lateinischen Benennung auch die landesübliche Bezeichnung beigefügt.
Waldbäume.
Affenbrotbaum (Adansonia digitata, „Baobab” [westafr.], „Mbuju” [ostafr.]). Höhe 12–22 m, Umfang bis zu 47 m. Stamm von weichem, schwammigem Holz. Wipfel, von 38–48 m im Durchmesser, von der Form einer Halbkugel. Gefingerte Blätter. Weiße Blüten an meterlangen Stielen. Gurkenähnliche, 30 cm lange Früchte mit weißem, trockenem Mark. Aus diesem wird ein kühlendes, säuerliches Getränk bereitet. Rinde als Mittel gegen Fieber, die Fasern zu Stricken. Wächst einzelstehend auf der Savanne in der Ebene und auf Höhen; am Fuße des Kilimandscharo bildet er einen Theil des Waldes.
Akazien (Acacia). Schirmförmige Krone. Dornig. Kleine gelbe Blüten.
Catechu-Akazie (Acacia catechu). Großer unregelmäßiger Baum. Braune, rissige Rinde. Kurz bedornte Aeste. Schmale, 30 cm lange Blätter. Aus dem gekochten Holz gewinnt man einen wässerigen Extract als Gerbstoff: das Katechu.
Gummi-Akazie (Acacia gummifera). Abstehende Aeste mit scharfen Dornen. Kurze gefiederte Blätter. Liefert schlechtes Gummi.
Banianen (Ficus indica; Banian-tree [englisch]). Sehr dicker Stamm. Große flache Krone. Von den horizontal verlaufenden Aesten senken sich Luftwurzeln in den Boden und bilden neue Stämme. Tiefgrüne, glänzende Blätter.
Kopalbäume (Hymenaea Courbaril; „Msandarusi”). Umfang 26 m. Hartes Holz, als Nutzholz verwendbar. Der angeschnittene Stamm liefert ein Harz, das zur Fälschung des halbfossilen Kopals benutzt wird. 1–1½ m unter dem Standort der Kopalbäume wird der halbfossile Kopal ausgegraben.
Mangrove (Rhizophora Mangle). 20–25 m hoch. Der hellgraue oder röthlich braune Stamm ruht entweder auf einem viertheiligen, freistehenden Wurzelgerüst, 3–5 m über dem Boden, oder er liegt bockartig horizontal auf einer Masse von Wurzeln und aus ihm sprießen senkrecht zahlreiche Stämme empor. Alle Zweige und Wurzeln greifen dicht ineinander hinein und bilden ein undurchdringliches Wirrsal. Die Blätter sind dunkelglänzend und lederartig. Die Mangrove wächst nur an der Küste, in dem vom Salzwasser durchtränkten Boden. Das sehr schwere und sehr dauerhafte Holz findet als hochgeschätztes Schiffsbauholz Verwendung.
Mimosen (Mimosa). Dorniger Baum oder Strauch. Abwechselnde, doppeltgefiederte Blätter mit Nebenblättern.
Miombo. Die afrikanische Esche. Höhe 15 m; Umfang des Stammes 2½ m. Dunkelgrünes Laub. Grünliche Blüte, wie Jasmin riechend. Frucht eine große Schote mit zwölf harten, braunschwarzen, inwendig rothen Kernen. Die Rinde vielfach verwendet zum Bau von Hütten und Canoes. Das Holz ein vorzügliches, andauerndes Feuermaterial.
Sykomore, Maulbeerfeigenbaum (Ficus Sycomorus; „Mkuju”). Sehr dicker, säulenartiger Stamm, 12–15 m hoch. Breit sich ausdehnende Aeste mit dichtem Laub überschatten einen Raum von 150 m im Durchmesser. Blätter lorbeerähnlich von festem und starrem Gewebe. Nutzholz.
Tamarinde. Die afrikanische Eiche. (Tamarindus indica; „Subar”). Höhe 9–12 m. Weit ausgebreitete, schattenreiche Krone. Paarig gefiederte Blätter. Früchte: fingerdicke, bis zu 20 cm lange Schoten mit süßsäuerlichem Mark. Aus diesen wird ein berauschendes Getränk bereitet, das gut gegen Gallenfieber ist, oder sie werden (namentlich von den Arabern) verkocht, getrocknet, mit Oel und Salz versetzt, in Kugeln geformt und als Würze zu den Speisen benutzt; jahrelang haltbar. Das Holz des Stammes ist Nutzholz.
Teakbaum. Die indische Eiche (Tectona). 40 m hoch. Schlanker Stamm. Eiförmige Blätter. Das Holz von angenehmem Geruch, braunschwarz, gut spaltbar, dreimal so dauerhaft als Eichenholz. Besonders zum Schiffsbau verwendet.
Wollbaum (Bombax Ceiba; „Mparamusi”). Der Riese des Waldes; 40–50 m hoch. Gelblich-grüner, buchenähnlicher Stamm, 4½ m im Durchmesser, mit tafelähnlichen Strebepfeilern umwachsen, 30–40 m astlos. Die Krone breitet sich oben mächtig aus. Immergrüne Blätter. Die im Samen enthaltene seidenartige kurze Wolle wird zum Füllen von Kissen benutzt. Das leichte, sehr weiche Holz dient zu Schnitzereien und auch zu Canoes.
Palmen.
Arecapalme, Betelnußpalme (Areca catechu). Schlanker Stamm, 12–19 m hoch, bis 60 cm im Umfang. Gefiederte, 4 m lange Blätter. Die ovalen Früchte, von der Größe und Form eines Hühnereies, wachsen büschelartig, enthalten der Muscatnuß ähnliche Kerne; werden getrocknet, zerschnitten, mit Gewürz bestreut und kommen so in den Handel. Man kaut die Stücke zur Reinigung des Mundes und als Reizmittel. Eine Palme liefert 200–800 Nüsse jährlich.
Bambusa („Viansi”). Der Stamm besteht aus einem mächtigen Bündel schaftartiger, hohler, 15–18 m langer Zweige, die dicht aus dem Boden herauswachsen. Die Bambusa gedeiht an feuchten Stellen in Wäldern und außerhalb derselben. Die Schäfte werden zu Bauzwecken und zu leichtem Zimmergeräth verwendet.
Delebpalme (Borassus aethiopum; „Mvumu”). 18–22 m hoch. Stamm 60 cm im Durchmesser; oberhalb der Mitte angeschwollen; rauh mit abgewelkten Zweigen; fächerartige Krone. Jeder Baum hat 10–15 Fruchtbüschel mit 8–10, 3–5 kg schweren Früchten. Gelblich-rothe, kinderkopfgroße Früchte, wie Ingwer schmeckend. Das saftige, ananasartige Fleisch umschließt länglich runde, eßbare Kerne. Die Früchte werden auf Kohlen geröstet. Aus den Blütenkolben wird Wein gewonnen. Die Blätter dienen zu Umzäunungen und Dachdeckungen; das Holz zu Bau- und Schreinerholz. Die Delebpalme bildet Wälder.
Dumpalme (Hyphaene thebaica; „Mohama”). 9 m hoch. Der Stamm gabelt sich oben in einige Aeste mit fächerartiger Krone. Die Früchte mit dicker, mehliger Rinde sind von angenehmem Geschmack.
Kokospalme (Cocos nucifera; „Mnasi”). 30 m hoch. Sehr schlanker, elastischer Stamm von 30–60 cm Durchmesser. 10–12 gefiederte Blätter von 4–6 m Länge bilden die nach allen Seiten ausgebreitete Krone. Die Früchte sind die Kokosnüsse (bis zu 120 an einem Exemplar) von melonenartiger, dreikantiger Form. Die unreife Kokosnuß enthält einen milchig flüssigen Saft, die Kokosmilch. Mit zunehmender Reife wird das Innere eine fleischige Masse, die getrocknet als Kopra zur Bereitung von Kunstbutter in den Handel kommt. Die Kerne der vollausgereiften Kokosnuß schmecken wie Haselnüsse und sind sehr nahrhaft; aus ihnen wird das Kokosöl gepreßt. Aus der faserigen Hülle der Kokosnuß werden Schnüre und Seile gedreht.
