D. Vom Ende der Kreuzzüge bis zur Entdeckung Amerikas. (1270–1492.)

§ 1. Deutschland.

1273–1347.

Könige und Kaiser aus verschiedenen Häusern.

1273–1291.

Rudolf I., Graf von Habsburg, reich begütert im Aargau und am Vierwaldstättersee, Landgraf im Elsaß, wird in Frankfurt von den sieben angesehensten Reichsfürsten zum römischen König gewählt, besonders auf Betreiben seines Verwandten, des Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg (aus dem Hause Hohenzollern). Krönung zu Aachen, erster Reichstag 1274 zu Nürnberg; Beschluß, das Reichsgut zurückzufordern. Doch kommt dieser Beschluß nur in geringem Maße zur Ausführung; der König sieht sich auf Vergrößerung seiner Hausmacht angewiesen.

1276.

Krieg gegen Ottokar, König von Böhmen, welcher nach dem Aussterben der Babenberger (1246) Österreich in Besitz genommen, von den Ungarn Steiermark wieder erobert, Kärnten und Krain durch Erbschaft erworben hatte. Ottokar wird geächtet, unterwirft sich, erneuert aber bald den Krieg.

1278.

Sieg Rudolfs auf dem Marchfelde (bei Dürnkrut), Ottokar fällt. Vergleich mit dem Vormunde seines Sohnes Wenzel. Dieser behält Böhmen, später bekommt er auch Mähren zurück. Bildung der habsburgischen Hausmacht: Österreich, Steiermark und Krain kommen als Reichslehen an die Söhne Rudolfs, Kärnten an Graf Meinhard von Tirol, seinen Schwager.

1281.

Rudolf verkündet Landfriedensordnungen in Bayern, Franken und am Rhein. In Schwaben leisten Graf Eberhard von Württemberg und Markgraf Rudolf von Baden (Stammburg Zähringen bei Freiburg im Breisgau) der Absicht des Königs, das Herzogtum Schwaben wiederherzustellen, erfolgreich Widerstand.

1289.

Feldzug nach Burgund; die Freigrafschaft (Franche-Comté, Hauptstadt Besançon) für das deutsche Reich wiedergewonnen. Die Provence und Avignon bleiben im Besitz Karls von Anjou (S. 190).

1290.

Rudolf residiert zu Erfurt, schlichtet Streitigkeiten in Thüringen, läßt 29 Raubritter enthaupten und 66 Burgen brechen.

1291.

Rudolf † zu Speier. Zum Nachfolger wird nicht sein Sohn Albrecht gewählt, sondern auf Betreiben des Erzbischofs von Mainz, Gerhard v. Eppstein, ein mit diesem verwandter, minder mächtiger Graf,

1292–1298.

Adolf von Nassau. Dieser will den Streit zwischen Landgraf Albrecht dem Entarteten von Thüringen und seinen Söhnen Friedrich und Diezmann (S. 181) benutzen, um die Mark Meißen als erledigtes Reichslehen einzuziehen, wird aber, ehe er dies durchführen kann, durch eine von Erzbischof Gerhard v. Eppstein berufene Fürstenversammlung abgesetzt und fällt in der Schlacht bei Göllheim (am Donnersberge) im Kampfe gegen den nun zum Throne berufenen

1298–1308.

Albrecht I. von Österreich, Sohn Rudolfs I. Papst Bonifacius VIII. verweigert ihm die Anerkennung; Albrecht schließt ein Bündnis mit König Philipp IV. von Frankreich und demütigt die vier rheinischen Kurfürsten (Mainz, Trier, Köln, Pfalz), indem er 1301 zu Gunsten der Städte die willkürlichen Rheinzölle aufhebt.

1303.

Aussöhnung mit dem Papste, dessen Recht auf Bestätigung der deutschen Königswahl Albrecht anerkennt. Gleich darauf Sturz der päpstlichen Macht (S. 207), doch unternimmt Albrecht keinen Zug nach Italien, sondern versucht Böhmen für seine Hausmacht zu gewinnen. Das von ihm nach Meißen entsandte Heer wird 1307 von Friedrich und Diezmann bei Lucka unweit Altenburg geschlagen.

1308.

Albrecht wird von seinem Neffen Johann (Parricīda), dem er sein Erbe vorenthielt, zwischen Aar und Reuß, nahe bei der Habsburg ermordet. Die Königswahl lenkt der Erzbischof von Trier auf seinen Bruder:

1308–1313.

Heinrich VII., Graf von Luxemburg. Dieser stellt die Rheinzölle zu Gunsten der Fürsten wieder her. Den Söhnen Albrechts bestätigt er den Besitz ihrer Lehen, erkennt aber 1309 die Schweizer Waldstätte als reichsunmittelbar an.

Entstehung der Schweizer Eidgenossenschaft.

Schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts treten die Waldorte dem Bestreben der Grafen von Habsburg, die mit der Grafschaft verbundene Vogtei zu einer vollständigen Landeshoheit über sie auszubilden, entgegen. König Heinrich (S. 187) erteilt 1231 einen Freibrief für Uri, Kaiser Friedrich II. 1240 für Schwyz. König Rudolf erkennt den Freibrief für Uri an, ernennt in Schwyz nur einheimische Amtleute. Gleich nach seinem Tode, am 1. August 1291, schließen die drei Waldorte Uri, Schwyz, Unterwalden zur Erhaltung ihrer Freiheit einen ewigen Bund, fügen sich aber zunächst noch der Herrschaft König Albrechts.

Die von der Volksdichtung ausgeschmückte Erzählung, welche die Tatsache des allmählichen Erringens der Reichsunmittelbarkeit der Waldstätte auf ein kurzes Zeitmaß zusammendrängt, erscheint erst nach und nach sich ausbildend in Chroniken des 15. Jahrhunderts und steht vielfach in Widerspruch mit den Urkunden. Weder der Schwur auf dem Rütli (1307, Werner Stauffacher, Walter Fürst, Arnold vom Melchtal), noch die Vertreibung der Vögte am 1. Januar 1308 ist historisch verbürgt. Ein Landvogt Geßler hat weder in Uri noch in Küßnacht regiert. Die Sage vom Apfelschuß findet sich auch in Norwegen, Island, Dänemark, am Rhein und in England; sie ist eine allgemein germanische Sage. Das älteste Lied von Tell stammt aus der Zeit der burgundischen Kriege (1477); die uns geläufige Tradition gibt erst der Chronist Tschudi (um 1550).

1310.

Heinrichs VII. Sohn Johann wird König von Böhmen, gewählt durch die böhmischen Stände entgegen den Ansprüchen der Habsburger (der Mannesstamm der Prschemysliden in Böhmen war 1306 ausgestorben, Johann heiratet den letzten weiblichen Sproß); dadurch erhalten die Luxemburger eine Hausmacht. Seitdem Gegensatz zwischen den Habsburgern und Luxemburgern.

1310–1313.

Heinrichs VII. Römerzug. Er wird von den Ghibellinen (Dante, 1302 aus Florenz verbannt) herbeigerufen, schlichtet die Parteikämpfe in Mailand (die Visconti hier seit 1277), unterwirft Brescia, wird in Genua und Pisa freudig aufgenommen, in Rom zum Kaiser gekrönt, belagert aber vergeblich die guelfisch gesinnte Stadt Florenz und stirbt auf dem Zuge gegen Neapel.

In dieser Zeit bringt König Philipp IV. von Frankreich die Freigrafschaft Burgund (S. 196) durch Heirat an sich und zwingt den Erzbischof von Lyon zur Huldigung.

1314–1347.}

Ludwig der Bayer (Haus Wittelsbach).

1314–1330.}

Friedrich von Österreich, Sohn Albrechts. Doppelwahl durch Parteiung der Fürsten; beide Könige sind Enkel Rudolfs von Habsburg. Friedrichs Macht wird geschwächt durch den

1315.

Sieg der Schweizer Eidgenossen am Berge Morgarten über Leopold von Österreich, Friedrichs Bruder. Darauf bestätigt der von der luxemburgischen Partei gewählte Herzog Ludwig von Oberbayern, der kurz vorher (1313) die Österreicher bei Gammelsdorf a. d. Isar besiegt hatte, den Waldstätten ihre Reichsunmittelbarkeit.

1322.

Schlacht bei Ampfing oder Mühldorf. Friedrich von Österreich geschlagen (Sage von Schweppermann) und als Gefangener nach der Burg Trausnitz geführt.

1324.

Papst Johann XXII., in Avignon (s. S. 207) unter französischem Einfluß, mischt sich in den Thronstreit und spricht den Bann über Ludwig aus, doch bleibt derselbe unwirksam, da durch die sittliche Entartung des päpstlichen Hofes in Avignon das Ansehen des Papsttums überhaupt gesunken ist.

Ludwig gibt die durch Aussterben der Askanier 1320 erledigte Mark Brandenburg (S. 179) seinem Sohne Ludwig, mit dem er später Margarete Maultasch, Erbin von Tirol und Kärnten, vermählt, nachdem diese ihre Ehe mit einem Sohne Johanns von Böhmen getrennt hat. Kärnten kommt, ehe die Vermählung stattfindet, an die Herzöge von Österreich (1335). Tirol wird von Margarete Maultasch nach dem Tode ihres zweiten Gemahls Ludwig doch dem Hause Habsburg vermacht (S. 200).

1325.

Friedrich wird gegen Verzichtleistung auf den Thron in Freiheit gesetzt, stellt sich wieder als Gefangener, wird von Ludwig als Mitkönig anerkannt, stirbt 1330.

1327–1330.

Ludwigs Römerzug. Er wird in Rom zum Kaiser gekrönt, stellt einen Gegenpapst auf, kann aber die kaiserlichen Herrschaftsrechte nur wenig zur Geltungbringen, In Deutschland Streitigkeiten mit den Fürsten. Frankreich und dem Papste gegenüber einigen sich endlich die Kurfürsten zur Unterstützung Ludwigs:

1338.

Der Kurverein zu Rense (am Rhein, oberhalb Koblenz) erklärt jeden rechtmäßig gewählten deutschen König auch ohne päpstliche Krönung für den rechtmäßigen römischen Kaiser.

Ludwigs eigenmächtiges Verfahren zur Vergrößerung seiner Hausmacht (Brandenburg, Tirol, Holland) führt im Verein mit päpstlichen und französischen Umtrieben 1346 zur Wahl eines Gegenkönigs: Karl a. d. Hause Luxemburg, Sohn des bei Crecy im Kampfe für Frankreich gefallenen Königs Johann von Böhmen (S. 208). Kaiser Ludwig † 1347 (auf der Bärenjagd bei München), Karl wird allgemein anerkannt.

1347–1437.

Luxemburgische Kaiser.

1347–1378.

Karl IV., ein staatskluger Fürst, gelehrt und kunstsinnig. Die bayrische Partei stellt 1349 den Grafen Günther von Schwarzburg als Gegenkönig auf; doch stirbt dieser schon nach wenigen Monaten. In Brandenburg tritt, von Karl begünstigt, der falsche Waldemar gegen die bayrischen Markgrafen auf. (S. Anhang.) 1350 Aussöhnung mit den Wittelsbachern.

1349–50.

Pest (schwarzer Tod) in Deutschland und in fast ganz Europa. Erbitterte Verfolgungen der durch Verleihen von Geld gegen Zinsen reich gewordenen Juden. Sie sollten die Brunnen vergiftet haben. Umzüge der Geißler (Flagellanten).

Karls Hauptsorge ist auf sein Erbland Böhmen gerichtet. Er zieht deutsche Ansiedler heran, baut in Prag den Dom und die Burg Hradschin, stiftet daselbst 1348 nach dem Muster von Paris (S. 192) eine Universität mit vier Fakultäten, die erste in Deutschland. Durch Verträge mit den schlesischen Fürsten (S. 182) vollendet er die schon von seinem Vater angebahnte Vereinigung Schlesiens mit Böhmen; auch die Lausitz kommt zu Böhmen.

1353.

Zutritt Berns zur Eidgenossenschaft, welche nun, immer noch zum deutschen Reich gehörig, Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern, Zürich, Glarus, Zug und Bern (die sogenannten 8 alten Orte) umfaßt.

1354–1355.

Erster Zug Karls IV. nach Italien. Während der Abwesenheit der Päpste in Avignon hatte Cola di Rienzi sich zum »Volkstribunen« gemacht und die altrömische Republik wieder aufgerichtet (S. 211). Karl empfängt die Huldigung der lombardischen Städte, verweilt aber in Rom nur einen Tag, um die Kaiserkrone zu empfangen.

1356.

Goldene Bulle,[37] Reichsgrundgesetz, beschlossen auf zwei Reichstagen zu Nürnberg und Metz. Die Kaiserwahl wird endgültig den 7 Kurfürsten übertragen, welche sie schon seit längerer Zeit tatsächlich ausübten;[38] drei geistliche: 1. Erzbischof von Mainz (Erzkanzler für Deutschland), 2. Erzbischof von Trier (Erzkanzler für Burgund), 3. Erzbischof von Köln (Erzkanzler für Italien); vier weltliche: 4. König von Böhmen (Erzschenk), 5. Pfalzgraf bei Rhein (Erztruchseß), 6. Herzog von Sachsen-Wittenberg (Erzmarschall), 7. Markgraf von Brandenburg (Erzkämmerer).

Die Kurfürstentümer, welche im Mannesstamme auf den Erstgeborenen forterben und gewisse Regalien erhalten (Privilegium de non appellando, Münzrecht, Bergwerks- und Salzhoheit, Judenzoll u. a. m.), sollen unteilbar sein. Bestimmungen über den Landfrieden; den Städten wird die Bildung besonderer Städtebündnisse und die Aufnahme von Pfahlbürgern (die in der Stadt nicht ansässig sind) untersagt.

1363.

Österreich erwirbt Tirol durch Vertrag mit Margarete Maultasch.

1365.

Karl IV. reist nach Avignon, um den Papst zur Rückkehr nach Rom zu bewegen, und läßt sich in Arles krönen, um die Oberhoheit über die tatsächlich an Frankreich gekommenen burgundischen Gebiete festzuhalten (S. 196, 198).

1368.

Zweiter Römerzug. Karl IV. führt Papst Urban V. nach Rom, aber bald nach seinem Abzuge kehrt der Papst nach Avignon zurück.

1373.

Durch den Vertrag zu Fürstenwalde überläßt Otto der Finne (Faule), der letzte bayrische Markgraf von Brandenburg, die Mark gegen ein Jahrgehalt an Karl IV.

Städtebünde.

Die Hanse. Verbindungen deutscher Kaufleute im Auslande, namentlich zu Wisby auf der Insel Gotland und in London schon im 12. Jahrhundert, haben Handelsbündnisse ihrer Heimatstädte zur Folge. 1241 Bündnis zwischen Lübeck und Hamburg. Um 1294 tritt Lübeck an die Spitze eines Bundes von Seestädten an der Nord- und Ostseeküste (von Bremen bis Reval), denen sich zahlreiche norddeutsche Binnenstädte (Köln, Osnabrück, Braunschweig, Magdeburg, Berlin, Thorn, Breslau u. a.) anschließen, später auch die niederländischen Seestädte (Kampen, Deventer u. a.) Zweck des Bundes: Sicherung der Straßen zu Wasser und zu Lande, Erwerbung und Erhaltung von Handelsprivilegien im Auslande. Hansetage meist zu Lübeck gehalten. Auswärtige Niederlassungen (Kontore) zu Brügge, London, Bergen, Nowgorod. In Wisby, Stockholm, Kopenhagen, Malmö, Riga zahlreiche deutsche Kaufleute ansässig. Jährlicher Markt zur Zeit des Heringsfangs an der Küste von Schonen. Einteilung des Bundes in 3 Drittel, im 16. Jahrhundert in 4 Quartiere mit den Vororten Lübeck, Köln, Braunschweig, Danzig.

1361–1362.

Krieg gegen Waldemar IV., König von Dänemark, welcher Wisby eingenommen und geplündert hatte. Die Kriegsflotte der Hanse hat anfangs Erfolge, wird aber vor Helsingborg geschlagen. Ihr Führer, der Lübecker Bürgermeister Johann Wittenborg, wird deshalb angeklagt und in Lübeck hingerichtet.

1367–1370.

Zweiter Krieg; Waldemar IV. flüchtet aus seinem Reiche. Kopenhagen, Helsingör u. a. Städte erobert. Im Frieden zu Stralsund 1370 wird die Küste von Schonen auf 15 Jahre an die Hanse abgetreten; auch verspricht der dänische Reichsrat, den Nachfolger Waldemars nur mit Zustimmung der Städte zu erwählen. Bis ins 16. Jahrhundert behauptet der Hansebund die Handelsherrschaft über Skandinavien, Rußland, England. Da er sich aber nicht an einen starken Staat anlehnte, so zerfiel er, als die nordischen Staaten mehr und mehr erstarkten. Die im Binnenlande gelegenen deutschen Städte wurden durch ihre Landesfürsten teilweise zum Austritt aus der Hanse gezwungen, wie z. B. Berlin durch Kurfürst Friedrich II.

Im Innern zeigt sich in den Hansestädten, in welchen der Großhandel die Gewerbtätigkeit übertrifft, das Festhalten an der aristokratischen Regierung des sich selbst ergänzenden Rats, während in den süddeutschen Städten die nach Zünften geordneten Handwerker bedeutenden Anteil an der meist jährlichen Neuwahl des Rats erhalten. Zunftkämpfe in Ulm 1292, Speier 1327, Straßburg 1332, Regensburg 1334, Augsburg 1368; in Nürnberg behaupten die Patrizier 1349 das Übergewicht, ebenso in Köln 1370, doch siegen dort die Zünfte 1396.

Nicht von gleicher Dauer wie der Hansebund waren die süddeutschen Städtebündnisse, welche die Selbständigkeit der Städte gegen die Fürsten und die Reichsritter sichern sollten: der 1254 geschlossene rheinische Bund (S. 189) öfters von seiten der Städte erneuert; der schwäbische Städtebund, zuerst 1331, dann wiederum 1376 geschlossen, namentlich gegen den Grafen von Württemberg Eberhard den Greiner (d. h. Zänker), auch der Rauschebart genannt.

Adelsbündnisse in Schwaben, Franken und am Rhein gegen Fürsten und Städte gerichtet (der Löwenbund, der St. Georgsbund, die Schlegler).

1377–1389.

Süddeutscher Städtekrieg.

1377.

Sieg der schwäbischen Städte (Vorort Ulm) bei Reutlingen über Eberhards Sohn Ulrich. Der schwäbische Städtebund vom Kaiser anerkannt.

1378.

Tod Karls IV., nachdem er seine Länder unter seine drei Söhne so geteilt hat, daß Wenzel Böhmen und Schlesien (später fällt ihm auch Luxemburg zu), Sigismund die Mark Brandenburg, Johann die Lausitz erhält. In Mähren herrschen 2 Neffen Karls, Jobst und Prokop als Markgrafen. Zum deutschen König war schon gewählt worden

1378–1400.

Wenzel, Karls IV. ältester Sohn.

1381.

Der schwäbische Städtebund vereinigt sich mit den rheinischen und schließt bald auch ein Bündnis mit einem Teil der Schweizer Eidgenossenschaft.

1384.

Wenzel bringt einen Landfrieden auf vier Jahre zustande (Fürstentag zu Heidelberg), doch beginnen die Fehden, sobald er nach Böhmen zurückgekehrt ist, aufs neue. Herzog Leopold III. von Österreich bekriegt im Bunde mit dem süddeutschen Adel die Eidgenossen. Das Ritterheer wird in der

1386.

Schlacht bei Sempach (Arnold Winkelried?) gänzlich geschlagen, ebenso 1388 in der Schlacht bei Näfels. Die Herzöge von Österreich verzichten auf die Unterwerfung der Schweiz.

1388.

Erneuerung des Städtekrieges. Eberhard der Greiner siegt über die schwäbischen Städte bei Döffingen (wo sein einziger Sohn Ulrich fällt), Pfalzgraf Ruprecht über die rheinischen bei Worms.

1389.

Landfriede zu Eger, von König Wenzel verkündet. Die Städte behalten ihre Reichsfreiheit, müssen aber auf Sonderbündnisse verzichten.

1400.

Wenzel, in Böhmen durch Härte (der Generalvikar des Erzbischofs von Prag, Johann von Nepomuk, Beichtvater der Gemahlin Wenzels, in die Moldau gestürzt) und Trägheit verhaßt, aus Anlaß innerer Zerwürfnisse wiederholt gefangen gesetzt, wird von den am Königsstuhl bei Rense versammelten rheinischen Kurfürsten der deutschen Königswürde entsetzt. Er stirbt 1419 als König von Böhmen.

1400–1410.

Ruprecht von der Pfalz vermag selbst bei seiner Partei kaum das königliche Ansehen zur Geltung zu bringen.

1401.

Unglücklicher Zug Ruprechts nach Italien. Das deutsche Heer wird bei Brescia geschlagen von Johann Galeazzo Visconti, den König Wenzel zum erblichen Herzog von Mailand ernannt hatte (1395) (S. 198).

1409.

Infolge der hussitischen Streitigkeiten (s. S. 204) in Prag und einer Veränderung der Universitätsstatuten zu Gunsten der czechischen Nation verlassen die deutschen Professoren und Studenten die Universität Prag und gehen meist nach Leipzig, wo Friedrich der Streitbare von Meißen (S. 204) eine Universität stiftet.

1409.

Konzil zu Pisa, berufen zur Wiederherstellung der kirchlichen Einheit (seit 1378 zwei Päpste, einer in Rom, einer in Avignon). Der vom Konzil erwählte Papst Alexander V. vermag die beiden anderen nicht zur Abdankung zu nötigen.

1410–1437.

Sigismund, Wenzels Bruder, Markgraf von Brandenburg und König von Ungarn (als Gemahl der Tochter König Ludwigs des Großen, S. 217), gewählt besonders auf Betreiben des Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg, doch nur durch drei Kurstimmen, während die anderen für Jobst von Mähren abgegeben werden und Wenzel als dritter noch Ansprüche auf die Krone erhebt. Jobst † 1411; darauf zweite Wahl einstimmig für Sigismund. Dieser zieht nach Italien und einigt sich mit Papst Johann XXIII., Alexanders V. Nachfolger, über die Berufung eines allgemeinen Konzils nach einer deutschen Stadt.

1414–1418.

Kirchenversammlung zu Konstanz, zahlreich besucht von Fürsten und Prälaten, hat eine dreifache Aufgabe zu lösen: 1. Beseitigung der Kirchenspaltung (causa unionis), 2. Verbesserung der kirchlichen Zustände (causa reformationis), 3. Abstellung der Ketzerei (causa fidei).

Von der Reformpartei wird die Abstimmung nach Nationen (deutsche, franz., engl., italien., je eine Kuriatstimme) durchgesetzt. Papst Johann XXIII., der persönlich erschienen war, wird zu öffentlicher Abdankung bewogen, entflieht dann aber mit Hilfe des Herzogs Friedrich von Österreich. Dieser, in die Acht erklärt, muß sich unterwerfen. Das Konzil spricht auf Antrag Gersons, des Kanzlers der Pariser Universität, den Grundsatz aus, daß das Konzil über dem Papste stehe; Johann XXIII. wird abgesetzt, Gregor XII. in Rom verzichtet freiwillig.

Inzwischen ist der Tscheche Johann Hus, Professor in Prag, Anhänger der Lehren des Engländers Wycliffe (S. 312, Verwerfung des Ablasses, der Ohrenbeichte, der Transsubstantiation), seit 1412 im Bann, im Vertrauen auf das von Sigismund ihm gewährte sichere Geleit in Konstanz erschienen; er wird als Ketzer verurteilt.

1415. 6. Juli.

Hus verbrannt, 1416 sein Freund Hieronymus von Prag. Sigismund reist nach Spanien, um Benedikt XIII., der sich von Avignon nach der Burg Peniscola (unweit Valencia) zurückgezogen hat, zur Abdankung zu bewegen. Dies mißlingt, aber die spanische Geistlichkeit sagt sich von Benedikt los. Sigismund reist über Paris nach England, um zwischen Frankreich und England Frieden zu vermitteln (S. 209), doch ohne Erfolg. Nach seiner Rückkehr 1417 Beratung über die Kirchenverbesserung (Beschränkung der päpstlichen Willkür in der Verleihung kirchlicher Ämter, Aufhebung drückender Abgaben, Besserung des Lebens der Geistlichen).

Dem Verlangen der Reformpartei, daß diese Verbesserung vor der Wahl eines neuen Papstes zum Abschluß komme, treten die Anhänger des Papsttums in den romanischen Nationen, verstärkt durch die Spanier als fünfte Nation, entgegen. Der neugewählte Papst Martin V. (Kardinal Colonna, S. 211) bringt drei Konkordate, mit den Deutschen, Engländern und Romanen, zum Abschluß, die aber nicht zur Abstellung der Mißbräuche führen.

1415.

Sigismund überträgt in Konstanz dem Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg, als Belohnung für wichtige, ihm und dem Reiche geleistete Dienste die Mark Brandenburg mit der Kur- und Erzkämmererwürde (Belehnung 1417).

1423.

Sigismund belehnt Friedrich den Streitbaren, Markgrafen von Meißen, aus dem Hause Wettin (s. S. 179, 203) mit dem Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg, nach dem Aussterben der dort regierenden Askanier (S. 189). In Sachsen-Lauenburg regieren Askanier noch bis 1689, dann kommt das Land an Hannover.

1419–1436.

Hussitenkrieg. Entrüstung der Böhmen über Hus’ Hinrichtung. Seine Anhänger, Hussiten, auch Utraquisten genannt (weil sie das Abendmahl sub utraque specie, Brot und Wein, auch für die Laien verlangen), wollen die Ausübung ihrer vom Konzil verworfenen Lehre mit Gewalt durchsetzen. König Wenzel sucht zu vermitteln; nach seinem Tode 1419 Aufstand in Prag. Ziska, Anführer der Hussiten. Sigismund, Erbe der böhmischen Krone, wird zwar in Prag gekrönt, muß aber das Land bald verlassen. Die 1421 in Böhmen eindringenden Reichstruppen werden zurückgeschlagen, Sigismunds Heer wird 1422 bei Deutsch-Brod vernichtet. Verheerende Züge der Hussiten in die umliegenden Länder (Österreich, Bayern, Franken, Sachsen, Schlesien, Lausitz, Brandenburg); öftere Niederlagen der gegen sie aufgebotenen Reichsheere.

1431–1449.

Konzil zu Basel, zur Wiederherstellung des Friedens und zur Durchführung der kirchlichen Reformen berufen. Durch Gesandte des Konzils wird ein Vergleich mit den gemäßigten Hussiten (Kalixtinern, Utraquisten) geschlossen: Prager Kompaktaten 1433; die Taboriten, (Tabor, Stadt in Böhmen), welche den Vergleich nicht annehmen, werden bei Böhmisch-Brod 1434 besiegt, Sigismund zieht 1436 in Prag ein.

Während dieser Bedrängnis des deutschen Reiches im Osten erhebt sich im Westen die Macht der französischen Herzöge von Burgund, welche ansehnliche deutsche Reichslehen an sich bringen. Philipp der Kühne (S. 208) verschafft seinem zweiten Sohne die Nachfolge in Brabant und Limburg; sein Enkel Philipp der Gute erbt diese Länder und außerdem 1428 die Grafschaften Holland, Seeland, Hennegau, bald auch Luxemburg. Auch das Herzogtum Lothringen kommt nach dem Aussterben des Mannesstammes (S. 165) 1431 an eine französische Dynastie, da die Erbin sich mit René von Anjou, Graf von Provence, Titularkönig von Neapel (S. 211) vermählt.

Im Innern des deutschen Reiches Verwirrung, Fehden und Selbsthilfe. Bei der herrschenden Rechtsunsicherheit erlangen die Femgerichte (S. 190) für einige Zeit große Bedeutung.

1438–1740.

Kaiser aus dem Hause Habsburg.

1438–1439.

Albrecht II., der tatkräftige Schwiegersohn Sigismunds, dem er auch in Böhmen und Ungarn folgt, stirbt nach der Rückkehr von einem Türkenzuge.

1440–1493.

Friedrich III. von Steiermark, (Vetter Albrechts), der letzte in Rom (1452) gekrönte deutsche Kaiser. Ein durchaus unfähiger Herrscher, läßt er sich durch seinen Ratgeber Aeneas Silvius Piccolomini (später Papst Pius II.) bewegen, in dem Streit zwischen dem Baseler Konzil und Papst Eugen IV. auf die Seite des Papstes zu treten. Die von dem Konzil beschlossenen kirchlichen Reformen werden durch das Wiener Konkordat 1448 vereitelt; das Konzil löst sich auf 1449.

Bürgerkrieg in der Schweiz 1440–1450; Zürich mit Österreich verbündet. Auf Kaiser Friedrichs Bitte schickt Karl VII. von Frankreich den Dauphin (als König Ludwig XI.) mit den zügellosen Scharen der Armagnacs gegen Basel. Heldentod von 1600 Eidgenossen bei St. Jakob 1444. Die Armagnacs plündern darauf im Elsaß, bis der Kurfürst von der Pfalz sie vertreibt. Friede der Schweizer mit Frankreich. Das Haus Habsburg verliert seine letzten Besitzungen in der Schweiz; es behält seine Besitzungen im Elsaß und in Schwaben (Vorder-Österreich).

Fehden im deutschen Reiche, denen der Kaiser untätig zusieht. In Sachsen Bruderkrieg zwischen Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen und seinem Bruder Wilhelm (1446–50); im Anschluß daran der Prinzenraub: Ritter Kunz von Kaufungen entführt 1455 die beiden Söhne Friedrichs aus dem Schloß zu Altenburg, wird aber von Köhlern im Walde gefangen. Der Erzbischof von Köln führt Krieg gegen die Stadt Soest (Soester Fehde 1444–1449), Kurfürst Albrecht Achilles von Brandenburg gegen Nürnberg (1449–1453), Pfalzgraf Friedrich der Siegreiche gegen den Erzbischof von Mainz, den Grafen von Württemberg und den Markgrafen von Baden (Pfälzer Fehde 1462). Zur Herstellung des Friedens in Deutschland ist der schwäbische Bund förderlich, 1488 auf Betreiben des Kaisers von Fürsten, Rittern und Städten geschlossen.

Um 1450.

Johann Gutenberg (in Mainz) erfindet die Buchdruckerkunst. (Johann Fust, Peter Schöffer.)

In Böhmen Parteikämpfe während der Unmündigkeit des jungen Königs Ladislaus Postumus (Sohn Albrechts II.), für den Friedrich III. die Vormundschaft führt. Georg Podiebrad wird 1452 zum Reichsverweser, 1458 nach Ladislaus’ Tode zum König gewählt, aber als Utraquist angefeindet († 1471). Matthias Corvinus wird König von Ungarn (S. 218), besetzt die Nebenländer Mähren, Schlesien, Lausitz; schließt 1478 Frieden mit Georgs Nachfolger Wladislav (Sohn Kasimirs IV. von Polen).

1474–1475.

Karl der Kühne von Burgund, durch Verpfändung im Besitz der habsburgischen Teile des Elsaß, dringt in das Erzbistum Köln ein, um den abgesetzten Erzbischof zurückzuführen, belagert Neuß, wird aber durch das Anrücken eines Reichsheeres unter Friedrich III. und durch den Angriff der Schweizer auf Héricourt zum Abzug bewogen.

1476.

Karl der Kühne stürzt sich, nachdem er sich Lothringens bemächtigt und den Herzog Renatus vertrieben hat, auf die Schweizer, wird bei Granson und bei Murten geschlagen.

1477.

Karl der Kühne fällt im Kampfe gegen den zurückgekehrten Herzog von Lothringen vor Nancy; seine Tochter Maria vermählt sich mit Friedrichs III. Sohn, Erzherzog Maximilian. Dieser gewinnt dadurch die Niederlande und die Freigrafschaft Burgund (S. 198) für die habsburgische Hausmacht, verteidigt diese Erwerbung im Kriege gegen Ludwig XI. von Frankreich, der die burgundischen Städte in der Picardie und das Herzogtum Burgund als erledigte Mannslehen einzieht.

1490.

Friedrich III., von Matthias Corvinus aus Wien vertrieben (1485), wird nach dessen Tode († 1490) von seinem Sohn Maximilian zurückgeführt.

1491.

Wladislav IV. von Böhmen, nach Corvinus’ Tode auch König von Ungarn, sichert im Frieden zu Preßburg dem Hause Habsburg die Nachfolge zu.

Albrecht II. †1439.
Gem. Elisabeth, Tochter Sigismunds.
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Elisabeth, Ladislaus Postumus,
Gem. Kasimir IV. von Polen. †1457.
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Wladislav,
1471 König v. Böhmen, 1490 König v. Ungarn.
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Ludwig II. †1526. Anna,
Gem. Maria v. Österreich. Gem. Ferdinand I.

§ 2. Frankreich.

1270–1285.

Philipp III., der Kühne (le Hardi), vermählt seinen

1285–1314.

Sohn Philipp IV., den Schönen (le Bel), mit Johanna, Erbin von Navarra. Kampf mit Papst Bonifacius VIII., der dem König die Besteuerung der französischen Geistlichkeit untersagt. Der Papst wird 1313 in Anagni von Verschwörern gefangen genommen, doch von seinen Anhängern befreit, stirbt bald darauf.

1309.

Papst Clemens V., vorher Bischof von Bordeaux, verlegt die päpstliche Residenz nach Avignon (an der Rhone); das Papsttum von Frankreich abhängig (Babylonische Gefangenschaft (1309–1377)).

1312.

Aufhebung des Tempelherrnordens durch Clemens V., auf Antrieb des nach den Schätzen und Gütern des Ordens lüsternen Königs. In Paris werden 54 Ritter verurteilt und verbrannt, zuletzt auch der Großmeister Jakob von Molay (1314). Erwerbung burgundischer Gebiete (s. S. 198). Auf Philipp IV. folgen hintereinander seine drei Söhne Ludwig X., Philipp V., Karl IV., dann nach dem salischen Gesetz, welches die Frauen von der Thronfolge ausschließt[39] (Beschluß der Reichsstände von 1317), das

1328–1498.

Haus Valois (Nebenlinie der Capetinger).

1328–1350.

Philipp VI., Sohn Karls von Valois, eines Bruders Philipps IV. Gegen ihn erhebt Ansprüche auf den französischen Thron Eduard III. von England, als Sohn einer Tochter Philipps IV., daher

1339–1453.

mehr als hundertjähriger Krieg zwischen Frankreich und England.

1340.

Seesieg der Engländer bei Sluys, dem Hafenort von Brügge. Die flandrischen Städte, geleitet von Jakob von Artevelde, mit ihnen verbündet.

1346.

Sieg der Engländer bei Crécy in der Picardie, Anwendung von Geschützen; Tod des blinden Königs Johann von Böhmen (S. 199). Calais erobert 1347

1350–1364.

Johann II., der Gute.

1356.

Sieg des Schwarzen Prinzen (Sohn Eduards III.) bei Maupertuis unweit Poitiers. Johann 4 Jahre lang in England Gefangener. Währenddessen in Frankreich Verwirrung und furchtbare innere Kämpfe, da der junge Dauphin[40]

als Statthalter nicht durchzugreifen vermag.

1357–1358.

Aufstand in Paris, geleitet von Etienne Marcel, dem Vorsteher der Innungen (prévôt des marchands), der mit Karl dem Bösen, König von Navarra, in Verbindung tritt.

1358.

Bauernkrieg mit furchtbaren Greueltaten, Jacquerie genannt nach dem Anführer Guillaume Caillet, mit dem Beinamen Jacques Bonhomme, welcher dann zum Spottnamen des französischen niederen Volks wurde. Der Adel schart sich um den Dauphin; nach Unterwerfung der Bauern wird auch der Aufstand in Paris blutig unterdrückt.

1360.

Friede mit England zu Bretigny (bei Chartres): Eduard III. verzichtet auf die französische Krone und erhält Poitou, Guyenne und Gascogne als unabhängigen Besitz ohne Lehnspflicht (S. 192).

1363.

Johann gibt das Herzogtum Burgund seinem jüngeren Sohn Philipp dem Kühnen (burgundische Nebenlinie der Valois). Dieser legt durch seine Heirat mit der Erbtochter des Grafen von Flandern den Grund zur Herrschaft des burgundischen Hauses in den Niederlanden (S. 205).

1364–1380.

Karl V., der Weise. Beruhigung der inneren Verhältnisse, dann Erneuerung des Krieges; die meisten früheren (S. 192) englischen Besitzungen in Frankreich werden wiedergewonnen.

Ritter Bertrand du Guesclin, seit 1370 Connétable von Frankreich, siegreich gegen die Engländer.

1380–1422.

Karl VI., verfällt in Wahnsinn, seine Oheime, die Herzoge von Orléans und Burgund, Reichsverweser, 2 Parteien: Burgund und Orléans (Armagnacs) (S. 205).

1407.

Der Herzog von Orléans wird auf Befehl des Herzogs Johann von Burgund ermordet. Die dadurch veranlaßten Parteikämpfe erleichtern das abermalige Vordringen der Engländer.

1415.

Sieg Heinrichs V., Königs von England, bei Azincourt (unweit Crécy), darauf Eroberung der Normandie.

1419.

Johann von Burgund auf der Brücke von Montereau durch die Begleiter des Dauphin Karl (Duchâtel) ermordet. Johanns Sohn Philipp schließt deshalb mit Beistimmung der Königin Isabeau mit den Engländern den Vertrag von Troyes; Heinrich V. heiratet Katharina, Tochter Karls VI., und wird als Regent und Nachfolger auf dem Thron Frankreichs anerkannt, † 1422.

Unter Johann und seinem Sohne Philipp dem Guten erreicht das burgundische Herzogshaus den Gipfel seiner Macht. Blüte des Handels, der Gewerbe und der Künste in den flandrischen Städten, besonders in Brügge und Gent (die Maler Hubert und Johann van Eyck um 1420). Philipp bemächtigt sich der Erbschaft der Gräfin Jakobäa von Holland (S. 205).

1422–1461.

Karl VII., zunächst nur südlich von der Loire anerkannt, im Norden der minderjährige Heinrich VI., König von England, geb. 1421.

1429.

Johanna d’Arc (geb. 1412 in Domremy an der Maas), genannt die Jungfrau von Orléans, weil sie dieser Stadt Entsatz bringt. Die Engländer und Burgunder zurückgetrieben, Karl VII. in Reims gekrönt. Johanna 1430 bei Compiègne von den Burgundern gefangen, den Engländern ausgeliefert, 1431 in Rouen von einem geistlichen Gerichtshof als Zauberin und Ketzerin verurteilt und verbrannt. Das ungerechte Urteil wird später (1456) auf Befehl des Papstes widerrufen. Ihre Seligsprechung durch Papst Leo XIII. 1894.

