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Es wehte ein scharfer Wind. Die Sonne, in der Frühe so hell wie die Jugend, ergraute wie ein alter Mann. Regen, mit Schloßen gemischt, fiel. Als der Regen aufgehört, schüttelte sich Ulenspiegel und sprach:

„Der Himmel, der so viel Dünste trinkt, muß sich bisweilen erleichtern.“

Wiederum stürzte der Regen mit noch mehr Hagel als zuvor auf die beiden Gefährten. Lamm stöhnte:

„Wir waren trefflich gewaschen; muß man uns auch noch spülen?“

Die Sonne schien wieder, und sie ritten frohgemut.

Nun fiel ein Regen mit Hagelschloßen, so mörderisch, daß er die dürren Zweige der Bäume wie mit einem Bündel von Messern zerhackte.

Lamm sagte:

„Hoho, ein Dach! Mein armes Weib! Wo seid Ihr, gutes Feuer, süße Küsse und fette Suppen?“

Und der dicke Mensch weinte.

Doch Ulenspiegel sprach:

„Wir jammern; aber kommen nicht unsere Uebel aus uns selbst? Es regnet auf unsere Schultern, aber dieser Dezemberregen wird Maienklee machen. Und die Kühe werden vor Freude brüllen. Wir sind ohne Obdach, aber warum freien wir nicht? Will sagen, ich die kleine Nele, die so schön und gut ist und mir jetzund ein gutes Gericht Rindfleisch mit Bohnen dämpfen würde. Uns dürstet ohngeachtet des Wassers, das herunterkommt. Warum wurden wir nicht Gesellen, die einem Handwerk treu sind? Die, so Meister geworden sind, haben volle Tonnen Braunbiers im Keller.“

Klasens Asche brannte auf seinem Herzen. Der Himmel klärte sich, die Sonne erglänzte und Ulenspiegel sprach:

„Frau Sonne, Euch sei Dank, Ihr erwärmt uns das Kreuz. Klasens Asche, Du erwärmst uns das Herz und sagst uns, daß die gesegnet sind, die zur Befreiung des Vaterlandes umherirren.“

„Mich hungert,“ sprach Lamm.