Palmyrapalme, Weinpalme (Borassus flabelliformis). 19–22 m hoch. Der Stamm läuft kegelförmig zu. Große Fächerblätter aus der breiten Krone. Die Frucht ähnlich wie die Kokosnuß, mit schwammigem, saftigem Fleisch, werden roh oder geröstet gegessen, bilden ein wichtiges Nahrungsmittel. Die Blütenkolben liefern Wein. Das schöne schwarze und steinharte Holz zu Tischlerarbeiten verwendbar.
Phönixpalme, die wilde Dattelpalme (Phönix sylvestris; „Mkindu”). 12 m hoch. Graziöse, gebogene Stämme mit luftiger, gefiederter Krone, bestehend aus blaugrünen 3 m langen Blättern. Die Früchte ungenießbar. Aus dem zuckerreichen Saft des Stammes wird wohlschmeckender Wein bereitet.
Raphiapalme (Raphia vinifera). Es ist eine Fiederpalme mit niedrigem, dickem Stamm, der am Ende eine Rosette von mächtigen Wedeln trägt. Die gänseeigroßen Früchte sind hochroth und goldbraun, mit Ananasgeschmack, aber hart und fest geschlossen. Sie liefert Palmwein.
Fruchtbäume.
Banane.
1. Paradiesfeige (Musa paradisiaca; Plantains [engl.]; „Ndisi”). 4–10 m hoch. Wächst in Gruppen von 10–12 Stämmen. Ein staudenartiger Baum. Den Stamm krönen 3–4 m lange und 60 cm breite Blätter. Eine Fruchttraube, bis zu 75 kg schwer, besteht aus 20–120 gurkenähnlichen 20–30 cm langen Früchten, die unreif von dunkelgrasgrüner, auch von goldgelber Farbe sind. Sie enthalten vierzigmal mehr Nahrungsstoff als die Kartoffel. Reif können sie roh als feines Birnenobst (aber wahrscheinlich fieberanregend) genossen werden; gesünder ist es, sie reif oder unreif entweder zu kochen oder zu braten. Man röstet sie in glühender Asche; man bratet sie in Butter oder kocht sie wie Kartoffel zu Mus; man dämpft sie mit Mehl und Eiern dick ein und erhält dann ein haltbares, exportfähiges Nahrungsmittel.
2. Pisang (Musa sapientium). Gestreifter oder gefleckter Schaft, mit kürzeren, aber süßeren Früchten.
3. Die wilde Banane (Musa Ensete); mit goldgelben und rothen, aber ungenießbaren Früchten.
Kalebassenbaum, Kürbisbaum (Crescentia; „Bugu”). 6–9 m hoch. Lanzettartige Blätter. Die flaschenförmige Frucht von 30 cm Durchmesser wächst in Büscheln, hat eine grüne, holzige Rinde und schwammiges, süßsäuerliches Fleisch. Die Fruchtschale verwenden die Eingeborenen zu Trinkgeschirren.
Mangobaum (Mangifera indica). 12 m hoch. Der Stamm 4½ m im Umfang. Längliche, lederartige, immergrüne Blätter. Die orangegelben, gänseeigroßen Früchte (Pflaumen) sind vortreffliches Obst; die darin enthaltenen haselnußgroßen Samenkerne schmecken wie bittere Mandeln. Die Rinde des Baumes dient zum Gerben.
Melonenbaum (Carica Papaya). Der Stamm sendet wenige Zweige in der Höhe aus; astlos bis zu 6 m. Handförmige Blätter. Die Früchte besitzen ein wohlschmeckendes, zuckerreiches Fleisch mit milchigem Saft. Sie werden entweder roh mit Zucker oder Salz gegessen, oder unreif zu Gemüse verkocht.
Gesträuche und strauchartige Bäume.
Agaven (Agave). Stammlos, bis zu 12½ m hoher Blütenschaft; fleischige, dornige Blätter, rosettenförmig gestellt. Glockenförmige, duftende Blüten.
Aloën (Aloë spicata). Bis zu 9 m hoch. Entweder stammlose oder palmenähnliche verholzte Gewächse. Dicke, fleischige Blätter, am Rande mit scharfen Dornen besetzt. Traubenförmige, schön gefärbte Blüten.
Baumwollstaude (Gossypium punctatum und arboreum; „Msufi” oder „Mesofi”). 2–3 m hoch. Besteht aus 4–5 grünrindigen Stämmen, mit je 1 m im Umfang, die aus einer Wurzel entspringen. Die spitzig zulaufenden dornigen Zweige stehen steif vom Stamme ab. Dürftige Blätter. Die Frucht ist eine 3–5fächerige Kapsel, welche bei der Reife in 3–5 Klappen aufspringt, wobei die langen weißen Haare — die Baumwolle — elastisch hervorquellen. Sie bedarf kalkreichen Bodens.
Erica. Kommt als niedriges Gebüsch vor, erreicht als Gesträuch eine Höhe bis zu 6 m. Die Blätter sind schmal und geschuppt.
Euphorbie, Wolfsmilchbaum (Eupborbia). Kandelaber-Euphorbie (E. canariensis). 5 m hoch. Säulenförmige, fleischige, blattlose, mit Dornen besetzte Stämme. Der Saft dient als Brech- und Purgirmittel.
Farrn (Filices, Alsophila armata); als Farrnkraut und Farrnbaum bis zu 6 und 9 m Höhe. Säulenförmige astlose Stämme mit Rosetten von Wedeln als Wipfel.
Hanf (Cannabis indica; „Bang” [arabisch]). 3 m hoch. Die Blätter werden wie Taback zubereitet und geraucht.
Opuntien. Sträucher von blattlosen, dicken, fleischigen Stämmen von runder oder eckiger Gestalt, mit Astbildung und geringer Holzentwickelung. Der Blätteransatz ist nur angedeutet durch warzenförmige, mit kleinen Dornen bespickte Höcker.
Ricinusölpflanze (Ricinus communis; „Mbono”). Erreicht die Höhe von 12 m. Große handförmige Blätter. Das im Innern enthaltene Oel wird von den Eingeborenen als Salbe benutzt.
Stechapfel (Datura stramonium; „Muranha”). Narkotischer Strauch mit großen weißlichen Blüten und einer stacheligen, eiförmigen Kapsel (Stechapfel), welche scharfbitter schmeckenden, giftigen, atropinhaltigen Samen umschließt. Blätter, Blüten und Wurzelfasern werden in getrocknetem Zustand geraucht als Mittel gegen Asthma und Husten. Gedeiht nur auf nassen Wiesen.
Schlinggewächse.
„Kamboa”-Liane. Enthält süßes, wohlschmeckendes und reichliches Wasser. Kommt in Udoë vor.
Kautschuk-Liane (Landolphia florida). Immergrünes Laub. Weiße Blüten mit betäubendem Duft. Orangenähnliche Früchte. Die Liane wird in manchen Gegenden schenkeldick; angeschnitten fließt ein milchiger Saft heraus: er trocknet in freier Luft sofort und kommt als Kautschuk in den Handel.
Sassaparilla, Stechwinde (Smilax). Immergrüne kletternde Halbsträucher mit stark verzweigten, kantigen, stacheligen Stengeln und Luftwurzeln. Die Blätter dornig, zackig, lederartige Trauben, ständige wohlriechende Blüten. Rothe kugelförmige Früchte. Die Wurzeln Arzneimittel gegen syphilitische Krankheiten.
Getreide und Gemüse.
Bataten, süße Kartoffeln (Convolvulus Batatas). Sträucher von 1½-2 m Höhe. Langgestielte Blätter. Die walzenförmigen Wurzelknollen enthalten den Nährstoff; sie sind 1–6 kg schwer, mehlig; außen purpurroth, innen weiß. Vortreffliches, leicht verdauliches Nahrungsmittel. Man genießt sie entweder gekocht oder in Butter geröstet oder gebacken als Brot.