1435.

Friede zu Arras zwischen Karl VII. und Philipp von Burgund. Die Engländer verlieren schließlich alle französischen Besitzungen außer Calais (S. 236), ihr Feldherr Talbot † 1453 in dem Treffen bei Castillon. Errichtung der Ordonnanz-Kompanien, Anfang der stehenden Heere.

1461–1483.

Ludwig XI. bricht durch Klugheit und Treulosigkeit die Macht der großen Vasallen, welche gegen ihn die Ligue du bien public schließen (Herzöge von Burgund, Bretagne, Orléans, Anjou, Nemours, Bourbon, Grafen von Charollais u. a.) und legt den Grund zur unumschränkten Monarchie. Nach dem Tode Karls des Kühnen (1477, s. S. 206) zieht er das Herzogtum Burgund als erledigtes Lehen ein, während die andern Besitzungen des Herzogs an Deutschland kommen; nach dem Tode Renés von Anjou (1480) werden Anjou, Maine und die Provence mit den Kronländern vereinigt.

1483–1498.

Karl VIII. gewinnt die Bretagne durch Vermählung mit der Tochter des letzten Herzogs (S. 235), zieht 1494 nach Italien, um die Ansprüche des Hauses Anjou auf das Königreich Neapel geltend zu machen (S. 190). Er erobert das Königreich, wird aber durch ein Bündnis zwischen dem Papste, dem Kaiser, dem Herzog von Mailand, Venedig und Spanien zum Rückzuge genötigt.

§ 3. Italien.

Entwickelung selbständiger Staaten seit dem Sinken der deutschen Kaisermacht (1250).

Mailand, seit Kaiser Heinrich VII. (1310) unter den Visconti als kaiserlichen Statthaltern, seit 1395 als Herzögen (S. 203). Nach dem Aussterben der Visconti bemächtigt sich der von den Mailändern in Sold genommene Condottiere Franz Sforza der Herrschaft und wird 1450 Herzog von Mailand.

Die Grafen von Savoyen, deren Ahnherr Graf Humbert Weißhand 1032 mit Burgund unter die Herrschaft der deutschen Könige kam, seit etwa 1050 durch Heirat auch im Besitz von Piemont, erhalten 1416 von Kaiser Sigismund die Herzogswürde. Die Markgrafen von Este (S. 166) werden 1452 von Friedrich III. zu Herzögen von Modena und Reggio erhoben; Papst Paul II. belehnt sie 1471 mit dem Herzogtum Ferrara.

Venedig, seit 697 durch Vereinigung der Inselgemeinden ein Staat unter einem Dogen (dux), seit etwa 1000 Beherrscherin des Adriatischen Meeres, wächst während der Kreuzzüge an Macht und Ansehen (s. S. 176, 178). Nach Beendigung der Seekriege mit Genua (1381) ist Venedig Herrin des Mittelmeeres und des Levantehandels. Sein Festlandsgebiet erstreckt sich über Padua und Verona bis Brescia; seine Seemacht stützt sich auf den Besitz von Dalmatien, Kandia und Korfu. Verfassung streng aristokratisch. 1172 Einsetzung des großen Rates (450 bis 500 Mitglieder), dann des kleinen Rates (Signoria), der die Macht des Dogen noch mehr beschränkt. 1298 Schließung des großen Rates, die Namen der ratsfähigen Familien (Nobili) werden in dem Goldenen Buch verzeichnet. Zur Unterdrückung von Verschwörungen 1310 der Rat der Zehn eingerichtet; Hinrichtung des Dogen Marino Falieri 1355. Seit 1539 ernennt der Rat der Zehn die drei Staatsinquisitoren, deren strenge Herrschaft aber erst 1583 beginnt.

Genua, seit Herstellung des griechischen Kaisertums (1261) im Orient mächtig, nach dem Siege über Pisa (1284) auch im Besitz der Inseln Sardinien, Korsika, Elba, dann aber durch die Kriege mit Venedig und innere Unruhen geschwächt, seit 1396 bald von Frankreich, bald von Mailand abhängig.

Florenz, seit 1282 mit demokratischer Verfassung (die Priori delle arti bilden die Signoria), öfters durch Parteikämpfe erschüttert, gewinnt allmählich die Herrschaft über die Landschaft Toskana; Pisa erst 1429 unterworfen. Seit 1400 gelangt das Geschlecht der Medici zu hohem Ansehen und fürstlicher Stellung. Johann von Medici, reicher Bankier, Begründer der Macht des Hauses. Sein Sohn Cosĭmo, der Vater des Vaterlandes, († 1464), Beschützer der Künste (Brunelleschi, Ghiberti, Donatello u. a.), Begründer der platonischen Akademie und der mediceischen Bibliothek. Unter dessen Enkel Lorenzo (il Magnifico, † 1492) die glänzendste Zeit für Florenz.

Entfaltung der italienischen Literatur durch die drei florentinischen Dichter Dante Alighieri († 1321), Petrarca († 1374), Boccaccio († 1375). Von Petrarca besonders angeregt entwickelt sich das erneute Studium der Wissenschaft und Poesie des Altertums (Humanismus), gefördert durch griechische Gelehrte, die nach der Eroberung Konstantinopels (S. 218) aus dem byzantinischen Reiche vor den Türken geflohen waren. Hand in Hand damit geht der Aufschwung der bildenden Kunst (Renaissance) zuerst in Florenz, dann in Rom (Peterskirche).

Der Kirchenstaat, in der Langobardenzeit begründet, durch die von Karl d. Gr. bestätigte Schenkung Pippins (s. S. 150) und andere Erwerbungen erweitert, seit Innocenz III. vom deutschen Reiche völlig unabhängig. Zerrüttung durch Adelskämpfe (die Orsini und Colonna), während die Päpste in Avignon residieren (1309–1376). Cola di Rienzi tritt 1347 als Volkstribun auf, wird vertrieben, kehrt 1354 als päpstlicher Senator zurück, wird aber durch Volksaufstand getötet (S. 199). Herstellung der Einheit der Kirche durch das Konzil zu Konstanz (S. 203f.), des Kirchenstaats erst durch Papst Nikolaus V. (1447 bis 1455), der als Freund der Wissenschaften die vatikanische Bibliothek begründet.

In Neapel Haus Anjou bis 1435. Sicilien 1282–1295 mit Aragon verbunden (S. 190), dann unter einer Nebenlinie des aragonischen Hauses, seit 1409 wieder bei Aragon, dessen König Alfons V. 1435–1442 auch Neapel erobert. Glänzende Hofhaltung, Pflege des Humanismus (Laurentius Valla). Nach Alfons’ Tode (1458) kommt Neapel ohne Sicilien an seinen natürlichen Sohn Ferdinand I. und dessen Nachkommen; in Sicilien aragonische Dynastie bis 1504. Von 1504–1713 Neapel und Sicilien bei Spanien (S. 235).

§ 4. England.

1272–1307.

Eduard I., Sohn Heinrichs III. (S. 193), unterwirft Wales vollständig (Prinz von Wales, Titel seines ältesten Sohnes und fortan jedes Thronerben), mischt sich als Lehnsherr in die schottischen Thronstreitigkeiten, beruft Vertreter der Grafschaften und Städte zum Parlament; Anfang des Unterhauses.

1307–1327.

Eduard II., von den Schotten geschlagen, muß Robert Bruce als schottischen König anerkennen. Er wird auf Anstiften der Königin und ihres Günstlings Mortimer vom Parlament abgesetzt und später auf grausame Weise ermordet. Ihm folgt der tatkräftige

1327–1377.

Eduard III. König David Bruce von Schottland als Gefangener in London, gegen Lösegeld freigelassen. Seit 1371 Haus Stuart in Schottland; Robert II., 1371–1390, Tochtersohn von Robert Bruce, nicht mehr lehnsabhängig von England. — Trennung des englischen Parlaments in Oberhaus und Unterhaus. Steuerbewilligungsrecht und Petitionsrecht des Unterhauses. Ausbildung des Selfgovernment in den Grafschaften (das Friedensrichteramt). Krieg mit Frankreich s. S. 207. Geoffrey Chaucer, Begründer der englischen Literatur, † 1400.

1377–1399.

Richard II., Enkel Eduards III. Die Bestrebungen des Reformators Wycliffe (Prof. in Oxford, 1382 abgesetzt, vgl. S. 203) werden vereitelt durch den gefährlichen Aufstand der Bauern unter Wat Tyler 1381. Richard zur Abdankung genötigt von seinem Vetter Heinrich von Lancaster, † im Gefängnis.

1399–1461.

Haus Lancaster (Nebenlinie des Hauses Plantagenet).

1399–1413.

Heinrich IV., Enkel Eduards III. Kämpfe gegen Empörungen des hohen Adels (Heinrich Percy); der König behauptet sich im Bunde mit der Kirche. Grausame Verfolgung der Anhänger Wycliffes.

1413–1422.

Heinrich V., als Prinz der Genosse wüster Gesellen, als König energisch und tapfer. Aufstand der Lollharden (Anhänger Wycliffes) unterdrückt. Krieg in Frankreich s. S. 209.

1422–1461.

Heinrich VI., beim Regierungsantritt unmündig, später von Günstlingen geleitet, kann den Übermut des Adels nicht im Zaum halten. Unglücklicher Ausgang des Krieges in Frankreich. Sein Vetter Richard von York, zweimal wegen Krankheit des Königs zum Protektor des Reiches erwählt, erhebt zuerst 1452 offen Anspruch auf die Krone. Gegen ihn die Königin Margarete (aus dem Hause Anjou) und der Herzog von Somerset († 1454).

1459–1485.

Bürgerkrieg in England; Parteien der Roten Rose (Lancaster) und der Weißen Rose (York). Richard von York bei Wakefield besiegt und getötet 1460. Dennoch behauptet sich seine Partei im Felde und ruft 1461 in London seinen Sohn Eduard zum König aus.

Die Familien Lancaster, York und Tudor.

Eduard III. †1377.
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| | | |
Eduard, Lionel Johann von Gent, Edmund,
(der Schwarze Prinz) Hz. v. Clarence Hz. v. Lancaster, Hz. v. York,
†1376. †1368. †1399. †1402.
| | ____|__________
Richard II., | | |
abgesetzt 1399, | Heinrich IV. John Bedford.
†1400. | †1413 |
| | |
| | |
| Heinrich V. John Bedford.
| †1422 Gem. Kath. |
| v. Frankreich |
| | |
Seine Heinrich VI. Margarete. Urenkelin -- 1461, Gem. Edm. Tudor Anna ermordet (Sohn v. Owen Tudor
Mortimer, 1471. u. Kath. v.
| Gem. v. | Frankreich,
Richard v. Eduard, Witwe
Cambridge Prinz v. Wales, Heinrichs V.).
ermordet 1471. |
|
Heinrich VII. †1509.
Tudor.
___________|________
| |
Heinrich VIII. Margarete,
†1547. Gem. Jakob IV. Stuart
| v. Schottland.
___|________________________________
| | |
Maria die Elisabeth Eduard VI. Katholische †1558. †1603. †1553.
Edmund,
Hz. v. York,
1402.
________|_______
| |
Eduard, Richard,
Hz. v. York Gr. v. Cambridge.
Gem. Anna Mortimer.
|
_________________________
Richard, Hz. v. York, 1460
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| |
Eduard IV. Richard III. 1483 (Hz. v. Gloucester)
| 1485
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| | |
Elisabeth, Eduard V. Richard.
Gem. Heinr. Tudor. ermord. ermord.
1483 1483

1461–1485.

Haus York (Nebenlinie des Hauses Plantagenet).

1461–1483.

Eduard IV. sichert seine Herrschaft durch die Siege bei Towton 1461 und Hexham 1464, nimmt Heinrich VI. gefangen, doch wird er 1470 von Margarete und Graf Warwick (dem »Königsmacher«), der früher das meiste zu seiner Erhebung beigetragen hatte, vertrieben und Heinrich VI. wieder auf den Thron gesetzt. Eduard IV. kehrt bald zurück, besiegt das Haus Lancaster bei Barnet (Warwick †) und Tewkesbury 1471 und rottet es fast aus; nur Heinrich Tudor entkommt. König Heinrich VI. im Tower ermordet 1471.

1483.

Eduard V., Sohn Eduards IV., mit seinem jungen Bruder Richard im Tower erstickt auf Befehl seines Oheims, des grausamen Richard von Gloucester (spr. Gloster), welcher den Thron besteigt als

1483–1485.

Richard III. Er wird bei Bosworth 1485 besiegt von einem Sprößling des Hauses Lancaster, Heinrich Tudor, Grafen von Richmond, welcher durch seine Heirat mit Elisabeth von York, Tochter Eduards IV., die Ansprüche beider Häuser vereinigt. Nach Beendigung der blutigen Adelskriege erstarkt das Königtum unter dem Hause Tudor (1485–1603).

§ 5. Die Pyrenäische Halbinsel.

Den vier christlichen Königreichen steht noch immer das durch Ackerbau und Kunstfleiß blühende arabische (maurische) Königreich Granāda gegenüber (S. 194).

Navarra, 1285–1329 mit Frankreich vereinigt (s. S. 207), 1425–1431 mit Aragon, bleibt ein unbedeutendes Grenzland.

König Pedro III. von Aragon (S. 190) unterstützt die Sicilianische Vesper, gewährt 1283, um die Kriegskosten zu bestreiten, den Reichsständen (Cortes) große Rechte durch das Privilegium von Saragossa. Pedro IV. erhöht 1348 die Macht des Königtums und erobert die Balearen, bewilligt aber die Einsetzung eines Oberrichters (Justicia), der Streitigkeiten zwischen König und Reichsständen zu entscheiden hat.

Alfons XI. von Kastilien besiegt 1340 die Araber, bringt aber den Krieg nicht zu Ende. Zwiespalt unter seinen Söhnen Pedro dem Grausamen und Heinrich von Trastamara; letzterer findet bei Aragon Hilfe und vertreibt mit französischen Söldnern den Gegner. Pedro wird 1367 durch einen Kriegszug des Schwarzen Prinzen (S. 208) zurückgeführt, aber nach Erneuerung des Kampfes 1369 besiegt und getötet. Heinrich herrscht darauf bis 1379 in Freundschaft mit Frankreich. Sein Sohn Johann I. versucht vergebens 1385 Portugal zu erobern. Unter Johann II. tritt der Connétable Alvaro de Luna der großen Macht des Adels entgegen, wird aber 1453 gestürzt. Johanns Tochter Isabella vermählt sich 1469 mit Ferdinand, dem Thronfolger von Aragon, wird 1474 Königin von Kastilien.

1479–1516.

Ferdinand II., der Katholische, von Aragon. Vereinigung der beiden Reiche Kastilien und Aragon, doch regiert Isabella in Kastilien selbständig. Die Großmeisterwürde der drei Ritterorden (S. 194) wird mit der Krone vereinigt, die Willkür des Adels durch Erneuerung des Friedensbundes der Städte (Hermandad) eingeschränkt. Mit päpstlicher Genehmigung Erneuerung der Inquisition (S. 186) zur Verfolgung der Ketzer, besonders gegen die Moriscos (Nachkommen der Mauren, span. Moros) und Juden gerichtet. Der Dominikaner Torquemada 1483 zum Großinquisitor ernannt; Tausende zum Feuertode verurteilt (Autos da fé).

1492.

Eroberung von Granada; der letzte König Abdallah (Boabdil) zieht sich nach Afrika zurück.

Portugal im Aufblühen unter der unecht burgundischen Dynastie seit 1385. Unter König Johann I. wird Ceuta erobert 1415; sein Sohn Heinrich der Seefahrer fördert die Entdeckungsfahrten längs der afrikanischen Küste. 1455 wird Cap Verde erreicht, 1482 die Kongomündung: an dieser Fahrt nahm der um die Nautik und Geographie (sein Globus in Nürnberg) sehr verdiente Nürnberger Kaufmann Martin Behaim teil, Freund des Columbus und Magelhães, († 1506 in Lissabon). 1487 umfährt Bartolomeo Diaz das Cabo tormentoso, von König Johann II. Cabo de boã esperanza (Kap der guten Hoffnung) genannt.

§ 6. Der Norden und Osten.

Dänemark, seit Knud dem Großen (S. 170) ein christliches Reich, entfaltet seine Seemacht unter Waldemar I., der 1168 Rügen erobert, und Waldemar II., dem Sieger, der 1219 Estland gewinnt, auch bis 1227 über Holstein und den angrenzenden Teil von Mecklenburg herrscht (S. 187). Dann folgen schwächere Könige; erst Waldemar IV. beseitigt die innere Zerrüttung. Er überläßt 1346 Estland dem Deutschen Orden, gewinnt 1360 von Schweden die Landschaft Schonen zurück, muß dann vor der Seemacht der deutschen Hanse weichen (S. 201).

Margareta, Tochter Waldemars IV., Gemahlin Hakons VI. von Norwegen, regiert seit 1375 in Dänemark für ihren unmündigen Sohn Olaf († 1387), nach Hakons Tode 1380 auch in Norwegen, wird 1388 von einem Teil des schwedischen Adels zur Regentin Schwedens erwählt. Sie besiegt ihren Gegner Albrecht von Mecklenburg (seit 1364 König von Schweden), dessen Anhänger sich mit Hilfe der seeräuberischen Vitalienbrüder noch einige Jahre in Stockholm behaupten, bis die deutsche Hanse dagegen einschreitet.

1397.

Kalmarische Union. Die Stände der drei Reiche beschließen zu Kalmar die Vereinigung unter einem gemeinsamen Wahlkönigtum. Margareta regiert mit hohem Ansehen, † 1412.

1409–1435.

Krieg um Schleswig. Dieses Herzogtum, schon seit 1326 nach der sogen. Waldemarschen Konstitution, nach der es nie wieder mit Reich und Krone von Dänemark vereinigt werden sollte, größtenteils im erblichen Besitz der deutschen Grafen von Holstein (aus dem Hause Schauenburg, S. 179), 1386 von Margareta dem Grafen Gerhard VI. zu Lehen gegeben, wird von seinen Söhnen mit Hilfe der Hanse behauptet gegen Margaretas Nachfolger Erich VII.

1460.

König Christian I. von Dänemark (aus dem Hause der Grafen von Oldenburg, Schwestersohn Adolfs VIII. von Holstein) wird von den Ständen von Schleswig-Holstein nach dem Aussterben des Schauenburgischen Hauses zum Herzog erwählt, nachdem er die Waldemarsche Konstitution beschworen hat. Personal-Union mit Dänemark bis 1863.

Als Unionskönig kann Christian I. die Herrschaft über Schweden gegen den dort erwählten Reichsvorsteher Sten Sture nicht behaupten, doch wird unter seinem Nachfolger Johann die Union der drei Reiche wieder hergestellt.

1500.

Schlacht bei Hemmingstedt; die Dithmarschen, wie die Stedinger (S. 188), eine Art Bauernrepublik unter dem Schutze des Stiftes Bremen, behaupten ihre Freiheit gegen das dänisch-holsteinische Adelsheer.

Rußland, nach dem Tode Wladimirs des Großen (S. 170) in mehrere Fürstentümer geteilt unter Oberhoheit des Großfürsten von Kiew, kommt 1237 unter die Herrschaft der Mongolen (S. 195). Der Chan der »Goldenen Horde« ernennt den Großfürsten und die Teilfürsten, empfängt von ihnen Tribut. Um 1330 wird Moskau Residenz des Großfürsten, als Kiew von den Litauern erobert worden ist.

1480.

Iwan III., der Große, Zar von Großrußland, Begründer der einheitlichen Monarchie, macht der Mongolenherrschaft ein Ende, nachdem er 1478 die mit der deutschen Hanse verbündete Republik Nowgorod unterworfen hat.

Polen, seit etwa 840 unter Fürsten aus dem Hause der Piasten, christlich seit 965, oft in Kampf mit dem deutschen Reiche, mit den heidnischen Preußen (später dem Deutschen Orden) und mit Rußland. An Stelle der Teilfürstentümer begründet Wladislaw Lokietek 1320 ein einheitliches Königtum, Residenz Krakau.

1333–1370.

Kasimir der Große, trefflicher Regent, sorgt für den Bauernstand, gründet Städte, zieht deutsche Ansiedler herbei. Ihm folgt sein Schwestersohn Ludwig der Große (s. unten) von Ungarn († 1382); dessen Tochter Hedwig vermählt sich 1386 mit dem bisher noch heidnischen Großfürsten Jagello von Litauen. Seitdem Polen und Litauen vereinigt unter den Jagellonen 1386–1572. Ludwigs zweite Tochter Maria, Erbin von Ungarn, mit dem deutschen König Sigismund vermählt (S. 203).

Preußen wird 1230–1283 in langem Kampfe von dem Deutschen Orden (s. S. 178f.) erobert; durch den Anschluß des in Livland vom Bischof von Riga gegründeten Schwertbrüderordens (1237) erweitert sich das Ordensgebiet über Kurland, Livland, Estland hin. Königsberg 1255 gegründet; seit 1309 die Marienburg Sitz des Hochmeisters. Blüte des Ordens unter Winrich von Kniprode (1351–1382), dann allmählicher Verfall. Verhängnisvoll für den Orden wurde die Vereinigung Litauens mit Polen 1386.

1410.

Schlacht bei Tannenberg, Sieg der Polen über den Orden. Heinrich von Plauen verteidigt die Marienburg, schließt als Hochmeister den noch günstigen ersten Frieden zu Thorn, wird aber 1413 von den Ordensrittern abgesetzt. Unzufriedenheit des Landadels und der Städte mit der Ordensherrschaft, sie treten in Verbindung mit Polen. Neuer Krieg 1454, König Kasimir II. erobert 1457 die Marienburg und behauptet sie in heftigem Kampfe 1460; der Hochmeister zieht sich nach Königsberg zurück.

1466.

Zweiter Friede zu Thorn: Westpreußen mit Ermeland an Polen abgetreten, Ostpreußen bleibt dem Orden als polnisches Lehen.

In Livland behauptet ein Teil des Ordens unter dem Landmeister Wolter von Plettenberg (1494–1535) seine Unabhängigkeit gegen Rußland.

Ungarn gegen Ende des 9. Jahrhunderts von den Magyaren (S. 158, 160) in Besitz genommen, bis 1301 unter dem Regentenhause der Arpaden. Einführung des Christentums durch Herzog Geisa und seinen Sohn Stephan den Heiligen, ersten König von Ungarn (S. 163). Einwanderung zahlreicher Deutscher, namentlich in Siebenbürgen unter König Geisa II. um 1150. Bildung einer mächtigen Aristokratie (Magnaten). Die Goldene Bulle, dem Könige Andreas II. 1222 nach seiner Rückkehr von einem Kreuzzuge (S. 177) abgenötigt, bildet die Grundlage der Privilegien des ungarischen Adels.

Nach dem Erlöschen der Arpaden regiert in Ungarn das Haus Anjou (1308–1382), Blütezeit unter Ludwig dem Großen (1342–1382, s. oben), der 1370 auch den polnischen Thron besteigt.

Unter König Sigismund, Ludwigs d. Gr. Schwiegersohn aus dem Hause Luxemburg (1387–1437), beginnender Verfall des Reiches. Albrecht von Österreich 1438–1439, dann 1440 Wladislaw III. von Polen gewählt, der bei Varna 1444 gegen die Türken fällt, darauf Albrechts unmündiger Sohn Ladislaus Postumus (vgl. S. 206). Der Reichsverweser Johann Hunyadi besiegt die Türken bei Belgrad 1456; sein Sohn Matthias Corvinus wird zum König erwählt. Nach dessen glänzender Regierung (1458–1490) wird Ungarn unter Wladislaw, dem Sohn Kasimirs IV. von Polen, mit Böhmen vereinigt und dem Erzherzog Maximilian (S. 206) die Nachfolge zugesichert.

Reich der Osmanischen Türken, um 1300 durch Osman I. in Kleinasien begründet. Sein Sohn Urchan erobert 1330 Nicäa, bildet aus dem Knabenzins unterworfener christlicher Völker das Fußvolk der Janitscharen, unternimmt Landungen an der europäischen Küste. Murad I. macht Adrianopel 1365 zu seiner Residenz, unterwirft Bulgarien (S. 194).

1389.

Sieg Murads über die Serben auf dem Amselfelde bei Kossova; Serbien wird tributpflichtig (S. 172).

1396.

Sieg Bajazets I. bei Nikopoli an der Donau über ein großes Kreuzheer ungarischer, deutscher und französischer Ritter unter Führung König Sigismunds. Seitdem Schrecken des türkischen Namens im christlichen Abendlande.

Die weitere Entfaltung der osmanischen Macht wird vorübergehend gehemmt durch eine neue Erhebung der Mongolen in Asien unter Timur Lenk, welcher in gewaltigem Siegeszuge Persien (bei Ispahan 70000 Köpfe erschlagener Feinde zusammengeschichtet), das Indusland, Syrien, Kleinasien unterwirft. Bagdad zerstört. Hauptstadt seines Reiches Samarkand.

1402.

Schlacht bei Angora in Kleinasien; Bajazet besiegt und gefangen.

Nach Timurs Tode (1405) zerfällt sein Reich; die Osmanen stellen ihre Herrschaft in Kleinasien und der griechischen Halbinsel wieder her. Erste Belagerung von Konstantinopel 1422.

Die Donaugrenze wird von den Ungarn heldenmütig verteidigt. Öftere Verhandlungen der oströmischen Kaiser mit den Päpsten über Herstellung der kirchlichen Einheit (S. 176); die Beschlüsse des (in Ferrara 1438 eröffneten) Unionskonzils zu Florenz 1439 werden in Konstantinopel von der Geistlichkeit und dem Volke nicht angenommen. Papst Eugen IV. läßt das Kreuz predigen gegen die Türken, aber die Schlacht bei Varna (s. oben) lähmt den Kriegseifer. Sultan Mohammed II. macht dem oströmischen Reiche ein Ende durch die

1453.

Eroberung Konstantinopels.

29. Mai.

Tapfere Verteidigung durch den letzten Kaiser Konstantin XII. und den Genuesen Giustiniani. Griechische Gelehrte flüchten nach Italien (s. S. 211).

Athen wird 1456 von den Türken besetzt, die Halbinsel Morea 1460 verwüstet. In Albanien leistet Georg Castriota (Skanderbeg) tapferen Widerstand, † 1467. Bosnien und die Walachei werden 1462–1464 unterworfen, bald auch Albanien. Belgrad (S. 218) bleibt noch bis 1521 (s. unten) ungarische Grenzfeste.

1463–1479.

Seekrieg der Venetianer gegen die Türken; sie behalten Kandia, Korfu und mehrere Plätze in Morea, verpflichten sich aber zur Tributzahlung, um ihren Handel zu behalten.

1480.

Rhodus von den Johannitern rühmlich verteidigt. Sultan Bajazet II. überläßt 1489 den Venetianern die Insel Cypern (Katharina Cornaro, Gemahlin des letzten Fürsten aus dem Hause Lusignan, s. S. 175), vertreibt sie aber 1500 aus Morea. Kriegszug nach der Moldau 1497.

Sultan Selim I. unterwirft 1515–1517 Mesopotamien, Syrien und Ägypten. Die Ausbreitung der Türkenherrschaft versperrt die alten Handelswege nach Indien.

Die von den Türken dem christlichen Europa drohende Gefahr steigert sich unter Sultan Soliman II., der 1521 Belgrad erobert (vgl. S. 230).

In Persien erst 1505 die Mongolenherrschaft beseitigt und eine einheimische Dynastie wieder eingesetzt. Begründung des neupersischen Reiches. 1582–1627 regiert der Schah Abbas der Große. Residenz Ispahan.

In Indien begründet Baber, ein Nachkomme Timurs, 1525 das Reich des Großmogul; Hauptstadt Delhi. Blüte dieses Reiches unter Dschelaleddin Mohammed (Akbar) 1556–1605.

In China unter der Ming-Dynastie (1368–1644) wird die bis 1911 noch geltende Regierungsform ausgebildet. Der Kaiser, »der Sohn des Himmels«, besitzt unumschränkte Gewalt über alle Untertanen, ist geistliches Oberhaupt, höchster Richter und Anführer im Kriege. Er genießt abgöttische Verehrung (Kotau). Strenges Zeremoniell. Gelbe Kleidung äußeres Zeichen seiner Würde. Der Nachfolger von ihm aus seinen Söhnen gewählt, falls diese fehlen, aus den nächsten Verwandten. Dem Kaiser stehen Minister zur Seite, auf deren Anregung und Verantwortung er die Gesetze erläßt. In Wirklichkeit jedoch ist die Regierung des Reiches der Mitte in eine Willkürherrschaft der Provinzvorstände (Vizekönige) ausgeartet.

Japan, wohin um die Mitte des 6. Jahrhunderts nach Chr. von China aus (über Korea) der Buddhismus und zugleich chinesische Civilisation gekommen, wird aus einem Geschlechterstaat in einen Beamtenstaat nach chinesischem Muster umgewandelt. Der Mikado wird unumschränkter Herrscher des Reiches. Hauptstadt Kioto. Der Großkanzler (Daijo Daijin) und die Minister führen die Regierung des Landes, die Provinzen von Statthaltern verwaltet. Alle Beamten mit erblichem Landbesitz ausgestattet. Einzelne Familien sichern sich den erblichen Besitz der wichtigsten Ämter. So bildet sich ein Hausmeiertum aus. Der Mikado von den Ministern, die Provinzialstatthalter von den Großgrundbesitzern in den Provinzen, d. h. von den Ministern allmählich bei Seite geschoben. Militär- und Zivilgewalt getrennt. Der Oberfeldherr des aus den Hörigen der mächtigsten Geschlechter hervorgegangenen Soldatenstandes, der Shogun, bringt schließlich auch das Amt des Großkanzlers in seinen Besitz. Nach langen erbitterten Kämpfen fällt das Shogunat, d. h. der Inbegriff aller Regierungsgewalt, der Familie der Minamoto zu. Der Kaiser in Kioto in strenger Abhängigkeit gehalten, bleibt nur im Besitz gewisser Ehrenrechte. Residenz der Shogune in Kamakura.

1275.

Vergebliche Expedition des Mongolenfürsten Kublai-Chans zur Unterwerfung Japans. Eine zweite Flotte gleichfalls zurückgeschlagen, durch einen Taifun völlig vernichtet (S. 195). Gegen Ende des 15. Jahrhunderts werden die Militärgouverneure in den Provinzen (Shugo) nach Beseitigung der Statthalter unabhängige Territorialherren (Daimyo).

III. Neuere Geschichte.

A. Von der Entdeckung Amerikas bis zum Westfälischen Frieden. (1492–1648.)

§ 1. Erfindungen, Entdeckungen u. Kolonien.

Drei noch dem Mittelalter angehörige Erfindungen, die mit dem Beginn der neueren Zeit zu allgemeinerer Anwendung kommen, sind auf die Umgestaltung der Welt von großem Einfluß gewesen. 1. Der Kompaß (um 1310 durch Flavio Gioja von Amalfi erfunden?), fördert Sicherheit der Schiffahrt und ermöglicht die Entdeckungsfahrten. 2. Das Schießpulver, wahrscheinlich aus Asien (China, Indien, Arabien) nach Europa gekommen, nach einer unhaltbaren Überlieferung erfunden durch den Mönch Berthold Schwarz zu Freiburg im Breisgau (1354?), jedenfalls um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa zuerst angewendet. Durch diese Erfindung eine allmähliche Umgestaltung des Kriegswesens und der Untergang des Rittertums herbeigeführt (S. 226). 3. Die Buchdruckerkunst (S. 206), allgemeiner verbreitet, seitdem sich nach der Eroberung von Mainz (1462 in der Pfälzer Fehde, s. S 206) die Gehilfen Fusts in verschiedene Länder zerstreut hatten, das wichtigste Mittel zur Verbreitung geistiger Bildung, Förderung des Humanismus und der Reformation.

1492.

Entdeckung Amerikas durch Columbus.

Cristoforo Columbo (er selbst nannte und schrieb sich, seit er Spanier geworden, stets Cristobal Colon), aus Genua, seit seiner frühesten Jugend Seefahrer, will einen westlichen Seeweg nach Indien und namentlich nach der Wunderinsel Zipangu (Japan) suchen, welche der Venetianer Marco Polo (Reisen von 1271–1295, S. 206) in dem Buche Mirabilia mundi beschrieben hatte. Vom Könige von Portugal abgewiesen, tritt Colon 1486 in den Dienst der Königin Isabella von Kastilien (S. 214). Erst nach der Einnahme Granādas werden notdürftige Mittel für das große Unternehmen beschafft. Vertrag mit Colon, dem der Adel, die erbliche Würde eines Admirals und Vizekönigs und ⅒ der Einkünfte der neuen Länder zugestanden werden. Er unternimmt 4 Reisen.

Erste Reise 1492. Abfahrt von Palos mit 3 kleinen Schiffen am 3. Aug. 1492, von den Kanarischen Inseln am 6. September. Am 12. Oktober Landung auf Guanahani (San Salvador), einer von den Bahama-Inseln. Entdeckung von Cuba und Haïti; erste Kolonie Española auf Haïti gegründet.

Zweite Reise 1493–1496 von Cadiz aus. Entdeckung der Kleinen Antillen und der Insel Jamaika; Niederwerfung des Aufstandes in Española.

Dritte Reise 1498–1500. Trinidad und das Festland von Südamerika[41] (die Mündung des Orinoko) entdeckt; dann Fahrt nach Española. Colon, als Ausländer, auch durch Härte und nicht abzuleugnende Habsucht verhaßt, wird bei Hofe angeklagt. Bobadilla, mit Vollmacht als Oberrichter nach der Kolonie gesendet, schickt ihn in Ketten nach Spanien. Dort wird Colon sofort in Freiheit gesetzt und mit Auszeichnung behandelt, behält auch die Admiralswürde, wird aber als Statthalter durch Ovando ersetzt.

Vierte Reise 1502–1504. Küste von Honduras entdeckt, Schiffbruch, trauriger Aufenthalt bei den Wilden auf Jamaika, endlich Rückkehr von Haïti aus.

Columbus stirbt in Valladolid 1506, ohne zu wissen, daß er einen neuen Erdteil entdeckt hat; er hielt jene Länder für Teile Asiens (Indien). Sein Sohn Diego Colon, 1509 Admiral und Vizekönig von Española († 1526). Die Admiralswürde vererbt sich auf seinen Enkel und Urenkel.

Der gelehrte Florentiner Amerigo Vespucci gibt nach mehreren Fahrten mit den Portugiesen nach Südamerika (die Küste von Venezuela durch den Spanier Hojeda entdeckt) Karten und Beschreibungen der neu entdeckten Länder heraus. Nach ihm, nicht durch ihn erhält der neue Erdteil den Namen Amerika.

1498.

Seeweg nach Ostindien von Vasco da Gama entdeckt. Die Portugiesen behalten die schon seit längerer Zeit von ihnen verfolgte Richtung der Entdeckungsfahrten (S. 215) bei; Vasco da Gama landet um Weihnachten 1497 an der Costa Natal, dann in Melinde; von da gelangt er unter Führung eines arabischen Lotsen nach Calicut an der Küste Malabar.

1500.

Brasilien entdeckt von Cabral, dessen Schiffe bei der zweiten Fahrt nach Indien in die westliche Meeresströmung geraten; er landet dann in Calicut und Cotschin.

1505–1515.

Begründung portugiesischer Kolonien in Asien durch die Vizekönige Almeida und Albuquerque. Hauptort Goa, andere Ansiedlungen in Diu, Malakka, Ceylon, Macao (der Dichter Camoëns 1555).

1513.

Der Spanier Balboa dringt vom Meerbusen von Darien aus zum Stillen Ozean vor.

1515.

Der Spanier Diaz de Solis erreicht die La Plata-Mündung.

1519–1522.

Erste Erdumsegelung unter Ferdinand Magalhães (spr. Magaliängs), einem in spanische Dienste getretenen Portugiesen. Durchfahrt nach dem Stillen Ozean durch die Magalhãesstraße. Er selbst wird 1521 auf einer der Philippineninseln erschlagen (S. 215).

1519–1521.

Eroberung von Mexiko durch Hernan Cortez. Dieser segelt mit 600 spanischen Soldaten von Cuba nach dem Hafenort Veracruz, wo er seine Schiffe versenkt. Dann marschiert er mit den Tlaskalanern verbündet auf Mexiko, die Residenz des Königs der Azteken, Montezuma, der ihn in die Stadt einläßt. Er nimmt den König in seinem Palast gefangen. Infolgedessen Aufstand der Mexikaner, Tod Montezumas. Die Spanier verlassen die Stadt, nächtlicher Kampf auf einem der Dämme des Sees, furchtbare Verluste (Noche triste). Sieg der Spanier. Von Tlaskala, wohin er sich zurückgezogen, kehrt Cortez bald mit Verstärkungen vor die Hauptstadt zurück. Einnahme von Mexiko nach hartnäckigem Belagerungskampf 1521. Der König Guatmotzin hingerichtet. Cortez anfangs unumschränkter Statthalter von »Neuspanien«, dann auf die militärische Oberleitung beschränkt, entdeckt Kalifornien 1535, stirbt in Spanien 1547.

1532.

Eroberung von Peru durch Pizarro.

Die »Conquistadoren« (Eroberer) finden in dem silberreichen Peru, wie in Mexiko, eine schon lange bestehende einheimische Kultur vor. Adelsherrschaft bei den Inkas, die sich »Söhne der Sonne« nannten. Sonnentempel in der Hauptstadt Cuzko, reich mit Gold geschmückt. Pizarro nimmt den König Atahualpa vor seinem Heere gefangen und läßt ihn, nachdem er ein ungeheueres Lösegeld von ihm erpreßt hat, hinrichten. Gründung von Lima 1535, Fehden zwischen den spanischen Anführern. Pizarros Nebenbuhler Almagro, aus Chile zurückgekehrt, wird 1538 von ihm besiegt und hingerichtet, er selbst von dessen Freunden 1541 in einem Aufstande erschlagen. Die Krone übernimmt die Verwaltung des Landes 1548.

Drei spanische Vizekönigreiche: Mexiko, Peru, Neu-Granada, später ein viertes für das La Plata-Gebiet; für die westindischen Inseln das Generalkapitanat Cuba.

China und Japan werden den Portugiesen im 16. Jahrh. gleichfalls geöffnet (Ningpo, Macao), später auch den Spaniern und Niederländern (Formosa). Der Handelsverkehr mit Europa von den Daimyo in Japan (S. 220) sehr begünstigt. Das Christentum (schon Papst Clemens V. hatte 1307 ein Erzbistum in Peking und 1313 ein Bistum in Zeitun eingerichtet) (S. 195), findet in China (Jesuiten Franz Xaver, Ruggieri) und ebenso in Japan schnell Verbreitung.

