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Zur selbigen Zeit stellten die Inquisitoren und Theologen dem Kaiser Karl zum andern Male vor, daß die Kirche zugrunde ginge, daß ihre Herrschaft verachtet würde und daß er die herrlichen Siege, so er errungen, den Gebeten der Katholischen Christenheit verdankte, welche die kaiserliche Macht auf ihrem Throne erhielte.

Ein Erzbischof von Spanien heischte von ihm, daß sechstausend Köpfe abgeschlagen oder ebensoviele Körper verbrannt würden, auf daß die bösartige lutherische Ketzerei in den Niederlanden ausgerottet würde. Seine Heilige Majestät dünkte solches nicht genug.

Derhalben erblickte auch der arme Ulenspiegel an allen Orten, durch die er voll Entsetzens zog, nur Köpfe auf Pfählen, junge Mägdlein in Säcke gesteckt und lebendig in den Fluß geworfen. Er sah Männer nackend aufs Rad geflochten und mit Eisenstangen grausam zerschlagen, Frauen in eine Grube geworfen und Erde auf sie geschüttet, und der Henker tanzte ihnen auf der Brust, um sie zu zerbrechen. Aber die Beichtiger derer, so zuvor bereut hatten, verdienten jedesmal zwölf Heller.

In Löwen sah er die Henker dreißig Lutherische zumal verbrennen, und der Scheiterhaufen ward mit Schießpulver entzündet. Zu Limburg sah er eine Familie, Männer und Frauen, Töchter und Töchtermänner zur Richtstatt schreiten und Psalmen singen. Der Vater, welcher alt war, schrie, während er verbrannte.

Und Ulenspiegel wanderte auf der armen Erde und empfand Furcht und Schmerz.