Durra, Negerhirse, Kaffernkorn (Holcus sorghicus; „Mtama”). 2–3 m hoch. Hauptnahrungsmittel. Aus dem schmackhaften Mehl wird hauptsächlich eine breiartige Suppe hergestellt. Außerdem dient Durra zur Herstellung eines bierähnlichen berauschenden Getränkes (Pombe).
Erdnüsse (Arachis hypogaea). Bis zu 60 cm hohes Kraut. Fiederblätter, mit gelben Schmetterlingsblüten. Samenkerne befinden sich in einer eiförmigen Hülse unter der Erde; über Feuer geröstet dienen sie als Nahrungsmittel, mit mandelartigem Geschmack. Zerstoßen und aufgekocht gewinnt man das auf dem Wasser schwimmende farblose Oel. Die Kerne enthalten an 50% Oel.
Sesam (Sesamum orientale). Ein krautartiges Gewächs. Ovale, drüsig behaarte Blätter. Weiße und rosarothe glockenförmige Blüten. Der Samen enthält an 70% eines goldgelben, angenehm schmeckenden Oels, das nicht leicht ranzig wird. Man verwendet es vielfach zur Zubereitung der Speisen.
Maniok, Kassave (Manihot utilissima). Knollenstaude von außerordentlich raschem Wachsthum. Vorzügliche Nährpflanze. Die Wurzelknollen sind der genießbare Theil; sie werden geschält, in Stücke geschnitten und in Wasser ausgelaugt; dann in der Sonne getrocknet bekommen sie eine schneeweiße Farbe. Man kocht oder röstet sie; oder man zerstößt sie in Mörsern zu Mehl und bereitet aus diesem Brei oder Brot.
Yams (Dioscorea). Kräuter oder Sträucher mit sich windenden Stengeln. Trauben- und ährenförmige, unansehnliche Blüten. Die dicken, fleischigen Wurzelknollen sind genießbar.
Der Reichthum an jagdbaren wilden Thieren ist in den nördlichen Gebieten, wie besonders in der Nähe des Kilimandscharo sehr bedeutend, dagegen südlich vom Kingani äußerst dürftig.
Der Elefant ist nahezu ganz verschwunden, er hat sich nach den Hochebenen im Osten und Nordosten zurückgezogen; auch das Nashorn trifft man in größerer Zahl nur am obern Pangani an. Der Löwe scheint seine Heimatstätte am Jipe-See und nördlich von Usagara zu haben; doch nicht selten dehnt er seine Streifzüge nach den Küsten von Bondei und Useguha aus. Leoparden und Hyänen finden sich überall. Ungemein zahlreich sind in den nördlichen und mittlern Savannengegenden die Heerden von Büffeln, Antilopen und Zebras; auch die Giraffe zeigt sich gelegentlich in Rudeln in den den Masai benachbarten Gegenden.
Die Wälder sind stumm; man hört keinen Vogelgesang, kein Vogelgezwitscher, selbst das Volk der Affen belebt sie nicht überall. Dagegen wimmeln Sümpfe und Flüsse von Flußpferden und Krokodilen und die Ufergelände von Wasservögeln.
Von kleinerm Gethier, das den Reisenden und Colonisten in peinlichster Weise belästigt, seien die Ameise und die Tsetsefliege erwähnt. Millionen von Ameisen verschiedener Gattung zerstören auf ihren Wanderzügen nicht nur die Erntevorräthe, sondern sie vertreiben auch den gegen sie wehrlosen Menschen aus seiner Behausung. Wo die Tsetsefliege heimisch ist, da kann keine Rindviehzucht aufkommen; ihr Stich verwundet tödlich. Sie macht auch die Verwendung von Zugvieh zur Unmöglichkeit.
An Hausthieren werden überall gehalten: Hühner, Ziegen und Schafe. Von der Gewinnung von Schafwolle hört man nirgends. In einzelnen Gegenden, wie in Usambara, im Kilimandscharo-Gebiet, im nördlichen Usagara, wird Rindviehzucht in größerm Maßstab betrieben. Futtergras ist im Verhältniß zu den ausgedehnten Flächen wenig vorhanden, und oftmals tritt da, wo es reichlich existirt, die verderbenbringende Tsetsefliege auf.
Die Colonisationsfähigkeit Deutsch-Ostafrikas kann nicht in Frage gestellt werden: Bodenverhältnisse, Klima, die Culturen der Eingeborenen, die Pflanzungen der Araber, die bereits angestellten deutschen Plantagenversuche enthalten die Bedingungen und die Möglichkeit gesteigerter Fruchtbarkeit. Aber zwei Factoren von schwerem Gewicht beeinträchtigen eine zu günstige Beurtheilung und zu vertrauensvolle Zuversicht: die Beschränkung colonialwirthschaftlicher Unternehmungen in Bezug auf den Raum und die Unsicherheit in Bezug auf rentable Erzeugung werthvoller tropischer Producte.
Sehen wir ab von dem gewiß nicht unbedeutenden Nutzen, den der deutsche Handel aus dem Export und Import später unter geordneten Verhältnissen gewinnen wird, und betrachten wir das ganze Gebiet als Arbeitsfeld des Ackerbauers, so müssen wir uns nach Ländereien umsehen, die mit Rücksicht auf reiche Ertragsfähigkeit zur Anlegung von Plantagen sich eignen. Solche Ländereien sind in der beigegebenen Karte mit grüner Farbe bezeichnet. Im Vergleich zur Ausdehnung der ganzen Colonie über 5 Breite- und 2 Längegrade nehmen sie sich sehr vereinzelt und dürftig aus. Es wurde eben nur solches Land als besonders zur Cultur geeignet bezeichnet, dessen Fruchtbarkeit sich durch wirklich bestehenden Anbau bereits vollgültig erprobt hat. Um gerecht und günstiger zu urtheilen, muß man hierbei berücksichtigen, daß erstens aus Savannen- und Waldstrecken in künftigen Zeiten neues und reichliches Culturland gewonnen werden kann, und daß zweitens große Flächen noch unerforscht und unversucht vor uns liegen.
Die eingetragenen, also wirklich vorhandenen Culturflecke reduciren sich übrigens auf eine noch geringere Anzahl, wenn man ihre sofortige Verwerthung, also auch ihre Lage und ihre bequeme Verbindung mit dem Seeverkehr in Betracht zieht. Bei der Unschiffbarkeit der Flüsse, bei dem Mangel von Straßen und billigen Transportmitteln wird man nur in der Nähe der Küste mit der Anlage von Plantagen beginnen können.
Um Rentabilität dem Plantagenbau zu sichern, darf die Production nicht nur von den Transportkosten nicht aufgezehrt werden, sondern sie muß auch das in Tropengegenden nothwendig große Anlagekapital lohnenswerth verzinsen, und das vermag sie nur bei werthvoller Qualität. Gewiß kann man schon mit Zuckerrohr-, Kokospalmen- und Reispflanzungen bei geringem Aufwand erhebliche Gewinne erzielen; ausschlaggebend aber ist die Beantwortung der Frage: vermag der Boden Deutsch-Ostafrikas Kaffee, Cacao, Baumwolle und Taback von solcher Güte und in solchen Massen hervorzubringen, um concurrenzfähig auf dem Weltmarkt zu erscheinen?
Eine stichhaltige Antwort darauf in bejahender Form möge die Zukunft geben; die bisherigen Versuche haben noch nicht genügt.
Usambara und Bondei.
Allgemeine Gestaltung.
Usambara besteht, geographisch genommen, aus dem Bergland, dem eigentlichen Uschamba der Eingeborenen, aus der Nyika- und Bondei-Ebene und der Küstenniederung zwischen den Flüssen Umba und Pangani.