Folgen der Entdeckungen.

1. Die Ausbreitung des Christentums und der europäischen Kultur über die ganze Erde ist ermöglicht. 2. Aufschwung von Handel und Gewerbe durch die Verwertung der überseeischen Erzeugnisse, Sinken des Geldwertes durch die Ausbeutung der Gold- und Silberbergwerke in Südamerika. 3. Bereicherung der Wissenschaften, besonders der Geographie und Naturkunde. 4. Im europäischen Staatensystem kommen die Seemächte durch den Besitz von Kolonien zu besonderer Geltung. Spanien und Portugal treten jedoch am Ende des 16. Jahrh. zurück gegen die Niederlande und England. 5. Auswanderung aus den übervölkerten Teilen Europas nach Amerika.

§ 2. Die Reformation in Deutschland.

1493–1519.

Maximilian I. zieht nicht mehr zur Krönung nach Rom, nennt sich »erwählter römischer Kaiser«.

1495.

Reform der Reichsverfassung durch die Beschlüsse des Reichstags zu Worms: Ewiger Landfriede, Reichssteuer (gelangt nicht zu bleibender Einführung), Reichskammergericht (erst in Frankfurt, dann in Speier, seit 1693 in Wetzlar). Besserung der Rechtsprechung durch Annahme des römischen Rechts (S. 147), welches seit Friedrich I. (S. 183) noch immer als kaiserliches Recht galt.

Auf den Reichstagen werden, nachdem die Berufung der Reichsstädte (seit 1487) üblich geworden ist, die kaiserlichen Vorschläge in 3 Kollegien beraten: Kurfürsten, Fürsten (geistliche und weltliche), Reichsstädte. Der Kaiser verkündet die Beschlüsse im Reichsabschied.

1512.

Reichstag zu Köln, Einteilung des deutschen Reiches in 10 Landfriedenskreise:

1. der österreichische, 2. bayrische, 3. schwäbische, 4. fränkische (Maingebiet, Burggrafschaft Nürnberg), 5. oberrheinische (Lothringen, Hessen u. a.), 6. kurrheinische (Mainz, Trier, Köln, Pfalz), 7. burgundische (Niederlande), 8. westfälische, 9. niedersächsische (Braunschweig, Lüneburg, Lauenburg, Holstein, Mecklenburg u. a.), 10. obersächsische (Sachsen, Brandenburg, Pommern u. a.).

Böhmen (mit seinen Nebenländern Mähren, Schlesien, Lausitz) und die Schweiz bleiben außerhalb der Kreisverfassung; das Ordensland Preußen steht unter polnischer Oberhoheit (S. 217).

Wenig erfolgreiche Teilnahme Maximilians an den italienischen Kriegen (S. 285, 239); Mailand kommt an Frankreich, die Schweiz wird tatsächlich unabhängig vom deutschen Reiche, da den Eidgenossen (seit 1501 dreizehn Orte, außerdem die »zugewandten Orte«) Freiheit von Reichssteuern und vom Reichskammergericht zugestanden wird (S. 260).

Bildung der habsburgischen Hausmacht. Durch Verträge und Heiraten gewinnt Maximilian seinem Hause die Herrschaft über Spanien mit seinen Nebenländern, sowie über Böhmen und Ungarn.

Maximilian I., Maria Ferdinand, Isabella,
Kaiser, v. Burgund, K. v. Aragon, K. v. Kastilien,
†1519. †1482. †1516. †1504
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Philipp der Schöne, Johanna die Wahnsinnige,
Erzhz. v. Österr., †1506. K. v. Aragon u. Kast., †1555.
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Karl V. (I.), †1558, Ferdinand I., †1564,
Gem. Isabella v. Portugal Gem. Anna von Ungarn.
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Philipp II., K. v. Spanien. Maximilian II., Kaiser,
†1598. †1576.

Maximilians Sohn, Erzherzog Philipp, heiratet Johanna, die Erbin der spanischen Monarchie (Aragon, Kastilien, Neapel [s. S. 235] und die amerikanischen Kolonien), nimmt 1504 den Titel König von Kastilien an, stirbt aber, ehe sein Anspruch mit dem Recht König Ferdinan/ds auf die Regentschaft über Kastilien ausgeglichen ist (S. 241).

Philipps ältester Sohn Karl, 1516 König des vereinigten Spaniens, erbt 1519 von Maximilian die habsburgischen Erblande (Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain, Vorderösterreich am Oberrhein, Tirol) und die Niederlande, überträgt die ersteren 1521 bezw. 1522 an seinen Bruder Ferdinand. Dieser heiratet Anna, Schwester Ludwigs II., des letzten Königs von Böhmen und Ungarn (dessen Gemahlin Maria ist Ferdinands Schwester) und erwirbt 1526 die Herrschaft über Böhmen und Ungarn (S. 207, 230).

Die Umbildung des Rechts unter dem beherrschenden Einfluß des römischen (S. 224) bewirkt in Deutschland allmählich eine Stärkung der fürstlichen Gewalt. Das römische Recht, das der jetzt allgemein durchgeführten Geld Wirtschaft mehr entspricht als das der früheren Naturalwirtschaft angepaßte deutsche Recht, mißt den Landesherren unumschränkte Gewalt zu (S. 183), schließt das Volk und den Adel von der Teilnahme an der Rechtsprechung und Verwaltung aus und überträgt diese den römisch gebildeten Juristen. So bildet sich im Laufe der Zeit überall der fürstliche Absolutismus aus, wie ihn in Italien Friedrich II. begründete (S. 187). In Deutschland werden die Fürsten nach und nach absolute Territorialherren, deren Selbständigkeit die Kaiser nicht zu bezwingen vermögen. Unter dem Einfluß des römischen Rechts wird auch die Erstgeburtserbfolge und die Aufhebung der Landesteilungen allmählich durchgeführt, z. B. für Brandenburg in der Constitutio Achillea von 1473, für Bayern 1506 usw.

An die Stelle des alten ritterlichen Lehnsaufgebots tritt das Söldnerheer (Landsknechte), das weniger durch den Fahneneid als durch die Soldzahlung an die Fürsten gekettet (vgl. S. 229), die sicherste Stütze des Absolutismus wird. Der Unterhalt dieser stehenden Heere durch Steuern aufgebracht, deren Bewilligung den Landständen (Vertretung der Geistlichkeit, der Vasallen und Städte) vorbehalten bleibt.

Das Rittertum verliert den militärischen Vorrang seit der Einführung der Feuerwaffen an die Landsknechte und die bürgerliche Artillerie. Die Burgen gewähren keinen sicheren Schutz mehr. Infolge der veralteten Art der Bewirtschaftung (Dreifelderwirtschaft) ist der Ackerbau unrentabel geworden, zumal im Verhältnis zu den städtischen Erwerbszweigen. Hierdurch und durch die fortgesetzten Erbteilungen der Adelsgüter verschlechtert sich auch die materielle Lage der Ritter. Daher Erhöhung der Leistungen und Abgaben der Bauern, die infolge der Bevölkerungszunahme auch vielfach die Hufen teilen müssen, da sie von jedem gewerblichen Betrieb der Bürger ausgeschlossen sind. In den Städten blühen Handel und Gewerbe. Ansammlung großer Kapitalien in den Händen der patrizischen Geschlechter, z. B. der Welser und Fugger in Augsburg (S. 234). Blüte der Kunst und Literatur. Pflege des Meistergesanges (Hans Sachs in Nürnberg). In den Städten geordnete Verwaltung, Sorge für Unterricht, Arme und Kranke, während der fürstliche Staat für die Volkswohlfahrt wenig leistet, weil es ihm an Beamten fehlt.

Aufblühen der Wissenschaften und Künste in Deutschland, angeregt durch den von Italien aus sich verbreitenden Humanismus (S. 211). Deutsche Humanisten: Johann v. Dalberg, 1483 Kanzler der Universität Heidelberg und Bischof von Worms, Konrad Celtis, 1497 Prof. in Wien, Wilibald Pirkheimer, Ratsherr in Nürnberg, Konrad Peutinger in Augsburg, Johann Reuchlin, Prof. in Tübingen, 1482 mit Graf Eberhard in Italien, 1502 Richter des schwäbischen Bundes (S. 206), gerät 1510 mit den Dominikanern von Köln in Streit über die Religionsbücher der Juden: viele Humanisten nehmen an dem Streit teil, namentlich der Ritter Ulrich von Hutten, als Mitverfasser der Epistolae obscurorum virorum 1516. Erasmus von Rotterdam, bekannt durch seine satirische Schrift Laus stultitiae, gibt 1516 das griechische Neue Testament heraus.

Nikolaus Kopernikus (geb. zu Thorn 1473, Domherr zu Frauenburg am Frischen Haff, † 1543), angeregt durch die Schriften des Astronomen Johannes Müller von Königsberg in Franken (Regiomontanus, 1471 in Nürnberg, † 1476), begründet die richtige Lehre vom Sonnensystem, Seine Nachfolger Joh. Kepler aus Württemberg († 1630) und Galilei aus Pisa († 1642).

Blüte der bildenden Künste namentlich in Nürnberg: der Holzschnitzer Veit Stoß († 1533), der Bildhauer Adam Kraft († 1507), der Erzgießer Peter Vischer († 1529), der Maler Albrecht Dürer (geb. 1471, † 1528); in Augsburg die Maler Hans Holbein, Vater und Sohn, † 1524 im Elsaß, bezw. 1543 in London.

Auch die Baukunst strebte die Wiedergeburt der griechisch-römischen Bauweise im Anschluß an die erhaltenen Baudenkmäler an (Renaissancestil) (S. 211). In Deutschland vermischte sich der antike Stil vielfach mit nationalen, der Gotik entlehnten Elementen, z.B. Türmchen und Erkern. (Heidelberger Schloß.)

1517.

Beginn der Reformation durch Luther.

Martin Luther, geb. 10. Nov. 1483 in Eisleben, Sohn eines Bergmanns, studiert seit 1501 in Erfurt, geht 1505 ins Augustinerkloster daselbst, wird 1508 Professor an der Universität Wittenberg, 1511 in Angelegenheiten seines Ordens nach Rom geschickt. Da der Dominikaner Johann Tetzel im Auftrage des Erzbischofs Albrecht von Mainz Ablaß verkaufend umherzieht, schlägt Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Sätze (Thesen) gegen den Mißbrauch des Ablasses an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg.

1518.

In der Schweiz Beginn der Reformation durch Ulrich Zwingli in Zürich, veranlaßt durch den Ablaßkrämer Bernardin Samson.

Luther, vor den Kardinal Thomas de Vio aus Gaëta (Cajetanus) nach Augsburg gefordert, weigert sich zu widerrufen, appelliert an den Papst.[42] Vermittelung durch den päpstlichen Kämmerer v. Miltitz (Gespräch zu Altenburg). Luther geschützt von Kurfürst Friedrich dem Weisen von Sachsen (Ernestinische Linie des Hauses Wettin), während Herzog Georg (Albertinische Linie) ihm abgeneigt bleibt.[43] Philipp Melanchthon (Schwarzerd), ein Verwandter Reuchlins, geb. 1497 zu Bretten in Baden, seit 1518 als Professor in Wittenberg, Luthers Mitarbeiter († 1560).

1519.

Disputation zu Leipzig; Joh. Eck, Prof. zu Ingolstadt, gegen Karlstadt (Andreas Bodenstein aus Karlstadt) und Luther. Letzterer bekennt, daß Papst und Konzilien nicht unfehlbar seien, und daß sich in Hussens Lehre viel Wahres finde. Das war der Bruch mit Rom. Eck reist darauf nach Rom und erwirkt eine päpstliche Verdammungsbulle gegen 41 Artikel aus Luthers Schriften.

1520.

Luther veröffentlicht 3 reformatorische Schriften: 1. An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung, 2. Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche, 3. Von der Freiheit eines Christenmenschen, verbrennt die päpstlichen Dekretalen und die Bannbulle vor dem Elstertore zu Wittenberg.

1519–1556.

Karl V., Enkel Maximilians, abwesend gewählt von den in Frankfurt versammelten Kurfürsten, 1520 in Aachen gekrönt. Friedrich der Weise hatte die Kaiserkrone wegen hohen Alters abgelehnt.

1521. 18. April

Reichstag zu Worms. Luther verteidigt seine Lehre vor dem Kaiser, der ihm das freie Geleit hält. Doch wird er in die Reichsacht erklärt und auf Befehl Friedrichs des Weisen aus Vorsicht auf die Wartburg gebracht. Das Wormser Edikt verbietet alle Neuerungen. — Luther beginnt die Bibelübersetzung (vollendet 1534). Er kehrt auf die Nachricht von Karlstadts Unordnungen nach Wittenberg zurück (Frühjahr 1522) und predigt gegen die Bilderstürmer, richtet dann den Gottesdienst mit deutscher Predigt und Abendmahl unter beiderlei Gestalt in Kursachsen ein. Die Ausbreitung der Reformation in Deutschland wird dadurch gefördert, daß Karl V. bald nach Spanien zurückkehrt und dann durch Kriege mit Franz I. von Frankreich in Anspruch genommen ist.

1522–1523.

Reichstag zu Nürnberg. Die Durchführung des Wormser Edikts für unmöglich erklärt. Die Berufung eines Konzils verlangt.

1522–1523.

Ritterkrieg im Rheinlande. Franz von Sickingen an der Spitze eines Ritterbundes gegen die geistlichen Fürstentümer, belagert vergeblich Trier, wird in seiner Burg Landstuhl (bei Kaiserslautern) eingeschlossen und fällt. Sein Freund Ulrich von Hutten stirbt als Flüchtling auf der Insel Ufnau im Zürchersee.

1524–1525.

Bauernkrieg in Schwaben und Franken, begleitet von furchtbaren Greueln. Die 12 Artikel der Bauern fordern Wahl der Pfarrer durch die Gemeinde, Beschränkung der Abgabe des Zehnten auf den Kornzehnt, Aufhebung der Leibeigenschaft, Freiheit der Jagd und des Fischfanges u. a. Luther ermahnt anfangs zum Frieden, schreibt dann heftig »wider die mördischen und raubischen Bauern«. Die Aufständischen werden geschlagen (namentlich bei Königshofen a. d. Tauber) und blutig bestraft. — Die Wiedertäufer in Thüringen mit den Bauern verbündet; sie werden bei Frankenhausen geschlagen, ihr Führer Thomas Münzer mit 25 anderen Anführern in Mühlhausen in Thüringen hingerichtet.

1525.

Kurfürst Friedrich der Weise †. Ihm folgt sein Bruder Johann der Beständige (1525–1532). Reformation in Preußen. Hochmeister Albrecht von Brandenburg wird Herzog in Preußen unter polnischer Lehnshoheit.

Luthers Vermählung mit Katharina von Bora. Kirchenvisitation in Sachsen, Sorge für die Schulen, Katechismus 1529.

1521–1526.

Erster Krieg Karls V. gegen Franz I. von Frankreich. Karl erhebt Ansprüche auf Mailand und das Herzogtum Burgund (S. 206), Franz auf das spanische Navarra und auf Neapel (S. 235). Die Franzosen werden aus Mailand vertrieben, welches Franz Sforza (S. 210) 1522 erhält. Der französische Connétable Karl von Bourbon geht zu Karl V. über. Mißglückter Einfall der Franzosen in Italien (1523–1524, auf dem Rückzuge fällt Bayard, S. 235), darauf Einfall der Kaiserlichen in das südliche Frankreich. Franz I. geht über den Mont Cenis, nimmt Mailand wieder.

1525.

Schlacht bei Pavīa, Sieg der Spanier unter Pescara und der deutschen Landsknechte unter Georg von Frundsberg; Franz I. gefangen.

1526.

Friede zu Madrid. Franz entsagt allen Ansprüchen auf Mailand und Neapel, sowie der Lehnshoheit über Flandern und Artois, willigt in die Herausgabe des Herzogtums Burgund, stellt seine Söhne als Geiseln. Gleichzeitig zeichnet er einen feierlichen Protest gegen den Frieden auf, läßt sich dann vom Papst von seinem Eide lösen und erklärt die in Madrid beschworenen Bedingungen als erzwungen für nichtig. Papst Clemens schließt (Mai 1526) mit Frankreich, Venedig, Florenz und Mailand die Heilige Liga von Cognac gegen Karl V.

1526.

Erster Reichstag zu Speier. Die Evangelischen, an der Spitze Kurfürst Johann der Beständige von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen, erwirken einen der Ausbreitung der neuen Lehre günstigen Reichsabschied.

1527–1529.

Zweiter Krieg zwischen Karl V. und Franz I. Das kaiserliche (nicht bezahlte und aufrührerische) Heer unter dem Connétable von Bourbon nimmt Rom mit Sturm, Bourbon fällt, der Papst wird in der Engelsburg belagert (1527), doch erfolgt bald die Aussöhnung mit dem Hofe zu Madrid. Vergeblicher Einfall der Franzosen in Neapel.

1529.

Damenfriede zu Cambrai. Margarete von Österreich, Tante Karls, und Luise von Savoyen, Mutter des Königs von Frankreich. Letzterer zahlt 2 Millionen Kronen und entsagt den Ansprüchen auf Italien. Karl verspricht seine Ansprüche auf Burgund für jetzt nicht geltend zu machen und entläßt die französischen Prinzen.

1529.

Zweiter Reichstag zu Speier, wo Ferdinand (S. 225) und die katholische Partei infolge der siegreichen Machtstellung des Kaisers energischer auftreten. Der Reichstagsbeschluß von 1526 wird aufgehoben. Strenge Durchführung des Wormser Edikts in den evangelischen Territorien beschlossen. Hiergegen protestieren die evangelischen Stände (daher Protestanten genannt). Darauf Religionsgespräch zu Marburg zwischen Luther und Zwingli. Einigung über 14 Artikel, doch nicht über die Lehre vom Abendmahl.

1526–1532.

Krieg mit den Türken. Sultan Soliman II., welcher 1522 die Johanniter (S. 219) aus Rhodus vertrieben hat, fällt in Ungarn ein; König Ludwig II. von Ungarn und Böhmen † in der Schlacht bei Mohacz (1526). Eine Partei des ungarischen Adels wählt Ferdinand, Karls Bruder, die andere Johann Zapolya von Siebenbürgen, zu dessen Schutze Soliman abermals erscheint, jedoch Wien vergeblich belagert (1529).

1530.

Karl V. in Bologna gekrönt; letzte Krönung eines deutschen Kaisers durch den Papst.

Glänzender Reichstag zu Augsburg unter persönlichem Vorsitz des Kaisers. Überreichung der von Melanchthon verfaßten Augsburgischen Konfession (Confessio Augustana). Der Reichsabschied gebietet die Aufhebung aller Neuerungen. Deshalb

Dez.

Schmalkaldischer Bund der meisten protestantischen Fürsten und Reichsstädte.

1531.

Treffen bei Kappel; die Züricher von den katholischen Waldkantonen geschlagen, Zwingli †, doch behauptet sich seine Lehre.

Karl V. läßt seinen Bruder Ferdinand in Köln zum römischen König wählen und in Aachen krönen. Der Kurfürst von Sachsen protestiert im Namen der Evangelischen dagegen. Infolge der von neuem drohenden Türkengefahr kommt zustande der

1532.

Religionsfriede zu Nürnberg. Den Protestanten wird bis zu einem allgemeinen Konzil freie Religionsübung zugestanden.

Soliman II. fällt verheerend in Ungarn ein. Heldenmütige Verteidigung von Güns. Ein großes Reichsheer sammelt sich bei Wien, Soliman geht zurück. Karl V. reist wieder nach Spanien.

1534–1535.

Unruhen der Wiedertäufer in Münster (Jan Matthys aus Harlem, dann Johann Bockelson aus Leyden, »König von Zion«).

1534.

Landgraf Philipp von Hessen führt den 1519 vom schwäbischen Bunde vertriebenen (lutherischen) Herzog Ulrich von Württemberg in sein Herzogtum zurück, mit welchem der Kaiser seinen Bruder Ferdinand belehnt hatte. Dieser verzichtet im Frieden zu Kadan auf den ferneren Besitz Württembergs, wird dafür von den Evangelischen als römischer König anerkannt. Landgraf Philipp leistet darauf dem Bischof von Münster Hilfe zur Unterwerfung der Stadt; Johann von Leyden nebst anderen Anführern grausam hingerichtet.

Württemberg, Pommern, Anhalt und mehrere Reichsstädte treten dem Schmalkaldischen Bunde bei (1536).

1535.

Karls V. Zug gegen Tunis (Seeräuber Chaireddin Barbarossa). Tunis erobert und alle Christensklaven befreit.

1536–1538.

Dritter Krieg zwischen Karl V. und Franz I., letzterer erneuert seine Ansprüche auf Mailand nach dem Tode des Herzogs Franz Sforza. Er verbündet sich mit Soliman II., der Ungarn bedrängt und durch seine Flotte die Küste Italiens plündern läßt.

1538.

Waffenstillstand zu Nizza auf Grund des Besitzstandes. Darauf reist Karl V., um einen Aufruhr in seiner Geburtsstadt Gent zu bekämpfen, durch Frankreich, wo er von Franz I. ausgezeichnet empfangen wird.

Einführung der Reformation im Herzogtum Sachsen (Herzog Georg † 1539), im Kurfürstentum Brandenburg (1539), im Herzogtum Mecklenburg (1540).

1540.

Der Jesuiten-Orden, von dem Spanier Ignatius von Loyōla 1534 gestiftet zur Ausbreitung der katholischen Lehre, wird von Papst Paul III. bestätigt.

1541.

Reformation in Genf durch Johann Calvin. Jean Cauvin aus Noyon in der Picardie, geb. 1509, tritt 1532 in Paris als Reformator auf, findet Schutz bei Margarete von Navarra, Schwester Franz’ I. (S. 236). Aus Frankreich 1534 vertrieben, lebt Calvin abwechselnd in Basel, Genf, Straßburg, von 1541 bis zu seinem Tode 1564 in Genf. Die Anhänger Zwinglis schließen sich ihm allmählich an. Calvinische Kirchenverfassung: Die Gemeinde von den erwählten Geistlichen und Ältesten (Presbyterium) regiert, mehrere Gemeinden durch die Synode; strenge Kirchenzucht. Der Arzt Servet 1553 als Irrlehrer (De trinitatis erroribus) verbrannt.

1541.

Verlängerung des Religionsfriedens auf dem Reichstag zu Regensburg in Gegenwart Karls V.

Soliman II. setzt in Ofen einen türkischen Pascha ein. Karls V. unglücklicher Zug nach Algier.

1542.

Vertreibung des Herzogs Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel durch den Schmalkaldischen Bund.

1542–1544.

Vierter Krieg Karls V. gegen Franz I., der wiederum mit Soliman II. verbündet ist. Der Kaiser unterwirft den Herzog von Cleve, der sich an Frankreich angeschlossen hat, und dringt bis Soissons vor.

1544.

Friede zu Crespy (spr. Crépi): Der Herzog von Orléans, zweiter Sohn des französischen Königs, soll eine kaiserliche Prinzessin heiraten und Mailand erhalten. Da er aber schon 1545 stirbt, so bleibt Mailand dem Kaiser, der es seinem Sohne Philipp zu Lehen gibt.

1545.

Hermann von Wied, Erzbischof von Köln, welcher Melanchthon zu sich berufen hatte, um in seinem Erzstift die Reformation einzuführen, wird vom Kaiser verwarnt und sucht Hilfe beim Schmalkaldischen Bunde.

1545–1563.

Kirchenversammlung zu Trient (Tridentum) in Tirol, von den Protestanten nicht beschickt, vom Papste zweimal vertagt. Kirchliche Reformen, zugleich genauere Feststellung der katholischen Lehre.

1546.

18. Febr. Tod Luthers in Eisleben.

1546–1547.

Schmalkaldischer Krieg. Karl V. will die reichsständische Selbständigkeit in Deutschland brechen und zugleich im Bunde mit dem Papste, der ihm Geld und Truppen sendet, die kirchliche Einheit wiederherstellen. Die Häupter des Schmalkaldischen Bundes, Johann Friedrich, Kurfürst von Sachsen, und Landgraf Philipp von Hessen werden in die Acht erklärt. Herzog Moritz von Sachsen, Philipps Schwiegersohn, schließt sich der Sache des Kaisers an.

1546.

Unentschlossene Kriegführung der Verbündeten an der Donau. Johann Friedrich wird durch einen Einfall des Herzogs Moritz in sein Land zur Rückkehr veranlaßt. Die süddeutschen Protestanten (Ulm, Augsburg, Straßburg, Herzog Ulrich von Württemberg u. a.) unterwerfen sich, Hermann von Wied wird aus Köln vertrieben. Karl V. zieht mit seinem aus Spaniern (Herzog Alba) und Italienern gebildeten Heere nach Sachsen, geht über die Elbe, schlägt in der

1547. 24. April.

Schlacht bei Mühlberg (auf der Lochauer Heide, bei Torgau) den Kurfürsten von Sachsen, nimmt ihn gefangen und zieht als Sieger in Wittenberg ein. Vergleich unter Vermittelung Joachims II. von Brandenburg. Die Kurwürde und die Kurländer kommen an die Albertinische Linie des Hauses Wettin (Herzog Moritz); die Ernestinische Linie behält nur die thüringischen Gebiete (Weimar, Jena, Eisenach, Gotha u. a., S. 227). Philipp von Hessen unterwirft sich in Halle und wird, obgleich sich Moritz und Joachim II. für seine Freiheit verbürgt hatten, gefangen gehalten.

1548.

Auf dem Reichstag zu Augsburg dekretiert der Kaiser, da das Tridentiner Konzil vom Papste nach Bologna verlegt ist, das Interim, welches den Protestanten aufgezwungen werden soll. Einstweilen wird ihnen die Priesterehe und das Abendmahl unter beiderlei Gestalt zugestanden. Sonst soll Lehre und Kirchenverfassung im wesentlichen katholisch bleiben. Die Stadt Magdeburg, als Mittelpunkt des Widerstandes in die Reichsacht erklärt, wird vom Kurfürsten Moritz von Sachsen 1550–51 belagert, unterwirft sich ihm, ohne Glaubenszwang zu erleiden. Moritz, erbittert über die Behandlung seines Schwiegervaters und besorgt für seine Stellung und die »Libertät« aller deutschen Fürsten, rüstet heimlich gegen den Kaiser und nötigt ihn, nach Abschluß eines Bündnisses mit Heinrich II. von Frankreich, zur

1552.

Flucht aus Innsbruck. Das in Trient wieder versammelte Konzil vertagt sich und tritt erst 1562 wieder zusammen. In Passau tritt ein Fürstentag zusammen. König Ferdinand vermittelt den

Passauer Vertrag: Das Interim abgeschafft. Freilassung Philipps von Hessen, der Religionsfriede soll auf dem nächsten Reichstage festgestellt werden. Auch Kurfürst Johann Friedrich wird freigelassen.

1552.

Karl V. zieht mit Heeresmacht gegen Heinrich II. von Frankreich, welcher als Moritz’ Verbündeter die lothringischen Bistümer Metz, Toul und Verdun besetzt hat. Vergebliche Belagerung von Metz, welches Franz von Guise mit Erfolg verteidigt. Frankreich bleibt im Besitz der drei Bistümer, während das Herzogtum Lothringen nach wie vor beim deutschen Reiche bleibt.

1553.

Moritz siegt bei Sievershausen (unweit Hannover) über seinen bisherigen Verbündeten Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach (der den Passauer Vertrag nicht anerkennen will), wird aber tödlich verwundet.

Karl V. zieht sich verstimmt nach den Niederlanden zurück, überläßt die Herstellung des Friedens in Deutschland seinem Bruder Ferdinand.

1555.

Augsburger Religionsfriede. Die Landesherren und freien Städte, welche sich zur Augsburgischen Konfession bekennen, erhalten Religionsfreiheit und das Recht, in ihren Gebieten die Konfession ihrer Untertanen zu bestimmen: cuius regio, eius religio. Den andersgläubigen Untertanen soll das Recht auszuwandern gewahrt bleiben. Zu Gunsten der katholischen Kirche geistlicher Vorbehalt (Reservatum ecclesiasticum), daß geistliche Reichsstände, welche protestantisch werden, Amt, Gebiet und Einkünfte verlieren sollen (S. 232). Die Evangelischen fügen sich dieser Bestimmung gegen eine Deklaration, daß evangelische Untertanen geistlicher Reichsstände bei ihrer Religion gelassen werden sollen. Die Reformierten sind von dem Frieden ausgeschlossen.

Wirkungen der Reformation.

Die von Deutschland ausgehende religiöse Bewegung führt in den meisten europäischen Ländern 1. zur Abschaffung kirchlicher Mißbräuche und Vertiefung des religiösen Lebens, 2. zu erhöhter Pflege der von den Fesseln der Kirche befreiten Wissenschaften, Verbesserung des Schulwesens, Verbreitung geistiger Bildung, 3. zur Stärkung der Gewalt der Territorialfürsten und durch den Gegensatz der Konfessionen zu politischen Kämpfen, in denen das europäische Staatensystem sich ausbildet.

Luthers Lehre verbreitet sich nach Dänemark, Schweden, Norwegen und den Ostseeprovinzen, Calvins Lehre (die reformierte Kirche) nach Frankreich, den Niederlanden, Schottland; in Deutschland findet sie namentlich im Kurfürstentum Pfalz (Heidelberger Katechismus 1563), in Hessen und Bremen Eingang.

Hebung des Wohlstandes in Deutschland, namentlich in den oberdeutschen Reichsstädten; die Kaufmannshäuser Fugger und Welser in Augsburg. Aufblühen der deutschen Literatur: Hans Sachs († 1576) in Nürnberg, Joh. Fischart in Straßburg († 1591); das protestantische Kirchenlied. Die Maler Lukas Kranach, Vater und Sohn, in Wittenberg, später in Weimar († 1553 bezw. 1586).

1550.

Abdankung Karls V. in Brüssel. Die Krone Spanien (mit den Kolonien), dazu Neapel, Mailand, Freigrafschaft Burgund und die Niederlande kommen an seinen Sohn Philipp, die Kaiserwürde an seinen Bruder Ferdinand I. (s. S. 225). Karl lebt in der Nähe des Klosters S. Just (in Estremadura, nördlich vom Tajo) als Privatmann (nicht Mönch), stirbt 1558.

§ 3. Frankreich.

1498–1589.

Häuser Orléans und Angoulême.

Nebenlinien des Hauses Valois (s. S. 208), deren Zusammenhang mit der Hauptlinie die folgende Stammtafel darstellt.

Karl V. (dritter K. aus dem Hause Valois) †1380.
___________________|_______________________
Karl VI. †1422. Ludwig, Hz. v. Orléans.
| Gem. Valentine Visconti.
| ______|__________________
Karl VII. †1461. Karl, Hz. Johann, Graf
| v. Orléans. v. Angoulême.
| | |
Ludwig XI. †1483. Ludwig XII. Karl, Graf v. Angoulême.
| †1515. Gem. Anna v. Gem. Louise v. Savoyen.
| d. Bretagne, Witwe |
| Karls VIII. |
| | |
Karl VIII. †1498. Claudia. Franz I. †1547.
Gem. Anna v. d. Bretagne. _____________________________
|
Heinrich II. †1559.
Gem. Katharina v. Medici.
_______________________________|____________________________________________
| | | | | |
Franz II. Elisabeth, Karl IX. Heinrich III. Franz, Margarete,
†1560. Gem. Gem. †1574. (Hz. v. Anjou) Hz. v. Gem.
Maria Stuart. Philipp II. K. v. Polen. Alençon. Heinrich IV.
K. v. Spanien. †1589.

Die französische Monarchie, nach Zeiten schwerer Erschütterung wieder erstarkt, beginnt schon unter Karl VIII. (S. 209) eine gegen Italien gerichtete Eroberungspolitik, doch ohne dauernden Erfolg.

1498–1515.

Ludwig XII. heiratet Anna von der Bretagne, Karls VIII. Witwe, um dieses Herzogtum bei der Krone zu erhalten, macht Ansprüche auf Mailand als Enkel von Valentine Visconti, verjagt den Herzog Ludovico Moro (aus dem Hause Sforza, s. S. 211), der, als er nach Mailand zurückkehrt, gefangen wird (1500).

1501.

Ludwig XII. erobert im Bunde mit Ferdinand dem Katholischen, König von Aragon, das Königreich Neapel. Spanier und Franzosen bald uneinig, die letzteren von dem spanischen Feldherrn Gonsalvo de Cordŏva am Garigliano geschlagen (1504). Ludwig XII. verzichtet auf Neapel, behauptet aber die Schutzherrschaft über Genua. Neapel und Sicilien bis 1713 in spanischem Besitz. Gonsalvo erster Vizekönig.

1508.

Teilnahme Ludwigs an der Liga zu Cambrai gegen Venedig, aber Papst Julius II., Ferdinand der Katholische und Venedig verbinden sich 1511 zur Heiligen Liga, um die Franzosen aus Italien zu vertreiben. Diese führen den Krieg unter Gaston de Foix, Neffen Ludwigs XII., anfangs glücklich, nehmen 1512 Brescia mit Sturm (Bayard, der Ritter ohne Furcht und Tadel, S. 229), schlagen mit Hilfe von 5000 deutschen Landsknechten das spanisch-päpstliche Heer bei Ravenna, werden aber 1513 von den Schweizern bei Novāra geschlagen und räumen Italien.

1515–1547.

Franz I.

1515.

Er erobert Mailand wieder durch den glänzenden Sieg über die Schweizer bei Marignano.

1520.

Zusammenkunft mit Heinrich VIII. von England (Camp du drap d’or) in der Nähe von Calais.

Kriege mit Karl V. (s. S. 229–232): Mailand verloren. Künste und Wissenschaften werden gefördert durch den Verkehr mit Italien. Schloßbauten: der Louvre in Paris.

Erhöhung der königlichen Macht durch ein Konkordat mit dem Papste (1516), welches die Wahl der Bischöfe und Äbte im wesentlichen dem König überläßt; dagegen Wiedereinführung der Annaten (Gebühren für die Bestätigung durch den Papst in der Höhe eines Jahreseinkommens) und Verzichtleistung auf den Grundsatz des Konstanzer und Baseler Konzils, daß ein allgemeines Konzil über dem Papste stehe (s. S. 203). Verfolgung der Protestanten und grausame Hinrichtungen.

1547–1559.

Heinrich II. Wachsende Macht der Guisen, eines Nebenzweiges des Hauses Lothringen, (Franz, Herzog von Guise, und Karl, der »Kardinal von Lothringen«). Verfolgung der Protestanten in Frankreich, aber Unterstützung der deutschen Protestanten. 1552 Metz, Toul, Verdun gewonnen, Krieg mit Karl V. (s. S 233).

1556–1559.

Krieg mit Philipp II. von Spanien. Die Franzosen von den Spaniern (mit Hilfe der Engländer) bei St. Quentin 1557 und durch den Grafen Egmont bei Gravelingen 1558 geschlagen. Franz von Guise nimmt Calais, die letzte Besitzung der Engländer in Frankreich (S. 209).

1559.

Im Frieden zu Cateau Cambrésis geben die Franzosen alle Eroberungen, außer Calais, heraus. Philipp II. heiratet Elisabeth, älteste Tochter Heinrichs II. Auf Heinrich II., der an einer Turnierwunde stirbt, folgen hintereinander seine drei schwachen Söhne.

1559–1560.

Franz II., erster Gemahl der Maria Stuart von Schottland, einer Nichte der Guisen. Verfolgung der Protestanten, grausame Hinrichtungen (Chambres ardentes). Des Königs Mutter Katharina von Medici mit den Guisen verbündet, während die Prinzen aus dem Hause Bourbon, Anton, König von Navarra,[44] und Ludwig von Condé, sich der Protestanten annehmen.

1560–1574.

Karl IX., 10 Jahre alt, ebenfalls unter der Leitung seiner Mutter Katharina von Medici,

1562–1598.

Hugenottenkriege.[45]

Die Verletzung eines den Reformierten gewährten Toleranzedikts durch Franz von Guise (Blutbad zu Vassy in der Champagne 1562) und grausame Verfolgungen in mehreren Städten veranlassen eine bewaffnete Erhebung der Reformierten unter Führung des Prinzen von Condé und des Admirals Coligny. Sie erkämpfen in drei Kriegen (bis 1570) das Zugeständnis bedingter Religionsfreiheit, welches durch Einräumung von 4 Sicherheitsplätzen (namentlich der Hafenstadt La Rochelle) gewährleistet wird.

1572. 23.–24. Aug.

Die Bartholomäusnacht oder Pariser Bluthochzeit. Bei Gelegenheit der Vermählung Heinrichs von Bourbon und Navarra, der nach Condés Tode an die Spitze der Hugenotten getreten war, mit der Schwester des Königs Karl IX., Margarete von Valois, zuerst ein Mordanschlag auf Coligny gemacht, dann Ermordung aller in Paris anwesenden Hugenotten, geleitet von Heinrich von Guise und der Königin-Mutter Katharina von Medici. Heinrich von Navarra rettet sein Leben durch Übertritt zur katholischen Kirche. In der Hauptstadt werden über 2000, in ganz Frankreich gegen 20000 Hugenotten ermordet. Diese Bluttat entzündet den vierten Krieg (1572–1573). La Rochelle, von Herzog Heinrich von Anjou, Bruder des Königs Karl IX., belagert, verteidigt sich tapfer (Graf Montgomery). Die Wahl des Herzogs von Anjou zum König von Polen bewirkt einen Vergleich.

Karl IX. stirbt 1574. Sein Bruder, der aus Polen entweicht, wird König von Frankreich als

1574–1589.

Heinrich III. Der fünfte Krieg, während dessen Heinrich von Navarra wieder zum reformierten Glauben übertritt, wird 1576 unter Bedingungen beendigt, die für die Hugenotten günstiger sind als die früheren Friedensschlüsse. Daher Unzufriedenheit der strengen Katholiken; die Heilige Ligue beabsichtigt im Bunde mit Philipp II. Vernichtung der reformierten Partei und Erhebung der Guisen auf den Thron. Der König erklärt sich aus Furcht vor der Ligue zum Haupt derselben und verbietet den reformierten Gottesdienst in ganz Frankreich.

Daher nochmals drei Kriege, der letzte (1585–1589) genannt Krieg der drei Heinriche (Heinrich III. von Valois, Heinrich von Navarra, Heinrich von Guise). In Paris bildet sich die Ligue der Sechzehn, welche die Absetzung des schwachen Königs bezweckt. Volksaufstand, Tag der Barrikaden 12. Mai 1588. Heinrich III. entflieht nach Blois, wohin er die Reichsstände (États-généraux) zusammenruft. Da er bei diesen keinen Beistand gegen die Ligue findet, läßt er den Herzog Heinrich von Guise und dessen Bruder, den Kardinal Ludwig, ermorden. Aufstand der Katholiken, an dessen Spitze sich der Bruder der Ermordeten, Herzog Karl von Mayenne, stellt. Heinrich III. flieht zu Heinrich von Navarra in das Lager der Hugenotten, wird vor Paris, in St. Cloud, von dem Mönch Jakob Clément ermordet (1589).

