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In den ersten Tagen des Maimonds, als das Schiff unter blauem Himmel stolz über die Flut fuhr, sang Ulenspiegel:

„Die Asche brennt auf meinem Herzen.

Die Henker kamen her und töteten

Mit Dolch und Feuer, Kraft und Schwert

Und lohnten die schändlichen Spione.

Wo Lieb’ und Treue war, die holden Tugenden,

Säten sie Mißtraun und Verrat.

Zum Tod mit den Schergen,

Schlaget die Trommel des Krieges.

Es lebe der Geuse! Schlaget die Trommel!

Briel ist genommen.

Und Vlissingen auch, der Schlüssel der Schelde;

Gott ist gut, Camp Veere ist genommen.

Wo waren Zeelands Geschütze?

Wir haben Kugeln, Pulver und Blei,

Geschmiedete und gegossene Kugeln.

Gott ist mit uns, wer ist wider uns?

Schlaget die Trommel des Krieges und Ruhmes!

Es lebe der Geuse! Schlaget die Trommel!

Das Schwert ist gezückt. Seid mutigen Herzens!

Fest sei der Arm. Das Schwert ist gezückt.

Fluch sei dem Zehnten, der uns verarmt,

Tod dem Henker, der Strang für den Räuber,

Meineidigem König rebellisches Volk!

Gezückt ist das Schwert für unsere Rechte,

Für unsere Häuser, die Weiber und Kinder.

Gezückt ist das Schwert, die Trommel schlagt!

Seid mutigen Herzens; fest sei der Arm!

Fluch sei dem Zehnten, der falschen Vergebung!

Schlaget die Trommel des Kriegs, die Trommel schlagt!“

„Ja, Gevattern und Freunde,“ sprach Ulenspiegel, „sie haben in Antwerpen vor dem Rathaus ein glänzend Gerüst errichtet, mit rotem Tuch überzogen. Darauf sitzt der Herzog inmitten der Lakeien und Söldlinge wie ein König auf seinem Throne. Wenn er wohlwollend lächeln will, macht er eine saure Fratze. Schlaget die Trommel des Krieges!

„Er hat Vergebung gewährt: Still da ... Sein vergüldeter Harnisch gleißt in der Sonne, der Generalprofoß hält zu Pferde neben dem Baldachin. Siehe da kommt der Herold mit den Paukenschlägern. Er liest: es ist die Vergebung für alle, so nicht gesündigt haben, die andern sollen grausam gestraft werden.

„Höret, Gevattern. Er verliest das Edikt, welches bei Strafe der Rebellion die Bezahlung des zehnten und zwanzigsten Pfennigs vorschreibt.“

Und Ulenspiegel sang:

„O Herzog, hörst Du des Volkes Stimme,

Das starke Raunen? So schwillt das Meer,

Wenn die große Springflut sich naht.

Genug des Geldes, genug des Blutes,

Genug der Trümmer! Schlaget die Trommel.

Gezückt ist das Schwert. Schlaget die Trommel der Trauer!

Das ist die Kralle in blutiger Wunde,

Der Raubmord. Was mußt Du denn all unser Gold

Zu unserem Blute mischen, um es zu trinken?

Wir gingen den Pfad der Pflicht, getreu

Des Königs Majestät. Meineidig ist er,

Des Eides sind wir ledig. Schlaget die Trommel des Krieges!

Herzog von Alba, Blutherzog,

Werkstatt und Kaufladen siehe geschlossen,

Siehe die Brauer, Bäcker und Krämer,

Die ob der Steuer nicht wollen verkaufen.

Wenn Du vorübergehst, grüßet Dich wer?

Nicht einer. Fühlst Du wie Pesthauch nicht

Haß und Verachtung Dich umwittern?

Das schöne Land Flandern,

Das frohe Land Brabant

Sind traurig wie Totenhöfe.

Und da, wo einst in der Zeit der Freiheit

Die Bratschen sangen, die Pfeifen schrillten,

Herrscht Schweigen und Tod.

Schlaget die Trommel des Krieges.

Wo frohe Gesichter lachten

Von Zechern und singenden Liebespaaren,

Starren jetzt die bleichen Gesichter

Derer, die in Ergebung warten

Auf den Schwerthieb der Ungerechten.

Schlaget die Trommel des Krieges.

Keiner hört mehr in den Schenken

Das fröhliche Klinken der Gläser

Noch der Mädchen helle Stimmen,

Die mit Gesang die Stadt durchzogen.

Und Brabant und Flandern, Länder des Frohsinns,

Wurden Länder der Tränen.

Schlaget die Trommel der Trauer.

Erde der Väter, geliebte Dulderin,

Unter des Mörders Fuß nicht beuge die Stirn.

Fleißige Bienen, stürzt Euch in Schwärmen

Auf die hispanischen Drohnen.

Reihen lebendig begrabner Frauen und Mädchen,

Schreiet zum Himmel nach Rache.

Irret nachts auf den Fluren, Ihr armen Seelen,

Und schreiet zum Himmel. Es zittert der Arm, um zu schlagen.

Das Schwert ist gezückt! Herzog, wir reißen die Därme Dir aus

Und peitschen damit Dein Gesicht,

Schlaget die Trommel. Das Schwert ist gezückt.

Schlaget die Trommel! Es lebe der Geuse!“

Und alle Seeleute und Soldaten von Ulenspiegels Schiff und auch die von den andern Schiffen sangen desgleichen:

„Das Schwert ist gezückt, es lebe der Geuse!“

Und ihre Stimmen grollten wie Donner der Freiheit.