Das Gebirge, mit einer durchschnittlichen Erhebung von 1400 m, ist von Granit und Gneis gebildet. Es dacht sich von Norden nach Osten und Süden ab, von den Höhen von Mlalo (1560 m) in breiter Linie nach den Kombola- und Handei-Bergen (1200 und 1350 m), und entsendet als Ausläufer die Höhenkette von Magila (1050–624 m), den Pambili und Tongwe (600 und 715 m) in die sanft nach Osten geneigte, gewellte Ebene von Bondei, welche mit vom Wanga bis Pangani ansteigender Uferhöhe den Indischen Ocean begrenzt.
Die Gestalt der Berge ist größtentheils steile Kuppelform, eng aneinander gedrängt und zahlreiche tiefe Schluchten umschließend; im Westen, von Wuga bis Mbaramu, lagern sich kesselförmige Mulden zwischen die einzelnen Höhen; breite Thäler findet man allein an den Ufern des Luengera und des Sigi. In jähem Absturz fällt das Gebirge in das Thal des Mkomasi und in die Ebenen im Norden und Osten hinab, während es zum Pangani in sanfteren Böschungen sich senkt.
Die Hauptwasserscheide liegt an dem Nordostrand; hier fließt der Umba mit seinen Nebenflüssen und in entgegengesetzter Richtung der Luengera mit dem Kumba.
Eine zweite Wasserscheide befindet sich in der südöstlichen Ecke, in den Bergen von Handei; es ist das Quellgebiet des Sigi.
Von den Vorbergen im Osten bei Magila entspringen der Udofu und Ukumbine.
In nahezu parallelem Laufe scheiden der Umba im Norden und der Pangani im Süden das Gebirge von den anstoßenden Ebenen. Im Westen bewirkt die weitausgedehnte Thalsenkung des Mkomasi die Trennung von der Berglandschaft Pare.
Klima.
Unsere Kenntniß von den Witterungs- und Temperaturverhältnissen Usambaras beschränkt sich auf die lückenhaften Berichte einzelner Reisenden. Unser Wissen ist daher vorläufig noch Stückwerk.
Die große Regenzeit beginnt im Gebirge schon Mitte Februar und endet mit geringen Regenfällen im Laufe des Monats Mai. Die Trockenzeit wird durch vereinzelte Niederschläge im Juli und August unterbrochen. Die kleine Regenzeit setzt im November für kurze Zeit ein; der December ist trocken, im Januar gibt es häufig Gewitter. Der trockenste Monat dürfte der September sein.
In Bondei scheinen sich Regen- und Trockenzeit auf die gleichen Monate wie in Sansibar zu vertheilen.
Ueber die Temperaturverhältnisse besitzen wir durch die sorgfältigen Aufschreibungen Burton’s und des Lieutenant Kurt Weiß einige werthvolle und positive Anhaltspunkte zur Beurtheilung der Wärmeschwankungen im Pangani- und Mkomasi-Thal und auf den Höhen von Wuga während der Monate Februar und Mai und Anfang Juli.
In der nebenstehenden Tabelle sind sie nach der Einheit des Orts und der Tageszeit zusammengestellt und ist das Monatsmittel der Temperatur von Sansibar um dieselbe Stunde zur Vergleichung vorangesetzt.
nach den Beobachtungen von Burton im Februar 1857 und von Lt. Kurt Weiß im Mai und Juli 1885.
| Ort | Höhe über dem Meer in m | Tageszeit | R.° | ||
| vom 4.-17. Febr. | vom 11.-31. Mai | Anfang Juli | |||
| Sansibar | — | 6h Nm. | 22,2 | 20,7 | 19,7 |
| Pangani-Thal. | |||||
| Stadt Pangani | — | „ | 24,4 | — | — |
| Tschogwe | 88 | „ | 28 | 20 | 16[3] |
| Tongwe (Station) | 263 | „ | 20,8 | 18,8 | 15,2[4] |
| Westl. Tongwe[5] | 368 | „ | 29,7 | 18,4 | 16,8 |
| Kohode | ca. 400 | „ | 28,4 | 19,2 | — |
| Maurui | 436 | „ | 26,5 | 18,4 | 16,8 |
| Mkomasi-Thal | |||||
| Tarawande | ? | „ | 21 | 19,2 | — |
| Wuga | ca. 1350 | 6h N. u. 11h V. | 18 | 13,6 | — |
| bei Mombo | ? | 6h N. u. 3h N. | 25,7 | 16,8 | 16,8 |
| Masindi | 512 | 6h N. | — | 18,4 | 16,4 |
| Mkumbara | 493 | „ | — | 18,4 | — |
| Die Mitteltemperatur in Usambara (unter Ausschluß von Wuga). | — | 6h N. | 25,5 | 18,7 | — |
Aus diesen wenigen Zahlen lassen sich ein paar sichere Schlüsse ziehen:
Die Abnahme der Temperatur von Februar bis Juli, also der Wechsel zwischen einer heißen und kühlern Zeit, macht sich in Usambara um vieles bemerkbarer als in Sansibar.
Die Erhebung über dem Meere bis zu 500 m bringt im Juli einige, im Mai sehr geringe Minderung der Temperatur, im Februar sogar eine Steigerung. Auf den Höhen von 1300 und mehr Metern aber weht eine frischere Luft als in den Thälern und in Sansibar.
Ergänzende Auskunft gewährt die nächste Tabelle. Wenn sie auch nur einmaligen und auf kurzen Zeitraum beschränkten Beobachtungen entnommen ist, so bietet sie doch manche interessante Andeutungen über den wahrscheinlich herrschenden Temperaturcharakter.
Temperatur- und Wetterbeobachtungen in Usambara
von Lt. Weiß im Mai und Juli 1885.
Bemerkung: Morgens zwischen 6 und 8 Uhr, mittags zwischen 12 und 4 Uhr, abends zwischen 6 und 8 Uhr.
Folgende Behauptungen lassen sich darauf gründen:
Die Minderung der Hitze vom Februar bis Juli offenbart sich vornehmlich in den Morgenstunden:
| Morgens | Mitteltemperatur | im | Februar | (nach Burton): 24° R. |
| „ | „ | „ | Mai | (nach Weiß): 17,8° |
| „ | „ | „ | Juli | (nach Weiß): 15,6° |
Im Vergleich mit Sansibar steigert sich die Wärme in Usambara von Morgen bis Mittag im Mai fühlbarer; am Abend ist es in beiden Gegenden im Mai und Juli um nicht ganz 1° R. gleichmäßig wärmer.
| Mai | Juli | ||||||
| morgens | mittags | abends | morgens | mittags | abends | ||
| Sansibar | 19,5 | 21,2 | 20,7 | 18 | 20,3 | 19,7 | |
| Usambara | 17,8 | 22 | 18,7 | 15,6 | — | 16,2 | |
Das Wetter verändert die Temperaturen kaum merklich.
| morgens | mittags | abends | |||||||
| In | Usambara | bei | schönem | Wetter | im | Mittel | 17,4 | 23,3 | 18,3 |
| „ | „ | „ | trübem | „ | „ | „ | 17,7 | 21,1 | 19,4 |
Der bedeckte Himmel schwächt etwas die Mittagshitze; die sporadischen Regen kühlen die Luft nicht ab.
Bodenbeschaffenheit und Vegetation.
Die Beschaffenheit des Bodens entspricht zum Theil den Bedingungen der Fruchtbarkeit. Der mit Feldspath durchsetzte Gneis verwittert auf den Gipfeln und Kämmen sehr leicht und überzieht sie in diesem ersten Stadium als poröse rothe Erde mit einer wenig fruchtbaren Decke. Abschwemmende Regen und zahlreiche Bäche zerreiben an den schroffen Abstürzen das grobkörnige Material und setzen es bei stufenweis zunehmender Fruchtbarkeit um in graurothe Erde an den Hängen, in Humus in den dichtgeschlossenen Wäldern und in schwarze Erde in den breitern Thalgründen. Wo die aufgelösten Thontheile zum Stillstand und zum Niederschlag als compacte, abflußlose Masse gezwungen werden, da bildet sich dunkelschlammiger Sumpf.