1589–1792.

Haus Bourbon (stammt ab von einem jüngeren Sohne Ludwigs IX., des Heiligen).

1589–1610.

Heinrich IV. Die katholische Partei verweigert ihm die Anerkennung. Heinrich IV. siegt über Karl von Mayenne bei Ivry 1590, belagert aber vergeblich Paris, welches von Mayenne und dem Herzog von Parma (s. S. 243) entsetzt wird. Erst nachdem Heinrich in St.-Denis abermals seinen Übertritt zur katholischen Kirche erklärt hat, öffnet ihm Paris die Tore (1594). Darauf Aufhebung des päpstlichen Bannes, Friede mit Philipp II. von Spanien. Die Religionskriege werden beendet durch das

1598.

Edikt von Nantes, welches den Reformierten gleiche bürgerliche Rechte mit den Katholiken gibt, aber keineswegs vollständig freie Religionsübung. Es gestattet den reformierten Kultus den Edelleuten mit selbständiger Gerichtsbarkeit (seigneurs hauts justiciers) und den Bürgern in einer bestimmten Anzahl von Städten und Flecken, untersagt ihn aber in allen bischöflichen und erzbischöflichen Städten, am Hofe des Königs, in Paris, sowie im Umkreise von 5 Meilen um die Hauptstadt. Die Reformierten werden zu öffentlichen Ämtern zugelassen und behalten ihre Sicherheitsplätze. Das Edikt wird erst nach langer Weigerung von den Parlamenten (d. h. höchsten Gerichtshöfen) registriert.

Heinrichs IV. Minister, der Herzog von Sully, trifft Maßregeln zur Wiederherstellung des zerrütteten Wohlstandes und der Finanzen. Förderung des Ackerbaues und Gewerbes, des Seehandels; Kolonien in Kanada (Quebec 1608). Der König beabsichtigt, als Verbündeter der protestantischen Union in den Jülich-Cleveschen Erbstreit (S. 252) einzugreifen, wird aber von dem Fanatiker Franz Ravaillac in Paris ermordet. Sein Sohn

1610–1643.

Ludwig XIII., 9 Jahre alt. Regentschaft seiner Mutter Maria von Medici. Sully vom Amte entfernt; an die Spitze der Geschäfte tritt der Italiener Concini (Maréchal d’Ancre), nach dessen Ermordung 1617 der Herzog von Luynes, endlich der große Staatsmann Kardinal Richelieu (Armand-Jean du Plessis, geb. 1585 in Poitou, 1607 Bischof von Luçon, 1616 Staatssekretär, 1622 Kardinal, † 1642). Von 1624–1642 verwaltet Richelieu eigentlich allein das Reich; nur einmal (11. Nov, 1630, journée des dupes) glaubt Maria von Medici ihn gestürzt zu haben, doch beherrscht er von da an den König sicherer als je.

Richelieus Ziel ist die Erhebung Frankreichs zur ersten Macht Europas und die Begründung der Allgewalt des Königs. Er bricht die Macht des Adels, macht die Krone unabhängig von den Reichsständen, die nicht mehr berufen werden, besiegt die Hugenotten (Belagerung und Einnahme von La Rochelle 1628), welche fortan nicht mehr eine bewaffnete politische Partei, sondern eine geduldete Sekte sind. Unruhen, erregt von Gaston von Orléans, Bruder des Königs, enden mit dem vollständigen Siege Richelieus; die Königin-Mutter wird verbannt, Gaston entflieht nach Lothringen, versucht vergebens gewaltsame Rückkehr mit Hilfe des Herzogs von Montmorency, des Statthalters von Languedoc; dieser wird 1632 in Toulouse hingerichtet.

1633.

Das Herzogtum Lothringen (vgl. S. 206, 233) von französischen Truppen besetzt (bis 1659). Der Dreißigjährige Krieg bietet Gelegenheit, Frankreichs Macht auf Kosten Deutschlands zu erhöhen.

Richelieu legt den Grund zur Machtstellung Ludwigs XIV. Frankreich verdankt ihm die Segnungen einer geordneten Verwaltung und das Aufblühen seiner klassischen Literatur. Stiftung der französischen Akademie 1635, der maßgebenden Behörde in Sachen der Sprache und des Stils; Corneilles Cid 1636.

§ 4. Italien.

Das Herzogtum Mailand ist seit 1556 (s. S. 234) ein Nebenland von Spanien, dem Namen nach deutsches Reichslehen. In Mantua herrscht seit 1328 das Haus Gonzaga; nach dessen Aussterben der Mantuanische Erbfolgekrieg 1628–1631. Richelieu zieht persönlich gegen die Kaiserlichen zu Felde und setzt die Ansprüche der französischen Nebenlinie Nevers auf das Herzogtum durch.

Glänzender Hof der Herzöge von Ferrara (S. 210). Nach dem Tode Alfons’ II. 1597 wird Ferrara als päpstliches Lehen mit dem Kirchenstaate vereinigt; Modena und Reggio verbleiben einer Nebenlinie des Hauses Este.

Parma und Piacenza früher zu Mailand gehörig, 1512 vom Papst Julius II. für den Kirchenstaat in Besitz genommen, bilden seit 1545 ein selbständiges Herzogtum im Besitz des Hauses Farnese bis 1731.

Venedig ist 1508 gefährdet durch die Liga von Cambrai (Papst Julius II., Kaiser Maximilian I., Ludwig XII., Ferdinand der Katholische); doch wendet sich der Krieg bald gegen Frankreich (S. 235). Während der folgenden Kriege ist Venedig meist mit Karl V. verbündet. Gegenüber dem Vordringen der Türken schließt es sich an Spanien an, muß aber trotz des mit den Spaniern gemeinsam erfochtenen Sieges bei Lepanto (S. 242) 1573 den Türken Cypern abtreten; es behält von seinem Inselbesitz nur Kandia und die Ionischen Inseln.

Genua macht sich 1529 unter dem Dogen Andrea Doria, welcher der Republik eine neue Verfassung gibt, frei von der französischen Schutzherrschaft (S. 235). Verschwörung desFiesco 1547. Giannettino Doria, der Neffe des Dogen, wird ermordet, Andrea Doria muß flüchten. Schon sind die Verschworenen im Besitz fast der ganzen Stadt, als Fiesco durch Zufall ertrinkt. Rückkehr des Dogen, Wiederherstellung der Verfassung.

Die Herzöge von Savoyen, welche auch Piemont besitzen (S. 210), sind unter den einheimischen Fürsten von Nord-Italien die mächtigsten. Doch verlieren sie 1536 das Waadtland an Bern und geraten während der Kriege Frankreichs mit Karl V. und Philipp II. in Bedrängnis. Nach dem Frieden von Cateau-Cambrésis (1559, S. 236) wird Emanuel Philibert in sein Herzogtum zurückgeführt.

In Florenz wird 1494 Pietro von Medici, Lorenzos Sohn, weil er mit dem erobernd vordringenden Karl VIII. von Frankreich (S. 209 f.) einen Vertrag geschlossen hatte, vertrieben. Haupt der demokratischen Partei der Dominikaner Savonarōla. Er bewirkt auf kurze Zeit eine Wendung zur Sittenstrenge, verfällt aber dem päpstlichen Bann und wird 1498 hingerichtet. Infolge des Sieges der Heiligen Liga (S. 235) werden 1512 die Medici wiedereingesetzt. Zweite Vertreibung 1527, die Republik auf kurze Zeit wiederhergestellt. Karl V. setzt 1531 Alessandro von Medici als erblichen Herzog ein. Dessen Nachfolger Cosimo vereinigt die Republik Siena mit seinem Gebiete und wird 1569 vom Papst Pius V. zum Großherzog von Toskana erhoben (bestätigt von Kaiser Rudolf II. 1576). Unter Cosimos II. Regierung lehrt in Florenz Galileo Galilei, der 1633 von der Inquisition in Rom gezwungen wird, das Kopernikanische Sonnensystem abzuschwören († 1642 in Arcetri bei Florenz).

Die Päpste dieser Zeit sind mit Erfolg bestrebt, den Kirchenstaat zu vergrößern und ihr geistliches Ansehen zu erhöhen.

1492–1502.

Alexander VI. aus dem Hause Borgia, durch Ausschweifungen berüchtigt; sein Sohn Cesar Borgia herrscht grausam in der Romagna.

1503–1513.

Julius II., kriegerisch und kunstliebend, beginnt den Neubau der Peterskirche, beruft dazu den Baumeister Bramante, den Bildhauer Michelangelo (an Julius’ II. Grab Statue des Moses) und den Maler Raffael nach Rom.

1513–1521.

Leo X., Sohn Lorenzos von Medici (S. 211), kunstliebend und gelehrt.

1521–1523.

Hadrian VI., aus Utrecht, früher Lehrer Karls V., auf Abstellung kirchlicher Mißbräuche bedacht.

1523–1534.

Clemens VII., Neffe Lorenzos von Medici, klug, aber nicht tatkräftig.

1555–1559.

Paul IV., streng kirchlich, hat 1542 als Kardinal unter Paul III. die Herstellung der Inquisition (S. 186) und die Einrichtung des Index librorum prohibitorum bewirkt.

1572–1585.

Gregor XIII. ordnet 1582 den verbesserten Kalender an (Ausfall des Schaltjahres am Ende des Jahrhunderts, mit Ausnahme jedes vierten Jahrhunderts).

1575–1590.

Sixtus V. unterdrückt das Räubertum im Kirchenstaat; Vollendung der Peterskirche.

Neapel ist von 1504–1713 ein Nebenland Spaniens (s. S. 235). Der Aufstand des Fischers Tommaso Aniello, genannt Masaniello (1647), wird schnell unterdrückt.

Blütezeit der italienischen Kunst und Literatur.

Maler: Leonardo da Vinci († 1519), Raffael Santi († 1520), Antonio Allegri, genannt Correggio († 1534), Michelangelo Buonarotti († 1564), zugleich Bildhauer und Architekt, Tizian († 1576), Paul Veronese († 1588). Musiker: Palestrina († 1594). Dichter: Ariosto († 1533), Torquato Tasso († 1595). Unter den Prosaschriftstellern ragt hervor der Politiker Macchiavelli († 1527 in Florenz: Il Principe, Buch vom Fürsten).

§ 5. Pyrenäische Halbinsel und Niederlande,

1479–1516.

Ferdinand der Katholische, König von Aragon, übernimmt 1504 nach dem Tode seiner Gemahlin Isabella (S. 215) die Regierung in Kastilien für seine abwesende Tochter Johanna, Gemahlin des Erzherzogs Philipp von Österreich (S. 225). Philipp und Johanna kommen 1506 nach Kastilien; Ferdinand tritt in einem Vertrage die Regentschaft an Philipp ab, aber bald darauf stirbt dieser plötzlich 1506. Johanna, schon früher schwermütig, verfällt in Wahnsinn, lebt im Schlosse Tordesillas in Haft bis zu ihrem Tode (1555). Ferdinand übernimmt wieder die Regentschaft, erweitert 1512 das Reich Aragon durch Eroberung des kleinen Königreichs Navarra; nur der nördlich von den Pyrenäen gelegene Teil desselben bleibt dem französischen Grafen Jean d’Albret (S. 236). Befestigung der Monarchie in dem nunmehr vereinigten Königreich Spanien mit Hilfe des staatsklugen Kardinals Ximenez.

1516–1556.

Karl I. (als deutscher Kaiser Karl V., s. S. 228) begründet nach Niederwerfung eines Aufstandes in Kastilien (1521) die unbeschränkte Königsgewalt in Spanien; die Cortes fortan ohne Bedeutung. Durch Erwerbung großer Gebiete in Amerika (S. 223) gelangt Spanien zu hoher Machtstellung.

1556–1598.

Philipp II., viermal vermählt, mit: 1. Maria von Portugal (Mutter des Don Carlos), 2. Maria der Katholischen von England (S. 246), 3. Elisabeth von Valois (S. 236), 4. Anna, Tochter Maximilians II. Unter seinem starren Despotismus erschöpfen sich die Kräfte des spanischen Reiches.

Krieg mit Frankreich (S. 236). Blutige Verfolgung der Moriskos und der Protestanten in Spanien; die Schrecken der Inquisition (S. 215) dauern fort. Zwist zwischen dem König und seinem Erben Don Carlos; dieser wird verhaftet und stirbt im Gefängnis 1568. Über die Türken, welche 1565 vergeblich die dem Johanniterorden (S. 178) gehörige Insel Malta angreifen (tapfere Verteidigung durch den Großmeister La Valette), erficht Don Juan d’ Austria, Karls I. (V.) natürlicher Sohn, den großen

1571.

Seesieg bei Lepanto (Naupaktos, S. 44). In demselben Jahre werden die Philippinen-Inseln in Besitz genommen (1898 an die Union abgetreten).

1568–1648.

Freiheitskrieg der Niederlande.

Veranlassung: Die seit Karls V. Abdankung an Spanien gekommenen niederländischen Provinzen (S. 225) waren seit alter Zeit im Besitz bedeutender Privilegien; die Stände (Staaten, États) hatten Steuern und Truppen zu bewilligen. Aber Druck der spanischen Besatzungen, Strafedikte gegen die Ketzer, die geplante Gründung neuer Bistümer, Furcht vor Einführung der spanischen Inquisition bewirken unter der Statthalterin Margarete von Parma (1559–1567), der Halbschwester des Königs Philipp II. (ihr Ratgeber Bischof Granvella), heftige Erregung. Bund des Adels (Kompromiß zu Breda) zur Verteidigung der Privilegien. Im Staatsrat sind Graf Egmont, Statthalter von Flandern, und Wilhelm von Nassau-Oranien[46], Statthalter von Holland und Seeland, um Erhaltung des Friedens bemüht.

1566.

Überreichung einer Bittschrift an die Statthalterin in Brüssel durch 300 Vertreter des niederen Adels (Geusen, Bettler, ihr Parteiname, entstanden durch den verächtlichen Ausruf des Grafen von Barlaimont: Ce n’est qu’un tas de gueux). Volksunruhen, veranlaßt durch calvinische Prediger; Bildersturm und Plünderung der Kirchen. Egmont und Wilhelm von Oranien treten diesen Unordnungen entgegen.

Obwohl die Ruhe schließlich wiederhergestellt war, wird

1567.

Herzog Alba mit einem spanischen Heere über Genua, Savoyen, Burgund nach den Niederlanden gesandt. Wilhelm von Oranien entflieht nach Nassau. Tausende von Niederländern verlassen ihr Vaterland. Alba übernimmt die Regierung; der von ihm in Brüssel eingesetzte Gerichtshof arbeitet entsetzlich, vom Volk als »Blutrat« bezeichnet.

1568.

Hinrichtung der Grafen Egmont und Hoorn.

Wilhelm von Oranien macht mit Flüchtlingen und deutschen Söldnern, die er in Nassau um sich gesammelt hat, einen Einfall in die Niederlande, wird aber von Alba zurückgeschlagen.

Die willkürlichen, von Alba auferlegten Steuern (der 10te Pfennig von jeder verkauften Ware, der 100ste vom Vermögen) erregen einen neuen Aufstand. Einnahme von Briel (an der Maasmündung) durch die Wassergeusen 1572. Schnelle Ausbreitung des Aufstandes, besonders in den nördlichen Provinzen, wo Wilhelm von Oranien nach seiner Rückkehr aus Deutschland an die Spitze tritt. Herzog Alba wird auf seinen eigenen Antrag 1573 zurückberufen.

Sein Nachfolger Luis de Requesens siegt zwar 1574 auf der Mooker Heide, wo zwei Brüder des Prinzen von Oranien fallen, belagert aber Leyden vergeblich (Durchstechung der Deiche, Gründung der Universität) und kann des Aufstandes nicht Herr werden († 1576). Plünderungen der Städte Antwerpen, Mastricht, Gent u. a. durch die königlichen Truppen führen die

1576.

Pazifikation von Gent herbei, einen Vertrag aller Provinzen, durch welchen sie sich, ungeachtet der religiösen und nationalen Unterschiede, vereinigen, um die spanischen Soldaten aus dem Lande zu treiben.

Der neue Statthalter Don Juan d’Austria, Philipps II. Halbbruder, wird von den meisten Provinzen nicht anerkannt, doch entsteht unter ihnen bald Uneinigkeit. Ihm folgt Alexander Farnese von Parma, Margaretes Sohn (1578–1592), ein staatskluger Fürst und trefflicher Feldherr. Dieser unterwirft unter dem Versprechen der Herstellung ihrer alten politischen Freiheiten die südlichen, katholischen Provinzen (Belgien). Die sieben nördlichen, überwiegend calvinischen (Holland, Seeland, Utrecht, Geldern, Overyssel, Groningen, Friesland) schließen

1579.

die Utrechter Union, sagen sich 1581 gänzlich von Spanien los und übertragen die Leitung Wilhelm von Oranien. Nach dessen Ermordung zu Delft 1584 durch den Fanatiker Balthasar Gerard tritt sein Sohn, der 17jährige Moritz von Oranien, an die Spitze. Kriegsglück Alexanders von Parma, Einnahme von Antwerpen 1585. Die den Holländern geleistete englische Hilfe (Leicester Statthalter) bestimmt Philipp zur Ausrüstung der Armāda, welche, angeführt vom Herzog Medina Sidonia, furchtbaren Stürmen und der Tapferkeit der Engländer erliegt (1588). Seitdem Niedergang der spanischen Seeherrschaft. Moritz erobert Breda 1590, dann Nimwegen und Groningen, die Spanier erobern 1604 nach dreijähriger Belagerung Ostende. Endlich wird unter König

1598–1621.

Philipp III.

1609.

ein zwölfjähriger Waffenstillstand geschlossen. Unter dem schwachen, von Günstlingen beherrschten Könige sinkt Spaniens Macht und Wohlstand weiter, namentlich auch infolge der Austreibung von 500000 Moriskos. Nach Ablauf des Waffenstillstandes mit den Niederländern wird der Kampf wieder aufgenommen, bis unter König

1621–1665.

Philipp IV. die Republik der Niederlande im Westfälischen Frieden 1648 (s. S. 260) die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit von seiten Spaniens und des Deutschen Reiches erlangt.

In dem aufblühenden neuen Staate fehlt es nicht an inneren Parteiungen; der oranischen Partei steht die Generalstaaten-Partei gegenüber, den strengen Calvinisten (Gomarianern) die gemäßigten (Arminianer). Die Synode zu Dordrecht verurteilt 1619 den verdienten Staatsmann Olden Barneveld, welcher Moritz von Oranien entgegengetreten war, zum Tode; Hugo Grotius, zur Haft verurteilt, flieht 1621 nach Frankreich (sein Buch de iure belli ac pacis Grundlage des Völkerrechts, 1635 schwedischer Gesandter in Paris, † 1645). Die Statthalterwürde wird 1650 aufgehoben, 1672 wiederhergestellt.

Wilhelm I. von Nassau-Oranien,
†1584.
_______________|_____________
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Moritz, Friedrich Heinrich,
†1625. †1647.
____________|___________
| |
Wilhelm II., Luise Henriette, †1667.
†1650. Gem. Friedrich Wilhelm
| v. Brandenburg.
| |
Wilhelm III., Friedrich I.
†1702. von Preußen.

Aufschwung der niederländischen Seemacht: Ostindische Kompagnie 1602 gegründet, Neu-Amsterdam (New York, S. 270) 1612, Batavia auf Java 1619, Kapstadt 1651, Ceylon besetzt 1656, 1634–54 auch Brasilien. Tasman umfährt Australien (Neu-Holland) 1642.

Blüte der Wissenschaften auf der Universität Leyden (gegr. 1575). Der Philosoph Baruch Spinoza geb. zu Amsterdam 1632, † 1677.

Blüte der Malerei (Rembrandt † 1669, Ruysdael † 1682, Hobbema † 1709), der Dichtkunst (Vondel † 1679) und Musik (Roland de Lattre [Orlandus Lassus] † 1594 in München).

In den spanischen Niederlanden die Maler Rubens, geb. in Siegen 1577, † in Antwerpen 1640; van Dyk † 1641; Teniers der Ältere † 1649, Teniers der Jüngere † 1690; Snyders † 1657.

Auch in Spanien Blüte der Literatur (Cervantes † 1616, Lope de Vega † 1635, Calderon † 1681) und Malerei (Velasquez † 1660, Murillo † 1682), aber das Volk verarmt und unwissend; Gewerbfleiß, Handel und Seemacht im Niedergang begriffen.

Portugal im Besitz ansehnlicher Kolonien, blühend unter Emanuel dem Großen (1495–1521). Sein Urenkel Sebastian fällt 1578 in der unglücklichen Schlacht bei Alkassar in Marokko. Philipp II. von Spanien erhebt Erbansprüche als Sohn einer Tochter Emanuels, nimmt 1580 das Land in Besitz. Als spanische Provinz (1580–1640) verliert Portugal einen großen Teil seiner Kolonien (Molukken, Sunda-Inseln, Ceylon) an die Niederländer. 1640 Erhebung gegen die spanische Herrschaft; eine fast unblutige Revolution erhebt das Haus Braganza (König Johann IV.) auf den Thron, das ihn bis 1910 behauptet.

§ 6. England und Schottland.

1485–1603.

Haus Tudor (s. s. 213).

1485–1509.

Heinrich VII. erhöht das Ansehen der Krone, indem er dem Adel verbietet, bewaffnetes Gefolge zu halten (Gerichtshof der Sternkammer gegen Aufruhrversuche) und die Finanzen ordnet. Er versucht ganz Irland zu unterwerfen (S. 192). Seine Tochter Margarete vermählt mit Jakob IV., König von Schottland (aus dem Hause Stuart, s. S. 212).

1509–1547.

Heinrich VIII., grausam und tyrannisch. Er ist sechsmal vermählt, nämlich mit: 1. Katharina von Aragon, Schwester der »wahnsinnigen« Johanna (S. 225), Witwe seines Bruders Arthur, Mutter von Maria der Katholischen (geschieden). 2. Anna Boleyn, Mutter der Elisabeth (hingerichtet). 3. Johanna Seymour († nach der Geburt ihres Sohnes Eduard VI.). 4. Anna von Cleve (geschieden). 5. Katharina Howard (hingerichtet). 6. Katharina Parr (überlebt den König). Die verweigerte Scheidung von der ersten Gemahlin (Kardinal Wolsey, gestürzt 1529) wird für den anfangs streng katholischen König (Defensor fidei) Grund zur Trennung der englischen Kirche vom Papsttum (1531). Der König kirchliches Oberhaupt. Blutige Verfolgung aller den Suprematseid Verweigernden (der Kanzler Thomas More † 1535); Einziehung vieler Klöster, aber Beibehaltung katholischer Lehren (die 6 Artikel).

Stammtafel der Familien Tudor und Stuart (S. 213):

Heinrich VII. †1509.
______________|_____________________________________
| | |
Heinrich VIII. Margarete, Maria,
†1547. Gem. Jakob IV. Gem. Hz.
| v. Schottland. v. Suffolk
Maria d. Katholische | |
†1558. Jakob V. |
Elisabeth †1603. v. Schottland Franziska,
Eduard VI. †1553. †1542. Gem. Henry Gray.
Gem. Maria |
v. Guise. Johanna Gray
| †1554.
Maria (Stuart) †1587.
Gem. Darnley.
|
Jakob VI. v. Schottland †1625.

1547–1553.

Eduard Vl., 10 Jahre alt. Die Regierung geleitet von dem Protektor Herzog von Somerset, dann von Graf Warwick, Herzog von Northumberland. Nun erst finden die Lehren der Reformation in England Eingang. Gründung der episkopalen Hochkirche (High Church). Book of common prayer und Glaubensbekenntnis in 42 Artikeln, verfaßt von Thomas Cranmer, Erzbischof von Canterbury.

1553–1558.

Maria die Katholische, »die Blutige«. Northumberlands Versuch, Johanna Gray, die Gemahlin seines Sohnes, auf den Thron zu setzen, mißlingt; alle drei werden hingerichtet. Maria vermählt sich mit Philipp II. von Spanien, dem aber keine Regierungsrechte zugestanden werden. Wiederherstellung der katholischen Religion. Grausame Verfolgung der Protestanten, Erzbischof Cranmer und viele andere verbrannt. Calais an Frankreich verloren (s. S. 236).

1558–1603.

Elisabeth. Wiederherstellung der anglikanischen Kirche (Episkopalkirche), protestantische Lehre mit Beibehaltung der katholischen Hierarchie und teilweise des Kultus. Glaubensbekenntnis die 39 Artikel. Zahlreiche Dissenters (Presbyterianer, Puritaner). Handel und Schiffahrt entwickeln sich, besonders seit der Vernichtung der Armada. Entdeckungsreisen (Franz Drake, zweite Erdumsegelung 1577 bis 1580, S. 223). Ansiedelungen in Nordamerika, Walther Raleigh gründet die Kolonie Virginia 1584. Ostindische Kompagnie 1600. Die Kaufleute der deutschen Hanse werden 1598 aus ihrem Hause in London, dem Stalhof, vertrieben, erhalten es jedoch später noch einmal zurück. — Unter Elisabeths Regierung lebt der große dramatische Dichter William Shakespeare (1564 bis 1616 und der Philosoph Franz Bacon von Verulam, 1561 bis 1626).

1587. 8. Febr.

Hinrichtung der Königin Maria Stuart.

Maria Stuart, Tochter Jakobs V. von Schottland und der Maria von Guise (S. 236), Urenkelin Heinrichs VII. von England, geb. 1542, zuerst vermählt mit Franz II. von Frankreich († 1560), nimmt nach dem Tode der Königin Maria der Katholischen den Titel Königin von England an. Nach dem Tode ihres Gemahls Franz übernimmt sie die Regierung in Schottland (1561). Streit mit den schottischen Calvinisten. (John Knox, in Genf mit Calvin befreundet, † 1572). Maria heiratet ihren Vetter Heinrich Darnley, der ihren Günstling Riccio ermorden läßt (1566) und dann unter Mitwissenschaft der Königin von Bothwell ermordet wird (1567). Maria heiratet gleich darauf in dritter Ehe den Mörder Bothwell. Aufstand der Schotten, Maria gefangen, ihr und Darnleys einjähriger Sohn Jakob als König anerkannt. Maria entflieht nach England (1568). Hier wird sie bis 1587 gefangen gehalten und zuletzt in Fotheringhay wegen Teilnahme an Verschwörungen gegen das Leben Elisabeths hingerichtet.

1588.

Krieg mit Spanien, Vernichtung der spanischen Armada (130 große Schiffe) durch Seegefechte im Kanal und durch Stürme an den Küsten von Schottland und Irland (S. 244). Eine englische Flotte (unter Graf Essex und Admiral Howard) erobert 1596 Cadiz und kehrt mit reicher Beute zurück. Graf Essex, Günstling der Königin, wird darauf nach Irland gesandt, um den Aufstand dort zu dämpfen, kehrt eigenmächtig zurück, wird wegen Empörung hingerichtet (1601). Die von Spanien unterstützten katholischen Iren 1601 besiegt. Irland damit endgültig unterworfen (S. 245, 192). Nach Elisabeths Tode folgt in England als Erbe des Hauses Tudor das in Schottland (S. 212) seit 1371 regierende

1603–1649 (1714).

Haus Stuart. Personal-Union zwischen England und Schottland.

1603–1625.

Jakob I. (als König von Schottland Jakob VI.), Sohn der Maria Stuart, in Schottland calvinisch erzogen, bekennt sich dann zur anglikanischen Kirche. Das Fehlschlagen der Hoffnungen, welche die Katholiken auf ihn als Sohn der Maria Stuart gesetzt hatten, bewirkt die sogenannte Pulververschwörung (1605). Doch wird der Plan, König und Parlament in die Luft zu sprengen, noch rechtzeitig vereitelt. Streitigkeiten mit dem Parlament wegen der schlechten Finanzwirtschaft des Königs und der geplanten Vermählung des Thronfolgers mit einer spanischen Infantin.

1625–1649.

Karl I., Gemahl der katholischen Henriette von Frankreich, strebt nach unumschränkter Gewalt des Königtums. Geldverlegenheiten nötigen ihn zur Erhöhung des »Tonnen- und Pfundgeldes«, einer Steuer für ein- und ausgeführte Waren, und dann nach vergeblicher Auflösung von zwei Parlamenten zur Bewilligung der Bitte um Recht (Petition of Right 1628) gegen willkürliche Besteuerung und Verhaftung englischer Bürger. Karls Günstling, der Herzog von Buckingham, wird ermordet, als er in Portsmouth den Befehl über die zum Entsatz von La Rochelle (s. S. 239) bestimmte Flotte übernehmen will.

Nach Auflösung des dritten Parlaments (1629) regiert Karl 11 Jahre lang willkürlich ohne Parlament. Seine Ratgeber Lord Strafford, früher Mitglied der Oppositionspartei im Unterhause, und Erzbischof Laud. Willkürliche Erhebung des »Schiffsgeldes«, einer Geldabfindung der Seestädte für die Stellung von Schiffen zum Küstenschutz; John Hampden verweigert die Zahlung dieser Abgabe, wird gerichtlich dazu verurteilt. Dieser Prozeß ruft große Aufregung hervor. Auswanderung bedrückter Puritaner (John Milton ihr Dichter † 1674) nach den amerikanischen Kolonien, Boston gegründet 1630.

1637.

Der unkluge Versuch, die Liturgie und Verfassung der englischen Episkopalkirche in Schottland einzuführen, bewirkt offenen Aufruhr und einen förmlichen Bund der Schotten (Covenant) zum Schutze der religiösen und politischen Rechte und Freiheiten ihres Landes. Um Geld zum Kriege gegen die Schotten zu erlangen, beruft der König (April 1640) ein Parlament. Dieses bewilligt nichts, sondern erneuert die alten Beschwerden. Ein kleines, durch freiwillige Spenden und Darlehen der königlich Gesinnten aufgebrachtes Heer marschiert gegen die Schotten, wird aber zurückgeschlagen.

1640. Nov.

Karl beruft von neuem ein Parlament. Dieses, das sogenannte Lange Parlament, wird bald mächtiger als der König. Der Minister Strafford, vom Unterhause vor dem Oberhause angeklagt, wird trotz seiner glänzenden Verteidigung verurteilt und hingerichtet. Erzbischof Laud verhaftet und später ebenfalls hingerichtet. Ein Aufstand der katholischen Irländer vermehrt den Unwillen des englischen Volkes. Der Versuch des Königs, 5 Häupter der Opposition persönlich im Parlament zu verhaften, bringt den Aufruhr in London zum Ausbruch (1642). Parteinamen der Kavaliere (Royalisten) und der Rundköpfe (Republikaner). Karl verläßt London und geht nach York.

1642–1649.

Bürgerkrieg in England; den Truppen des Königs tritt ein Parlamentsheer entgegen. Der König, anfangs siegreich, beruft das Parlament nach Oxford (1644), wo sich 83 Lords und 165 Mitglieder des Unterhauses einfinden. Dagegen Vereinigung der Schotten mit dem englischen Parlamentsheere. Die Königlichen werden bei Marstonmoor (der Reiterführer Cromwell) und 1645 bei Naseby geschlagen. Karl, in Oxford belagert, flieht zu den Schotten, die ihn an das englische Parlament ausliefern (Januar 1647).

Während des Bürgerkrieges wird die Episkopalkirche in England aufgehoben; gegen die Presbyterianer aber, die zum Vergleich mit dem Könige geneigt sind, erhebt sich die Partei der Independenten, an ihrer Spitze Oliver Cromwell. Sie erlangen das Übergewicht im Heere und bemächtigen sich auch des gefangenen Königs. Cromwell schlägt die jetzt zu Gunsten Karls in England einfallenden Schotten bei Preston und verjagt seine presbyterianischen Gegner aus dem Parlament (1648). Das nunmehrige Rumpfparlament (Rump-Parliament) setzt den König ab und läßt ihn durch einen Gerichtshof verurteilen.

1049.

30. Jan. Karl I. zu Whitehall in London hingerichtet.

Abschaffung des Oberhauses. England wird Republik, geleitet von dem Parlament und einem Staatsrat von 42 Mitgliedern.

§ 7. Der Norden und Osten.

Christian II. von Dänemark (1513–23) versucht Schweden zu unterwerfen (vgl. S. 216), aber das Stockholmer Blutbad (1520) führt die vollständige Auflösung der skandinavischen Union herbei. Aufstand der Talbewohner (Dalkarlar) unter Gustav Wasa (geb. 1496, als Geisel nach Dänemark geführt 1518, flüchtet 1519 nach Lübeck, kehrt 1520 insgeheim zurück). Er wird 1521 zum Reichsverweser, 1523 zum König erwählt, nimmt Stockholm ein mit Hilfe der hansischen, von Lübeck und Danzig gestellten Kriegsflotte.

1523–1654.

Haus Wasa in Schweden. Unter Gustav I. Wasa (1523–1560) Einführung der Reformation. Der Thron erblich; die Handelsprivilegien der deutschen Hanse werden bald beschränkt, schließlich aufgehoben (S. 201, 246).

1561.

Auflösung des deutschen Ordensstaates in Kurland, Livland und Estland (S. 217). Der größte Teil seines Gebiets kommt an Polen, Estland an Schweden; der letzte Landmeister Gotthard Kettler wird als Herzog von Kurland polnischer Vasall.

Gustav Wasas ältester, geisteskranker Sohn Erich XIV. wird 1568 entthront von seinem Bruder Johann III. Dessen Sohn Sigismund katholisch und seit 1587 König von Polen, wird in Schweden 1598 verdrängt von seinem Oheim Karl IX., dem jüngsten Sohne Gustavs I. Dieser ordnet die zerrüttete Verwaltung des Landes und behauptet gegen Polen den Besitz Estlands. Sein Sohn

1611–1632.

Gustav II. Adolf gewinnt im Kriege mit Rußland Karelien und Ingermanland (1617), im Kriege mit Polen (S. 256), Livland (1621), schließt 1629 unter Richelieus Vermittelung mit Polen Waffenstillstand, um den Krieg in Deutschland (S. 256) zu beginnen. Ihm folgt, zuerst unter Vormundschaft des Reichsrats, seine Tochter

1632–1654.

Christine, gelehrt, aber ohne Lust für die Regierungsgeschäfte. Sie dankt 1654 ab zu Gunsten ihres Vetters Karl Gustav von Pfalz-Zweibrücken (Sohn einer Schwester Gustav Adolfs), wird dann katholisch, stirbt in Rom 1689.

Dänemark und Norwegen bleiben bis 1815 vereinigt. Schon unter Christian II., Schwager Kaiser Karls V., dringt die Reformation in Dänemark ein. Christian von seinem Oheim, dem Herzog von Schleswig-Holstein, verdrängt, der als Friedrich I. (1523–1533) mit Hülfe Lübecks den dänischen Thron besteigt und die Reformation begünstigt.

1534–1536.

Die Grafenfehde: Jürgen Wullenwever, protestantischer Bürgermeister von Lübeck, unterstützt den Grafen Christoph von Oldenburg gegen Friedrichs I. Sohn Christian III. Dieser aber behauptet die Herrschaft in Dänemark (1534–1559) und führt die Reformation vollständig durch. Wullenwever vom Erzbischof von Bremen verhaftet, an den Herzog von Braunschweig ausgeliefert, 1537 in Wolfenbüttel hingerichtet.

1559–1588.

Friedrich II. beginnt seine Regierung mit der Unterwerfung der Dithmarschen (S. 216), führt

1563–1570

im Bunde mit Lübeck Krieg gegen Schweden, beschränkt die Privilegien der Hansa.

1588–1648.

Christian IV., nimmt am 30jährigen Kriege teil (s. S. 255). Im Frieden zu Brömsebro 1645 werden von ihm an Schweden die Provinzen Jämtland und Herjedalen, die Inseln Gotland und Ösel abgetreten, auch wird den schwedischen Schiffen Freiheit vom Sundzoll zugestanden.

Polen gewinnt unter den Jagellonen (1386–1572) seine größte Ausdehnung (Ostsee, Karpathen, Schwarzes Meer), doch schon in dieser Zeit entwickelt sich durch die Privilegien des zahlreichen Adels der Keim des Verfalls. Seit 1572 ist Polen Wahlreich. Einführung des liberum veto auf den Reichstagen. Wahlkönige: Heinrich von Anjou (s. S. 237), Stephan Bathŏry von Siebenbürgen, dann (1587–1668) 3 Könige aus dem Hause Wasa: Sigismund III. † 1632, Wladislaw IV. † 1648, Johann Kasimir (dankt ab 1668).

Rußland unter Iwan IV., dem Schrecklichen (1533 bis 1584) vergrößert durch Eroberung der Reiche Kasan und Astrachan; der Kosakenhetman Jermak beginnt 1581 die Eroberung Sibiriens. Nach dem Aussterben des Hauses Rurik mit Iwans IV. Sohn Feodor I. 1598 (Feodors jüngerer Bruder Demetrius war von Boris Godunow [Zar von 1598–1605] umgebracht worden) mehrjähriger Thronstreit; 1605–1606 regiert der von Polen unterstützte falsche Demetrius, dem dann noch zwei andere folgen. Ein Reichstag zu Moskau erhebt 1613 Michael Romanow auf den Thron, dessen Haus bis 1762 regiert.

Das Reich der osmanischen Türken erreicht seine höchste Blüte unter Soliman II. (1520–1566), dem Zeitgenossen Kaiser Karls V. (vgl. S. 230–232). Er stirbt in Ungarn bei der Belagerung der von Zriny tapfer verteidigten Feste Szigeth (1566). Unter seinen Nachfolgern beginnt der Verfall, namentlich infolge der Unbotmäßigkeit der Janitscharen.

In China kommt die Dynastie der Mandschu oder Tsing zur Regierung (1644 bis jetzt noch). Im 17. Jahrh. der größte Teil der Dsungarei, ganz Turkestan und Tibet erobert. Auch den Russen, Franzosen und Engländern (Kanton) Handelsverkehr gestattet (S. 223f.).

Japan wird nach Abschaffung des Shogunats (1573–1603) dem Mikado nach und nach wieder Untertan. Ende des mehr als 500jährigen Bürgerkrieges. Begünstigung des Christentums. Unglücklicher Eroberungskrieg gegen Korea 1598.

1603.

