ZWEITER AUFTRITT

CHRISTIAN im Reitanzug tritt schnell auf:

Gnädigste Komtesse. Graf. Wenigstens kann ich zu meiner Entschuldigung sagen, der Kolonialminister hielt mich auf, wollte meinen Rat.

GRAF:

Er ist des Lobes voll von Ihnen, will Sie nächstens unserer allergnädigsten Majestät präsentieren.

CHRISTIAN:

Zur Entscheidung seiner Frage hätte es Genies bedurft, das ich nicht besitze. Die ungeheuere Verantwortung bricht in Dingen, die das Wohl des Staates angehen, die Kraft jeder Meinung, die ihr Bewußtsein nicht in Gott hat.

GRAF:

Magnifique! Was ritten Sie heute?

CHRISTIAN:

Einen Chamantsproß aus der Miß Gorse. — Gefällt Ihnen das Bild, Komtesse?

MARIANNE:

Ich habe in solchen Dingen nicht Urteil genug. Doch ergreift es mich.

CHRISTIAN:

Es ist kein Meisterwerk Corots; Valeurs und Tonalität aber eigenartig.

GRAF:

Können Sie so etwas bestimmen?

CHRISTIAN:

In meinem Leben sah ich zwei- bis dreihundert Bilder des Malers.

GRAF:

Wo nehmen Sie die Zeit her?

CHRISTIAN:

Ich nehme sie kaum. Nicht viel mehr als ein Blitz kam von der ersten Leinwand zu mir. Doch zündete sie, und ich war für den Rest lebendig.

Zu Marianne:

So geht es mit allen Dingen.

GRAF:

Wir müssen fort.

Zu Marianne:

Für ein halb zwölf hast du dich zu Friesens angesagt.

CHRISTIAN zum Grafen:

Begleiten Sie die Komtesse oder darf ich Sie um ein paar Minuten bitten?

GRAF zu Marianne:

Brauchst du mich?

MARIANNE:

Bleib.

CHRISTIAN zu Marianne:

Ich bringe Sie zum Wagen.

Marianne und Christian exeunt.