In großen Zügen betrachtet, zeichnen sich demnach durch Fruchtbarkeit aus die breiten Thäler und die sanfter geneigten Böschungen der Berge, in hohem Grade das unmittelbar dem Gebirge vorgelagerte Hügelland von Bondei und das hochgelegene, muldenförmige Plateau von Wuga. Unfruchtbar erscheinen alle Strecken, auf denen die verwitterte rothe Erde ungestört liegen bleibt, so auf den höchsten Kuppen und auf den weitausgedehnten Flächen der Umba-Ufer; endlich jene vereinzelten Streifen von Fluß- und Bachrändern, an denen die schwarze Erde zu moorigem Grunde sich verdichtet.
Die Vegetation ist eine tropisch gewaltige. Zu mächtiger Höhe empor schießen in den geschlossenen Regenwäldern die Areca-, Fächer-, Dum- und Raphia-Palmen, die Kopal- und Teakbäume, Gummi-Akazien, Tamarinden, Bambusen und baumartige Farrn. Ein eigenthümliches Gepräge verleiht der in massenhaften Beständen auftretende Wollbaum. Gummilianen und andere Schlinggewächse von mehr als doppelter Armesstärke schwingen sich von Stamm zu Stamm, von Ast zu Ast. Der Waldgrund bleibt oftmals ganz frei von Gestrüpp. Leichte Savannenwälder von Palmen und Akazien stehen auf dem graurothen Boden der Thäler und auf dem langgestreckten Bergrücken des Nordrandes, westlich vom Luengera.
Die Kokospalme gedeiht in reichlicher Menge in dem ganzen Küstengebiet, den Pangani aufwärts bis Maurui und im Thal des Mkomasi bis Masindi. Die bis in das höchste Gebirge verbreitetste Pflanze ist die Banane; sie liefert Erträgniß in ganz besonderer Fülle. An vereinzelten Stellen, aber in Massen, blühen der Mango- und der Melonenbaum und in Bondei wildwachsend die Baumwollstaude.
Wo Feuchtigkeit der lockern porösen Erde fehlt, da spreizen einsam in der Steppe oder auf den Bergrücken stehende Baobabs ihre gigantischen Aeste zu einem Schutzdach aus, da drängen sich baumgroße Euphorbien und Aloën zu dornigem Dschungel zusammen oder es unterbrechen die fahlfarbigen Mimosen und Eriken gebüschweise das brennende Roth des Bodens.
Futtergras im Innern des Gebirges und am mittlern Lauf des Pangani ermöglicht die Zucht großer Rinderheerden. Außer Korn, Hirse, Mais, Reis und Maniok, welche in der Tiefebene auch zum Exportproduct werden, baut der Msambara einen scharfen, doch angenehm riechenden Taback, der selbst auf dem Markte von Sansibar als verkaufsfähig gilt, und er pflanzt, selbst in den hochgelegenen Gebirgsmulden, das Zuckerrohr. Dies liefert auch den großen arabischen Plantagen am untern Pangani ergiebige Ernten.
Die Thierwelt.
Kaum dürfte unter den Tropen ein Land sich finden, das in zoologischer Beziehung so armselig an Menge und Gattungen wäre als Usambara und Bondei. Lautlos sind die ewig schattigen Bergwälder am Handei, lautlos die Nyika-Ebene; nur hie und da durchstreifen Hyäne, Schakal und Leopard die ersteren und Löwen und Antilopen die letzteren. Schlangen und selbst die Mosquitos fehlen. Ein reicheres Leben entfaltet sich am Pangani und in den üppigen Fluren im Vorland der Magila-Kette: da gibt es Webervögel, Lerchen, Drosseln, Habichte und Elstern, Kukuke und Papagaien. Alle Flüsse wimmeln von Krokodilen; weniger häufig trifft man das Flußpferd. Zum Glück für die Rindviehzucht hat die Tsetsefliege, hier Donderobe genannt, noch nicht den Weg aus der Umba-Ebene in das Gebirge gefunden. Eine Lebensplage dagegen sind die verheerenden Ameisenzüge.
Topographie und Flüsse.
Von der Küste leiten vier Flußläufe nach dem Innern des Landes: der Pangani, der Ukumbine mit dem Udofu, der Sigi und der Umba.
Das Flußgebiet des Pangani
Der Pangani (auch Ruvu oder Rufu) entsteht aus der Vereinigung des Jipe-Flusses und des Weriweri, welche mit zahlreichen Bächen in dem Kilimandscharo-Gebirge entspringen. Südlich von Klein-Aruscha (730 m ü. d. M.) durchströmt er eine Strecke von mehr als 300 km in felsigem Bett, meist mit schlammigen Uferrändern, im Oberlauf durch das breite steinige Thal zwischen den Pare- und Sogonoi-Bergen, im mittlern und untern Theil durch eine wechselnd fruchtbare Ebene, welche am linken Ufer rasch zum Usambara-Gebirge sich erhebt und am rechten in die Hochfläche von Useguha übergeht. Bei Kisunga (ca. 60 km von der Küste) bildet er einen weithin dröhnenden Wasserfall. Seine Breite wird angegeben bei der Furt südlich Aruscha mit 96 m, bei Kohode mit 72 m, bei Tschogwe mit 150–200 m, an der Mündung mit 1500 m. In der Regenzeit überschwemmt er die ganze Thalsohle. Er ist im allgemeinen seicht und reißend und deshalb nur bei steigender Flut bis Tschogwe (ca. 40 km) für flachgehende Boote schiffbar.
An seiner Mündung liegt die Stadt Pangani. Sie liegt auf dem flachen, sumpfigen Strande an dem frühern Delta des Flusses und besteht aus etwa dreißig steinernen Häusern, darunter die Wohnung des Wali, das Zollgebäude, eine Moschee, und aus einigen hundert einfacher Strohhütten. Die winkeligen, unregelmäßigen und kothigen Straßen sind unter einem Hain von Kokospalmen versteckt. Das Trinkwasser ist schlecht, der Aufenthalt überhaupt sehr ungesund. Gegen 5000 Einwohner (Araber, Inder und Suaheli mit ihren Sklaven) bewohnen den Ort, da er ein bedeutender Ausgangspunkt für die Karavanen nach Usambara und dem Masai-Land auf dem nördlichen und nach Useguha und Nguru auf dem südlichen Flußufer ist. Zu Burton’s Zeit betrug die Ausfuhr an Elfenbein 1750 kg und an Rhinoceroshörnern 875 kg; auch Korn, Mais und Zuckerrohr wurde exportirt.
Pangani hat keinen Hafen und ist schwer zugänglich. Die Rhede liegt 1½ Stunde seewärts. Die Mündung des Flusses wird durch eine Barrière von Korallen und Sandbänken gesperrt; durch diese führt ein enger, 2½ m tiefer Kanal, nur für geringere Fahrzeuge benutzbar.
Die Stadt wird unmittelbar im Westen von dem bewaldeten Terrassenrand überragt; am nördlichen Flußufer erhebt er sich zu 50 m mit Kokos- und Areca-Palmen; am südlichen, über steile, gelbe Sandsteinwände empor, bis zu 120 m. Hier oben steht die arabische Niederlassung Bueni zwischen Plantagen von Palmen, Melonenbäumen, Bananen und Zuckerrohr.
Bis Tschogwe reichen auf der rechten Höhe und in der Thalsohle die schön gehaltenen Pflanzungen der Araber.
Auf der entgegengesetzten Seite breitet sich ein schmales Band von Reis- und Bananenfeldern aus und daran grenzt ein weitausgedehntes trockenes Savannenland, das hier und da von Baobabs und Dumpalmen und in größerm Umfang von dichtem Akazien- und Euphorbiengestrüpp unterbrochen wird. Es ist dies die Landschaft Madanga; sie erstreckt sich etwa 20 km weit bis Makumba und geht weiter nördlich in die Nyika-Steppe über.