Das Shogunat wird vom Mikado der Familie Tokugawa erblich übertragen. Ihre Residenz Tokio. Seitdem 250jähriger Friede und hohe Kulturentwickelung. Seiden- und Baumwollenindustrie, Aufschwung der Porzellanfabrikation. Unter den Tokugawa (1603–1867) Abschließung Japans gegen das Ausland. Fernhaltung der Fremden. 1614 die fremden Priester für Landesfeinde erklärt und Ausrottung des Christentums befohlen; grausame Verfolgungen. Erst seit dem Niedergang der Tokugawa-Herrschaft Handelsbeziehungen mit Europa und Amerika angeknüpft und von 1854 an einzelne Häfen geöffnet.

§ 8. Deutschland, Dreißigjähriger Krieg.

1556–1564.

Ferdinand I., seit 1526 König von Böhmen und Ungarn; doch muß er die größere Hälfte Ungarns den Türken überlassen. Unter ihm und seinem Nachfolger Friedenszeit in Deutschland, aber die Ostseeprovinzen (S. 249) und die Niederlande (S. 242ff.) gehen dem Deutschtum verloren. Während die Protestanten sich durch theologische Streitigkeiten entzweien (Haß der strengen Lutheraner an der 1548 eröffneten Universität Jena gegen den »Kryptocalvinismus« Melanchthons), befestigt sich der Katholizismus durch das eifrige Wirken der Jesuiten (S. 231) und das Tridentinum (S. 232). Beginn der Gegenreformation in Österreich, Bayern und den geistlichen Fürstentümern.

1564–1576.

Maximilian II., mild und den Protestanten zugetan, denen er in seinen Erblanden freie Religionsübung gestattet. Doch wird Herzog Johann Friedrich von Sachsen-Gotha, der im Bunde mit dem gewalttätigen Reichsritter v. Grumbach die Länder seines Vaters (S. 232 f.) wiederzugewinnen trachtet, 1566 geächtet und bis an seinen Tod (1595) in Österreich gefangen gehalten (Grumbachsche Händel).

1576–1612.

Rudolf II., von den Jesuiten erzogen, gelehrt, aber unfähig zu regieren. Die Astronomen Tycho de Brahe (aus Schonen, † 1601) und Kepler (S. 227) an seinem Hofe in Prag.

Im Reiche nehmen Streitigkeiten überhand. Sonderung der Lutheraner von den Reformierten durch die Konkordienformel, 1580 zuerst in Sachsen verkündet, aber nicht von allen lutherischen Landeskirchen angenommen. Auf den Reichstagen Streit über den geistlichen Vorbehalt (S. 234). Der Kurfürst von Köln Gebhard Truchseß von Waldburg 1583 vertrieben, weil er zum Protestantismus übertritt. In Straßburg 1592 zwiespältige Bischofswahl; der von den Protestanten gewählte Administrator muß 1604 zurücktreten. Die Reichsstadt Donauwörth, vom Kaiser in die Acht erklärt, weil das Volk eine katholische Prozession gestört hatte, wird von Maximilian von Bayern, der die Acht vollstreckt (1607), besetzt und mit Bayern vereinigt. Deshalb

1608.

Gründung der protestantischen Union; Oberhaupt der reformierte Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz;

1609.

Katholische Liga, Oberhaupt Herzog Maximilian von Bayern. Beide Fürsten sind Wittelsbacher (S. 200, Anm. 2); Sachsen bleibt der Union fern.

1609–1014.

Jülich-Clevescher Erbfolgestreit. Johann Sigismund von Brandenburg und Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg nehmen das Land als das Erbe ihrer Gemahlinnen nach dem Tode des letzten Herzogs Johann Wilhelm gemeinsam in Besitz und werden von der Union gegen den vom Kaiser gesandten Erzherzog Leopold Wilhelm geschützt. Später entzweien sie sich, Wolfgang Wilhelm wird katholisch und ruft die Hilfe der Liga und Spaniens an. Johann Sigismund tritt zur reformierten Lehre über und findet Rückhalt an Holland und Heinrich IV. von Frankreich († 1610, S. 238), doch wird ein Krieg vermieden.

Vertrag zu Xanten 1614: Cleve, Mark und Ravensberg kommen an Brandenburg, Jülich und Berg an Pfalz-Neuburg. Spanische und holländische Besatzungen bleiben noch längere Zeit, erst 1666 wird der Vertrag vollständig ausgeführt.

Kaiser Rudolf, von seinem Bruder Matthias gezwungen, ihm Ungarn, Mähren und Österreich zu überlassen, gibt den Böhmen, um sie für sich zu gewinnen, den

1609.

Majestätsbrief. Dieser gestattet allen Bewohnern Böhmens den Anschluß an die »utraquistische«, auf entschieden protestantischem Standpunkt stehende Böhmische Konfession von 1575 und erlaubt den 3 Ständen der Herren, Ritter und königlichen Städte den Bau von Kirchen. Der zugleich abgeschlossene, vom Kaiser anerkannte ständische Vergleich gibt diese Erlaubnis auch den Untertanen auf den königlichen Gütern.

1611.

Rudolf verliert auch die Herrschaft über Böhmen, stirbt 1612 machtlos in Prag.

1612–1619.

Matthias verschafft, da er kinderlos ist und seine Brüder Verzicht leisten, seinem streng katholischen, von den Jesuiten erzogenen Vetter Ferdinand, Herzog von Steiermark, Kärnten und Krain, die Nachfolge auch in Böhmen und Ungarn, trotz des Widerwillens der protestantischen Stände.

1618–1648.

Der Dreißigjährige Krieg.

Versuch des Hauses Habsburg, im Bunde mit der katholischen Kirche die Machtstellung des Kaisertums zu erhöhen. In den drei ersten Abschnitten des Krieges überwiegt die religiöse Parteiung; aus dem Aufstand in Böhmen entwickelt sich ein großer Kampf des katholischen Europa gegen das protestantische. Zuletzt führen Schweden und Frankreich im Kampf gegen das Haus Habsburg Eroberungskriege auf deutschem Boden.

1. Böhmisch-pfälzischer Krieg 1618–1623.

Veranlassung: Schließung der utraquistischen Kirche in Braunau im Gebiet des dortigen Abts und Niederreißung der Kirche in Klostergrab im Sprengel des Erzbischofs von Prag, also in Gebieten geistlicher Stände, welche nach Auffassung der Protestanten kraft der böhmischen Landesverfassung als königliche Güter zu betrachten waren. Versammlung der 1609 mit Zustimmung des Kaisers eingesetzten Defensoren und der protestantischen Stände.

1618. 23. Mai.

Aufstand in Prag; an der Spitze steht Graf Matthias von Thurn. Die Statthalter Martinitz und Slawata und der Geheimschreiber Fabricius werden aus den Fenstern der kaiserlichen Burg hinausgestürzt, kommen aber mit dem Leben davon. Die Aufständischen übertragen die Regierung Böhmens an 30 Direktoren. Aus Italien kommt Graf Ernst von Mansfeld zu Hilfe, gesandt vom Herzog von Savoyen; aus Schlesien zieht Markgraf Johann Georg von Jägerndorf herbei.

1619.

Kaiser Matthias stirbt; Graf Thurn zieht gegen Wien. Die österreichischen, meist protestantischen Stände stellen drohende Forderungen an Ferdinand, der durch die Ankunft einiger Truppen aus der gefährlichsten Lage gerettet wird. Thurn wird durch eine ungünstige Wendung des Krieges in Böhmen zum Abzug bewogen. Ferdinand begibt sich nach Frankfurt, wird dort von den drei geistlichen Kurfürsten und den Gesandten von Pfalz, Sachsen, Brandenburg zum Kaiser gewählt.

1619–1637.

Ferdinand II. Unterdessen sprechen die Böhmen seine Absetzung als König von Böhmen aus und wählen den jungen Friedrich V., Kurfürsten von der Pfalz, Oberhaupt der Union und der deutschen Calvinisten, Schwiegersohn Jakobs I., Königs von England.

Graf Thurn zum zweitenmal vor Wien, mit Bethlen Gabor, Fürsten von Siebenbürgen, vereinigt (Nov. 1619). Kälte, Mangel und der Einfall eines kaiserlichen Parteigängers in Ungarn bewirken den Rückzug.

Ferdinand verbündet sich mit seinem Jugendfreunde Maximilian, Herzog von Bayern, dem Haupt der katholischen Liga, welcher ihm die österreichischen Stände unterwerfen hilft, mit Spanien (Spinŏla bricht in die Kurpfalz ein) und mit dem lutherischen Kurfürsten Johann Georg von Sachsen, welcher die Lausitz und Schlesien wieder unterwirft. Maximilian von Bayern zieht mit dem Heere der Liga (Tilly) nach Böhmen, vereinigt sich mit dem kaiserlichen Feldherrn Buquoi. Beide siegen in der

1620. 8. Nov.

Schlacht auf dem Weißen Berge bei Prag über Friedrichs V., vom Fürsten Christian von Anhalt geführte Truppen. Friedrich, der »Winterkönig«, entflieht nach Holland, wird vom Kaiser trotz kurfürstlichen Protestes geächtet, ebenso Christian von Anhalt und der Markgraf von Jägerndorf. Strenges Walten der Sieger in Böhmen; die Häupter des Aufstandes hingerichtet, viele Güter eingezogen, der Protestantismus ausgerottet. Gewaltsame Gegenreformation auch in Österreich und (weniger hart) in Schlesien.

Die protestantische Union löst sich auf, als die Kriegsgefahr näher rückt. Das Kurfürstentum Pfalz wird in Vollstreckung der Reichsacht von Maximilians Feldherrn Tilly mit Hilfe spanischer Truppen unter Spinŏla erobert. Heidelberg erstürmt, die Bibliothek (Palatina) nach Rom gebracht. Tilly, 1622 bei Wiesloch von Mansfeld geschlagen, siegt bald darauf bei Wimpfen über den Markgrafen von Baden-Durlach, bei Höchst über Christian von Braunschweig, Administrator des Bistums Halberstadt.

1623.

Tilly dringt nach Westfalen vor, siegt bei Stadtlohn abermals über Christian, bleibt mit seinen Truppen im niedersächsischen Kreise zum Schutz der geistlichen Gebiete. Herzog Maximilian erhält auf dem Fürstentag zu Regensburg die pfälzische Kurwürde und die Oberpfalz, Sachsen die Lausitz (zunächst als Pfand).

2. Dänisch-niedersächsischer Krieg 1625–1629.

Christian IV., König von Dänemark (S. 250) und Herzog von Holstein, als Oberster des niedersächsischen Kreises (S. 224) an der Spitze der Protestanten, von Holland und England zur Wiedereinsetzung Friedrichs V. angetrieben, aber unzureichend unterstützt.

Albrecht von Wallenstein (eig. Waldstein) geb. 1583 in Böhmen, aus utraquistischer Familie, aber katholisch erzogen, 1619 Oberst, 1623 Fürst, 1625 Herzog von Friedland, wird kaiserlicher Obergeneral über ein von ihm selbst errichtetes, durch ein Raubsystem zu erhaltendes Söldnerheer.

1626.

Wallenstein schlägt Mansfeld bei der Dessauer Brücke, verfolgt ihn durch Schlesien und Mähren nach Ungarn, wo sich Mansfeld mit Bethlen Gabor vereinigt, aber von diesem keine Hilfe erhält. Mansfeld stirbt in Bosnien. (»Imperatorem decet stantem mori!«)

1626. Aug.

Tilly schlägt Christian IV. bei Lutter am Barenberge in Braunschweig. Tilly und Wallenstein erobern Holstein (1627), Wallenstein allein Schleswig und Jütland. Er besetzt Mecklenburg, wird vom Kaiser 1628 mit diesem Herzogtum belehnt und zum General des Baltischen und Ozeanischen Meeres ernannt. Er zwingt den Herzog von Pommern zur Unterwerfung, erhält aber von den Hansestädten keine Schiffe und belagert vergebens Stralsund (1628), dessen Bürger sich mit dänischer und schwedischer Hilfe zehn Wochen lang tapfer verteidigen. Sein Unterfeldherr Arnim zieht darauf mit 15000 Mann nach Westpreußen, um die Polen gegen Gustav Adolf (S. 250) zu unterstützen.

1629.

Friede zu Lübeck zwischen dem Kaiser und Christian IV. Dieser erhält seine Länder zurück, entsagt aber jeglicher Teilnahme an den deutschen Streitigkeiten. Ferdinand II. erläßt das

Restitutionsedikt: 1. Auf Grund des geistlichen Vorbehaltes (S. 234) sollen die seit dem Passauer Vertrage 1552 von protestantischen Fürsten in Besitz genommenen geistlichen Güter herausgegeben werden. Dies betrifft 2 Erzbistümer: Magdeburg und Bremen; 12 Bistümer: Minden, Verden, Halberstadt, Lübeck, Ratzeburg, Meißen, Merseburg, Naumburg (diese drei werden jedoch dem Kurfürsten von Sachsen ausnahmsweise belassen), Brandenburg, Havelberg, Lebus und Kammin, außerdem viele Klöster und Stifter. 2. Nur die Bekenner der Augsburgischen Konfession sollen freie Religionsübung haben, alle anderen »Sekten« — also auch die Reformierten — sollen aufhören. — Anfang rücksichtsloser Ausführung des Resitutionsedikts durch die Truppen der Liga und Wallensteins.

1630.

Kurfürstentag zu Regensburg.

Die katholischen Kurfürsten, gestützt auf die lauten Klagen aller Reichsstände über die von Wallensteins Truppen verübten Grausamkeiten und Erpressungen, erlangen vom Kaiser Ferdinand II. die Absetzung Wallensteins.

3. Schwedischer Krieg 1630–1635.

1630. Juni

Gustav II. Adolf, König von Schweden, landet auf der Insel Usedom.

Zwecke und Gründe seiner Einmischung: Schutz der unterdrückten Protestanten; Wiedereinsetzung der Herzöge von Mecklenburg, seiner Verwandten; Sicherung seiner Herrschaft gegen die mit dem Kaiser verbündete polnische Linie des Hauses Wasa (s. S. 250); Besorgnis vor der Begründung einer kaiserlichen Seemacht auf der Ostsee.

Damalige Machtstellung Schwedens: Finnland, Karelien, Ingermanland, Estland, Livland (S. 249 f.), gehörten zu Gustav Adolfs Reiche, Kurland stand unter schwedischem Einfluß. Es lag für einen ehrgeizigen Monarchen nahe, an die Erwerbung von Preußen und Pommern zu denken, welche das Baltische Meer völlig unter den beherrschenden Einfluß Schwedens gebracht hätte.

Nach der Eroberung der Inseln Usedom, Wollin und Rügen besetzt Gustav Adolf Stettin, schließt ein Bündnis mit Herzog Bogislaw XIV., vertreibt die kaiserlichen Truppen aus Pommern. Subsidienvertrag mit Frankreich (Richelieu). Er rückt an der Oder vor, wo ihm Tilly entgegentritt (1631), wendet sich nach Mecklenburg, dann zur Oder zurück, nimmt die Stadt Frankfurt ein. Inzwischen hat Tilly Magdeburg zu belagern begonnen. Gustav Adolf unterhandelt mit seinem Schwager Georg Wilhelm, Kurfürsten von Brandenburg, der Bedenken trägt, vom Kaiser abzufallen; endlich wird ihm die Festung Spandau eingeräumt. Weitere Unterhandlungen mit Kurfürst Johann Georg von Sachsen, der neutral zu bleiben versucht. Währenddessen

1631.

(10./20. Mai.) Eroberung Magdeburgs durch Tilly. Der Sturm geleitet von Pappenheim. Furchtbares Blutbad und Plünderung durch die zügellosen Soldaten Tillys. Durch eine plötzlich an verschiedenen Stellen ausbrechende Feuersbrunst wird die Stadt Magdeburg mit Ausnahme des Domes in Asche gelegt (nicht auf Tillys Befehl).

Tilly will den Kurfürsten von Sachsen zum Anschluß an den Kaiser zwingen. Johann Georg ruft Schwedens Hilfe an.

1631. 7. / 17.Sept.

Schlacht bei Leipzig oder Breitenfeld. Zuerst werden die Sachsen von Tilly in die Flucht geschlagen, dann glänzender Sieg Gustav Adolfs.

Die Sachsen unter Arnim, dem früheren Unterfeldherrn Wallensteins, rücken in Böhmen ein und nehmen Prag. Gustav Adolf zieht durch Thüringen und Franken nach dem Rhein (über Erfurt, Würzburg, Hanau, Frankfurt). Die Pfalz erobert. Mainz besetzt, hier Winterquartiere.

Wallenstein, vom Kaiser wieder zum Kommando und unbeschränkten Oberbefehl über alle kaiserlichen Truppen berufen, wirbt ein neues Heer und vertreibt (Mai 1632) die Sachsen aus Böhmen. Gustav Adolf zieht nach Nürnberg und siegt über Tilly bei Rain am Lech (5./15. April). Tilly, tödlich verwundet, stirbt in Ingolstadt.

Gustav Adolf nimmt Augsburg ein, belagert vergeblich Maximilian in Ingolstadt, zwingt München zur Übergabe. Wallenstein von Maximilian zu Hilfe gerufen.

1632. Juli–Sept.

Festes Lager bei Nürnberg. Gustav Adolf und Wallenstein lagern einander 7 Wochen gegenüber. Ein Angriff der Schweden auf Wallensteins Verschanzungen wird blutig zurückgeschlagen. Darauf rückt Gustav Adolf gegen die Donau, Wallenstein nach Sachsen. Auf den Hilferuf des Kurfürsten kommt Gustav Adolf in Eilmärschen herbei, vereinigt sich mit Bernhard von Weimar und greift, als er hört, daß Wallenstein von Leipzig aus Pappenheim nach Nordwesten abgesandt hat, die Kaiserlichen (etwa 18000 gegen 20000 Schweden) an.

6./16. Nov.

Schlacht bei Lützen. Gustav Adolf fällt. Pappenheim, der, schnell zurückgerufen, von 3 Uhr ab mit seinen Reitern an der Schlacht teilgenommen hatte, war kurz vor dem König tödlich verwundet worden. Der Sieg der Schweden wird durch Bernhard von Weimar vollendet.

Bernhard, Gustav Horn und Banér erhalten den Befehl über die schwedischen Heere. Die politische Leitung übernimmt der schwedische Reichskanzler Axel Oxenstierna; er schließt den Heilbronner Bund: Schweden an der Spitze der 4 oberdeutschen Reichskreise (Baden, Württemberg, Hessen-Kassel, die süddeutschen Reichsstädte).

1633.

Zug Bernhards’ von Weimar nach Franken. Er läßt sich von dem schwedischen Kanzler mit den Bistümern Würzburg und Bamberg als Herzogtum Franken belehnen und besetzt die Oberpfalz.

Wallenstein rückt aus Böhmen nach Schlesien vor, nimmt bei Steinau an der Oder ein schwedisches Korps gefangen, kehrt dann aber nach Böhmen zurück und weigert sich, dem Kurfürsten Maximilian von Bayern abermals zu Hilfe zu kommen, obgleich Regensburg (14. Nov.) von Bernhard von Weimar besetzt ist. Spannung zwischen Wallenstein und dem kaiserlichen Hofe. Die ihm feindliche ligistisch-spanische Partei will ihn vom Oberbefehl entfernen. Wallenstein führt geheime Unterhandlungen mit den Sachsen, Schweden und Franzosen. Er beabsichtigt, sich durch sein Heer (Revers der Obersten in Pilsen) eine unabhängige Stellung zu verschaffen, den Kaiser von der Herrschaft der spanischen Partei zu befreien und den Reichsfrieden herzustellen.

Der Wiener Hof macht ihm die Hauptführer der Truppen (Gallas, Piccolomini, Aldringen, Maradas, Colloredo) abwendig; Ilow, Terzka, Kinsky bleiben Wallenstein treu. Ein kaiserliches Patent vom 18. Februar 1634 erklärt Wallenstein für abgesetzt, weil »er eine Konspiration anzuspinnen sich angemaßt, Uns und Unser hochlöbliches Haus von unserem Erbkönigreich, Land und Leuten zu vertreiben«. Wallenstein verläßt Pilsen und zieht nach Eger, wohin auch Bernhard von Weimar und Arnim kommen sollen.

1634. 25. Febr.

Wallenstein ermordet zu Eger auf Veranstaltung des irischen Obersten Butler, der mit Gallas und Piccolomini im Einverständnis war. Der Kaiser hat den Mord nicht befohlen, aber die Mörder mit Ehren und Reichtümern belohnt.

6./16. Sept.

Schlacht bei Nördlingen, Sieg der mit einem spanischen Hilfskorps vereinigten Kaiserlichen (unter Ferdinand, des Kaisers Sohn, und Gallas) und Bayern (Johann von Werth) über die Schweden unter Horn und Bernhard von Weimar. Die süddeutschen Protestanten suchen Hilfe bei Frankreich.

1635.

Friede zu Prag, zwischen dem Kaiser und dem Kurfürsten von Sachsen: 1. Der Kurfürst von Sachsen erhält die Lausitz erblich, das Erzbistum Magdeburg für seinen zweiten Sohn August auf Lebenszeit. 2. Die geistlichen Güter (s. S. 255) sollen den protestantischen Besitzern auf 40 Jahre verbleiben. 3. Gemeinsame Bekämpfung der Schweden und ihrer Bundesgenossen. — Brandenburg und andere protestantische Reichsstände treten diesem Frieden bei; einige aber bleiben dem Bündnis mit Schweden treu.

4. Schwedisch-französischer Krieg 1635–1648.

Frankreich, durch Richelieus Politik mit Schweden eng verbündet (S. 256), erklärt dem Kaiser, bald auch dem König von Spanien den Krieg. Subsidienvertrag mit Bernhard von Weimar, welcher sich, da er infolge der Schlacht bei Nördlingen sein Herzogtum Franken verloren hat, im Elsaß einen neuen Staat zu erobern sucht. Einnahme von Breisach 1638. Nach seinem Tode 1639 bemächtigt sich Frankreich seines Heeres und seiner Eroberungen.

1636.

Sieg der Schweden (nachdem sie fast bis an die Ostsee zurückgedrängt gewesen waren) unter Banér bei Wittstock über das kaiserlich-sächsische Heer.

1637.

Kaiser Ferdinand II. †. Sein Sohn

1037–1657.

Ferdinand III., zum Frieden geneigt. Das pommersche Herzoghaus erlischt (1637).

1640.

Georg Wilhelm †. Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg (der Große Kurfürst, 1640–1688. S. auch Anhang):

1641.

Friedensverhandlungen in Hamburg, ein Kongreß verabredet.

1642.

Zweite Schlacht bei Leipzig (Breitenfeld), Banérs Nachfolger Torstenson siegt über die Kaiserlichen unter Erzherzog Leopold Wilhelm und Piccolomini, dringt darauf durch Böhmen nach Mähren vor. Die feindliche Haltung des auf Schwedens Erfolge eifersüchtigen Dänenkönigs Christian IV. (S. 255) veranlaßt ihn zur Umkehr.

1643. Sept.

Torstenson zieht in Eilmärschen durch Schlesien, Sachsen, Braunschweig nach dem Norden, erobert Holstein und Schleswig, rückt in Jütland ein.

Unterdessen dringen die Franzosen in Schwaben vor, werden aber bei Tuttlingen von einem österreichisch-bayrischen Heere (unter Mercy und Johann von Werth) geschlagen.

1644.

Die Gesandten der Krieg führenden Staaten versammeln sich in Münster und Osnabrück; langwierige Vorverhandlungen. Der Marschall Turenne und der 23jährige Herzog von Enghien, später Prinz Condé, erhalten den Oberbefehl über die französischen Truppen. Sie zwingen die Bayern zum Rückzug und erobern einen großen Teil der Rheinlande (Worms, Mainz, Bingen u. a. Städte).

1645. Jan.

Ein den Dänen zu Hilfe gesandtes kaiserliches Heer unter Gallas wird von Torstenson aus Holstein zurückgetrieben und bei Magdeburg fast vernichtet. Glänzender Sieg Torstensons über die Kaiserlichen

März.

bei Jankau (in Böhmen), worauf er, mit dem siebenbürgischen Fürsten Rakoczy verbündet, Mähren erobert und bis nahe vor Wien rückt.

Turenne, von Mercy und Johann von Werth bei Mergentheim (in Franken) geschlagen, siegt mit Condé vereinigt bei Allerheim (unweit Nördlingen).

Friede zwischen Schweden und Dänemark zu Brömsebro (s. S. 250).

Nach dem Mißlingen der Belagerung von Brünn geht Torstenson nach Böhmen zurück und legt wegen Krankheit den Oberbefehl nieder, welchen Wrangel erhält.

1646.

Schweden und Franzosen rücken in Bayern ein, zwingen den Kurfürsten Maximilian (1647), einen Waffenstillstand zu schließen.

1648.

Zweiter Einfall der Schweden und Franzosen in Bayern, nachdem Maximilian den Waffenstillstand gekündigt hat; furchtbare Verheerung des Landes. Der schwedische General Königsmark nimmt die Kleinseite von Prag auf dem linken Moldauufer ein.

1648.

Westfälischer Friede. Unterhandlungen von 1645 bis 1648 zu Münster mit den Franzosen, zu Osnabrück mit den Schweden. Der kaiserliche Gesandte Graf Trautmannsdorf.

A. Entschädigungen.

1. Schweden erhält als Reichslehen: Vorpommern mit Stettin, Rügen, Usedom und Wollin, die bisher mecklenburgische Stadt Wismar und die Bistümer Bremen (nicht die Stadt) und Verden (spr. Fērden) als weltliche Herzogtümer, dazu 5 Millionen Taler.

2. Frankreich erhält den Besitz der schon 1552 (s. S. 233) gewonnenen lothringischen Bistümer Metz, Toul und Verdun bestätigt; der Streit mit dem seit 1634 vertriebenen Herzog von Lothringen bleibt unerledigt (bis 1659, vgl. S. 262). Im Elsaß erhält es die österreichische Landgrafschaft (S. 195), den Sundgau und die Landvogtei über 10 Reichsstädte; diese Städte selbst verbleiben dem Reiche, ebenso Stadt und Bistum Straßburg. Auf dem rechten Rheinufer erhält Frankreich die Stadt Breisach und das Besatzungsrecht von Philippsburg.

3. Bayern bleibt im Besitz der Oberpfalz, Sachsen im Besitz der Lausitz; Brandenburg erhält Hinterpommern mit dem Bistum Kammin, die Bistümer Halberstadt und Minden und die Anwartschaft auf das Erzbistum Magdeburg (erworben 1680, S. 258). Hessen-Kassel erhält die Abtei Hersfeld und einen Teil der Grafschaft Schauenburg, Mecklenburg die Bistümer Schwerin und Ratzeburg, Braunschweig-Lüneburg ein Anrecht auf das Bistum Osnabrück, wo bis 1803 abwechselnd ein katholischer und ein evangelischer Bischof regiert.

B. Weltliche Reichsangelegenheiten.

1. Allgemeine Amnestie und Wiedereinsetzung in den Stand von 1618, doch bleibt die bayrische Linie des Hauses Wittelsbach im Besitz der Kurwürde; für die pfälzische wird eine neue, achte Kurwürde errichtet. 2. Den Reichsständen wird im Verhältnis zum Kaiser die Landeshoheit (Superioritas territorialis) zuerkannt, namentlich das Recht, Bündnisse unter sich und mit Auswärtigen, außer gegen Kaiser und Reich, zu schließen. 3. Die Republik der Niederlande (S. 244) und die Schweiz (S. 225) werden als unabhängig vom Reiche anerkannt.

C. Geistliche Angelegenheiten.

1. Der Augsburger Religionsfriede wird bestätigt und auf die Reformierten ausgedehnt. 2. In betreff der geistlichen Güter und der Religionsübung wird der 1. Januar 1624 (Annus normalis) als maßgebend festgesetzt.

Frankreich und Schweden garantieren den Frieden. Ihre Truppen verlassen erst 1650 nach Abzahlung der Kriegsentschädigungen das deutsche Gebiet.

Folgen des Dreißigjährigen Krieges.

1. Deutschland ist verwüstet und kommt nur langsam wieder empor. Das Deutsche Reich ist nach außen ohnmächtig, im Innern geschwächt durch die Selbständigkeit der vielen kleinen Staaten. Sinken der Städte, der Hansebund ist aufgelöst.[47]

2. Die Religionsfreiheit ist für Deutschland und dadurch auch für das übrige Europa gesichert. 3. Frankreich und Schweden gelangen zu besonderem Ansehen im europäischen Staatensystem.

Der brandenburgisch-preußische Staat beginnt sich zu entfalten. Er übernimmt fortan in Deutschland den Schutz der vom Kurfürsten von Sachsen preisgegebenen protestantischen Sache.

B. Vom Westfälischen Frieden bis zur französischen Revolution. (1648–1789.)

§ 1. Frankreich.

1643–1715.

Ludwig XIV., beim Tode seines Vaters Ludwig XIII. (S. 238) 5 Jahre alt, zunächst unter Vormundschaft seiner Mutter Anna, Tochter Philipps III. von Spanien; die Regierung leitet der Kardinal Mazarin.

1648–1653.

Unruhen der Fronde, veranlaßt durch den Widerstand des Pariser Parlaments gegen Mazarins Verordnungen. Eine unzufriedene Adelspartei schließt sich dem Widerstand an; Prinz Condé, anfangs für die Regierung kämpfend, entzweit sich ebenfalls mit Mazarin; dieser geht 1651 für kurze Zeit in die Verbannung. 1652 Kampf zwischen Condé und Turenne, der die königlichen Truppen befehligt, im Faubourg St. Antoine; Condé dringt in die Stadt Paris ein, wird aber bald beim Volke unbeliebt. Der Hof kehrt nach Paris zurück, Condé entweicht nach Spanien. Mazarin befestigt das Ansehen der Monarchie.

1648.

Frankreichs Erwerbungen im Westfälischen Frieden s. S. 260.

Der 1635 ausgebrochene Krieg mit Spanien (Sieg Condés bei Rocroy 1643) wird beendet durch den

1659.

Pyrenäischen Frieden:[48] 1. Frankreich erhält die Grafschaft Roussillon (im NO. der Pyrenäen) und mehrere Plätze in Artois und Flandern. 2. Der Herzog von Lothringen, Spaniens Verbündeter, wird in sein Herzogtum wieder eingeführt, muß jedoch den Franzosen eine Heerstraße von Metz nach dem Elsaß zugestehen. 3. Prinz Condé kehrt zurück; Ludwig XIV. heiratet Maria Theresia, älteste Tochter Philipps IV. von Spanien, welche jedoch ihren Erbansprüchen entsagt.

1661.

Tod Mazarins. Ludwigs Selbstregierung (1661 bis 1715), ohne Reichsstände (États généraux), ohne Beachtung der Einsprüche des Pariser Parlaments, nach persönlicher Willkür (L’État c’est moi). Colbert Finanzminister, Förderung der Gewerbtätigkeit und des Handels durch das Merkantilsystem (Schutzzölle zur Abwehr ausländischer Erzeugnisse, Verbesserung der Wege, Kanalbauten). Kolonien auf den Kleinen Antillen, in Canada, Cayenne, Louisiana, Pondichery. Große Handels- und Kriegsflotte. Louvois Kriegsminister; starkes stehendes Heer. Vauban genialer Festungsbaumeister.

Um Frankreichs Ansehen vor dem übrigen Europa zur Geltung zu bringen, unternimmt Ludwig XIV. eine Reihe von Eroberungskriegen gegen die Nachbarstaaten.

1667–1668.

Raubkrieg gegen Spanien (Devolutionskrieg). Nach dem Tode Philipps IV. (1665) erhebt Ludwig XIV., gestützt auf das in einigen belgischen Provinzen geltende Devolutionsrecht, wonach die Töchter erster Ehe ein den Söhnen zweiter Ehe vorangehendes Erbrecht haben, Ansprüche auf die spanischen Niederlande. Turenne erobert einen Teil von Flandern und Hennegau, Condé besetzt die nicht verteidigte Freigrafschaft Burgund (Franche-Comté). Die von dem holländischen Ratspensionär Jan de Witt zustande gebrachte Tripelallianz (England, Holland, Schweden) führt den Frieden zu Aachen herbei: Frankreich erhält eine Anzahl von Grenzstädten, darunter Lille, welches von Vauban zu einer starken Festung umgeschaffen wird, gleichwie das 1662 von England (S. 270) erworbene Dünkirchen.

1672–1678.

Raubkrieg gegen Holland. Ludwig XIV. schließt Bündnisse und Subsidienverträge mit England (S. 270), Schweden und mehreren deutschen Reichsfürsten (besonders den geistlichen Fürsten von Köln und Münster), vertreibt den Herzog Karl IV. von Lothringen 1670. Verbündeter der niederländischen Republik ist Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (s. S. 244).

Schnelle Eroberung eines großen Teiles der Niederlande (Turenne, Condé, der König an der Spitze von über 100000 Mann). Die Brüder de Witt, Führer der aristokratisch-republikanischen Partei, in einem Aufstande vom Volke getötet; Wilhelm III. von Oranien an die Spitze der Republik gestellt. Die Öffnung der Schleusen rettet die Provinz Holland und die Stadt Amsterdam.

Kurfürst Friedrich Wilhelm schließt mit Kaiser Leopold (S. 265) ein Bündnis gegen Frankreich, wird aber von dem kaiserlichen Feldherrn Montecuccoli in seinen Truppenbewegungen gehemmt. Turenne, in Westfalen vordringend, nötigt ihn 1673 zu einem Frieden, den Ludwig XIV. in Vossem (unweit Löwen) bestätigt: Der Kurfürst erhält das von den Franzosen besetzte Land Cleve (S. 252) zurück mit Ausnahme der Festungen Wesel und Rees.

Auch Spanien nimmt an dem Kriege teil. 1674 erfolgt die Kriegserklärung des Deutschen Reiches an Frankreich. Ludwig XIV. besetzt die Franche-Comté; Condé kämpft gegen den Prinzen von Oranien in der unentschiedenen Schlacht bei Seneffe (südlich von Brüssel), Turenne gegen den kaiserlichen General Bournonville bei Enzheim im Elsaß. Kurfürst Friedrich Wilhelm erscheint mit 20000 Mann im Elsaß, kann sich aber mit Bournonville nicht einigen über gemeinsames Vordringen; beide werden von Turenne zum Rückzug über den Rhein genötigt. Friedrich Wilhelm, durch den Einfall der mit Ludwig XIV. verbündeten Schweden in sein Land zurückgerufen, besiegt die Schweden in der

1675 (18./28. Juni).

Schlacht bei Fehrbellin (Derfflinger). In demselben Jahre (Juli) fällt Turenne bei Sasbach in Baden. Die Franzosen gehen über den Rhein zurück, dringen aber bald wieder vor. Friedrich Wilhelm erobert bis 1679 Stettin und ganz Schwedisch-Pommern nebst Rügen, treibt die Schweden auch aus Preußen bis nach Livland zurück.

1678–1679.

Friede zu Nimwegen: 1. Die Republik der Niederlande erhält ihr ganzes Gebiet zurück gegen das Versprechen der Neutralität. 2. Spanien tritt an Frankreich die Franche-Comté und abermals Grenzplätze seines niederländischen Gebiets ab (u. a. Valenciennes und Cambrai). 3. Der Kaiser tritt Freiburg an Frankreich ab, welches das Besatzungsrecht von Philippsburg (S. 260) aufgibt. 4. Lothringen wird dem Herzog Karl V. unter sehr beschränkenden Bedingungen zurückgegeben; da er diese nicht annimmt, bleibt es von den Franzosen besetzt. Den vom Kaiser und Reich preisgegebenen Kurfürsten von Brandenburg zwingt Ludwig XIV. zu dem

1679.

Frieden zu Saint Germain en Laye, in welchem dieser den Schweden fast alle seine Eroberungen in Pommern (Stettin, Stralsund, Rügen) herausgeben muß. Bald darauf Bündnis des gegen den Kaiser erbitterten Kurfürsten[49]

mit Frankreich, bis 1685.

Infolge der Schwäche des Deutschen Reiches steigt der Übermut Ludwigs XIV. so weit, daß er 1680 Reunionskammern in Metz, Breisach, Besançon, Tournay einsetzt. Diese französischen Gerichtshöfe untersuchen und entscheiden, was jemals zu den in den letzten vier Friedensschlüssen an Frankreich abgetretenen Ländern und Plätzen gehört hat. Der König vollstreckt mit seinen Truppen die Reunionsbeschlüsse, indem er zu der Gewalttat mitten im Frieden den Hohn einer Rechtsform fügt.

1681. 30. Sept.

Die Franzosen besetzen Straßburg im Einverständnis mit dem Bischof Franz Egon von Fürstenberg. Einfall in die spanischen Niederlande 1683. Besetzung von Luxemburg und Trier 1684. Diesen Rechtsverletzungen tritt das Deutsche Reich nur mit leeren Protesten entgegen; schließlich wird 1684 zu Regensburg ein zwanzigjähriger Waffenstillstand mit Ludwig XIV. abgeschlossen, wonach er alle bis zum 1. August 1681 besetzten Gebiete, dazu auch Straßburg behält.

1684.

Eine französische Flotte bombardiert Genua, um es für seine Verbindung mit Spanien zu strafen.

1685.

Aufhebung des Edikts von Nantes (s. S. 238). Die Ausübung des reformierten Bekenntnisses in Frankreich wird untersagt, die Erziehung der Kinder in der katholischen Religion befohlen, die Auswanderung verboten. Über 50000 Familien entkommen indes nach Holland, England, Brandenburg. Die Protestanten im Elsaß behalten die ihnen zugesicherte Religionsfreiheit.

1688–1697.

Raubkrieg gegen Deutschland (Pfälzischer Krieg). Nach dem Tode des Kurfürsten Karl von der Pfalz (1685), dessen Schwester Elisabeth Charlotte (Liselotte) mit dem Herzog Philipp von Orléans, Bruder Ludwigs XIV., vermählt war, erhebt Frankreich gegenüber der Linie Pfalz-Neuburg Ansprüche auf einen großen Teil des Landes. Im Erzbistum Köln will Ludwig XIV. die Wahl des Straßburger Bischofs Wilhelm von Fürstenberg gegen den Prinzen Clemens von Bayern durchsetzen. Bündnis zu Augsburg 1686 gegen Frankreich zwischen dem Kaiser, Spanien, Schweden und den bedeutendsten Reichsfürsten, nach der in England 1688 erfolgten Thronveränderung (S. 271) zu der Großen Allianz erweitert, der England, Holland und Savoyen beitreten.

