ZEHNTER AUFTRITT
CHRISTIAN:
Was war das plötzlich für ein Ton von ihm? Habe ich einen Fehler gemacht?
Am Fenster:
Er läßt ihn vor sich in den Wagen steigen? Welch umständliche Höflichkeit. — Ich habe einen Fehler gemacht! Meine Hilflosigkeit, meine Verlegenheit um ihn hat er bemerkt. Bin ich rot, blaß?
Er läuft zum Spiegel:
Ich zittre ja wie Espenlaub!
Er springt auf einen Stuhl am Fenster:
Er offeriert ihm eine Zigarre. Beide lachen über's ganze Gesicht. Worüber? Über mich? Herrgott, einen furchtbaren Fehler habe ich gemacht! Wollte ich nicht auftrumpfen, habe ich vor fünf Minuten hier nicht geschworen, mich mit ihm brüsten, rühmen zu wollen? Hatte ich doch den einzig richtigen Instinkt.
Und nun wird er es Marianne, wird es der ganzen Familie klatschen, ich wollte meinen Vater verleugnen. Kann er nicht behaupten, ich hätte ihn ehemals totgesagt? Das leugne ich ihm aber brüsk ins Gesicht ab.
Gegenmaßregeln! Schnell! Was?
Er läutet. Diener tritt auf.
Setzen Sie die Fremdenzimmer in Bereitschaft. Mein Vater kam an. Dem alten Herrn soignierteste Bedienung.
Diener exit.
CHRISTIAN ihm bis zur Tür nach:
Halt! Wartet man nicht besser ab, was kommt? Vielleicht bekäme man ihn doch noch ohne allzu großes Aufsehen fort. Nein, nein und endlich nein! Wie ich es heute morgen in mir wußte, wie es sich schon bewiesen hat: mit größter Geste muß ich ihn als etwas Außergewöhnliches darbieten.
Sofort in Szene setzen! Von weither vorbereiten! Und es soll die ganze Familie umfassen.
Wenn es nicht schon eine Katastrophe ist.
Er läuft im Zimmer umher:
Was werden sie am Weintisch tun?
Was wird er aus dem Alten herausholen? Wenn er, wenn der andere besoffen ist?
Warum bin ich denn nicht mit von der Partie?!
Außer sich:
Um Gottes willen! Ja um Gottes willen!
Er heult auf:
Statt meinem schlichten Kindesinstinkt zu folgen. Ich könnte mich ohrfeigen!!