Bei Tschogwe (88 m) trifft man auf den ersten Ansatz des Hauptgebirges, auf den Berg von Tongwe (715 m). Die Umgegend soll noch am Ende der vierziger Jahre gut angebaut gewesen sein, bis sie durch die vom südlichen Ufer heranstürmenden Waseguha verödet wurde. Hang und Gipfel bedeckt ein fast undurchdringliches Dschungel, vermischt mit wilden Orangen und Kokospalmen, während saftiges Gras, genährt durch eine frisch sprudelnde Quelle, den welligen Fuß bekleidet.
Südöstlich vom Tongwe-Berg befindet sich Lewa (263 m) mit der ehemaligen Station der Ostafrikanischen Plantagengesellschaft. Es war eine vielversprechende Anlage. Zwischen drei flachen Hügelketten von braunrothem Boden waren 400 Morgen urbar gemacht worden, welche im September 1888 eine reiche Ernte von 700000 Stück Tabackpflanzen erwarten ließen. Fließendes Grundwasser sicherte für das ganze Jahr die nöthige Feuchtigkeit.
Zwischen Lewa und Sangarawe führt der obere Weg durch eine ungefähr 25 km lange, theilweise dornige, theilweise von hohem, hartem Gras überwucherte Strecke. Nach dieser beginnt eine anbaufähige und stellenweis gut cultivirte Gegend, welche bis westlich von Korogwe reicht.
Die Kämme der flachen Hügel der Thalsohle sind mit unfruchtbarer röthlicher Erde bedeckt; an den Abdachungen und in den Senkungen gedeihen auf graurothem Boden Maispflanzungen und vortreffliches Wiesengras. Man begegnet stattlichen Rinderheerden.
Bei Mgumi (365 m), kurz vor Korogwe, mündet der im Norden auf dem Lutindi entspringende Luengera. Mit diesem vereinigt sich im obern Lauf der Kumba, welcher durch mehrfach sumpfige Gründe den Tropenwald der Kombola-Berge von dem steppenartigen Nordostrand des Hochlandes scharf abtrennt. Der Luengera fließt als ein ruhiges Wasser durch ein breites, früher cultivirtes, jetzt durch Kriegszüge entvölkertes Thal, dessen Sohle Savannenwald und hohes Gras bedeckt. Von Mgumi zweigt ein steiler Pfad durch die Berge nach Wuga ab.
Korogwe (früher Station) liegt auf einem Laterithügel, der sich bis zum Fluß in einer 700 m breiten, gewellten Ebene von braunrother Erde abflacht. Das Dorf gleichen Namens befindet sich auf einer Insel. Am Südufer steigt aus der schlammigen Ebene allmählich das vegetationsreiche Plateau von Useguha empor. Bei Lutyomo (Luchomo), 25 km aufwärts, befindet sich ein beide Ufer verbindender Uebergang. Am nördlichen Ufer (15 km von Korogwe) verwandelt sich nach und nach der Wiesen- und Ackerboden in unfruchtbare Steppe. Ein schmächtiger Savannenwald mit niedrigem Mimosengebüsch fristet ein kümmerliches Dasein dem Fuß der Mafi-Hügel entlang. Der letzte Rest grüner Vegetation hat sich an die Ränder des Flußbettes zurückgezogen.
Bei dem auf einer Insel gelegenen Maurui (436 m) vereinigt der im Pare-Gebirge entspringende Mkomasi sein träges, grün-gelbliches Sumpfwasser mit dem des Pangani. Sein linkes Ufer begleitet zuerst die isolirte Masse des Dassa-Berges und dann die jähen Felsenabstürze des Hauptgebirgsstockes, während sein rechtes Ufer die niedrigen, wahrscheinlich vulkanischen Höhenreihen von Mafi (Yermandia) begrenzen. Er steht mit dem Manga-See, vermuthlich nur während der Regenzeit, in Verbindung. Dieser, 7 km lang, 6 km breit und 3–5 m tief, hat untrinkbares, brakisches Wasser; dürftiges Grün umgibt ihn. Heerden von Antilopen beleben die von den dolomitartigen Zacken der Usambara-Berge und von dem langgestreckten Pare-Gebirge umrahmte Gegend. Culturfähig ist das Thal des Mkomasi am Fuß der Berge; bei Tarawande aber versumpft es auf eine stundenlange Strecke.
Schmale Streifen reicherer Vegetation erwecken die rauschenden Gebirgsbäche bei Masindi und Mombo.
Masindi (512 m), mit der etwas höher gelegenen Residenz des Häuptlings Sembodja, war früher ein bedeutender Handelsplatz, in dem die Wakuafi des Nordens sich mit den Leuten von Pangani begegneten. An der nordöstlichen Ecke des Gebirges, auf den Vorstufen der höchsten Erhebung, haben sich viele Dörfer eingenistet, darunter das größte Mbaramu (488 m) mit 56 Hütten, eine grünende, von Wald und von den Zuflüssen des Umba, dem Mbaramu-Bach und Tëue, umgebene Raststätte der Reisenden.
Von Tarawande, Mombo oder Masindi gelangt man auf ungemein beschwerlichem, doch von erfrischenden Quellen begleiteten Bergpfad zu dem Hauptort des westlichen Usambara, Wuga (1350 m nach Burton, 1410 m nach New, 1209 m nach Lt. Weiß), in frühern Zeiten (unter Kimweri I.) der Hauptort von ganz Usambara.
Die Landschaft ist durchaus verändert. Eine kühlere Luft weht selbst im heißen Februar über die gewellte Fläche; frei ist der Umblick, den Pangani hinab, nach den Ebenen von Useguha und hinüber zu den fernen Bergen von Pare; im Norden schließen die nahen felsgekrönten Häupter von Mlalo, der Watëue und Schegeserai (2000 m), den Horizont ab. Röthlicher Boden mit sammtartigem Gras, mit Farrn und Eriken überdeckt die kesselartigen Mulden; dazwischen lagern sich, von rieselnden Bächen befeuchtet, Felder von Taback, Bananen und Zuckerrohr. Der Boden enthält nach Dr. K. W. Schmidt 48,3% Sand und 50,7% thonhaltigen Staub, Phosphorsäure 0,35% und Humus 6,33%; er wäre demnach auch zur Kaffee- und Cacaokultur geeignet. Waldlos erstreckt sich die hauptsächlich als Weideland benutzte Gegend: nach Osten gegen den Luengera, im Norden nach Kwambugu und Mlalo. Den Nordostrand des Gebirges begleitet ein weniger fruchtbares, gering bevölkertes Steppenland bis zu den kahlen Gomeni-Bergen und den Quellen des Kumba. Unmittelbar südlich, in der Richtung des untern Laufes des Luengera, öffnen sich in kurzer Entfernung schluchtartige Thäler mit hohen Felswänden.
Der Ukumbine mit dem Udofu.
Der Fluß Ukumbine, welcher in die Tangata-Bai bei Tongoni mündet, und der Udofu (Mkulumusi), welcher sich in die Bucht von Tanga ergießt, entspringen in den zwei Tagemärsche von der Küste entfernten Vorbergen. Beide Flüsse sind nicht schiffbar. Der Ukumbine trocknet in den heißen Monaten ein, der stürmische Udofu überschwemmt in der Regenzeit ringsum das Land. Der Boden, unmittelbar an der Küste schlammig, erhebt sich langsam zu einigen gutbebauten Gefilden; er wird, in die Nyika-Ebene eintretend (60 m ü. d. M.), zu einem unregelmäßig breiten Streifen von Savannenwald und dornigem Dschungel, der in gleicher Beschaffenheit sich südlich bis nach Madanga fortsetzt. In der Höhe von Umba (150 m) verwandelt er sich in ein kalkhaltiges, mit marinen Fossilien vermengtes, welliges und äußerst fruchtbares Terrain. Kokoswälder, Korn-, Reis-, Bananen- und Zuckerrohrpflanzungen überdecken das Land. Versteckt in vereinzelten Waldungen liegen die Dörfer. Das Gebirge steigt jählings empor: der isolirte Pambili (600 m) und die zusammenhängende, mit Gehöften übersäete Kette der bewaldeten Höhen von Magila, mit dem Felsendom Mlinga (1050 m), mit dem Kituli (930 m) und mit den südlichsten Spitzen, dem Manga (590 m) und Mgambo (660 m).