Die französischen Heere rücken in die Rheinlande ein (Sept. 1688). Furchtbare Verheerung der Pfalz durch Mélac auf Befehl von Louvois (März-Juni 1689); die Städte Heidelberg, Mannheim, Speier, Worms und Hunderte von kleineren Orten verbrannt. Das deutsche Reichsheer erobert Mainz und Bonn, kann aber am Oberrhein die Franzosen nicht vertreiben; der Markgraf Ludwig von Baden erobert Heidelberg wieder, hält sich dann aber meist allzu vorsichtig hinter seiner festen Verteidigungsstellung bei Heilbronn.

In den Niederlanden siegt der Marschall von Luxembourg bei Fleurus 1690, Steenkerken 1692, Neerwinden 1693, doch behauptet Wilhelm III. durch zähe Ausdauer das Feld. Eine französische Landung in Irland zu Gunsten des vertriebenen Jakob II. hat nur vorübergehenden Erfolg (s. S. 272).

1692.

Seesieg der verbündeten englischen und holländischen Flotte über die französische bei La Hougue (Ostseite der Halbinsel Cotentin).

1697.

Friede zu Ryswyk (spr. Reisweik, Dorf beim Haag): 1. Frankreich behält die im Elsaß besetzten Gebiete, gibt aber Freiburg zurück (S. 263); die pfälzische Erbschaftssache wird einem Schiedsgericht übergeben. 2. Der Herzog von Lothringen wird vollständig wieder eingesetzt (S. 263). 3. Spanien erhält Luxemburg zurück, tritt aber einige Grenzgebiete seiner Niederlande ab. 4. Wilhelm III. wird als König von England anerkannt.

Blüte der französischen Literatur im Zeitalter Ludwigs XIV. Corneille († 1684), Racine († 1699), Molière († 1673), La Fontaine († 1695), Boileau († 1711), Bossuet († 1704), Fléchier († 1710), Fénelon († 1715).

Ludwigs Hofleben in Versailles, Marly, Trianon das Vorbild der europäischen Höfe. Bauten, Luxus, Maitressen (La Vallière, Montespan, Fontange). Nach dem Tode seiner Gemahlin Maria Theresia von Spanien († 1683) vermählt sich Ludwig insgeheim mit Françoise d’ Aubigné, Witwe des Dichters Scarron, die er zur Marquise von Maintenon erhebt. Seitdem Frömmelei am Hofe. Die Finanzen geraten nach Colberts Tode (1683) in Unordnung, zunehmende Willkürherrschaft im Innern. Beginn des wirtschaftlichen Niedergangs.

§ 2. Deutschland.

1658–1705.

Leopold I. (Sohn Ferdinands III.), mehr auf die Mehrung der habsburgischen Hausmacht bedacht, als auf die Wiederaufrichtung des geschwächten Deutschen Reiches. Unter den Reichsfürsten ragt Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst von Brandenburg (1640–1688) hervor als Verteidiger der Selbständigkeit Deutschlands, während andere, namentlich die drei geistlichen Kurfürsten zu gegenseitigem Schutze mit Frankreich 1658 den Rheinbund schließen (aufgelöst 1667).

Seit 1663 dauernder Reichstag zu Regensburg, von den Gesandten der 8 Kurfürsten, der 33 geistlichen, der 61 weltlichen Fürsten (dazu 2 Kurien der Prälaten, 4 Kurien der Reichsgrafen) und der 51 Reichsstädte gebildet. Für Religionssachen getrennte Beratung, Corpus Catholicorum und Corpus Evangelicorum. Neben dem Reichskammergericht in Wetzlar (S. 224) gilt auch der Reichshofrat zu Wien als oberstes Gericht. Kriegswesen und Finanzen in schlechtem Zustande, weil alles von der Bewilligung der so zahlreichen Reichsstände abhängt. Doch kämpfen die Reichstruppen tapfer mit in den von Österreich mit Nachdruck geführten Türkenkriegen.

1664.

Sieg des kaiserlichen Feldherrn Montecuccoli über die Türken bei St. Gotthard an der Raab. Darauf Friedensschluß; die größere Hälfte von Ungarn bleibt unter türkischer Hoheit (vgl. S. 232). Eine Verschwörung ungarischer Magnaten gegen die habsburgische Herrschaft wird 1670 entdeckt und bestraft; Aufstand unter Führung des Grafen Tököly 1678; dieser ruft die Türken zu Hilfe.

1683.

Belagerung Wiens durch die Türken. Heldenmütige Verteidigung, geleitet durch Rüdiger von Starhemberg. Glücklicher Entsatz durch die Schlacht am Kahlen Berge; Sieg des vereinigten deutschen und polnischen Heeres unter Karl V. von Lothringen und dem Polenkönig Johann Sobieski. 1684 Beitritt Venedigs zum Kriegsbündnis gegen die Türkei.

1686.

Ofen erobert von kaiserlichen und brandenburgischen Truppen. Sieg Karls von Lothringen bei Mohacz.

1687.

Der Reichstag zu Preßburg überträgt dem österreichischen Mannesstamm die erbliche Thronfolge in Ungarn.

1691.

Sieg des Markgrafen Ludwig von Baden bei Slankamen unweit Peterwardein, des Prinzen Eugen von Savoyen bei Zenta an der Theiß 1697.

1699.

Friede zu Karlowitz: Ungarn und Siebenbürgen kommen an Österreich, türkisch bleibt nur das Gebiet von Temesvar. Morea kommt an Venedig, Asow an Rußland.

Standeserhöhungen deutscher Fürsten am Ende des 17. und am Anfang des 18. Jahrhunderts:

1692.

1. Herzog Ernst August von Braunschweig-Lüneburg (Haus der Welfen, s. S. 184) erhält als Kurfürst von Hannover die neunte Kurwürde.

1697.

2. Friedrich August I., Kurfürst von Sachsen, wird nach dem Tode Johann Sobieskis zum König von Polen erwählt als August II. (der Starke).

3. Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg (1688 bis 1713), Sohn des Großen Kurfürsten, nimmt

1701. 18. Jan.

mit Zustimmung des Kaisers (S. 272) den Titel König in Preußen (Friedrich I.) an und krönt sich in Königsberg.

Wiederherstellung des Geisteslebens in Deutschland nach der Zerrüttung des Dreißigjährigen Krieges:

Paul Gerhard († 1676), Ph. J. Spener († 1705), A.H. Franke (gründet 1698 das Waisenhaus in Halle). Der Philosoph, Mathematiker und Geschichtsforscher G.W. Leibniz (geb. 1646 zu Leipzig, 1676 in Hannover, 1700 in Berlin, † 1716 in Hannover). Chr. Thomasius in Halle († 1728) hält zuerst deutsche Vorlesungen, bekämpft die Hexenprozesse und die Anwendung der Folter.

§ 3. Der Norden und Osten.

Schweden, durch den Besitz bedeutender Nebenländer (S. 256, 260) fast rund um die Ostsee ausgedehnt, ist seit dem Dreißigjährigen Kriege die erste Macht des Nordens.

1654–1718.

Haus Pfalz-Zweibrücken (s. S. 250).

1655–1660.

Schwedisch-Polnischer Krieg.

Karl X. Gustav (1654–1660) beginnt Krieg mit Polen, weil Johann Kasimir (aus der katholischen Linie des Hauses Wasa) ihn ebenso wenig anerkennen will, wie früher Sigismund III. Gustav Adolf (S. 250). Er dringt von Pommern her in Polen ein, nimmt Warschau und Krakau; Johann Kasimir flüchtet nach Schlesien. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg sieht sich genötigt, im Vertrage zu Königsberg 1656 sein Herzogtum Preußen von Schweden, wie bisher von Polen (S. 229), zu Lehen zu nehmen; dazu erhält er das Bistum Ermeland. In Polen Aufstand gegen die Schweden. Karl Gustav und Friedrich Wilhelm gewinnen die dreitägige

1656 (Juli).

Schlacht bei Warschau gegen die Polen.

Um sich die weitere Hilfe des Kurfürsten von Brandenburg zu sichern, gesteht Karl Gustav diesem in dem Vertrage zu Labiau die Souveränität (lehnsfreie Herrschaft) über Ostpreußen und Ermeland zu. Allein es erklären sich gegen Schweden: Rußland, Dänemark, der Kaiser Leopold I. und bald auch der Kurfürst von Brandenburg, dem Polen im Vertrage zu Wehlau 1657 ebenfalls die Souveränität über Ostpreußen (ohne Ermeland) zusichert. Die Schweden werden bald aus Polen zurückgedrängt, nur Polnisch-Preußen bleibt von ihnen besetzt. Karl Gustav greift Dänemark an und erzwingt durch schnelles Vordringen (Übergang über die gefrorenen Belte, Januar 1658) den

1658.

Frieden zu Roeskild: Dänemark tritt den südlichen Teil der skandinavischen Halbinsel (Schonen, Halland, Blekingen), das Stift Dronthjem und die Insel Bornholm an Schweden ab.

Noch in demselben Jahre zweiter Angriff Karl Gustavs, aber die belagerte Hauptstadt Kopenhagen verteidigt sich tapfer. Eine holländische Flotte (die Holländer Handelsrivalen der Schweden) kommt zu Hilfe; kaiserliche, polnische und brandenburgische Truppen vertreiben die Schweden aus Holstein und Schleswig. Die Brandenburger besetzen unter Führung des Kurfürsten die Insel Alsen. Karl X. hebt die Belagerung von Kopenhagen auf, stirbt bald darauf zu Gotenburg. Ihm folgt sein minderjähriger Sohn Karl XI. (1660–1697).

1660.

Friede zu Olīva (Kloster bei Danzig).

Johann Kasimir entsagt allen Ansprüchen auf den schwedischen Thron, sowie auf Livland und Estland; der Herzog von Kurland wird als polnischer Vasall wieder eingesetzt. Die Souveränität Preußens wird von Schweden und Polen bestätigt.

Gleich darauf Friede zu Kopenhagen mit Dänemark; der Roeskilder Frieden bestätigt, aber Dronthjem und Bornholm an Dänemark zurückgegeben.

In Dänemark wird gleich nach dem Frieden von dem der Adelsherrschaft überdrüssigen dritten Stande (Bürger) und der Geistlichkeit dem Könige Friedrich III. (1648–1670) eine ganz unumschränkte Gewalt übertragen. Im Anschluß daran erklärt das Königsgesetz 1665 Dänemark für ein Erbreich in männlicher und weiblicher Linie; es gilt aber nicht für die Herzogtümer Schleswig-Holstein, welche auch ihren eigenen Landtag behalten. Das Herzogtum Oldenburg 1667 nach dem Aussterben der dort regierenden Linie (S. 216) mit Dänemark vereinigt.

Auch in Schweden übertragen die Stände, der übermäßigen Gewalt des Reichsrats müde, 1682 dem großjährig gewordenen Könige Karl XI. eine fast unumschränkte Gewalt.

In Polen dagegen ist seit der Einführung der Wahlmonarchie 1572 (S. 250) die königliche Macht zum Schatten herabgesunken, der Staat ist tatsächlich eine Adelsrepublik. Der aus dem Senat (Bischöfe, Woiwoden, Kastellane) und den gewählten Landboten (Abgeordnete des Adels) bestehende Reichstag übt alle Gewalt aus. Das liberum veto, d. h. das Recht jedes einzelnen Mitgliedes, einen Reichstagsbeschluß durch seinen Einspruch ungültig zu machen, führt zu Bestechung, Gewalttat und schließlich fast zur Anarchie; nur selten kommt ein Beschluß zustande.

Nach Johann Kasimirs, des letzten der 3 katholischen Wasas Abdankung blutige Thronstreitigkeiten; dann regiert Johann Sobieski 1674–1696, der den kriegerischen Adel durch Feldzüge gegen die Türken (vgl. S. 266) an sich fesselt. Ihm folgt August II. von Sachsen 1697–1733; Friede mit den Türken zu Karlowitz.

Rußland unter dem Hause Romānow (1613–1762) wachsend an Macht und Ansehen. Michael Romānow (1613 bis 1645) kämpft zwar unglücklich gegen Polen, ordnet aber die innere Verwaltung. Sein Sohn Alexei (1645–1676) gewinnt die Länder am Dnjepr (Smolensk und Kiew) von Polen zurück, unterwirft Sibirien bis zum äußersten Osten und das Amurland (S. 250) und fängt an, europäische Kultur in Rußland zu verbreiten. Nach dem Tode seines ältesten Sohnes Feodor (1682) werden von den Strelitzen, der adligen Leibwache des Zaren, dessen beide Brüder Iwan und Peter unter Vormundschaft ihrer älteren Schwester Sophia zu Zaren ausgerufen. Peter in Preobraschensk (bei Moskau) mit militärischen Übungen beschäftigt; aus seinen Spielgefährten (Poteschnie) wird später die Garde des Heeres gebildet. Sophia, die ihn vom Thron ausschließen will, wird 1689 in ein Kloster geschickt.

1689–1725.

Peter der Große, regiert als Alleinherrscher, da der geistesschwache Bruder Iwan bis zu seinem Tode (1696) ohne jede Macht bleibt. Er ist der Gründer des russischen Staates.

Peter beginnt seine Reformen mit Hilfe des Schotten Gordon und des Genfers Lefort. Asow erobert 1696 (S. 266). Grausame Bestrafung eines Aufruhrs der Strelitzen. Darauf Reise des Zaren durch Deutschland über Königsberg und Berlin nach Holland, wo er in Zaandam als Schiffszimmermann arbeitet, dann nach England. Anwerbung ausländischer Handwerker, Künstler, Offiziere. Fortsetzung der Reise über Dresden nach Wien; im Begriff nach Venedig abzureisen, wird der Zar durch die Nachricht von einem abermaligen Aufruhr der Strelitzen zurückgerufen. Blutiges Strafgericht; das ganze Korps wird aufgelöst, das Heer nach europäischer Weise gebildet.

Nach Leforts Tode 1699 Menschikow Günstling und Minister des Zaren, bemüht um weitere Einführung der westeuropäischen Kultur in Rußland, doch auch habsüchtig und bestechlich. Peters Entschluß zu dem Kriege gegen Schweden (S. 274) wird entscheidend für Rußlands weiteren Aufschwung.

§ 4. England.

1649–1660.

England Republik (Commonwealth).

Cromwell (s. S. 249) unterwirft nach blutigem Kampfe die über die Hinrichtung des zum Katholizismus hinneigenden Königs Karl erbitterten Iren, dann durch die Siege bei Dunbar (1650) und bei Worcester (spr. u_͡__ustĕr, 1651) das aufständische Schottland (S. 249), von wo er des hingerichteten Königs Sohn, Karl II., vertreibt. In England löst Cromwell das Rumpf-Parlament und das von ihm selbst berufene, aus eifrigen Independenten bestehende Barebone-Parlament auf. Durch das Heer wird

1653–1658.

Cromwell Lord-Protektor der drei Reiche (England, Schottland, Irland). Seine Regierung hält die Ordnung im Innern aufrecht und macht England zur ersten protestantischen Macht in Europa.

1651.

Navigationsakte, welche den Fremden auf ihren eigenen Schiffen nur die Einfuhr eigener Erzeugnisse erlaubt und namentlich den holländischen Zwischenhandel schwer trifft, da die Erzeugnisse der englischen Kolonien nur auf englischen Schiffen nach England gebracht werden dürfen. Daher Krieg mit Holland (1652–1654), aus welchem die Engländer als Sieger hervorgehen. England seitdem die erste Seemacht; Holland tritt mehr zurück (S. 244). Im Kriege mit Spanien (1655–1658) Eroberung Jamaikas und Einnahme von Dünkirchen.

Nach Oliver Cromwells Tode folgt ihm als Protektor sein ihm unähnlicher Sohn Richard Cromwell, der schon nach 8 Monaten abdankt. Zwistigkeiten unter den Befehlshabern des Heeres führen zur

1660.

Herstellung des Königtums. General Monk versammelt ein neues Parlament (Oberhaus und Unterhaus, S. 249), welches auf den Thron ruft Karls I. Sohn, den gewissenlosen, verschwenderischen und ausschweifenden

1660–1685.

Karl II. Herstellung der Episkopalkirche; von der Amnestie werden diejenigen ausgenommen, welche Karl I. zum Tode verurteilt hatten. Cromwells Leiche an den Galgen gehängt. 1662 Dünkirchen an Frankreich verkauft; 1664–1667 abermaliger Seekrieg mit Holland; 1664 New-York (1612 von den Holländern als Neu-Amsterdam gegründet) von den Engländern besetzt. 1666 Pest und große Feuersbrunst in London. 1667 dringt Admiral Ruyter (1607–1676) in die Themse ein.

Der Minister Clarendon 1667 verbannt; das Cabal-Ministerium (Clifford, Arlington, Buckingham, Ashley, Lauderdale) bewegt den König, für französische Jahrgelder aufs neue Krieg gegen Holland (1672–74, s. S. 262) zu führen und zu Gunsten der Katholiken die Indulgenzerklärung zu erlassen. Allgemeine Entrüstung; das Parlament setzt 1673 die Testakte durch, welche jeden Engländer, der ein Amt bekleiden will, zur Anerkennung der Oberhoheit des Königs über die englische Kirche und zu einer Erklärung gegen die katholische Abendmahlslehre zwingt. Der katholische Bruder des Königs, Jakob, Herzog von York, legt sein Amt als Großadmiral nieder. 1674 das Cabal-Ministerium gestürzt, Friede mit Holland.

Neue Streitigkeiten mit dem Parlament, in welchem sich das Verlangen erhebt, den Herzog von York als »Papisten« von der Thronfolge auszuschließen. Unter dem Ministerium Shaftesbury wird 1679 die Habeascorpusakte (Schutz gegen willkürliche Verhaftung) durchgesetzt.

Entstehung der Parteinamen Whigs (Liberale) und Tories (Konservative), ursprünglich Spottnamen, der erstere ein schottischer für Anhänger des Covenants (S. 248), der zweite ein irischer für Anhänger des Papismus.

Die Ausschließungsbill wird im Unterhause von den Whigs durchgesetzt, im Oberhause verworfen. Die Entdeckung einer Verschwörung gegen den König hat strenge Maßregeln gegen die Whigs zur Folge; Lord Will. Russell und Algernon Sidney hingerichtet, der Herzog von Monmouth (natürlicher Sohn des Königs) flüchtet nach Holland. Karl II. stirbt 1685, nachdem er auf dem Totenbette Katholik geworden ist.

1685–1688.

Jakob II., Bruder Karls II., bei der überlieferten Politik seines Hauses verharrend, sucht die unumschränkte Königsgewalt und den Katholizismus in England wieder herzustellen. Monmouth landet in England, wird bei Sedgemoor geschlagen, gefangen und hingerichtet (1685). Blutige Assisen (Gerichtssitzungen), geleitet von dem grausamen und habsüchtigen Oberrichter Jeffreys.

Anstellung von Katholiken unter Erlassung des durch die Testakte verlangten Eides. Dann Aufhebung der Testakte; Religionsfreiheit verkündet. Sieben anglikanische Bischöfe weigern sich, die Indulgenzerklärung zu verkündigen. Prozeß und Freisprechung der Bischöfe. Durch die Geburt eines katholischen Prinzen von Wales (von Jakobs zweiter Gemahlin Maria d’Este, Prinzessin von Modena) wird die Aussicht auf protestantische Thronfolge vereitelt; die beiden Töchter Jakobs aus erster Ehe, Maria und Anna, waren protestantisch. Whigs und Tories wenden sich an Wilhelm von Oranien, Gemahl der Maria, und durch seine Mutter Enkel Karls I. (vgl. die Stammtafel S. 299).

1688. 5. Nov.

Landung Wilhelms, der von Friedrich III. von Brandenburg und andern norddeutschen Fürsten unterstützt wird, in Torbay; das Heer und die ganze Nation fallen ihm zu, Jakob entflieht nach Frankreich.

1689–1702.

Wilhelm III. (und Maria bis 1694), durch Parlamentsakte auf den Thron erhoben. Personalunion zwischen England und Holland. Die Regierung führt Wilhelm III. allein. Das Gesetz der Rechte (Bill of rights 1689) sichert die verfassungsmäßigen Freiheiten der Nation.

Aufstand der katholischen Iren für Jakob, der daselbst landet und fast ein Jahr herrscht. Wilhelm schlägt ihn 1690 am Boynefluß. Teilnahme am Kriege gegen Ludwig XIV., s. S. 264; Englands Seemacht gesichert. 1701 Ordnung der Thronfolge: die katholischen Stuarts ausgeschlossen, erbberechtigt ist das protestantische Haus Hannover (S. 299).

Aufschwung der Literatur und Wissenschaft: Die Dichter Milton († 1674) und Dryden († 1700); der Theosoph Bunyan († 1688); die Philosophen Hobbes († 1679) und Locke († 1704), der Naturforscher Newton († 1722).

1701–1714.

§ 5. Der spanische Erbfolgekrieg.

Philipp III., König von Spanien, †1621.
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Anna, Philipp IV., †1665. Maria Anna,Gem. Ludwig XIII. | Gem. Ferdinand III.
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Ludwig XIV. Maria Karl II., Marg. Leopold I., | Theresia. †1700. Theresia. †1705.
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Ludwig, Dauphin, †1711. Maria Antonie, | Gem. Max Emanuel v. Bayern.
| |
Philipp von Anjou, Joseph Ferdinand,als K. v. Spanien Philipp V., †1699,
†1746. Kurprinz v. Bayern.

Kaiser Leopold I. hatte außer seiner Tochter Maria Antonie zwei Söhne aus dritter Ehe, Joseph I. (Kaiser 1705–1711) und Karl VI. (Kaiser 1711–1740). Er nimmt als Vertreter der deutschen Linie des Hauses Habsburg das spanische Erbe für den zweiten Sohn in Anspruch. Ludwig XIV. dagegen fordert es für seinen zweiten Enkel Philipp von Anjou. Wilhelm III. an der Spitze der Seemächte (England und Holland) schließt mit Ludwig XIV. 1698 einen Teilungsvertrag: Haupterbe soll der Kurprinz Joseph Ferdinand von Bayern sein, Frankreich und Österreich die Nebenländer erhalten. Dagegen setzt Karl II. den Kurprinzen durch Testament zum Erben der gesamten Monarchie ein. Nach dessen plötzlichem Tode 1699 neue Unterhandlungen; endlich unterzeichnet Karl II. ein Testament, welches Philipp von Anjou zum Erben einsetzt. Große Allianz der Seemächte (1701) mit Kaiser Leopold, zunächst um dem Hause Österreich die spanischen Besitzungen in den Niederlanden und in Italien zu verschaffen. Auf Frankreichs Seite stehen die Herzöge von Savoyen und Mantua, die Kurfürsten von Bayern und Köln (zwei Brüder); die übrigen deutschen Reichsstände und Preußen (Friedrich III. von Brandenburg durch den »Krontraktat« die Annahme der Königswürde gestattet) sind mit dem Kaiser verbündet. Portugal tritt der großen Allianz bei, endlich auch Savoyen (1703).

Vier Kriegsschauplätze: Spanien, Italien, Niederlande, Deutschland.

Philipp von Anjou wird in Spanien als König Philipp V. anerkannt. Seine Hauptstütze ist Kastilien.

1701.

Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) als Feldherr Kaiser Leopolds eröffnet den Krieg siegreich in Oberitalien, wird aber 1702 vom Herzog von Vendôme in seinem Vordringen gehemmt.

1703.

Die Bayern fallen als Verbündete Frankreichs in Tirol ein, werden aber zurückgetrieben. Der englische Feldherr Marlborough dringt in den Niederlanden vor.

1704.

Erzherzog Karl landet in Portugal, die Engländer erobern Gibraltar. Prinz Eugen und Marlborough vereinigen sich an der Donau und siegen (unweit Donauwörth) über die Franzosen und Bayern in der

1704.

Schlacht bei Höchstädt und Blindheim. Bayern von den kaiserlichen Truppen besetzt.

1706.

Erzherzog Karl gewinnt auf kurze Zeit Madrid; Marlborough siegt bei Ramillies (nördlich von Namur), Prinz Eugen bei Turin mit Hilfe der Preußen unter Leopold von Dessau. Die Franzosen werden aus Italien verdrängt, Mantua (s. S. 239) von Österreich in Besitz genommen, dann auch Neapel (S. 241).

1708.

Sieg Marlboroughs und Prinz Eugens bei Oudenarde; Lille belagert und genommen. Strenger Winter in Frankreich.

Friedensverhandlungen. Die Verbündeten fordern Herausgabe der spanischen Monarchie an Erzherzog Karl von Österreich, der niederländischen Grenzfestungen an die Holländer, für das Deutsche Reich Wiederherstellung des im Westfälischen Frieden festgesetzten Besitzstandes. Dies alles wird von Ludwig XIV. bewilligt. Aber die Forderung, daß er seinen Enkel Philipp mit französischen Waffen aus Spanien vertreiben soll, bewirkt den Abbruch der Verhandlungen.

Fortgang des Krieges. Die Franzosen aufs neue gedemütigt durch den

1709.

Sieg Prinz Eugens und Marlboroughs bei Malplaquet. Neue Friedensanträge Ludwigs, der sogar Hilfsgelder gegen seinen Enkel zahlen will, während die Verbündeten verlangen, daß er ihn durch seine Heere vertreiben soll.

Der Fall des Whigministeriums in England (1710) und der Tod Kaiser Josephs I. (1711) ändern alle Verhältnisse zu Gunsten Ludwigs XIV. Marlborough abberufen; Erzherzog Karl verläßt Spanien, um die österreichischen Erblande zu übernehmen. England beginnt Friedensverhandlungen (S. 299).

1712.

Kongreß zu Utrecht. Der französische Feldherr Villars siegt bei Denain (an der Schelde) über einen Teil von Prinz Eugens Heer.

1713.

Friede zu Utrecht (ohne Beteiligung Kaiser Karls VI.):

1. Philipp V., Enkel Ludwigs XIV., wird als König von Spanien anerkannt. Die meisten Nebenländer (Niederlande, Mailand, Neapel, Sardinien) sollen Karl VI. zufallen, Sicilien als Königreich dem Herzog von Savoyen.

2. England erhält von Frankreich Neufundland, Neuschottland (Akadien) und die Hudsonsbailänder, von Spanien Gibraltar und Menorka. Anerkennung der protestantischen Thronfolge versprochen (S. 284).

3. Holland erhält das Besatzungsrecht in einigen Grenzfestungen der bisher spanischen Niederlande, Lille wird an Frankreich zurückgegeben.

4. Preußen erlangt Anerkennung des Königstitels und des Besitzes von Neuchâtel und Valengin (aus der oranischen Erbschaft nach Wilhelms III. Tode 1702, vgl. die Stammtafel S. 244), dazu Obergeldern (an der Maas). Es überläßt an Frankreich seine Ansprüche auf das Fürstentum Oranien oder Orange (an der Rhone, S. 242 Anm.).

Karl VI. verweigert seine Zustimmung, der Krieg wird am Rhein weitergeführt. Villars erobert Landau und Freiburg. Darauf

1714.

Friede zu Rastatt und Baden (im Aargau, Schweiz). Karl VI. nimmt die ihm bestimmten Länder an. Österreich gewinnt damit nach der Erwerbung Ungarns unter Leopold I. (S. 266) unter dessen Sohn Karl VI. auch noch die Niederlande und die Herrschaft in Italien. Für das Deutsche Reich wird nur der Friede von Ryswyk bestätigt; Landau bleibt französisch. Die in die Reichsacht erklärten Kurfürsten von Bayern und Köln werden in ihre Würden und Länder wieder eingesetzt.

1700–1721.

§ 6. Der Nordische Krieg.

Peter der Große (S. 269) will Rußland zur Seemacht erheben und Schwedens Herrschaft über die Ostsee (S. 256) brechen. Er schließt unter Vermittelung des livländischen Edelmanns Patkul ein Bündnis mit August dem Starken (S. 266), welcher Livland wieder für Polen beansprucht (S. 249, 268). Friedrich IV. von Dänemark schließt sich an, um das Haus Holstein-Gottorp (jüngere Linie des dänischen Königshauses) aus dem Mitbesitz von Schleswig-Holstein zu verdrängen.

Karl XII., König von Schweden (geb. 1682, reg. 1697 bis 1718), Enkel Karls X. Gustav von Pfalz-Zweibrücken (S. 250), nimmt sich des Herzogs von Holstein-Gottorp, seines Schwagers, an, landet 1700 auf Seeland, bedroht Kopenhagen und erzwingt den Frieden zu Travendal (in Holstein a. d. Trave); Dänemark gibt den Angriff auf. Dann wendet er sich gegen Peter d. Gr. und besiegt mit 8000 Schweden 40000 Russen bei Narwa (in Ingermanland). Sächsische Truppen haben inzwischen Riga belagert. Karl XII. dringt 1701 in Polen ein und verlangt Absetzung Augusts II., zieht 1702 in Warschau ein, siegt bei Klissow und 1703 bei Pultusk über sächsische und polnische Truppen.

1704.

Stanislaus Lesczinski vom polnischen Reichstag zum König gewählt.

Währenddessen legt Peter den Grund zu der neuen Hauptstadt St. Petersburg 1703 und erobert Narwa 1704.

Fortgang des Krieges in Polen und Litauen, Siege Karls XII. bei Punitz 1704 und seines Generals Rehnskjöld bei Fraustadt 1706. Karl dringt durch Schlesien in Sachsen ein und erzwingt den

1706.

Frieden zu Altranstädt (bei Leipzig): 1. August II. entsagt der polnischen Krone und erkennt Stanislaus Lesczinski als König von Polen an. 2. Er gibt das Bündnis mit dem Zaren auf und liefert dessen Bevollmächtigten Patkul aus (welchen Karl grausam hinrichten läßt). 3. Sachsen sorgt den Winter über für Unterhalt und Sold des schwedischen Heeres.

Karl bricht dann gegen den russischen Zaren auf (Sept. 1707), der die Zeit zur Festsetzung an der Ostsee und zur Bildung eines kriegstüchtigen Heeres trefflich benutzt hatte. Der Weg nach Moskau versperrt durch Verwüstung des Landes. Durch den von Rußland abgefallenen Kosakenhetman Mazeppa läßt sich Karl verleiten, über den Dnjepr (1708) nach der Ukraine zu gehen. Vergebliche Belagerung Pultawas; Peter eilt zum Entsatz herbei und schlägt mit überlegener Streitmacht die durch Märsche und Mangel ermatteten Schweden in der

1709 (8. Juli).

Schlacht bei Pultāwa, welche Schwedens Übermacht mit einem Schlage vernichtet. Das schwedische Heer völlig aufgelöst und größtenteils gefangen. Karl flüchtet zu den Türken.

1709–1714.

Karl XII. in der Türkei (Lager bei Bendēr), sucht die Pforte zum Kriege gegen Rußland zu bewegen. Dies gelingt endlich 1711. Peter, verbündet mit dem Fürsten der Moldau, geht über den Dnjestr, wird am Pruth eingeschlossen, erkauft von den Türken durch Bestechung des Großwesirs (auf Rat seiner Gemahlin Katharina) den

1711.

Frieden am Pruth: 1. Asow an die Pforte zurückgegeben (S. 266) 2. Dem Könige von Schweden freie Rückkehr in seine Staaten zugesichert.

Karl XII., über diesen Frieden entrüstet, verweigert starrsinnig die Abreise, wird 1713 von den Türken in seinem Lager bei Bender gefangen genommen und nach Demotika (bei Adrianopel) gebracht. Währenddessen nutzen seine Feinde die Zeit aus. August II. vertreibt den König Stanislaus aus Polen; die Dänen suchen (allerdings vergeblich) die südlichen Provinzen Schwedens zu erobern. Peter der Große nimmt Livland, Estland, Ingermanland, Karelien, Finnland vollständig in Besitz.

Im Haager Konzert (1710) war, um den Krieg von Deutschlands Grenzen fern zu halten, die Neutralität aller deutsch-schwedischen Provinzen, sowie Schleswigs und Jütlands festgesetzt worden. Da aber Karl XII. gegen diesen Vertrag von der Türkei aus protestiert, so nehmen die Dänen dem Herzog von Holstein-Gottorp Schleswig weg und erobern die seit 1648 (S. 260) schwedischen Herzogtümer Bremen und Verden (1712), welche dann gegen eine Geldzahlung dem Kurfürsten von Hannover überlassen werden.

1712. Dez.

Der schwedische General Stenbock besiegt die Dänen bei Gadebusch (in Mecklenburg), rückt dann nach Holstein vor, verbrennt Altona, wird aber (Febr. 1713) von Dänen und Russen bei Tönning a. d. Eider gefangen.

1713.

König Friedrich Wilhelm I. von Preußen (S. 279) schließt sich den Feinden Schwedens an und besetzt Stettin nach Abschluß eines Vertrages mit dem russischen General Menschikow, wonach Stettin und Vorpommern gegen Zahlung von 400000 Talern vorläufig von Preußen beschlagnahmt (sequestriert) werden.

1714.

Karl XII. kehrt endlich in seine Staaten zurück. Abenteuerlicher Ritt durch Ungarn und Deutschland über Wien, Nürnberg, Braunschweig nach Stralsund.

1715.

Belagerung von Stralsund durch preußische, dänische und sächsische Truppen. Der preußische Feldmarschall Fürst Leopold von Dessau erobert die Insel Rügen.

Karl XII. gibt Stralsund auf und kehrt nach Schweden zurück.

1716–1717.

Peters d. Gr. zweite Reise (vgl. S. 269) nach Deutschland, Dänemark, Holland, Frankreich.

Karl XII. unterhandelt mit Peter d. Gr. durch den Freiherrn von Görz, der trotz des Hasses der schwedischen Großen auch an die Spitze der inneren Verwaltung Schwedens gestellt wird. Vor Abschluß der Verhandlungen, die ihm Aussicht auf russische Hilfe geben, beginnt Karl einen neuen Krieg gegen Dänemark, indem er in Norwegen einfällt, wird aber bei der

1718.

Belagerung von Frederikshall durch eine Kugel getötet. Ende des Hauses Pfalz-Zweibrücken (seit 1654) in Schweden.

Der schwedische Reichsrat, schon lange mit Karls Regierung unzufrieden, beruft nicht den Sohn seiner älteren Schwester, Karl Friedrich von Holstein-Gottorp (S. 293), zur Regierung, sondern die jüngere Schwester Ulrike Eleonore und deren Gemahl, Prinz Friedrich von Hessen-Kassel (1720–1751).

Görz wird verurteilt und hingerichtet (1719). Das Königtum wird gänzlich abhängig von dem Reichsrat, dessen nächste Sorge auf Herstellung des Friedens gerichtet ist.

Den Nordischen Krieg beenden die Friedensschlüsse zu Stockholm 1719 mit Hannover, welches Bremen und Verden behält und an Schweden 1 Mill. Taler zahlt; 1720 mit Preußen, welches Stettin, Vorpommern bis an die Peene, die Inseln Usedom und Wollin erhält und 3 Mill. Taler zahlt; zu Friedrichsburg auf Seeland 1720 mit Dänemark, welches alle Eroberungen zurückgibt. Dafür zahlt Schweden 600000 Taler, entsagt der Zollfreiheit im Sunde (s. S. 250) und gibt den Herzog von Holstein-Gottorp preis, dem Dänemark seinen Anteil an Schleswig nimmt. Mit Polen bleibt es bei dem 1719 geschlossenen Waffenstillstand. August der Starke als König anerkannt. Stanislaus Lescynski führt den Königstitel weiter und erhält 1 Mill. Taler (S. 279).

1721.

Friede zu Nystadt zwischen Schweden und Rußland: 1. Schweden tritt an Rußland ab: Livland, Estland, Ingermanland, Karelien und die dazu gehörigen Inseln (Ösel, Dagö u. a.). 2. Rußland gibt Finnland zurück und zahlt 2 Mill. Taler.

Schweden, seiner früheren Machtstellung beraubt, behält doch noch deutsche Gebiete: Wismar, welches erst 1803 durch Verpfändung (1903 endgültig) an Mecklenburg kommt, und Vorpommern nördlich der Peene mit Rügen (1815 an Preußen). Karl Friedrich von Holstein-Gottorp geht nach Rußland, vermählt sich mit Anna, Tochter Peters d. Gr. Sein Sohn ist der Zar Peter III., 1728 in Kiel geboren, Stammvater des russischen Kaiserhauses (S. 293).

Rußland hat sich an Schwedens Stelle zur europäischen Großmacht erhoben und nach langem Ringen die Ostsee erreicht. Peters d. Gr. innere Regierung ist auf Förderung von Handel und Gewerbe, Bergwesen und Forstkultur, Volksbildung, Ordnung der Verwaltung gerichtet. Dem Erbadel setzt er einen Amtsadel zur Seite; 14 Rangstufen der Offiziere und Beamten (Tschin), die oberen adlig. Oberste Behörde der Senat, 1711 an Stelle des früheren Rats der Bojaren errichtet; zur Leitung der Kirche der Heilige Synod 1721 errichtet, dessen Mitglieder der Zar ernennt. Die Zahl der Klöster eingeschränkt. Mönche und Nonnen zu nützlicher Tätigkeit angehalten.

Peters d. Gr. letzte Kriegstat ist eine Heerfahrt gegen Persien und die Eroberung von Derbent (am Kaspischen Meere) 1722; doch wird dieser Küstenstrich 1732 an Persien zurückgegeben. Die Küstenlandschaften am Schwarzen Meere sind noch ganz im Besitz der Türken; den Grenzschutz leistet das Reitervolk der Kosaken in der Ukraine.

§ 7. Deutschland.

Das Deutsche Reich vermag in den europäischen Kriegen das Eindringen fremder Truppen nicht abzuwehren, ist aber selbst nicht Gegenstand des Angriffs. Die letzten habsburgischen Kaiser (S. 272) sind nur auf ihre Hausmacht bedacht; Ausbildung der österreichischen Monarchie.

1711–1740.

Kaiser Karl VI. erwirbt 1714 die spanischen Nebenländer (S. 274). Im Bunde mit Venedig 1715–1718 glücklicher Türkenkrieg. Prinz Eugen siegt 1716 bei Peterwardein, 1717 bei Belgrad. Der Besitz dieser Stadt und eines Teils von Serbien samt der Kleinen Walachei und dem Banat von Temesvar im Frieden zu Passarowitz 1718 bestätigt. Venedig behält Korfu und die eroberten Plätze in Dalmatien und Albanien, verliert Morea (S. 304).

1720.

Ein Versuch Philipps V. von Spanien, die verlorenen Nebenländer (S. 274) wiederzugewinnen, wird durch die 1718 geschlossene Quadrupelallianz (England, Frankreich, Österreich, Holland) vereitelt. Der Herzog von Savoyen muß Sicilien (S. 274) an Österreich überlassen, erhält dafür Sardinien und nimmt den Titel König von Sardinien an.

