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Ulenspiegel gelangte im Märzmond nach Namur. Dort sah er Lamm, welcher, von großer Liebe für die Fische der Maas, sonderlich die Forellen, ergriffen, einen Kahn gemietet hatte und mit Verlaub der Gemeinde im Fluß fischte. Aber er hatte der Fischergilde fünfzig Gülden gezahlt. Er verkaufte und aß seinen Fisch und erwarb sich bei diesem Handwerk eine Aufbesserung seines Bauches und ein Säcklein mit Karolus.

Da er seinen Freund und Gesellen am Ufer der Maas wandeln sah, um in die Stadt zu gehen, ward er frohen Muts, stieß sein Boot gegen das Ufer, und indem er schnaufend die Böschung hinanstieg, gelangte er zu Ulenspiegel. Vor Freuden stammelnd, sagte er:

„Da bist Du also, mein Sohn, mein Sohn in Gott, denn meine Arche von Bauch könnte ihrer zwei wie Dich tragen. Wohin gehst Du? Was willst Du? Bist Du gewißlich nicht tot? Hast Du mein Weib gesehen? Du sollst von den Fischen der Maas essen, den besten, die in dieser gemeinen Welt sind. Sie machen in diesem Lande Saucen, daß man seine Finger bis zu den Schultern aufessen möchte. Du bist stolz und hoffärtig, weil Du den Sonnenbrand der Schlachten auf den Wangen hast. Da bist Du also, mein Sohn, mein Freund Ulenspiegel, der lustige Landstreicher.“

Dann leiser redend:

„Wieviel Spanier hast Du getötet? Sahest Du mein Weib nicht in ihren Wagen voller Dirnen? Und von dem Maaswein, der für verstopfte Leute so köstlich ist, sollst Du trinken. Bist Du verwundet, mein Sohn? Hier bleibst Du, frisch und gesund und munter wie ein junger Adler. Und die Aale, davon sollst Du kosten. Kein Sumpfgeschmack. Küß mich, mein Dickwanst. Gott sei gelobt, wie froh bin ich!“

Und Lamm tanzte, sprang, schnaufte und zwang Ulenspiegel zu tanzen.

Dann wanderten sie gen Namur. Am Stadttor wies Ulenspiegel seinen vom Herzog unterschriebenen Paß vor. Und Lamm führte ihn in sein Haus.

Dieweil er das Mahl bereitete, hieß er ihn seine Abenteuer erzählen, und er gab die seinen zum besten. Er hatte das Heer verlassen, sagte er, um einem Mädchen zu folgen, das ihm seine Frau zu sein dünkte. Bei dieser Verfolgung war er bis nach Namur gekommen. Und unaufhörlich sagte er:

„Hast Du sie nicht gesehen?“

„Ich habe andere sehr schöne gesehen,“ antwortete Ulenspiegel, „und sonderlich in dieser Stadt, wo alle verliebt sind.“

„Wahrlich,“ sagte Lamm, „man hat mich hundert Mal haben wollen, aber ich blieb treu, denn mein betrübtes Herz ist von einer einzigen Erinnerung geschwellt.“

„Gleichwie Dein Bauch von zahlreichen Gerichten,“ entgegnete Ulenspiegel.

Lamm versetzte: „Wenn ich betrübt bin, muß ich essen.“

„Ist dein Kummer ohne Ende?“ fragte Ulenspiegel.

„Ach ja!“ sagte Lamm.

Und indem er eine Forelle aus einem Tiegel zog, sprach er:

„Sieh, wie schön und fest sie ist. Dies Fleisch ist rosenrot wie das meiner Frau. Morgen werden wir Namur verlassen; ich habe ein Säckel voller Gülden, wir wollen uns jeder einen Esel kaufen, und also werden wir uns aufmachen und nach dem Lande Flandern reiten.“

„Dabei wirst Du viel verlieren.“

„Mein Herz zieht mich nach Damm. Es war der Ort, wo sie mich gar lieb gehabt hat. Kann sein, daß sie dorthin zurückgekehrt ist.“

„Da Du es begehrst, wollen wir morgen aufbrechen,“ sagte Ulenspiegel.

Und so geschah’s. Jeder auf einem Esel sitzend, zogen sie fort und ritten Seite an Seite.