Am Fuße der letztern steht die englische Missionsstation Magila (180 m ü. d. M.) in quellenreicher Gegend mit ausgedehnten Reisfeldern in den tiefern Mulden. Hier ist auch der Herrschersitz Kibanga’s, des Häuptlings von Süd-Usambara.
Das Gebiet, welches der Ukumbine und der Udofu durchströmen, ist die durch keine Grenzen bestimmte Landschaft Bondei. Nicht nur durch Wasserreichthum, sondern auch durch vortreffliche Bodenbeschaffenheit wird sie zu den üblichen Culturen und zum Plantagenbau begünstigt. Der Boden besteht nach Dr. K. W. Schmidt aus sehr feinkörnigem lehmigen Sand und reichlichem Humus (63,9% Sand, 35,6% thonhaltiger Staub, 0,17% Phosphorsäure und 2,61% Humus).
Der Ausfuhrhafen dieses gesegneten Landstrichs ist die Tangata-Bai. Sie wird durch die Insel Karangi, durch Riffe und Sandbänke vor Seestürmen geschützt. Der mündende Ukumbine hat einen tiefen, 90 m breiten Kanal in das seichte und sandige Bett ausgegraben und dieser ermöglicht eine gesicherte Einfahrt im Norden. Im Süden der 2900 m breiten Bucht liegt das durch eine Mauer von Korallenfels befestigte Dorf Morongo; im Norden Tongoni, das trotz seiner Dämme bei Hochwasser von den Fluten des Meeres im Rücken gefaßt wird.
Der Sigi.
Der Sigi und der Udofu münden in die Bai von Tanga. Diese besitzt keinen Hafen für größere Schiffe; die offene Rhede liegt 800 m seewärts. Korallenbänke erschweren und gefährden die Einfahrt in den 8 km langen und 6½ km breiten Meerbusen. Der Strand ist von dem herrlichsten Pflanzenwuchs überzogen. Der Ort Tanga zählt an 5000 Einwohner, besteht aber nur aus Strohhütten; er ist Handelsplatz für die nach dem Kilimandscharo und dem Masai-Land ziehenden Karavanen.
Der Sigi, ein frisches, reißendes, unschiffbares Gebirgswasser, hat nahe der Küste 12–15 m hohe, mit Maniok, Bananen und Palmen geschmückte Ufer. Verfolgt man ihn aufwärts, so kommt man zuerst nach dem vielbesuchten Marktplatz Amboni, dann nach Muschesa, wichtig als Uebergangspunkt für die von Magila nördlich nach Wanga Reisenden. Zwischen den zerstreuten Dschungelcomplexen wird hier besonders viel Taback gebaut.
Dreißig bis vierzig Kilometer von der Küste entfernt umschließt das Gebirge den Fluß in einem breiten, von wild- und üppig wuchernder Vegetation erfüllten Thal. Eine mehrfache Kette steiler, mit Granitzacken gekrönter Bergrücken trennt ihn von dem Hügelland im Osten und vom Laufe des Pangani im Süden; die ebenso zerklüfteten Handei-Berge (1350 m) und der Kombola (1200 m) bilden die Wasserscheide zwischen ihm und dem Luengera. Geschlossener, ewig düsterer Urwald von riesigen Wollbäumen, Banianen und Tamarinden steigert den großartigen Charakter der Gebirgsgegend. Sie ist während der Regenzeit wegen der steilen, schlüpfrigen Pfade schwierig zu durchwandern, denn in erschöpfender Wiederholung muß man von Kamm zu Kamm über tiefeingesenkte Gründe hinauf- und hinabklettern. Bebaute Felder hat weder die Sohle des Sigi-Thales noch der andern Thäler; an den Abhängen allein haben die Eingeborenen sich in zerstreuten Gruppen angesiedelt.
Der Umba.
Der kürzeste Weg von der Küste Usambaras nach dem fernen Innern führt längs des Umba. Wanga, der Ausgangspunkt, hat sehr ungünstige Landungs- und Terrainverhältnisse; durch den 20 m breiten Zugang können nur bei Hochwasser kleine Boote sich nähern. Zwischen Mangrove-Wäldern setzt sich das Watt als Sumpfland 6–7 km landeinwärts fort. Auf einem Stückchen trockenen Bodens ist der Ort Wanga erbaut: etwa 2–300 Lehmhütten mit übrigens breiten und reinlichen Straßen und Plätzen verbergen sich unter einem Palmenhain und werden von einer Mauer umschlossen. Die Luft ist fieberhaft, das Trinkwasser schlecht.
Vor Gonja kommt man, bei einer Reise flußaufwärts, zuerst auf festen, gesunden Boden; da gibt es schöne Felder von Reis, Bohnen und Maniok. Aus der weiten Ebene im Süden erhebt sich der stark bewaldete Kilulu (255 m), am Fuß von Melonenbäumen und Baobabs dicht umgeben. Hier beginnt eine schmale Culturzone, die von Dorf zu Dorf bis an den Sigi sich fortsetzt.
Von Gonja westlich erhält sich die Fruchtbarkeit noch bis Yesa Mkubwa; von da an nimmt eine bis Mbaramu reichende, 80 km lange, trostlose, ausgedörrte Steppe ihren Anfang. Hartes Savannengras wechselt mit fast undurchdringlichem, dornigem Gebüsch und mit nackter, steiniger Wüste ab.
Diese, Nyika genannte Steppenwildniß wird im Norden von dem Umba-Fluß durchschnitten. Er entspringt auf den Höhen von Mlalo und Mbaramu und nimmt eine Anzahl größerer und kleinerer Gebirgswässer auf, welche von Galeriewäldern umsäumt werden. Der Umba mündet in einem morastigen Delta bei Wanga.
Bevölkerung.
Das Thal des untern Pangani, bei Tongwe und Korogwe, und der fruchtbare Landstrich von Bondei sind stark bevölkert, weniger das Innere des Gebirges und das Mkomasi-Thal, am geringsten der Nordostrand. Die Raubzüge der Masai den Pangani und die Nyika-Ebene herab in das Thal des Luengera und in die Küstengegenden, auch gegenseitige Befehdungen der Häuptlinge im Hochlande, trieben die Bewohner entweder auf die Kuppen der Berge oder in das Dickicht der Wälder oder auf die Inseln des Flusses Pangani. Allen gemeinsam ist Sinn und Geschick zum Ackerbau, zur Viehzucht und zum Handel. Erhebliche Quantitäten von Getreide, Bohnen, Taback, Melasse, Butter und Honig, auch etwas Kautschuk werden zum Export nach den Küstenplätzen gebracht. Zur Bekleidung dient leichter Manchester-Baumwollstoff als Ueberwurf und Lendenschurz. Speere, Pfeil und Bogen sind noch in Gebrauch neben den Feuergewehren.
Nach Sprache, Abstammung und Lebensweise zerfallen sie in drei Hauptgruppen: in die Bewohner von Bondei, des Pangani-Thales und von Usambara.
Die Bevölkerung von Bondei, von der Küste bis zu den Vorbergen, besteht, außer den Arabern, Indern und Suaheli in der Stadt Pangani, aus den Waschinsi, Wasegeju und Wadigo. Die Waschinsi bilden mehr einen social-religiösen als einen ethnographischen Gegensatz zu den Suaheli. Während diese als Mohammedaner das höchste Ansehen neben den Arabern sich zu verschaffen suchen und an Küsten- und Handelsplätzen mit Vorliebe sich niederlassen, sind jene die verachteten Heiden, die Bauern-Neger. Sie sind in Madanga und am Ukumbine seßhaft. Ihre Dörfer stecken tief in den Waldungen, mit Euphorbien und Cacteen sorgfältig verschanzt. Die Wasegeju, ein kriegslustiges Volk, wahrscheinlich aus den Galla-Ländern eingewandert und am Udofu angesiedelt, verlegen sich mit Vorliebe auf Menschenraub und Sklavenhandel und ziehen deshalb gern als Träger mit den Karavanen. Die Wadigo in Tanga und Wanga leben in größern, ebenfalls befestigten Ortschaften. Sie gebrauchen als Waffen fast nur Pfeil und Bogen. Mit Leidenschaft sind sie dem Handel ergeben, sei es auf den Märkten von Amboni und Gondja, sei es als Theilnehmer von Karavanen.