Kaiser Karl VI., ohne männliche Nachkommen, setzt eine Erbfolgeordnung fest unter dem Titel Pragmatische Sanktion, welche 1. die Unteilbarkeit der zur österreichischen Monarchie gehörigen Länder anordnet, 2. dieselben in Ermangelung männlicher Nachkommen auf Karls Töchter (die älteste Maria Theresia) und deren Nachkommen nach dem Erstgeburtsrecht vererbt, 3. im Fall des Aussterbens dieser Linie die Töchter Josephs I. (vermählt mit Friedrich August II. von Sachsen (in Polen August III.) und Kurfürst Karl Albert von Bayern, S. 282) und deren Nachkommen zu Erben einsetzt.

1725.

Bündnis zwischen Österreich und Spanien zum Schutz der Pragmatischen Sanktion; Gegenbündnis (zu Herrenhausen bei Hannover) zwischen England, Frankreich und Preußen. Doch tritt Preußen bald wieder auf die Seite Karls VI., der 1728 in dem Berliner Vertrag verspricht, nach dem Aussterben des Pfalz-Neuburger Hauses Preußen zum Besitz des Herzogtums Berg (S. 252) zu verhelfen. (In einem geheimen Vertrage versprach Karl VI. 1739 die Erbnachfolge in Jülich und Berg der Linie Pfalz-Sulzbach, aus der auch Karl Theodor 1743 das Erbe antrat.) Auch England erkennt 1731 die Pragmatische Sanktion an.

1733–1735.

Polnischer Thronfolgekrieg.

Von Frankreich geleitet, wählt nach dem Tode Augusts II. von Sachsen 1733 die Mehrheit des polnischen Adels den König Stanislaus Lesczinski, welcher Schwiegervater Ludwigs XV. geworden war, zum zweiten Male (S. 277). Rußland und Österreich lassen von einer Minderheit den Kurfürsten von Sachsen (Augusts II. Sohn) als August III. wählen und halten die Wahl in Polen mit ihren Truppen aufrecht. Dagegen treten Frankreich, Spanien und Sardinien für Stanislaus mit den Waffen ein.

Hauptschauplatz des Krieges Italien, wo Mailand, Neapel und Sicilien erobert werden, die Österreicher also alles bis auf Mantua verlieren. Am Oberrhein kämpft der alte Prinz Eugen († 1736) ohne Glück, nur Herzog Franz Stephan von Lothringen, der spätere Gemahl Maria Theresias, hält die Ehre der kaiserlichen Waffen aufrecht. Lothringen von den Franzosen besetzt. Friedenspräliminarien 1735 und nach weiteren Unterhandlungen

1738.

Friede zu Wien: 1. Stanislaus Lesczinski verzichtet zum zweiten Mal auf den polnischen Thron, erhält als Entschädigung die Herzogtümer Lothringen und Bar, welche nach seinem Tode Frankreich zufallen (Stanislaus † 1766). 2. Der Herzog von Lothringen Franz Stephan, Gemahl der Maria Theresia, wird durch das Großherzogtum Toskana entschädigt, wo 1737 das Haus Medici (S. 240) ausgestorben war. 3. Österreich überläßt Neapel und Sicilien als eine Sekundogenitur (so daß dieses Königreich nicht mit der Krone Spanien vereinigt werden darf) an die spanische Linie des Hauses Bourbon; es erhält dafür Parma und Piacenza (nach dem Aussterben der Farnese (S. 239) 1731 durch Erbschaft an Spanien gekommen). 4. Frankreich garantiert die Pragmatische Sanktion.

1736–1739.

Unglücklicher Türkenkrieg Österreichs (im Bunde mit Rußland, s. S. 295); Friede zu Belgrad: Orsowa, Belgrad, Serbien und die Kleine Walachei den Türken zurückgegeben (S. 278). Temesvar bleibt bei Österreich.

1713–1740.

Friedrich Wilhelm I., König von Preußen, Sohn Friedrichs I. (S. 267) erschließt durch gute Verwaltung und soldatische Zucht die natürlichen Hilfsquellen des Landes und hebt dessen Ertragsfähigkeit (s. Anhang). Bei nur 2½ Mill. Einwohnern hinterläßt er ein vorzügliches Heer von 83000 Mann (Fürst Leopold von Anhalt-Dessau) und einen Staatsschatz von 10 Mill. Talern. Seine Regierung bereitet die künftige Größe Preußens vor.

1740–1786.

Friedrich II., der Große,[50]

vereint die strenge Staatsordnung mit vielseitigen Kulturbestrebungen (S. Anhang): »Der König ist der erste Diener seines Staates« (Schrift Anti-Macchiavell). Kluge Fürsorge für sein Land und Heer, hohe Feldherrnbegabung und politisches Talent wirken zusammen zu großen Erfolgen.

1740. Okt.

Mit dem Tode Karls VI. erlischt der Mannesstamm des Hauses Habsburg. (Stammtafel S. 282). Die deutsche Kaiserwürde bleibt erledigt bis 1742.

1740–1780.

Maria Theresia, Königin von Böhmen und Ungarn, Erzherzogin von Österreich, geb. 1717, vermählt 1736 mit Franz Stephan aus dem Hause Lothringen, seit 1738 Großherzog von Toskana (Mitregent).

1740–1748.

Österreichischer Erbfolgekrieg. Auf das habsburgische Erbe erhebt Anspruch Kurfürst Karl Albert von Bayern, der die Pragmatische Sanktion nicht anerkannt hatte, als Nachkomme einer Tochter Kaiser Ferdinands I. auf Grund eines Testaments von 1547. Er wird unterstützt von Frankreich, welches auch Philipp V. von Spanien und Friedrich August II. von Sachsen (Gemahl der ältesten Tochter Josephs I., S. 278, 282) veranlaßt, Ansprüche zu erheben.

Friedrich II. von Preußen erbietet sich, gegen Anerkennung seiner Ansprüche auf Teile Schlesiens für Österreich zu kämpfen; durch die Zurückweisung seines Anerbietens entsteht noch vor Eröffnung der Feindseligkeiten durch die übrigen Prätendenten der

1740–1742.

Erste Schlesische Krieg.

Preußische Ansprüche auf Teile Schlesiens: 1. Das Fürstentum Jägerndorf war 1523 von der Ansbacher Linie des Hauses Hohenzollern erworben, später (1596) mit Brandenburg vereinigt, aber Fürst Johann Georg wurde 1621 als Anhänger Friedrichs V. von der Pfalz von Kaiser Ferdinand II. in die Acht erklärt und vertrieben (S. 253 f.). 2. Mit dem Herzog von Liegnitz, Brieg und Wohlau hatte Kurfürst Joachim II. 1537 eine Erbverbrüderung geschlossen, der jedoch Ferdinand I. als König von Böhmen und Oberlehnsherr widersprochen hatte. Nach dem Aussterben des herzoglichen Hauses der Piasten 1675 setzte sich Österreich in den Besitz ihrer Länder. 1686 entsagte Kurfürst Friedrich Wilhelm den schlesischen Herzogtümern gegen Abtretung des Schwiebuser Kreises und Erteilung einer Anwartschaft auf Ostfriesland. Der Schwiebuser Kreis ward aber Österreich in einem geheimen Vertrag mit dem Kurprinzen wieder zugesichert und von diesem (als Kurfürst Friedrich III.) 1695 wieder zurückgegeben.

1740. (Dez.)

Friedrich besetzt einen großen Teil Schlesiens.

1741.

Einzug Friedrichs in Breslau (3. Jan.), Erstürmung der Festung Glogau (9. März, Erbprinz Leopold von Dessau). Sieg bei Mollwitz (10. April, Feldmarschall Schwerin) über ein österreichisches Heer unter Neipperg, welches aber ungehindert aus Schlesien abzieht. Bündnis mit Frankreich (5. Juni).

Franzosen und Bayern rücken in Österreich ein und besetzen Linz (15. Sept.); Maria Theresia ruft in Preßburg die Hilfe des ungarischen Adels an und läßt durch Neipperg zu Klein-Schnellendorf einen Waffenstillstand mit Preußen schließen (9. Okt.), indem sie Niederschlesien aufgibt. Die Franzosen, Bayern und Sachsen erobern Prag (16. Nov.); Karl Albert läßt sich als König von Böhmen huldigen, wird bald darauf in Frankfurt als

1742–1745.

Karl VII. zum deutschen Kaiser gewählt.

1742.

Die Österreicher rücken in Bayern, die Preußen in Mähren ein. Friedrichs Sieg bei Chotusitz und Czaslau (17. Mai) führt zu dem

Frieden zu Breslau: Österreich tritt an Preußen Ober- und Niederschlesien und die Grafschaft Glatz ab, es behält nur die Fürstentümer Teschen, Troppau und (zum Teil) Jägerndorf.

Österreich führt nun den Krieg gegen Frankreich und Bayern mit mehr Glück; die Franzosen räumen Prag (Dez. 1742), Karl VII. muß aus München entfliehen (Juni 1743). Ein neues französisches Heer wird von König Georg II. von England (1727–1760), der als Bundesgenosse Österreichs die sog. Pragmatische Armee (Engländer, Hannoveraner, Hessen) heranführt, besiegt in der

1743.

Schlacht bei Dettingen (am Main unweit Aschaffenburg). Kaiser Karl VII. lebt als Flüchtling in Frankfurt.

Deutsche Linie des Hauses Habsburg.
Ferdinand I. (1556–1564).
__________________|________________________________________
Maximilian II. (1564–1576). Ferdinand v. Tirol. Karl von Steiermark.
__________________|____________________________ |
Rudolf II. Matthias Maximilian. Albrecht, Ferdinand II.
(1576–1612). (1612–1619). Statth. (1619–1637).
d. span. |
Niederlande, Ferdinand III.
1595–1621. (1637–1657).
|
Leopold I.
(1658–1705).
___________________________________________________|___________________
Maria Antonie, Joseph I. (1705–1711). Karl VI. (1711–1740).
Gem. Max Em. | |
v. Bayern. | |
______|__ _______|________ |
Joseph Ferdinand, Maria Josepha, Maria Amalia, Maria Theresia
Kurpr. v. Bayern Gem. August III. Gem. Karl Albert (1740–1780).
(†1699). v. Sachsen-Polen, v. Bayern
(Kais. Karl VII.).
Haus Lothringen.
Franz I., Großhzg. v. Toskana 1738, deutscher Kaiser 1745–1765.
Gem. Maria Theresia, Tochter Karls VI, des letzten Habsburgers.
_______________________|_______________________
Joseph II., Leopold II., Ferdinand,
1765–1790. Großhzg. v. Toskana Gem. d. Erbin v.
seit 1765, deutscher Modena.
Kaiser 1790–1792. _______________________
__________________|_____________________________________________ |
Franz II (I.), Ferdinand, Karl, Joseph, Johann, Rainer, Ludwig, |
deutscher Kaiser Grhzg. v. †1847. †1847. Reichs- †1853. †1864. Franz IV.,
1792–1806, Toskana, | verweser Herzog v.
Kaiser v. †1824. Albrecht, 1848–1849, Modena.
Österreich | †1895. †1859. |
1804–1835. Leopold II., Grhzg. v. Toskana. Franz V. Ferdinand,
_______|_________________________________ | 1859 vertrieben,
Marie Luise, Ferdinand I., Franz Karl Ferdinand IV., †1875.
Gem. 1835–1848, †1875. Gem. Sophie letzter Grhz.
Napoleons I., v. Bayern. v. Toskana.
Hzgn. v. Parma, | †1908.
†1847. |
|
____________________________________|_________________________
Franz Joseph I., Ferdinand Karl Ludwig, †1896. Ludwig.
Gem. Elisabeth Maximilian, ___|______________________________
v. Bayern, Ks. v. Mexiko, Franz Ferdinand, Otto, †1906. Ferdinand.
†1898. †1867. (Thronfolger). |
____|___________________ Gem. Sophie, _____|__________
Gisela, Rudolf, Valerie, Hzgn. v. Karl Franz Maximilian
Gem. †1889. Gem. Franz Hohenberg. Joseph, Eugen Ludwig.
Leopold Salvator, präsumpt
von Bayern. Neffe Ferdinands IV. Thronerbe.
Gem. Zita v.
Bourbon-Parma.

Haus Hohenzollern.
Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst (1640–1688)
Gem. Luise Henriette von Oranien †1667.
Friedrich III. (I.) 1688 (1701)–1713.
Friedrich Wilhelm I., 1713–1740.
___________|_____________________________
| | | |
Friedrich II., August Wilhelm, Heinrich, Ferdinand,
d. Große, †1758. †1802. †1813.
1740–1786. | _____|_____________
| | |
Friedrich Wilhelm II., Louis Ferdinand, August,
1786–1797. †1806. †1843.
_________________|_____________________________________________________
| | | | | |
Friedrich Wilhelm III., Ludwig, Wilhelmine, Auguste, Heinrich, Wilhelm,
1797–1840. †1796. Königin d. Kurfürstin †1846. †1851.
Gem. Luise v. Mecklenburg, Niederl. v. Hessen, |
†1810. †1837. †1841. _____________|__
| | | |
| Adalbert, Waldemar, Maria,
| †1873. †1849. †1889.
| Gem. Max. II.,
| K. v. Bayern.
________|_____________________________________________________________...
| | | |
Friedrich Wilhelm I., Charlotte, Karl.
Wilhelm IV., 1861–1888, †1860, †1883.
1840–1861. 1871 deutsch. Gem. Nikolaus I., Gem. Maria
Gem. Elisabeth Kaiser, Ks. v. Russland. v. S.-Weimar.
v. Bayern. Gem. Augusta |
v. Sachs.-Weimar, |
†1890. |
_______________|_____ Friedrich Karl,
| | †1885.
Friedrich III., Luise, ___________|_______
†1888, Gem. Grhz. | |
als Kronprinz v. Baden, Luise Margarete, Friedr. Leopold,
Friedrich Wilhelm. †1907. Gem. Artur. Gem. Luise Sophie
Gem. Viktoria, Hz. v. Connaught. v. Holst-Augustenb.
Princess Royal
v. England,
†1901.
_______________________________________________________________________
| | | | |
Wilhelm II., Charlotte, Heinrich, Viktoria, Sophie, Margarete,
seit 1888. Gem. Erbprinz Gem. Irene Gem. Prinz Gem. Gem. Prinz
Gem. Auguste Viktoria v. Meiningen. v. Hessen, Adolf v. Kronprinz Karl v.
v. Holstein- _________| Schbg. v. Hessen.
Augustenburg. ______|_______ -Lippe. Griechenland.
| | |
| Waldemar. Sigismund.
___|___________________________________________________________________
| | | | | | |
Wilhelm, Eitel Adalbert. August Wilhelm. Oskar. Joachim. Viktoria
Gem. Cecilie Friedrich, Gem. Alexandra Luise.
V. Mecklenburg. Gem. Sophie v. Schl.-Holstein.
| Charlotte
| v. Oldenburg.
_____|___________________________________________
| | | |
Wilhelm. Louis Ferdinand. Hubertus Karl. Friedrich
Friedrich Wilhelm III.,1797–1840.
Gem. Luise v. Mecklenburg,
†1810.
...__|_________________________________________
| | |
Alexandrine, Luise, Albrecht,
†1892. †1870. †1872.
Gem. Grh. Paul Gem. Friedrich, Gem. Marianne,
Friedr.v.Meckl. Prz. d. Niederl. Przin. d. Niederl.
|
Albrecht,
Regent v. Braunschw.
†1906.
|
Friedr. Heinr.
Joachim Albrecht.
Friedrich Wilhelm.
Gem. Agathe
v. Ratibor
u. Corvey.

Diese Erfolge Österreichs und dessen Verträge mit Sardinien und Sachsen gegen Preußen machen den König Friedrich für seine neue Erwerbung besorgt. Er schließt abermals ein Bündnis mit Frankreich und Karl VII. und beginnt, nachdem er (1744) Ostfriesland nach dem Aussterben des Fürstenhauses der Cirksena mit seinem Staate vereinigt hat (S. 281), den

1744–1745.

Zweiten Schlesischen Krieg.

Mit 80 000 Mann »kaiserlicher Hilfstruppen« rückt der König durch Sachsen in Böhmen ein, erobert Prag, wird aber bald darauf infolge des Rückzuges der Franzosen, die ihn ohne Beistand lassen, nach Schlesien zurückgedrängt (1744).

1745.

Nach Karls VII. Tode in München entsagt sein Sohn Max Joseph (1745–1777) im Frieden zu Füßen allen Erbansprüchen auf Österreich und verspricht dem Gemahl der Maria Theresia, Franz Stephan, seine Stimme bei der Kaiserwahl.

Die Franzosen unter dem Marschall Moritz von Sachsen, einem Sohne Augusts II. und der Gräfin Aurora Königsmark, dringen nach dem Siege bei Fontenoy in die österreichischen Niederlande ein und erobern Brüssel.

1745.

Friedrichs Siege bei Hohenfriedeberg (in Schlesien, 4. Juni, über Herzog Karl von Lothringen, Bruder Franz Stephans) und bei Soor (im nordöstl. Böhmen, 30. Sept.) beweisen aufs neue die Überlegenheit der preußischen Waffen. Nach einem dritten Siege, den der alte Feldmarschall Leopold von Dessau († 1747) bei Kesselsdorf (unweit Dresden, 15. Dez.) über die Sachsen davonträgt, folgt der

Friede zu Dresden: Bestätigung des Besitzes von Schlesien; Friedrich erkennt den Gemahl Maria Theresias als Kaiser an.

1745–1765.

Franz I. deutscher Kaiser (Haus Lothringen- Toskana 1745–1806).

Beendigung des Österreichischen Erbfolgekriegs: Nachdem die besten englischen Truppen nach England gegen den von Frankreich unterstützten Prätendenten Karl Eduard (S. 299) abberufen sind, vollendet der Marschall Moritz von Sachsen durch den Sieg bei Raucoux 1746 die Eroberung der österreichischen Niederlande. Maria Theresia schließt ein Bündnis mit Elisabeth von Rußland (S. 295), die 1748 Truppen nach Deutschland sendet. Frankreichs Verluste in dem gleichzeitigen Seekriege mit England (S. 299f.) dämpfen die Kriegslust der Franzosen.

1748.

Friede zu Aachen: 1. Österreich tritt Parma und Piacenza an den spanischen Infanten Don Philipp ab (zweite Sekundogenitur der spanischen Bourbons in Italien, S. 279). 2. Gewährleistung Schlesiens für Preußen, der Pragmatischen Sanktion für Österreich, der britischen Thronfolge für das Haus Hannover (S. 272).

Veränderung des europäischen Staatensystems durch den Eintritt Preußens in die Reihe der Hauptmächte. Friedrichs d. Gr. Friedensregierung (s. Anhang) wird ein Vorbild für andere Staaten. — In Sanssouci (1745–1747 erbaut) lebt 1750–1763 Voltaire; auch die Gelehrten Maupertuis, d’Argens, La Mettrie und Algarotti werden herangezogen.

In Österreich durch Maria Theresia Abstellung vieler Mißstände, Hebung der Finanzen, Bildung eines tüchtigen Heeres (Daun). Sparsame Hofhaltung. Sorge für Handel, Industrie und Ackerbau. Erleichterung der Leibeigenschaft. Gründung der Volksschule. Abschaffung der Folter.

In Dresden glänzende Hofhaltung Augusts des Starken († 1733) und Augusts III. († 1763). Italienische Oper, Gründung der Gemälde-Gallerie 1746. Minister Graf Brühl († 1763).

Aufblühen der deutschen Literatur: Albrecht von Haller in Bern, dann in Göttingen (Universität gegr. 1737; † 1777 in Bern). Fr. von Hagedorn in Hamburg († 1754), Gottsched († 1766) und Gellert († 1769) in Leipzig; Gleim in Halberstadt († 1803), Ramler († 1798) und Ewald von Kleist in Berlin († 1759 in Frankfurt a. O.). Klopstock geb. 1724 zu Quedlinburg (1748 der Messias), 1751 in Kopenhagen († 1803 in Hamburg). Lessing geb. 1729 zu Kamenz (Oberlausitz), 1751 in Berlin († 1781 in Braunschweig).

1756–1763.

Siebenjähriger (Dritter Schlesischer) Krieg.

Maria Theresia, seit 1746 mit Rußland verbündet, sucht auch Frankreich zu gewinnen. Fürst Kaunitz (1740–1753 österreichischer Gesandter in Paris, dann Reichskanzler in Wien) bewirkt eine Aussöhnung der Jahrhunderte lang feindseligen (S. 206) Kabinette von Wien und Versailles; die Marquise von Pompadour begünstigt das Bündnis. England, 1750 dem österreichisch-russischen Bündnis angeschlossen, tritt 1755 mit Rußland in besonderen Bund, aber erneute Feindseligkeiten Frankreichs wegen der Besitzungen in Nordamerika veranlassen Georg II., im Jan. 1756 den Vertrag von Westminster mit Preußen abzuschließen. Beide Mächte garantieren sich ihren Besitz. Für den Fall eines Krieges verspricht England Hilfsgelder. Darauf Bündnis zwischen Frankreich (Ludwig XV. 1715–1774) und Österreich (Mai 1756).

Friedrich d. Gr., von den Plänen seiner Feinde unterrichtet, entschließt sich ihnen zuvorkommen und eröffnet den Krieg, ehe die Rüstungen der Gegner beendet sind.

1756.

(29. Aug.) Einfall Friedrichs in Sachsen mit 67000 Mann. Dresden besetzt, das sächsische Heer bei Pirna eingeschlossen. Friedrich zieht mit 24000 Mann den Österreichern entgegen und gewinnt den

1. Okt.

Sieg bei Lobositz (in Böhmen).

16. Okt.

17000 Sachsen ergeben sich als Kriegsgefangene und werden zum Dienst im preußischen Heere gezwungen. Kurfürst Friedrich August II. verläßt die Festung Königstein und entflieht nach Warschau (S. 279).

1757.

Erklärung des Reichskrieges an Preußen; doch bleiben Hannover, Hessen, Braunschweig, Sachsen-Gotha mit Preußen verbunden. Österreich und Rußland (Elisabeth, Tochter Peters d. Gr. 1741–1762) schließen einen. Angriffs- und Teilungsvertrag gegen Preußen (Febr.), ebenso Österreich und Frankreich (Mai). König Adolf Friedrich von Schweden (1751–1771, S. 294) tritt gegen das Versprechen, Pommern zu bekommen, dem Bunde gegen seinen Schwager Friedrich bei; seine Teilnahme am Kriege ist jedoch unbedeutend. Bündnis zwischen Preußen und England; letzteres verpflichtet sich 1758 zur Zahlung von Hilfsgeldern (4 Millionen Taler jährlich).

April.

Die Preußen rücken in vier Heeresabteilungen (über Trautenau, Reichenberg, Nollendorf, Komotau, zusammen 117000 Mann) in Böhmen ein.

6. Mai.

Sieg Friedrichs bei Prag über die Österreicher (Herzog Karl von Lothringen und Browne). Schwerin †.

Friedrich belagert Prag, greift mit einem Teil seines Heeres den zum Einsatz anrückenden Daun an, erleidet aber eine bedeutende

18. Juni.

Niederlage bei Kolin. Prag und ganz Böhmen aufgegeben, Rückzug nach der Lausitz. Die Franzosen dringen bis zur Weser vor.

26. Juli.

Schlacht bei Hastenbeck, Sieg der Franzosen über Friedrichs Verbündete (unter dem Herzog von Cumberland, zweitem Sohne König Georgs II.).

Die Russen (Apraxin) greifen in Ostpreußen den Feldmarschall Lehwaldt mit überlegener Macht an und siegen (30. Aug.) bei Großjägersdorf, gehen aber wegen Verpflegungssorgen und Krankheit der Kaiserin Elisabeth nach der preußisch-polnischen Grenze zurück.

Friedrich läßt die größere Hälfte seines Heeres (unter dem Herzog von Braunschweig-Bevern und General v. Winterfeld) in der Lausitz zurück und zieht mit 25000 Mann nach Thüringen. Winterfeld † im Gefecht bei Moys (unweit Görlitz, 7. Sept.).

8. Sept.

Vertrag zu Kloster Zeven (Herzog von Cumberland und Richelieu), wonach die Franzosen Hannover besetzen. Ein zweites französisches Heer unter Soubise vereinigt sich mit dem Reichsheere, um Sachsen zu befreien. Friedrich zieht diesen Feinden entgegen; General v. Seydlitz mit der Vorhut vertreibt sie (19. Sept.) aus Gotha.

5. Nov.

Sieg Friedrichs bei Roßbach (westlich von der Saale, unweit Merseburg) mit 22000 Mann (die Reiterei unter Seydlitz) über Soubise und das Reichsheer (64000 Mann).

Der Vertrag von Zeven wird von der englischen Regierung verworfen. Herzog Ferdinand von Braunschweig erhält den Oberbefehl gegen die Franzosen. Friedrich zieht in Eilmärschen nach Schlesien, wo die Österreicher den Herzog von Braunschweig-Bevern in der

22. Nov.

Schlacht bei Breslau geschlagen und gefangen hatten.

5. Dez.

Sieg Friedrichs bei Leuthen mit 32000 Mann über 80000 Österreicher (Karl von Lothringen und Daun). Breslau wiedergewonnen.

1758.

Friedrich erobert Schweidnitz, dringt in Mähren ein, belagert Olmütz vergeblich, muß sich, da Daun heranrückt, nach Schlesien zurückziehen. Im Osten Vorrücken der Russen (Fermor), die sich mit den Österreichern zu vereinigen suchen. Im Westen treibt Ferdinand von Braunschweig die Franzosen über den Rhein zurück, schlägt sie in der

23. Juni.

Schlacht bei Krefeld und verteidigt sich dann, durch englische Truppen (8500 Mann) verstärkt, in Westfalen gegen zwei französische Heere.

Die Russen dringen nach Eroberung Ostpreußens bis zur Oder vor und belagern Küstrin. Friedrich läßt einen Heeresteil in Sachsen unter seinem Bruder, dem Prinzen Heinrich, zurück, einen andern in Schlesien unter dem Feldmarschall Keith und zieht gegen die Russen.

25. Aug.

Sieg Friedrichs (Seydlitz) bei Zorndorf (unweit Küstrin) über die Russen (42000 Mann unter Fermor gegen 36000 Preußen).

Die Österreicher rücken nach der Lausitz vor; der König kommt seinem Bruder Heinrich zu Hilfe.

14. Okt.

Niederlage Friedrichs bei Hochkirch (unweit Bautzen) durch Daun. Dennoch behauptet er Sachsen und Schlesien und entsetzt Neiße.

1759.

Herzog Ferdinand von Braunschweig, von den Franzosen unter dem Herzog von Broglie bei Bergen (unweit Frankfurt am Main) zurückgeschlagen (13. April), behauptet, das Wesergebiet durch seinen

1. Aug.

Sieg bei Minden. Erneutes Vorrücken der Russen (Soltykow), sie schlagen den General v. Wedell, dem der König die Vollmacht eines Dictators gegeben hatte, bei Kay unweit Züllichau (23. Juli). Friedrich kann ihre Vereinigung mit den Österreichern unter Laudon nicht hindern. Schwere

12. Aug.

Niederlage Friedrichs bei Kunersdorf (bei Frankfurt a. d. Oder) durch die Österreicher und die im Anfange bereits geschlagenen Russen. Aber Daun mit dem zweiten österreichischen Heere bleibt in der Lausitz stehen, wird von Prinz Heinrich am Vorrücken gehindert. Friedrichs Lager bei Fürstenwalde. Er folgt den in der Richtung auf Glogau abziehenden Russen und wendet sich dann nach Sachsen.

4. Sept.

Dresden von Österreichern und Reichstruppen eingenommen. Der General Schmettau erhält freien Abzug. Friedrich versucht die Stadt wiederzugewinnen; aber das von ihm nach Maxen (unweit Pirna) entsandte Korps des General Finck (12000 Mann) wird von Daun eingeschlossen

20. Nov.

und gefangen. Friedrich behauptet seine Winterquartiere in der Gegend zwischen Freiberg und Meißen.

1760.

Fouqué von Laudon in der

23. Juni.

Schlacht bei Landshut geschlagen und mit 8000 Mann gefangen. Nach vergeblicher Belagerung Dresdens zieht der König nach Schlesien, wo Breslau vom General v. Tauenzien tapfer verteidigt wird.

15. Aug.

Sieg Friedrichs bei Liegnitz über die Österreicher unter Laudon. Er hindert die Vereinigung der Russen mit den Österreichern.

Sept.

Kolberg behauptet sich gegen die belagernden Russen, wird entsetzt durch den raschen Zug des Generals von Werner.

Okt.

Besetzung Berlins durch Russen (Tottleben) und Österreicher. Beim Heranrücken des Königs ziehen sich die Feinde zurück. Darauf blutiger

3. Nov.

Sieg Friedrichs bei Torgau über die Österreicher unter Daun. General v. Zieten entscheidet den Sieg durch Erstürmung der Süptitzer Höhen.

1761.

Friedrich im Lager bei Bunzelwitz (bei Schweidnitz) den vereinigten Österreichern (Laudon) und Russen (Buturlin) gegenüber, die nichts Entscheidendes gegen ihn wagen. Trennung der verbündeten Heere. Schweidnitz wird von den Österreichern, Kolberg von den Russen genommen. Friedrich im Lager bei Strehlen, um Breslau zu decken. In Sachsen behauptet sich Prinz Heinrich, an der Weser Herzog Ferdinand von Braunschweig. Bedrängte Lage Friedrichs, der infolge der Thronbesteigung Georgs III. (1760–1820) auch die englischen Hilfsgelder verliert. Der

1762. 5. Jan.

Tod der Kaiserin Elisabeth von Rußland bringt eine günstige Wendung. Ihr Nachfolger Peter III. (S. 277, 293), ein Verehrer Friedrichs, schließt mit Preußen Frieden, bald darauf ein Bündnis, doch wird dieses durch seine Entthronung und Ermordung (Juli) wieder aufgehoben. Seine Nachfolgerin Katharina II. ruft ihre Truppen von Friedrichs Heer ab, doch tragen die Russen unter Czernitschew noch durch ihre untätige Gegenwart zu dem

21. Juli.

Sieg Friedrichs bei Burkersdorf über die Österreicher bei. Schweidnitz wiedergewonnen. Nachdem Herzog Ferdinand die Franzosen bei Wilhelmsthal unweit Kassel (24. Juni), Prinz Heinrich die Österreicher und Reichstruppen bei Freiberg (29. Okt.) besiegt hat und General v. Kleist bis Nürnberg vorgedrungen ist (29. Nov.), tritt Waffenruhe ein. Da England und Frankreich miteinander Frieden schließen und die französischen Truppen Deutschland räumen, ist auch Maria Theresia zum Frieden geneigt.

1763. 15. Febr.

Friede zu Hubertusburg (Jagdschloß unweit Grimma): Friedrich d. Gr. behält Schlesien, räumt den noch besetzten Teil Sachsens, verspricht seine Kurstimme für die Wahl des Erzherzogs Joseph zum römischen König.

Preußen hat im Siebenjährigen Kriege den Kampf um sein Dasein ruhmvoll bestanden und Deutschland gegen die Angriffe des Auslandes verteidigt. Das gesunkene deutsche Nationalgefühl richtet sich wieder an Friedrichs Heldentum auf.

Durch die Eroberung von Schlesien, die Erwerbung Westpreußens bei der ersten polnischen Teilung (S. 296), — Friedrich nennt sich seitdem König von Preußen — und die Aufrechterhaltung des deutschen Reichssystems gegen die Bestrebungen Kaiser Josephs II. (S. 290f.) wird Preußen eine europäische Großmacht. Alle Welt bewunderte das Resultat, aber das preußische Staatswesen besaß bereits nicht mehr die Zuneigung der Zeitgenossen. — Friedrichs Fürsorge für sein Land, s. Anhang.

1765–1790.

Joseph II., deutscher Kaiser, für die österreichischen Länder bis 1780 nur Mitregent seiner Mutter Maria Theresia und wie sein Vater ohne bedeutenden Einfluß auf die innere Regierung.

1767.

Versuch einer Reform des Reichskammergerichts zu Wetzlar.

1769.

Zusammenkunft mit Friedrich II. in Neiße, der 1770 ein Gegenbesuch in Mährisch-Neustadt folgt.

1778–1779.

Bayrischer Erbfolgekrieg. Veranlassung: Aussterben der bayrischen Kurlinie mit Max Joseph (1777). Karl Theodor, 1743–1799 (S. 279), Kurfürst von der Pfalz und Herzog von Jülich und Berg, als Haupt der älteren Linie des Hauses Wittelsbach (vgl. S. 186) rechtmäßiger Erbe der bayrischen Länder, läßt sich von Kaiser Joseph II. bewegen, alte Ansprüche Österreichs auf Niederbayern und auf Teile der Oberpfalz anzuerkennen.

Vertrag zu Wien (1778, Januar). Besetzung von Niederbayern durch österreichische Truppen. Karl Theodor war kinderlos; mit seinem Erben, dem Herzog Karl von Pfalz-Zweibrücken, tritt Friedrich der Große in Verbindung und ermutigt ihn zum Widerstande gegen die österreichischen Ansprüche.

Friedrich rückt mit Truppen in Böhmen ein; es kommt zu keiner Schlacht.

1779.

Friede zu Teschen: Österreich behält von Bayern nur das Innviertel und willigt in die künftige (1791 erfolgte) Vereinigung der Markgrafschaften Ansbach und Baireuth mit der preußischen Monarchie. Bayern und Pfalz (mit Jülich und Berg, s. S. 252, 279) bleiben vereinigt.

1780–1790.

Joseph II. in Österreich. Auf die durch manche Verbesserungen der Verwaltung für Österreich segensreiche Regierung Maria Theresias (S. 285) folgt das stürmische Vorgehen Josephs. Von dem Ideal eines starken Einheitsstaates erfüllt, strebt er danach, die Macht der bevorrechtigten Stände (Geistlichkeit und Adel) zu brechen, alle provinzielle Selbständigkeit zu beseitigen und Einheit der Verwaltung (Zentralisation) herzustellen. Die deutsche Sprache auch in Ungarn als Amtssprache eingeführt.

1781.

Toleranzedikt zu Gunsten der nicht katholischen Untertanen. Über 700 Klöster aufgehoben, für die noch verbleibenden (mehr als 1300) Staatsaufsicht vorgeschrieben. Beschränkung des Verkehrs der Geistlichkeit mit Rom; der Besuch des jesuitischen Collegium germanicum in Rom verboten (Jesuitenorden 1773 durch Papst Clemens XIV. aufgehoben); landesherrliches Placet für die päpstlichen Erlasse eingeführt. Vergebliche Reise des Papstes Pius VI. nach Wien 1782, um diese Neuerungen abzuwenden.

Aufhebung der Leibeigenschaft, doch bleiben noch manche Dienstverpflichtungen der Bauern bestehen. Reform des Gerichtswesens.

1785.

Kaiser Josephs Plan eines Ländertausches, wonach Karl Theodor ganz Bayern an Österreich abtreten und dafür die österreichischen Niederlande (Belgien) außer Luxemburg und Namur als Königreich Burgund erhalten soll. Frankreich verhält sich gleichgültig, Rußland sucht durch Zureden und Drohungen den bayrischen Thronerben, den Herzog Karl von Pfalz-Zweibrücken, zur Einwilligung zu bewegen. Dieser wendet sich um Hilfe an Friedrich den Großen, welcher noch ein Jahr vor seinem Tode († 1786, 17. Aug.), den

1785.

deutschen Fürstenbund zwischen Preußen, Sachsen, Hannover zustande bringt, dem dann viele kleinere Staaten beitreten nach dem Vorgang »des einstigen Schmalkaldischen« (S. 230ff.).

Damit die deutsche Reichsverfassung und die Dynastien gegen die Pläne des Kaisers sicher gestellt. Ebenso Widerstand gegen Josephs Reformen in den österreichischen Niederlanden und in Ungarn. Die Aufhebung der Verfassung von Brabant bewirkt einen Aufstand der belgischen Provinzen (1789). Joseph, aus dem gemeinschaftlich mit Rußland unternommenen Türkenkriege (S. 297) krank zurückgekehrt, stirbt kinderlos Febr. 1790, nachdem er fast alle Neuerungen wieder aufgehoben hatte.

1786–1797.

Friedrich Wilhelm II., König von Preußen, Neffe Friedrichs d. Gr., nicht von gleicher Tätigkeit und Entschlossenheit wie seine beiden Vorgänger. Die Finanzen des Staates kommen in Unordnung, das Heerwesen verfällt (s. Anhang).

1791.

Ansbach und Bayreuth durch Erbanfall gewonnen.

1790–1792.

Leopold II. Kaiser, Josephs Bruder und Nachfolger, seit 1765 Großherzog von Toskana. Er unterdrückt den Aufstand in Belgien, indem er zugleich die alten Verfassungen und Privilegien wiederherstellt. Manche Reformen Josephs noch von Leopold II. beseitigt, doch bleibt das Toleranzedikt und die Aufhebung der Leibeigenschaft. Durch die Konferenzen in Reichenbach 1790 wird ein Krieg mit Preußen abgewendet, welches mit den Türken und mit Polen Bündnisse geschlossen hatte (Minister v. Hertzberg), um Rußland und Österreich entgegenzuwirken (S. 297). Der Fürstenbund gesprengt. Preußen wieder im Schlepptau der österreichischen Politik.

Entfaltung d. deutschen Literatur u. Wissenschaft.

Winkelmann 1717–1768, Geschichte der Kunst des Altertums 1764. Lessings Laokoon 1766, Hamburgische Dramaturgie 1767, Nathan 1779; Goethes Götz v. Berlichingen 1773, Iphigenie 1787, Hermann und Dorothea 1797; Schillers Räuber 1781, Don Carlos 1787, Glocke und Wallenstein 1799. Kant 1724–1804 in Königsberg i. Pr.; Kritik der reinen Vernunft 1781; F. A. Wolf 1759–1824, Prolegomena ad Homerum 1792.

Klopstock s. S. 285. Lessing 1729 in Kamenz geb., 1760 in Breslau, 1767 in Hamburg, 1770 in Wolfenbüttel, † 1781. Wieland 1772–1813 (geb. 1733), Goethe 1775, Herder 1776 bis 1803 (geb. 1744) in Weimar am Hofe des Herzogs Karl August. Goethe geb. 1749 in Frankfurt a. M., † 1832 in Weimar. Schiller geb. 1759 in Marbach, 1782 Flucht aus Stuttgart, 1785 in Dresden, 1789 in Jena, 1799 in Weimar, † 1805.

Zu nationaler und allgemeiner Bedeutung gelangt auch die deutsche Musik: Seb. Bach in Leipzig († 1750, Matthäuspassion 1729), Händel (geb. in Halle a. Saale, † in London 1759, Messias 1741), Gluck († in Wien 1787), Haydn († in Wien 1809, die Schöpfung 1797), Mozart († in Wien 1791).

Auch an dem Aufschwung der Naturwissenschaften nimmt Deutschland teil. Linné 1741 in Upsala, Jussieu und Buffon in Paris. Euler 1741 in Berlin, 1766 in Petersburg, Blumenbach 1780 in Göttingen; Herschel, 1781 Entdeckung des Planeten Uranus in Greenwich. Celsius 1730 in Upsala, Réaumur in Paris. Galvani 1780 in Bologna, Volta in Pavia. Lavoisier 1794 in Paris hingerichtet. Französische Gradmessung zur Bestimmung des Erdumfangs 1792–1808.

§ 8. Der Norden und Osten.

Dänemark (mit Norwegen), seit Beendigung des Nordischen Krieges im vollständigen Besitz Schleswigs (S. 277), erfreut sich unter Friedrich IV., Christian VI., Friedrich V., Christian VII., (Graf Bernstorff Minister 1751–1770) eines langen inneren und äußeren Friedens. Unter dem schwachen Christian VII. beginnt 1770 der Minister Struensee (geb. in Halle, Arzt in Altona, Reisebegleiter des Königs, Erzieher des Kronprinzen, Günstling der Königin Karoline Mathilde) übereilte Reformen nach dem Vorbild Friedrichs II. und Josephs II. Er wird 1772 durch eine Verschwörung der Adelsaristokratie (Königin-Mutter Juliane Marie) gestürzt und mit seinem Freunde Brandt enthauptet.

Der jüngere Bernstorff (Neffe des vorigen), Minister 1773 bis 1780 und wiederum 1784–1797, beendigt den Streit mit dem Hause Holstein-Gottorp 1773 durch einen Vertrag mit der in Rußland regierenden älteren Linie desselben: Abtretung des Stammlandes Oldenburg (S. 268) an die jüngere Linie, welche im Besitz des Bistums Lübeck (S. 255, Hauptort Eutin) war; dafür ganz Holstein mit Dänemark vereinigt.

Schweden im Innern zerrüttet und geschwächt durch die Zwistigkeiten der den Reichstag beherrschenden Adelsparteien (Hüte für Frankreich, Mützen für Rußland). Die königliche Gewalt unbedeutend unter Friedrich von Hessen-Kassel (1720 bis 1751, S. 277). Unglücklicher Krieg gegen Rußland 1741 bis 1743, beendigt durch den Frieden zu Åbo: 1. Abtretung des südlichen Finnland, der Kymmene-Fluß wird Grenze zwischen Schweden und Rußland, dadurch gesicherte Lage Petersburgs. 2. Prinz Adolf Friedrich von Holstein-Gottorp (S. 293), Verwandter des russischen Kaiserhauses, wird zum Thronfolger in Schweden bestimmt.

Das dänische Königshaus und das Haus Holstein-Gottorp.
Christian I., K. v. Dänemark, † 1481.
_________________|___________
| |
Johann, K. v. Friedrich I., K. v. Dänemark, † 1533.
Dänemark, † 1513. |
| ______|____________
| | |
Christian II., Christian III., Adolf, Hz. zu Gottorp.
K. v. Dänemark, K. v. Dänemark, |
abgesetzt 1523. † 1559. |
___________|__ Sein Urenkel
| | Christian Albrecht,
Friedrich II., Johann, Stifter der Universität Kiel 1665.
K. v. Dänemark. Hg. zu _____|________________
| Sonderburg. Friedrich IV., Christian August,
Königliche Linie | Hz. zu. Gottorp. Bischof v. Lübeck.
bis Friedrich VII., ___|_____ | |
† 1863 | | | _______|_______________________
Augustenburger Glücksburger | | | |
Linie. Linie. | Adolf Friedr., Friedr. Aug., Georg
_______| K. v. Bischof Ludwig.
| Schweden. v. Lübeck,
Karl Friedrich, Gem. Luise 1773 Hz.
Gem. Anna, d. Ulrike v. Oldenburg.
ält. Tochter v. Preußen.
Peters d. Gr.
| |
Peter III., † 1762, | |
Zar von Rußland. Schwedische Peter,
Gem. Katharina II. Linie bis 1818. Begründer der
v. Anhalt Zerbst, † 1796. Oldenburger
| Linie.
Russische Linie.

1751–1818.

Haus Holstein-Gottorp in Schweden.

Unter Adolf Friedrich (1751–1771) unrühmliche Teilnahme am Siebenjährigen Kriege. Sein Sohn Gustav III. (1771–1792) stürzt durch einen unblutigen Staatsstreich 1772 die Macht des Adels; die Stände (Adel, Geistlichkeit, Bürger, Bauern) beraten fortan nur über die vom König gemachten Vorschläge und haben das Recht des Einspruchs gegen einen Angriffskrieg.

1788–1790.

Krieg gegen Rußland, um die Ostseeprovinzen wiederzugewinnen. Nach dem unentschiedenen Seetreffen bei der Insel Hogland rückt Gustav III. in den an Rußland 1743 abgetretenen Teil Finnlands ein; die Offiziere verweigern ihm den Gehorsam. Er findet Unterstützung in Stockholm und Dalarne; die Stände bewilligen ihm (gegen den Adel) das Recht des Angriffskrieges. Trotz glänzender Waffentaten Gustavs (Seesieg bei Svenskasund 1790) Friede zu Werelä ohne Vorteil für Schweden.

1792.

Gustav III. von Ankarström, einem ehemaligen Offizier, ermordet; Regentschaft eingesetzt für seinen minderjährigen Sohn Gustav IV.

Rußland und Polen.

Alexei, †1676.
____________|_________________________________
| | | |
Feodor III., Iwan V., Sophia. Peter der Große,
†1682. †1696. †1725. Gem.
_________|____ Katharina I.,
| | †1727.
Katharina, Anna, ________|________________
Herzogin v. †1740. Alexei, Anna, Elisabeth,
Meckl.-Schwerin. †1718. Gem. Karl †1762.
| | Friedr. v.
Anna, Peter II., Holstein-Gottorp.
Herzogin v. Braunschweig. †1730. |
| Peter III.,
Iwan VI. bis 1741, † 1764. †1762. Gem.
Katharina II.,
† 1796.

Auf Peter den Großen, dessen zur altrussischen Partei neigender Sohn Alexei, vom Vater zum Tode verurteilt, im Gefängnis gestorben war (1718), folgt kraft eines von Peter 1722 erlassenen Gesetzes, welches den jedesmaligen Herrscher zur Ernennung seines Nachfolgers ermächtigte (später durch Paul I. wieder aufgehoben), seine Gemahlin

1725–1727.

Katharina I., geleitet von Fürst Menschikow, (S. 269), der durch seine Herrschsucht sich den Haß der altrussischen Partei zuzieht.

1727–1730.

Peter II., 12 Jahre alt, Enkel Peters d. Gr. Menschikow durch die Familie Dolgoruki gestürzt und nach Sibirien verbannt, wo er 1729 stirbt. Die Residenz nach Moskau zurückverlegt.

1730–1740.

Anna Iwanowna, Nichte Peters d. Gr., von Münnich, Ostermann und ihrem Günstling Biron (eigentlich Bühren) geleitet. Rückkehr des Hofes nach St. Petersburg; Biron herrscht bald unumschränkt und unterdrückt die Dolgoruki; 1737 wird er auf Wunsch der Kaiserin von August III., König von Polen (1733–1763), zum Herzog von Kurland ernannt. Rußlands Einfluß in Polen wird durch den polnischen Thronfolgekrieg (s. S. 279f.) begründet. In dem mit Österreich gemeinschaftlich (s. S. 279) geführten Türkenkrieg wird trotz der Siege des Feldmarschalls Münnich nur Asow wieder gewonnen (S. 275). Auf die Kaiserin Anna folgt ihr Großneffe, der unmündige

1740–1741.

Iwan VI., dessen Mutter Anna von Braunschweig nach dem durch Münnich bewirkten Sturz Birons kurze Zeit die Regierung führt (Biron nach Sibirien). Durch einen Soldatenaufstand erlangt den Thron

1741–1762.

Elisabeth, die jüngste Tochter Peters des Großen. Iwan wird gefangen. Münnich und Ostermann werden nach Sibirien geschickt, Biron kommt zurück. Launenhafte Regierung unter dem Einfluß der Günstlinge; der preußenfreundliche L’Estocq, dem die Kaiserin hauptsächlich den Thron verdankt, wird 1748 durch Bestuschew, den Freund Österreichs, gestürzt, Bestuschew fällt 1758 in Ungnade. Rußlands Teilnahme am Siebenjährigen Kriege s. S. 285–289. Nach Elisabeths Verfügung gelangt ihr Neffe Peter, Herzog von Holstein-Gottorp, zum Thron.

Seit 1762. Haus Holstein-Gottorp in Rußland.

Peter III., †1762,
Gem. Katharina II., †1796.
|
Paul I., †1801.
______________________|__________________
Alexander I., Konstantin, Nikolaus I.
†1825. †1831. †1855.
Gem. Charlotte v. Preußen,
†1860.
_________________________________|_________________
Alexander II., Konstantin, Nikolaus, Michael,
†1881. †1892. †1891. †1909.
Gem. Maximiliane v. Hessen.
______|________________________________________________
Alexander III., Wladimir, Alexei, Sergius, Paul.
†1894. †1909. | †1908. †1905. |
Gem. Dagmar v. Dänemark, |_______________________ |
| Kyrill. Boris. Andreas. Demetrius
_____|__________________________________
Nikolaus II., Georg, Michael.|
1894-x †1899
Gem. Alix v. Hessen.
|
Alexei.

1762.

Peter III. beginnt unvorsichtig ins Werk gesetzte Neuerungen, wird nach 6 Monaten entthront und gefangen gesetzt von seiner Gemahlin (Prinzessin von Anhalt-Zerbst), der energischen und sittenlosen

1762–1796.

Katharina II. Die Brüder Gregor und Alexei Orlow, Günstlinge Katharinas, lassen den Kaiser erdrosseln; Iwan VI. wird im Gefängnis zu Schlüsselburg getötet. Münnich, unter Peter III. zurückgekehrt, bleibt in Ansehen († 1767).

Katharina, zugleich auf innere Reformen und auf Erhöhung der Machtstellung Rußlands bedacht, wendet sich bald gegen Polen. Sie fordert und erhält von König August III. Kurland zurück für Biron, der das Herzogtum unter russischem Einfluß verwaltet und auf seinen Sohn vererbt.

Nach dem Tode Augusts III. 1763 setzt Katharina in Verbindung mit Friedrich II. die Wahl ihres Schützlings

1764–1795.

Stanislaus Poniatowski († 1798) zum König von Polen durch. Auf Rußlands und Preußens Betreiben erhalten die Dissidenten (Anhänger der griechischen Kirche und Protestanten) gleiche Rechte mit den Katholiken. Der russenfreundliche Teil des Adels schließt 1767 die Konföderation von Radom, der auch der König beitritt. Dagegen 1768 Bund des national gesinnten Teils des Adels, die Konföderation von Bar »zum Schutze der Religion und Freiheit Polens«. Mißglückter Versuch derselben, den König zu entführen. In dem Bürgerkriege wird der König durch ein russisches Heer gegen die Konföderation von Bar unterstützt. Die Türken erklären als Verbündete dieser Konföderation den Russen den Krieg (1768–1774). Rußlands Erfolge in demselben erregen Preußens und Österreichs Eifersucht. Um eine gleichmäßige Machtvergrößerung der drei Mächte herbeizuführen, erfolgt die

1772.

erste Teilung Polens: 1. Rußland erhält das Land jenseits der Düna und des Dnjepr (110000 qkm). 2. Österreich: Ostgalizien und Lodomirien (70000 qkm); (die Zips schon 1770 besetzt). 3. Preußen: Westpreußen mit Ausnahme von Danzig und Thorn, das Bistum Ermeland und den Netzedistrikt (35000 qkm), vgl. Anhang. Der polnische Reichstag gibt widerstrebend 1773 seine Zustimmung.

1768–1774.

Krieg gegen die Türken. Die türkische Flotte wird von der russischen (unter Alexei Orlow) in der Bucht von Tschesme (der Insel Chios gegenüber) 1770 geschlagen und verbrannt. Während des Krieges Aufstand des Kosaken Pugatschew, der sich für Peter III. ausgibt. Romanzows Erfolge, der die Walachei erobert und den türkischen Großvezier bei Schumla einschließt, bewirken den Frieden von Kutschuck Kainardsche:

1. Rußland erhält Kinburn an der Dnjeprmündung, Jenikale und Kertsch in der Krim, freie Handelsschiffahrt auf allen türkischen Meeren. 2. Die Tataren in der Krim und am Kuban werden für »unabhängig« erklärt. 3. Rückgabe der russischen Eroberungen in der Moldau und Walachei an ihre Fürsten, welche Rußland fortan in Konstantinopel der Pforte gegenüber vertritt.

Reformen in der Verwaltung Rußlands: Neue Einteilung der Gouvernements, Städteordnung, Milderung der Leibeigenschaft, Verwaltung der Kirchengüter durch eine kaiserliche Behörde. An die Stelle des Gregor Orlow tritt Potemkin als mächtiger Günstling der Kaiserin.

1780.

Bewaffnete Seeneutralität, zur Sicherung des Handelsverkehrs während des nordamerikanischen Krieges (s. S. 300f.). Von Rußland angeregt, treten ihr nach und nach bei: Dänemark, Schweden, Preußen, Österreich, Portugal; Spanien und Frankreich erkennen sie an. Dem Beitritt Hollands kommt England durch eine Kriegserklärung zuvor.

Forderungen der bewaffneten Neutralität: 1. Freie Schiffahrt neutraler Schiffe von Hafen zu Hafen und an den Küsten Krieg führender Mächte; 2. Feindliches Eigentum ist frei in neutralen Schiffen mit Ausnahme der Kriegszufuhr; 3. Genaue Bestimmung, was ein blockierter Hafen ist; eine Hafensperre, die nicht durch mehrere Kriegsschiffe in der Nähe des betreffenden Hafens aufrecht erhalten wird, ist ungültig.

1783.

Die Krim wird russische Provinz (Gouvernement Taurien); die christlichen Fürsten von Georgien und Mingrelien (südlich vom Kaukasus) treten unter russischen Schutz.

1787–1792.

Zweiter Türkenkrieg. Bündnis mit Österreich, Zusammenkunft Katharinas und Josephs II. in der neugegründeten Stadt Cherson am Dnjepr (1787). Potemkin erstürmt Oczakow 1788, Suwōrow erstürmt Ismail (am Donaudelta) 1790. Die Österreicher kämpfen anfangs unglücklich, doch erobert General Laudon 1789 Belgrad. Österreich schließt 1791 den Frieden von Sistowa mit den Türken und erhält wenig mehr als Alt-Orsowa (an der Donau, Paß des Eisernen Tores). Rußland erhält 1792 im Frieden zu Jassy das Küstenland am Schwarzen Meere bis zum Dnjestr. An dieser Küste wird 1793 die schnell aufblühende Handelsstadt Odessa gegründet.

1793.

Zweite Teilung Polens. Die Polen hatten den Türkenkrieg Rußlands und Österreichs und die anscheinend günstige Stimmung Preußens zu benutzen gesucht, um ihrer Abhängigkeit von den Nachbarstaaten und den anarchischen inneren Zuständen ein Ende zu machen. Bündnis mit Preußen 1790 (s. S. 291).

Die neue Verfassung von 1791 verwandelt 1. das Wahlreich in ein Erbreich, erklärt den Kurfürsten von Sachsen zum Nachfolger des Königs Stanislaus Poniatowski und den Thron für erblich im sächsischen Hause, überträgt 2. dem Könige und einem Staatsrate die ausübende, einem Reichsrate in zwei Kammern die gesetzgebende Gewalt unter Aufhebung des liberum veto, macht 3. dem Bürger- und Bauernstande einige Zugeständnisse, ermöglicht namentlich den Eintritt in den Adelsstand, dessen Privilegien im übrigen bestätigt werden.

Gegen diese Verfassung tritt unter dem Schutze Rußlands die Konföderation von Targowitz auf. Vordringen eines russischen Heeres in Polen 1791. Tapferer, aber vergeblicher Widerstand unter Fürst Poniatowski, dem Neffen des Königs, und Kosciuszko; beide werden bei Dubienka 1792 geschlagen. Der König tritt der Konföderation von Targowitz bei, die neue Verfassung wird aufgehoben. Preußen verständigt sich mit Rußland und sendet ebenfalls Truppen nach Polen. Auf dem Reichstage zu Grodno wird die Einwilligung der Nation zu den neuen Abtretungen erzwungen:

Rußland nimmt den noch übrigen Teil Litauens, Wolhynien und Podolien (236000 qkm), Preußen nimmt Danzig und Thorn, Posen und Kalisch (Südpreußen) (55000 qkm). Außerdem erzwingt Rußland einen Unionsvertrag, durch welchen es 1. freien Einmarsch seiner Truppen in Polen, 2. die Leitung aller künftigen Kriege, 3. das Bestätigungsrecht aller Verträge Polens mit auswärtigen Mächten erhält.

1794.

Aufstand in Polen, Kosciuszko an der Spitze. Die Russen unter Igelström in Warschau teils niedergemetzelt, teils zur Stadt hinausgeschlagen. Preußische und russische Truppen siegen über Kosciuszko bei Sczekozyn; die Preußen unter Friedrich Wilhelm II. nehmen Krakau, belagern Warschau vergeblich. Suwōrow siegt bei Brzesc und bei Macziejovice, wo Kosciuszko gefangen wird (1797 entlassen); erstürmt dann Praga, die Vorstadt von Warschau.

1795.

Dritte und letzte Teilung Polens. Preußen nimmt Masovien mit Warschau, das Land zwischen Weichsel, Bug und Niemen (Neu-Ostpreußen), einen Teil des Gebiets von Krakau (Neu-Schlesien); Österreich Westgalizien und Krakau; Rußland alles übrige, auch das Herzogtum Kurland. Durch die drei Teilungen erhalten die Mächte etwa folgenden Zuwachs:

Rußland465000qkm(8500 □ Meil.)mit6Mill.Einw.
Österreich115000(2100 □ „ )4
Preußen145000(2700 □ „ )

§ 9. Großbritannien und Nordamerika.

Auf Wilhelm III. (s. S. 271), welcher kinderlos stirbt folgt seine Schwägerin

1702–1714.

Anna, zweite Tochter Jakobs II., unter welcher lange Zeit die Partei der Whigs die Regierung leitet. John Churchill, Herzog von Marlborough, siegreich als Feldherr (S. 273), seine Gemahlin beherrscht den Hof.

1707.

Vereinigung Englands und Schottlands (Großbritannien) durch ein Parlament an Stelle der bisherigen Personal-Union. Schottland nimmt an dem Aufschwung Englands teil.

1710.

Das Whigministerium durch ein Toryministerium (Lord Bolingbroke) ersetzt, dann Friede mit Frankreich nach dem spanischen Erbfolgekrieg. Vergebliche Bemühungen der Tories und der Königin, ihrem Stiefbruder, dem Prätendenten Jakob Eduard, genannt Jakob III., die Thronfolge zu verschaffen. Nach dem Gesetze von 1701 (S. 272) folgt das protestantische Haus Hannover.

1714–1901.

Haus Hannover (s. S. 352).

Jakob I. (Stuart), †1625.
_________|______________
| |
Elisabeth, Karl I.,
Gem. Friedrichs V. †1649.
von der Pfalz. __|________________________________
| | | |
Sophia, Karl II., Maria, Jakob II.,
Gem. Ernst Augusts †1685 Gem. Wilhelms II. vertrieben 1688,
von Hannover. von Oranien. †1701.
___|_________________ |______ |
| | | |
Georg I., Sophie Charlotte, †1705, | |
†1727. Gem. Friedrichs I. v. Preußen. | |
___|_________________ | |
| | | |
Georg II., Sophie Dorothea, †1757, | |
†1760. Gem. Friedrich Wilhelms I. | |
von Preußen. ___________________| |
| ________________|_________
Friedrich Wilhelm III., verm. Maria, Anna, Jakob Eduard,
Ludwig, †1702. m. †1694. †1714. Prätendent,
Prinz von Gem. Georgs †1766.
Wales, v. Dänemark. |
1751. _____|__
| |
Georg III., Karl Eduard, Heinrich,
†1820. Prätendent, †1807.
†1788.

Unter Georg I. (1714–1727) Herrschaft der Whigs, ebenso unter Georg II. (1727–1760). Der Minister Walpole (bis 1742) sorgt für Erhaltung des Friedens und Förderung des Handels. 1739 Seekrieg gegen Spanien, 1744–1747 gegen Frankreich.

Der von Frankreich unterstützte Versuch des Prätendenten Karl Eduard, die Ansprüche des Hauses Stuart nochmals zur Geltung zu bringen, hat anfangs Erfolg in Schottland, wo die kriegerischen Hochländer sich erheben, wird aber durch den Sieg des Herzogs von Cumberland bei Culloden 1746 vereitelt (S. 284).

1755–1763.

Krieg gegen Frankreich, durch Grenzstreitigkeiten in Nord-Amerika entstanden, zu Lande in Amerika und Deutschland, zur See in allen Weltteilen geführt. Ministerium des älteren Pitt 1757–1761, Bündnis mit Preußen (s. S. 286). Die Engländer sind fast überall im Vorteil gegen die Franzosen.

1759.

Landsieg des englischen Generals Wolfe bei Quebec, Kanada erobert. Seesiege bei Lagos in Portugal und Quibéron.

1760–1820.

Georg III., Enkel Georgs II., zum Frieden geneigt. Frankreich verbündet sich mit Spanien (Bourbonischer Familienpakt 1761); Pitt tritt aus dem Ministerium, weil nicht sofort Krieg an Spanien erklärt wird. Sein Nachfolger Bute sucht den Frieden herbeizuführen, sieht sich aber doch zur Kriegserklärung gegen Spanien genötigt. Die englische Flotte erobert 1762 Martinique, Havanna, Manila; Spaniens Seemacht fast vernichtet.

1763.

Friede zu Paris: 1. Frankreich tritt Louisiana östlich vom Mississippi (seit 1682 französische Kolonie), Kanada und die Insel Cap Breton, sowie seine afrikanischen Besitzungen am Senegal an England ab, erhält seinen Besitz in Ostindien (Pondichery und Chandarnagar) zurück. 2. Spanien erhält Cuba und die Philippinen zurück, tritt Florida an England ab, erhält von Frankreich Louisiana westlich vom Mississippi.

1757–1784.

Eroberung Ostindiens. Die ostindische Kompagnie (S. 246) hatte 1639 Madras, 1664 Bombay erworben, um 1700 Kalkutta angelegt. Robert Clive siegt 1757 bei Plassey über den mit Frankreich verbündeten Nabob von Bengalen und erobert dieses reiche Land. Der Großmogul in Delhi (S. 219) behält nur den Schein der Herrschaft; die indischen Fürsten müssen hohen Tribut zahlen. Clive 1765 abermals nach Indien gesandt, unterdrückt Aufstände und erweitert das englische Gebiet. Warren Hastings, seit 1773 General-Gouverneur, besiegt die Mahratten und den Sultan Hyder Ali von Mysore 1781, unterwirft dadurch den größten Teil von Dekhan.

1784.

East-India-Bill des jüngeren Pitt (Minister 1783 bis 1801); die Kompagnie wird in militärischen und politischen Angelegenheiten einer königlichen Aufsichtsbehörde untergeordnet, behält aber die Verwaltung der ausgedehnten Gebiete in eigner Hand (bis 1858).

1799.

Hyder Alis Sohn Tippu Sahib, der sich nochmals gegen die englische Herrschaft erhoben hat, fällt bei der Erstürmung seiner Hauptstadt Seringapatam.

Durch diese Erfolge ist England zur vorherrschenden See- und Kolonialmacht geworden. Zugleich bedeutende Entwickelung der Industrie, Birmingham und Manchester entwickeln sich als Fabrikstädte, London und Liverpool als Haupthandelsplätze. Einen Verlust erleidet England durch den Abfall seiner nordamerikanischen Kolonien.

1775–1783.

Nordamerikanischer Freiheitskrieg

Das englische Parlament, in welchem die Kolonien nicht vertreten sind, beschließt 1765 die Einführung einer Stempel-Abgabe, 1760 eine Steuer auf Tee, Glas, Papier und Farben. Die Kolonien widersetzen sich einer Besteuerung ohne ihre Zustimmung; im Hafen von Boston wird 1773 eine Teeladung ins Meer geworfen. Die englische Regierung verhängt Hafensperre über Boston und verändert die Verfassung der Kolonie Massachusetts; ein Kongreß von Abgeordneten der Kolonien in Philadelphia 1774 beschließt das Aufhören des Handelsverkehrs mit dem Mutterlande.

1775 erstes Gefecht bei Lexington. Die Engländer, in Boston belagert, räumen diese Stadt im Frühjahr 1776, werden durch 12000 von ihrem Landesherrn verkaufte Hessen und andere deutsche Mietstruppen verstärkt, besetzen Long-Island und die Stadt New-York. George Washington (geb. 1732 in Virginien, † 1799, am Ende des französischen Krieges Oberst) erhält den Oberbefehl und bildet ein Heer.

1776. 4. Juli.

Unabhängigkeits-Erklärung der 13 Vereinigten Staaten.

Washington, von französischen Freiwilligen (Marquis v. Lafayette) begleitet, kämpft zunächst mit wechselndem Erfolge. Der früher preußische Major v. Steuben unterstützt ihn bei der kriegsmäßigen Ausbildung der Truppen.

1777.

General Gates nimmt ein englisches Korps von 6000 Mann bei Saratoga (am Hudson) gefangen.

1778.

Bündnis Frankreichs mit den amerikanischen Freistaaten, abgeschlossen durch Benjamin Franklin (geb. 1706 in Boston, Buchdrucker, Schriftsteller, Erfinder des Blitzableiters, General-Postmeister der Kolonien, seit 1776 Gesandter in Versailles). Bald tritt Spanien dem Bündnis bei; andererseits erklärt England den Krieg an Holland (S. 297).

1779–1782.

Gibraltar von Franzosen und Spaniern vergeblich belagert, von Elliot tapfer verteidigt; dagegen nehmen die Spanier 1782 die Insel Menorka (S. 274).

Seesiege des englischen Admirals Rodney bei S. Vincent 1780 und Dominika 1782. Unentschiedene Seeschlacht zwischen Engländern und Holländern an der Doggerbank in der Nordsee 1781.

1781.

Entscheidung des Landkrieges zu Gunsten der Amerikaner; Washington und Lafayette nehmen ein englisches Korps von 7200 Mann bei Yorktown (in Virginien) gefangen.

1783.

Friede zu Versailles: 1. Anerkennung der Unabhängigkeit der 13 Vereinigten Staaten. Das Western Territory erhalten die Amerikaner, die Schiffahrt auf dem Mississippi bleibt gemeinschaftlich. 2. England tritt an Frankreich in Westindien ab: Tabago; in Afrika: das Gebiet des Senegal;

3. Spanien bleibt im Besitz von Menorka und Florida (S. 300), verzichtet auf Gibraltar (S. 274).

1789–1797.

George Washington, erster Präsident der Vereinigten Staaten (United States of America).

Verfassung des Bundesstaates: Über Krieg und Frieden, Heer und Flotte, Verträge mit fremden Staaten, Münze, Maß und Gewicht, Zölle und Steuern beschließt der Kongreß, bestehend aus Senat und Repräsentantenhaus. Die Einzelstaaten verwalten nur ihre inneren Angelegenheiten. Der Präsident, auf 4 Jahre durch Wahlmänner aus allen Staaten erwählt, ernennt die Beamten und leitet die Regierung nach den Beschlüssen des Kongresses. Gegen dieselben steht ihm ein aufschiebendes Veto zu, bis der Kongreß mit Zweidrittelmajorität entscheidet.

Aufblühen des neuen Staatswesens durch Einwanderung. Vordringen der Ansiedler nach Westen, Cincinnati 1791 gegründet, die Bundeshauptstadt Washington 1793. Auf dem Kapitol hält der Kongreß seine Sitzungen, das Weiße Haus die Amtswohnung des Präsidenten.

1812–1815.

Krieg mit England (S. 331). Die Amerikaner dringen in Kanada ein. Die Engländer treiben sie zurück, besetzen Washington und zerstören das Kapitol, werden aber nach einer Landung bei New-Orleans besiegt (Jan. 1815). Unterdessen bereits (Dez. 1814) Friede zu Gent. Die Eroberungen gegenseitig zurückgegeben.

Die 13 Staaten vermehren sich bis 1821 auf 26; Louisiana, von Spanien 1800 an Frankreich zurückgegeben, wird 1803 von den Vereinigten Staaten durch Kauf erworben, ebenso Florida 1819, Texas und Kalifornien 1848 durch Krieg gegen Mexiko. Alaska 1867 durch Kauf von Rußland, Portorico und die Philippinen 1898 durch Krieg gegen Spanien, 1900 Sandwichinseln annektiert. Jetzt 47 Staaten, 3 Territorien und 1 Bundesdistrikt.

Neuen Machtzuwachs für England bringt die Erschließung der seit 1600 durch Portugiesen, Spanier (Torres) und Holländer (Tasman) entschleierten australischen Inselwelt durch die Entdeckungsreisen von James Cook 1768–1779. Er wird bei der dritten Reise auf Hawaii, der größten der Sandwichinseln, von den Eingeborenen 1779 erschlagen. Andere bisher unbekannte Gebiete werden erschlossen durch die Reisen des Schotten Bruce (Abessinien) und Mungo Park (Nigerstrom).

1788.

Sydney erste englische Kolonie in Australien. Weitere Entfaltung der englischen Literatur und Wissenschaft: Shaftesbury, Pope, Swift, Prior, Defoe, Addison, Steele, (»Tatler«, »Spectator« erste moralische Wochenschriften), Sterne, Fielding, Goldsmith, Richardson, Gray, Sam. Johnson (Macphersons Ossian 1760). Der Naturforscher Robert Boyle († 1691 in London), der Philologe Rich. Bentley in Oxford und Cambridge († 1742), der Philosoph und Geschichtschreiber David Hume in Edinburg († 1776), der Geschichtschreiber Gibbon († 1794); Adam Smith, Prof. in Glasgow, begründet 1776 die Volkswirtschaftslehre. Aufschwung der englischen Malerei: Hogarth († 1764), Joshua Reynolds († 1792), Gainsborough († 1788).

§ 10. Südeuropa.

Portugal, unter den ersten Königen aus dem Hause Braganza (S. 245) wieder zu einiger Macht gelangt, seit dem Besitz Brasiliens 1500 (S. 222) als Kolonialmacht nicht unbedeutend, gerät durch einen 1703 geschlossenen Handelsvertrag in Abhängigkeit von England. Große Macht der Geistlichkeit unter Johann V. (1706–1750); wohltätige Reformen unter Joseph I. (1750–1777) durch den Minister Carvalho, Marquis von Pombal.

1755. 1. Nov.

Lissabon durch Erdbeben größtenteils zerstört, Pombal sorgt für die Wiederherstellung.

1759.

Vertreibung der Jesuiten infolge eines Mordversuchs gegen den König.

1762–1763.

Im Bunde mit England Krieg gegen Spanien. Pombal beruft den Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe nach Portugal. Dieser organisiert Heer und Flotte. Im Frieden von Paris 1763 gibt Spanien die eroberten Plätze zurück.

Unter der Königin Maria, der Tochter Josephs I. (1777 bis 1792), Wiederherstellung der geistlichen Macht, Pombal vor Gericht gestellt, aber begnadigt, † 1782.

Spanien, seit 1701 unter Königen aus dem Hause Bourbon (S. 274), in der auswärtigen Politik mit Frankreich verbündet, gelangt nicht wieder zu seiner früheren Machtstellung. Unter Karl III. (1759–1788) Reformen des Ministers Aranda, welcher 1767 die Jesuiten vertreibt.

Sardinien, Königreich seit 1720 (S. 278), tritt unter Karl Emanuel I. (1730–1773) im Polnischen Thronfolgekrieg kriegerisch gegen, im Österreichischen Erbfolgekrieg für Österreich auf, erwirbt 1748 durch den Frieden zu Aachen (S. 284), einen Teil des Herzogtums Mailand.

Die Republik Genua hat fortdauernd ihre Unabhängigkeit gegen mächtige Nachbarn (Savoyen, Frankreich, Österreich) zu verteidigen. Die Bewohner der seit Ende des 11. Jahrh. von den Pisanern und Genuesen umstrittenen Insel Korsika, seit 1300 unter genuesischer Herrschaft, empören sich 1729. Nach wechselvollem Kampfe, wobei ein deutscher Abenteurer, Baron Neuhof aus Westfalen, kurze Zeit als König Theodor I. von Korsika auftritt (1736), ruft Genua Frankreichs Hilfe an; die Insel wird 1739 unterworfen. Doch bald neue Kämpfe, seit 1755 Pasquale Paoli an der Spitze. Genua tritt 1768 die Insel an Frankreich ab; Paoli flieht 1769 nach England, versucht 1790–1796 nochmals Korsika zu befreien, † in England 1807.

Venedig kann die frühere Blüte nicht wieder erreichen, doch werden noch ruhmvolle Kriege gegen die Türken geführt:

1645–1669.

Krieg um Kandia (Kreta); die Türken mehrmals von der venetianischen Flotte besiegt; trotz tapferer Verteidigung, welche Morosini leitet, endet der Krieg mit dem Verlust der Insel für Venedig.

1685–1699.

Krieg um Morea (Peloponnes). Venedig mit Kaiser Leopold I. und Polen verbündet (S. 266). Morosini, verstärkt durch deutsche Mietstruppen unter Graf Königsmark, vertreibt die Türken aus Morea, erobert 1687 Athen, bei dessen Belagerung der Mittelbau des Parthenon (S. 46) durch eine venetianische Bombe zerstört wird. Darauf zum Dogen erwählt, kehrt er 1693 auf den Kriegsschauplatz zurück, stirbt aber 1694 in Nauplia. Im Frieden zu Karlowitz (S. 266) bleibt Morea den Venetianern, welche die Halbinsel durch griechische Kolonisten neu bevölkern und bessere Verwaltung einführen.

1715.

Die Türken erobern Morea für immer (vgl. S. 278); nach dem Frieden von Passarowitz 1718 bleibt Venedig immer noch im Besitz eines ansehnlichen Festlandsgebietes (Verona, Brescia, Bergamo, Udine, Istrien, Dalmatien) und der Ionischen Inseln.

Toskana, nach dem Aussterben des Hauses Medici 1737 österreichische Sekundogenitur (S. 279), erfreut sich des Wohlstandes unter dem Großherzog Leopold (1765–1790), dem zweiten Sohne Maria Theresias und nachmaligen Kaiser Leopold II. Diesem folgt sein zweiter Sohn Ferdinand III. (1790 bis 1824).

Parma mit Piacenza und Guastalla seit 1748 spanische Sekundogenitur (S. 284); Modĕna im Besitz des Hauses Este (S. 210); am Hofe des Herzogs Franz III. lebt der Geschichtsforscher Muratori († 1750).

Der Kirchenstaat behauptet sein ansehnliches Gebiet (das alte Latium, Umbrien, die Marken, Ancona, Rimini, Ravenna, Bologna, Ferrara) in gutem Einvernehmen mit Österreich und Spanien.

1773.

Papst Clemens XIV., dem Andringen katholischer Staaten nachgebend, hebt den Jesuiten-Orden auf, nachdem der Ordensgeneral Ricci jede Reform abgelehnt hat (sint, ut sunt, aut non sint).

Neapel mit Sicilien unter Königen aus dem Hause Bourbon (1735–1799, dann wieder 1815–1860). Karl IV., bis 1759 (als Karl III., König von Spanien, S. 303), verbessert die Verwaltung mit Hilfe des Ministers Tanucci, der auch unter Karls Sohn Ferdinand IV. (1759–1825) bis 1777 im Amte bleibt; 1767 Vertreibung der Jesuiten. Nach Tanuccis Sturz führt die Königin Caroline Marie, Tochter der Maria Theresia, die Regierung. Ihr Minister Arcton. 1799 muß der König vor den eindringenden Franzosen nach Sicilien entweichen (S. 317).

§ 11. Frankreich.

1715–1774.

Ludwig XV., Urenkel Ludwigs XIV., dessen Sohn und Enkel vor ihm gestorben waren (S. 349). Während der Minderjährigkeit führt der Herzog Philipp von Orléans, Sohn der Elisabeth Charlotte von der Pfalz († 1721), die Regentschaft; dieser gibt durch seine Ausschweifungen dem Volke ein übles Beispiel († 1723). Mißglückter Versuch des Schotten John Law, durch Gründung einer Bank (1718) und Ausgabe von Papiergeld die zerrütteten Finanzen in Ordnung zu bringen. Gemäßigte Staatsverwaltung des Kardinals Fleury 1726–1743, dann Herrschaft der Buhlerinnen (Marquise von Pompadour 1745–1764, Gräfin Dubarry 1769–1774).

Lothringen erworben 1738 (S. 279); erfolglose Teilnahme am österreichischen Erbfolgekrieg und am Siebenjährigen Krieg, unglücklicher Krieg mit England (S. 299f.). Verlust der Kolonien in Nordamerika (S. 300). Vertreibung der Jesuiten 1761 durch den Minister Choiseul. Opposition des höchsten Gerichtshofs, des Parlaments zu Paris; Aufhebung der Parlamente 1771. Beim Tode des Königs 4000 Mill. Livres Staatsschulden; der Staat heillos zerrüttet.

1774–1792.

Ludwig XVI., dessen redlicher Wille bei dem Mangel an Tatkraft den herannahenden Sturm der Revolution nicht mehr durch schwache Reformversuche zu beschwichtigen vermag. Wiederherstellung der Parlamente 1774. Ludwig XVI., Enkel seines Vorgängers, persönlich ehrbar und sittenrein. Seine Gemahlin Marie Antoinette, Tochter Maria Theresias von Österreich, anfangs beim Volke nicht unbeliebt, wird bald Gegenstand der gehässigsten Verleumdungen, namentlich infolge des anstößigen Halsbandprozesses (Kardinal Rohan, Gräfin Lamotte). Frankreichs Teilnahme am Nordamerikanischen Freiheitskriege (S. 301) verschärft den alten Gegensatz gegen England.

Die französische Literatur im 18. (philosophischen) Jahrhundert ist ein getreues Abbild der Sitten des französischen Hofes und Volkes: Lesage († 1747), Montesquieu († 1755), Voltaire (1694–1778), Rousseau (1712–1778), B. de St-Pierre († 1814), A. Bertin († 1790), Beaumarchais († 1799). Als Maler verdienen Erwähnung: Watteau (Hauptmeister des Rokoko, † 1721), Boucher († 1770), Fragonard († 1806).