In das Thal des Pangani von Tongwe bis Maurui zogen vor einigen Jahrzehnten plündernd und mordend die Waseguha, vertrieben die schwächeren Wasambara und wurden seitdem die herrschende Rasse an beiden Ufern. Sie sind übrigens tüchtige Ackerbauer und Viehzüchter geworden.
Das Gebirgsland Usambara bewohnen die Wakilindi, Wasambara und Wambugu.
Zu den Wakilindi rechnen sich, wie es scheint, allein die Angehörigen der Herrscherfamilie, die von Wuga bis Magila den Dorfschaften die Häuptlinge liefert. Kimweri I. soll 100 Söhne hinterlassen haben. Wenn diese Anzahl auch nur von ferne der Wahrheit entspricht, so ist es erklärlich, daß aus der fürstlichen Sippschaft allmählich ein Volksstamm geworden.
Die Heimat derselben wird von einigen nach Nguru, von den meisten nach dem Dschaggaland verlegt. Sie unterscheiden sich auffallend von den Negern: lichtgelbe Hautfarbe, semitischer Typus im Gesichtsschnitt und Körperbau. Sie beugen sich willig dem Gebot und der Willkür der Araber und suchen durch die Nachahmung arabischer Sitten die eigene Autorität zu steigern. Zur Zeit tragen sie die feindseligste Abneigung gegen alle Europäer mit Vorliebe zur Schau.
Die Masse des Gebirgsvolkes, die Wasambara, zeichnen sich vor den Küstennegern durch hohe Stirn, durch ebenmäßig angesetzte Unterkiefer, durch untersetzte und kräftige Statur aus. Die Männer rasiren sich das Haupt bis auf einen kurzen Schopf; die Weiber ganz. Als Stammesmarke gilt das markstückgroße Brandmal auf der Stirn; die vordersten Schneidezähne werden spitz zugefeilt. Die Farbe der Haut wechselt von lichtbraun zu dunkelschwarz. Sie schmücken sich mit Glasperlen und Eisenkettchen. Sie besitzen wenige Feuergewehre und noch weniger Pulver; ihre Hauptwaffen sind Pfeile, Speere und Schwerter. In den kreisrund aus Lehm gebauten und in drei bis vier Räume eingetheilten Hütten befindet sich der dürftigste Hausrath, ein paar dreibeinige Holzstühle und Töpfe. Die Dörfer werden entweder im Wald durch ein doppeltes, mit Dornhecken ausgefülltes Pfostengitter abgeschlossen und geschützt, oder auf steilabfallenden Bergkuppen angelegt und für die Feinde unzugänglich gemacht.
Sowol Männer wie Frauen bebauen das Feld und hüten Rinder, Schafe und Ziegen. Auch Bienenzucht treiben sie und gewinnen dunkelbraunen, sehr süßen Honig in Menge. Die Wasambara sind klug und verständig, gastfreundlich und gewürfelt. Ja, sie besitzen die unter Negern seltene Tugend der Dankbarkeit. Sie kennen den Werth der Silbermünze und sind bereit, für Geld alle möglichen Arbeiten zu übernehmen.
Ein eigenthümlicher Stamm lebt auf dem Hochplateau zwischen Wuga und Mlalo: die Wambugu. Das sind hohe, schlankgewachsene Leute mit scharfgeschnittenen Gesichtern, ähnlich den Wakuafi und Masai, dabei ruhig, freundlich und tapfer von Charakter. Sie tragen kein Baumwollzeug, sondern Ueberwürfe von feingegerbtem Leder. Erkenntlich macht sie ein Ohrschmuck von 1–7 cm breiten Holzscheiben; die Weiber behängen sich mit schweren Schnüren von blauen Glasperlen. Es ist ein Hirtenvolk, das sich den Wakilindi als Viehknechte verdingt.
Politische Verhältnisse.
Mkande, ein Häuptling der Wakilindi, soll vor vielen Jahrzehnten von Dschagga gekommen und sich Usambara und Bondei unterworfen haben. Ihm folgte später als fünfter Herrscher Kimweri I., der 1868 im angeblichen Alter von hundert Jahren gestorben ist. Von seinen hundert Söhnen herrschte der älteste, Kimweri II., nur ein Jahr mit Hinterlassung eines Minderjährigen, Kingassi. Sembodja, Kibanga und Mkande, die Brüder Kimweri’s II. geriethen in blutigen Streit und gewannen schließlich nur in einzelnen Theilen des Landes die Oberherrschaft.
Demnach zerfällt jetzt Usambara in folgende Gebiete:
Das Mkomasi-Thal mit dem den Ort Wuga umgebenden Gebirge unter Sembodja. Er selbst residirt in Masindi; seinem ältesten Sohn, Kimweri II., der nach Unabhängigkeit trachtet, hat er Wuga überlassen.
Der nördliche Theil, von Kwambugu über Mbaramu bis zum Ursprung des Luengera, nominell unter Kingassi, factisch unter Mkande, mit der Residenz in Hundu.
Der südliche Theil, vom Kombola bis Handei und zum Quellgebiet des Ukumbine und Udofu, unter Kibanga; mit Magila als Wohnsitz.
Bondei und das Thal des Pangani gehören politisch nicht zu Usambara.
Die Bevölkerung steht, außerhalb der schmalen, am Meere gelegenen Gebietssphäre des Sultans von Sansibar, nirgends unter einem gemeinschaftlichen Oberhaupt, sondern überall unter unabhängigen Dorfhäuptlingen, welche in einzelnen Fällen benachbarte Ortschaften unter ihrer Herrschaft vereinigt haben.
Schlußbetrachtung.
An Naturproducten erzeugen Usambara und Bondei:
auf den Feldern: alle Getreidearten; Maniok und Bataten; Bohnen und Reis, Taback und Zuckerrohr; Bananen und Kokosnüsse; die Baumwollstaude (wild);
auf den Weidegründen: schönes starkes Rindvieh und Schafe;
in den Wäldern: Honig, Kautschuk und Kopal; Nutzholz von den Tamarinden und Teakbäumen.
Die Production kann bei der Ergiebigkeit des Bodens durch Vermehrung der Bevölkerung und durch geregelte intensive Arbeit gesteigert werden, und zwar namentlich in Bezug auf Reis, Taback, Zucker, Baumwolle und Kautschuk.
Zur Zeit werden von den Eingebornen exportirt: Bohnen, Taback, Zucker, Butter, Honig und Kautschuk.
Die wichtigsten Importartikel sind Manchester-Baumwollstoff, blaue und milchweiße Perlen; außerdem geringere europäische Krämerwaare.
Zur Anlegung von Plantagen eignet sich in erster Linie die der Küste nahegelegene, ungemein fruchtbare Landschaft Bondei; selbst Kaffee- und Cacaopflanzungen würden hier Erfolg versprechen.
Auch das südliche Pangani-Ufer, nahe der Mündung des Flusses, bietet Aussicht auf lohnenden Ertrag.
Die Umgebung von Wuga, trotz vorzüglicher Verhältnisse in Bezug auf Klima und Bodenbeschaffenheit, kann erst in zweiter Linie in Betracht kommen; denn die Entfernung von der Küste ist sehr groß und die Verkehrswege dahin sind sehr ungünstig.
Die Urbarmachung des Sigi- und Luengera-Thales muß einer spätern Zeit vorbehalten bleiben.
Da der Eingeborene über den häuslichen Bedarf zu säen und zu ernten gewohnt, auf Gewinn und Verdienst erpicht ist, so stehen auch die nöthigen Arbeitskräfte bei mäßigem Lohn zur Verfügung.